Elftes Kapitel.

Elftes Kapitel.

Daria Nikolajewna war mit ihrer gesamten Dienerschaft eifrig bemüht, ihren Appartements das frühere Aussehen wiederzugeben. An den Wänden reihte sich bald wieder Bild an Bild, vor den Kamin stellte sie einen kostbaren Schirm, auf den Kamin selbst eine schwarze Marmoruhr mit einem Perpendikel in Gestalt eines Sternes, über die Tische breiteten sich neue kostbare Decken; Lampen, Porzellan, Bronzen, Statuetten und allerlei Kleinkram bedeckten jeden freien Platz im Salon und Schlafzimmer, so daß die Wohnung bald an das Logement einer reichen Halbweltdame erinnerte, die sich von ihren Verehrern die unnützesten Dinge ohne Sinn und Verstand hatte schenken lassen.

Noch als die Arbeit im besten Gange war, erschien unerwartet der Lehrer Prepotenskij und war völlig verblüfft. Natürlich konnte er diesen »Schick« nicht billigen. Als aber Daria Nikolajewna, die ihn gar nicht beachtete, die Unverschämtheit hatte, den Dienstboten zu befehlen, in Gegenwart des Lehrers die Überzüge von den Möbeln abzunehmen, da wurde es ihm zu viel, und er fragte:

»Und Sie schämen sich nicht?«

»Ganz und gar nicht.«

»Das ist einfach unverschämt!« rief Prepotenskij, setzte sich in eine Ecke und nahm ein neues Buch vor.

In diesem Augenblick hörte man Termosesow im Nebenzimmer husten. Kurz entschlossen meinte die Biziukina:

»Gehn Sie raus!«

Das kam so unerwartet, daß sogar Prepotenskij den harten Sinn dieser Worte nicht begriff und die Dame ihren Befehl wiederholen mußte.

»Raus?« fragte der verblüffte Lehrer noch einmal.

»Ja. Ich wünsche Sie nicht mehr in meinem Hause zu sehn.«

»Meinen Sie das im Ernst?«

»Vollkommen im Ernst.«

Im Zimmer der Gäste wurde es wieder laut.

»Gehn Sie bitte hinaus, Prepotenskij,« rief die Biziukina ungeduldig. »Hören Sie? Hinaus!«

»Aber ich bitte Sie, ich störe doch gar nicht.«

»Doch, Sie stören!«

»Ich kann mich ja bessern.«

»Sie sind unverbesserlich,« widersprach die Hausfrau ungeduldig und suchte den Gast von seinem Platze zu vertreiben.

Allein auch Prepotenskij zeigte sich als Mann von Charakter und verlangte ruhig, aber fest eine Erklärung, warum sie ihn für unverbesserlich halte.

»Weil Sie ein kompletter Esel sind!« schrie endlich die Biziukina ganz außer sich.

»Ah, das ist etwas anderes,« sagte Prepotenskij aufstehend. »In diesem Falle bitte ich nur um Rückgabe meiner Knochen.«

»Fragen Sie Jermoschka danach. Ich hab' ihm befohlen, sie hinauszuwerfen.«

»Hinauszuwerfen!« schrie der Lehrer und stürzte in die Küche. Als er nach einer halben Stunde zurückkam, war Daria Nikolajewna bereits in einer so blendenden Toilette, daß der Lehrer, als er sie erblickte, sich am Ofen festhalten mußte, um nicht umzufallen.

»Ah, Sie sind noch nicht fort?« fragte sie streng.

»Nein, ich bin nicht gegangen und kann nicht gehn … denn Ihr Jermoschka …«

»Nun?«

»Er hat die Knochen an einen Ort geworfen, daß für mich keine Hoffnung mehr …«

»O, ich sehe, Sie wollen hier noch lange predigen!« rief die Biziukina in wildem Zorn, packte den Lehrer bei den Schultern und stieß ihn ins Vorzimmer. In demselben Augenblick ging die Tür des Kabinetts auf und Termosesow erschien auf der Schwelle.


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