Druck von Eduard Moos in Erfurt.
Einleitung.Wenn wir im sechszehnten Jahrhundert auf alle europäischen Festländer, auf die ganze alte Welt einen philosophischen Blick werfen, zieht sich die Seele eines jeden gefühlvollen Menschen schwermüthig zusammen und sein Herz pocht bewegt. Denn nicht nur in Spanien war es, wo man unter dem Geklirre sarazenischer Waffen mit Entsetzen das harte Joch der Feudalherrschaft und hernach die Tyrannei der Könige verspürte; nicht nur die spanischen Grenzgebiete schauderten bei der Betrachtung der gräßlichen Auftritte, womit der düstere Fanatismus die reine und süße Religion Perus mit Blut befleckte; in dichte Nebel der Unwissenheit gehüllt, bot die alte Welt, wo man hinsah, den trostlosesten Anblick dar, und das Betragen der in jenem traurigen Zeitabschnitt der Oeffentlichkeit angehörenden Männer, nach der Moralität und Philosophie unseres Jahrhunderts zu bemessen, hieße in sehr schwere Irrthümer gerathen. Der allergrößte Held des sechszehnten Jahrhunderts wäre der, der vereinigt mit der wilden, persönlichen Verwegenheit in den Kämpfen, in heldenmüthigerem Grade den religiösen Fanatismus seiner Zeit besäße.In so düstern Augenblicken war es, als die Kühnheit der Europäer sie bis nach dem Festlande der neuen Welt führte. Jene entlegenen Gestade, voller Unschuld und Arglosigkeit, bildeten den schrecklichsten Gegensatz zu den verfinsterten Herzen ihrer Entdecker. Aber nein; ferne von uns der Gedanke, die schändlichen Auftritte zu beschreiben, die der gefühlvolle Philosoph Raynal in seiner Geschichte der europäischen Niederlassungen beider Indien geschildert hat; ferne von uns, den Fußstapfen Robertsons in seiner Geschichte von Amerika zu folgen, weit entfernt endlich, mit feuriger Begeisterung den Greuel kläglicher Zeitabschnitte überladen zu wollen. Wenn die Pflicht jedoch geschichtlicher Novellenschreiber uns Thatsachen berühren hieße, mag es mit möglichster Leichtigkeit geschehen, und ohne deren düstere Farben zu überladen.Alle Nationen Europas gründeten mehr oder weniger wichtige Niederlassungen in der neuen Welt, und alle Europäer verheerten deren Grenzgebiete; aber nur die Spanier beherrschten in ihr ausgedehnte Reiche und ungeheure Länderstriche, und die Kampfplätze der neuen Gestade werden kaum genügen, die Thaten der Tapferkeit und die Heldenthaten der spanischen Heroen aufzuzählen. Vertraut mit dem Kriege in achthundert Jahren der Kämpfe mit den Sarazenen; an die Verfolgung und Ausrottung der Gläubigen Mahomets gewohnt, mußten sie in den neuen Gebieten mit den Anbetern anderer Götter jenen selben Charakter des Schreckens und der Rohheit entfalten, der ihnen im Verlaufe so vieler Jahrhunderte bereits eigen undangeboren war. Die berühmten Ritter, in denen die wenigen Tugenden jenes Zeitabschnittes glänzen konnten, überließen, noch an die glänzenden Kreuzzüge gewohnt, die Gefahren der Wellen habsüchtigen Abenteurern, die sich mehr nach Gold und Reichthümern, als nach den frühern Lorbeeren der Kampfplätze von Palästina sehnten.Wohl hausten die Spanier mit den wilden Naturtrieben jener Jahrhunderte entsetzlich auf dem neuen Festlande; ihre Verbrechen aber wären immer Verbrechen des sechszehnten Jahrhunderts, Verbrechen, die allen Europäern gemein waren, welche die neue Welt überflutheten; eigentliche Verbrechen des Fanatismus jener Zeiten der Unwissenheit und des Irrthums; kurz, Verbrechen von Abenteurern, die wie alle europäischen Abenteurer, den Tod oder ihren Ehrgeiz an den Schätzen des jungfräulichen Amerikas zu sättigen suchten; wenn uns aber die ersten Blätter der Geschichte der neuen Welt beschwerlich fallen könnten, verdankten doch am Ende jene Regionen den Spaniern die Liebe zur Freiheit, und das wahre Christenthum, die sie zur Civilisation und Unabhängigkeit geführt haben. Und heute können wir zufrieden ganz Europa sagen:Sie nennen uns unsere Brüder!Dekoratives Element
Wenn wir im sechszehnten Jahrhundert auf alle europäischen Festländer, auf die ganze alte Welt einen philosophischen Blick werfen, zieht sich die Seele eines jeden gefühlvollen Menschen schwermüthig zusammen und sein Herz pocht bewegt. Denn nicht nur in Spanien war es, wo man unter dem Geklirre sarazenischer Waffen mit Entsetzen das harte Joch der Feudalherrschaft und hernach die Tyrannei der Könige verspürte; nicht nur die spanischen Grenzgebiete schauderten bei der Betrachtung der gräßlichen Auftritte, womit der düstere Fanatismus die reine und süße Religion Perus mit Blut befleckte; in dichte Nebel der Unwissenheit gehüllt, bot die alte Welt, wo man hinsah, den trostlosesten Anblick dar, und das Betragen der in jenem traurigen Zeitabschnitt der Oeffentlichkeit angehörenden Männer, nach der Moralität und Philosophie unseres Jahrhunderts zu bemessen, hieße in sehr schwere Irrthümer gerathen. Der allergrößte Held des sechszehnten Jahrhunderts wäre der, der vereinigt mit der wilden, persönlichen Verwegenheit in den Kämpfen, in heldenmüthigerem Grade den religiösen Fanatismus seiner Zeit besäße.
In so düstern Augenblicken war es, als die Kühnheit der Europäer sie bis nach dem Festlande der neuen Welt führte. Jene entlegenen Gestade, voller Unschuld und Arglosigkeit, bildeten den schrecklichsten Gegensatz zu den verfinsterten Herzen ihrer Entdecker. Aber nein; ferne von uns der Gedanke, die schändlichen Auftritte zu beschreiben, die der gefühlvolle Philosoph Raynal in seiner Geschichte der europäischen Niederlassungen beider Indien geschildert hat; ferne von uns, den Fußstapfen Robertsons in seiner Geschichte von Amerika zu folgen, weit entfernt endlich, mit feuriger Begeisterung den Greuel kläglicher Zeitabschnitte überladen zu wollen. Wenn die Pflicht jedoch geschichtlicher Novellenschreiber uns Thatsachen berühren hieße, mag es mit möglichster Leichtigkeit geschehen, und ohne deren düstere Farben zu überladen.
Alle Nationen Europas gründeten mehr oder weniger wichtige Niederlassungen in der neuen Welt, und alle Europäer verheerten deren Grenzgebiete; aber nur die Spanier beherrschten in ihr ausgedehnte Reiche und ungeheure Länderstriche, und die Kampfplätze der neuen Gestade werden kaum genügen, die Thaten der Tapferkeit und die Heldenthaten der spanischen Heroen aufzuzählen. Vertraut mit dem Kriege in achthundert Jahren der Kämpfe mit den Sarazenen; an die Verfolgung und Ausrottung der Gläubigen Mahomets gewohnt, mußten sie in den neuen Gebieten mit den Anbetern anderer Götter jenen selben Charakter des Schreckens und der Rohheit entfalten, der ihnen im Verlaufe so vieler Jahrhunderte bereits eigen undangeboren war. Die berühmten Ritter, in denen die wenigen Tugenden jenes Zeitabschnittes glänzen konnten, überließen, noch an die glänzenden Kreuzzüge gewohnt, die Gefahren der Wellen habsüchtigen Abenteurern, die sich mehr nach Gold und Reichthümern, als nach den frühern Lorbeeren der Kampfplätze von Palästina sehnten.
Wohl hausten die Spanier mit den wilden Naturtrieben jener Jahrhunderte entsetzlich auf dem neuen Festlande; ihre Verbrechen aber wären immer Verbrechen des sechszehnten Jahrhunderts, Verbrechen, die allen Europäern gemein waren, welche die neue Welt überflutheten; eigentliche Verbrechen des Fanatismus jener Zeiten der Unwissenheit und des Irrthums; kurz, Verbrechen von Abenteurern, die wie alle europäischen Abenteurer, den Tod oder ihren Ehrgeiz an den Schätzen des jungfräulichen Amerikas zu sättigen suchten; wenn uns aber die ersten Blätter der Geschichte der neuen Welt beschwerlich fallen könnten, verdankten doch am Ende jene Regionen den Spaniern die Liebe zur Freiheit, und das wahre Christenthum, die sie zur Civilisation und Unabhängigkeit geführt haben. Und heute können wir zufrieden ganz Europa sagen:Sie nennen uns unsere Brüder!
Dekoratives Element