Kapitel 13

Kapitel 13

Droben im Walde stand ein uraltes, verwittertes Heiligenbild. Es wußte niemand, wer es da hingestellt, wußte niemand mehr, ob es aus Freud' oder Leid geschehen, ob es ein Dank sein sollte oder eine Bitte, ob eine fromme Seele es errichtet habe oder einer, dem eine Schuld im Herzen schrie.

Es stand da die Jahrhunderte hindurch. Und der Frühling stellte seine Blüten rund umher; die Sommersonne vergoldete den grauen Stein; an seinem Fuße legten sich die Käfer schlafen zur Herbsteszeit ins grüne Moos, und wenn die Weihnachtsglocken aus dem Tale klangen, flimmerten Eis und Schnee um das alte Bild, wie auf dem Altar in der Kirche weiße Decken undglänzende Steine. Manchmal zog ein einsamer Wanderer die Mütze ab vor dem alten Bilde. Das ist kein Götzendienst, wenn ein Mensch das Haupt entblößt an so ehrwürdigem Orte, wo so viel Leid und Lust ausgerungen wurden, so viel Friede und Andacht, aber auch so viel Kampf und Reue zu Hause waren seit langen Jahren.

An diesem Heiligenbilde kniete Liese Berger. Der Abend war nicht weit. Da lag ein roter, verklärender Schein über ihr und dem grauen Stein. Von fern sangen ein paar Vögel. Sonst war alles still. Und der Wald blühte über ihr.

Ein langes, stummes Gebet lag in den Augen des Mädchens, ein Gebet voll Qualen. Aber wie sie auf das Bild hinschaute, wurden ihre Augen stiller.

»Wenn es eine Sünde war, verzeih' es mir, heilige Mutter Gottes!«

Das Bild gab keine Antwort; aber in die Augen der Betenden kam Friede. –

Es stand einer von fern. Er war der Liese heimlich nachgegangen. Mathias, ihr Vater.

Er störte sie nicht – o nein! Er wußte, was sie betete. Er wußte, daß es ein Totengebet war für seine und ihre liebste Lebenshoffnung.

Jetzt erhob sie sich und sah ihn. Ein wenig erschrak sie, aber er ging auf sie zu und nahm sie in seine Arme.

»Liese!«

Kein Wort redeten sie. Sie standen ganz still. Ein Vogel, der auf dem Aste saß, hielt inne in seinem Liede, neigte das Köpflein zur Seite und schaute die beiden verwundert an. Und als sie endlich fortgingen, flog er hinüberzum Heiligenbild, wo sein Weiblein im Neste saß, und erzählte ihr, daß es Menschen gäbe, die ganz still stehen und nicht reden. Das Weiblein zwinkerte ihn verständnisvoll an und wies mit dem Schnabel hinab auf das zerdrückte Gras vor dem Bilde.

Und dann sprachen sie von ihren eigenen Sorgen. –

Die beiden Menschen aber gingen schweigend den Bergpfad hinab. Nach einer Weile blieb die Liese stehen.

»Vater, ich will ins Kloster gehen!«

Er erschrak wie vor einem Blitz.

»Mädel!«

Sie klammerte sich an seinen Arm.

»Es ist nicht – es ist ja nicht erst seit gestern – es ist viel länger, ich hab's schon immer gedacht, schon als Schulkind – aber jetzt – Vater, ich will gern ins Kloster!«

»Nein, Liese! Auf keinen Fall! Das geb' ich nicht zu!«

Sie senkte den Kopf. Er aber schlang erschüttert den Arm um ihre Schulter.

»Deswegen nich, Liese! Meine Einzige! Nein, eher will ich –« Die Sprache versagte ihm.

»Es ist ja nicht bloß deswegen, Vater!«

»Ja! Ich weiß schon! Ich weiß genau! Nein, Liese, das geb' ich nich zu. Eher ziehn wir weit fort! Du bist mir die Nächste. Das kann nich sein! Deswegen nich!«

Stumm ging die Liese neben dem Vater her.

»Meinst Du, daß ich's nicht mehr wert bin?«

»Nich wert? Du, mei' frommes, goldenes Kind, Du! Aber mei' Tochter, 's kann ja alles noch gut werden. 's is ja doch nischt weiter passiert, es kann ja alles noch werden.«

Sie sah ihm hell in die Augen und schüttelte den Kopf. Dabei sagte sie ruhig: »Nein, es ist vorbei!«

»Es is nich vorbei! Wieso denn?«

»Wenn a mich auch noch wollte – jetzt wollt' ich nich mehr!«

Er sah sie erschüttert an.

»Wir sind nich füreinander! Ich weiß jetzt. Es war unrecht von mir, daran zu denken, und ich will schon lange ins Kloster.«

»Liese, ich geb's nich zu!«

»Warum nicht, Vater? Ich hab's da ganz gut. Ich geh Kranke pflegen, das tue ich gern. Da kann ich was nützen. Und ich bin vielleicht ganz glücklich. Und so – wenn ich in der Welt bleib'?«

Er sagte nichts mehr. Die stillen Frauen tauchten vor seiner Seele auf, die Siegerinnen, die in sich die Welt überwunden haben. Es liegt alles hinter ihnen, was die Menschenkinder erregt: sie wollen kein Geld, keinen Ruhm, kein Vergnügen, keine Bequemlichkeit, keine irdische Liebe. Sie wollen nur das Gute. Vielleicht, daß eine hie und da mit sich kämpft; die meisten haben Frieden. Und gegen den Frieden ist doch alles andere armer Tand.

Und wenn die Liese in der Welt blieb ohne Beruf, ohne Liebe, ohne Frieden?

Vielleicht, daß es ihr gut wäre im Kloster, vielleicht!

Aber er? – Aber er! –

»Liese, wir wollen weder »ja« noch »nein« sagen; wir wollen abwarten, noch lange abwarten.«

Vom Dorfe herauf nach dem Buchenkretscham zu kamen der junge Riedel und der Barbier.

»Wenn wir's ins Reine bringen, fünfzig Taler sind Deine,« sagte Riedel.

»So leicht wird's gar nich sein,« meinte der Barbier, »Du hast a alten Schräger schon zu ofte geärgert. Und dann der Raschdorf!«

»Quatsch' nich, Mensch! Mehr wie fünfzig Taler gibt's nich! Das mit'm Raschdorf is Mumpitz. Die Schräger Lotte und der Raschdorf! So was gibt's nich. Da red' mir nischt vor.« – – –

Schräger war allein. Er war bereits wieder nicht mehr nüchtern. Die beiden eintretenden Männer grüßten und bestellten sich etwas.

»Na, man hört ja schöne Dinge,« fing der Barbier an.

»Was, schöne Dinge?« fragte Schräger stupid.

»Nu, von der Lotte. Seit wann fährt'n die mit'm Raschdorf Heinrich spazieren?«

»Ja, seit wann fährt'n die mit'm Raschdorf Heinrich spazieren?« wiederholte Riedel spitzig.

»Weeß ich nich,« sagte Schräger pomadig und trank einen Schnaps.

»Weeß a nich,« sagten die anderen beiden gleichzeitig und sehr betroffen.

»Ja, kümmerst Du Dich denn nich drum, Schräger, wenn Dei' Mädel zum Spektakel mit 'm Raschdorf in der Welt rumfährt?«

»Nee,« sagte Schräger, »mir is alles ganz piepe. Ganz egal is mir alles! Hol' alles der Teifel! Prost!«

»Der Kerl is besoffen,« sagte der Freiersmann leise.

»Sag' mal, Schräger, das kann Dir doch nich egal sein. Die Leute im Dorfe reden ja riesig. Sie sagen, die Lotte hat mit 'm Heinrich a Verhältnis.«

»Verhältnis? Weeß ich nich! Kann sein! Kann schon sein! Is mir alles Wurst!«

Riedel und der Barbier sahen sich ratlos an.

»Nu, Schräger, Du bist wohl nich gescheit? Du wirst doch nich zugeben, daß der Raschdorf mit der Lotte a Verhältnis hat? Du bist wohl verrückt?«

»Nee, ich bin gar nich verrückt! 's is ganz gutt so. Kommt alles zusammen, alles zusammen. Is alles gutt! Freut mich! Freut mich wirklich!«

Er rieb sich die Hände.

»A is wirklich verrückt geworden,« sagte Riedel.

»Ich werd' Dir was sagen, Schräger,« fing der Barbier in scharfem Tonfall an. »Du bist a Schafskopp! Der Raschdorf denkt gar nich an die Lotte, der hat 'ne ganz andere. Und Du kannst Dir mit solchem blödsinnigen Getue bloß Läuse n a Pelz setzen. Wenn das rauskommt, daß Du uff a Raschdorf spekulierst, da –«

»Was da?«

»Na so und so –«

»Was so und so?«

Der Wirt wurde etwas nüchterner.

»Na, ich will ja nich zuviel sagen; aber das weißte vielleicht, daß der Mathias gesagt hat, Du spekulierst drauf, daß die Güter zusammenkommen, und hättest deswegen a alten Raschdorf so reingebracht.«

Schräger fuhr wütend auf.

»Der Teifel hol' a Mathias; ich spekulier' nich! Hab' ich nie gemacht! Das is Schwindel!«

»Ja, aber die Leute werden's sagen; sie werden jetzt 'm Mathias recht geben –«

»Wer? Wer? Ich verklag' 'n!«

»Kannste nich! Und dann, wenn wirklich was draus würde, da tränk' keen Mensch mehr bei Dir für fünf Pfennige Schnaps. Mit a Buchenhofleuten will niemand was zu tun haben.«

Der Wirt glotzte die beiden an. Er wollte etwas sagen, schimpfen, abstreiten, aber schließlich wandte er sich ab und trat ans Fenster.

Heute früh, als er ausgeschlafen hatte und sich der Vorkommnisse vom vorhergehenden Tage bei nüchternem Geiste erinnerte, war er zuerst in Wut geraten und hatte großen Spektakel schlagen wollen. Aber dann, als er sich alles genauer ausmalte und auch unterdes wieder viel Schnaps getrunken hatte, war ihm urplötzlich seine alte, längst aufgegebene Lieblingsidee wieder eingefallen: die beiden Buchenhöfe miteinander zu vereinigen. Es war seit Jahren der erste Gedanke gewesen, der ihn aus seiner Säuferlethargie aufrüttelte und etwas wie eine frohe Begeisterung über ihn brachte.

Zwar die Sache schien auch ihm wahnwitzig, er wußte ja auch nichts Bestimmtes, nur den kurzen Bericht der alten Stenzeln, und so beschloß er, der Sache freien Lauf zu lassen. Jetzt kamen diese beiden und verdarben ihm den Plan. Er wandte sich um.

»Was habt Ihr eigentlich? Sie is a Stückel mit ihm gefahr'n. Weiter nischt!«

»Ja, und a hat's Pferd nich gehalten, wie sie abstieg. A feiner Kutscher is a, das wissen wir alle. Aber wie a sie heimgebracht hat, wie a sie um a Hals gehabt hat –«

»Schwindel! Halt's Maul!«

»Wir wissen's! Und alle Leute wissen's!«

Der junge Riedel sprang auf.

»Herr Schräger, es – es muß raus! Ich bin der Lotte gutt, sie gefällt mir, wenn sie auch das Arbeiten nich gelernt hat, und ich wollte heute – heute anfragen, wie's denn wär', wenn wir a Kram zusammenschmissen; aber wenn die Leute so reden, und wenn Sie nischt dagegen haben, und wenn so 'ne Wirtschaft hier is, da – da könnt's sein, ich besänn' mich noch anders.«

Schräger wurde krebsrot.

»Riedel! Pauerjunge! Denkste, das laß ich mir gefall'n? Das soll wohl 'ne Brautwerbung sein? Besänn a sich noch anders, der Schafkopp! Hab' ich dazu gespart und gearbeit't und die Lotte so viel lern'n lassen, daß mir so a Lausejunge so kommt? Mir, 'm Vater? Raus!«

»Menschenkinder, vertragt Euch, vertragt Euch!« beschwor der Barbier.

»Raus!« brüllte Schräger.

Der junge Riedel kochte vor Wut.

»Behalt' sie!« schrie er. »Behalt' sie! Pack schlägt sich, Pack verträgt sich.« Damit war er hinaus. Der Begleiter folgte ihm.

Schräger war wieder allein. Ein paarmal ging er durch die Stube und sprach vor sich hin. Dann sank er auf einenStuhl. Er wollte nachdenken. Es ging aber nicht. So holte er sich Schnaps und trank.

Allmählich flaute seine Erregung ab.

Eigentlich war's dumm, daß er den Riedel hinausgeworfen hatte. Der Riedel hatte Geld.

Aber Raschdorf hatte mehr. Viel mehr! Und die Ziegelei! Und die Höfe kamen zusammen!

Die Höfe! – – – Wenn er nur nicht Raschdorf hieß!

Ein Frösteln kam den Säufer an.

Der Sohn von dem anderen!

Manchmal kam er ja noch – der andere – in der Nacht, manchmal, wenn Schräger zu wenig getrunken hatte, oder wenn er krank war und nicht schlafen konnte.

Der Sohn! War das möglich? Würd's da besser mit ihm werden oder schlechter? Würde er sich mehr fürchten oder weniger? Damals, als der junge Raschdorf zur Steuer gewesen war, hatte Schräger in der Nacht gut geschlafen. – –

Und auftrumpfen läßt er sich nicht! Und nichts auf die Lotte sagen, nichts! Auch nicht auf den Jungen! Es sind die Kinder! Er hat's danach; er braucht sich und den Kindern nichts sagen zu lassen! Wieder ringt er nach einem klaren Gedanken, will einen bestimmten Vorsatz fassen. Es ist nicht möglich, es bleibt alles verworren. Er trinkt, und dann spricht er wieder mit sich selbst. Alles durcheinander. Manchmal gegen den Riedel, manchmal gegen den Raschdorf. Zuletzt lallt er:

»Hol' der Teifel! Egal, ganz egal! Aber Geld muß sein! Geld!« Und er greift nach der Rumflasche.

Es war Abend. Droben im Krankenzimmer lag die Lotte mit roten Wangen. Sie sah immer nach der Uhr und betrachtete mit qualvoller Ungeduld, wie träge die Zeiger weiterrückten. Jetzt schlug die Uhr neunmal.

Die alte Stenzeln rührte sich nicht vom Platze und bastelte an ihrem Strickstrumpf.

»Es ist neun, Stenzeln,« sagte die Lotte stockend.

»Ja, ja,« erwiderte die Alte, »die Zeit vergeht.«

Sie vergaß es. Wenn er jetzt kam und die Stenzeln nicht traf!

»Stenzeln. Es ist mir doch, als ob Ihr gestern gesagt hättet, um neun wollte der Raschdorf Heinrich –«

»Jesses, das hätt' ich vergessen! Na, die Uhr geht ja a bissel zu zeitig. Will ich doch gleich runter.« Sie ging.

»Stenzeln! Sagt ihm doch, ich – ich ließ mich bedanken, daß er mich heimgebracht hat, und daß er den Doktor geholt hat.«

»Werd's ausrichten!«

»Stenzeln! Fragt ihn doch auch, ob nicht seine Leute – ob sie nicht böse gewesen sind – ja?«

»Was sollen sie böse sein? Aber ich werd's ausrichten.«

»Stenzeln! Und dann, ich laß ihn wieder schön grüßen. Das muß ich doch, Stenzeln, nicht wahr?«

»Ja, freilich! Sonst noch was?«

»Nein! Geht nur schnell, daß Ihr ihn nicht verpasset.«

Die Stenzeln ging, und Lotte horchte hinab. Ihre Wangen brannten und ihre Augen waren weit geöffnet. Langsam verrann die Zeit. Wenn sie aufkönnte, ein einziges Mal ans Fenster könnte! Aber sie durfte sich ja nichtrühren. Jetzt war eine ganze Viertelstunde vergangen. Wo nur die Stenzeln blieb? Hatte er sich verspätet? Oder hatte er ihr so viel zu sagen? So viel? – –

Die Stenzeln stand etwas abseits von der Haustür und hielt Umschau. Es war niemand zu sehen. Das Tor und die Tür vom Buchenhof waren geschlossen. Es war auch drüben in keiner Stube mehr Licht.

Wo blieb er? Der Stenzeln wurde die Zeit lang, und sie lief die Straße ein bißchen auf und ab und guckte sich um. Da kam jemand. Es war der Barbier.

»Ah – Stenzeln! Ich denke, Sie haben Krankenwache? Da steht man doch nicht auf der Straße und guckt sich um, als wenn wunder jemand kommen sollte?«

»Das geht kein'n Menschen was an! Und auf Sie hab' ich nich gewart't.«

»Das glaub' ich. Nur nicht gleich so ruppig, Großmutter! Ich wunder mich halt. Wie geht's der Lotte?«

»Schlecht!«

»Großmutter, Sie sind zwar 'ne stachelige Distel, aber wenn's Ihn'n recht is, wart' ich a bissel mit hier.«

»Nö! Ich brauch' niemanden. Ich schnapp' bloß a bissel Luft. Gehn Sie nur rein und löschen Sie Ihren Durst! Hier sein Sie a sehr überflüssiges Möbel! Gehn Sie rein!«

»Denke ja nich dran! Ich bin neugierig, auf wen Sie warten. Woll'n Sie etwa gar wieder heiraten und warten auf a Schatz?«

»Altes Schandmaul! Wissen Sie was? Jetzt geh' ich rein. Sie verderben mir die Luft, Sie windige Seifenblase!«

»Nu, so 'ne alte Säge! Hör'n Sie mal, Großmutter, ich will Ihn'n noch was sagen. Im Dorfe wird riesig gered't über a jungen Raschdorf und die Lotte –«

»Mögen sie reden! Der Schlimmste is jetzt nich dabei. 's böseste Maul is jetzt nich im Dorfe.«

»Hör'n Sie mal, Großmutter, warten Sie doch noch 'n Schlag! Es tut mir leid um die Lotte, denn der Raschdorf bringt sie bloß ins Gerede, na, und a is doch so gutt wie verheirat't mit der Liese.«

»Mit wem?«

»Nu, mit der Berger Liese. Na, Stenzeln, wissen Sie das nich?«

»Sie sind wohl beduselt?«

»Nu, was is da so zu wundern? Denken Sie, der alte Mathias hat was umsonste gemacht? Der hat nich schlecht spekuliert. Na, und der Heinrich, der kann ja gar nich anders, den hält doch der Mathias feste. Großmutter, na, warten Sie doch – – Fort is se, die alte Schwarte!«

»Nun, Stenzeln, Sie waren so lange?«

»Ja! A is nich gekommen.«

»Nicht gekommen? Ist das möglich?«

»A war nich da! Vielleicht hat a's vergessen.«

»Vergessen?«

»Lotte, 's beste is, ich geh nich mehr runter. 's hat ja kein'n Zweck. 's kann mich auch jemand erwischen. Heute hat mich schon der Bader gesehn. Der hat gesagt, die Leute reden über Dich und über a Raschdorf Heinrich, und der wär' doch so gut wie verheirat't mit der Liese.«

»Was? – – Mit wem? – – Stenzeln! Ooh!«

»Was is denn, Lotte, was schreiste denn?«

»Ach, mein Fuß – mein Fuß tut mir weh!«

»Der Fuß? Aber a liegt richtig! Na, 's beste wär' schon gewesen, Du hätt'st a Heinrich nich getroffen. Das tut amal nischt Guttes. Na, und da hat ja der Barbier recht, 'm Berger Mathias is es der Raschdorf schuldig, denn dem verdankt a ja alles.«

»Ja! – Ja, Stenzeln! – Es ist genug! – – Ich will schlafen! Seid jetzt ganz stille – ich bin so sehr müde!«


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