Geschäftig war das holdeKind,Vergissmeinnicht zu pflücken,Um liebend, mit dem Kranzgewind',Wie oft, die Braut zu schmücken.Da hörte sie ein Wehgeschrei;Und lief, den Stufen zu, herbei:Um in derGrotte, auf den Höhen,Zu sehen, was der Braut geschehen.Doch, wie denMördersie erblickt,Am Höhleneingang droben,Den Mordstahl in der Hand gezückt,Zum Morde schon erhoben;Und wie der Schlag darniederfällt:Da schwindet ihrem Blick' die Welt;Und unter Wehruf, halb vernichtet,Ist sie der Ferne zugeflüchtet.
Geschäftig war das holdeKind,Vergissmeinnicht zu pflücken,Um liebend, mit dem Kranzgewind',Wie oft, die Braut zu schmücken.Da hörte sie ein Wehgeschrei;Und lief, den Stufen zu, herbei:Um in derGrotte, auf den Höhen,Zu sehen, was der Braut geschehen.
Doch, wie denMördersie erblickt,Am Höhleneingang droben,Den Mordstahl in der Hand gezückt,Zum Morde schon erhoben;Und wie der Schlag darniederfällt:Da schwindet ihrem Blick' die Welt;Und unter Wehruf, halb vernichtet,Ist sie der Ferne zugeflüchtet.
Die Tochter irrte nachCremon,Das lieb sie aufgenommen;Doch schien der Todesengel schonHerab auf sie gekommen.Mit starrem Blick und ohne Wort,So blieb sie, fern dem Vaterort';Bis endlichBotensie erfragen,Und heim, zu ihrenLiebentragen.
Die Tochter irrte nachCremon,Das lieb sie aufgenommen;Doch schien der Todesengel schonHerab auf sie gekommen.Mit starrem Blick und ohne Wort,So blieb sie, fern dem Vaterort';Bis endlichBotensie erfragen,Und heim, zu ihrenLiebentragen.
Sie fühlt, vom tiefen Schlaf' erwacht,Sich traut in Vaterarmen;Und neu das Leben, angefachtAn Mutterbrust, erwarmen.Und da dieSprachewiederkam,Genügend nun das Volk vernahm:WieWahrheit, aus derUnschuldMunde,Den Mörder wies, durch sichre Kunde.DerHenkersucht und findet baldAn nachgewies'ner Stelle,DenMörder, todt im fernenWald',DenMordstahlin der Quelle;UmBeides, nach dem Richterspruch,Beladen mit dem Zeitenfluch,Und allem Volke zum Gedenken,In tiefen Schlammes Pfuhl zu senken.
Sie fühlt, vom tiefen Schlaf' erwacht,Sich traut in Vaterarmen;Und neu das Leben, angefachtAn Mutterbrust, erwarmen.Und da dieSprachewiederkam,Genügend nun das Volk vernahm:WieWahrheit, aus derUnschuldMunde,Den Mörder wies, durch sichre Kunde.
DerHenkersucht und findet baldAn nachgewies'ner Stelle,DenMörder, todt im fernenWald',DenMordstahlin der Quelle;UmBeides, nach dem Richterspruch,Beladen mit dem Zeitenfluch,Und allem Volke zum Gedenken,In tiefen Schlammes Pfuhl zu senken.
Bereitet wird einEhrengrab,DerJünglingfrei gesprochen;Und überSkudritzwird der StabVon Richterhand gebrochen.Und ungesäumt und ungetheilt,DieMengenach demKerkereilt:Mit Preis und Lob, die ihm gebühren,DenHeilzumHeilherbeizuführen.
Bereitet wird einEhrengrab,DerJünglingfrei gesprochen;Und überSkudritzwird der StabVon Richterhand gebrochen.Und ungesäumt und ungetheilt,DieMengenach demKerkereilt:Mit Preis und Lob, die ihm gebühren,DenHeilzumHeilherbeizuführen.
Garten, dem ichLebengab:Senke deinen Stolz danieder!DeineFloraging zuGrab',Und kein Frühling weckt sie wieder!Rosenblüthe, weiss und roth:Neige deine Zauberfülle!MeineRosabrach derTod:Schmücke nun dieLeichenhülle!Veilchen, das der Hain verbarg,Veilchenvon der Alpenwiese:Blühet nun anihremSarg,Wie ein Kranz vom Paradiese!Ihr,Jasminen, reich an Duft:Leer sind ohnesiedie Räume!Füllet nun die Todtengruft,Mit dem Hauch der Blüthenträume!Farbenpracht im Schwester-Chor,AdelstolzeGeorginen!Hüllet euch in Trauerflor,Dort, auf meinen Weltruinen!Reich an Balsam, voll der Pracht,Labyrinthe süsserNelken!Schmücket ihre Todesnacht,Eh', wiesie, die Blüthen welken!Lilieder Blumenau,Rein wiesie, vor allen Reinen:Fülle dich mit Maienthau;Lass' ihn sanft daniederweinen!Kränze vonVergissmeinnicht,Die das Blau vomHimmelsaugen!Nacht begrub der Sonne Licht:Schliesset nun die Liebesaugen!
Garten, dem ichLebengab:Senke deinen Stolz danieder!DeineFloraging zuGrab',Und kein Frühling weckt sie wieder!
Rosenblüthe, weiss und roth:Neige deine Zauberfülle!MeineRosabrach derTod:Schmücke nun dieLeichenhülle!
Veilchen, das der Hain verbarg,Veilchenvon der Alpenwiese:Blühet nun anihremSarg,Wie ein Kranz vom Paradiese!
Ihr,Jasminen, reich an Duft:Leer sind ohnesiedie Räume!Füllet nun die Todtengruft,Mit dem Hauch der Blüthenträume!
Farbenpracht im Schwester-Chor,AdelstolzeGeorginen!Hüllet euch in Trauerflor,Dort, auf meinen Weltruinen!
Reich an Balsam, voll der Pracht,Labyrinthe süsserNelken!Schmücket ihre Todesnacht,Eh', wiesie, die Blüthen welken!
Lilieder Blumenau,Rein wiesie, vor allen Reinen:Fülle dich mit Maienthau;Lass' ihn sanft daniederweinen!
Kränze vonVergissmeinnicht,Die das Blau vomHimmelsaugen!Nacht begrub der Sonne Licht:Schliesset nun die Liebesaugen!
Myrthenstamm, den ich erzog,Du, der holdenBrautVerlangen,Den ich ihr zurLaubebog:Nur amGrabewirst du prangen!Loorber-Schmuck undPalmen-Zier!Lohn dem Helden, Preis dem Ruhme,Durch denToderkauft vonihr:Grünet nun im Heiligthume!Oelzweig, den nach müdem Flug,Friedebringend,Noah'sTaube,Nach der Wunderarche trug: —MeineArche — fiel zu Staube!Schatten du vomLebensbaum,Den mein Traum zu lang gemessen:Edler schmücken deinen RaumTrauerweidenundCypressen.BaumderGräber, du allein,Wirst hinfort, und nicht vergebens,Zierde meiner Hütte sein;Undalleinmir Baum des Lebens!Draussen, fern, imNeckarthal,Wo im Grab' dieLiebenwohnen:Gründ' ich ihr ein Todtenmal,Reich an Immortellen-Kronen.Nah' bei meinerClauseblinkt,Klar und rein derQuelleSpiegel;Und derHolden Urnewinkt,Freundlich mir, am Rosenhügel.Bis der Tage Ziel erscheint;Gram und Kummer dann entschwinden;Und wirdroben, neu vereint,Was wirlieben, wiederfinden.
Myrthenstamm, den ich erzog,Du, der holdenBrautVerlangen,Den ich ihr zurLaubebog:Nur amGrabewirst du prangen!
Loorber-Schmuck undPalmen-Zier!Lohn dem Helden, Preis dem Ruhme,Durch denToderkauft vonihr:Grünet nun im Heiligthume!
Oelzweig, den nach müdem Flug,Friedebringend,Noah'sTaube,Nach der Wunderarche trug: —MeineArche — fiel zu Staube!
Schatten du vomLebensbaum,Den mein Traum zu lang gemessen:Edler schmücken deinen RaumTrauerweidenundCypressen.
BaumderGräber, du allein,Wirst hinfort, und nicht vergebens,Zierde meiner Hütte sein;Undalleinmir Baum des Lebens!
Draussen, fern, imNeckarthal,Wo im Grab' dieLiebenwohnen:Gründ' ich ihr ein Todtenmal,Reich an Immortellen-Kronen.
Nah' bei meinerClauseblinkt,Klar und rein derQuelleSpiegel;Und derHolden Urnewinkt,Freundlich mir, am Rosenhügel.
Bis der Tage Ziel erscheint;Gram und Kummer dann entschwinden;Und wirdroben, neu vereint,Was wirlieben, wiederfinden.
Es wallen edle Trauergäste,Und Pilger strömen ohne Zahl,NachTreidenhin, zumTodtenfeste,ZurJungfrau, nach dem Rittersaal.
Es wallen edle Trauergäste,Und Pilger strömen ohne Zahl,NachTreidenhin, zumTodtenfeste,ZurJungfrau, nach dem Rittersaal.
Im Schmuck' der Fürstengruft erscheinenDie Wände, wie der Säule Rund;Und gold'ne Todesengel weinenDanieder, von dem schwarzen Grund'.Kristall'ne Kronen, Kerzengarben,Versenden wie ein Strahlenmeer,Ein Sonnenlicht von allen Farben,Im weiten Trauersaal umher.Und mitten dort im Saal' vollendetEinRosenhainden Zauberkreis;Der ringsum reiche Düfte sendet,Von tausend Blüthen, roth und weiss.Und mitten, hoch im Rosenhaine:Im Sarge von Cypressenholz,Da thronetsie, die Makelreine,Der Jungfrau Zier, der Frauen Stolz!EinEngelruht auf Mund und Wangen,Den Liebreiz noch gefangen hält:Sie hat den grossenTodempfangen,Wie einenKuss von jenerWelt.
Im Schmuck' der Fürstengruft erscheinenDie Wände, wie der Säule Rund;Und gold'ne Todesengel weinenDanieder, von dem schwarzen Grund'.
Kristall'ne Kronen, Kerzengarben,Versenden wie ein Strahlenmeer,Ein Sonnenlicht von allen Farben,Im weiten Trauersaal umher.
Und mitten dort im Saal' vollendetEinRosenhainden Zauberkreis;Der ringsum reiche Düfte sendet,Von tausend Blüthen, roth und weiss.
Und mitten, hoch im Rosenhaine:Im Sarge von Cypressenholz,Da thronetsie, die Makelreine,Der Jungfrau Zier, der Frauen Stolz!
EinEngelruht auf Mund und Wangen,Den Liebreiz noch gefangen hält:Sie hat den grossenTodempfangen,Wie einenKuss von jenerWelt.
Im zarten Lilien-Gewande,Den Myrthenkranz im blonden Haar;Umgürtet mit dem Rosabande,Das ihr Geleit' zum Tode war:So schlummertsie, dem Tod' zum Hohne;Der Traum ist lieblich, wundersam!EinCherubzeigt die Palmenkrone;EinSeraphist ihr Bräutigam.Sie mag den Freier nicht betrüben,Und spricht, dem Engel zugewandt:Ich will in dir denBruderlieben,MeinLiebsterwohnt imErdenland.So scheint im Traume sie zu sagen,Nur sagt es ihre Lippe nicht;Und so mag Liebe nie verzagen,Wenn auch der Tod das Leben bricht.Zu Häupten ihr, an Rosenzweigen,Sich neigend auf ihr Todtenbild:Darf sich dasTuchderLiebezeigen,Ihr Schlachtpanier und Ehrenschild.Es zeugt von ihrem Heldenmuthe,Der ihrem KampfeSiegverleiht;Es ist geweiht von ihremBlute,Es ist von ihremTod'geweiht.
Im zarten Lilien-Gewande,Den Myrthenkranz im blonden Haar;Umgürtet mit dem Rosabande,Das ihr Geleit' zum Tode war:
So schlummertsie, dem Tod' zum Hohne;Der Traum ist lieblich, wundersam!EinCherubzeigt die Palmenkrone;EinSeraphist ihr Bräutigam.
Sie mag den Freier nicht betrüben,Und spricht, dem Engel zugewandt:Ich will in dir denBruderlieben,MeinLiebsterwohnt imErdenland.
So scheint im Traume sie zu sagen,Nur sagt es ihre Lippe nicht;Und so mag Liebe nie verzagen,Wenn auch der Tod das Leben bricht.
Zu Häupten ihr, an Rosenzweigen,Sich neigend auf ihr Todtenbild:Darf sich dasTuchderLiebezeigen,Ihr Schlachtpanier und Ehrenschild.
Es zeugt von ihrem Heldenmuthe,Der ihrem KampfeSiegverleiht;Es ist geweiht von ihremBlute,Es ist von ihremTod'geweiht.
Zu ihren Füssen kniet derArme:Der alles Glück mit ihr verlor!Sein Leben wohnt in seinem Harme;Sein Reichthum ist — einTrauerflor!
Zu ihren Füssen kniet derArme:Der alles Glück mit ihr verlor!Sein Leben wohnt in seinem Harme;Sein Reichthum ist — einTrauerflor!
Werwankt herbei an seinem Stabe,Der Erde satt, dem Himmel reif? —Der siegerettet aus dem Grabe;Das ist der alte VaterGreif!DieMutterweint auf ihrem Bette,Von Schmerzen wund, zum Tode müd';Sich sehnend nach der Schlummerstätte,Zu der voran dieHoldeschied!Und alles Volk, und alle stöhnen,Diesie, dieLiebendegeliebt:Bezeugen nun im Strom von Thränen,Wie tief der Schlag ihr Herz betrübt.Doch draussen weilt einTrauerwagen;Und horch, die Gräberstunde schlug!ZurKirchewird sie fortgetragen,Bestrahlt von hellem Fackelzug. —Choral, Gebet und Hymne wühlen,Es wühlt der klagendeSermon:In Seelentiefen und Gefühlen;Und Alles wird nur Klageton.
Werwankt herbei an seinem Stabe,Der Erde satt, dem Himmel reif? —Der siegerettet aus dem Grabe;Das ist der alte VaterGreif!
DieMutterweint auf ihrem Bette,Von Schmerzen wund, zum Tode müd';Sich sehnend nach der Schlummerstätte,Zu der voran dieHoldeschied!
Und alles Volk, und alle stöhnen,Diesie, dieLiebendegeliebt:Bezeugen nun im Strom von Thränen,Wie tief der Schlag ihr Herz betrübt.
Doch draussen weilt einTrauerwagen;Und horch, die Gräberstunde schlug!ZurKirchewird sie fortgetragen,Bestrahlt von hellem Fackelzug. —
Choral, Gebet und Hymne wühlen,Es wühlt der klagendeSermon:In Seelentiefen und Gefühlen;Und Alles wird nur Klageton.
Dann endet sich das Fest der Trauer;Das Leben senkt den Tod hinab! —Zur Linken an der Tempelmauer,Da gähnt der Schlund von ihrem Grab'!DasAmenfolgt dem Priestersegen! —DieUhr, die Jeder schlagen hört:Ist nur dasHerz, mit seinen Schlägen;Ist nur der Schmerz, der sich empört!Es regnetKränze! dann entrollen,Wie Würfel aus verweg'ner Hand,Hinab zu Grab', die Gräberschollen;BisRosamit dem Sarg —verschwand.
Dann endet sich das Fest der Trauer;Das Leben senkt den Tod hinab! —Zur Linken an der Tempelmauer,Da gähnt der Schlund von ihrem Grab'!
DasAmenfolgt dem Priestersegen! —DieUhr, die Jeder schlagen hört:Ist nur dasHerz, mit seinen Schlägen;Ist nur der Schmerz, der sich empört!
Es regnetKränze! dann entrollen,Wie Würfel aus verweg'ner Hand,Hinab zu Grab', die Gräberschollen;BisRosamit dem Sarg —verschwand.
Dann bringt ihrHeilein Kreuz von Eisen:Das soll der HeldinOrdensein:Dann bringt die Welt — den Stein der Weisen,Den inhaltschwerenTodtenstein.Mit Felsen würfeln Erdvulkane,MitSteinenwürfelt auch die Luft;UndSteinewirft der Mensch im Wahne,Auf Bruderglück und seine Gruft!
Dann bringt ihrHeilein Kreuz von Eisen:Das soll der HeldinOrdensein:Dann bringt die Welt — den Stein der Weisen,Den inhaltschwerenTodtenstein.
Mit Felsen würfeln Erdvulkane,MitSteinenwürfelt auch die Luft;UndSteinewirft der Mensch im Wahne,Auf Bruderglück und seine Gruft!
ZeitloseDu, nicht Zeitenlose!Dein Wandel geht durchalleZeit.Von Dornen frei, Du, keuscheRose,BistRosanun, der Ewigkeit!DerMaienroseDuft und Leben:Sie locken Wurm und Tod herbei;Indess nun Engel Dich umschweben,Und treu Dich pflegen,Rosa Mai!
ZeitloseDu, nicht Zeitenlose!Dein Wandel geht durchalleZeit.Von Dornen frei, Du, keuscheRose,BistRosanun, der Ewigkeit!
DerMaienroseDuft und Leben:Sie locken Wurm und Tod herbei;Indess nun Engel Dich umschweben,Und treu Dich pflegen,Rosa Mai!
Der JünglingHeil, nunManngeworden,DurchLeiden, die ergrossbestand:Er sehnt sich aus dem Land des Norden,Zur Heimath, in sein Wiegenland.Doch eh' das Grabmal seiner FreudenVon ihm empfing die letzte Pflicht:Da trat er, sonder Groll zu scheiden,Noch,alsosprechend, vorGericht:»Es ward ein theures Blut vergossen,Der Mörder fand verdientes Grab;Nun— habet Ihr den Tod beschlossen,Auf einen, der mir Leben gab.Denn, wäreSkudritzEuch entflüchtet,So wie es stand in seiner Macht:So hätteFoltermich vernichtet,UndSchandemir der Tod gebracht.Dann auch bedenket Eure Lage,Vor Thron, Gewissen und der Welt:WennGottdie Wahrheit hier zu Tage,Den Frevel an das Licht gestellt!DerSkudritzwar, an seiner Stelle,Berückt, bethört, von blindem Wahn;Nur Sklave blieb der Mordgeselle,Und stets dem Mörder unterthan.So lasset Huld ihm angedeihen! —DenSchatz, der mir im Grabe ruht,Sollnichtunreines Blut entweihen;Nicht schänden mir das edle Blut.« —
Der JünglingHeil, nunManngeworden,DurchLeiden, die ergrossbestand:Er sehnt sich aus dem Land des Norden,Zur Heimath, in sein Wiegenland.
Doch eh' das Grabmal seiner FreudenVon ihm empfing die letzte Pflicht:Da trat er, sonder Groll zu scheiden,Noch,alsosprechend, vorGericht:
»Es ward ein theures Blut vergossen,Der Mörder fand verdientes Grab;Nun— habet Ihr den Tod beschlossen,Auf einen, der mir Leben gab.
Denn, wäreSkudritzEuch entflüchtet,So wie es stand in seiner Macht:So hätteFoltermich vernichtet,UndSchandemir der Tod gebracht.
Dann auch bedenket Eure Lage,Vor Thron, Gewissen und der Welt:WennGottdie Wahrheit hier zu Tage,Den Frevel an das Licht gestellt!
DerSkudritzwar, an seiner Stelle,Berückt, bethört, von blindem Wahn;Nur Sklave blieb der Mordgeselle,Und stets dem Mörder unterthan.
So lasset Huld ihm angedeihen! —DenSchatz, der mir im Grabe ruht,Sollnichtunreines Blut entweihen;Nicht schänden mir das edle Blut.« —
DemRichterwollte nicht behagen,WasHeilgesprochen, allzukühn;Doch will er Gnade nicht versagen,DaGreifum gleiche Gunst erschien.DemJünglingwarzu weh'geschehen;Vergeben wurde,wieer sprach;Der Richter liess den Spruch ergehen,UndMildefolgt demRechtenach.»DerSkudritzmag im Thurm' noch büssen,Für seine Schuld, die er bekannt;Dann sei er aus dem Land' gewiesen,Und endefern, von hierverbannt!« —Sosprach derRichter, vor dem ScheidenVon dem durch Mord entweihten Ort';Erfreuendsodas Herz derBeiden,Mit seiner That, mit seinem Wort'.
DemRichterwollte nicht behagen,WasHeilgesprochen, allzukühn;Doch will er Gnade nicht versagen,DaGreifum gleiche Gunst erschien.
DemJünglingwarzu weh'geschehen;Vergeben wurde,wieer sprach;Der Richter liess den Spruch ergehen,UndMildefolgt demRechtenach.
»DerSkudritzmag im Thurm' noch büssen,Für seine Schuld, die er bekannt;Dann sei er aus dem Land' gewiesen,Und endefern, von hierverbannt!« —
Sosprach derRichter, vor dem ScheidenVon dem durch Mord entweihten Ort';Erfreuendsodas Herz derBeiden,Mit seiner That, mit seinem Wort'.
Die Landschaft ruht in tiefem Schlummer,DerMondnur und einJünglingwacht;In Friedenjener,derin Kummer,Doch Beide wandeln durch die Nacht.UndHeil, amGrabe, Mond-beschienen,Verklagt in süsser Melodie,SeinGlück, auf dessen Prachtruinen;Undalsoklang dieElegie:»Bist Du so früh emporgeschieden,Nach kurzem Traum von Erdenglück?Und führt, von Deinem Gottesfrieden;Kein Weg in Freundes Arm zurück?Kann Liebe Dir nicht wiedergeben,Was Erdentod dem Leben nahm?Kann keine Thräne mehr belebenDen Leib, der von der Erde kam? —Vergebens! — In die Nacht der ZeitenVerliert sich meiner Klage Ruf!NurEinerkann mirTrostbereiten:Wer Licht aus Nacht der Nächte schuf.NurDu, vonDem, seit Welten kreisen,Die Phantasie kein Bild entwarf!NurDu, Den wir »Allvater« preisen,Der Alles gab, und Nichts bedarf!
Die Landschaft ruht in tiefem Schlummer,DerMondnur und einJünglingwacht;In Friedenjener,derin Kummer,Doch Beide wandeln durch die Nacht.
UndHeil, amGrabe, Mond-beschienen,Verklagt in süsser Melodie,SeinGlück, auf dessen Prachtruinen;Undalsoklang dieElegie:
»Bist Du so früh emporgeschieden,Nach kurzem Traum von Erdenglück?Und führt, von Deinem Gottesfrieden;Kein Weg in Freundes Arm zurück?
Kann Liebe Dir nicht wiedergeben,Was Erdentod dem Leben nahm?Kann keine Thräne mehr belebenDen Leib, der von der Erde kam? —
Vergebens! — In die Nacht der ZeitenVerliert sich meiner Klage Ruf!NurEinerkann mirTrostbereiten:Wer Licht aus Nacht der Nächte schuf.
NurDu, vonDem, seit Welten kreisen,Die Phantasie kein Bild entwarf!NurDu, Den wir »Allvater« preisen,Der Alles gab, und Nichts bedarf!
Nun weihet mich, ihrTodtenhügel!Ein Erdsohn will seinFestbegeh'n;Komm',Seraph, leih' mir deine Flügel,Ich will dieBrautimLichteseh'n.Die Erde soll wie Nebel schwinden;Die Sonne lass' ich weit zurück!Will sich derGeistzumGeistefinden,Verlangt es nur den Augenblick. —
Nun weihet mich, ihrTodtenhügel!Ein Erdsohn will seinFestbegeh'n;Komm',Seraph, leih' mir deine Flügel,Ich will dieBrautimLichteseh'n.
Die Erde soll wie Nebel schwinden;Die Sonne lass' ich weit zurück!Will sich derGeistzumGeistefinden,Verlangt es nur den Augenblick. —
Geliebte Du, in fernen Räumen!Wann sich die Geisterstunde neigt:Umfangen wir Dein Bild in Träumen;Dein Bild, das uns diePalmezeigt.Dein treu bewährtes Tugendleben,So lang es hier auf Erden ging:War eineLandschaft, mild und eben,Gefasst in einen Blumenring.Da war kein Berg mit Silberminen,Kein Alpenstrom, der Gold verhiess;Kein Schloss der Vorzeit in Ruinen,Kein Thurm mit seinem Burgverliess.Es war die reichste Blumenwiese;Durch die sich, wie ein Ordenband,Ein Perlenquell vom Paradiese,Vorbei an Frucht-Alleen wand.Nur Unschuld, Ehre, Treue gingenEinher, bei frohem Lerchensang;UndEngelnur mit Rosaschwingen.Umflogen sie auf jedem Gang.EinHüttchenstand, im Sonnenglanze:Da flocht, bei stillem Heitersinn,EinGärtneran dem Bürgerkranze,Für seines GlückesKönigin.Doch — neidisch brachten dunkle Mächte,Dem Glück', des Todes Richterspruch!Der Sonne folgten Schauernächte;Da war dieFlureinLeichentuch!Mein Himmel schwand! — Wie dort in FlammenSo mancher Weltenbau verging:Sofiel meinParadieszusammen;Und —Grabnur blieb, was ich umfing!Duaber konntest nicht verlieren —DenSchmuck, der auch denEngelziert!Das Schicksal wollte Dich verführen,Duaber hast denTodverführt.Charakter— porenloser Wille,Der gold'ne Saat für Welten trägt:Hat Dir, in Deiner Sabbathstille,Gedankengold zuThatgeprägt.Nursogelang es Deinem Muthe:Bei frech bestürmender Gefahr,Zusiegennoch in Deinem Blute;Zuretten, was Dir heilig war. —
Geliebte Du, in fernen Räumen!Wann sich die Geisterstunde neigt:Umfangen wir Dein Bild in Träumen;Dein Bild, das uns diePalmezeigt.
Dein treu bewährtes Tugendleben,So lang es hier auf Erden ging:War eineLandschaft, mild und eben,Gefasst in einen Blumenring.
Da war kein Berg mit Silberminen,Kein Alpenstrom, der Gold verhiess;Kein Schloss der Vorzeit in Ruinen,Kein Thurm mit seinem Burgverliess.
Es war die reichste Blumenwiese;Durch die sich, wie ein Ordenband,Ein Perlenquell vom Paradiese,Vorbei an Frucht-Alleen wand.
Nur Unschuld, Ehre, Treue gingenEinher, bei frohem Lerchensang;UndEngelnur mit Rosaschwingen.Umflogen sie auf jedem Gang.
EinHüttchenstand, im Sonnenglanze:Da flocht, bei stillem Heitersinn,EinGärtneran dem Bürgerkranze,Für seines GlückesKönigin.
Doch — neidisch brachten dunkle Mächte,Dem Glück', des Todes Richterspruch!Der Sonne folgten Schauernächte;Da war dieFlureinLeichentuch!
Mein Himmel schwand! — Wie dort in FlammenSo mancher Weltenbau verging:Sofiel meinParadieszusammen;Und —Grabnur blieb, was ich umfing!
Duaber konntest nicht verlieren —DenSchmuck, der auch denEngelziert!Das Schicksal wollte Dich verführen,Duaber hast denTodverführt.
Charakter— porenloser Wille,Der gold'ne Saat für Welten trägt:Hat Dir, in Deiner Sabbathstille,Gedankengold zuThatgeprägt.
Nursogelang es Deinem Muthe:Bei frech bestürmender Gefahr,Zusiegennoch in Deinem Blute;Zuretten, was Dir heilig war. —
Dich nennt zwar keine Weltgeschichte,Sie schreibt ja nur bei Dämmerlicht!Es gingen Völker zum Gerichte,Und die Geschichte kennt sie nicht!Oft hat derUnschuldGottvertrauenDen Sieg der Feinde schnell besiegt;Tyrannengrimm ein Blick derFrauen,Am Thränenquell, in Schlaf gewiegt;An unsichtbarem SpinngewebeHing oft der Staaten Weltgeschick:Dochseltenlebt, wer uns beschriebeDer Webzeit Ersten Augenblick! —EinSaemannschrieb die Erste Rolle,Die Segen auf die Völker trug;Sein Jahrbuch war die Erdenscholle,Sein Zaubergriffel war — seinPflug.MitsolchemGriffel schrieb erThaten,Kein Prahlwort, in der Zeiten Buch;MitsolchemSchriftwerk hob er Staaten:Und seineSaatentrifft kein Fluch!Kann aber unsGeschichte melden:Wer solch ein Götterwerk erdacht? —Ihr Labsal ist nur Mark der Helden;Ihr Nektar, Blut der Völkerschlacht!
Dich nennt zwar keine Weltgeschichte,Sie schreibt ja nur bei Dämmerlicht!Es gingen Völker zum Gerichte,Und die Geschichte kennt sie nicht!
Oft hat derUnschuldGottvertrauenDen Sieg der Feinde schnell besiegt;Tyrannengrimm ein Blick derFrauen,Am Thränenquell, in Schlaf gewiegt;
An unsichtbarem SpinngewebeHing oft der Staaten Weltgeschick:Dochseltenlebt, wer uns beschriebeDer Webzeit Ersten Augenblick! —
EinSaemannschrieb die Erste Rolle,Die Segen auf die Völker trug;Sein Jahrbuch war die Erdenscholle,Sein Zaubergriffel war — seinPflug.
MitsolchemGriffel schrieb erThaten,Kein Prahlwort, in der Zeiten Buch;MitsolchemSchriftwerk hob er Staaten:Und seineSaatentrifft kein Fluch!
Kann aber unsGeschichte melden:Wer solch ein Götterwerk erdacht? —Ihr Labsal ist nur Mark der Helden;Ihr Nektar, Blut der Völkerschlacht!
So grabe denn der Helden Leben,Geschichte, deinem Marmor ein!Doch —Ihrauch wird ein Tag sich heben,UndRosanicht vergessen sein!Es kommen Söhne ferner Zeiten,An die noch keine Zeit gedacht:Diewerden Dir einFestbereiten,Zum Jahrtag Deiner Todesnacht. —Die Hand derLiebesä't in GrüfteDen Keim zu manchem Wunderbaum;Die Krone spielt im Reich' der Lüfte,Die Wurzel fand im Grabe Raum':Da grünt ein Stamm aus Deinem Staube;Aus Thränen wird ein Wasserfall;Und in derLindeMai-GelaubeBesingt Dein Lob die Nachtigall.
So grabe denn der Helden Leben,Geschichte, deinem Marmor ein!Doch —Ihrauch wird ein Tag sich heben,UndRosanicht vergessen sein!
Es kommen Söhne ferner Zeiten,An die noch keine Zeit gedacht:Diewerden Dir einFestbereiten,Zum Jahrtag Deiner Todesnacht. —
Die Hand derLiebesä't in GrüfteDen Keim zu manchem Wunderbaum;Die Krone spielt im Reich' der Lüfte,Die Wurzel fand im Grabe Raum':
Da grünt ein Stamm aus Deinem Staube;Aus Thränen wird ein Wasserfall;Und in derLindeMai-GelaubeBesingt Dein Lob die Nachtigall.
Der Vollmond hebt die Augenlieder;Ein Pilger eilt dem Hügel zu;Und neigt sich auf Dein Grabmal nieder,Zu schlafen süssen Schlaf, wieDu!
Der Vollmond hebt die Augenlieder;Ein Pilger eilt dem Hügel zu;Und neigt sich auf Dein Grabmal nieder,Zu schlafen süssen Schlaf, wieDu!
ODu, verklärt, in lichtenSphären:GiebSegenmeinem Pilgerlauf!Und nimmhinab, desDankesZähren,Und meinenKuss, zu Dirhinauf!Mein Glaube wohnt auf DeinemHügel,Die Hoffnung reicht den Wanderstab;Bis mich zuDirderLiebeFlügel,Emporhebt, über Zeit und Grab.DeinRosatuch— sei mirGeleite,Wohinauch meinVerhängnissruft!Es folge mir im Erdenstreite,Und dann zum Frieden, meiner Gruft!Duaber,StaubderGräber-Auen:Lass hier bei Mond- und Sonnenschein.DasLebensich amToderbauen,Dann wird keinTodimLebensein!«
ODu, verklärt, in lichtenSphären:GiebSegenmeinem Pilgerlauf!Und nimmhinab, desDankesZähren,Und meinenKuss, zu Dirhinauf!
Mein Glaube wohnt auf DeinemHügel,Die Hoffnung reicht den Wanderstab;Bis mich zuDirderLiebeFlügel,Emporhebt, über Zeit und Grab.
DeinRosatuch— sei mirGeleite,Wohinauch meinVerhängnissruft!Es folge mir im Erdenstreite,Und dann zum Frieden, meiner Gruft!
Duaber,StaubderGräber-Auen:Lass hier bei Mond- und Sonnenschein.DasLebensich amToderbauen,Dann wird keinTodimLebensein!«
Nachdem er so die Mitternacht,Dann Morgenroth herbei gewacht:Erhob sichHeilgenTreiden;Und sprach dort, in derLiebenHaus,Den letzten Wunsch und Willen aus,Auf immerdar,zu scheiden.Nicht dreifach hoher Ehrensold,Erboten ihm vonSegewold,Kann seine Schritte bannen.Er wirft den thränefeuchten BlickNach seinemParadieszurück,Und eilet nun von dannen.DesTiefgebeugtenBrust bewegt:NichtGreif, derRosa Maigepflegt;Nicht Bitte, noch Vertrauen.DieHöhle, die seinGlückumfing,InderseinHimmelunterging:Erregt ihm Scheu und Grauen.Vergebens klang, am trauten Ort',Noch einmal Ruf und Freundeswort;DerAltenWunsch und Flehen!Mit seinemRosatuchentschwandDerJüngling, heim, zumVäterland;Und — ward nicht mehr gesehen!
Nachdem er so die Mitternacht,Dann Morgenroth herbei gewacht:Erhob sichHeilgenTreiden;Und sprach dort, in derLiebenHaus,Den letzten Wunsch und Willen aus,Auf immerdar,zu scheiden.
Nicht dreifach hoher Ehrensold,Erboten ihm vonSegewold,Kann seine Schritte bannen.Er wirft den thränefeuchten BlickNach seinemParadieszurück,Und eilet nun von dannen.
DesTiefgebeugtenBrust bewegt:NichtGreif, derRosa Maigepflegt;Nicht Bitte, noch Vertrauen.DieHöhle, die seinGlückumfing,InderseinHimmelunterging:Erregt ihm Scheu und Grauen.
Vergebens klang, am trauten Ort',Noch einmal Ruf und Freundeswort;DerAltenWunsch und Flehen!Mit seinemRosatuchentschwandDerJüngling, heim, zumVäterland;Und — ward nicht mehr gesehen!
FOOTNOTES:[A]Unter dem Worte »Jener« ist, wie die Leser leicht einsehen werden, wohl nurder Mannzu verstehen:Demdiese Blätter, und zwar mit vollem Rechte, gewidmet werden.
[A]Unter dem Worte »Jener« ist, wie die Leser leicht einsehen werden, wohl nurder Mannzu verstehen:Demdiese Blätter, und zwar mit vollem Rechte, gewidmet werden.
[A]Unter dem Worte »Jener« ist, wie die Leser leicht einsehen werden, wohl nurder Mannzu verstehen:Demdiese Blätter, und zwar mit vollem Rechte, gewidmet werden.