Dekoratives ElementKapitel 7.Huldigung.Das Reich schwankte zwischen Vertrauen, Furcht und Zweifel; alle Peruaner wollten die neuen Söhne der Sonne, die von Osten gekommen, sehen und bewundern; aber ein unerklärlicher Schrecken hielt sie ebenfalls in den Mauern von Cajamalca zurück, und sie wagten nicht, sich dem Lager ihrer Gastfreunde zu nähern. Schon hatte die Nacht ihren schwarzen Schleier ausgebreitet, als die Eindringlinge ihre Zelte bezogen, und die Bewohner jener bevölkerten Stadt konnten die Sehnsucht nicht stillen, die Männer, welche nach ihrer Annahme den Göttern gleich kamen, weder zu sehen, noch zu unterscheiden. Doch der neue Tag fing an, den Horizont zu erhellen, und die Zinnen und die Anhöhen der Stadt erschienen von einem ungeheuren Volke überdeckt, das seine Blicke erstaunt auf das Lager der von Osten Gekommenen heftete.Es wäre Pizarro einLeichtesgewesen, von dem Inka den Eintritt in die Stadt zu erlangen und sich seines Palastes zu bemächtigen, es schien ihm aber klüger, kein solches Opfer zu fordern, da er wegen derVortheile, die ihm seine Kavallerie und Artillerie gab, vorziehen mußte, sich auf freiem Felde zu schlagen, als sich mit einem Volke einzulassen, das er nicht kannte, wo er nicht mit so großer Unbefangenheit handeln konnte. Um seine geheimen Pläne vorwärts zu bringen, schickte er an jenem selben Morgen Almagro mit einem glänzenden Gefolge ab, damit sie den Inka beglückwünschen, ihn von Neuem ihrer friedlichen Anordnungen versichern, und um mit ihm den Zweck, der die Söhne der Sonne in sein Land brachte, ausführlicher zu besprechen, ihn um eine Zusammenkunft bitten sollten. Seine Abordnung wurde mit allen den Aufmerksamkeiten der Gastfreundschaft empfangen, welche die Peruaner den besten Freunden erweisen konnten. Atahulpa umarmte Almagro, empfing ihn mit den zärtlichsten Ausdrücken und ließ ihn bei Tafel von Prinzen seines Geblütes bedienen, verhehlte aber das Verlangen nicht, welches er hatte, daß die Spanier sein Land verlassen möchten, und um das Alles zu ordnen, versprach er ihm, Pizarro am folgenden Morgen besuchen zu wollen.Die anständige Tafel des Monarchen, die Ordnung, welche an seinem ganzen Hofe herrschte, die Achtung, mit der sie mit ihm sprachen und dessen Befehle entgegennahmen, wunderte die Spanier, welche noch nichts als schwache Caziken herumziehender Stämme gesehen hatten. Noch mehr aber hefteten sie ihre Aufmerksamkeit auf die ungeheuren Reichthümer, welche so verschwenderisch den Palast schmückten, den kostbaren Zierrath des Inkas und seines ganzen Hofes, die Gefäße und goldenen und silbernen Tafelgeschirre, dieMenge aller Art Geräthschaften aus kostbaren Metallen, Alles war für die Boten ein Anblick, der jede Idee, welche sich ein Europäer aus dem sechszehnten Jahrhundert von der Ueppigkeit machen konnte, bei Weitem übertraf.Inzwischen vermochte Almagro, obwohl auf den Schlachtfeldern aufgewachsen und unter Blut und Greuel großgezogen, die durchdringenden Reize der schönen Coya, einer ebenso verführerischen wie kriegerischen Prinzessin aus dem Geschlechte der Inkas, nicht unempfindlich zu sehen. Angethan mit einem kurzen, luftigen Unterkleide von weißem Leinen, mit quer umgehängtem Köcher, und in der Linken den Bogen, stand sie an der Spitze der peruanischen Krieger, welche hinausgezogen waren, um die Abgesandten aus dem spanischen Lager zu empfangen. Weiß, wie die Gipfel der schneeigen Anden, frisch wie eine Nelke im Monat Mai, schlank und niedlich wie ein flüchtiges Reh, im achtzehnten Frühling ihres Alters, wogte ihr welliges Haar in der Gewalt der leichten Winde, ihre Blicke durchdrangen die eisernen Waffenrüstungen, kein Mensch widerstand ihrem Zauber und Alle fielen als Sklaven ihrer Liebe nieder. Noch jung und von Natur aus hübsch, fühlte Almagro die ganze Macht der Schönheit Coyas und im Innersten seines Herzens brannte die Liebe mit unauslöschlichem Feuer.Endlich ging die Botschaft aus Cajamalca heraus und kehrte in das Lager Pizarros zurück. Mit von dem Anblick, dessen Zeugen sie gewesen waren, noch entflammter Einbildungskraft machten die Botschafterihren Gefährten von dem, was sie gesehen hatten, eine so verführerische Beschreibung, daß Pizarro in dem Vorsatz, worüber er bereits nachgedacht hatte, bestärkt wurde. Durch das, was er an den Sitten der neuen Welt beobachtete, wußte er, wie vortheilhaft es für ihn wäre, sich der Person des Inkas zu bemächtigen, und er entwarf einen Plan, der ebenso große Kühnheit als Geistesgegenwart erforderte. Mit Umgehung des ernsten Charakters, den er annahm, wenn er sich als Gesandten eines großen Machthabers anzeigte, der mit dem Inka ein Bündniß einzugehen wünschte, mit Umgehung der wiederholten Freundschaftsbetheuerungen, die er an ihn verschwendet und der Anerbietungen, die er ihm gemacht hatte, beschloß er, sich der leichtgläubigen Einfalt, womit Atahulpa seinen Betheuerungen vertraute, zu bedienen und sich bei der Zusammenkunft, zu der er ihn eingeladen hatte, der Person dieses Fürsten zu bemächtigen.Am Morgen des 16. November 1522, als der Inka ihn besuchen sollte, bereitete er die Ausführung seines Planes mit so großer Kaltblütigkeit und so geringem Bedenken vor, wie wenn nicht andern Tags seine Entehrung und der Schandfleck der Waffen seines Vaterlandes sein könnte. Er theilte seine Kavallerie in zwei von Soto und Benalcazar, verwegenen Offizieren, befehligte Flügel, welche die Flanken seiner zum Kampfe entfalteten Infanterie bedeckten; in der Mitte behielt er zwanzig seiner unerschrockensten Gefährten, die ihm bei dem gefährlichen Unternehmen, das er sich vorbehielt, halfen, seine Artillerie brachteer gegenüber dem Wege, durch den der Inka kommen mußte, unter und gab der Division Befehl, nicht anzugreifen, bis daß seine Stimme das Zeichen zum Ausbruch gäbe. Bedauern wir den Fanatismus und die Rohheit des sechszehnten Jahrhunderts, um ein so großes Verbrechen zuzudecken!...In aller Frühe fingen peruanische Regimenter an, aus der Stadt zu ziehen und sich auf dem Felde aufzustellen, und das ganze Volk war in der größten Aufregung, weil Atahulpa Pizarro in aller Pracht besuchen wollte. Obschon die Vorbereitungen sehr frühzeitig begannen, war die Feierlichkeit und das Gepränge so groß, daß der Morgen bereits zu Ende ging und der Inka nicht in das Lager seines Gastfreundes kam. Ungeduldig, befürchteten die Eindringlinge bereits irgend ein Mißtrauen seitens des Kaisers, das ihre Pläne vereitelte, als der unschuldige Inka, von fünfhundert auf das Prächtigste ausgerüsteten Adeligen umgeben, die beim Tone einfacher Militärmusiken einherzogen, mit der ganzen Majestät unschuldigen Stolzes erschien. Atahulpa, der auf einem goldenen, mit prächtigen, vielfarbigen Federn verzierten und mit Edelsteinen beladenen Throne saß, wurde im Mittelpunkte des Hofes auf den Schultern der edelsten Höflinge getragen und hinterher folgten ihm desgleichen seine ersten Beamten. Ganze Truppen von Tänzern und Musikbanden gingen einem so feierlichen Aufzuge voran und belebten ihn und die mit mehr als dreißigtausend Soldaten bedeckte Flur bot das Bild des mächtigen Reiches dar.Der Tag war ruhig und heiter und die strahlende Sonne stand hoch am Himmel. Ein lieblicher Wind bewegte sanft die farbigen Federn und die weißen und faltigen Gewänder des prunkhaften Hofes, und in den Strahlen der reinen Sonne Perus erglänzten die goldenen Tragbahren und die todbringenden Waffen der Eindringlinge. Als Atahulpa sich dem Lager Pizarros näherte, ertönten lärmend die dumpfen Trommeln und die schmetternden Trompeten und die spanische, mit dem prächtigen rothen Kreuz verzierte Fahne entfaltete sich im Winde. Wenn die Peruaner überrascht den Achtung gebietenden Anblick der von Osten Gekommenen, ihre mit langen Bärten bedeckten Gesichter und die Pracht und die Herstellung ihrer grimmigen Waffen betrachteten, sahen Pizarro und seine Gefährten nicht weniger mit Erstaunen den Glanz und die Pracht des peruanischen Hofes und die anscheinende Mannszucht ihrer unzähligen Soldaten. Der goldene Thron jedoch und die ungeheuren Reichthümer, welche ihnen ein Sieg anbot, erregten zu sehr deren Einbildung, als daß sie die Gefahren der Entzweiung berechneten. Inzwischen langte Atahulpa, indem er fortwährend zu seinen ersten Beamten sagte: »Es sind vom Himmel Gesandte, hütet euch wohl, sie zu beleidigen,« im Lager seiner Feinde an.Kaum hatte er den Lagerplatz betreten, als Luque, das Cruzifix in der Linken und sein Brevier in der Rechten, auf den Inka zulief und dem Monarchen in einer langen Rede und den dunkeln Glaubensansichten des sechszehnten Jahrhunderts nach die Lehre von derSchöpfung, den Sündenfall des ersten Menschen, die Menschwerdung Jesu Christis, die Erwählung, welche Gott an dem heiligen Petrus vollzog, damit er sein großer Stellvertreter auf Erden werde, die auf die Päpste übertragene Macht des heiligen Petrus und die vom Papste Alexander, dem König von Castilien gemachte Schenkung aller Ländereien der neuen Welt darlegte. Nachdem er diese ganze Lehre auseinandergesetzt hatte, lud er Atahulpa ein, die christliche Religion zu umarmen, die Machtvollkommenheit des Papstes anzuerkennen, sich dem König von Castilien als seinem rechtmäßigen Oberherrn tributpflichtig zu erklären, und wenn er also thäte, er zu regieren fortfahren und der König, sein Gebieter, Peru unter seinen Schutz nehmen würde; er ihm aber, wenn er zu gehorchen sich weigerte und auf seiner Gottlosigkeit bestünde, unter Androhung der fürchterlichsten Rache den Krieg erklärte.Atahulpa verstand wenig von dieser sonderbaren Rede, da sie unbegreifliche Mysterien und unbekannte Thatsachen enthielt, wozu die ganze menschliche Beredsamkeit nicht ausreichte, einem Peruaner in so kurzer Zeit deutliche Begriffe beizubringen. Auf die allereinfachsten Dinge jedoch, die er verstanden hatte, antwortete er mit höchster Mäßigung, daß er mit dem größten Vergnügen ein Freund des Königs von Spanien, aber niemals sein Tributpflichtiger wäre, daß der Papst auch gar zu unverschämt sein mußte, um so freigebig das zu verschenken, was ihm nicht gehörte; daß er seine Religion niemals verließe und daß, wenn die Christen ihren auf der Schädelstätteam Kreuz gestorbenen Gott anbeteten, er die erhabene Sonne verehrte, die niemals stürbe; und schließlich frug er den Verweser, wo er das, was er ihm von Gott und der Schöpfung gesagt hatte, gelernt habe. In diesem Buche,antwortete Luque, ihm das Brevier darreichend, bereits entflammt. Atahulpa nahm das Buch mit Verwunderung, besah es von allen Seiten, hielt es an sein Ohr und bestätigte dem Redner: »Das, welches ihr mir da gebt, spricht nicht, sagt nichts,« und er warf es verächtlich weg. Da wandte sich Luque, wüthend, an seine Gefährten, indem er schrie: Rache, ihr Christen; das Wort Gottes ist entweiht worden, rächt diese Schmach, verzehrt diese Ungläubigen.Pizarro, der kaum die Ungeduld seiner Soldaten zügeln konnte, um sich über die Reichthümer herzustürzen, die ihnen in die Augen stachen, gab das Zeichen zum Angriff und die Trommeln und Trompeten spielten zum Einhauen. Die Infanterie und Artillerie gab eine geschlossene Salve ab, die Kavallerie griff mit dem Säbel in der Hand an und Pizarro mit den zwanzig Auserwählten warf sich kurz entschlossen auf den Inka. Voller Schrecken ergriffen die Indianer verzagt die Flucht, so unerklärlich waren ihnen die Pferde, welche sie niederrannten, sowie das Getöse der Infanterie und Artillerie, die sie zerfleischte und wie ein unsichtbarer Strahl versengte, und die Eindringlinge richteten auf der ganzen ausgedehnten Flur eine Niederlage und ein wahres Blutbad an. Vergebens umgaben, mit ihren wehrlosen Brüsten eine Mauer fürihn bildend, den Inka seine Edeln. Sie fielen alle unter der Wucht der Klinge Pizarros, welcher den Monarchen an den Haaren schleppte und ihn gefangen nahm, und die Kavallerie fuhr bis zur Tagesneige mit dem Gemetzel fort. Eine Menge Prinzen von dem Geschlechte der Inkas, die Minister, die Blüthe des Adels, Alles, was den Hof Atahulpas ausmachte, und viertausend Soldaten und Frauen, Kinder und Greise, welche hinausgegangen waren, um die prächtige Feier zu sehen, fielen unter der Wucht der Waffen auf dem Schlachtfelde von Cajamalca; es war nichts als Tod, Trostlosigkeit und Entsetzen.Die Nacht breitete ihren traurigen Schleier aus und das von Blut geröthete, leichenbedeckte Feld bot für das jungfräuliche Amerika den entsetzlichsten Auftritt dar. Einige der Angreifer drangen noch in die Stadt hinein, aber vereinzelt und zerstreut, mußten sie wieder zu ihren Zelten zurückkehren, wo in Ketten gebunden der Unglücklichste aller Sterblichen, jener Herrscher seufzte, der, von einem prunkvollen Hofe umgeben, von den ersten Adeligen des Staates auf den Achseln getragen, einen Augenblick vorher ein Bild der Götter schien. Eine schreckliche, nur von dem Wehklagen der Verwundeten unterbrochene Stille herrschte auf dem Felde der Niederlage, bis daß, nachdem sich die Eindringlinge wieder in ihre Zelte zurückgezogen hatten, der von den tiefen Seufzern der Sterbenden untermischte Siegestaumel die Umkreise zu betäuben begann.Dekoratives Element
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Das Reich schwankte zwischen Vertrauen, Furcht und Zweifel; alle Peruaner wollten die neuen Söhne der Sonne, die von Osten gekommen, sehen und bewundern; aber ein unerklärlicher Schrecken hielt sie ebenfalls in den Mauern von Cajamalca zurück, und sie wagten nicht, sich dem Lager ihrer Gastfreunde zu nähern. Schon hatte die Nacht ihren schwarzen Schleier ausgebreitet, als die Eindringlinge ihre Zelte bezogen, und die Bewohner jener bevölkerten Stadt konnten die Sehnsucht nicht stillen, die Männer, welche nach ihrer Annahme den Göttern gleich kamen, weder zu sehen, noch zu unterscheiden. Doch der neue Tag fing an, den Horizont zu erhellen, und die Zinnen und die Anhöhen der Stadt erschienen von einem ungeheuren Volke überdeckt, das seine Blicke erstaunt auf das Lager der von Osten Gekommenen heftete.
Es wäre Pizarro einLeichtesgewesen, von dem Inka den Eintritt in die Stadt zu erlangen und sich seines Palastes zu bemächtigen, es schien ihm aber klüger, kein solches Opfer zu fordern, da er wegen derVortheile, die ihm seine Kavallerie und Artillerie gab, vorziehen mußte, sich auf freiem Felde zu schlagen, als sich mit einem Volke einzulassen, das er nicht kannte, wo er nicht mit so großer Unbefangenheit handeln konnte. Um seine geheimen Pläne vorwärts zu bringen, schickte er an jenem selben Morgen Almagro mit einem glänzenden Gefolge ab, damit sie den Inka beglückwünschen, ihn von Neuem ihrer friedlichen Anordnungen versichern, und um mit ihm den Zweck, der die Söhne der Sonne in sein Land brachte, ausführlicher zu besprechen, ihn um eine Zusammenkunft bitten sollten. Seine Abordnung wurde mit allen den Aufmerksamkeiten der Gastfreundschaft empfangen, welche die Peruaner den besten Freunden erweisen konnten. Atahulpa umarmte Almagro, empfing ihn mit den zärtlichsten Ausdrücken und ließ ihn bei Tafel von Prinzen seines Geblütes bedienen, verhehlte aber das Verlangen nicht, welches er hatte, daß die Spanier sein Land verlassen möchten, und um das Alles zu ordnen, versprach er ihm, Pizarro am folgenden Morgen besuchen zu wollen.
Die anständige Tafel des Monarchen, die Ordnung, welche an seinem ganzen Hofe herrschte, die Achtung, mit der sie mit ihm sprachen und dessen Befehle entgegennahmen, wunderte die Spanier, welche noch nichts als schwache Caziken herumziehender Stämme gesehen hatten. Noch mehr aber hefteten sie ihre Aufmerksamkeit auf die ungeheuren Reichthümer, welche so verschwenderisch den Palast schmückten, den kostbaren Zierrath des Inkas und seines ganzen Hofes, die Gefäße und goldenen und silbernen Tafelgeschirre, dieMenge aller Art Geräthschaften aus kostbaren Metallen, Alles war für die Boten ein Anblick, der jede Idee, welche sich ein Europäer aus dem sechszehnten Jahrhundert von der Ueppigkeit machen konnte, bei Weitem übertraf.
Inzwischen vermochte Almagro, obwohl auf den Schlachtfeldern aufgewachsen und unter Blut und Greuel großgezogen, die durchdringenden Reize der schönen Coya, einer ebenso verführerischen wie kriegerischen Prinzessin aus dem Geschlechte der Inkas, nicht unempfindlich zu sehen. Angethan mit einem kurzen, luftigen Unterkleide von weißem Leinen, mit quer umgehängtem Köcher, und in der Linken den Bogen, stand sie an der Spitze der peruanischen Krieger, welche hinausgezogen waren, um die Abgesandten aus dem spanischen Lager zu empfangen. Weiß, wie die Gipfel der schneeigen Anden, frisch wie eine Nelke im Monat Mai, schlank und niedlich wie ein flüchtiges Reh, im achtzehnten Frühling ihres Alters, wogte ihr welliges Haar in der Gewalt der leichten Winde, ihre Blicke durchdrangen die eisernen Waffenrüstungen, kein Mensch widerstand ihrem Zauber und Alle fielen als Sklaven ihrer Liebe nieder. Noch jung und von Natur aus hübsch, fühlte Almagro die ganze Macht der Schönheit Coyas und im Innersten seines Herzens brannte die Liebe mit unauslöschlichem Feuer.
Endlich ging die Botschaft aus Cajamalca heraus und kehrte in das Lager Pizarros zurück. Mit von dem Anblick, dessen Zeugen sie gewesen waren, noch entflammter Einbildungskraft machten die Botschafterihren Gefährten von dem, was sie gesehen hatten, eine so verführerische Beschreibung, daß Pizarro in dem Vorsatz, worüber er bereits nachgedacht hatte, bestärkt wurde. Durch das, was er an den Sitten der neuen Welt beobachtete, wußte er, wie vortheilhaft es für ihn wäre, sich der Person des Inkas zu bemächtigen, und er entwarf einen Plan, der ebenso große Kühnheit als Geistesgegenwart erforderte. Mit Umgehung des ernsten Charakters, den er annahm, wenn er sich als Gesandten eines großen Machthabers anzeigte, der mit dem Inka ein Bündniß einzugehen wünschte, mit Umgehung der wiederholten Freundschaftsbetheuerungen, die er an ihn verschwendet und der Anerbietungen, die er ihm gemacht hatte, beschloß er, sich der leichtgläubigen Einfalt, womit Atahulpa seinen Betheuerungen vertraute, zu bedienen und sich bei der Zusammenkunft, zu der er ihn eingeladen hatte, der Person dieses Fürsten zu bemächtigen.
Am Morgen des 16. November 1522, als der Inka ihn besuchen sollte, bereitete er die Ausführung seines Planes mit so großer Kaltblütigkeit und so geringem Bedenken vor, wie wenn nicht andern Tags seine Entehrung und der Schandfleck der Waffen seines Vaterlandes sein könnte. Er theilte seine Kavallerie in zwei von Soto und Benalcazar, verwegenen Offizieren, befehligte Flügel, welche die Flanken seiner zum Kampfe entfalteten Infanterie bedeckten; in der Mitte behielt er zwanzig seiner unerschrockensten Gefährten, die ihm bei dem gefährlichen Unternehmen, das er sich vorbehielt, halfen, seine Artillerie brachteer gegenüber dem Wege, durch den der Inka kommen mußte, unter und gab der Division Befehl, nicht anzugreifen, bis daß seine Stimme das Zeichen zum Ausbruch gäbe. Bedauern wir den Fanatismus und die Rohheit des sechszehnten Jahrhunderts, um ein so großes Verbrechen zuzudecken!...
In aller Frühe fingen peruanische Regimenter an, aus der Stadt zu ziehen und sich auf dem Felde aufzustellen, und das ganze Volk war in der größten Aufregung, weil Atahulpa Pizarro in aller Pracht besuchen wollte. Obschon die Vorbereitungen sehr frühzeitig begannen, war die Feierlichkeit und das Gepränge so groß, daß der Morgen bereits zu Ende ging und der Inka nicht in das Lager seines Gastfreundes kam. Ungeduldig, befürchteten die Eindringlinge bereits irgend ein Mißtrauen seitens des Kaisers, das ihre Pläne vereitelte, als der unschuldige Inka, von fünfhundert auf das Prächtigste ausgerüsteten Adeligen umgeben, die beim Tone einfacher Militärmusiken einherzogen, mit der ganzen Majestät unschuldigen Stolzes erschien. Atahulpa, der auf einem goldenen, mit prächtigen, vielfarbigen Federn verzierten und mit Edelsteinen beladenen Throne saß, wurde im Mittelpunkte des Hofes auf den Schultern der edelsten Höflinge getragen und hinterher folgten ihm desgleichen seine ersten Beamten. Ganze Truppen von Tänzern und Musikbanden gingen einem so feierlichen Aufzuge voran und belebten ihn und die mit mehr als dreißigtausend Soldaten bedeckte Flur bot das Bild des mächtigen Reiches dar.
Der Tag war ruhig und heiter und die strahlende Sonne stand hoch am Himmel. Ein lieblicher Wind bewegte sanft die farbigen Federn und die weißen und faltigen Gewänder des prunkhaften Hofes, und in den Strahlen der reinen Sonne Perus erglänzten die goldenen Tragbahren und die todbringenden Waffen der Eindringlinge. Als Atahulpa sich dem Lager Pizarros näherte, ertönten lärmend die dumpfen Trommeln und die schmetternden Trompeten und die spanische, mit dem prächtigen rothen Kreuz verzierte Fahne entfaltete sich im Winde. Wenn die Peruaner überrascht den Achtung gebietenden Anblick der von Osten Gekommenen, ihre mit langen Bärten bedeckten Gesichter und die Pracht und die Herstellung ihrer grimmigen Waffen betrachteten, sahen Pizarro und seine Gefährten nicht weniger mit Erstaunen den Glanz und die Pracht des peruanischen Hofes und die anscheinende Mannszucht ihrer unzähligen Soldaten. Der goldene Thron jedoch und die ungeheuren Reichthümer, welche ihnen ein Sieg anbot, erregten zu sehr deren Einbildung, als daß sie die Gefahren der Entzweiung berechneten. Inzwischen langte Atahulpa, indem er fortwährend zu seinen ersten Beamten sagte: »Es sind vom Himmel Gesandte, hütet euch wohl, sie zu beleidigen,« im Lager seiner Feinde an.
Kaum hatte er den Lagerplatz betreten, als Luque, das Cruzifix in der Linken und sein Brevier in der Rechten, auf den Inka zulief und dem Monarchen in einer langen Rede und den dunkeln Glaubensansichten des sechszehnten Jahrhunderts nach die Lehre von derSchöpfung, den Sündenfall des ersten Menschen, die Menschwerdung Jesu Christis, die Erwählung, welche Gott an dem heiligen Petrus vollzog, damit er sein großer Stellvertreter auf Erden werde, die auf die Päpste übertragene Macht des heiligen Petrus und die vom Papste Alexander, dem König von Castilien gemachte Schenkung aller Ländereien der neuen Welt darlegte. Nachdem er diese ganze Lehre auseinandergesetzt hatte, lud er Atahulpa ein, die christliche Religion zu umarmen, die Machtvollkommenheit des Papstes anzuerkennen, sich dem König von Castilien als seinem rechtmäßigen Oberherrn tributpflichtig zu erklären, und wenn er also thäte, er zu regieren fortfahren und der König, sein Gebieter, Peru unter seinen Schutz nehmen würde; er ihm aber, wenn er zu gehorchen sich weigerte und auf seiner Gottlosigkeit bestünde, unter Androhung der fürchterlichsten Rache den Krieg erklärte.
Atahulpa verstand wenig von dieser sonderbaren Rede, da sie unbegreifliche Mysterien und unbekannte Thatsachen enthielt, wozu die ganze menschliche Beredsamkeit nicht ausreichte, einem Peruaner in so kurzer Zeit deutliche Begriffe beizubringen. Auf die allereinfachsten Dinge jedoch, die er verstanden hatte, antwortete er mit höchster Mäßigung, daß er mit dem größten Vergnügen ein Freund des Königs von Spanien, aber niemals sein Tributpflichtiger wäre, daß der Papst auch gar zu unverschämt sein mußte, um so freigebig das zu verschenken, was ihm nicht gehörte; daß er seine Religion niemals verließe und daß, wenn die Christen ihren auf der Schädelstätteam Kreuz gestorbenen Gott anbeteten, er die erhabene Sonne verehrte, die niemals stürbe; und schließlich frug er den Verweser, wo er das, was er ihm von Gott und der Schöpfung gesagt hatte, gelernt habe. In diesem Buche,antwortete Luque, ihm das Brevier darreichend, bereits entflammt. Atahulpa nahm das Buch mit Verwunderung, besah es von allen Seiten, hielt es an sein Ohr und bestätigte dem Redner: »Das, welches ihr mir da gebt, spricht nicht, sagt nichts,« und er warf es verächtlich weg. Da wandte sich Luque, wüthend, an seine Gefährten, indem er schrie: Rache, ihr Christen; das Wort Gottes ist entweiht worden, rächt diese Schmach, verzehrt diese Ungläubigen.
Pizarro, der kaum die Ungeduld seiner Soldaten zügeln konnte, um sich über die Reichthümer herzustürzen, die ihnen in die Augen stachen, gab das Zeichen zum Angriff und die Trommeln und Trompeten spielten zum Einhauen. Die Infanterie und Artillerie gab eine geschlossene Salve ab, die Kavallerie griff mit dem Säbel in der Hand an und Pizarro mit den zwanzig Auserwählten warf sich kurz entschlossen auf den Inka. Voller Schrecken ergriffen die Indianer verzagt die Flucht, so unerklärlich waren ihnen die Pferde, welche sie niederrannten, sowie das Getöse der Infanterie und Artillerie, die sie zerfleischte und wie ein unsichtbarer Strahl versengte, und die Eindringlinge richteten auf der ganzen ausgedehnten Flur eine Niederlage und ein wahres Blutbad an. Vergebens umgaben, mit ihren wehrlosen Brüsten eine Mauer fürihn bildend, den Inka seine Edeln. Sie fielen alle unter der Wucht der Klinge Pizarros, welcher den Monarchen an den Haaren schleppte und ihn gefangen nahm, und die Kavallerie fuhr bis zur Tagesneige mit dem Gemetzel fort. Eine Menge Prinzen von dem Geschlechte der Inkas, die Minister, die Blüthe des Adels, Alles, was den Hof Atahulpas ausmachte, und viertausend Soldaten und Frauen, Kinder und Greise, welche hinausgegangen waren, um die prächtige Feier zu sehen, fielen unter der Wucht der Waffen auf dem Schlachtfelde von Cajamalca; es war nichts als Tod, Trostlosigkeit und Entsetzen.
Die Nacht breitete ihren traurigen Schleier aus und das von Blut geröthete, leichenbedeckte Feld bot für das jungfräuliche Amerika den entsetzlichsten Auftritt dar. Einige der Angreifer drangen noch in die Stadt hinein, aber vereinzelt und zerstreut, mußten sie wieder zu ihren Zelten zurückkehren, wo in Ketten gebunden der Unglücklichste aller Sterblichen, jener Herrscher seufzte, der, von einem prunkvollen Hofe umgeben, von den ersten Adeligen des Staates auf den Achseln getragen, einen Augenblick vorher ein Bild der Götter schien. Eine schreckliche, nur von dem Wehklagen der Verwundeten unterbrochene Stille herrschte auf dem Felde der Niederlage, bis daß, nachdem sich die Eindringlinge wieder in ihre Zelte zurückgezogen hatten, der von den tiefen Seufzern der Sterbenden untermischte Siegestaumel die Umkreise zu betäuben begann.
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