Henry Ford.

Henry Ford.

Hören Sie die staunenerregende Geschichte von Henry Ford, der jetzt für nahezu das ganze Menschengeschlecht Motore und Traktoren baut.

Urteilt man nach Ergebnissen, so ist Henry Ford der erfolgreichste Fabrikant der Welt.

Er zahlt die höchsten Löhne.

Er macht die höchsten Profite.

Er verkauft zu den billigsten Preisen.

Henry Ford ist die lebendige Antwort auf die törichte Theorie, ein Kapitalist könne nur dadurch Geld verdienen, daß er seine Angestellten oder das Publikum beraubt.

Henry Ford beraubt niemanden, er ist kein Ausbeuter des Proletariats.

Er ist ein Millionär — und jeder Pfennig seines Geldes ist rein.

Seine beispiellosen Profite sind nur ein Teil dessen, was er der Öffentlichkeit erspart. Und er zahlt seinen Arbeitern weit mehr, als sie selbständig verdienen können.

Henry Ford ist ein Kapitalist und er zeigt allen Kapitalisten einen besseren Weg zum Reichtum.

Er hat sich seinen eigenen Erfolg geschaffen — er,zusammen mit seinen Leuten. Er hat keinen Titel. Er würde niemals einen annehmen. Er ist nicht einmal ein »Herr«. Seine Freunde nennen ihn kurzweg Henry.

Er ist 64 Jahre alt. Er wurde auf einer kleinen Farm in der Nähe von Detroit geboren. Sein Vater war ein irischer Auswanderer.

In der Schule war Henry Ford ein »Dummkopf«, der Lehrer konnte wenig mit ihm anfangen.

Henry hatte mit 15 Jahren die Schule satt, lief davon und fand eine Stellung in einer Maschinenwerkstatt. Er begann mit 10 Schilling die Woche — heute verdient er 28 Schilling die Sekunde.

Einige Jahre später starb sein Vater und er mußte nach Hause, um die Farm zu verwalten. Doch als Farmer blieb er erfolglos.

Das beste, was er tat, während er auf der Farm lebte, war seine Heirat mit der Tochter eines Nachbarn.

Eines Abends, bei der Lektüre einer Farmerzeitung, sah er das Bild eines neuen pferdlosen Wagens, den ein Franzose erfunden hatte.

Er war fasziniert. Das Bild packte ihn und änderte völlig die Richtung seines Lebens.

Er vernachlässigte seine Farm und begann in seiner Scheune einen pferdlosen Wagen zu bauen. Er spannte eine alte Maschine vor einen alten Jagdwagen — die ganze Umgebung machte sich über ihn lustig.

In den Armenhäusern Amerikas leben heute verschiedene alte Männer und Frauen, die vor 25 Jahren sich herrlich damit amüsierten, Henry Ford auszulachen.

Gegen den Rat aller verließ er plötzlich die Farm und ging nach Detroit. Er bekam eine Anstellung als Mechanikermit 30 Pfund monatlich und arbeitete nachts an seinem pferdlosen Wagen.

Er baute einen, der einen Zylinder hatte — ein verschrobenes, schnaufendes, lächerliches Ding. Aber es bewegte sich.

Acht lange Jahre besserte er an diesem absurden Motor herum. Endlich ging er — so gut, daß Henry damit ein Rennen gewann.

Mit einem Schlag wurde er und sein Motor berühmt. Er gewann weitere Rennen. Er schlug sogar Barmey Goldfield, den besten Rennfahrer in jenen Tagen. Er schlug Goldfield in einem Dreimeilen-Rennen.

Einige Freunde liehen ihm 3000 Pfund, mit denen er eine kleine Motorenfabrik begann. Er verschaffte sich die besten Betriebsleiter. Er zahlte sie gut und sie organisierten ihm ein riesiges Geschäft.

Er ist ein schlanker, athletischer, sonnverbrannter Mann von einfachstem Geschmack. Macht und Reichtum haben ihn nicht verdorben. Als ich ihn das letztemal in seiner Detroiter Fabrik sah, zeigte er einem Telephonmädchen, wie sie ihr Schaltbrett zu bedienen habe.

Er ist kein Geschäftsmann im gewöhnlichen Sinne. Er ist ein Mechaniker — ein Erfinder. Er begründete seinen Erfolg durch die richtige Schätzung des Prinzipes der Standardisation.

Henry Ford weiß, wie man es macht.

Er hat die Probleme seines Geschäftes gelöst. Er hat uns den einen richtigen Weg gezeigt, Menschen zu behandeln, Güter zu erzeugen und Profite zu machen, ohne sich Feinde zu machen. Hätten wir 1000 Fords, wir würden hohe Löhne, hohe Profite, niedrigere Preise undkeine Arbeiterunruhen haben. Wir würden Frieden und Wohlfahrt haben.

Nehmen Sie beispielsweise Fords Methoden als Arbeitgeber. In dieser Hinsicht ist er ganz eigenartig. Er ist einen vollkommen ungewöhnlichen Weg gegangen und hat damit einen großen Erfolg erzielt.

Tatsächlich scheint Henry Ford sich weit mehr als Arbeiterführer denn als Arbeitgeber zu betrachten.

Er gibt seinen Leuten mehr als sie verlangen.

Er gibt ihnen bessere Arbeitsbedingungen, als sie jemals sich träumen konnten.

Er beobachtet und beschützt sie. Er hat aus seinen 55 000 Leuten die bestbezahlte und zufriedenste Arbeiterarmee gemacht, die die Welt je gesehen hat.

Kein Arbeiterführer hat für die Arbeiter so viel getan, wie Henry Ford.

Im Jahre 1914 waren seine Arbeiter vollständig zufrieden, aber plötzlich verdoppelte er ihre Löhne. Als Ergebnis machte er im Jahre 1915 einen größeren Reingewinn, als je zuvor.

Er schützt seine Arbeiter gegen jede Ungerechtigkeit. Er hat 2000 Werkführer, und nicht einer von ihnen darf einen Arbeiter entlassen.

Im Jahre 1919 wurden von 50 000 Arbeitern nur 118 entlassen.

Ein eigener Stab von dreißig Leuten untersucht alle Schwierigkeiten zwischen den Werkführern und den Arbeitern. Hat ein Werkführer häufige Konflikte mit seinen Leuten, so wird er sehr bald in das Direktionsbureau berufen und darüber aufgeklärt, daß seine Methoden falsch sind.

Ford hat nichts gegen die Gewerkschaften, aber ermacht es in jeder Beziehung besser als sie. Er betrachtet das Gewerkschaftswesen als einen notwendigen Schutz gegen törichte oder ihre Leute schindende Arbeitgeber, aber er ist weder töricht noch ein Leuteschinder.

In seiner Fabrik gibt es keine Rücksichtslosigkeit und keine Unbarmherzigkeit. Sie ist wirklich eine der gütigsten und menschlichsten Einrichtungen. In ihr herrscht mehr Sympathie und Herzensgüte, als in den meisten Kirchen. So gibt es zum Beispiel in den Ford-Werken vierhundert Arbeiter, die entlassene Sträflinge sind. Sie wurden als Verbrecher ausgestoßen, aber Ford hat ihnen eine Chance geboten. Er hat sie zur Selbstachtung zurückgeführt und sie leben jetzt ein ehrenhaftes und glückliches Leben.

Es gibt in den Ford-Werken zweitausend schwache und verkrüppelte Leute. Sie tragen ein Abzeichen, das besagt: »Nur für leichte Arbeit.«

Es ist eine von Fords Theorien, die er hartnäckig vertritt, daß er seinen Anteil an der Sorge für Krüppel, Verbrecher und Blinde zu tragen hat. Einer seiner tüchtigsten Arbeiter ist ein blinder Mann.

Vor sechs Jahren stellte Ford zweihundert Leute an, um herauszufinden, wie seine Arbeiter leben. »Ich wünsche, daß meine Leute ein reines und gesundes Leben führen«, sagte er.

Vor kurzem aber hat er dies wieder eingestellt. »Es bringt zu viel Herumschnüffeln in Privatangelegenheiten mit sich«, sagte er. »Wir wollen diese Abteilung in eine Erziehungsabteilung umwandeln.«

Er spart keine Ausgabe, um seinen Arbeitern in der Fabrik die besten Arbeitsbedingungen zu schaffen. Er hat einen besonderen Stab von siebenhundert Malern,Fensterwaschern, Tischlern usw., um alles rein und frisch zu erhalten. Der Boden seiner Werke ist so sauber wie ein Küchenboden.

Alle zwölf Minuten wird die Luft erneuert. Aller Rauch und alles Gas der Gießerei wird beseitigt. Es gibt keine kalten oder überhitzten Räume.

John R. Commons hat vor kurzem die Ford-Werke besucht, um sich über die »Schnelligkeitshetzen« zu informieren. Und er berichtet, daß er nichts davon bemerkt hat, außer »in einem Teil der Gießerei unter neuangestellten Arbeitern«.

Kurz gesagt: Zwischen Ford und seinen Leuten besteht kein Krieg. Auf keiner Seite gibt es einen Verdacht. Ford glaubt an seine Leute und sie glauben an Ford.

Er hat eine Gewerkschaft von achtzigtausend Mann organisiert und er ist ihr Führer.

Er hat sein ganzes Geschäft hoch über Ausstände und Aussperrungen erhoben.

Er hat dem Krieg zwischen den Arbeitern und der Betriebsleitung ein Ende gemacht. Er hat Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen in seinen Werken verwirklicht.

Er ist wahrscheinlich kein Mann von großem Wissen, aber er hatte den Mut, die Grundsätze der Gerechtigkeit und Wirksamkeit zur Anwendung zu bringen. Er handelte. Er führte. Er hat jedem anderen Arbeitgeber gezeigt, was getan werden kann.


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