Neunzehntes Kapitel.

Neunzehntes Kapitel.

Das Gewitter hatte sich ebenso schnell verzogen, wie es gekommen war. An Stelle der schwarzen Wolke hob sich vom blauen Grunde ein rosiger Streifen ab. Auf dem nassen Hafersack, der auf dem Bock des Wagens lag, saßen schon fröhlich zwitschernde Spatzen und zogen frech nasse Körner durch die Löcher der feuchten Leinewand. Der Wald wurde wieder lebendig. Irgendwoher kam ein leises, einschmeichelndes Pfeifen, und auf den Rain ließ sich laut girrend ein Taubenpärchen herab. Das Weibchen streckte seinen Flügel über dem Boden aus, strich ihn mit seinem roten Pfötchen und richtete ihn segelartig empor, um sich vor dem Freunde zu verbergen. Der Tauber blies den Kropf auf, machte eine tiefe Verbeugung und sagte gefühlvoll: »Nur du!« Auf diese Begrüßung folgten Küsse, und fieberhaft bebten die Flügel im dichten Gewirr der Wermutstauden. Das Leben nahm wieder seinen Lauf. Pferdegetrappel ertönte in nächster Nähe: Pawliukan kam zurück. Er ritt auf dem einen Pferde und führte das andere am Zügel.

»Nun, lebt Ihr noch, Vater!« rief er lustig, auf den Wagen zureitend und absteigend. »Ich eilte, was ich konnte, daß Ihr nicht allein vom Unwetter überrascht würdet, aber wie der Donner plötzlich so dreinfuhr, da bin ich, müßt Ihr wissen, vom Pferde runter einfach platt auf den Boden gefallen … Und hier hat's ja den Eichbaum abgeschnitten!«

»Ja, mein Freund, das hat es. Aber laß uns nun anspannen und fahren.«

»Gott, muß das eine Gewalt gewesen sein!«

»Ja, Freund, aber fahren wir.«

»Es weht jetzt so ein frischer Wind, da wird sich's herrlich fahren.«

»Ja, herrlich, aber spann nur schnell an.«

Und Tuberozow machte sich in seiner Ungeduld selbst an die Arbeit.

In wenigen Minuten waren die im Regen gebadeten Pferde angespannt, und der Wagen des Propstes sauste dahin, fröhlich in den zahllosen Lachen des furchenreichen Landweges plätschernd.

Die Luft war wunderbar frisch und rein. Ein warmes Licht lag über der Landschaft. Leichter Dampf stieg von den Feldern auf. Es roch nach feuchten Haselzweigen. Tuberozow fühlte sich in seinem Wägelchen so wohl wie seit langem nicht. Er zog immer wieder tief Atem und freute sich, daß er es so leicht konnte. Er kam sich vor wie ein Adler, dem neue Flügel gewachsen waren.

Vor der Stadt begrüßte ihn helles Glockengeläute, das die Andächtigen zum Vespergottesdienste rief.


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