ZWEYTE SPAZIERFAHRT.

ZWEYTE SPAZIERFAHRT.

Feliciane ward zu Hause mit allem Jubel empfangen, mit dem man gewöhnlich einen großen Feldherrn empfängt, der von einer gewonnenen entscheidenden Schlacht, und, was hier der wesentlichste Umstand war, mit einer reichen Beute beladen, nach Hause kehrt. Nun traf die Reihe die schöne Louise, die schon vor Verlangen brannte, ihrer klugen Schwester auf dieser edlen Rennbahn den Vorsprung abzugewinnen. Die wichtigste vorläufige Anstalt war, daß der Wagen anders zugerichtet ward, die Rappen in Schimmel, und der schwarzköpfige Kutscher in einen blonden verwandelt wurde. Louise war ihres glücklichen Erfolges so gewiß, daß ihr Feliciane das nöthige Geld auf diese Unkosten leihen mußte.

Da nun alles veranstaltet war, suchte sie in der Stummengasse eine Wohnung. In dieser wohnte seit kurzer Zeit ein reicher Graubart aus Genua, den eigentlichnichts nach Madrit geführt hatte, als seine seltsame Gemüthsart, die ihn immer peinigte; er konnte nicht lange an einem Orte leben, ohne daß ihn die tödtlichste lange Weile plagte. Er war ein großer Freund des Frauenzimmers, war aber so karg, daß ihm auch diese Quelle des Vergnügens unmöglich reich zuströmen konnte. Er hieß Cäsar Antonio, hielt einen Wagen, vier Bediente und eine Haushälterinn.

Gegen über nun von diesem Manne bezog unsere schöne Sevillanerinn das erste Stockwerk, mit einem Balcon auf die Gasse. Die Tracht, in der sie sich einführte, war ein Wittwenkleid, und zwar die tiefste Trauer, als ob sie ihren seligen Gatten erst vor einigen Tagen begraben hätte. Sie trug ein kurzes gefaltetes Mäntelchen, darunter ein enges Kleid mit langen Spitzärmeln und niedlichen Krausen, die ihrer Hand vortrefflich ließen; am Halse war der Kragen zurück geschlagen, und an der Brust lief ihr wieder eine breite lockere Spitzenkrause zusammen. Im blonden Haare hatte sie nichts, als einige schwarze Schleifen, und einen flornen Schnabelgegen die Stirn. Über den Rücken schwebte der Schleyer, und um den Hals hing ihr eine lockere Kette von schwarzen Perlen. Welcher Mann wäre nicht gern gestorben, um seine schöne Wittwe in einem so reitzenden Trauerhabite zu sehen?

Sie richtete ihre Wohnung auch ganz nach dem Stande, den sie angenommen hatte, ein, und kam in derselben mit ihrer Mutter, die ihr als Duenna diente, der frommen Banuelos, und ihrer Schwester, die eine nahe Verwandte spielen mußte, an. Sie fuhren Schritt vor Schritt, und der alte Escudero ging neben dem Wagenschlage. Als sie diesen feyerlichen Einzug hielt, stand der Genueser eben auf dem Balcon. Er riß die Augen groß auf, und brannte vor Neugierde, wer wohl seine Nachbarinn seyn dürfte. Die Gesellschaft war nun ausgestiegen, und das Erste, was Louise that, war, daß sie das Mäntelchen ablegte, und sich dem Genueser auf ihrem Balcon in unverhüllter Schönheit zeigte. Der Alte gaffte wie ein hundertäugiger Argus herüber; das Herz schlug ihm wie eine Wanduhr, und er meinte keine grössere Schönheit in seinem Leben gesehen zu haben, als diese Proserpina; und er hatte doch viele gesehen. Louise sah unterdessen bald die Straße hinauf, bald die Straße hinunter, und stellte sich an, als ob sie nun plötzlich erst einen Blick auf den unbeweglichen Genueser hinüber wärfe, was ihm Gelegenheit gab, eine tiefe Verbeugung, die er schon lange in Bereitschaft hatte, anzubringen. Louise erwiederte sie zwar sehr höflich, kehrte sich aber sogleich zu ihrer Gesellschaft um, und sagte halb laut, doch aber so, daß der Genueser jedes Wort hören konnte: „Das Einzige habe ich vergessen; gleich morgen muß der ganze Balcon mit Jalousien versehen werden; mein Stand erlaubt es durchaus nicht anders.“ Der Genueser, der gerade keiner von den schüchternsten war, mischte sich ohne Anstand ins Gespräch, und sagte: „Ich wäre untröstlich, wenn ich Sie durch mein Gegenüberwohnen in dem Vergnügen stören sollte, auf Ihrem Balcon die frische Abend- oder Morgenluft zu genießen. Ich werde Sie überzeugen, daß es mir Ernst ist; und wenn Siemorgen Ihren Balcon mit Jalousien schirmen, lass’ ich den meinigen mit Bretern verschlagen. Oder wenn mir das der Arzt verbiethen sollte, beding’ ich mir aus, daß Sie Ihre Jalousien immer völlig schließen, und“ — Louise hatte nun eben den Handschuh abgezogen — „mir nicht einmahl diese schöne Hand hervor gucken lassen. Auch muß ich es fordern, um mich nie mit einiger Gefahr im Neglige auf meinem Balcon sehen zu lassen. Vergeben Sie, daß ich so zudringlich bin, und mich sogleich ins Gespräch gemengt habe; aber meine gute Laune sucht mich selten heim.“ Louise lächelte ihm gefällig zu, machte ihm eine Verbeugung, und ging hinein.

Der Graubart aus Genua hatte nun weder Rast noch Ruhe mehr. Er lauschte den ganzen Abend an der Hausthür, bis er den Escudero ausgehen sah, den er auch an der Stelle anhielt, und fragte, wer seine Gebietherinn wäre. Dieser hatte seine Rolle schon gut gelernet, und sagte ihm denn, daß sie eine Dame aus Saragossa wäre, daß sie Donna Angela de Bolea heiße, und an einen vornehmen Edelmanndieser Stadt verheirathet gewesen sey. Sie sey nach Hofe gekommen, um da einen Oheim zu erwarten, der hier mit einem unermeßlichen Reichthume aus Indien ankommen werde, und sie zur einzigen Erbinn seines ganzes Vermögens bestimmt habe, welches in mehr als achtzig tausend Escudo’s bestände, wie sie auch jetzt schon jährlich mehr als zwey tausend von ihm empfange.

Der Genueser glaubte ihm jedes Wort, und sann nun schon unablässig, wie aus seiner Nachbarschaft eine vertraute Bekanntschaft werde. Er dankte dem Escudero recht höflich, und bath ihn, seiner Gebietherinn zu melden, daß alles, was in seinem Hause sey, zu ihrem Befehle wäre. Der Escudero dankte ihm aber, und versicherte, daß sie mit allem überflüssig versehen wären.

Die Jalousien blieben am folgenden Tag’ aus, und Antonio, der dem Verlangen, sie zu sehen und zu sprechen, nicht länger widerstehen konnte, ergriff diese Gelegenheit, um zu ihr hinüber zu schicken, ihr dafür zu danken, und sie zugleich um dieErlaubniß bitten zu lassen, daß er ihr aufwarten dürfte. Sie war zu artig, als daß sie selbst in ihrem Wittwenstande, den Besuch eines alten Nachbars, der sich über dieß zuvorkommend höflich bezeigt hatte, hätte ablehnen sollen. Er war voller Freude, putzte sich so gut heraus, als er konnte, ließ zwey Bediente nachtreten, und spazierte wie ein Pfau die Straße hinüber. Er fand die schöne Wittwe auf einem schwarz überzogenen Stuhl’, und um sie herum war ein schwarzer Teppich aufgebreitet, auf dem die zwey Duennen saßen, die sich mit Mäntelchen und Schleyern ein ehrwürdiges Ansehen gegeben hatten. Er brachte eine lange Glockenstunde in diesem angenehmen Zirkel zu, ohne daß er den geringsten Anfall von seiner gewöhnlichen Krankheit der langen Weile gehabt hätte. Endlich brach Louise das Gespräch ab, und bath um Vergebung, daß sie nicht länger von der Gesellschaft seyn könne, da sie um diese Stunde sich zurück zu ziehen pflege. „Diese Stunde,“ sagte sie, „ist dem Andenken meines seligen Mannes geweihet.“ „Ich darf Sie aberdoch wieder besuchen?“ sagte Antonio. „Es wird mir immer ein Vergnügen seyn,“ antwortete Louise, und ging in’s Nebenzimmer: der Genuese ging voll Vergnügen fort, und schickte ihr noch einige Früchte aus seinem Garten zur Erfrischung herüber.

Unter seinen Bedienten war ein Spanier, ein Toledaner, den er wegen seiner besonderen Geschicklichkeit in Musik, und seinen drolligen Einfällen aufgenommen hatte. Auch war sein Gehirn ein Bißchen von Poesie verbrannt. Mit diesem Burschen nun wollte er Louisen ein Fest machen, welches in einem Liedchen bestehen sollte, das er ihr sänge. Als sie nun des Abends mit ihrer Gesellschaft auf dem Balcon nachtmahlte, stellte er Leonardo, so hieß der Bediente, auf seinen Balcon, ihnen gerade gegen über. Leonardo nahm seine Guitarre zur Hand, und sang:

Holder Stern der schönen Nacht!Wenn dein Auge freundlich lacht,Dann erfreuet sich mein Sinn,Daß ich dein Geliebter bin.Du leuchtest in sanftsüßer Pracht,Wie ein Gestirn in finstrer Nacht.Dein Blick mein Herze gleich erhellt,Wie, wenn vom Stern ein Schnupfen fällt.Ich sehe dir von ferne zu,Und wie ein Irrwisch flimmerst du;Ich folge deinem matten Schein,Und locktest mich in’s Koth hinein.Denke meiner, schönes Kind,Und entschlafe nicht geschwind!In Gedanken, glaub’ es mir,Bin ich auch des Nachts bey dir.

Holder Stern der schönen Nacht!Wenn dein Auge freundlich lacht,Dann erfreuet sich mein Sinn,Daß ich dein Geliebter bin.Du leuchtest in sanftsüßer Pracht,Wie ein Gestirn in finstrer Nacht.Dein Blick mein Herze gleich erhellt,Wie, wenn vom Stern ein Schnupfen fällt.Ich sehe dir von ferne zu,Und wie ein Irrwisch flimmerst du;Ich folge deinem matten Schein,Und locktest mich in’s Koth hinein.Denke meiner, schönes Kind,Und entschlafe nicht geschwind!In Gedanken, glaub’ es mir,Bin ich auch des Nachts bey dir.

Holder Stern der schönen Nacht!Wenn dein Auge freundlich lacht,Dann erfreuet sich mein Sinn,Daß ich dein Geliebter bin.

Holder Stern der schönen Nacht!

Wenn dein Auge freundlich lacht,

Dann erfreuet sich mein Sinn,

Daß ich dein Geliebter bin.

Du leuchtest in sanftsüßer Pracht,Wie ein Gestirn in finstrer Nacht.Dein Blick mein Herze gleich erhellt,Wie, wenn vom Stern ein Schnupfen fällt.

Du leuchtest in sanftsüßer Pracht,

Wie ein Gestirn in finstrer Nacht.

Dein Blick mein Herze gleich erhellt,

Wie, wenn vom Stern ein Schnupfen fällt.

Ich sehe dir von ferne zu,Und wie ein Irrwisch flimmerst du;Ich folge deinem matten Schein,Und locktest mich in’s Koth hinein.

Ich sehe dir von ferne zu,

Und wie ein Irrwisch flimmerst du;

Ich folge deinem matten Schein,

Und locktest mich in’s Koth hinein.

Denke meiner, schönes Kind,Und entschlafe nicht geschwind!In Gedanken, glaub’ es mir,Bin ich auch des Nachts bey dir.

Denke meiner, schönes Kind,

Und entschlafe nicht geschwind!

In Gedanken, glaub’ es mir,

Bin ich auch des Nachts bey dir.

Der Genuese küßte ihn, und die Damen waren so artig, ihm Beyfall herüber zuzuklatschen. So albern der Bursche war, hatt’ er doch, wie gesagt, seine eigene Weise, und war überhaupt so gewandt und launigt, daß man ihm nicht abhold seyn konnte. Auch unsere schöne Wittwe hatte diese Serenate so unterhalten, daß sie den folgenden Tag wieder zu ihrem Nachbar hinüberschickte, und ihn zu sich bittenließ. Das Gespräch ward immer lebhafter, und der Genuese gerieth, bevor er dessen gewärtig gewesen war, in solche Flammen, daß er seinem Triebe, sich näher zu erklären, nicht länger widerstehen konnte: er sagte ihr tausend abgeschmackte Schönheiten, küßte ihr die eine Hand um die andere, warf so feurige Blicke, wie eine Katze in der finstern Kammer, und geberdete sich, mit einem Worte, so läppisch, daß sich Louise und ihre Gesellschaft darüber kaum des Lachens erwehren konnten. Sein Meisterstück kam aber erst nach. Ein leichtes Zittern, das Wechseln der Gesichtsfarbe, und ein beständiges Trippeln gingen voraus: endlich sprang er wie einer, den der Fieberanfall packt, vom Stuhle auf, und bath Louisen, mit ihr einige Worte unter vier Augen sprechen zu dürfen. Louise sah deutlich, wo das hinaus wolle, und führte ihn sogleich in ein Nebenzimmer. Hier ließ sich der alte Bock auf seine vordern Knie nieder, und beichtete ihr die Sünde seines verliebten Herzens, das für sie in hellen Flammen stehe, und nur durch einen plötzlichen Aufguß von Gegenliebe zu löschen sey. Louise nahm seine Liebeserklärung mit vieler Schonung auf, und sprach lächelnd: „In der That, mein Herr, Sie haben mich überrascht, und am wenigsten hätt’ ich eine solche Verwandlung von dem Mann’ erwartet, der vorgestern noch seinen Balcon mit Bretern verschlagen lassen wollte. Auch muß ich Ihnen gestehen, daß es mich Wunder nimmt, wie ein Mann, der doch eben nicht mehr in den blühenden Jugendjahren ist, und manches erfahren zu haben scheint, mit diesem — erlauben sie mir, daß ich es sagen darf — hastigen Geständnisse eine Wittwe in Verlegenheit setzen kann, die noch nicht vierzehn Tage das Trauerkleid trägt.“ Der Genuese wollte sich entschuldigen, stotterte aber, daß ihm nicht eine ordentliche Sylbe gelang. „Indessen,“ fuhr Louise fort, und lächelte, daß es einen Todten im Grabe hätte wecken können, „indessen muß ich Ihnen sagen, daß ich eitel genug bin, über keine Erklärung, und käme sie noch so zur Unzeit, aufgebracht zu werden; und einem Manne zu gefallen, dessen Herznicht zum ersten Mahle gewonnen wird, ist mir immer schmeichelhafter, als wenn ich ein Jünglingsherz berücke, das noch niemahls ins Freye kam.“ „O Sie geben mir das Leben wieder,“ sagte Antonio, und einige Thränen suchten durch die Furchen seiner Backen abzufließen; „darf ich also hoffen?“

„Bester Antonio!“ sagte Louise, „was wird unsere Gesellschaft denken, wenn wir an unsern wenigen Worten so lange zu sprechen haben?“ Mit diesen Worten ging sie in das Gesellschaftszimmer zurück, und Antonio folgte ihr ganz verstört nach.

Indessen glaubte er doch in ihren Blicken mehr als Nachsicht zu lesen, und war diesen Abend so inniglich vergnügt, daß seine ganze Großmuth erwachte, und er ihr ein Paar Handschuhe und einen Fächer überreichte, die er aus Mexico erhalten zu haben vorgab, um ihren Werth doch einiger Maßen zu erhöhen. Louise erklärte nun, daß sie wünsche, ihrem Nachbar seine Musik mit einer andern erwiedern zu können. Es war schon ziemlich spät, und Antonio mußte sichWohlstands halber empfehlen; er muthmaßte aber, daß ihm Louise das Vergnügen machen würde, ihn ihre Engelstimme hören zu lassen, und setzte sich denn mit Leonardo auf seinen Balcon. Beyläufig nach einer halben Stunde erschien Louise wirklich, von Felicianen allein begleitet, mit einer wohl gestimmten Guitarre, auf dem ihrigen, setzte sich, und sang:

Einsam irrt die fromme Taube,Findet nirgends Ruh’,Flattert traurig in die Laube,Girret ihrem Tauber zu.Weit von hier ist er geflogen;Bänglich suchet ihn ihr Blick.Ist er andern nachgezogen?Kehrt er nicht getreu zurück?Tauber! laß sie nicht so flehen!Tauber! laß sie nicht allein!Sieh! er kommt! das WiedersehenWird nun doppelt freudig seyn.

Einsam irrt die fromme Taube,Findet nirgends Ruh’,Flattert traurig in die Laube,Girret ihrem Tauber zu.Weit von hier ist er geflogen;Bänglich suchet ihn ihr Blick.Ist er andern nachgezogen?Kehrt er nicht getreu zurück?Tauber! laß sie nicht so flehen!Tauber! laß sie nicht allein!Sieh! er kommt! das WiedersehenWird nun doppelt freudig seyn.

Einsam irrt die fromme Taube,Findet nirgends Ruh’,Flattert traurig in die Laube,Girret ihrem Tauber zu.

Einsam irrt die fromme Taube,

Findet nirgends Ruh’,

Flattert traurig in die Laube,

Girret ihrem Tauber zu.

Weit von hier ist er geflogen;Bänglich suchet ihn ihr Blick.Ist er andern nachgezogen?Kehrt er nicht getreu zurück?

Weit von hier ist er geflogen;

Bänglich suchet ihn ihr Blick.

Ist er andern nachgezogen?

Kehrt er nicht getreu zurück?

Tauber! laß sie nicht so flehen!Tauber! laß sie nicht allein!Sieh! er kommt! das WiedersehenWird nun doppelt freudig seyn.

Tauber! laß sie nicht so flehen!

Tauber! laß sie nicht allein!

Sieh! er kommt! das Wiedersehen

Wird nun doppelt freudig seyn.

Der Genueser und sein Leonardo warenganz entzückt, und wollten eben laut klatschen, als beyde Damen mit einander zu singen anfingen.

Bitter sind der Liebe Leiden,Fürchterlich der Trennung Schmerz;Doch wer kann die Liebe meiden,Denn sie kommt von selbst ins Herz.Eigensinnig ist ihr Wille;Sie bestimmt, was schön ist, nur;Bald besucht sie die Myrtille,Bald des alten Damons Flur.

Bitter sind der Liebe Leiden,Fürchterlich der Trennung Schmerz;Doch wer kann die Liebe meiden,Denn sie kommt von selbst ins Herz.Eigensinnig ist ihr Wille;Sie bestimmt, was schön ist, nur;Bald besucht sie die Myrtille,Bald des alten Damons Flur.

Bitter sind der Liebe Leiden,Fürchterlich der Trennung Schmerz;Doch wer kann die Liebe meiden,Denn sie kommt von selbst ins Herz.

Bitter sind der Liebe Leiden,

Fürchterlich der Trennung Schmerz;

Doch wer kann die Liebe meiden,

Denn sie kommt von selbst ins Herz.

Eigensinnig ist ihr Wille;Sie bestimmt, was schön ist, nur;Bald besucht sie die Myrtille,Bald des alten Damons Flur.

Eigensinnig ist ihr Wille;

Sie bestimmt, was schön ist, nur;

Bald besucht sie die Myrtille,

Bald des alten Damons Flur.

Sie hatten sich bemühet, jede Sylbe vernehmlich auszusprechen, und so war denn die letzte Strophe kaum zu Ende, als Octavio zu klatschen anfing, daß man es in der ganzen Straße hören konnte. Man ging allerseits zu Bette, aber mit ganz verschiedenen Gedanken. Antonio dachte ihr Herz mit den geringsten Kosten zu erobern, und Louise sann, wie sie sein Geld Beute machen könne, ohne auch nur das geringste von ihrem Herzen einzubüßen.

Als Antonio eines Abends wieder beyihr einen Besuch abstattete, hörte man auf der Straße plötzlich ein Gezänke zwischen Mogrobejo, dem Escudero, und einer unbekannten Person. Louise fragte, was es wäre, und vernahm, daß der Escudero mit einem Bedienten des Hausherrn in Streit gerathen sey. Sie ließ ihn herauf kommen, und bath den Genueser um Vergebung, daß sie ihre Neugierde sogleich in seiner Gegenwart zu befriedigen suche, was sie vor einem andern, auf dessen Freundschaft sie weniger rechne, nicht wagen würde. Nun trat der Escudero ganz zornig ein; Louise fragte ihn um den Hergang des Gezänkes, und Mogrobejo antwortete: „Der Henker möcht’ auch nicht zanken! da kommt mir der Bediente des Hausherrn, und verlangt die Miethe für unser Quartier, das wir auf ein Jahr gemiethet haben, und von dem man doch die Miethe erst mit Ende des Jahres zu bezahlen pflegt. Da hat er durchaus zu Euer Gnaden herauf gewollt, und weil ich ihn nicht ließ, war der Kerl grob; aber er soll mir!“ — „Lass’ er ihn kommen,“ sagte Louise; und es trat ein Page ein, der ihrehrfurchtsvoll einen Zettel überreichte. Sie las ihn flüchtig durch, und sagte: „Sag’ er seinem Herrn, ich ließe mich empfehlen, und ließ ihm sagen, daß ich gar nicht abgeneigt bin, ihn jedes Mahl für den Monath in vorhinein zu bezahlen. Daß er in Verlegenheit ist, konnt’ ich nicht wissen; und es gefällt mir, daß er so offenherzig spricht. Ich sey aber für den Augenblick selbst in Verlegenheit; meine Gelder sind aus Sevilla noch nicht angekommen, und ich ließe ihn denn ersuchen, höchstens acht Tage Geduld zu haben, dann wollt’ ich ihm die Miethe für drey oder noch mehr Monathe auf ein Mahl schicken. Übrigens, Mogrobejo, weiß ich nicht, warum er ihn nicht sogleich verließ.“ Der Page trat ab, und Louise sagte: „Es ist wahrhaftig sonderbar, daß ein Hausherr, dem man für ein einziges Gelaß tausend Realen des Jahrs bezahlt, so dringend auf eine Monathsmiethe ansteht. Der Mann muß unglücklich, oder ein Taugenichts seyn, und ich wollte einen Finger von der Hand verlieren, wenn ich ihm seine tausend Reale augenblicklich in dieBetteltasche werfen könnte.“ Sie meinte nun mehr, als zu viel, gesagt zu haben, um Antonio’s Großmuth und Ehrgeitz in Bewegung zu setzen; diese beyden Eigenschaften ruhten aber in seinem Herzen in einem so abgelegenen Winkel, daß sie ein schulgerechter Anatomiker zu suchen gehabt hätte.

„Ja, wahrhaftig,“ antwortete Antonio, „es sind schwere Zeiten, und der ordentlichste Mann hat zu sorgen, daß er sich von einem Tag’ auf den andern behilft.“

Louise merkte nun wohl, daß sie dieses Schalthier nicht mit der Angel fangen könne; sie brachte denn das Gespräch auf andere Gegenstände, und sie schieden nach einiger Zeit aus einander.

Es mußte denn ein neuer Plan angelegt werden. Mogrobejo hatte jemahls, bevor er es bis zum Stallmeister gebracht hatte, als Schreiber bey einem Sachwalter gedient, und hatte sich da die einer Gerichtsperson unentbehrliche Geschicklichkeit, jede Handschrift täuschend nachzuahmen, beygelegt. Diesem befahl nun Louise, die Firma irgend eines der bekanntesten Genueser zu Sevilla nachzuahmen. Um dieß nun ins Werk setzen zu können, mußte er in einem von den Kaufmannshäusern, von welchem Briefe abgeschickt wurden, Bekanntschaft machen. Es gelang ihm auch bald, und er war mit einem Buchhalter bald so vertraut, daß er ihn täglich auf seiner Schreibstube besuchte. Nach wenigen Tagen sah er einen Brief, wie er ihn wünschte. Er war von Carlo Grimaldi, dem reichsten Genueser in Sevilla. Der Buchhalter war mit seiner Arbeit beschäftigt, und Mogrobejo benutzte diese Gelegenheit, um den Brief so geschickt nachzuschreiben, daß es schwer fiel, die echte Schrift von der nachgemachten zu unterscheiden. Er eilte nun freudig nach Hause, und Louise beschenkte ihn im vorhinein mit dreyßig Escudo’s.

Als sie Antonio den folgenden Tag besuchte, fand er sie eben mit einer Menge Geldes beschäftigt, das ihr Feliciane, die unterdessen einen Ring zu Gelde gemacht, vorgestreckt hatte. „Erlauben Sie,“ sagte sie, „daß ich nur erst ein kleines Geschäft abthue.“ Sie machte tausend Reale in eine Rolle zusammen, und rufte Mogrobejo. „Hier, nehm’ er,“ sagte sie; „ich lasse mich dem Hausherrn empfehlen, und hier schick’ ich ihm gegen Quittung den ganzen Jahreszins. So hat es doch ein Mahl ein Ende.“

Nun fühlte Antonio erst, wie unartig und unverzeihlich es von ihm gewesen sey, einer Dame von solchem Rang’ und Vermögen nicht sogleich all sein Hab’ und Gut anzutragen. Indessen war es nun einmahl geschehen, und es blieb ihm nichts übrig, als daß er sein Versehen wieder gut zu machen suchte. Das erste, was ihm beyfiel, war ein Antrag, sie in die Komödie zu führen. Der Zufall wollte, daß man denselben Tag gerade ein Zwischenspiel aufführte, das sein Leonardo verfaßt hatte, und das ihm nun allerdings einen Vorwand zum Antrage gab. „Wahrhaftig,“ sagte Louise, „ich wäre gar nicht abgeneigt, hinzugehen; denn, wie ich schon neulich aus Leonardo’s Gesang’ abgenommen habe, ist er ein aufgeweckter Geist, und hat lustige Einfälle.“

„Über dieß,“ erwiederte Antonio, „verdient auch das eigentliche Stück selbst, gesehen zu werden. Es ist dieadelige Küchenmagdvon unserm berühmten Lope de Vega.“

„Ja, wir gehen,“ sagte Louise; „aber halt! was bin ich doch für eine Thörinn? Meine Kleidung und das Theater! Es würde trefflich zusammen passen!“

„Seyn Sie doch nicht so strenge; was Ihnen auch Ihr Kleid verbiethen würde, erlaubt Ihnen Ihr Alter. Eine junge, schöne Wittwe! — Gerade Sie müssen sich ja zerstreuen und aufheitern.“

„Aber was würde die Welt sagen?“

„Die Welt! die Welt! Sie sind auch gar zu genau. Was nennen Sie die Welt? Die Leute! — gut! die Klugen werden es klug finden, daß Sie sich nicht einkerkern, wie eine Nonne, und Ihrem Kummer durch die Einsamkeit noch Nahrung geben; und um die Narren werden Sie sich wenig bekümmern. Auch läßt sich ein Kleid ablegen.“

„Wenn ich auch dieß einzige Mittel ergreifen wollte, zu dem so viele andere junge Wittwen ihre Zuflucht nehmen, sokann ich es doch um meines Oheimes willen nicht wagen, der ein Erzgrübler ist. Ich erwart’ ihn mit jeder Stunde, und stehe mit ihm in solchen Verhältnissen, daß ich sehr unklug seyn würde, wenn ich seine Freundschaft um einer Kleinigkeit willen auf’s Spiel setzen wollte.“

„Vortrefflich, klug, und schön gesprochen!“ sagte Antonio; „aber mir fällt eine Art ein, wie Sie das Zwischenspiel sehen können, ohne in’s Theater zu gehen.“

„Lassen Sie hören!“ —

„Leonardo hat mehrere junge Freunde, Leute von Talenten, mit deren Bildung und Unterricht in verschiedenen Dingen er sich immer abzugeben pflegt; mit diesen soll er uns nun in ein Paar Tagen das Zwischenspiel in meinem Hause aufführen. Es soll niemand dabey seyn, als Sie, Ihre Gesellschafterinnen und ich; und gegen diese Art es zu sehen, wird auch Ihre pünctlichste Vorsicht nichts einzuwenden haben.“ Unter diesen Bedingnissen nahm sie seinen Antrag an, und schlug ein. Sofort sprachen sie von verschiedenen anderen Dingen, und da denselben Tag die Postaus Andalusien ankam, fragte sie ihn, was er wohl Neues aus Sevilla höre. Er antwortete, daß er nichts von Belange höre, und daß seine Briefe immer nur trockene Geschäfte enthielten. „Ich habe heute,“ fuhr sie fort, „diesen Zettel von einem Genueser erhalten, der mit meinem Vetter in Indien im Briefwechsel steht; lesen Sie ihn zur Güte: ich möchte gar zu gern wissen, ob Sie ihn, und die Person, an die der Brief gerichtet ist, kennen.“ Er gab sich alle Mühe, ihn ohne Augengläser zu lesen, und las:

„Ich habe vom Capitäne Bolea den Auftrag erhalten, Euer Wohledlen, nebst unterthänigstem Gruß, zu melden, daß selber seine Abreise so geschwind’ als möglich beschleunigen wird. Er befiehlt mir zugleich, Euer Wohledlen acht tausend Thaler abzuliefern, als weßwegen beyliegender Brief die Anweisung enthält; mich empfehlend, und meine Dienste auch in wichtigen Gelegenheiten antragend.E. W.Carlo Grimaldi.

„Ich habe vom Capitäne Bolea den Auftrag erhalten, Euer Wohledlen, nebst unterthänigstem Gruß, zu melden, daß selber seine Abreise so geschwind’ als möglich beschleunigen wird. Er befiehlt mir zugleich, Euer Wohledlen acht tausend Thaler abzuliefern, als weßwegen beyliegender Brief die Anweisung enthält; mich empfehlend, und meine Dienste auch in wichtigen Gelegenheiten antragend.

E. W.

Carlo Grimaldi.

Im Zettel lag der Brief:

„Herr Juan Baptista Lomelie beliebe an Donna Angela de Bolea, am Hofe anwesend, acht tausend Thaler in Doppelgeld auf vierzig Tage verabfolgen zu lassen, wofür ich eben so viele vom Capitäne Don Genealo Bolea, ihrem Oheime, empfangen habe.Sevilla, den 12. September 1630.Carlo Grimaldi.

„Herr Juan Baptista Lomelie beliebe an Donna Angela de Bolea, am Hofe anwesend, acht tausend Thaler in Doppelgeld auf vierzig Tage verabfolgen zu lassen, wofür ich eben so viele vom Capitäne Don Genealo Bolea, ihrem Oheime, empfangen habe.

Sevilla, den 12. September 1630.

Carlo Grimaldi.

„Der Mann,“ sagte Antonio, „von welchem der Brief kommt, ist ein ungemein ordentlicher und sehr reicher Mann, und der, an den der Brief gehört, ist es nicht minder.“

„Es ist mir genug,“ erwiederte Louise, „daß ich es aus Ihrem Munde höre; aber ist die Sache deßhalb nicht minder unangenehm? Was denkt der Mann? Er weiß, er schreibt mir da selbst, daß mein Oheim erst kommen wird, daß ich folglich allein hier bin, und setzt mir doch nur vierzig Tage. Wer steht mir gut, daß der Capitän bis dort angekommen ist? wahrhaftig, eine Verdrießlichkeit um die andere kommt mir über den Hals.“ Nun glaubte Antonio, sein neuliches Versehen ohne die mindeste Gefahr wieder gut machen zu können, und sprach: „Beste gnädige Frau, lassen Sie dem Manne seine Grillen, und nehmen Sie die Zahlung gar nicht an. Sie sagen mir, was Sie beyläufig brauchen, ich bring es herüber; Sie stellen es mir nach Belieben zurück, und somit gut.“

„Es ist mir wirklich eine große Gefälligkeit,“ sagte Louise, „wenn Sie mich aus dieser Verlegenheit bringen. Sechs tausend Thaler sind mir genug.“ „Mit Vergnügen!“ fuhr Antonio fort; „Sie schicken morgen früh Ihren Mogrobejo, mit einem Paar Zeilen zu mir hinüber, und empfangen die Summe.“ „Ich bin Ihnen wirklich Dank schuldig,“ sagte Louise, drückte ihm die Hand, und hieß ihn auf das Zwischenspiel nicht vergessen. Er ging fort, und so innigst vergnügt sie war, daß er an die Angel gebissen, so vergnügt war auch er, daß er sein Capital auf so angenehme Zinsen, wie er hoffte, anlegen konnte. Er wartete den nächsten Morgennicht einmahl ab, daß Mogrobejo das Geld abzuhohlen komme, sondern machte es zusammen, und schickte Leonardo mit seinem Morgengruße und der Summe hinüber, ohne zu bedenken, wie viel Gefahr das bare Geld in den Händen eines Poeten laufe. Louise war über seine Pünctlichkeit ganz entzückt, und drückte Leonardo ein ansehnliches Trinkgeld in die Hand. Auch ließ sie Antonio melden, daß sie die Vorstellung des Zwischenspiels denselben Abend in ihrem Hause wünsche; daß sie alle Anstalten dazu treffen werde, und ihn unausbleiblich zu sehen hoffe. Nun lud sie auch die zwey Mitschwestern bey ihrer neuen Unternehmung, und ihre Mutter zum Schauspiele. Es war Abend; der Saal war prächtig beleuchtet, und mit dem angenehmsten Wohlgeruche durchräuchert, und der Genueser war mitten unter den Damen so gelagert, daß er bequem mit jeder sprechen konnte.

Es ward Stillschweigen gebothen, und drey Tänzer traten mit Guitarren auf, und spielten eine sehr artige Sarabande. Als diese zu Ende war, erschien Leonardoallein, in einer seltsamen Tracht, die er sich selbst aus den buntesten Stücken Stoff zusammen gekünstelt hatte, und sprach einen Prolog, in dem er den Zuhörern ganz sanft unter die Nase rieb, daß er der Verfasser sey; daß er dieses Stück Arbeit, ohne zu prahlen, für eines der witzigsten und originellsten Producte seines Geistes halte, und daß es den Titel führe: Der Commissarius von Figueras.

DERCOMMISSARIUS VON FIGUERAS.EIN ZWISCHENSPIEL.ERSTER AUFTRITT.(Der Commissarius mit einem langen weißen Stabe, einem schwarzen Unterkleide, einem Mantel darüber, und einer gefärbten Kräuseschlafhaube. Der Wirth.)Commiss.Ja werther Freund, dem Geschäfte hatDer Richter von Toledo mich gesandt,Daß ich es schlichten soll mit allem Ernst.An diesem edlen Hofe strotzen jaVon Ungeziefer alle Fugen; ichBin nun gekommen sie zu reinigen.Der weise Rath hat mich hierher gesandtVon Madrits Ufern —Der Wirth.— — Ja, Herr Commissär,Die Plage, die der span’sche Boden trägt,Ist ärger noch, als einst Ägyptens Fluch.Commiss.Laß er die Sorge mir, mein edler Wirth,Obschon mein Geist es ahndet, das GeschäftSey groß und mühsam; drum bereit’ er mirZwey Flaschen Malaga und weißes Brot.Doch stille! was für Lärmen macht man hier?(Ein Alguazil tritt ein, und schleppt einen Stutzer, mit einem Hute voll Bänder, Schleifen, und Federn mit sich.)Der Wirth.Was ist das?Commiss.— — — Meine Alguazils sinds.(Sie bringen den Gefangenen zum Verhör.)Alg.In einem Straßenwinkel fanden wir,Hochedler Herr, den Narren hier; er gabEin Zeichen auf dem prächtigsten Balcon,Auf dem ein Affe saß mit zwey Duennen;Der Affe knackte fleißig Nüsse auf,Und seine Frauen fraßen ihm den Kern;Der Bursche hätte gerne mitgenagt,Denn seine Zeichen waren voll Begierde —Was quält den Burschen aber wohl, als Eßlust?Wir hätten ihm sein tolles Spiel gegönnt,Doch trieb er’s weiter bis zur Raserey.Er sprang von einem Haus ans andre hin,Und wo ein Kätzchen in dem Fenster saß,Da macht’ er Sprünge, wie ein junger Hund,Und schwang den Zopf, wie Budel ihren Schwanz.Die Kätzchen strichen mit den Pfötchen sichIn süßem Selbstgefallen — Bart und Kopf,Und warfen ihm für seine GaukeleyFlor, Blumen, Federn, Band und Handschuh zu.Er las es gierig auf, wie HaberkornDie jungen Hühner, und sprang weiter fort.Commiss.Wer bist du? sprich!Stutzer.— — Ich bin des Glückes Sohn,Und wenigstens sein allernächster Freund.Commiss.Du bist ein Narr, drum ist das Glück dir hold;Drum hängest du den Schild der Narrheit aus.Doch sprich, was soll wohl dieser tolle Hut?Stutz.Des Ruhmes, der mir war, Posaune seyn.Commiss.Sie bläst sehr laut. Wo ist der Zierath her?Hast du vielleicht San Jago ausgeplündert?Stutz.Von sieben Damen sind es die Trophä’n.Commiss.Ich glaub’ es gern, daß du sie mit GewaltErrungen hast.Stutz.— — Die Liebe gab sie mir.Commiss.Du lügst; wer liebet einen Narren wohl?Stutz.Die Damen. O Herr Commißär,Sie scheinen selbst für Weiber gut bestimmt.Commiss.Verwegner! wer hat dich gelehrt, so frechDem Richter von Toledo zu begegnen,An dessen Statt ich hier bin? Doch Geduld,Hier hast du ein Geschenk, das er dir schickt,Und das dich immerfort bezeichnen soll.Stutz.Wie? Was?Commiss.— — Du hast der Kerne garZu viel gegessen; faste nun im Thurm.(Sie setzen ihm einen carmoisinrothen Frauenzimmerhut auf, und stoßen ihn gewaltig in die Scene. Der zweyte Alguazil tritt mit einem Gecken, der sich schön zu seyn wähnt, ein.)Alg.Hier ist ein andrer.Commiss. — — Was ist sein Vergehen?In was hat er gesündigt? nur heraus!Alg.Er meint, er wäre schön.Geck.— — Bin ich es nicht?Ach tödtet mich doch nicht mit diesem Wort!Commiss. (indem er die Brille aufsetzt.)Nach Recht und Pflicht! Man hat ihn hoch getäuscht,Mein lieber Freund! denn seine Nase warFür zwey Gesichter wenigstens bestimmt;Sein Mund ist wie ein Thor gestaltet, undDie Nasenlöcher sind geschlitzt, wie Augen;Sein Haar ist wie des Blutgerichts Fahne;Sein Aug’ ist stumpf und seine Höcker hatEr selbst vielleicht noch nie bemerkt. Mein Freund,Wenn er sich schön glaubt, hat er gar nicht Unrecht.Geck.Herr Commissär, Sie sprechen nicht nach Recht;Der Richter muß nicht nur das Eine sehen.Belieben Sie nur diese weiße Hand,Die sich so zärtlich küßt,(er küßt sich selbst die Hand)auch zu betrachten.Alg.Laß er doch sehn!(er küßt ihm auch die Hand)Es schmeckt nicht sonderlich.Commiss.Wie nennt er sich?Geck.— — Don Fenix.Ach wie schön klingt schon der Nahme!Commiss.— — Ja, ganz sonderbarBist du vom Kopfe bis zum Fuß; doch sehetAuch nach, was er in seinen Taschen hat.(sie durchsuchen die Taschen.)Alg.Ein Büchschen! — — sieh! voll Schminke, Spiegel, Kamm.Geck.Ach, laßt mir das! nehmt lieber mir das Leben!Alg.Hier noch ein Zettel — seht, noch mehrere,Und sonderbare Zeichen drauf gekritzelt.Commiss.Ein Mittel, das die Hände weißer hält, —Die Stirn zu glätten, an den FingernägelnDie weißen Flecken zu vertreiben, LippenUnd Wange sich zu röthen. —Geck.— — Alles trifftGenau so ein.Commiss.— — Schon gut! vollkommen reifBist du fürs Tollhaus. Thuet eure Pflicht.(Sie setzen ihm eine Narrenkappe auf, und der erste Alguazil tritt mit einer Dame ein.)Alg.Am Spiegel fanden wir die Dame hier.Sie machte sich die allertiefsten Knixe,Und — hört! erklärte selber sich die Liebe.Dame.Ich liebe mich vor allen; niemand sollMir dieses Herz entreißen, denn es schworDie Treue mir.Commiss.— Fürwahr ein seltsam Weib!Die Weiber sind sich selber sonst nicht treu.So treten Sie doch näher, Frau Narcisse!Wie war Sie wohl so in sich selbst verliebt?Dame.Ich konnte länger mir nicht widerstehen;An allen schönen Gaben fand ich michSo reich; jung war ich, hatt’ ein schön Vermögen;Mein Herz errieth gar bald den stillen Gram,Der mich verzehrte, kam auf halben WegEntgegen mir, in feuriger UmarmungGestand ich stotternd ihm, was ich empfand.Nun ist es mein Geliebter, weichet nimmerVon mir, eilt jedem Wunsche schnell zuvor,Und wird mich lieben, treu bis in den Tod.Commiss.Ihr seyd ein glücklich Weib; denn EifersuchtWird euch gewiß nicht martern.Dame.— — Ach, mein Herr,Sie foltert mich nur allzu oft,Denn manchmahl hebt es doch den scheuen BlickAuf — —Commiss.— Eine Dame?Dame.— — oder einen Mann,Und quält mich.Commiss.— — Ja, das glaub’ ich euch,Und rath euch, keines Menschen Sohn’Mit eurer Liebe jemahls zu beglücken.Die Kappe!(Sie erhält die ihrige, und der zweyte Alguazil tritt mit einem Poeten, der Bücher ausschreibt, ein.)Der Wirth.— Seht, da kommt ein andrer Narr.Alg.Wir haben ihn ertappt, daß er gar frechUm Verse bettelte; und als man ihmNichts gab, bestahl er kühn die Bücher selbst.Commiss.Nehmt ihm doch sein Gewehr, die Feder ab!Poet.Mein Herr, sie dienet nicht statt Waffen mir;Ich schneide Käse nur und Brot damit.Commiss.Nun gut! so sprich, was hat dich wohl veranlaßt,Die Dichter anzubetteln, die fürs ersteSo karg sind, daß sie ihren GeistesschwammWohl selber drey Mahl pressen, über dießNicht schenken dürfen, was Apollo jedemZum Fruchtgenuß auf die Person verlieh?Doch welche, nenne sie, hast du bestohlen?Poet.Zu nennen weiß ich sie wahrhaftig nicht;Das war mir gleich, und ich bekenn’ es gern,Ich suchte meistens in der Nacht die Taschen.Commiss.Und fürchtetest du nicht, man werd’ am Tag’Erkennen, daß es fremde Habe sey.Poet.Man läßt es niemahls, wie es war.Commiss. Du bist ein großer Mann. Die Kappe! Nimm,Hier dieser Lorbeer prang’ auf deinem Haupt!Poet.Ein Lorbeer?Commiss.— — Ja, doch ist er nur entstellt,Wie Verse, die du guten Dichtern stahlst.Sie kleidet ihren Mann.Poet.— — Doch nehmet mirDie Schelle; mir genügt bescheidner Ruhm.Commiss.Mein edler Freund, durch diesen schönen ZugHast du fürwahr der Schellen — zwey verdient.(Man führt ihn mit gebundenen Händen ab; er scheint in Begeisterung. Der erste Alguazil führt einen Ritter ein.)Ritter.Mein Herr, ich bin ein Held.Commiss.— Wer seyd ihr?Ritter.— — Held, und zwar ein großer.Commiss.— — Wer hat euch gekrönt?Wer hat beschrieben, was ihr all’ gethan?Ritter.Ich selbst.Commiss.— — Wie nennt ihr euch?Ritter.— — Don Wunderbar,Und jetzt quält mich mit euren Fragen nicht!Ich spreche nur mit Sterbenden und Todten.Commiss.Wo habt ihr euer Schwert?Ritter.— — Ihr seyd ein Schroll.So lange diese Faust noch Nerven hat,Und diese Nägeln Schärfe, soll kein SchwertMich eh’ umgürten. Jene gab mir Gott,Und dieses ein gemeiner Handwerksmann.Commiss.Erzählt mir doch, was ihr gethan.(Der Held drückt durch stumme Geberden aus, daß er erwürgt, und mit Füßen ertreten.)Commiss.Was sprecht ihr nicht?Ritter.— — Was unaussprechlich ist,Beschreibt man nicht mit Sprache.Commiss.— — Großer Mann!Neigt euer Haupt, daß ich euch kröne; tiefer!(Der Held neigt sich sehr tief; der Commissär setzt ihm die Kappe auf, und der Held geht unter der Begleitung des Alguazil mit stolzen Schritten ab.)Commiss.Wahrhaftig, edler Freund, die Narren sindSo zahlreich hier, daß meine KappenzahlMir nicht auf heute hinreicht; lass’ er mirDen Schneider kommen, — wenn er nicht ein Narr ist.Indessen trinken wir vergnügt und klugDen Malaga, und essen unser Brot.(Der Wirth und der Commissär gehen ab.)Nun traten wieder die drey Guitarrspieler auf, und sangen folgende Weise:Das ist so der Welten Lauf:Jeder nähret Grillen;Einer mutzt den andern auf;Alle möchten trillen.Haltet diesem TadlerchorEin Mahl doch den Spiegel vor;Sie — die Weise waren,Sehen selber Narren.

DERCOMMISSARIUS VON FIGUERAS.

EIN ZWISCHENSPIEL.

ERSTER AUFTRITT.

(Der Commissarius mit einem langen weißen Stabe, einem schwarzen Unterkleide, einem Mantel darüber, und einer gefärbten Kräuseschlafhaube. Der Wirth.)

Commiss.Ja werther Freund, dem Geschäfte hatDer Richter von Toledo mich gesandt,Daß ich es schlichten soll mit allem Ernst.An diesem edlen Hofe strotzen jaVon Ungeziefer alle Fugen; ichBin nun gekommen sie zu reinigen.Der weise Rath hat mich hierher gesandtVon Madrits Ufern —Der Wirth.— — Ja, Herr Commissär,Die Plage, die der span’sche Boden trägt,Ist ärger noch, als einst Ägyptens Fluch.Commiss.Laß er die Sorge mir, mein edler Wirth,Obschon mein Geist es ahndet, das GeschäftSey groß und mühsam; drum bereit’ er mirZwey Flaschen Malaga und weißes Brot.Doch stille! was für Lärmen macht man hier?

Commiss.Ja werther Freund, dem Geschäfte hatDer Richter von Toledo mich gesandt,Daß ich es schlichten soll mit allem Ernst.An diesem edlen Hofe strotzen jaVon Ungeziefer alle Fugen; ichBin nun gekommen sie zu reinigen.Der weise Rath hat mich hierher gesandtVon Madrits Ufern —Der Wirth.— — Ja, Herr Commissär,Die Plage, die der span’sche Boden trägt,Ist ärger noch, als einst Ägyptens Fluch.Commiss.Laß er die Sorge mir, mein edler Wirth,Obschon mein Geist es ahndet, das GeschäftSey groß und mühsam; drum bereit’ er mirZwey Flaschen Malaga und weißes Brot.Doch stille! was für Lärmen macht man hier?

Commiss.Ja werther Freund, dem Geschäfte hatDer Richter von Toledo mich gesandt,Daß ich es schlichten soll mit allem Ernst.An diesem edlen Hofe strotzen jaVon Ungeziefer alle Fugen; ichBin nun gekommen sie zu reinigen.Der weise Rath hat mich hierher gesandtVon Madrits Ufern —

Commiss.Ja werther Freund, dem Geschäfte hat

Der Richter von Toledo mich gesandt,

Daß ich es schlichten soll mit allem Ernst.

An diesem edlen Hofe strotzen ja

Von Ungeziefer alle Fugen; ich

Bin nun gekommen sie zu reinigen.

Der weise Rath hat mich hierher gesandt

Von Madrits Ufern —

Der Wirth.— — Ja, Herr Commissär,Die Plage, die der span’sche Boden trägt,Ist ärger noch, als einst Ägyptens Fluch.

Der Wirth.— — Ja, Herr Commissär,

Die Plage, die der span’sche Boden trägt,

Ist ärger noch, als einst Ägyptens Fluch.

Commiss.Laß er die Sorge mir, mein edler Wirth,Obschon mein Geist es ahndet, das GeschäftSey groß und mühsam; drum bereit’ er mirZwey Flaschen Malaga und weißes Brot.Doch stille! was für Lärmen macht man hier?

Commiss.Laß er die Sorge mir, mein edler Wirth,

Obschon mein Geist es ahndet, das Geschäft

Sey groß und mühsam; drum bereit’ er mir

Zwey Flaschen Malaga und weißes Brot.

Doch stille! was für Lärmen macht man hier?

(Ein Alguazil tritt ein, und schleppt einen Stutzer, mit einem Hute voll Bänder, Schleifen, und Federn mit sich.)

Der Wirth.Was ist das?Commiss.— — — Meine Alguazils sinds.

Der Wirth.Was ist das?Commiss.— — — Meine Alguazils sinds.

Der Wirth.Was ist das?

Der Wirth.Was ist das?

Commiss.— — — Meine Alguazils sinds.

Commiss.— — — Meine Alguazils sinds.

(Sie bringen den Gefangenen zum Verhör.)

Alg.In einem Straßenwinkel fanden wir,Hochedler Herr, den Narren hier; er gabEin Zeichen auf dem prächtigsten Balcon,Auf dem ein Affe saß mit zwey Duennen;Der Affe knackte fleißig Nüsse auf,Und seine Frauen fraßen ihm den Kern;Der Bursche hätte gerne mitgenagt,Denn seine Zeichen waren voll Begierde —Was quält den Burschen aber wohl, als Eßlust?Wir hätten ihm sein tolles Spiel gegönnt,Doch trieb er’s weiter bis zur Raserey.Er sprang von einem Haus ans andre hin,Und wo ein Kätzchen in dem Fenster saß,Da macht’ er Sprünge, wie ein junger Hund,Und schwang den Zopf, wie Budel ihren Schwanz.Die Kätzchen strichen mit den Pfötchen sichIn süßem Selbstgefallen — Bart und Kopf,Und warfen ihm für seine GaukeleyFlor, Blumen, Federn, Band und Handschuh zu.Er las es gierig auf, wie HaberkornDie jungen Hühner, und sprang weiter fort.Commiss.Wer bist du? sprich!Stutzer.— — Ich bin des Glückes Sohn,Und wenigstens sein allernächster Freund.Commiss.Du bist ein Narr, drum ist das Glück dir hold;Drum hängest du den Schild der Narrheit aus.Doch sprich, was soll wohl dieser tolle Hut?Stutz.Des Ruhmes, der mir war, Posaune seyn.Commiss.Sie bläst sehr laut. Wo ist der Zierath her?Hast du vielleicht San Jago ausgeplündert?Stutz.Von sieben Damen sind es die Trophä’n.Commiss.Ich glaub’ es gern, daß du sie mit GewaltErrungen hast.Stutz.— — Die Liebe gab sie mir.Commiss.Du lügst; wer liebet einen Narren wohl?Stutz.Die Damen. O Herr Commißär,Sie scheinen selbst für Weiber gut bestimmt.Commiss.Verwegner! wer hat dich gelehrt, so frechDem Richter von Toledo zu begegnen,An dessen Statt ich hier bin? Doch Geduld,Hier hast du ein Geschenk, das er dir schickt,Und das dich immerfort bezeichnen soll.Stutz.Wie? Was?Commiss.— — Du hast der Kerne garZu viel gegessen; faste nun im Thurm.(Sie setzen ihm einen carmoisinrothen Frauenzimmerhut auf, und stoßen ihn gewaltig in die Scene. Der zweyte Alguazil tritt mit einem Gecken, der sich schön zu seyn wähnt, ein.)Alg.Hier ist ein andrer.Commiss. — — Was ist sein Vergehen?In was hat er gesündigt? nur heraus!Alg.Er meint, er wäre schön.Geck.— — Bin ich es nicht?Ach tödtet mich doch nicht mit diesem Wort!Commiss. (indem er die Brille aufsetzt.)Nach Recht und Pflicht! Man hat ihn hoch getäuscht,Mein lieber Freund! denn seine Nase warFür zwey Gesichter wenigstens bestimmt;Sein Mund ist wie ein Thor gestaltet, undDie Nasenlöcher sind geschlitzt, wie Augen;Sein Haar ist wie des Blutgerichts Fahne;Sein Aug’ ist stumpf und seine Höcker hatEr selbst vielleicht noch nie bemerkt. Mein Freund,Wenn er sich schön glaubt, hat er gar nicht Unrecht.Geck.Herr Commissär, Sie sprechen nicht nach Recht;Der Richter muß nicht nur das Eine sehen.Belieben Sie nur diese weiße Hand,Die sich so zärtlich küßt,(er küßt sich selbst die Hand)auch zu betrachten.Alg.Laß er doch sehn!(er küßt ihm auch die Hand)Es schmeckt nicht sonderlich.Commiss.Wie nennt er sich?Geck.— — Don Fenix.Ach wie schön klingt schon der Nahme!Commiss.— — Ja, ganz sonderbarBist du vom Kopfe bis zum Fuß; doch sehetAuch nach, was er in seinen Taschen hat.(sie durchsuchen die Taschen.)Alg.Ein Büchschen! — — sieh! voll Schminke, Spiegel, Kamm.Geck.Ach, laßt mir das! nehmt lieber mir das Leben!Alg.Hier noch ein Zettel — seht, noch mehrere,Und sonderbare Zeichen drauf gekritzelt.Commiss.Ein Mittel, das die Hände weißer hält, —Die Stirn zu glätten, an den FingernägelnDie weißen Flecken zu vertreiben, LippenUnd Wange sich zu röthen. —Geck.— — Alles trifftGenau so ein.Commiss.— — Schon gut! vollkommen reifBist du fürs Tollhaus. Thuet eure Pflicht.(Sie setzen ihm eine Narrenkappe auf, und der erste Alguazil tritt mit einer Dame ein.)Alg.Am Spiegel fanden wir die Dame hier.Sie machte sich die allertiefsten Knixe,Und — hört! erklärte selber sich die Liebe.Dame.Ich liebe mich vor allen; niemand sollMir dieses Herz entreißen, denn es schworDie Treue mir.Commiss.— Fürwahr ein seltsam Weib!Die Weiber sind sich selber sonst nicht treu.So treten Sie doch näher, Frau Narcisse!Wie war Sie wohl so in sich selbst verliebt?Dame.Ich konnte länger mir nicht widerstehen;An allen schönen Gaben fand ich michSo reich; jung war ich, hatt’ ein schön Vermögen;Mein Herz errieth gar bald den stillen Gram,Der mich verzehrte, kam auf halben WegEntgegen mir, in feuriger UmarmungGestand ich stotternd ihm, was ich empfand.Nun ist es mein Geliebter, weichet nimmerVon mir, eilt jedem Wunsche schnell zuvor,Und wird mich lieben, treu bis in den Tod.Commiss.Ihr seyd ein glücklich Weib; denn EifersuchtWird euch gewiß nicht martern.Dame.— — Ach, mein Herr,Sie foltert mich nur allzu oft,Denn manchmahl hebt es doch den scheuen BlickAuf — —Commiss.— Eine Dame?Dame.— — oder einen Mann,Und quält mich.Commiss.— — Ja, das glaub’ ich euch,Und rath euch, keines Menschen Sohn’Mit eurer Liebe jemahls zu beglücken.Die Kappe!(Sie erhält die ihrige, und der zweyte Alguazil tritt mit einem Poeten, der Bücher ausschreibt, ein.)Der Wirth.— Seht, da kommt ein andrer Narr.Alg.Wir haben ihn ertappt, daß er gar frechUm Verse bettelte; und als man ihmNichts gab, bestahl er kühn die Bücher selbst.Commiss.Nehmt ihm doch sein Gewehr, die Feder ab!Poet.Mein Herr, sie dienet nicht statt Waffen mir;Ich schneide Käse nur und Brot damit.Commiss.Nun gut! so sprich, was hat dich wohl veranlaßt,Die Dichter anzubetteln, die fürs ersteSo karg sind, daß sie ihren GeistesschwammWohl selber drey Mahl pressen, über dießNicht schenken dürfen, was Apollo jedemZum Fruchtgenuß auf die Person verlieh?Doch welche, nenne sie, hast du bestohlen?Poet.Zu nennen weiß ich sie wahrhaftig nicht;Das war mir gleich, und ich bekenn’ es gern,Ich suchte meistens in der Nacht die Taschen.Commiss.Und fürchtetest du nicht, man werd’ am Tag’Erkennen, daß es fremde Habe sey.Poet.Man läßt es niemahls, wie es war.Commiss. Du bist ein großer Mann. Die Kappe! Nimm,Hier dieser Lorbeer prang’ auf deinem Haupt!Poet.Ein Lorbeer?Commiss.— — Ja, doch ist er nur entstellt,Wie Verse, die du guten Dichtern stahlst.Sie kleidet ihren Mann.Poet.— — Doch nehmet mirDie Schelle; mir genügt bescheidner Ruhm.Commiss.Mein edler Freund, durch diesen schönen ZugHast du fürwahr der Schellen — zwey verdient.(Man führt ihn mit gebundenen Händen ab; er scheint in Begeisterung. Der erste Alguazil führt einen Ritter ein.)Ritter.Mein Herr, ich bin ein Held.Commiss.— Wer seyd ihr?Ritter.— — Held, und zwar ein großer.Commiss.— — Wer hat euch gekrönt?Wer hat beschrieben, was ihr all’ gethan?Ritter.Ich selbst.Commiss.— — Wie nennt ihr euch?Ritter.— — Don Wunderbar,Und jetzt quält mich mit euren Fragen nicht!Ich spreche nur mit Sterbenden und Todten.Commiss.Wo habt ihr euer Schwert?Ritter.— — Ihr seyd ein Schroll.So lange diese Faust noch Nerven hat,Und diese Nägeln Schärfe, soll kein SchwertMich eh’ umgürten. Jene gab mir Gott,Und dieses ein gemeiner Handwerksmann.Commiss.Erzählt mir doch, was ihr gethan.(Der Held drückt durch stumme Geberden aus, daß er erwürgt, und mit Füßen ertreten.)Commiss.Was sprecht ihr nicht?Ritter.— — Was unaussprechlich ist,Beschreibt man nicht mit Sprache.Commiss.— — Großer Mann!Neigt euer Haupt, daß ich euch kröne; tiefer!(Der Held neigt sich sehr tief; der Commissär setzt ihm die Kappe auf, und der Held geht unter der Begleitung des Alguazil mit stolzen Schritten ab.)Commiss.Wahrhaftig, edler Freund, die Narren sindSo zahlreich hier, daß meine KappenzahlMir nicht auf heute hinreicht; lass’ er mirDen Schneider kommen, — wenn er nicht ein Narr ist.Indessen trinken wir vergnügt und klugDen Malaga, und essen unser Brot.(Der Wirth und der Commissär gehen ab.)Nun traten wieder die drey Guitarrspieler auf, und sangen folgende Weise:Das ist so der Welten Lauf:Jeder nähret Grillen;Einer mutzt den andern auf;Alle möchten trillen.Haltet diesem TadlerchorEin Mahl doch den Spiegel vor;Sie — die Weise waren,Sehen selber Narren.

Alg.In einem Straßenwinkel fanden wir,Hochedler Herr, den Narren hier; er gabEin Zeichen auf dem prächtigsten Balcon,Auf dem ein Affe saß mit zwey Duennen;Der Affe knackte fleißig Nüsse auf,Und seine Frauen fraßen ihm den Kern;Der Bursche hätte gerne mitgenagt,Denn seine Zeichen waren voll Begierde —Was quält den Burschen aber wohl, als Eßlust?Wir hätten ihm sein tolles Spiel gegönnt,Doch trieb er’s weiter bis zur Raserey.Er sprang von einem Haus ans andre hin,Und wo ein Kätzchen in dem Fenster saß,Da macht’ er Sprünge, wie ein junger Hund,Und schwang den Zopf, wie Budel ihren Schwanz.Die Kätzchen strichen mit den Pfötchen sichIn süßem Selbstgefallen — Bart und Kopf,Und warfen ihm für seine GaukeleyFlor, Blumen, Federn, Band und Handschuh zu.Er las es gierig auf, wie HaberkornDie jungen Hühner, und sprang weiter fort.Commiss.Wer bist du? sprich!Stutzer.— — Ich bin des Glückes Sohn,Und wenigstens sein allernächster Freund.Commiss.Du bist ein Narr, drum ist das Glück dir hold;Drum hängest du den Schild der Narrheit aus.Doch sprich, was soll wohl dieser tolle Hut?Stutz.Des Ruhmes, der mir war, Posaune seyn.Commiss.Sie bläst sehr laut. Wo ist der Zierath her?Hast du vielleicht San Jago ausgeplündert?Stutz.Von sieben Damen sind es die Trophä’n.Commiss.Ich glaub’ es gern, daß du sie mit GewaltErrungen hast.Stutz.— — Die Liebe gab sie mir.Commiss.Du lügst; wer liebet einen Narren wohl?Stutz.Die Damen. O Herr Commißär,Sie scheinen selbst für Weiber gut bestimmt.Commiss.Verwegner! wer hat dich gelehrt, so frechDem Richter von Toledo zu begegnen,An dessen Statt ich hier bin? Doch Geduld,Hier hast du ein Geschenk, das er dir schickt,Und das dich immerfort bezeichnen soll.Stutz.Wie? Was?Commiss.— — Du hast der Kerne garZu viel gegessen; faste nun im Thurm.

Alg.In einem Straßenwinkel fanden wir,Hochedler Herr, den Narren hier; er gabEin Zeichen auf dem prächtigsten Balcon,Auf dem ein Affe saß mit zwey Duennen;Der Affe knackte fleißig Nüsse auf,Und seine Frauen fraßen ihm den Kern;Der Bursche hätte gerne mitgenagt,Denn seine Zeichen waren voll Begierde —Was quält den Burschen aber wohl, als Eßlust?Wir hätten ihm sein tolles Spiel gegönnt,Doch trieb er’s weiter bis zur Raserey.Er sprang von einem Haus ans andre hin,Und wo ein Kätzchen in dem Fenster saß,Da macht’ er Sprünge, wie ein junger Hund,Und schwang den Zopf, wie Budel ihren Schwanz.Die Kätzchen strichen mit den Pfötchen sichIn süßem Selbstgefallen — Bart und Kopf,Und warfen ihm für seine GaukeleyFlor, Blumen, Federn, Band und Handschuh zu.Er las es gierig auf, wie HaberkornDie jungen Hühner, und sprang weiter fort.

Alg.In einem Straßenwinkel fanden wir,

Hochedler Herr, den Narren hier; er gab

Ein Zeichen auf dem prächtigsten Balcon,

Auf dem ein Affe saß mit zwey Duennen;

Der Affe knackte fleißig Nüsse auf,

Und seine Frauen fraßen ihm den Kern;

Der Bursche hätte gerne mitgenagt,

Denn seine Zeichen waren voll Begierde —

Was quält den Burschen aber wohl, als Eßlust?

Wir hätten ihm sein tolles Spiel gegönnt,

Doch trieb er’s weiter bis zur Raserey.

Er sprang von einem Haus ans andre hin,

Und wo ein Kätzchen in dem Fenster saß,

Da macht’ er Sprünge, wie ein junger Hund,

Und schwang den Zopf, wie Budel ihren Schwanz.

Die Kätzchen strichen mit den Pfötchen sich

In süßem Selbstgefallen — Bart und Kopf,

Und warfen ihm für seine Gaukeley

Flor, Blumen, Federn, Band und Handschuh zu.

Er las es gierig auf, wie Haberkorn

Die jungen Hühner, und sprang weiter fort.

Commiss.Wer bist du? sprich!

Commiss.Wer bist du? sprich!

Stutzer.— — Ich bin des Glückes Sohn,Und wenigstens sein allernächster Freund.

Stutzer.— — Ich bin des Glückes Sohn,

Und wenigstens sein allernächster Freund.

Commiss.Du bist ein Narr, drum ist das Glück dir hold;Drum hängest du den Schild der Narrheit aus.Doch sprich, was soll wohl dieser tolle Hut?

Commiss.Du bist ein Narr, drum ist das Glück dir hold;

Drum hängest du den Schild der Narrheit aus.

Doch sprich, was soll wohl dieser tolle Hut?

Stutz.Des Ruhmes, der mir war, Posaune seyn.

Stutz.Des Ruhmes, der mir war, Posaune seyn.

Commiss.Sie bläst sehr laut. Wo ist der Zierath her?Hast du vielleicht San Jago ausgeplündert?

Commiss.Sie bläst sehr laut. Wo ist der Zierath her?

Hast du vielleicht San Jago ausgeplündert?

Stutz.Von sieben Damen sind es die Trophä’n.

Stutz.Von sieben Damen sind es die Trophä’n.

Commiss.Ich glaub’ es gern, daß du sie mit GewaltErrungen hast.

Commiss.Ich glaub’ es gern, daß du sie mit Gewalt

Errungen hast.

Stutz.— — Die Liebe gab sie mir.

Stutz.— — Die Liebe gab sie mir.

Commiss.Du lügst; wer liebet einen Narren wohl?

Commiss.Du lügst; wer liebet einen Narren wohl?

Stutz.Die Damen. O Herr Commißär,Sie scheinen selbst für Weiber gut bestimmt.

Stutz.Die Damen. O Herr Commißär,

Sie scheinen selbst für Weiber gut bestimmt.

Commiss.Verwegner! wer hat dich gelehrt, so frechDem Richter von Toledo zu begegnen,An dessen Statt ich hier bin? Doch Geduld,Hier hast du ein Geschenk, das er dir schickt,Und das dich immerfort bezeichnen soll.

Commiss.Verwegner! wer hat dich gelehrt, so frech

Dem Richter von Toledo zu begegnen,

An dessen Statt ich hier bin? Doch Geduld,

Hier hast du ein Geschenk, das er dir schickt,

Und das dich immerfort bezeichnen soll.

Stutz.Wie? Was?

Stutz.Wie? Was?

Commiss.— — Du hast der Kerne garZu viel gegessen; faste nun im Thurm.

Commiss.— — Du hast der Kerne gar

Zu viel gegessen; faste nun im Thurm.

(Sie setzen ihm einen carmoisinrothen Frauenzimmerhut auf, und stoßen ihn gewaltig in die Scene. Der zweyte Alguazil tritt mit einem Gecken, der sich schön zu seyn wähnt, ein.)

Alg.Hier ist ein andrer.Commiss. — — Was ist sein Vergehen?In was hat er gesündigt? nur heraus!Alg.Er meint, er wäre schön.Geck.— — Bin ich es nicht?Ach tödtet mich doch nicht mit diesem Wort!Commiss. (indem er die Brille aufsetzt.)Nach Recht und Pflicht! Man hat ihn hoch getäuscht,Mein lieber Freund! denn seine Nase warFür zwey Gesichter wenigstens bestimmt;Sein Mund ist wie ein Thor gestaltet, undDie Nasenlöcher sind geschlitzt, wie Augen;Sein Haar ist wie des Blutgerichts Fahne;Sein Aug’ ist stumpf und seine Höcker hatEr selbst vielleicht noch nie bemerkt. Mein Freund,Wenn er sich schön glaubt, hat er gar nicht Unrecht.Geck.Herr Commissär, Sie sprechen nicht nach Recht;Der Richter muß nicht nur das Eine sehen.Belieben Sie nur diese weiße Hand,Die sich so zärtlich küßt,(er küßt sich selbst die Hand)auch zu betrachten.Alg.Laß er doch sehn!(er küßt ihm auch die Hand)Es schmeckt nicht sonderlich.Commiss.Wie nennt er sich?Geck.— — Don Fenix.Ach wie schön klingt schon der Nahme!Commiss.— — Ja, ganz sonderbarBist du vom Kopfe bis zum Fuß; doch sehetAuch nach, was er in seinen Taschen hat.(sie durchsuchen die Taschen.)Alg.Ein Büchschen! — — sieh! voll Schminke, Spiegel, Kamm.Geck.Ach, laßt mir das! nehmt lieber mir das Leben!Alg.Hier noch ein Zettel — seht, noch mehrere,Und sonderbare Zeichen drauf gekritzelt.Commiss.Ein Mittel, das die Hände weißer hält, —Die Stirn zu glätten, an den FingernägelnDie weißen Flecken zu vertreiben, LippenUnd Wange sich zu röthen. —Geck.— — Alles trifftGenau so ein.Commiss.— — Schon gut! vollkommen reifBist du fürs Tollhaus. Thuet eure Pflicht.(Sie setzen ihm eine Narrenkappe auf, und der erste Alguazil tritt mit einer Dame ein.)Alg.Am Spiegel fanden wir die Dame hier.Sie machte sich die allertiefsten Knixe,Und — hört! erklärte selber sich die Liebe.Dame.Ich liebe mich vor allen; niemand sollMir dieses Herz entreißen, denn es schworDie Treue mir.Commiss.— Fürwahr ein seltsam Weib!Die Weiber sind sich selber sonst nicht treu.So treten Sie doch näher, Frau Narcisse!Wie war Sie wohl so in sich selbst verliebt?Dame.Ich konnte länger mir nicht widerstehen;An allen schönen Gaben fand ich michSo reich; jung war ich, hatt’ ein schön Vermögen;Mein Herz errieth gar bald den stillen Gram,Der mich verzehrte, kam auf halben WegEntgegen mir, in feuriger UmarmungGestand ich stotternd ihm, was ich empfand.Nun ist es mein Geliebter, weichet nimmerVon mir, eilt jedem Wunsche schnell zuvor,Und wird mich lieben, treu bis in den Tod.Commiss.Ihr seyd ein glücklich Weib; denn EifersuchtWird euch gewiß nicht martern.Dame.— — Ach, mein Herr,Sie foltert mich nur allzu oft,Denn manchmahl hebt es doch den scheuen BlickAuf — —Commiss.— Eine Dame?Dame.— — oder einen Mann,Und quält mich.Commiss.— — Ja, das glaub’ ich euch,Und rath euch, keines Menschen Sohn’Mit eurer Liebe jemahls zu beglücken.Die Kappe!(Sie erhält die ihrige, und der zweyte Alguazil tritt mit einem Poeten, der Bücher ausschreibt, ein.)Der Wirth.— Seht, da kommt ein andrer Narr.Alg.Wir haben ihn ertappt, daß er gar frechUm Verse bettelte; und als man ihmNichts gab, bestahl er kühn die Bücher selbst.Commiss.Nehmt ihm doch sein Gewehr, die Feder ab!Poet.Mein Herr, sie dienet nicht statt Waffen mir;Ich schneide Käse nur und Brot damit.Commiss.Nun gut! so sprich, was hat dich wohl veranlaßt,Die Dichter anzubetteln, die fürs ersteSo karg sind, daß sie ihren GeistesschwammWohl selber drey Mahl pressen, über dießNicht schenken dürfen, was Apollo jedemZum Fruchtgenuß auf die Person verlieh?Doch welche, nenne sie, hast du bestohlen?Poet.Zu nennen weiß ich sie wahrhaftig nicht;Das war mir gleich, und ich bekenn’ es gern,Ich suchte meistens in der Nacht die Taschen.Commiss.Und fürchtetest du nicht, man werd’ am Tag’Erkennen, daß es fremde Habe sey.Poet.Man läßt es niemahls, wie es war.Commiss. Du bist ein großer Mann. Die Kappe! Nimm,Hier dieser Lorbeer prang’ auf deinem Haupt!Poet.Ein Lorbeer?Commiss.— — Ja, doch ist er nur entstellt,Wie Verse, die du guten Dichtern stahlst.Sie kleidet ihren Mann.Poet.— — Doch nehmet mirDie Schelle; mir genügt bescheidner Ruhm.Commiss.Mein edler Freund, durch diesen schönen ZugHast du fürwahr der Schellen — zwey verdient.(Man führt ihn mit gebundenen Händen ab; er scheint in Begeisterung. Der erste Alguazil führt einen Ritter ein.)Ritter.Mein Herr, ich bin ein Held.Commiss.— Wer seyd ihr?Ritter.— — Held, und zwar ein großer.Commiss.— — Wer hat euch gekrönt?Wer hat beschrieben, was ihr all’ gethan?Ritter.Ich selbst.Commiss.— — Wie nennt ihr euch?Ritter.— — Don Wunderbar,Und jetzt quält mich mit euren Fragen nicht!Ich spreche nur mit Sterbenden und Todten.Commiss.Wo habt ihr euer Schwert?Ritter.— — Ihr seyd ein Schroll.So lange diese Faust noch Nerven hat,Und diese Nägeln Schärfe, soll kein SchwertMich eh’ umgürten. Jene gab mir Gott,Und dieses ein gemeiner Handwerksmann.Commiss.Erzählt mir doch, was ihr gethan.(Der Held drückt durch stumme Geberden aus, daß er erwürgt, und mit Füßen ertreten.)Commiss.Was sprecht ihr nicht?Ritter.— — Was unaussprechlich ist,Beschreibt man nicht mit Sprache.Commiss.— — Großer Mann!Neigt euer Haupt, daß ich euch kröne; tiefer!(Der Held neigt sich sehr tief; der Commissär setzt ihm die Kappe auf, und der Held geht unter der Begleitung des Alguazil mit stolzen Schritten ab.)Commiss.Wahrhaftig, edler Freund, die Narren sindSo zahlreich hier, daß meine KappenzahlMir nicht auf heute hinreicht; lass’ er mirDen Schneider kommen, — wenn er nicht ein Narr ist.Indessen trinken wir vergnügt und klugDen Malaga, und essen unser Brot.(Der Wirth und der Commissär gehen ab.)Nun traten wieder die drey Guitarrspieler auf, und sangen folgende Weise:Das ist so der Welten Lauf:Jeder nähret Grillen;Einer mutzt den andern auf;Alle möchten trillen.Haltet diesem TadlerchorEin Mahl doch den Spiegel vor;Sie — die Weise waren,Sehen selber Narren.

Alg.Hier ist ein andrer.Commiss. — — Was ist sein Vergehen?In was hat er gesündigt? nur heraus!Alg.Er meint, er wäre schön.Geck.— — Bin ich es nicht?Ach tödtet mich doch nicht mit diesem Wort!Commiss. (indem er die Brille aufsetzt.)Nach Recht und Pflicht! Man hat ihn hoch getäuscht,Mein lieber Freund! denn seine Nase warFür zwey Gesichter wenigstens bestimmt;Sein Mund ist wie ein Thor gestaltet, undDie Nasenlöcher sind geschlitzt, wie Augen;Sein Haar ist wie des Blutgerichts Fahne;Sein Aug’ ist stumpf und seine Höcker hatEr selbst vielleicht noch nie bemerkt. Mein Freund,Wenn er sich schön glaubt, hat er gar nicht Unrecht.Geck.Herr Commissär, Sie sprechen nicht nach Recht;Der Richter muß nicht nur das Eine sehen.Belieben Sie nur diese weiße Hand,Die sich so zärtlich küßt,(er küßt sich selbst die Hand)auch zu betrachten.Alg.Laß er doch sehn!(er küßt ihm auch die Hand)Es schmeckt nicht sonderlich.Commiss.Wie nennt er sich?Geck.— — Don Fenix.Ach wie schön klingt schon der Nahme!Commiss.— — Ja, ganz sonderbarBist du vom Kopfe bis zum Fuß; doch sehetAuch nach, was er in seinen Taschen hat.

Alg.Hier ist ein andrer.

Alg.Hier ist ein andrer.

Commiss. — — Was ist sein Vergehen?In was hat er gesündigt? nur heraus!

Commiss. — — Was ist sein Vergehen?

In was hat er gesündigt? nur heraus!

Alg.Er meint, er wäre schön.

Alg.Er meint, er wäre schön.

Geck.— — Bin ich es nicht?Ach tödtet mich doch nicht mit diesem Wort!

Geck.— — Bin ich es nicht?

Ach tödtet mich doch nicht mit diesem Wort!

Commiss. (indem er die Brille aufsetzt.)Nach Recht und Pflicht! Man hat ihn hoch getäuscht,Mein lieber Freund! denn seine Nase warFür zwey Gesichter wenigstens bestimmt;Sein Mund ist wie ein Thor gestaltet, undDie Nasenlöcher sind geschlitzt, wie Augen;Sein Haar ist wie des Blutgerichts Fahne;Sein Aug’ ist stumpf und seine Höcker hatEr selbst vielleicht noch nie bemerkt. Mein Freund,Wenn er sich schön glaubt, hat er gar nicht Unrecht.

Commiss. (indem er die Brille aufsetzt.)

Nach Recht und Pflicht! Man hat ihn hoch getäuscht,

Mein lieber Freund! denn seine Nase war

Für zwey Gesichter wenigstens bestimmt;

Sein Mund ist wie ein Thor gestaltet, und

Die Nasenlöcher sind geschlitzt, wie Augen;

Sein Haar ist wie des Blutgerichts Fahne;

Sein Aug’ ist stumpf und seine Höcker hat

Er selbst vielleicht noch nie bemerkt. Mein Freund,

Wenn er sich schön glaubt, hat er gar nicht Unrecht.

Geck.Herr Commissär, Sie sprechen nicht nach Recht;Der Richter muß nicht nur das Eine sehen.Belieben Sie nur diese weiße Hand,Die sich so zärtlich küßt,(er küßt sich selbst die Hand)auch zu betrachten.

Geck.Herr Commissär, Sie sprechen nicht nach Recht;

Der Richter muß nicht nur das Eine sehen.

Belieben Sie nur diese weiße Hand,

Die sich so zärtlich küßt,

(er küßt sich selbst die Hand)

auch zu betrachten.

Alg.Laß er doch sehn!(er küßt ihm auch die Hand)Es schmeckt nicht sonderlich.

Alg.Laß er doch sehn!

(er küßt ihm auch die Hand)

Es schmeckt nicht sonderlich.

Commiss.Wie nennt er sich?

Commiss.Wie nennt er sich?

Geck.— — Don Fenix.Ach wie schön klingt schon der Nahme!

Geck.— — Don Fenix.

Ach wie schön klingt schon der Nahme!

Commiss.— — Ja, ganz sonderbarBist du vom Kopfe bis zum Fuß; doch sehetAuch nach, was er in seinen Taschen hat.

Commiss.— — Ja, ganz sonderbar

Bist du vom Kopfe bis zum Fuß; doch sehet

Auch nach, was er in seinen Taschen hat.

(sie durchsuchen die Taschen.)

Alg.Ein Büchschen! — — sieh! voll Schminke, Spiegel, Kamm.Geck.Ach, laßt mir das! nehmt lieber mir das Leben!Alg.Hier noch ein Zettel — seht, noch mehrere,Und sonderbare Zeichen drauf gekritzelt.Commiss.Ein Mittel, das die Hände weißer hält, —Die Stirn zu glätten, an den FingernägelnDie weißen Flecken zu vertreiben, LippenUnd Wange sich zu röthen. —Geck.— — Alles trifftGenau so ein.Commiss.— — Schon gut! vollkommen reifBist du fürs Tollhaus. Thuet eure Pflicht.

Alg.Ein Büchschen! — — sieh! voll Schminke, Spiegel, Kamm.Geck.Ach, laßt mir das! nehmt lieber mir das Leben!Alg.Hier noch ein Zettel — seht, noch mehrere,Und sonderbare Zeichen drauf gekritzelt.Commiss.Ein Mittel, das die Hände weißer hält, —Die Stirn zu glätten, an den FingernägelnDie weißen Flecken zu vertreiben, LippenUnd Wange sich zu röthen. —Geck.— — Alles trifftGenau so ein.Commiss.— — Schon gut! vollkommen reifBist du fürs Tollhaus. Thuet eure Pflicht.

Alg.Ein Büchschen! — — sieh! voll Schminke, Spiegel, Kamm.

Alg.Ein Büchschen! — — sieh! voll Schminke, Spiegel, Kamm.

Geck.Ach, laßt mir das! nehmt lieber mir das Leben!

Geck.Ach, laßt mir das! nehmt lieber mir das Leben!

Alg.Hier noch ein Zettel — seht, noch mehrere,Und sonderbare Zeichen drauf gekritzelt.

Alg.Hier noch ein Zettel — seht, noch mehrere,

Und sonderbare Zeichen drauf gekritzelt.

Commiss.Ein Mittel, das die Hände weißer hält, —Die Stirn zu glätten, an den FingernägelnDie weißen Flecken zu vertreiben, LippenUnd Wange sich zu röthen. —

Commiss.Ein Mittel, das die Hände weißer hält, —

Die Stirn zu glätten, an den Fingernägeln

Die weißen Flecken zu vertreiben, Lippen

Und Wange sich zu röthen. —

Geck.— — Alles trifftGenau so ein.

Geck.— — Alles trifft

Genau so ein.

Commiss.— — Schon gut! vollkommen reifBist du fürs Tollhaus. Thuet eure Pflicht.

Commiss.— — Schon gut! vollkommen reif

Bist du fürs Tollhaus. Thuet eure Pflicht.

(Sie setzen ihm eine Narrenkappe auf, und der erste Alguazil tritt mit einer Dame ein.)

Alg.Am Spiegel fanden wir die Dame hier.Sie machte sich die allertiefsten Knixe,Und — hört! erklärte selber sich die Liebe.Dame.Ich liebe mich vor allen; niemand sollMir dieses Herz entreißen, denn es schworDie Treue mir.Commiss.— Fürwahr ein seltsam Weib!Die Weiber sind sich selber sonst nicht treu.So treten Sie doch näher, Frau Narcisse!Wie war Sie wohl so in sich selbst verliebt?Dame.Ich konnte länger mir nicht widerstehen;An allen schönen Gaben fand ich michSo reich; jung war ich, hatt’ ein schön Vermögen;Mein Herz errieth gar bald den stillen Gram,Der mich verzehrte, kam auf halben WegEntgegen mir, in feuriger UmarmungGestand ich stotternd ihm, was ich empfand.Nun ist es mein Geliebter, weichet nimmerVon mir, eilt jedem Wunsche schnell zuvor,Und wird mich lieben, treu bis in den Tod.Commiss.Ihr seyd ein glücklich Weib; denn EifersuchtWird euch gewiß nicht martern.Dame.— — Ach, mein Herr,Sie foltert mich nur allzu oft,Denn manchmahl hebt es doch den scheuen BlickAuf — —Commiss.— Eine Dame?Dame.— — oder einen Mann,Und quält mich.Commiss.— — Ja, das glaub’ ich euch,Und rath euch, keines Menschen Sohn’Mit eurer Liebe jemahls zu beglücken.Die Kappe!

Alg.Am Spiegel fanden wir die Dame hier.Sie machte sich die allertiefsten Knixe,Und — hört! erklärte selber sich die Liebe.Dame.Ich liebe mich vor allen; niemand sollMir dieses Herz entreißen, denn es schworDie Treue mir.Commiss.— Fürwahr ein seltsam Weib!Die Weiber sind sich selber sonst nicht treu.So treten Sie doch näher, Frau Narcisse!Wie war Sie wohl so in sich selbst verliebt?Dame.Ich konnte länger mir nicht widerstehen;An allen schönen Gaben fand ich michSo reich; jung war ich, hatt’ ein schön Vermögen;Mein Herz errieth gar bald den stillen Gram,Der mich verzehrte, kam auf halben WegEntgegen mir, in feuriger UmarmungGestand ich stotternd ihm, was ich empfand.Nun ist es mein Geliebter, weichet nimmerVon mir, eilt jedem Wunsche schnell zuvor,Und wird mich lieben, treu bis in den Tod.Commiss.Ihr seyd ein glücklich Weib; denn EifersuchtWird euch gewiß nicht martern.Dame.— — Ach, mein Herr,Sie foltert mich nur allzu oft,Denn manchmahl hebt es doch den scheuen BlickAuf — —Commiss.— Eine Dame?Dame.— — oder einen Mann,Und quält mich.Commiss.— — Ja, das glaub’ ich euch,Und rath euch, keines Menschen Sohn’Mit eurer Liebe jemahls zu beglücken.Die Kappe!

Alg.Am Spiegel fanden wir die Dame hier.Sie machte sich die allertiefsten Knixe,Und — hört! erklärte selber sich die Liebe.

Alg.Am Spiegel fanden wir die Dame hier.

Sie machte sich die allertiefsten Knixe,

Und — hört! erklärte selber sich die Liebe.

Dame.Ich liebe mich vor allen; niemand sollMir dieses Herz entreißen, denn es schworDie Treue mir.

Dame.Ich liebe mich vor allen; niemand soll

Mir dieses Herz entreißen, denn es schwor

Die Treue mir.

Commiss.— Fürwahr ein seltsam Weib!Die Weiber sind sich selber sonst nicht treu.So treten Sie doch näher, Frau Narcisse!Wie war Sie wohl so in sich selbst verliebt?

Commiss.— Fürwahr ein seltsam Weib!

Die Weiber sind sich selber sonst nicht treu.

So treten Sie doch näher, Frau Narcisse!

Wie war Sie wohl so in sich selbst verliebt?

Dame.Ich konnte länger mir nicht widerstehen;An allen schönen Gaben fand ich michSo reich; jung war ich, hatt’ ein schön Vermögen;Mein Herz errieth gar bald den stillen Gram,Der mich verzehrte, kam auf halben WegEntgegen mir, in feuriger UmarmungGestand ich stotternd ihm, was ich empfand.Nun ist es mein Geliebter, weichet nimmerVon mir, eilt jedem Wunsche schnell zuvor,Und wird mich lieben, treu bis in den Tod.

Dame.Ich konnte länger mir nicht widerstehen;

An allen schönen Gaben fand ich mich

So reich; jung war ich, hatt’ ein schön Vermögen;

Mein Herz errieth gar bald den stillen Gram,

Der mich verzehrte, kam auf halben Weg

Entgegen mir, in feuriger Umarmung

Gestand ich stotternd ihm, was ich empfand.

Nun ist es mein Geliebter, weichet nimmer

Von mir, eilt jedem Wunsche schnell zuvor,

Und wird mich lieben, treu bis in den Tod.

Commiss.Ihr seyd ein glücklich Weib; denn EifersuchtWird euch gewiß nicht martern.

Commiss.Ihr seyd ein glücklich Weib; denn Eifersucht

Wird euch gewiß nicht martern.

Dame.— — Ach, mein Herr,Sie foltert mich nur allzu oft,Denn manchmahl hebt es doch den scheuen BlickAuf — —

Dame.— — Ach, mein Herr,

Sie foltert mich nur allzu oft,

Denn manchmahl hebt es doch den scheuen Blick

Auf — —

Commiss.— Eine Dame?

Commiss.— Eine Dame?

Dame.— — oder einen Mann,Und quält mich.

Dame.— — oder einen Mann,

Und quält mich.

Commiss.— — Ja, das glaub’ ich euch,Und rath euch, keines Menschen Sohn’Mit eurer Liebe jemahls zu beglücken.Die Kappe!

Commiss.— — Ja, das glaub’ ich euch,

Und rath euch, keines Menschen Sohn’

Mit eurer Liebe jemahls zu beglücken.

Die Kappe!

(Sie erhält die ihrige, und der zweyte Alguazil tritt mit einem Poeten, der Bücher ausschreibt, ein.)

Der Wirth.— Seht, da kommt ein andrer Narr.Alg.Wir haben ihn ertappt, daß er gar frechUm Verse bettelte; und als man ihmNichts gab, bestahl er kühn die Bücher selbst.Commiss.Nehmt ihm doch sein Gewehr, die Feder ab!Poet.Mein Herr, sie dienet nicht statt Waffen mir;Ich schneide Käse nur und Brot damit.Commiss.Nun gut! so sprich, was hat dich wohl veranlaßt,Die Dichter anzubetteln, die fürs ersteSo karg sind, daß sie ihren GeistesschwammWohl selber drey Mahl pressen, über dießNicht schenken dürfen, was Apollo jedemZum Fruchtgenuß auf die Person verlieh?Doch welche, nenne sie, hast du bestohlen?Poet.Zu nennen weiß ich sie wahrhaftig nicht;Das war mir gleich, und ich bekenn’ es gern,Ich suchte meistens in der Nacht die Taschen.Commiss.Und fürchtetest du nicht, man werd’ am Tag’Erkennen, daß es fremde Habe sey.Poet.Man läßt es niemahls, wie es war.Commiss. Du bist ein großer Mann. Die Kappe! Nimm,Hier dieser Lorbeer prang’ auf deinem Haupt!Poet.Ein Lorbeer?Commiss.— — Ja, doch ist er nur entstellt,Wie Verse, die du guten Dichtern stahlst.Sie kleidet ihren Mann.Poet.— — Doch nehmet mirDie Schelle; mir genügt bescheidner Ruhm.Commiss.Mein edler Freund, durch diesen schönen ZugHast du fürwahr der Schellen — zwey verdient.

Der Wirth.— Seht, da kommt ein andrer Narr.Alg.Wir haben ihn ertappt, daß er gar frechUm Verse bettelte; und als man ihmNichts gab, bestahl er kühn die Bücher selbst.Commiss.Nehmt ihm doch sein Gewehr, die Feder ab!Poet.Mein Herr, sie dienet nicht statt Waffen mir;Ich schneide Käse nur und Brot damit.Commiss.Nun gut! so sprich, was hat dich wohl veranlaßt,Die Dichter anzubetteln, die fürs ersteSo karg sind, daß sie ihren GeistesschwammWohl selber drey Mahl pressen, über dießNicht schenken dürfen, was Apollo jedemZum Fruchtgenuß auf die Person verlieh?Doch welche, nenne sie, hast du bestohlen?Poet.Zu nennen weiß ich sie wahrhaftig nicht;Das war mir gleich, und ich bekenn’ es gern,Ich suchte meistens in der Nacht die Taschen.Commiss.Und fürchtetest du nicht, man werd’ am Tag’Erkennen, daß es fremde Habe sey.Poet.Man läßt es niemahls, wie es war.Commiss. Du bist ein großer Mann. Die Kappe! Nimm,Hier dieser Lorbeer prang’ auf deinem Haupt!Poet.Ein Lorbeer?Commiss.— — Ja, doch ist er nur entstellt,Wie Verse, die du guten Dichtern stahlst.Sie kleidet ihren Mann.Poet.— — Doch nehmet mirDie Schelle; mir genügt bescheidner Ruhm.Commiss.Mein edler Freund, durch diesen schönen ZugHast du fürwahr der Schellen — zwey verdient.

Der Wirth.— Seht, da kommt ein andrer Narr.

Der Wirth.— Seht, da kommt ein andrer Narr.

Alg.Wir haben ihn ertappt, daß er gar frechUm Verse bettelte; und als man ihmNichts gab, bestahl er kühn die Bücher selbst.

Alg.Wir haben ihn ertappt, daß er gar frech

Um Verse bettelte; und als man ihm

Nichts gab, bestahl er kühn die Bücher selbst.

Commiss.Nehmt ihm doch sein Gewehr, die Feder ab!

Commiss.Nehmt ihm doch sein Gewehr, die Feder ab!

Poet.Mein Herr, sie dienet nicht statt Waffen mir;Ich schneide Käse nur und Brot damit.

Poet.Mein Herr, sie dienet nicht statt Waffen mir;

Ich schneide Käse nur und Brot damit.

Commiss.Nun gut! so sprich, was hat dich wohl veranlaßt,Die Dichter anzubetteln, die fürs ersteSo karg sind, daß sie ihren GeistesschwammWohl selber drey Mahl pressen, über dießNicht schenken dürfen, was Apollo jedemZum Fruchtgenuß auf die Person verlieh?Doch welche, nenne sie, hast du bestohlen?

Commiss.Nun gut! so sprich, was hat dich wohl veranlaßt,

Die Dichter anzubetteln, die fürs erste

So karg sind, daß sie ihren Geistesschwamm

Wohl selber drey Mahl pressen, über dieß

Nicht schenken dürfen, was Apollo jedem

Zum Fruchtgenuß auf die Person verlieh?

Doch welche, nenne sie, hast du bestohlen?

Poet.Zu nennen weiß ich sie wahrhaftig nicht;Das war mir gleich, und ich bekenn’ es gern,Ich suchte meistens in der Nacht die Taschen.

Poet.Zu nennen weiß ich sie wahrhaftig nicht;

Das war mir gleich, und ich bekenn’ es gern,

Ich suchte meistens in der Nacht die Taschen.

Commiss.Und fürchtetest du nicht, man werd’ am Tag’Erkennen, daß es fremde Habe sey.

Commiss.Und fürchtetest du nicht, man werd’ am Tag’

Erkennen, daß es fremde Habe sey.

Poet.Man läßt es niemahls, wie es war.

Poet.Man läßt es niemahls, wie es war.

Commiss. Du bist ein großer Mann. Die Kappe! Nimm,Hier dieser Lorbeer prang’ auf deinem Haupt!

Commiss. Du bist ein großer Mann. Die Kappe! Nimm,

Hier dieser Lorbeer prang’ auf deinem Haupt!

Poet.Ein Lorbeer?

Poet.Ein Lorbeer?

Commiss.— — Ja, doch ist er nur entstellt,Wie Verse, die du guten Dichtern stahlst.Sie kleidet ihren Mann.

Commiss.— — Ja, doch ist er nur entstellt,

Wie Verse, die du guten Dichtern stahlst.

Sie kleidet ihren Mann.

Poet.— — Doch nehmet mirDie Schelle; mir genügt bescheidner Ruhm.

Poet.— — Doch nehmet mir

Die Schelle; mir genügt bescheidner Ruhm.

Commiss.Mein edler Freund, durch diesen schönen ZugHast du fürwahr der Schellen — zwey verdient.

Commiss.Mein edler Freund, durch diesen schönen Zug

Hast du fürwahr der Schellen — zwey verdient.

(Man führt ihn mit gebundenen Händen ab; er scheint in Begeisterung. Der erste Alguazil führt einen Ritter ein.)

Ritter.Mein Herr, ich bin ein Held.Commiss.— Wer seyd ihr?Ritter.— — Held, und zwar ein großer.Commiss.— — Wer hat euch gekrönt?Wer hat beschrieben, was ihr all’ gethan?Ritter.Ich selbst.Commiss.— — Wie nennt ihr euch?Ritter.— — Don Wunderbar,Und jetzt quält mich mit euren Fragen nicht!Ich spreche nur mit Sterbenden und Todten.Commiss.Wo habt ihr euer Schwert?Ritter.— — Ihr seyd ein Schroll.So lange diese Faust noch Nerven hat,Und diese Nägeln Schärfe, soll kein SchwertMich eh’ umgürten. Jene gab mir Gott,Und dieses ein gemeiner Handwerksmann.Commiss.Erzählt mir doch, was ihr gethan.

Ritter.Mein Herr, ich bin ein Held.Commiss.— Wer seyd ihr?Ritter.— — Held, und zwar ein großer.Commiss.— — Wer hat euch gekrönt?Wer hat beschrieben, was ihr all’ gethan?Ritter.Ich selbst.Commiss.— — Wie nennt ihr euch?Ritter.— — Don Wunderbar,Und jetzt quält mich mit euren Fragen nicht!Ich spreche nur mit Sterbenden und Todten.Commiss.Wo habt ihr euer Schwert?Ritter.— — Ihr seyd ein Schroll.So lange diese Faust noch Nerven hat,Und diese Nägeln Schärfe, soll kein SchwertMich eh’ umgürten. Jene gab mir Gott,Und dieses ein gemeiner Handwerksmann.Commiss.Erzählt mir doch, was ihr gethan.

Ritter.Mein Herr, ich bin ein Held.

Ritter.Mein Herr, ich bin ein Held.

Commiss.— Wer seyd ihr?

Commiss.— Wer seyd ihr?

Ritter.— — Held, und zwar ein großer.

Ritter.— — Held, und zwar ein großer.

Commiss.— — Wer hat euch gekrönt?Wer hat beschrieben, was ihr all’ gethan?

Commiss.— — Wer hat euch gekrönt?

Wer hat beschrieben, was ihr all’ gethan?

Ritter.Ich selbst.

Ritter.Ich selbst.

Commiss.— — Wie nennt ihr euch?

Commiss.— — Wie nennt ihr euch?

Ritter.— — Don Wunderbar,Und jetzt quält mich mit euren Fragen nicht!Ich spreche nur mit Sterbenden und Todten.

Ritter.— — Don Wunderbar,

Und jetzt quält mich mit euren Fragen nicht!

Ich spreche nur mit Sterbenden und Todten.

Commiss.Wo habt ihr euer Schwert?

Commiss.Wo habt ihr euer Schwert?

Ritter.— — Ihr seyd ein Schroll.So lange diese Faust noch Nerven hat,Und diese Nägeln Schärfe, soll kein SchwertMich eh’ umgürten. Jene gab mir Gott,Und dieses ein gemeiner Handwerksmann.

Ritter.— — Ihr seyd ein Schroll.

So lange diese Faust noch Nerven hat,

Und diese Nägeln Schärfe, soll kein Schwert

Mich eh’ umgürten. Jene gab mir Gott,

Und dieses ein gemeiner Handwerksmann.

Commiss.Erzählt mir doch, was ihr gethan.

Commiss.Erzählt mir doch, was ihr gethan.

(Der Held drückt durch stumme Geberden aus, daß er erwürgt, und mit Füßen ertreten.)

Commiss.Was sprecht ihr nicht?Ritter.— — Was unaussprechlich ist,Beschreibt man nicht mit Sprache.Commiss.— — Großer Mann!Neigt euer Haupt, daß ich euch kröne; tiefer!

Commiss.Was sprecht ihr nicht?Ritter.— — Was unaussprechlich ist,Beschreibt man nicht mit Sprache.Commiss.— — Großer Mann!Neigt euer Haupt, daß ich euch kröne; tiefer!

Commiss.Was sprecht ihr nicht?

Commiss.Was sprecht ihr nicht?

Ritter.— — Was unaussprechlich ist,Beschreibt man nicht mit Sprache.

Ritter.— — Was unaussprechlich ist,

Beschreibt man nicht mit Sprache.

Commiss.— — Großer Mann!Neigt euer Haupt, daß ich euch kröne; tiefer!

Commiss.— — Großer Mann!

Neigt euer Haupt, daß ich euch kröne; tiefer!

(Der Held neigt sich sehr tief; der Commissär setzt ihm die Kappe auf, und der Held geht unter der Begleitung des Alguazil mit stolzen Schritten ab.)

Commiss.Wahrhaftig, edler Freund, die Narren sindSo zahlreich hier, daß meine KappenzahlMir nicht auf heute hinreicht; lass’ er mirDen Schneider kommen, — wenn er nicht ein Narr ist.Indessen trinken wir vergnügt und klugDen Malaga, und essen unser Brot.

Commiss.Wahrhaftig, edler Freund, die Narren sindSo zahlreich hier, daß meine KappenzahlMir nicht auf heute hinreicht; lass’ er mirDen Schneider kommen, — wenn er nicht ein Narr ist.Indessen trinken wir vergnügt und klugDen Malaga, und essen unser Brot.

Commiss.Wahrhaftig, edler Freund, die Narren sindSo zahlreich hier, daß meine KappenzahlMir nicht auf heute hinreicht; lass’ er mirDen Schneider kommen, — wenn er nicht ein Narr ist.Indessen trinken wir vergnügt und klugDen Malaga, und essen unser Brot.

Commiss.Wahrhaftig, edler Freund, die Narren sind

So zahlreich hier, daß meine Kappenzahl

Mir nicht auf heute hinreicht; lass’ er mir

Den Schneider kommen, — wenn er nicht ein Narr ist.

Indessen trinken wir vergnügt und klug

Den Malaga, und essen unser Brot.

(Der Wirth und der Commissär gehen ab.)

Nun traten wieder die drey Guitarrspieler auf, und sangen folgende Weise:

Das ist so der Welten Lauf:Jeder nähret Grillen;Einer mutzt den andern auf;Alle möchten trillen.Haltet diesem TadlerchorEin Mahl doch den Spiegel vor;Sie — die Weise waren,Sehen selber Narren.

Das ist so der Welten Lauf:Jeder nähret Grillen;Einer mutzt den andern auf;Alle möchten trillen.Haltet diesem TadlerchorEin Mahl doch den Spiegel vor;Sie — die Weise waren,Sehen selber Narren.

Das ist so der Welten Lauf:Jeder nähret Grillen;Einer mutzt den andern auf;Alle möchten trillen.Haltet diesem TadlerchorEin Mahl doch den Spiegel vor;Sie — die Weise waren,Sehen selber Narren.

Das ist so der Welten Lauf:

Jeder nähret Grillen;

Einer mutzt den andern auf;

Alle möchten trillen.

Haltet diesem Tadlerchor

Ein Mahl doch den Spiegel vor;

Sie — die Weise waren,

Sehen selber Narren.

Der Vorhang fiel, und die ganze Gesellschaft äußerte ihren Beyfall mit lautem Händeklatschen. Leonardo, dem es gewaltig schmeichelte, zeigte sich bald, und erntete sein Lob ein. Besonders überhäufte ihn Louise damit, und alle ersuchten ihn, bald wieder ein kleines Stück zu verfassen, was er auch mit Mund und Hand versprach. Louise gab jedem Schauspieler zwanzig Realen, und Antonio lud sie auf den folgenden Tag zu sich zu Tische.

Louise war diesen Abend so nachsichtig, daß sie selbst über einen kleinen Schmatz, den er ihr zu rauben wagte, nicht ungehalten war. Um Antonio mit einer angenehmen Gegenunterhaltung zu überraschen, beschloß die weibliche Gesellschaft, ihm über acht Tage ein kleines Stück in demselben Saal’ aufzuführen, das sie schon vorlängst einstudiert hatte, und dessen Vorstellung nur durch den unvermutheten Tod Don Fernando’s gehindert worden war. Daß sich Louise die Hauptrolle vorbehielt, versteht sich von selbst. Der Tag der Vorstellung kam; die Gesellschaft war schon versammelt, und es fehlte nur mehr Antonio, als plötzlich Leonardo erschien, und Louisen meldete, daß sein Herr von dem Präsidenten des hohen Rathes in Geschäften Seiner Majestät abgerufen worden sey, und daß es ihm ungemein leid thue, eine so vortreffliche Gesellschaft und Unterhaltung entbehren zu müssen, und daß er ihn deßhalben mit zweyen seiner Freunde geschickt habe, um mit ihnen dem Schauspiele beyzuwohnen.

Louise bezeigte ihr Mißvergnügen über seine Abwesenheit, und die Komödie ward aufgeführt. Die Vorstellung war ein Meisterstück von Lebhaftigkeit: sie waren alle prächtig, und Louise als Mann gekleidet. Mogrobejo übertraf sich selbst an Munterkeit und Witz. Als sie schon alle wieder ihre vorige Kleidung anhatten, kam Antonio erst vom Präsidenten zurück, und war äußerst unmuthig, daß er das schöne Schauspiel versäumet habe, das ihm Leonardo und seine Freunde so reitzend schilderten. Nur Louise hatte ihr Mannskleid noch nicht abgelegt, um ihn an der Thür zu überraschen. Es ließ ihr so wunderschön, daß Antonio den holden Knaben nicht genug angaffen konnte. Louise bedauerte sehr, daß sie ihn vermißt habe, und gab ihm endlich ihr Wort, daß sie ihm wieder über acht Tage, in der Quinta des Connetable, ein anderes Stück geben wolle; nun treffe aber wieder ihn die Reihe, das Fest anzuordnen. Sie wußte wohl, daß er sich prächtig einstellen werde, und er nahm auch den Befehl mit Freuden an. Sie würden dann alle bey ihm ein kleines Abendschmäuschen halten, sagte er, und sie solle ihm nur auf einem kleinen Zettel anmerken, was sie zum Schauspiele vonnöthen habe. Er erhielt bey dem Besuche am nächsten Abend’ ein vollständiges Verzeichnis von Kleidungsstücken von sechs Personen: das Stück, das Mogrobejo in der Eile verfaßte, spielte in der Heldenzeit, und die Personen waren alle Prinzen und Prinzessinnen. Louise spielte einen jungen Helden, dem die Sclaven eine reiche Beute nachtragen. Am Ende des Zettels waren Federn, Ringe undfalscherSchmuck nur hingeworfen. Louise hatte vorsetzlichfalscherSchmuck geschrieben, weil sie gar nicht zweifelte, daß er wenigstens für ihre Person echten ausborgen würde.

Antonio mußte freylich täglich vor dem Rath’ erscheinen; indessen war doch aller Anschein, daß er denselben Tag würde los kommen können, und ließ denn den Saal, Erfrischungen, Abendschmäuschen, nebst allem übrigen, was zum Feste gehört, bereit halten.

Zwey Tage vor dem, der zum Schauspiele bestimmt war, schickte der Genueser die ganze Guarderobe. Louise hatte vermuthet, daß er höchstens die schönsten Kleider, die man allenfalls bey einemTrödler bekäme, ausborgen würde; er hatte aber zu ihrer allen größtem Erstaunen alles ganz neu verfertigen lassen. Alles war von Atlaß, Sammet, Taffet, oder anderem Seidenstoffe, und reich mit Gold und Silber verbrämt. Federn, Schnällchen, Blumen, Ketten und Ringe waren in Überfluß, und für Louisen versprach er den Schmuck, der sie zieren sollte, des Abends selbst mitzubringen. Er brachte auch wirklich den Schmuck mit, den ihm seine selige Gattinn hinterlassen hatte, und erklärte mit einem bedeutungsvollen Lächeln, daß er ungemein neugierig sey, wie Louisen dieser Schmuck seiner seligen Frau passen werde. Louise überhäufte ihn diesen Tag mit so vielen Liebkosungen, und wußt’ ihm dabey doch so sittsam zu schmeicheln, daß er seiner Hoffnung immer freyeren Spielraum ließ. Zwischen den zwey Tagen, bis zur Aufführung des Schauspiels, war unsere Gesellschaft gar nicht müßig, und Theodore machte Anstalt, daß in den beyden Nächten alles, was von Bedeutung im Hause wäre, aufgeräumt, undanders wohin in Sicherheit gebracht würde. Der Tag des Schauspiels erschien; Antonio’s Bediente waren schon in der Quinta, und bereiteten alles. Der Genueser war, um Zeit zu gewinnen, auf einem Maule in den Rath geritten. Theodora, ihre Töchter, Banuelos und Mogrobejo setzten sich in ihre Kutsche, nahmen allen Schmuck, und die ganze Guarderobe mit sich, und fuhren, anstatt zu Alcalathore hinaus, in ein kleines Häuschen, in Quartiere Santa Barbara, das Mogrobejo vorläufig gemiethet hatte. Hier nahmen sie augenblicklich andere Kleider; Mogrobejo führte den Wagen zu einem Sattler, um sein Äußeres so geschwind’ als möglich ändern zu lassen. Die Pferde wurden auch heimlich untergebracht; und um noch sicherer zu seyn, theilte sich unsere Gesellschaft in die ursprünglichen zwey Parteyen; die eine begab sich nach Illescas, und die andere nach Valdemoro. Sobald unser Genueser von dem Rath’ abgefertigt war, trappte er frohes Muthes, und in den schönsten Aussichten von der Welt, der Quinta zu. Er fand niemanden,als seine Bedienten, und die drey Köche, die er bestellt hatte, fragte nach den Damen, und als er hörte, daß sie noch nicht da wären, war er sehr unruhig; denn er dachte nichts anderes, als daß ihnen irgend ein Unglück begegnet seyn dürfte. Er stieg denn wieder auf seinen Maulesel, stieß ihm mit den Knien fleißig in die Lenden, und kam sehr geschwinde bey Louisens Haus’ an. Er fand die Wohnung gesperrt, erkundigte sich bey den Nachbarn, und vernahm, daß die ganze Familie schon abgefahren sey. Er kam nun auf den Gedanken, daß sie ihre Freundinnen abgehohlt haben würden, und so blieb ihm nichts übrig, als in der größten Verlegenheit, daß nun er vielleicht auf sich warten ließe, nach der Quinta zurück zu eilen. Er fand aber noch niemanden, und wußte nun nicht, was er von diesem langen Ausbleiben denken sollte. Er wartete bis neun Uhr in der peinlichsten Ungeduld, und es war noch niemand zu sehen und zu hören. Endlich trat ein Bedienter ein, und gab Antonio einen Brief, den ihm, wie er sagte, am Thor’ ein Unbekannter gegeben habe. Er brach ihn zitternd auf, und las:

„Bester Antonio, seyn Sie nicht bekümmert, daß Sie Ihre Nachbarinnen nicht finden; sie sind an einem Orte, wo man sie unmöglich finden kann. So viel für jetzt.“

Der Genueser stand da, wie vom Donner gerührt; er gerieth endlich in fürchterliche Wuth, und schwor allen, wenn sie ihn betrogen hätten, Tod und Verderben. Seine Bedienten mußten ihn wie einen Tieger bändigen, brachten ihn in den Wagen, und führten ihn nach Madrit. Auf dem Wege besänftigte er sich wieder etwas, und schloß aus den letzten Worten des Briefes: „So viel für jetzt,“ daß es vielleicht nur ein Scherz sey, und daß sie ihn vielleicht in seinem Hause erwarteten; er war aber nur zu bald vom Gegenteile überzeugt. Louisens Wohnung war auch noch versperrt, und er wartete nun am Hausthore bis lange nach Mitternacht, ob er ihre Ankunft nicht erwarten könnte; aber niemand kam. Er schlief die ganze Nacht nicht eine Secunde, und ließ sich mit Tages Anbruche bey LouisensHausherrn, der noch im Bette lag, melden. Von diesem vernahm er denn, daß ihm Louise Tages zuvor die Schlüssel der Wohnung zurück gestellt, und ihm gesagt habe, daß sie sich Geschäfte halber nach Toledo begeben habe.

„Sie hat Ihnen aber ja die tausend Reale bezahlt,“ sagte Antonio.

„Was für Reale?“

„Die Jahresmiethe für die Wohnung.“

„Die Jahresmiethe? Die Wohnung war ja nur auf zwey Monathe gemiethet.“

„Wie sagen Sie?“ schrie Antonio, und war im ganzen Antlitze scharlachroth.

„Ich bin aber auch für diese zwey Monathe nicht bezahlt,“ sagte der Hausherr, „und Sie werden belieben, mich zu bezahlen.“

„Wer? Ich?“ schrie Antonio, und erstickte beynahe vor Wuth.

„Ja, Sie,“ sagte der Hausherr; „Sie werden doch nicht läugnen, daß die Dame bey Ihnen Gelder stehen hat; daß dieß hier Ihre schriftliche Anweisung ist?“

„Diebe! Mörder!“ schrie Antonio, und packte den Hausherrn bey der Brust,faßte sich aber doch gleich wieder, und sagte: „Vergeben Sie einem unglücklichen Manne, den man zum Bettler gemacht hat. Man hat Sie betrogen, wie mich. O ich Thor! ich Rasender! ich Narr! ich alter Sünder,“ — bey jedem dieser Titel schlug er sich mit geballter Faust vor die Stirn — „nun bin ich ein Bettler, bin auf ewig unglücklich.“

So weit war es eben nicht gekommen; indessen hatte ihn die schöne Wittwe, die nun wieder Jungfrau geworden war, nebst den sechs tausend Thalern, die ihr Grimaldi angewiesen hatte, um mehr als zwölf tausend Escudo’s geprellt. Der arme Antonio eilte zu dem Richter, schickte die Alguazils nach allen zwey und dreyßig Winden aus; aber alles Nachsuchen war vergebens. Nach acht Tagen hatte man noch nicht die geringste Spur, und nun erhielt er, um ihn vollkommen zu Verzweiflung zu treiben, die Nachricht, daß sein einziger Sohn zu Genua auf den Tod läge, und ihn um den letzten väterlichen Segen bitte. Er reiste denn mit dem festen Vorsatz’ ab, nach seines Sohnes Tod’ oder Genesung eine kleine Reise durch die ganze Welt zu machen, um die Schlange irgend wo zu finden und zu zertreten.


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