3.Die altgermanische Namenwelt.
Wenden wir uns, nachdem wir dies vorausgeschickt, zu unserm Volke in seiner ungetrübten Ursprünglichkeit und fragen: Was ist das Eigentümliche der altgermanischen Namengebung?
Der Geist und Sinn, die ganze Anschauungsweise eines ursprünglichen Volkes spricht sich bezeichnend aus in den Vorstellungen, die es sich vom Übersinnlichen, von der Gottheit macht. Wie Gott die Menschen schuf nach seinem Ebenbilde, so denkt sich umgekehrt der Naturmensch die Gottheit gern nachseinemmenschlichen Bilde. Was ihm als das Höchste erscheint, das überträgt er auf jene und stellt somit einen Spiegel auf seines eigenen Selbst. Wie hat nun der Germane sich die Gottheit gedacht? Hören wir darüber den beredten Mund eines neueren Forschers, der sich in der Hauptsache folgendermaßen ausspricht: „Während andere Völker die stille, starre Ordnung der Himmelskörper, der Gestirne, über alles andere gefeiert und das Leben der Menschen zu einem Abbilde dieser stillen, starren Ordnung zu machen gesucht haben; während wieder andere das in denEntwickelungen der Dinge bemerkbare Ebenmaß und die Schönheit des lebendigen, organischen Maßes, die Harmonie gefeiert haben — hat die germanische Glaubenslehre an die Spitze aller Götterfiguren eine Personifikation gestellt des ungebrochenen, rastlos jagenden, todverachtendenHeldengeistes, den Wuotan.[5]Damit ist der ungebrochene, gottbewegte, persönliche Heldensinn über alles andere gesetzt und zum höchsten Gegenstande der Verehrung und des sittlichen Strebens gemacht.“ (H. Leo, Vorlesungen I, 109).
Diesen stürmischen Heldengeist zeigt unser Volk von seinem ersten Auftreten in der Geschichte an. Heftig und ungestüm war die Kampfesart der Germanen, zumal ihre ersten Angriffe zu Beginn der Schlacht, und nur der überlegenen Kriegskunst der Römer gelang es, die furchtbare Kraft derselben zu brechen.[6]So in dem Kriege der Cimbern und Teutonen, welche fünf Jahre hindurch alle gegen sie ausgesandten Heere der Römer schlugen und vernichteten, bis es endlich dem großen Feldherrn Marius gelang, den Sturm zu beschwören und das drohende Verderben von Rom abzuwenden; so in dem Kampfe Cäsars mit Ariovist, so in allen nachfolgenden Kämpfen, bis zu dem gewaltigen Gewittersturm der Völkerwanderung.
Bekannt sind die Zeugnisse des Tacitus für die Tapferkeit der Germanen (nullus mortalium armis aut fide ante Germanos). Krieg und gefahrvolle Unternehmungen waren ihre Lust — daher jene nie gesättigte Begier nach Abenteuern, die Gier, Gefahrvolles aufzusuchen und mit dem Furchtbaren zu kämpfen; daher auch im Frieden die Lust, auf ungemessenen, ungebahnten Pfaden das Wild zu jagen. „Wer hat mehr Mut“, ruft der Römer Seneca, „als die Germanen? Wer stürmt mit größerer Gewalt? Wer liebt leidenschaftlicher die Waffen, mit denen sie gleichsam geboren, in denen sie aufgezogen werden? Die allein sind ihre Sorge, alles andere kümmert sie wenig.“ (Sen. de ira I, 11.) Im Einklang damit läßt der jüdische Schriftsteller Josephus den König Agrippa zu den Juden sagen: „Ihr habt ohne Zweifel von den Germanen gehört. Ihr habt ihre Stärke gesehen und die Größe ihrer Gestalt. Sie haben aber einen Geist, der größer ist als ihreLeiber, eine Seele, die den Tod verachtet, und einen grimmigern Zorn als die wilden Tiere.“
Dieser wilde Kriegsmut ist der „furor Teutonicus“, der im Altertume wie zum Sprichwort geworden noch von viel späteren Schriftstellern oftmals erwähnt wird.
So war der Geist unserer Ahnen, und diese todesverachtende Kühnheit, dieser wuotanische Heldensinn spiegelt sich ab auch in der Namengebung jener Zeit, des Heroenalters unseres Volkes. Und wenn uns keine Geschichte und keine Sage Kunde gäbe, so würden diese zahlreichen männlichen und auch weiblichen Namen vernehmlich genug sprechen, die da wiederklingen vonWaffenundKriegundKampfundSieg.
Hild,Gund,Had,BadundWigsind lauter Ausdrücke für Kampf, Schlacht, Krieg, Wortstämme, die, sonst in unserer Sprache längst erstorben, nur noch in den Namen und zwar hier um so häufiger fortleben. Es ist hier nicht der Raum, alle die Ableitungen und Zusammensetzungen aufzuzählen, von denen die Sprache damals eine staunenswerte Menge und Mannigfaltigkeit besaß. Nur zur Probe wollen wir, um an einem Worte diesen Reichtum zu zeigen, die von dem Stammehildgebildeten Namen vollständiger hersetzen:[7]
Hildibald,Hildibern,Hildiberht,Hildibodo,Hildibrand—Hildidag—Hildifrid,Hildifuns—Hildigang,Hildigar,Hiltigast,Hildegaud,Hildegern,Hildigis,Hildigrim—Hildehoc—Hildelaic,Hiltilant,Hiltileip,Hiltilouc—Hildiman,Hildimar,Hildimod,Hiltimund—Hildinand—Hildirad,Hiltiram,Hildiric,Hiltiroch—Hiltiscalh,Hiltistain—Hildulf—Hildowald,Hildiwar,Hildiward,Hildiwerc,Hiltiwic,Hildiwin.
Hildibald,Hildibern,Hildiberht,Hildibodo,Hildibrand—Hildidag—Hildifrid,Hildifuns—Hildigang,Hildigar,Hiltigast,Hildegaud,Hildegern,Hildigis,Hildigrim—Hildehoc—Hildelaic,Hiltilant,Hiltileip,Hiltilouc—Hildiman,Hildimar,Hildimod,Hiltimund—Hildinand—Hildirad,Hiltiram,Hildiric,Hiltiroch—Hiltiscalh,Hiltistain—Hildulf—Hildowald,Hildiwar,Hildiward,Hildiwerc,Hiltiwic,Hildiwin.
Dabei sind die weiblichen Namen, wieHildigunda,Hildiburg(von denen späterhin!) noch gar nicht berücksichtigt.
Von dem StammeGundkommen, um nur wenige Namen herauszugreifen,Gundachar(Kriegskämpfer),Gundobert(kampfprangend),Gundemar(kampfberühmt);
vonWig:Wigand(Kämpfer),Wiglef(Kampfessohn),Chlodowech(Ruhmeskampf), der Frankenkönig des 5. Jahrhunderts.
Zu Kampf und Schlacht gehörenWaffen. Auch diese sind zahlreich vertreten. Haben sich doch ganze Völkerschaften danach genannt, wie z. B. die Sachsen nach ihren langen Kriegsmessern, althochdeutschsahs,angelsächsischseax, nach welchen selbst ein Gott, der Kriegsgott der Germanen,Saxnot(Schwertgenoß) benannt ist.[8]
Die deutsche Nationalwaffe, dieFrame(bei Tacitus), ein Spieß mit schmalem, kurzem Eisen, geschickt für den Nahkampf wie für den Fernkampf, für Stoß und Wurf, begegnet inFramhard(speerkräftig) — das althochdeutscheger, Wurfspeer, inGairebald(gerkühn),Garibert(gerprangend),Ansigar, altsächsischOsgar(Asenspeer d. i. Götterspeer); — dasSchwert,ecka(Schwertecke = Schneide, Stammag) inAgabert(schwertglänzend),Agihard,Ekkihart(schwertstark).
Die Schutzwaffen treten zurück; waren doch die alten Germanen damit kärglich ausgerüstet: fast mit nacktem Leibe, nur mit einem langen, schmalen Schilde aus Holz und Leder traten sie furchtlos den wohlausgerüsteten römischen Legionären entgegen.
Der Schild heißtRand, daherRantowic(Schildkämpfer),Bertrand(leuchtender Schild).
Panzer besaßen die Germanen auch zu Armins Zeiten noch nicht, selbst nicht einmal eigentlicheHelme. Statt dessen setzten sie die Kopfhaut von erlegten Tieren auf, deren Fell zugleich als Mantel die Schultern bedeckte. Daher die NamenBernhelm,Ebarhelm,Wolfhalm. Doch später, als sie in der Kunst des Schmiedens sich vervollkommnet, traten eherne Helme an die Stelle, und somit gewannen Namen wieHelmperht(helmglänzend) eine Berechtigung.[9]
Die kriegerische Eigenschaft derKraftundStärkeklingt an inmagan,megin:Maganhard(machtstark),Magnobod(mächtig gebietend); inellan, got.aljan:Ellanperht(kraftglänzend),Aljanmot(kraftmutig) — dieKühnheitin besonders vielen Namen; dahin gehören vor allem die zahlreichen Bildungen mitbald:Baldawin(kühner Freund),LiutbaldundTheudobald(sehr kühn),Hunibald(riesenkühn); ferner die Zusammensetzungen mitnand:Nandulf(kühner Wolf),Siginand(siegeskühn).
Die Gesamtheit der freien, waffenfähigen Männer bildete bei den Germanen dasHeer, althochd.hari,heri, altfränkischchari. Hierher gehört, um den ältesten überlieferten Namen voranzustellen, wahrscheinlich das im römischen Munde wohl etwas entstellteAriovist, sicher aberHariman(Heeresmann),[10]Hariberaht(heerglänzend),Cariovalda(der heerwaltende), Bataverfürst des 1. Jahrh. (Tac. Ann. II, 11); dann besonders die vielenNamen, deren zweiter Teil aus diesem Worte besteht, wieRaganhar,Werinheri.
Aber die Tapferkeit der Germanen, so stürmisch sie war, war doch kein bloßes Dreinschlagen, das desklugen Ratesentbehrt hätte. Wuotan ist nicht allein der Gott des Sturmwindes, sondern auch der der Weisheit, und neben den stürmenden, alles vor sich niederwerfenden Wate des Gudrunliedes stellt sich der kluge Frute. Welchen Wert die Germanen auf einsichtsvollen Rat gelegt haben, lehren nun auch lange Reihen von Namen. Da sind die mitrat:Adalrad,Chuonrat; da istragan(Rat):Raganfrid,Raginmund;mathal(Versammlungs-, Beratungs- und Gerichtsort des Volkes):Mathalwin;hugu(denkender Geist):Hugubert.
Solchem mit Kraft und klugem Rate zugleich geführten Kampfe kann derSiegnicht fehlen:Sigifrith,Sigiberht,Sigimundund mit erweitertem StammeSigismund(Siegschutz, durch Sieg schützend).
So hören wir alles von Schwertergeklirr und Waffenklang wiederhallen, wir hören die Tapferkeit der Germanen heraus, ihren Schlachtenmut, ihre Siegesfreude; wir begreifen, daß Leute, die Krieg und Jagd für die einzigen eines freien Mannes recht würdigen Beschäftigungen hielten, die sich am liebsten nach ihren Waffen, nach Schwert und Lanze nannten, daß diese wohl ihren Nachbarn furchtbar sein mußten, ja den bis dahin unbezwinglichen Römern ein „bis hierher und nicht weiter!“ zurufen konnten.
Das mächtigeWaltennach Kampf und Sieg liegt inWaldomar(im Walten berühmt),Sigiwalt,Chraftolt; — ferner inrich(mächtig):Ricohard,Frithuric,Ermanarich(der Gotenkönig aus dem 4. Jahrhundert, welcher sich in dem Schmerz über die Zurückdrängung seines Volkes durch die Hunnen im 110. Lebensjahre selbst den Tod gab).
Der mit solchem Siegen und Walten verbundeneRuhmwird, abgesehen von dem überaus häufigenberaht,bert, besonders durch die Stämmehlod,hrodundhromdargestellt:Chlodowald(ruhmwaltend);Hrodegang(Ruhmesgänger),Romuald(ruhmwaltend); ferner durchmar, schon seit dem 1. Jahrhundert in Namen wieCatumer,Inguiomer(Armins Oheim, Tacit. Ann. I, 60).
Im vollen Einklang hiermit werden auch in den aus derTierweltentlehnten Benennungen starke, kampflustige, herrschende Tiere entschieden bevorzugt, solche, deren Schönheit, Kraft, Schnelligkeit der Germane bewunderte, wenn er auch mit ihnen als Jäger oder Hirt in Fehde lag.
Der Herrscher von Wald und Heide, der grimmigeBär, nahm einst in der Anschauung des Nordens die Stelle ein, aus welcher ihn später der fremdländische Löwe verdrängt hat: er war König der Tiere. Daher die Namen:Berinhard,Beringar,Isanpero.
Nicht minder passend, als Sinnbild der Größe und Stärke, ist derUr, das gewaltigste einheimische Tier, oft im Kampfe mit dem Bären:Urold,Uremar. Beiden schließt sich derEberan, ebenfalls durch wilde Stärke ausgezeichnet. EinfachIbor(Eber) hieß der älteste, uns überlieferte Anführer der Langobarden aus dem 4. Jahrhundert; am bekanntesten istEbarhard.
Herrscher im Reiche der Lüfte ist derAar:Arnoald(waltend wie ein Aar).
Doch die beiden königlichen Tiere Bär und Adler treten zurück gegen zwei andere von scheinbar geringerer Bedeutung:WolfundRabe. Dies rührt daher, weil letztere heilige Tiere sind. Freilich war auch der Eber schon ein geheiligtes Tier, doch nur des Gottes Fro, während Wolf und Rabe Diener des höchsten Gottes Wuotan sind. Zwei Wölfe,GeriundFreki(gierig und frech d. i. kühn), und zwei Raben,HuginnundMuninn(Gedanke und Erinnerung), sind Wuotans ständige Begleiter. Jene begleiten ihn als seine Hunde, wenn er in seinen Wolkenmantel gehüllt auf windschnellem Rosse auszieht. Der Wolf ist daher ein heil- und siegverkündendes Tier. Nach ihm hat der älteste Schriftsteller unserer Literatur den Namen:Vulfila(Ulfila, Wölflein), der westgotische Bischof und Bibelübersetzer aus dem 4. Jahrhundert. Ganz besonders häufig ist der Name des Wolfes als zweiter Teil der Zusammensetzung in der abgeschliffenen Formulf(olf):Athaulf,Maginulf,Ebarolf.
Die Raben sind die beutegierigen Tiere des Schlachtfeldes, die Kriegs- und Siegesvögel und so dem Wuotan als dem obersten Schlachtenlenker heilig, der auch von ihnen den Beinamen „Rabengott“ führt. Einen Raben hatte der schreckliche NormannenhäuptlingRagnar Lodbrokrauf seiner Schlachtenfahne; je nachdem er auf derselben munter in den Lüften flatterte oder seine Flügel hängen ließ, schloß man auf Sieg oder Niederlage. So haben wir nun unter anderen die Namen:HiltiramundGundhram(Kriegsrabe),Sigihram,Walahram(Rabe des Wal d. i. der Gefallenen),Wolfhraban, die beiden heiligen Tiere verbunden.
Bei den von Wolf und Rabe hergeleiteten Namen stehen wir mit einem Fuße schon auf einem anderen Gebiete, welches dicht daran grenzt, auf dem Gebietereligiöser(mythologischer), von denGötternentlehnter Benennungen. Die ungeheuchelte Ehrfurcht vor dem Heiligen, den sieg- und segenspendenden Göttern, liegt in zahlreichen Namen zu Tage.
Unser uraltes und ureigenes WortGottist inGodolef(gotischGudilaibs, althochd.Cotleip), gottgeboren, enthalten; ferner inGodefrid,Godascalc(Gottesknecht),Godowin(Gottesfreund),Gotahardu. a.
Die Namen der obersten Götter:Wuotan,Donar,Ziu,Frowerden, wohl aus religiöser Scheu, nicht zu Personennamen verwendet (nur ausnahmsweise findet sich einThunerulfoderDonarperht) — desto häufiger die allgemeinen Götternamen und die Benennungen der untergeordneten Götterwesen. So dieAnsen(Asen, Götter) inAnshalm(der mit dem Asenhelm, Götterhelm),Ansoin,Ansowald, die uns geläufiger sind in der altsächsischen und angelsächsischen Form, woansinôszusammengezogen wird, also:Osvine,Osvald.
In das geheimnisvolle Reich der Naturgeister, der Albe oder Elfen, von denen Sage und Märchen so viel zu erzählen wissen, führen uns Namen wieAlbirich(Elfengebieter),Albarad, angels.Älfred(Elfenrat),Alfwin,Alboin(Elfenfreund).
Den Gegensatz zu dem kleinen, bald gutmütig helfenden, bald boshaft schadenden Elfenvolke mit ihrem Anhange der Zwerge und Wichtelmänner bildet das ungeschlachte, sinnlich rohe, naturkräftige Geschlecht derRiesen(Hünen und Thursen):Hunibald,Thurismund.
Es wird dies genügen, um mindestens in den Grundzügen ein Bild von der Namengebung jenes Zeitalters zu gewinnen.KampfundSiegtönen uns allerorten aus ihr entgegen mit hellem Waffenklang; daran schließt sich der klugeRatund dasruhmvolle Walten— nicht ohne den Aufblick zu den sieg- und segenspendendenGöttern. Weiter ins einzelne zu gehen ist für unseren Zweck nicht erforderlich und alles gar zu erschöpfen hier ganz unmöglich, wegen der außerordentlichen Menge der Namen. Wie zur Frühlingszeit in Wald und Flur tausend und abertausend grüne Sprossen aufschießen, so ist auch in diesem Frühling deutscher Namengebung eine fast zahllose Menge von Namen erwachsen. Die oben angeführten sind nur beispielsweise genannt, sind nur geringe Proben aus der Fülle, derart, daß die einzelnen ganze Reihen vertreten. So sind der Namen, die aufbaldauslauten, in Förstemanns großem Werke 199, der aufricüber 200, der aufberaht(bert) weit über 300, der aufwolf(olf) gar nahezu 500. Mehr als 12000 (männliche und weibliche) Namen hat Förstemann aus gedruckten Schriften und Urkunden gesammelt, eine Zahl, die durch spätere Forscher noch sehr vermehrt worden ist; wie viele mögen sich nicht noch in ungedruckten Quellen finden, wie viele nie zur Aufzeichnung gelangt sein!
Es ist einehochgemute, eineideale, einepoetischeNamengebung, in der uns nichts Unedles stört. Sie isteinheitlich, wie auseinemGeist und Guß, gleich dem Germanenvolke selber, das ein einheitliches an Abstammung und Aussehen war, „ein eigenes, reines, nur sich selbst ähnliches Geschlecht“. Das Heldenhafte, Kühne, Gewaltige, Hohe finden wir in dieser Namenwelt ausgeprägt, das Liebliche, Sanfte, Milde tritt zurück — selbst in denweiblichenNamen. Auch diese sind wesentlich von demselben Gepräge, Kampf und Schlacht tönen aus ihnen fast ebenso wieder wie aus den männlichen. Die Walküre, die Schlachtenjungfrau Wuotans, erscheint als das Ideal des urgermanischen Weibes. War doch in jenen Tagen auch das schwächere Geschlecht dem Kriege, seinen Ehren und Gefahren nicht fern. Was uns griechische und römischeSchriftsteller erzählen, spricht laut genug. Es wird uns da geschildert, wie die Frauen mit in den Krieg zogen, um in der Nähe ihrer Anverwandten hinter der Schlachtreihe sich aufzustellen, wie sie die Kämpfenden durch ihren Zuruf anfeuerten, die Verwundeten verbanden, die Weichenden wohl wieder zum Stehen brachten, die Sieger begrüßten und belohnten, aber auch mit den Unterliegenden zu sterben wußten und lieber sich selbst und ihre Kinder töteten, als daß sie sich in Gefangenschaft begaben.
Bei solcher Sinnesart der germanischen Frauen darf es uns nicht wunder nehmen, wenn auch ihre Namen dieses Gepräge haben und sich eng an die männliche Benennungsweise anschließen.[11]