Kapitel XXIII.

Als Sir Henry Clinton im Juni 1780 von Charleston absegelte, befanden sich zwei hessische Regimenter bei der Besatzung, die er zurückliess; und bald nachher kam noch ein drittes Regiment hinzu, welches von Savannah dorthin befördert wurde. Einen Bericht über eine Teilnahme dieser Regimenter an dem Feldzug, den Lord Cornwallis in Süd- und Nord-Carolina führte, kann ich nirgends finden. Am 16. August 1780 war die amerikanische Armee unter General Gates bei Camden vereinigt; am 18. überfiel Tarleton eine Truppen-Abteilung unter Sumter. Sechs Wochen später hatte sich das Blatt durch das glänzende Gefecht bei Kings Mountain gewendet, in welchem ungefähr 1400 Hinterwäldler einen Berg umzingelten und erstürmten, der von einer gleichen Zahl von britischen regulären Truppen und Provincials besetzt war; zwei Fünftel davon wurden getötet oder verwundet, der Rest gefangen genommen.

LORD CORNWALLIS'S OPERATIONEN IM SÜDEN. 1781.

Im Oktober 1780 begab sich General Leslie mit mehreren englischen Regimentern, dem hessischen Regiment von Bose und einem Detachement von 100 Jägern von New-York nach den Süd-Staaten. Sie landeten in Portsmouth in Virginien, verliessen diesen Ort aber bald wieder, um nach Charleston abzurücken, wo sie gegen Ende des Jahres eintrafen.

Mit diesen Verstärkungen zur Hand, brach Lord Cornwallis von Wynesborough, westlich von Camden, auf und marschierte gegen General Greene, der auf Washingtons Wunsch zum Nachfolger von Gates ernannt worden war. Die britische Armee war ungefähr 3500 Mann stark. Auf die Nachricht, dass Morgan mit einem detachierten Korps auf der Südseite des Broad-River stand, beschloss Cornwallis, ihn von Greenes Hauptarmee abzuschneiden. Zu diesem Zwecke detachierte er Oberstlieutenant Tarleton mit ungefähr 1000 Mann. Tarleton sollte Morgan in der Front angreifen, während Cornwallis sich am linken Ufer des Broad-River entlang ziehen und die zurückgehenden Amerikaner gefangen nehmen wollte. Tarleton stiess am Morgen des 17. Januar 1781 auf Morgan. Ohne die Entwickelung seiner Truppen abzuwarten, warf sich der tapfere Kavallerie-Oberst auf den verachteten Feind. Die amerikanische Miliz, die die erste Linie bildete, wich zurück.Die zweite Linie, hauptsächlich aus Continentals bestehend, blieb stehen. Tarleton gab Befehl, dass seine Reserven vorgehen sollten. Die Amerikaner gingen zurück, machten aber wieder Front und überschütteten den Gegner mit einem heftigen und wohlgezielten Feuer. Dieser unerwartete Widerstand brachte die Briten in Unordnung. Sie schwankten. Zwei Kompagnien Virginia-Miliz machten einen Bajonnet-Angriff. Die Briten wichen auf allen Seiten zurück. Tarleton sammelte ungefähr 50 Reiter und brachte für einen Augenblick die Verfolgung zum Stehen. Der grösste Teil der britischen Infanterie wurde gefangen genommen, nur die Kavallerie entkam; und die Baggage wurde zerstört. Die Amerikaner machten ungefähr 500 Gefangene; ungefähr 100 Engländer fielen. Der amerikanische Verlust belief sich nicht über 75 Mann. Zwei Fahnen, zwei Geschütze, 35 Wagen, 300 Gewehre und 100 Pferde fielen in Morgans Hände. Die Geschütze waren bereits vorher genommen worden, einmal von Gates bei Saratoga und dann von Cornwallis bei Camden. Morgans Gefecht, das beinahe in der Wildnis geführt wurde, ist nach dem Orte Cowpens benannt worden, einem Orte, wo die Einwohner dieses Landstriches ihr Vieh zusammentrieben und einsalzten.

Bald nach diesem Siege wurde General Morgan von Rheumatismus befallen und gezwungen, den Abschied zu nehmen.

Nicht viele, die im Revolutionskriege gedient haben, haben ihrem Lande bessere Dienste geleistet wie er. Es wird eine Geschichte erzählt, dass er sich bei Winchester in dem Thal von Virginia ein Haus baute, und zwar aus Steinen, welche die hessischen Gefangenen meilenweit auf ihren Schultern hergeholt haben sollen. Diese Geschichte ist nicht unmöglich, ich habe sie aber in keiner deutschen Quelle bestätigt gefunden.

Cornwallis war enttäuscht, aber nicht mutlos gemacht durch die Niederlage seines fähigsten Unterführers undbeinahe eines Drittels seiner Soldaten. Am Tage nach dem Gefecht bei Cowpens vereinigte sich Leslies Division mit ihm. In wenigen Tagen marschierte er durch Nord-Carolina, indem sich Greene vor ihm zurückzog. Letzterer wurde über die Grenzen des Staates und über den Dan River gedrängt. Cornwallis liess an die Tories eine Aufforderung ergehen, sich zu erheben; diese zeigten sich auch dazu geneigt, eine Abteilung von ihnen wurde aber von einer Übermacht unter Henry Lee und Pickens angegriffen und zerstreut, während die andern entmutigt sich wieder nach Hause begaben.

Schliesslich erhielt General Greene Verstärkungen, ging wieder vor bis nach Guildfield Court House in Nord-Carolina und bereitete sich zur Schlacht vor. Seine Armee bestand aus 1651 Continentals und über 2000 Milizen. Lord Cornwallis befehligte 1875 Veteranen. Am 15. März 1781 entwickelte Greene seine Armee in drei Linien. Die vorderste war aus Nord-Carolina-Milizen zusammengesetzt und in einem Wald hinter einem Gatter aufgestellt. Ein Teil dieser Linie stand an dem Rande eines ausgerodeten Stück Landes. Der linke Flügel derselben hatte als Unterstützung eine Abteilung von Schützen unter Oberstlieutenant Henry Lee und Oberst Campbell. Greenes zweite Linie, 300 Yards hinter der ersten, bestand aus Virginia-Milizen. Sie standen in dichtem Walde. Die dritte Linie war aus allen Continentals der Armee zusammengesetzt. Dieser Streitmacht gegenüber liess Lord Cornwallis nach einem Avantgarden-Geplänkel seine Armee in zwei Divisionen aufmarschieren. Den linken Flügel kommandierte Oberstlieutenant Webster, den rechten Brigade-General Leslie. Der rechte Flügel stiess zuerst auf die Nord-Carolina-Miliz, die bei dessen Annäherung zurückwich. Lee und Campbell mit ihren Schützen hielten tapfer aus. Die Briten gingen gegen die Virginia-Miliz vor. Die Engländer waren nun auf ihrer ganzen Front engagiert, und die Virginier verteidigten sich so tapfer,dass Lord Cornwallis genötigt war, seine Reserven heranzuholen. Die zweite Linie der Amerikaner wurde alsdann zurückgedrängt, und die Briten drangen weiter vor gegen die Continentals. Hierbei kamen die Engländer in dem dichten Wald in ziemliche Unordnung. Oberstlieutenant Webster mit seiner Brigade stiess zuerst auf die Continentals. Da er aber zu übereilt vorgegangen war, so wurde er zurückgeworfen bis hinter einen Ravin. Das zweite Maryland-Regiment jedoch war durch einen Angriff des zweiten Bataillons der englischen Garde durchbrochen worden; zwei 6-Pfünder wurden genommen. Das erste Maryland-Regiment und Oberst Washingtons Kavallerie attackierten die Garden, warfen sie zurück und nahmen die Geschütze wieder. Darauf feuerte Lieutenant Macleod von der britischen Artillerie mit zwei 3-Pfündern auf Freund und Feind. Washingtons Dragoner wurden geworfen. Webster ging wieder vor, unterstützt von einem Teil von Leslies Division, und General Greene trat mit seiner Armee den Rückzug an, indem er seine Geschütze, deren Pferde gefallen waren, im Stich lassen musste.

Von den Hessen waren ein Jäger-Detachement und das Regiment von Bose an diesem Kampfe beteiligt. Dies Regiment stand auf dem rechten Flügel. Es stand während des ganzen Gefechts den Schützen unter Lee und Campbell gegenüber, die es mit grossem Ungestüm in Front und Rücken angriffen. Das Regiment hielt sich mit grosser Tapferkeit in seiner Stellung, und diente dem ersten Bataillon der englischen Garde, welches in Unordnung hatte zurückgehen müssen, als Aufnahme und Rückhalt. Eelking und Bancroft sprechen dem hessischen Regiment einen entscheidenden Anteil an dem Siege zu. Ein so bedeutender Anteil kann ihm kaum zugestanden werden, indessen verdienten die Soldaten und ihr Führer Oberstlieutenant du Puy vollkommen die ehrenvolle Erwähnung, die ihnen in dem Tagesbefehl von Lord Cornwallis zu Teil wurde.

Das ganze Gefecht dauerte ungefähr zwei Stunden. Der ganze Verlust der Briten betrug 532 Mann, von denen 80 auf das Regiment von Bose kamen.

Cornwallis Armee war durch diesen Sieg so zusammengeschmolzen, dass er gezwungen war, über die Grenzen Virginiens nach Wilmington zu marschieren, um ihr eine Rast zu verschaffen; die Schwerverwundeten musste er zurücklassen.

Nachdem sich Lord Cornwallis bis zur Küste zurückgezogen hatte, wurde Greene Herr über die Staaten Nord- und Süd-Carolina. Vor Mitte September hatten die Amerikaner drei Schlachten verloren und drei Provinzen gewonnen. Nacheinander bei Camden, Ninety-six und Eutaw-Springs geschlagen, nahm Greene und die Parteigänger, die mit ihm cooperierten, eine Anzahl kleiner Posten durch Belagerung oder Sturm, führte die Kapitulation von Augusta und den Entsatz von Camden und Ninety-six herbei. Im Herbst 1781 hatten die Briten von den drei südlichsten Staaten nichts mehr im Besitz mit Ausnahme von Savannah, Charleston und Wilmington.

Am 10. Dezember 1780 segelte Benedict Arnold, der nunmehr britischer Brigade-General war, an der Spitze von ungefähr 600 Mann, einschliesslich 100 hessische Jäger unter Kapitain Ewald, von New-York ab. Arnold erreichte den James-River Anfang Januar 1781. Dort stand ihm nichts als eine kleine Schaar Milizen unter Baron Steuben entgegen. Arnold steckte die Stadt Richmond mit ihren Vorräten an Tabak in Brand und zog sich wieder nach Portsmouth an der Mündung des James zurück. Nicht lange nachher gaben die Jäger einen neuen Beweis ihrer Tapferkeit. Am 19. März 1781 ging General Lafayette mit einer Abteilung von etwa 500 Mann gegen die englische Stellung vor, zersprengte ein Picket von den Jägern und nahm es zum Teil gefangen und näherte sich der Stellung, die von Kapitain Ewald besetzt war. Diesewar zuerst von einem Unteroffizier und 16 Mann gehalten worden. Der Kapitain und 19 Mann nahten eilig zu ihrer Unterstützung heran. Die Amerikaner mussten über einen schmalen Deich avancieren, der einige 30 Schritte lang war, und auf dem sie dicht gedrängt vorgingen. Jeder Schuss musste treffen, sodass neunundzwanzig totgeschossen oder verwundet wurden. Die Jäger verloren nur zwei Mann, und Lafayette musste sich zurückziehen. »Man muss nur bei solchen Gelegenheiten,« sagt Ewald, »die Hacken an den Stiefeln fest in die Erde schrauben und an kein Weichen denken, dann wird man selten Gegner finden, die uns aus solch einer Stellung herauswerfen.« Ewald war in diesem Gefecht am Knie verwundet worden. Eelking berichtet, dass Arnold nach demselben den Kapitain besucht habe. Ewald machte dem General Vorwürfe, dass er die Jäger nicht unterstützt hätte. Arnold erwiderte, er habe die Stellung für verloren gehalten. »So lange noch ein Jäger am Leben ist,« rief der Kapitain wütend aus, »soll kein — Amerikaner über den Deich kommen.« Arnold, der sich noch als Amerikaner betrachtete, nahm dies übel und zeigte es dadurch, dass er es unterliess, das gute Verhalten der Jäger in dem Tagesbefehl zu erwähnen. Ewald beklagte sich hierüber bei Arnolds Adjutanten, worauf der General sich am folgenden Tage bei ihm entschuldigte und die Erwähnung nachträglich erfolgen liess. Inzwischen war Lafayette mit 1200 Continentals nach Virginien beordert worden. Der junge General brach sofort mit einem Teil seiner Streitkräfte auf und liess Wayne mit dem Rest folgen. Zehn französische Kriegsschiffe sollten mit dem Marquis gemeinsam operieren. Diese trafen am 16. März unweit der Kaps von Virginien auf das englische Geschwader. Nach einem Gefecht von zwei Stunden segelte die französische Flotte nach Newport zurück, während die englische sich nach der Chesapeake-Bay begab. Die Verteidigung von Virginien hatte man ausschliesslich den Landtruppen überlassen müssen, diese zeigten sich aber dieser Aufgabe nicht gewachsen.

Am 19. März segelte Generalmajor Phillips, derselbe, welcher bei Saratoga mit Burgoyne zusammen gefangen genommen worden war, von New-York, um das Kommando über die englischen Truppen in Virginien zu übernehmen. Er nahm 2000 Mann Verstärkungen mit, und beinahe dieselbe Zahl folgte sechs Wochen später. General Phillips machte bald nach seiner Ankunft einen Vorstoss von Portsmouth aus den James River hinauf, plünderte und steckte alles in Brand auf beiden Ufern, liess die Neger wegtransportieren und nach West-Indien verschiffen, zerstörte unter den Augen von Lafayette, der auf der Nordseite des Flusses geblieben war, die Magazine und setzte sich am 9. Mai in den Besitz von Petersburg, wo sich seine Armee mit der von Lord Cornwallis, die von Wilmington im Anmarsch war, vereinigen sollte. Vier Tage später starb General Phillips an einem heftigen Fieber und Arnold hatte wieder die Führung über die Armee. Am 20. jedoch traf Lord Cornwallis in Petersburg ein und sandte kurz darauf den Verräter nach New-York zurück.

Cornwallis brach am 24. Mai von Petersburg auf, ging 25 Meilen unterhalb Richmond über den James River und war am 1. Juni bei Cooks Ford am North Anna-River in der Nähe von Hanover Court House. Von da schickte er Tarleton nach Charlottesville, wo der Landtag von Virginien seine Sitzungen abhielt. Tarleton sprengte den Landtag auseinander und nahm einige der Mitglieder gefangen. Inzwischen war Simcoe entsandt worden, um einige Magazine und Vorräte bei Point of Fork, wo der Rivanna-River sich in den James ergiesst, zu zerstören resp. in Besitz zu nehmen. Er nahm wahr, dass die Vorräte, die von General Steuben bewacht wurden, sich auf der Südseite des James River befanden. Es gab dort keine Furt, und Simcoe hatte nur einige kleine Boote.Er nahm deshalb seine Zuflucht zu einer Kriegslist. Indem er seine 400 Mann, die er halb zeigte, halb verborgen hielt, in einer langen Linie entwickelte, machte er Steuben glauben, dass sein Detachement die Avantgarde von Cornwallis Hauptarmee wäre. Und Steuben, der sich nicht überlegte, dass mit so wenig Kähnen zum Übersetzen eine ganze Armee kaum gefährlicher war als ein Detachement, zog sich unter Zurücklassung eines Teils seiner Vorräte zurück. 24 Mann wurden darauf über den Fluss gesetzt, und, während die Hälfte davon die Vorräte zerstörten, hielt der Rest Wache, ohne dass sie im mindesten gestört wurden.

Lafayette ging nach Norden bis zum Rappahannock zurück, wo Wayne ihm Verstärkungen zuführte. Der Marquis wandte sich darauf in Eilmärschen nach Süden und Westen und postierte sich zwischen die britische Armee und die Vorräte des westlichen Teils des Staates. Er war jedoch noch zu schwach, um eine Schlacht wagen zu können. Cornwallis unternahm nichts gegen ihn, sondern wandte sich am 15. Juni der Küste zu. Dies gab Lafayette einen unstreitigen Vorteil. Er folgte Cornwallis in respektvoller Entfernung auf seinem Marsche. Die Armee unter Lafayette zählte zu jener Zeit 4500 Mann, von denen nur 1505 Reguläre waren.

Es fanden auf diesem Rückmarsch nur zwei Gefechte statt; das eine am 26. Juni. Eine Abteilung unter Simcoe und Ewald, die die Arrieregarde der britischen Armee bildete, wurde von einem Detachement der Division Wayne angegriffen und teilweise überrascht. Die Briten und Hessen hatten gegen Mittag nicht weit von Williamsburg eine Rast gemacht, als die Amerikaner eine heftige Attacke auf sie unternahmen. Die Kavallerie jedoch war schnell aufgesessen, die Jäger an den Gewehren, und die Amerikaner wurden zurückgeschlagen mit einem Verlust von 30 oder 40 Mann auf beiden Seiten.

YORKTOWN. 1781.A. Redoute, von den Franzosen genommen.B. Redoute, von den Amerikanern genommen.

In Williamsburg erhielt Lord Cornwallis den Befehl,3000 Mann nach New-York zurückzusenden, welches Clinton durch die vereinigte Armee der Franzosen und Vereinigten Staaten bedroht glaubte. Um diesen Befehl zur Ausführung zu bringen, setzte Cornwallis seinen Marsch auf Portsmouth fort. Am 4.Juli verliess er sein Lager bei Williamsburg und marschierte nach Jamestown in der Absicht, den James-River zu überschreiten. Die Rangers unter Simcoe und die Jäger unter Ewald gingen in derselben Nacht über. Ein Teil der Baggage wurde am folgenden Tage übergesetzt. Am 6. Juli blieb Cornwallis mit der Armee in Jamestown, wo der General die Nachricht erhielt, dass Lafayette im Anmarsch sei, um ihn anzugreifen. Dies war, was Cornwallis wollte, denn er hatte eine günstige Stellung und eine viel grössere Zahl von regulären Truppen als Lafayette.

Am Nachmittag des 6. Juli ging Lafayette vor, war aber noch im Unklaren darüber, ob die Hauptarmee von Lord Cornwallis oder nur seine Arriere-Garde auf dem linken Ufer des James wäre. Die Amerikaner gingen vorsichtig vor. Wayne griff mit ungefähr 500 Mann an. Die britischen Pickets hatten Befehl erhalten, hartnäckigen Widerstand zu leisten und sich dann zurückzuziehen. Ermutigt hierdurch, entwickelte Wayne auch den Rest seiner Brigade, sodass er mehr als 1000 Mann in Thätigkeit gesetzt hatte. Die übrigen Continentals der Armee folgten als Reserve. Es schien nunmehr Cornwallis der Augenblick zum Schlagen gekommen zu sein. Seine Armee war in zwei Treffen aufmarschiert. Das erste bestand aus ungefähr 2500 Mann, das zweite, zu dem das Regiment von Bose gehörte, war etwa 1000 Mann stark. Wayne und Lafayette merkten den Fehler, den sie begangen hatten und sahen, dass er am besten durch ein kühnes Wagnis wieder gut gemacht werden könnte. Wayne ging mit seiner Brigade vor. Dies brachte die Briten zum Stehen. Die feindlichen Reihen standen sich nur ungefähr 70 Yards gegenüber, und unterhielten gegenseitig einfünfzehn Minuten langes heftiges Feuer. Da aber nunmehr die Briten anfingen die Amerikaner in der Flanke zu fassen, gingen letztere zurück. Zwei Geschütze, die den Braunschweigern bei Bennington abgenommen worden waren, mussten sie, da die Pferde totgeschossen waren, im Stich lassen. Der Verlust der Amerikaner wird auf 139 angegeben, der der Briten auf 75 Mann.

Nachdem Cornwallis in Portsmouth angekommen war, erhielt er Gegenbefehl und machte mit seiner ganzen Armee Halt. Er sollte Old Point Comfort besetzen und verteidigungsfähig einrichten, ebenso, wenn er es für ratsam hielte, einen andern Ort auf der Halbinsel, der sich als Marine-Station eignete. Nachdem sich aber die Ingenieure gegen Old Point Comfort ausgesprochen hatten, besetzte Cornwallis in der ersten Woche des August Yorktown und das gegenüber gelegene kleine Dorf Gloucester. Hier sammelte er schnell seine ganze Streitmacht und machte sich eilig daran, seine Stellung zur Verteidigung einzurichten, während Lafayette sich abwartend verhielt und ihn beobachtete.

Gerade zu dieser Zeit war Washington benachrichtigt worden, dass die französische Flotte unter Count de Grasse sich anschickte, an den Operationen bei der Chesapeake Bay Anteil zu nehmen. Schnell und im Geheimen wurden Vorbereitungen getroffen, die amerikanische und französische Armee von New-York nach Virginien zu dirigieren. Wir haben gesehen, dass bereits am 18. August nach der City von New-York die Nachricht gekommen war, dass die Verbündeten im Begriff wären, den North-River zu überschreiten. Aus Mangel an Booten hatte diese Operation eine Woche gedauert. Sir Henry Clinton war aber, obwohl er von Washingtons Plan Kenntnis erhalten hatte, immer noch in der Idee befangen, als ob ein Angriff auf Staten Island beabsichtigt sei. Es dauerte bis zum 29., bis er über seinen Irrtum aufgeklärt wurde. Unter Zurücklassung von 4000 Mann unter General Heathzum Schutz des Hochlands, gingen Washington und Rochambeau in Eilmärschen gegen Cornwallis vor.

Die verbündete Armee, die durch New-Jersey marschierte und von der das Schicksal des Krieges abhing, war sehr schwach. Sie bestand aus 4000 Franzosen und 2000 Amerikanern. Nachdem Philadelphia passiert war, kam sie am 6. und 8. September 1781 in Head of Elk an. Der Count de Grasse war bereits mit 24 Schiffen in der Chesapeake Bay angekommen; er führte 1700 Geschütze und 19 000 Seeleute mit sich. Ihm stellte sich am 5. September Admiral Graves mit einer geringern Streitmacht gegenüber. Die Schlacht dauerte zwei Stunden. Die Engländer gerieten, obwohl nicht vollkommen geschlagen, in einen Zustand, der sie zu jeder weitern Unternehmung gegen die Franzosen unfähig machte. Nach vier Tagen segelten sie unter Überlassung der Chesapeake Bay an de Grasse, nach New-York.

Die Franzosen und Amerikaner, die von New-York gekommen waren, marschierten die Bay hinunter und vereinigten sich mit dem Korps von Lafayette und den französischen Truppen, die de Grasse gebracht hatte. Die vereinigte Armee bei Williamsburg bestand am 27. September 1781 aus ungefähr 7000 Franzosen, 5500 Continentals und 3500 virginischen Milizen. In den Reihen der Continentals waren Kompagnien von allen Staaten nördlich von Karolina. Die englische Armee in Yorktown war etwa 7000 Mann stark. Von diesen gehörten nicht ganz 1100 dem Markgrafen von Anspach-Bayreuth, etwas mehr als 850 dem Landgrafen von Hessen-Cassel und der Rest, etwa 5000 Mann, dem König von Grossbritannien, welchem die ganze Armee Gehorsam gelobt hatte. Ungefähr 800 Seeleute fochten auf jeder Seite während der Belagerung. Die französische Flotte befand sich ausser Thätigkeit, dagegen waren die englischen Schiffe aktiv beteiligt.

Yorktown bot keine starke Stellung; seine Verteidigungbestand nur aus Feldschanzen. Am 30. September 1781 gaben die Briten, vielleicht zu frühzeitig, ihre äussere Verteidigungslinie auf. In der Nacht zum 6. Oktober wurde die erste Parallele eröffnet. Am Nachmittag des 9. begann das Feuer aus der Parallele, und von da ab bis zum Ende der Belagerung dauerte die Kanonade beinahe ununterbrochen fort.

Das erste Zusammentreffen, das stattfand, war ein Scharmützel an der Gloucester-Seite des Flusses, wo Simcoes Rangers, Tarletons Dragoner, Ewalds Jäger und ein englisches Regiment aufgestellt waren. Ihnen gegenüber standen mehr als 1000 Franzosen unter Choisy und de Lauzun und 12 oder 1500 Milizen unter General Weedon. Tarleton und Simcoe hatten den Gebrauch der Karabiner bei ihrer Kavallerie verboten, und dies trug zu ihrer Niederlage bei. Am Morgen des 3. Oktober war Lauzun gemeldet worden, dass ausserhalb der Werke von Gloucester englische Dragoner ständen. Beim Vorgehen zu einer Rekognoszierung sah er eine hübsche Frau an der Thüre eines Hauses stehen, das am Wege lag. Lauzun müsste nicht Lauzun gewesen sein, wenn er vorübergegangen wäre, ohne sie anzureden. Sie teilte ihm mit, dass Tarleton eben bei ihr im Hause gewesen wäre, und den dringenden Wunsch geäussert hätte, »sich die Hand mit dem französischen Führer zu reichen«. »Ich versicherte ihr,« sagt Lauzun, »dass ich zu dem Zweck gekommen wäre, um ihm diese Befriedigung zu gewähren. Sie bedauerte mich sehr, indem sie, wie ich glaube, aus Erfahrung annahm, dass es unmöglich wäre, Tarleton Widerstand zu leisten.«

Alsbald stiessen die französischen und englischen Dragoner aufeinander. Tarleton erhob seine Pistole und ging auf Lauzun los. Ein Zweikampf sollte beginnen, als Tarleton mit dem Pferde stürzte. Englische Dragoner halfen ihrem Obersten sich in Sicherheit zu bringen, aber sein Pferd fiel Lauzun in die Hände.

Der 10. Oktober hatte eine tapfere That aufzuweisen. Major Cochrane hatte New-York in einem Walfischboot mit Depeschen für Lord Cornwallis verlassen. Er langte in der Chesapeake Bay bei hellem Tage an, lief Spiessruthen zwischen der französischen Flotte, die ihn lebhaft beschoss, und erreichte glücklich Yorktown. Dieser tapfere Mann sollte jedoch zum letzten Male solches Glück erlebt haben. Zwei Tage nach seiner Ankunft richtete er ein Geschütz mit eigener Hand. Als er über die Brustwehr sah, um die Wirkung seines Schusses zu beobachten, wurde ihm von einer Kanonenkugel der Kopf weggerissen. Lord Cornwallis stand dicht an seiner Seite und entging mit genauer Not demselben Schicksale.

In der Nacht zum 11. Oktober wurde die zweite Parallele eröffnet. Zwei Redouten, gegenüber dem rechten Flügel der Stellung der Verbündeten, lagen in der Verlängerung dieser Parallele. Sie mussten deshalb notgedrungen genommen werden. Die grössere sollten die Franzosen stürmen; dieselbe war zum Teil mit Deutschen besetzt. Die Franzosen unter Befehl von Baron de Vioménil, wurden entdeckt und auf 120 Schritte mit Feuer empfangen. Es verging einige Zeit, bis ein Zugang zur Schanze hergestellt war, und als dieser passiert werden konnte, wurde der Sturm unternommen. 92 Franzosen fielen oder wurden verwundet bei diesem Angriff, der feindliche Verlust betrug 15 Tote und 50 Gefangene. Die kleinere Redoute wurde durch die Amerikaner genommen; sie wurde durch Herstellung eines Zuganges weniger aufgehalten, daher war ihr Erfolg schneller und mit geringeren Opfern erkämpft. 9 Mann von der Kolonne fielen, 31 wurden verwundet, darunter 5 Offiziere.

In der Frühe des 16. Oktober wurde ein Ausfall gegen die zweite Parallele gemacht. Einige Augenblicke war er von Erfolg, einige Kanonen wurden vernagelt, aber die Briten wurden durch den Angriff der französischen Grenadiere alsbald wieder zurückgetrieben, und die Kanonenin einigen Stunden wieder gebrauchsfähig gemacht. In der folgenden Nacht machte Cornwallis den Versuch, seine Armee über den York River übersetzen zu lassen in der Absicht, zu versuchen, nach Virginien zu marschieren. Heftiger Wind und Regensturm, welcher alle Boote den Fluss hinuntertrieb, verhinderte ihn jedoch, diesen Plan zur Ausführung zu bringen, und die Truppen, welche bereits nach Gloucester übergesetzt waren, wurden am nächsten Morgen zurückgebracht, so dass die dortige Garnison ihre alte Stärke behielt.

Die britische Artillerie war nunmehr vollkommen zum Schweigen gebracht und Cornwallis sah ein, dass er nicht länger aushalten konnte. Am 17. Oktober 1781 wurden die Verhandlungen eröffnet und am 19. die Kapitulation unterzeichnet und zwar unter Bedingungen, wie sie der Hauptsache nach General Lincoln in Charleston im vergangenen Jahr bewilligt waren. Am Nachmittag desselben Tages marschierten die Briten und Deutschen mit verhüllten Fahnen aus ihren Befestigungswerken, ihre Musikkorps den alten englischen Marsch spielend: »The World Turned Upside Down.«

Cornwallis Übergabe von Yorktown entschied das Schicksal des Revolutions-Krieges. Die Armeen ruhten während des Winters, und im Frühjahr 1782 kehrten die Generale Clinton und von Knyphausen nach Europa zurück. Sir Guy Carleton erhielt das Kommando in New-York, General-Lieutenant von Lossberg wurde Führer der hessischen Division. Am 14. Dezember 1782 wurde Charleston geräumt, und am 25. November 1783, zwei Jahre nach dem Falle von Yorktown, segelten die letzten Hessen die Bai von New-York hinunter. »Ungefähr umzwei Uhr nachmittags lichteten wir die Anker,« sagt das Journal des Jäger-Korps, »und als die Flotte hinunter nach Staten Island segelte, sahen wir, wie auf mehreren Häusern die amerikanische Flagge gehisst wurde. Keine war indessen auf Fort George zu sehen. Bei Sonnenuntergang passierten wir Sandy-Hook, und als die Nacht hereinbrach, verschwand das Land vor unsern Augen.«

Die Stärke der deutschen Hilfstruppen, welche England in Amerika von 1776-1783 verwendete, belief sich im Durchschnitt auf nahezu 20 000 Mann. Im Laufe der Zeit waren ungefähr 30 000 Soldaten herübergebracht worden, und 17 313 kehrten nach Deutschland zurück, als der Krieg beendet war.

Für die Dienste dieser Truppen bezahlte England an Subsidien an die Fürsten mehr als 1 770 000 Pfund Sterling. Dies kam hinzu zu der Löhnung der Soldaten und zu allen Ausgaben, ausgenommen der für die Aushebung und Bekleidung und Ausrüstung.

Es kann daher keine Frage sein, dass für eine so bedeutende Geldsumme Gross-Britannien ausgezeichnete Soldaten erhielt. Es ist richtig, dass die Deutschen mehrmals mit Unglück gefochten haben, wenn sie allein und ohne Gemeinschaft mit englischen Truppen dem Feinde gegenüber standen. Breymanns Braunschweigern wurde es bei Bennington nicht möglich, mit einiger Schnelligkeit vorwärts zu kommen, aber die ganze Armee Burgoynes war sehr langsam in ihren Bewegungen. Dieser General spricht in einem Privatbrief über die Deutschen bei Saratoga »als entmutigt und bereit, beim ersten Schuss ihre Waffen wegzuwerfen«. Und doch hatten sie im ersten Teil der Kampagne mit Tapferkeit gefochten und hervorragende Dienste geleistet, sowohl bei Hubbardton als bei Freemans Farm. Bei Saratoga waren die braunschweigischen Regimenter am meisten exponiert auf der ganzen Linie gewesen. Wenden wir uns nun zu dem Kriege in den mittleren Staaten, so sehen wir, wie dieHessen den Hauptanteil haben und mit grosser Tapferkeit bei White Plains und Fort Washington kämpfen. Wir sehen sie, durch den Erfolg zu vertrauensselig gemacht, bei Trenton überrascht und bei Red Bank geschlagen. Bei der erstem Affaire wurden sie in Unordnung zurückgeworfen, ihr Führer getötet, und »die Leute hielten nirgends Stand«. Bei der letzteren Gelegenheit fochten sie mit Verzweiflung und verloren 371 Offiziere und Leute von einer Stärke, die kaum 2500 Mann überstieg. Es würde uns zu weit führen, wenn wir genau die Aktionen betrachten wollten, bei denen die Deutschen nicht den Hauptteil der Streitkräfte des Königs ausmachten, aber ich glaube, man würde finden, dass nur bei wenigen Gelegenheiten während des Feldzuges die hessischen Soldaten Mangel an Mut oder Disziplin zeigten. Eine Schwierigkeit war unvermeidlich bei dem Gebrauch von Truppen verschiedener Nationalitäten. Eifersucht und Feindschaft entstand zwischen Offizieren sowohl wie Soldaten. Wir haben gesehen, dass Heister abberufen wurde, weil er sich nicht mit Sir William Howe auf guten Fuss stellen konnte, und wie Riedesel sich durch Burgoyne verletzt fühlte. Die Briten wurden obendrein beschuldigt, bei Auswechselung der Gefangenen nicht unparteiisch gehandelt zu haben; sie hätten ihre eigenen Offiziere ausgewechselt, während sie die hessischen Offiziere in Gefangenschaft belassen hätten. Riedesel ging so weit, in dieser Angelegenheit an Washington zu schreiben, wurde aber von diesem höflichst darauf aufmerksam gemacht, dass dies eine Sache wäre, auf die er keinen Einfluss hätte.

Wir können mit Bestimmtheit annehmen, dass die Eifersucht zwischen den höhern Offizieren von den Untergebenen geteilt wurde. In einem Brief aus Brookland (Brooklyn), datiert den 7. September 1776, schreibt ein hessischer Kaplan: »Unsere lieben Hessen lernten ihr schweres Dasein ertragen, und ich bemühte mich in meinen Gebeten und Predigten sie in ihrem christlichenHeldenmut zu bestärken. Die Langsamkeit der englischen Generale machte sie unmutig, aber noch mehr die stolzen und beleidigenden Blicke, welche die Engländer auf die Deutschen warfen. Dies führte oft zu blutigen Scenen. Ein Unteroffizier, zu dem ein Engländer bei einem gemeinschaftlichen Trunk sagte: »— — Du Franzose, Du nimmst unsern Sold«, antwortete ruhig: »Ich bin ein Deutscher und Du bist ein —.« Beide zogen blank, und der Engländer wurde so schwer verwundet, dass er starb. Der gute Deutsche wurde nicht nur durch den englischen General begnadigt, sondern es wurden auch Befehle gegeben, dass die Engländer die Deutschen wie Brüder behandeln sollten. Alles dies geschieht, seitdem unsere gelehrigen Deutschen ein wenig Englisch gelernt haben.

Es darf indessen nicht zu viel Gewicht auf solche Geschichten gelegt werden, von denen viele zweifellos in Amerika während des Krieges Verbreitung fanden. »Es ist erstaunlich,« schreibt Ewald viele Jahre später, »was für einen Unsinn Deserteure oft erzählten, nur ihren neuen Freunden zu Gefallen, um dadurch eine gute Aufnahme zu erlangen. Nachdem ich in Yorktown in Gefangenschaft gekommen war und die Bekanntschaft von mehreren französischen Offizieren gemacht hatte, fragte mich ein französischer General, der damals Chef des Regiments de Deux Ponts war, im Vertrauen, ob die Hessen mit dem englischen Dienst nicht sehr unzufrieden wären, da es doch für sie sehr hart gewesen wäre, immer bei den gewagtesten Unternehmungen verwendet worden zu sein; dass sie oft unnötig geopfert wären; dass sie immer die schlechtesten Quartiere und die schlechteste Verpflegung bekommen hätten; dass sie ungenügend bezahlt worden wären und an allen Dingen Mangel gelitten hätten. Über diese Geschichte musste ich lachen und versicherte ihn, dass kein wahres Wort daran sei, gerade das Gegenteil sei der Fall gewesen. Dies setzte den General sehr inErstaunen, denn jeder Deserteur hätte ihn versichert, dass dies so gewesen wäre.«

Es ist mehrfach behauptet worden, dass die deutschen Soldaten in Amerika in grosser Zahl desertiert seien. Diese Behauptung ist nur zum Teil durch Thatsachen erwiesen worden. In der Zeit, als die ersten Hessen in Staten-Island ankamen, liess der Kongress Flugblätter, die sie zur Desertion aufforderten, unter ihnen verteilen. Washington betrieb einige Tage nach ihrer Landung sehr eifrig die Agitation mit diesen Flugblättern. Die darin gemachten Versprechungen wurden von Zeit zu Zeit erneuert. Eine Proklamation, datiert vom 29. April 1778, verspricht fünfzig Acker Land jedem Soldaten, der übergeht, und jeder Hauptmann, der vierzig Mann mitbringen würde, sollte achthundert Acker Wald, vier Ochsen, einen Bullen, zwei Kühe und vier Schweine bekommen. Die Deserteure sollten nicht gezwungen werden, auf amerikanischer Seite zu fechten, sondern sich sofort an die Bebauung ihrer Güter begeben. Diejenigen Offiziere indessen, die sich in die Armee der Vereinigten Staaten einreihen lassen würden, sollten einen Rang höher bekommen als den, den sie in ihrer frühern Armee bekleidet hatten, und bei Korps Verwendung finden, die nur aus Deutschen gebildet und die ausschliesslich zum Grenz- und Garnison-Dienst gebraucht würden. Diese Versprechungen waren nicht ganz ohne Erfolg. Im August 1778 kamen zwei hessische Lieutenants in das Lager Washingtons; sie sprachen die Möglichkeit aus, dass ihnen andere Offiziere nachfolgen würden. Dies verwirklichte sich jedoch nicht. Ewald behauptet, dass kein anderer geborener hessischer Offizier desertiert sei, ich habe aber Grund anzunehmen, dass einige Offiziere der kleineren deutschen Staaten übergegangen sind.

Selbst unter den Gemeinen war die Desertion geringer, als man erwartet haben mochte. Sie war verhältnismässig gross unter den Kriegsgefangenen. DieArmee, die sich im Oktober 1777 bei Saratoga ergab, war 5791 Mann stark, von denen 2431 Deutsche waren. Von diesen waren bis zum 1. April 1778 655 Engländer und 160 Deutsche desertiert. Es ist kein Zweifel, dass fortgesetzt Anstrengungen gemacht wurden, diese und jene Gefangene zum Desertieren und zur Einreihung in die amerikanische Armee zu bewegen. Aber Washington billigte dies durchaus nicht. Am 27. Oktober 1776 schreibt er an den Präsidenten des Kongresses: »In einem Brief von dem »Board of War« inbetreff der Auswechselung wird erwähnt, dass mehrere Gefangene, die wir gemacht hätten, eingereiht worden wären. Dies ist eine Maassregel, die nicht gutgeheissen werden kann, obwohl auf feindlicher Seite das Beispiel dazu gegeben worden ist; auch halte ich es aus politischen Rücksichten nicht für gut. Doch da es nun mal geschehen ist, so überlasse ich es dem Kongress, ihnen anzuempfehlen, zurückzukehren oder nicht, wie sie es für gut befinden.« Und noch einmal, am 30., spricht er dem Board of War dieselbe Ansicht aus, indem er hinzufügt: »Bevor ich die Ehre hatte, mit Ihnen über diese Angelegenheit zu verhandeln, war ich entschlossen, dem General Howe darüber Vorstellungen zu machen. Wegen der wenigen Leute, die bereits eingereiht sind, möchte ich nicht, dass sie wieder entlassen werden, da ich fürchte, dass sie bestraft werden, aber ich wünschte, dass diese Praxis in Zukunft aufgegeben würde.« In einem Brief vom 8. Oktober desselben Jahres war er noch weiter gegangen, indem er sagte, dass Handwerker und andere Gefangene, die zu bleiben wünschten, sollten veranlasst werden, zurückzukehren. Am 12. März 1778 sagt er, dass, wenn Gefangene von den Amerikanern eingereiht worden wären, dies ohne sein Wissen geschehen wäre. »Wir haben immer gegen General Howe die Anklage erhoben und thun es noch,« schreibt er, »dass er die Einreihung der in seiner Hand befindlichen Gefangenen entweder befohlen oder erlaubthätte, eine gesetzwidrige Handlung, die ganz und gar dem Geist des Auswechselungsvertrages widerspräche.« Einige Tage später beruft er sich Pulaski gegenüber auf den Kongress. »Ich habe ihn darauf hingewiesen,« schreibt Washington, »dass die Einreihung von Gefangenen oder Deserteuren durch einen kürzlichen Kongressbeschluss verboten ist. Wie weit der Kongress geneigt sein möchte, eine Ausnahme zu machen und die Erlaubnis zur Annahme von Gefangenen in einzelnen detachierten Korps, in denen solche Leute mit weniger Gefahr als in der Linie Verwendung finden könnten, bin ich nicht in der Lage auszusprechen.«

Es ist wahrscheinlich, dass Pulaski Deserteure angenommen hat, und es ist Thatsache, dass der sogenannte Chevalier Armand (in Wirklichkeit Marquis de la Rouerie) es gethan hat. Wiederhold sah, als er in Reading im Anfang des Jahres 1780 in Gefangenschaft war, zwei Schwadronen von Armands Korps durch die Stadt passieren. Er giebt an, dass das Korps 400 Mann stark gewesen wäre und vollkommen aus deutschen Deserteuren bestanden hätte.

Am 22. Mai 1778 fasste der Kongress den Beschluss, die Staaten anzuweisen, alle Deserteure und Gefangenen als vom Milizdienst befreit zu erklären und ihnen zu verbieten, als Stellvertreter in der Miliz zu dienen. Am 29. desselben Monats soll ein eigenartiger Vorfall im Cambridge passiert sein. Einige braunschweigische Offiziere fingen einen Deserteur ab, einen der Gefangenen von Prospect Hill. Er war im Begriff, sich nach Watertown davon zu machen, wo Oberst Armand eine Rekrutierungs-Station hatte. Der arme Teufel wurde zum Lager zurückbefördert, und da er der erste war, den man gefangen hatte, so sollte an ihm ein Exempel statuiert werden. Er wurde an einen Pfahl angebunden und bekam 300 Peitschenhiebe. Dann wurde ihm das Haar abgeschnitten und so stiess man ihn als ehrlos aus der Armee aus. DieAmerikaner sollen diesem Schauspiel ruhig zugesehen haben, sie hätten den Mann freundlich bei sich aufgenommen und im Triumph von dannen geführt. Eelking schenkt dieser Geschichte keinen Glauben, und wir wollen hoffen, dass sie nicht wahr ist. Jedenfalls erwies sich die Bestrafung, wenn sie wirklich stattgefunden hat, als wenig effektvoll, denn im Laufe der nächsten fünf Monate desertierten einige fünfzig Braunschweiger, auch war der Verlust an Menschen infolge von Desertion auf dem Marsche nach Virginia sehr bedeutend.

Einige der Desertionen unter den Gefangenen waren nur scheinbar. Die deutschen Gefangenen verliessen ihre traurigen Hütten, auf die sie angewiesen waren, und wanderten fort, in der Hoffnung, New-York oder eine der britischen Armeen zu erreichen. Am 18. Mai 1779 schreibt Gouverneur Clinton an Washington über »einen Alarm an der Grenze von Ulster County, der durch das Erscheinen von etwa 100 Indianern und Tories veranlasst worden war. Dort vereinigten sie sich mit 27 Tories vom Ostufer des Hudson-River, meistens hessische Deserteure von den Konventions-Truppen. Die plötzliche Versammlung der Miliz schreckte sie vor weiterem Vordringen in das Land ab und verhütete, dass sie materiellen Schaden anrichteten«. Und im Februar 1781 schrieb General Greene, dass 38 von einem 40 Mann starken Detachement von Armands Legion zum Feind übergegangen wären und dass Baron Steuben sich veranlasst sah, einigen von ihnen zu befehlen, sich zu ihren Regimentern zu begeben, die sich in Gefangenschaft in Charlottesville befanden.

Wenn es wahr ist, wie der deutsche Schreiber behauptet, und wie es wirklich der Fall zu sein scheint, dass Desertionen unter den Deutschen nicht so oft vorkamen als unter den Engländern, so ist der Grund dafür nicht weit zu suchen. Die Truppen waren meistenteils in Gegenden verwandt worden, in denen die Einwohner kein Deutsch verstanden. Obendrein waren die »Hessen«,wie die Hilfstruppen ohne Unterschied genannt wurden, Gegenstand eines eigentümlichen Schreckens unter den Eingeborenen. Ihr Name mag vielleicht manchmal bis auf den heutigen Tag als eine Art Schimpfname in einigen Land-Distrikten gehört werden. Der englische Deserteur war von dem Moment an, wo er den roten Rock auszog, nicht zu erkennen. Der Deutsche konnte kein Wort sprechen, ohne sich zu verraten.

Weder unter den Engländern noch unter den Deutschen war die Desertion so vorwiegend als unter den Amerikanern. Aber hierbei muss ein grosser Unterschied konstatiert werden. Der britische oder deutsche Soldat konnte nur zum Feind desertieren. Der amerikanische Milizsoldat kehrte im allgemeinen in seine Heimat zurück. Die revolutionäre Miliz glich in vieler Hinsicht mehr den Stämmen der schottischen Hochländer in den Bürgerkriegen des siebzehnten und achtzehnten Jahrhunderts als modernen Soldaten. Sie kamen oder gingen, je nachdem der Patriotismus oder der Egoismus, der Enthusiasmus oder Entmutigung bei ihnen die Oberhand gewannen. Oft unerschrocken im Gefecht, waren sie auch oft die Veranlassung zu einer Panik, wie alle undisziplinierten Truppen; auch waren sie solch zügellose Burschen, dass es in gleicher Weise unratsam war für ihre Generale, ihnen zu trauen und für ihre Feinde, sie zu verachten.

Wir haben gesehen, dass 17313 Deutsche, oder 58% von denen, die als Söldner herüber kamen, glücklich nach Europa zurückkehrten. Von den 12554, die zurückblieben, ist nur ein kleiner Teil in der Schlacht gefallen oder an den Wunden gestorben, viele sind Krankheiten erlegen, viele desertiert, einige sind in Amerika zurückgeblieben, nachdem der Friede geschlossen war, mit Einwilligung der Behörden. Hessische Offiziere und Gemeine erhielten Land in Nova Scotia, und der Herzog von Braunschweig befahl mit einer Inhumanität, die bezeichnend für ihn ist, dass nicht nur Soldaten, die sich Verbrechen schuldiggemacht oder sich schlecht geführt hatten, sondern auch die, die körperlich zum Dienste untauglich waren, in Canada zurückgelassen werden sollten.

Dem Landgraf von Hessen hat es nicht an Leuten gefehlt, die ihn in Schutz genommen haben. Diese berufen sich in erster Linie auf die allgemeine Schlechtigkeit der Amerikaner und auf das Verbrechen, gegen ihren König sich zu erheben, unter dessen Herrschaft sie nur zu glücklich gewesen wären; zweitens behaupten sie, dass das Handeln mit Soldaten den Gebräuchen des letzten Jahrhunderts entsprochen hätte, dass das Geld, das der Landgraf bekommen, im Interesse des Landes und Volkes verwandt worden wäre, und dass dieses den Handel gut geheissen hätte. Auf die erste Behauptung werde ich nur insoweit eingehen, als es nötig ist, ihren Mangel an Berechtigung nachzuweisen. Hätte sich der Landgraf an dem Revolutionskrieg nur um seines Zweckes willen beteiligt, so würde das Argument betreffend der Schlechtigkeit der Rebellen und des Verbrechens des Aufruhrs stichhaltig sein. Es verliert aber an Beweiskraft, wenn es auf einen Fürsten angewandt wird, der gemäss einer Politik, die in seiner Dynastie erblich war, seine Truppen dem Meistbietenden ausleiht. In Betreff des zweiten Arguments ist es wahr, dass die öffentliche Meinung in dem Gebrauch von Söldnern nichts Unmoralisches fand. Eine Nation, die in einen grossen Kampf verwickelt ist, wird sich sicherlich Hilfe holen dürfen, wo sie sie findet. Der einzelne Soldat des Glückes (soldier of fortune) ist lange mit zu grosser Nachsicht betrachtet worden. Aber Soldat des Glückes zu sein zur Stellvertretung, um aus seinem Blute Münzen schlagen zu lassen und in Gefahren zu kommen, an denen der, welcher den Vorteil geniesst, keinen Anteil nimmt, ist noch nie als eine würdige Beschäftigung angesehen worden. Und die, welche sagen, dass das hessische Volk den Handel des Landgrafen guthiess, verurteilen seine Unterthanen, ohne ihn selbst zuentschuldigen. Ein besseres Argument wurde von seinem Gesandten Schlieffen in der nahen Verwandtschaft zwischen dem englischen Hof und den Höfen von Hessen und Braunschweig gefunden. Die amerikanischen Provinzen hätten von einem hessischen Fürsten geerbt werden können. Hätten wir deshalb gesehen, dass hessische Soldaten in englischem Sold gegen amerikanische Rebellen ohne Geldentschädigung an den Landgrafen gekämpft hätten, so würde man glauben, dass sie aus politischen Gründen hinübergeschickt worden wären. Dies ist aber nicht möglich angesichts der Subsidien. Der Landgraf liess sich in einen nicht zu rechtfertigenden Handel ein und in dem Lichte dieses Handels muss er beurteilt werden.

Friedrich Kapp. Der Soldatenhandel deutscher Fürsten nach Amerika. Berlin 1864.

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Derselbe. Friedrich der Grosse und die Vereinigten Staaten von Amerika. Leipzig 1871.

Derselbe. Aufsatz in Sybels Historische Zeitschrift. II. 6. 42. 1879.

Derselbe. Leben des amerikanischen Generals Friedrich Wilhelm von Steuben. Berlin 1858.

Derselbe. Leben des amerikanischen Generals Johann Kalb. Stuttgart 1862.

Max von Eelking. Die deutschen Hülfstruppen im nordamerikanischen Befreiungskriege, 1776-1783. Hannover 1863. 2 Bände.

Derselbe. Leben und Wirken des Herzoglich Braunschweig'schen Generallieutenants Friedrich Adolf von Riedesel. Leipzig 1856. 3 Bände.

Generalin von Riedesel. Die Berufsreise nach Amerika. Berlin 1801.

Christian Leiste. Beschreibung des britischen Amerika zur Ersparung der englischen Karten. Wolfenbüttel 1778.

F. B. Melsheimer. Tagebuch von der Reise der braunschweig'schen Auxiliar-Truppen von Wolfenbüttel nach Quebec. Minden 1776.

Derselbe. Erste Fortsetzung.

J. von Ewald. Belehrungen über den Krieg, besonders über den kleinen Krieg, durch Beispiele grosser Helden und kluger und tapferer Männer. Schleswig 1798.

Erste Folge derselben. Schleswig 1800.

Zweite und letzte Folge derselben. Schleswig 1803.

Briefe eines Reisenden über den gegenwärtigen Zustand von Kassel mit aller Freiheit geschildert. Frankfurt und Leipzig 1781.

Hochfürstlich Hessen-Casselischer Staats- und Adresskalender auf das Jahr Christi 1779. Kassel.

Karl Biedermann. Deutschland im 18. Jahrhundert. Band I. Deutschlands politische, materielle und soziale Zustände im 18. Jahrhundert. Leipzig 1880.

Ferdinand Pfister. Der nordamerikanische Unabhängigkeits-Krieg. Kassel 1864.

Friedrich II. und die neuere Geschichtsschreibung. — Ein Beitrag zur Widerlegung der Märchen über angeblichen Soldaten-Handel hessischer Fürsten. Zweite, mit einer Beleuchtung Seumes vermehrte Auflage. Melsungen 1879.

J. G. Seume. Sämtliche Werke. Leipzig 1835. (Mein Leben.)

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August Ludwig Schlözers etc. Briefwechsel meist historischen und politischen Inhalts. Göttingen 1780 bis 1782.

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Die neuesten Staatsbegebenheiten mit historischen und politischen Anmerkungen. Frankfurt am Mayn und Mainz 1775. 1776. 1777. 3 Bände.

Karl Heinrich Ritter von Lang. Geschichte des vorletzten Markgrafen von Brandenburg-Anspach. Anspach 1848.

J. B. Fischer. Geschichte von Anspach und Onolzbach. Anspach 1786.

Reglement für die hessische Infanterie. Kassel 1776.

Von den Hessen in Amerika, ihren Fürsten etc. 1782. (Soll von Schlieffen verfasst sein.)


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