Kapitel 21.Staatsklugheit.

Dekoratives ElementKapitel 21.Staatsklugheit.Wir werden mit der schnellen Erzählung der Ereignisse einen Augenblick inne halten, und dabei verweilen müssen, einen flüchtigen Blick auf das sechszehnte Jahrhundert zu werfen und die politische Lage Europas zu untersuchen, und folglich auch die politische Lage, worauf die neuen Festländer gegründet werden sollten, wohin der Ehrgeiz die Europäer schleuderte. Das große peruanische Reich gehorchte, wie wir gesehen haben, den Befehlen Pizarros, und hatte als erobertes Land, und am meisten in jenem unheilvollen Zeitabschnitte, gerade eine schreckliche militärische Gewaltherrschaft zu erleiden, und nur in den Unwegsamkeiten der Anden athmete man den balsamischen Duft der Freiheit und der Unabhängigkeit; aber das geringe in die Berge geflüchtete Heer konnte keinerlei Hoffnungsstrahl auf sein Vaterland zurückwerfen. Das Reich der Inkas war unter den siegreichen Fußstapfen Pizarros verschwunden; Pizarro als Eroberer war das unumschränkte Oberhaupt des Reiches, und bei der Stimme Pizarros erzitterten die eroberten Gestade.Wie wir bereits ebenfalls gesehen haben, nahmen bei der Ankunft Fernandos in Cajamalca mit den achthundert Abenteurern von Panama und den umliegenden Kolonieen viele von den mit der unermeßlichen Beute schon Bereicherten ihren Urlaub und kehrten mit Schätzen beladen an ihren Herd zurück. Die Folgen waren natürlich; der Ehrgeiz mußte sich durch die zunächst liegenden Festländer in schnelle Bewegung setzen, und da die Verbindung mit Panama, Darien und den angrenzenden Kolonieen gesichert war, würden Tausende von neuen Abenteurern nach dem zerstörten Reiche der Inkas strömen, begierig, ihren Ehrgeiz an seinen unversiegbaren Quellen des Reichthums zu stillen. So war es in Wirklichkeit, und alle die nahen Festländer fielen über die Bucht von San Mateo her; und Cajamalca und Cuzco und alle irgendwie bedeutenden Ortschaften wurden von neuen Abenteurern verheert, die entweder bald in die Reihen der Kriegsmacht Pizarros eintraten oder bald wegen andern weniger ehrlichen Mitteln ihr Thunlichstes zur Beraubung des Landes beitrugen, doch so, daß ein jeder ein vortheilhaftes Glück dabei machte. So eröffnete sich denn, aber unter dem Siegel der Unredlichkeit, der Gewaltthätigkeit und des Raubes, weil es in einem vom Schwerte und vom Fanatismus beherrschten Lande unmöglich wäre, an ehrenvolle Handelsbeziehungen zu denken, binnen sehr kurzen Tagen in der ganzen Ausdehnung der südlichen Gestade ein thätiger Handel. Verächtliche Manufakturen wurden zu übermäßigen Preisen verkauft, die köstlichen Früchte Perus wurdenmit fünffachem Gewinne exportirt, und wie ein gehaltreicher Strom floß das Gold und das Silber des üppigen Inkareiches Europa zu.Aber so einträgliche Resultate so ein schmählicher Handel auch darbot, bot sich dem Ehrgeiz eine andere, reichlichere und schnellere Quelle dar, und das war die Bergwerkskunde. Obschon Pizarro so vielen erheblichen Ausgrabungen und Ausbeutungen, welche unternommen wurden, den Stempel königlicher Unternehmungen gab, blieben für die Arbeitsamkeit und den Gewerbefleiß doch noch große Hülfsquellen übrig. Die Ströme führten verschiedene Edelsteine mit sich; die Gebirge warfen in dichte Erdschichten, welche die Menge nicht kannte, eingehüllte Adern von Gold und Silber wie aus ihrem Schooße heraus, und der unangebaute Reichthum der neuen Welt erfüllte den Ehrgeiz Aller. Selbst die königlichen Unternehmungen bedurften, da deren Gewinne wegen des gänzlichen Mangels an Rechnungsführung und Dazwischenkunft begrenzt waren, für ihre ungeheuren Arbeiten hundert gewerbsthätiger Arme, und Pizarro, um den Ehrgeiz der Heeresanführer und nachher den Hof von Castilien zu befriedigen, gewährte, um sich seinen Günstlingen dankbar zu erzeigen, vielen Ehrgeizigen, welche auf ihre Rechnung gründliche Einblicke hätten, Bergwerkspatente, die ihnen allgemein als Resultat üppige Reichthümer gaben.Dieser ungeheure Bergwerkszweig erforderte zu den großen Ausgrabungen gezwungenerweise unendliche körperliche Arme, und hier ist es, wo sich die Seeleentsetzt, die Feder sich sträubt, und kaum die dunklen Blätter des sechszehnten Jahrhunderts zu durchdringen und seine Greuelthaten zu beschreiben wagt. Alles wäre dieser unheilvollen Epoche zu verzeihen, wenn ihre Herabwürdigung nicht so weit ginge, das Blut der Menschen zu verschachern: Aber die Geschichte aller Nationen ermächtigte unglückseligerweise die Eroberer von Peru, die Sklaverei mit allen ihren entsetzlichen Folgen nach jenen jungfräulichen Gestaden zu bringen. Die Kriegsgefangenen, die Unglücklichen, gegen welche irgend eine politische oder religiöse Angeberei erlassen wurde, die Unglücklichen, denen wegen Anklagen irgend welcher Art das Beil des Scharfrichters oder der Scheiterhaufen des Inquisitionsgerichtes verzieh, waren als Sklaven erklärt, deren Eigenthum die Kriegsanführer oder die Verwandten der Mächtigen erwarben, und deren Besitzthum man durch das Kaufrecht wie irgend eine andere Waare von den einen Europäern auf die andern übertrug. Die an schwere Ketten gebundenen unglücklichen Sonnenanbeter wurden zu den Ausgrabungen und zur Führung der Transporte verwendet, und an ein mildes Klima, und weil der Boden Perus seine köstlichen Früchte hervorbrachte, ohne daß der Landmann seinen bittern Schweiß über die Schollen vergoß, auch an leichte Arbeit gewöhnt, fielen sie, von der Arbeit und der Schärfe einer schwefeligen Atmosphäre übermannt, in den tiefen Ausgrabungen zu Tausenden erstickt nieder, und das geringste, mit der Stimme der Empörung geschilderte Anzeichen von Ungehorsam wurde mit dem Blute von tausend Opfern bestraft.Der Feudalismus, welcher in dem barbarischen sechszehnten Jahrhundert Europa noch beherrschte, schien die Grundlage der ominösen Knechtschaft Amerikas zu sein; zwischen einem Lehensmann und einem heidnischen Sklaven war gar kein so großer Unterschied. Ein Christ im sechszehnten Jahrhundert war ein von der Erde bevorzugtes Wesen, der Lehensherr jedoch zeichnete ihn wie einen Lieblingshund mit einem eisernen Halsband aus; ein Götzendiener der Sonne war ein im Himmel und auf Erden verfluchtes, verabscheuungswürdiges Geschöpf, ein ekelhafter Aussatz. Was konnte er im sechszehnten Jahrhundert von seinen Siegern mehr erwarten, als Ketten, Schmach und Knechtschaft? In Peru hatte der Herr das Recht über Leben und Tod seiner Sklaven, das Recht, den Vater aus den zarten Armen seiner Kinder zu reißen, das Recht, die Gattin von dem keuschen Lager des Gatten hinwegzuführen; und das Blut der unschuldigen Sonnenanbeter war der erste Handelsartikel der Europäer. Oh! daß sich das Gedächtniß jener Schreckensauftritte nimmermehr erinnerte!!Ganze, in Knechtschaft geborene Familien und Kinder hielten sich für glücklich, die Ketten nachzuschleppen, wenn sie sich wenigstens der väterlichen Zärtlichkeit und Liebkosungen erfreuen durften; aber kaum ergoß die Sonne ihr Licht über die Erde, als sich der Horizont für jene Opfer mit dem Schatten der Hölle färbte. Der rüstige Vater verließ träge das Lager der Gattin und der Pfänder seiner Liebe, um an die Arbeit zu gehen, bei der er vielleicht an jenem Tage sein Lebenaushauchte; vielleicht streichelte ihn das zarte Kind mit seinen unschuldigen Händchen, und der Vater benetzte sie mit Thränen der Trostlosigkeit, wenn die unerbittliche Peitsche des Herrn auf seine Schultern niederfiel und ihn seiner Wonne benahm. Hier sah die Gattin den Europäer den Preis des Gatten merken, und ihn aus ihren Armen entreißend, ihn fortschleppen, um in der weiten Welt zu sterben; dort schaute der gefühlvolle Vater in einem blassen Metalle das Blut seines zarten Sohnes, und gab, wenn ihn der Europäer seinen Armen entriß, damit er in entlegenen Himmelsstrichen die Ketten der Schmach schleppte, vor Schmerz den Geist auf. Ah! wie viele Unglückliche stürzten sich hinter den Schiffen her, welche ihre süßen Lieben entführten, in die Wogen! Wie viele gaben sich, in Verwünschungen wider den Herrn ausbrechend, die Augen zum Himmel gewandt, einen gewaltsamen Tod! Wie viele waren in Todesängsten ein Opfer des Schmerzes, den sie in ihrer Brust erstickten! Genug, genug, mehr nicht, werfen wir einen dichten Schleier über so großen Schrecken und so große Schmach.Aber dem sechszehnten Jahrhundert genügte die körperliche Sklaverei des Menschengeschlechtes nicht, die Gewissen mußten ebenfalls geknechtet werden. Luque konnte in den ersten Augenblicken der Eroberung nicht für sich allein erwarten, weder seines Amtes als Priester zu walten, noch allen Götzendienern der Sonne zu predigen oder sie zu erschrecken und über deren Häupter das Wasser der Taufe auszugießen, oder dann sie als unbußfertigund verflucht in die Flammen zu werfen; und seine Einladungen einerseits und der Ehrgeiz andrerseits brachten auch in jene Regionen Priester von allen Klassen und Ständen, welche mit dem Fanatismus ihres Jahrhunderts die Henker der unschuldigen Anbeter des Gottes, der die Tage entflammt, wären. Die berühmten Dekrete von Cajamalca wurden in dem ganzen Reiche zur Ausführung gebracht, und die Unglücklichen, welche nach dem Gebirge flohen, mußten ihre neuen Glaubenslehren verleugnen, oder waren Opfer der Wuth und der Flammen der Inquisition; und diejenigen, welche dem Schrecken oder der Ueberzeugung entrissen, zur christlichen Kirche gingen, wurden mit der ganzen Härte eines Katechumenen der ersten Jahrhunderte behandelt.Von den unglücklichen Sonnenanbetern empfingen die einen, um ihren Tod zu verzögern, das Wasser der Erlösung, und die wenigsten traten aus Ueberzeugung getrieben in den Schooß der Kirche ein. Das Gewissen der Erstern war ihre grausamste Geißel; sie mußten sich bei den Feierlichkeiten des christlichen Gottesdienstes einfinden, und wenn sie die Sonne im Osten erglänzen sahen, wurden sie, ihre Abtrünnigkeit verfluchend, von Schrecken erfaßt, und vielleicht lästerten sie das Christenthum, und litten mit doppeltem Grausen die Schläge ihres Gewissens. Diejenigen, welche von ihrem Herzen begeistert, an Jesus Christus glaubten, waren, ebenfalls unglücklich, Opfer ihrer Unwissenheit! Die fanatischen Priester erfüllten ihre Seele mit schwermüthigen Vorurtheilen; sie verkauften denHimmel zu so theuern Opfern, daß alles Gold und alle menschliche Tugend nicht genügte, die ewige Seligkeit zu erlangen, und die Gewissensangst ist der größte moralische Jammer des Menschengeschlechtes. Die zarte Religion Jesus war ihrem Gründer nicht bekannt; ihr süßes Wesen, ihre einfache Moral verwandelte sich in die Furcht einer qualvollen Nacht; die Inquisition verbreitete ihre Greuel, und niemals gelangte an Luque, als Generalverweser, die Berufung einer Verleumdung; die untergeordneten Priester genügten, die Opfer bis vor die Flammen zu bringen.Das war der gesellschaftliche und innere Zustand Perus, und von den angrenzenden Kolonieen strömten dem Reiche beständig neue Ehrgeizige zu, und die Kriegsmacht Pizarros war schon beträchtlich, und eben so üppig waren die Schätze der Abenteurer, als er in den Tagen, da der Waffenstillstand mit Almagro dauerte, zum ersten Mal von der Metropole Befehle empfing. Der Hof von Castilien sah mit Erstaunen die Fortschritte der Expedition von Panama; er bewunderte das Genie und den kriegerischen Charakter Pizarros: Pizarro war der Abgott der Könige, der Großen und des Volkes, und mit Uebermuth sah Philipp II. von seinem umtrauerten Throne herab die Sonne in seinem Reiche niemals untergehen. Bei den Nachrichten Pizarros und Perus setzte sich die Diplomatie des Jahrhunderts in schnelle Bewegung; kaltblütig berechneten die Thronräthe ihrer Gewohnheit gemäß die Interessen ihres Monarchen und verachteten die Menschen und traten die Menschheit mit Füßen. Alsbaldwurden Gesetze und Vorschriften aufgestellt, worin man die Sklaverei billigte, worin man den Verkauf von Sklaven gewährte, worin man die Priester und die Kriegsanführer für die größte Verbreitung des Christenthums verantwortlich machte, worin man die Inquisition unter den ungerechtesten Grundlagen festsetzte und worin man endlich die Zerstörung des neuen Reiches befahl.Da in jenem dunkeln Jahrhundert die wahrhaftigen Grundlagen des Reichthums und der Macht der Reiche unbekannt waren, dachte man nur daran, die Kolonieen zu plündern und ihre Reichthümer nach der Metropole zu schleppen. Die Throne verachteten im sechszehnten Jahrhundert die Fortschritte der Künste; der Ackerbau war ein eingebildeter Name, dessen Resultate dem spärlichen Scharfsinn der Epoche entgingen, und die gesellschaftlichen Rechte waren mit der wilden Gewaltherrschaft, welche ihre Flügel von der einen Welt bis zur andern erstreckte, durchaus im Widerspruch. Von Pizarro wurden nur Schätze gefordert; die Art und Weise, sie zu entziehen oder zu entreißen, blieben seiner Willkür überlassen. So ungeheuerliche Prinzipien bildeten in den ursprünglichen Zeiten die Grundlagen des Verkehrs der Metropole mit den neuen Festländern.Die Eroberung von Peru verkleidete sich außerdem mit dem religiösen Deckmantel, der alle widerrechtlichen Besitzergreifungen jenes Jahrhunderts zudeckte. Der erste Abenteurer, welcher in einem Festlande zu Boden sprang, nahm im Namen des höchsten Stellvertreters Christis, der alsdann den zeitweiligen Königen dieVerleihung gewährte, davon Besitz. Der Hof von Rom entfaltete alle seine Rechte und seinen ganzen Einfluß auf die Eroberung von Peru, aber er hatte vom Hofe Philipps zu viel Geschenke empfangen, um ihm undankbar zu sein, und Philipp hatte zu viel Fußvolk und Reiterei, als daß Rom ihn nicht fürchtete und ihm seine pflichtschuldigsten Huldigungen darbrachte. Der Hof von Rom gewährte den Königen von Castilien die Verleihung Perus, aber der Hof von Rom forderte der Gewohnheit in jenen Jahrhunderten der Unwissenheit gemäß, für seine eingebildeten Rechte unerhörte Zurechnungen. Das Recht der Erwählung von Prälaten, die übertriebenen Erpressungen für Bullen und Bewilligungen, der thätigste und gewinnbringendste Einfluß aller Art Handel haftete der römischen Curie stets an.In Mitten der Unruhen seiner heftigen Liebe zu Ocollo, in den Augenblicken, da er auf das Duell mit Almagro zurückkommen sollte, empfing Pizarro Mittheilungen von der Metropole, die seinem Stolze und seiner wirklichen Macht zu sehr schmeichelten. Der Hof von Castilien ernannte ihn feierlich zum Statthalter und unumschränkten Gebieter des ganzen Reiches; Pizarro war der erste Priester, das erste militärische Oberhaupt und die erste obrigkeitliche Person; er war der Caligula und der Domitian der neuen Welt, und die Metropole forderte nur einen Fünftel von all’ den Reichthümern, welche er erpreßte, als Belohnung. Bei der ungeheuren Eroberung war eine unschätzbare Beute in den Händen der Abenteurer geblieben, und Pizarro,scharfsichtig genug, um die Art zu kennen, seinen Einfluß bei Hofe zu sichern, hatte für die Krone eine Unmenge von Gold und Silber vereinigt, womit in San Mateo viele Schiffe und Galeeren beladen wurden.Das Schicksal des Reiches änderte sich bei den Mittheilungen der Metropole in nichts. Die Rathsherrn von Madrid wußten nicht mehr, noch waren sie menschlicher als die Eindringlinge; derselbe Ehrgeiz, derselbe Fanatismus beherrschte sie, und die Vorschriften oder legalen Körperschaften, denen sie die Metropole unterwerfen sollte, mußten den Raub, die Zerstörung und die Schmach bezwecken. Das Ansehen Pizarros erwarb neue Kraft und neuen Muth, vergebens mochte irgend ein gefühlvoller Mensch am Hofe die Stimme gegen seine grausame Tyrannei erheben; am Hofe Philipps wollte man nur Schätze und Anhänger des Christenthums; Pizarro überschüttete sie mit Strömen von Gold, und die Scheiterhaufen der Inquisition brannten fortwährend. Das Schicksal der neuen Welt schien bereits festgesetzt zu sein; der Hof von Rom und der Hof von Madrid sollten jenem unschuldigen Boden den Charakter und das Genie des sechszehnten Jahrhunderts aufdrücken, aber dessen Bewohner mußten, um sich von der Götzendienerei zu reinigen, den Vater des Lichtes angebetet zu haben, von der Erde verschwinden. Das war das Schicksal aller von andern Europäern in Besitz genommenen Festländer gewesen. Die Diplomatie jener Aera schien ihr Behagen einzig an der Zerstörung zu finden.Die bewaffneten Männer und die Priester in Peru waren die Beauftragten, das Reich seiner Schätze zu berauben, und die unermeßlichen Schätze, welche ihnen noch übrig blieben, der Metropole zu überweisen. Am Hofe Philipps schlief man unter dem Golde ein; bis auf unsere Tage kreuzten schnelle, spanische Galeeren die Meere, um die Reichthümer der neuen Welt nach Spanien zu überführen; der Hof von Madrid schwelgte im Ueberfluß, das Gold floß in Strömen: Mit einem Berge von Gold errichtete man San Lorenzo im Escurial, diesen Prachttempel, das achte Wunder der Welt; mit einem andern Berge von Gold machte man in der herrlichen Granja die reizenden Springbrunnen von Versailles vergessen; ein Berg von jenem Golde sollte dazu bestimmt sein, Alcazar[5]der Könige in Madrid zu werden; mit einem andern beherrschte man den Tajo in Aranjuez, um dessen üppige Gärten zu heben; die Kirchthürme und Münster verschlängen ebenfalls ein Meer von Gold, aber niemals dachten Philipp noch seine Höflinge daran, auch nur den geringsten Ueberfluß so übermäßiger Schätze dafür zu bestimmen, dem öffentlichen Reichthum ihres Vaterlandes aufzuhelfen, die Verkehrswege zu erleichtern, noch dessen Handel zu beschützen. Ueppige Tempel und Thürme, worin sich der Stolz und der Hochmuth des Fanatismus des sechszehnten Jahrhunderts hervorthat; prächtige und prunkhafte Festungspaläste, fantastische und köstliche Gärten und Obelisken zwischen unfruchtbarenGebirgen, worin sich die Könige dem Vergnügen hingaben und ihre armen Gehirne in Stolz und Wollust schwelgten; das sind die glänzenden Andenken, welche uns unsere Väter hinterließen, für die Ströme von Gold, von Schweiß und von Blut, die sie den Sonnenanbetern, den Unterthanen der Inkas, den unglücklichen Bewohnern der neuen Welt entrissen.Dekoratives Element

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Wir werden mit der schnellen Erzählung der Ereignisse einen Augenblick inne halten, und dabei verweilen müssen, einen flüchtigen Blick auf das sechszehnte Jahrhundert zu werfen und die politische Lage Europas zu untersuchen, und folglich auch die politische Lage, worauf die neuen Festländer gegründet werden sollten, wohin der Ehrgeiz die Europäer schleuderte. Das große peruanische Reich gehorchte, wie wir gesehen haben, den Befehlen Pizarros, und hatte als erobertes Land, und am meisten in jenem unheilvollen Zeitabschnitte, gerade eine schreckliche militärische Gewaltherrschaft zu erleiden, und nur in den Unwegsamkeiten der Anden athmete man den balsamischen Duft der Freiheit und der Unabhängigkeit; aber das geringe in die Berge geflüchtete Heer konnte keinerlei Hoffnungsstrahl auf sein Vaterland zurückwerfen. Das Reich der Inkas war unter den siegreichen Fußstapfen Pizarros verschwunden; Pizarro als Eroberer war das unumschränkte Oberhaupt des Reiches, und bei der Stimme Pizarros erzitterten die eroberten Gestade.

Wie wir bereits ebenfalls gesehen haben, nahmen bei der Ankunft Fernandos in Cajamalca mit den achthundert Abenteurern von Panama und den umliegenden Kolonieen viele von den mit der unermeßlichen Beute schon Bereicherten ihren Urlaub und kehrten mit Schätzen beladen an ihren Herd zurück. Die Folgen waren natürlich; der Ehrgeiz mußte sich durch die zunächst liegenden Festländer in schnelle Bewegung setzen, und da die Verbindung mit Panama, Darien und den angrenzenden Kolonieen gesichert war, würden Tausende von neuen Abenteurern nach dem zerstörten Reiche der Inkas strömen, begierig, ihren Ehrgeiz an seinen unversiegbaren Quellen des Reichthums zu stillen. So war es in Wirklichkeit, und alle die nahen Festländer fielen über die Bucht von San Mateo her; und Cajamalca und Cuzco und alle irgendwie bedeutenden Ortschaften wurden von neuen Abenteurern verheert, die entweder bald in die Reihen der Kriegsmacht Pizarros eintraten oder bald wegen andern weniger ehrlichen Mitteln ihr Thunlichstes zur Beraubung des Landes beitrugen, doch so, daß ein jeder ein vortheilhaftes Glück dabei machte. So eröffnete sich denn, aber unter dem Siegel der Unredlichkeit, der Gewaltthätigkeit und des Raubes, weil es in einem vom Schwerte und vom Fanatismus beherrschten Lande unmöglich wäre, an ehrenvolle Handelsbeziehungen zu denken, binnen sehr kurzen Tagen in der ganzen Ausdehnung der südlichen Gestade ein thätiger Handel. Verächtliche Manufakturen wurden zu übermäßigen Preisen verkauft, die köstlichen Früchte Perus wurdenmit fünffachem Gewinne exportirt, und wie ein gehaltreicher Strom floß das Gold und das Silber des üppigen Inkareiches Europa zu.

Aber so einträgliche Resultate so ein schmählicher Handel auch darbot, bot sich dem Ehrgeiz eine andere, reichlichere und schnellere Quelle dar, und das war die Bergwerkskunde. Obschon Pizarro so vielen erheblichen Ausgrabungen und Ausbeutungen, welche unternommen wurden, den Stempel königlicher Unternehmungen gab, blieben für die Arbeitsamkeit und den Gewerbefleiß doch noch große Hülfsquellen übrig. Die Ströme führten verschiedene Edelsteine mit sich; die Gebirge warfen in dichte Erdschichten, welche die Menge nicht kannte, eingehüllte Adern von Gold und Silber wie aus ihrem Schooße heraus, und der unangebaute Reichthum der neuen Welt erfüllte den Ehrgeiz Aller. Selbst die königlichen Unternehmungen bedurften, da deren Gewinne wegen des gänzlichen Mangels an Rechnungsführung und Dazwischenkunft begrenzt waren, für ihre ungeheuren Arbeiten hundert gewerbsthätiger Arme, und Pizarro, um den Ehrgeiz der Heeresanführer und nachher den Hof von Castilien zu befriedigen, gewährte, um sich seinen Günstlingen dankbar zu erzeigen, vielen Ehrgeizigen, welche auf ihre Rechnung gründliche Einblicke hätten, Bergwerkspatente, die ihnen allgemein als Resultat üppige Reichthümer gaben.

Dieser ungeheure Bergwerkszweig erforderte zu den großen Ausgrabungen gezwungenerweise unendliche körperliche Arme, und hier ist es, wo sich die Seeleentsetzt, die Feder sich sträubt, und kaum die dunklen Blätter des sechszehnten Jahrhunderts zu durchdringen und seine Greuelthaten zu beschreiben wagt. Alles wäre dieser unheilvollen Epoche zu verzeihen, wenn ihre Herabwürdigung nicht so weit ginge, das Blut der Menschen zu verschachern: Aber die Geschichte aller Nationen ermächtigte unglückseligerweise die Eroberer von Peru, die Sklaverei mit allen ihren entsetzlichen Folgen nach jenen jungfräulichen Gestaden zu bringen. Die Kriegsgefangenen, die Unglücklichen, gegen welche irgend eine politische oder religiöse Angeberei erlassen wurde, die Unglücklichen, denen wegen Anklagen irgend welcher Art das Beil des Scharfrichters oder der Scheiterhaufen des Inquisitionsgerichtes verzieh, waren als Sklaven erklärt, deren Eigenthum die Kriegsanführer oder die Verwandten der Mächtigen erwarben, und deren Besitzthum man durch das Kaufrecht wie irgend eine andere Waare von den einen Europäern auf die andern übertrug. Die an schwere Ketten gebundenen unglücklichen Sonnenanbeter wurden zu den Ausgrabungen und zur Führung der Transporte verwendet, und an ein mildes Klima, und weil der Boden Perus seine köstlichen Früchte hervorbrachte, ohne daß der Landmann seinen bittern Schweiß über die Schollen vergoß, auch an leichte Arbeit gewöhnt, fielen sie, von der Arbeit und der Schärfe einer schwefeligen Atmosphäre übermannt, in den tiefen Ausgrabungen zu Tausenden erstickt nieder, und das geringste, mit der Stimme der Empörung geschilderte Anzeichen von Ungehorsam wurde mit dem Blute von tausend Opfern bestraft.

Der Feudalismus, welcher in dem barbarischen sechszehnten Jahrhundert Europa noch beherrschte, schien die Grundlage der ominösen Knechtschaft Amerikas zu sein; zwischen einem Lehensmann und einem heidnischen Sklaven war gar kein so großer Unterschied. Ein Christ im sechszehnten Jahrhundert war ein von der Erde bevorzugtes Wesen, der Lehensherr jedoch zeichnete ihn wie einen Lieblingshund mit einem eisernen Halsband aus; ein Götzendiener der Sonne war ein im Himmel und auf Erden verfluchtes, verabscheuungswürdiges Geschöpf, ein ekelhafter Aussatz. Was konnte er im sechszehnten Jahrhundert von seinen Siegern mehr erwarten, als Ketten, Schmach und Knechtschaft? In Peru hatte der Herr das Recht über Leben und Tod seiner Sklaven, das Recht, den Vater aus den zarten Armen seiner Kinder zu reißen, das Recht, die Gattin von dem keuschen Lager des Gatten hinwegzuführen; und das Blut der unschuldigen Sonnenanbeter war der erste Handelsartikel der Europäer. Oh! daß sich das Gedächtniß jener Schreckensauftritte nimmermehr erinnerte!!

Ganze, in Knechtschaft geborene Familien und Kinder hielten sich für glücklich, die Ketten nachzuschleppen, wenn sie sich wenigstens der väterlichen Zärtlichkeit und Liebkosungen erfreuen durften; aber kaum ergoß die Sonne ihr Licht über die Erde, als sich der Horizont für jene Opfer mit dem Schatten der Hölle färbte. Der rüstige Vater verließ träge das Lager der Gattin und der Pfänder seiner Liebe, um an die Arbeit zu gehen, bei der er vielleicht an jenem Tage sein Lebenaushauchte; vielleicht streichelte ihn das zarte Kind mit seinen unschuldigen Händchen, und der Vater benetzte sie mit Thränen der Trostlosigkeit, wenn die unerbittliche Peitsche des Herrn auf seine Schultern niederfiel und ihn seiner Wonne benahm. Hier sah die Gattin den Europäer den Preis des Gatten merken, und ihn aus ihren Armen entreißend, ihn fortschleppen, um in der weiten Welt zu sterben; dort schaute der gefühlvolle Vater in einem blassen Metalle das Blut seines zarten Sohnes, und gab, wenn ihn der Europäer seinen Armen entriß, damit er in entlegenen Himmelsstrichen die Ketten der Schmach schleppte, vor Schmerz den Geist auf. Ah! wie viele Unglückliche stürzten sich hinter den Schiffen her, welche ihre süßen Lieben entführten, in die Wogen! Wie viele gaben sich, in Verwünschungen wider den Herrn ausbrechend, die Augen zum Himmel gewandt, einen gewaltsamen Tod! Wie viele waren in Todesängsten ein Opfer des Schmerzes, den sie in ihrer Brust erstickten! Genug, genug, mehr nicht, werfen wir einen dichten Schleier über so großen Schrecken und so große Schmach.

Aber dem sechszehnten Jahrhundert genügte die körperliche Sklaverei des Menschengeschlechtes nicht, die Gewissen mußten ebenfalls geknechtet werden. Luque konnte in den ersten Augenblicken der Eroberung nicht für sich allein erwarten, weder seines Amtes als Priester zu walten, noch allen Götzendienern der Sonne zu predigen oder sie zu erschrecken und über deren Häupter das Wasser der Taufe auszugießen, oder dann sie als unbußfertigund verflucht in die Flammen zu werfen; und seine Einladungen einerseits und der Ehrgeiz andrerseits brachten auch in jene Regionen Priester von allen Klassen und Ständen, welche mit dem Fanatismus ihres Jahrhunderts die Henker der unschuldigen Anbeter des Gottes, der die Tage entflammt, wären. Die berühmten Dekrete von Cajamalca wurden in dem ganzen Reiche zur Ausführung gebracht, und die Unglücklichen, welche nach dem Gebirge flohen, mußten ihre neuen Glaubenslehren verleugnen, oder waren Opfer der Wuth und der Flammen der Inquisition; und diejenigen, welche dem Schrecken oder der Ueberzeugung entrissen, zur christlichen Kirche gingen, wurden mit der ganzen Härte eines Katechumenen der ersten Jahrhunderte behandelt.

Von den unglücklichen Sonnenanbetern empfingen die einen, um ihren Tod zu verzögern, das Wasser der Erlösung, und die wenigsten traten aus Ueberzeugung getrieben in den Schooß der Kirche ein. Das Gewissen der Erstern war ihre grausamste Geißel; sie mußten sich bei den Feierlichkeiten des christlichen Gottesdienstes einfinden, und wenn sie die Sonne im Osten erglänzen sahen, wurden sie, ihre Abtrünnigkeit verfluchend, von Schrecken erfaßt, und vielleicht lästerten sie das Christenthum, und litten mit doppeltem Grausen die Schläge ihres Gewissens. Diejenigen, welche von ihrem Herzen begeistert, an Jesus Christus glaubten, waren, ebenfalls unglücklich, Opfer ihrer Unwissenheit! Die fanatischen Priester erfüllten ihre Seele mit schwermüthigen Vorurtheilen; sie verkauften denHimmel zu so theuern Opfern, daß alles Gold und alle menschliche Tugend nicht genügte, die ewige Seligkeit zu erlangen, und die Gewissensangst ist der größte moralische Jammer des Menschengeschlechtes. Die zarte Religion Jesus war ihrem Gründer nicht bekannt; ihr süßes Wesen, ihre einfache Moral verwandelte sich in die Furcht einer qualvollen Nacht; die Inquisition verbreitete ihre Greuel, und niemals gelangte an Luque, als Generalverweser, die Berufung einer Verleumdung; die untergeordneten Priester genügten, die Opfer bis vor die Flammen zu bringen.

Das war der gesellschaftliche und innere Zustand Perus, und von den angrenzenden Kolonieen strömten dem Reiche beständig neue Ehrgeizige zu, und die Kriegsmacht Pizarros war schon beträchtlich, und eben so üppig waren die Schätze der Abenteurer, als er in den Tagen, da der Waffenstillstand mit Almagro dauerte, zum ersten Mal von der Metropole Befehle empfing. Der Hof von Castilien sah mit Erstaunen die Fortschritte der Expedition von Panama; er bewunderte das Genie und den kriegerischen Charakter Pizarros: Pizarro war der Abgott der Könige, der Großen und des Volkes, und mit Uebermuth sah Philipp II. von seinem umtrauerten Throne herab die Sonne in seinem Reiche niemals untergehen. Bei den Nachrichten Pizarros und Perus setzte sich die Diplomatie des Jahrhunderts in schnelle Bewegung; kaltblütig berechneten die Thronräthe ihrer Gewohnheit gemäß die Interessen ihres Monarchen und verachteten die Menschen und traten die Menschheit mit Füßen. Alsbaldwurden Gesetze und Vorschriften aufgestellt, worin man die Sklaverei billigte, worin man den Verkauf von Sklaven gewährte, worin man die Priester und die Kriegsanführer für die größte Verbreitung des Christenthums verantwortlich machte, worin man die Inquisition unter den ungerechtesten Grundlagen festsetzte und worin man endlich die Zerstörung des neuen Reiches befahl.

Da in jenem dunkeln Jahrhundert die wahrhaftigen Grundlagen des Reichthums und der Macht der Reiche unbekannt waren, dachte man nur daran, die Kolonieen zu plündern und ihre Reichthümer nach der Metropole zu schleppen. Die Throne verachteten im sechszehnten Jahrhundert die Fortschritte der Künste; der Ackerbau war ein eingebildeter Name, dessen Resultate dem spärlichen Scharfsinn der Epoche entgingen, und die gesellschaftlichen Rechte waren mit der wilden Gewaltherrschaft, welche ihre Flügel von der einen Welt bis zur andern erstreckte, durchaus im Widerspruch. Von Pizarro wurden nur Schätze gefordert; die Art und Weise, sie zu entziehen oder zu entreißen, blieben seiner Willkür überlassen. So ungeheuerliche Prinzipien bildeten in den ursprünglichen Zeiten die Grundlagen des Verkehrs der Metropole mit den neuen Festländern.

Die Eroberung von Peru verkleidete sich außerdem mit dem religiösen Deckmantel, der alle widerrechtlichen Besitzergreifungen jenes Jahrhunderts zudeckte. Der erste Abenteurer, welcher in einem Festlande zu Boden sprang, nahm im Namen des höchsten Stellvertreters Christis, der alsdann den zeitweiligen Königen dieVerleihung gewährte, davon Besitz. Der Hof von Rom entfaltete alle seine Rechte und seinen ganzen Einfluß auf die Eroberung von Peru, aber er hatte vom Hofe Philipps zu viel Geschenke empfangen, um ihm undankbar zu sein, und Philipp hatte zu viel Fußvolk und Reiterei, als daß Rom ihn nicht fürchtete und ihm seine pflichtschuldigsten Huldigungen darbrachte. Der Hof von Rom gewährte den Königen von Castilien die Verleihung Perus, aber der Hof von Rom forderte der Gewohnheit in jenen Jahrhunderten der Unwissenheit gemäß, für seine eingebildeten Rechte unerhörte Zurechnungen. Das Recht der Erwählung von Prälaten, die übertriebenen Erpressungen für Bullen und Bewilligungen, der thätigste und gewinnbringendste Einfluß aller Art Handel haftete der römischen Curie stets an.

In Mitten der Unruhen seiner heftigen Liebe zu Ocollo, in den Augenblicken, da er auf das Duell mit Almagro zurückkommen sollte, empfing Pizarro Mittheilungen von der Metropole, die seinem Stolze und seiner wirklichen Macht zu sehr schmeichelten. Der Hof von Castilien ernannte ihn feierlich zum Statthalter und unumschränkten Gebieter des ganzen Reiches; Pizarro war der erste Priester, das erste militärische Oberhaupt und die erste obrigkeitliche Person; er war der Caligula und der Domitian der neuen Welt, und die Metropole forderte nur einen Fünftel von all’ den Reichthümern, welche er erpreßte, als Belohnung. Bei der ungeheuren Eroberung war eine unschätzbare Beute in den Händen der Abenteurer geblieben, und Pizarro,scharfsichtig genug, um die Art zu kennen, seinen Einfluß bei Hofe zu sichern, hatte für die Krone eine Unmenge von Gold und Silber vereinigt, womit in San Mateo viele Schiffe und Galeeren beladen wurden.

Das Schicksal des Reiches änderte sich bei den Mittheilungen der Metropole in nichts. Die Rathsherrn von Madrid wußten nicht mehr, noch waren sie menschlicher als die Eindringlinge; derselbe Ehrgeiz, derselbe Fanatismus beherrschte sie, und die Vorschriften oder legalen Körperschaften, denen sie die Metropole unterwerfen sollte, mußten den Raub, die Zerstörung und die Schmach bezwecken. Das Ansehen Pizarros erwarb neue Kraft und neuen Muth, vergebens mochte irgend ein gefühlvoller Mensch am Hofe die Stimme gegen seine grausame Tyrannei erheben; am Hofe Philipps wollte man nur Schätze und Anhänger des Christenthums; Pizarro überschüttete sie mit Strömen von Gold, und die Scheiterhaufen der Inquisition brannten fortwährend. Das Schicksal der neuen Welt schien bereits festgesetzt zu sein; der Hof von Rom und der Hof von Madrid sollten jenem unschuldigen Boden den Charakter und das Genie des sechszehnten Jahrhunderts aufdrücken, aber dessen Bewohner mußten, um sich von der Götzendienerei zu reinigen, den Vater des Lichtes angebetet zu haben, von der Erde verschwinden. Das war das Schicksal aller von andern Europäern in Besitz genommenen Festländer gewesen. Die Diplomatie jener Aera schien ihr Behagen einzig an der Zerstörung zu finden.

Die bewaffneten Männer und die Priester in Peru waren die Beauftragten, das Reich seiner Schätze zu berauben, und die unermeßlichen Schätze, welche ihnen noch übrig blieben, der Metropole zu überweisen. Am Hofe Philipps schlief man unter dem Golde ein; bis auf unsere Tage kreuzten schnelle, spanische Galeeren die Meere, um die Reichthümer der neuen Welt nach Spanien zu überführen; der Hof von Madrid schwelgte im Ueberfluß, das Gold floß in Strömen: Mit einem Berge von Gold errichtete man San Lorenzo im Escurial, diesen Prachttempel, das achte Wunder der Welt; mit einem andern Berge von Gold machte man in der herrlichen Granja die reizenden Springbrunnen von Versailles vergessen; ein Berg von jenem Golde sollte dazu bestimmt sein, Alcazar[5]der Könige in Madrid zu werden; mit einem andern beherrschte man den Tajo in Aranjuez, um dessen üppige Gärten zu heben; die Kirchthürme und Münster verschlängen ebenfalls ein Meer von Gold, aber niemals dachten Philipp noch seine Höflinge daran, auch nur den geringsten Ueberfluß so übermäßiger Schätze dafür zu bestimmen, dem öffentlichen Reichthum ihres Vaterlandes aufzuhelfen, die Verkehrswege zu erleichtern, noch dessen Handel zu beschützen. Ueppige Tempel und Thürme, worin sich der Stolz und der Hochmuth des Fanatismus des sechszehnten Jahrhunderts hervorthat; prächtige und prunkhafte Festungspaläste, fantastische und köstliche Gärten und Obelisken zwischen unfruchtbarenGebirgen, worin sich die Könige dem Vergnügen hingaben und ihre armen Gehirne in Stolz und Wollust schwelgten; das sind die glänzenden Andenken, welche uns unsere Väter hinterließen, für die Ströme von Gold, von Schweiß und von Blut, die sie den Sonnenanbetern, den Unterthanen der Inkas, den unglücklichen Bewohnern der neuen Welt entrissen.

Dekoratives Element


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