Vierzehntes Kapitel.

Vierzehntes Kapitel.

»Gott, was Sie sich aufregen!« lachte Termosesow. »Ich schloß die Tür nur, um mich mit Ihnen gemütlich und ungestört unterhalten zu können, und Sie reißen gleich Ihr ganzes Geistesprodukt in Fetzen.«

Bornowolokow setzte sich wieder.

»Unterzeichnen Sie dieses Papier. Aber bitte schön – nicht zerreißen!«

Damit legte Termosesow ihm jenes formlose Skriptum vor, in dem er Wahrheit und Dichtung über Tuberozow und Tuganow zusammengebraut und sich selbst so glänzend attestiert hatte.

Bornowolokow las es ruhig von Anfang bis zu Ende.

»Nun?« fragte Termosesow, als er sah, daß er mit dem Lesen fertig war, »wollen Sie unterschreiben oder nicht?«

»Ich könnte Ihnen sagen, daß ich erstaunt bin, aber …«

»Ich habe Ihnen das Staunen schon abgewöhnt! Das weiß ich sehr gut, und auch bei Ihnen wundere ich mich über nichts mehr!«

Damit reichte er Bornowolokow die Abschrift des Briefes an die Kusine Nina und fügte hinzu:

»Das Original habe ich auch.«

»Sie haben es? Wie konnten Sie sich unterstehen?«

»Wie konntenSiesich unterstehen? Und das nennt sich Freund und Bruder! Da will man gemeinschaftlich ganzRußland auf den Kopf stellen – und dann kommt so ein liebenswürdiges Attest! Nein, mein Lieber, das geht nicht. Da werden Sie mir ein ganz anderes Zeugnis ausstellen müssen.«

Bornowolokow sprang auf und fing an im Zimmer hin und her zu laufen.

»Nehmen Sie nur wieder Platz, das Rennen nützt Ihnen gar nichts,« meinte Termosesow. »Wir wollen uns doch friedlich auseinandersetzen. Sie wissen, wohin ich Sie mit diesem Brieflein, mit dem Hinweise darauf, daß Ihre werte Vergangenheit nicht so ganz sauber ist, expedieren kann? Da holt Sie kein Polack und keine Kusine heraus!«

Bornowolokow schlug sich ungeduldig auf die Schenkel und rief:

»Wie konnten Sie meinen Brief stehlen, wenn ich ihn selbst in den Kasten geworfen hatte?«

»Raten Sie! Wie ich's fertig gekriegt habe, ist meine Sache, Ihnen aber sag' ich nun zum letztenmal: unterschreiben Sie! Auf das erste Blatt setzen Sie Ihren Vor- und Familiennamen, Amt und Rang, und auf dem zweiten bestätigen Sie die Richtigkeit der Abschrift und fügen dann noch zwei Worte hinzu, die ich Ihnen diktieren werde.«

»Sie … Sie wollen mir diktieren?«

»Allerdings. Ich diktiere, Sie schreiben und dann geben Sie mir tausend Rubel Reugeld.«

»Reugeld?! Wofür?«

»Dafür, daß Sie dann Ruhe vor mir haben.«

»Ich habe nicht so viel.«

»Mir genügt ein Schuldschein. Hundert bis hundertfünfzig in bar, das übrige hat Zeit … Aber lange mit Ihnen diskutieren tue ich nicht. Wollen Sie, so ist's recht; wollen Sie nicht, so ist mir's auch recht. In diesem Fall habe ich die Ehre, mich Ihnen zu empfehlen.«

»Ich will unterschreiben!« sagte Bornowolokow kurz.

»Bitte …«

Termosesow wischte die Feder an seinem Rockschoß ab, tauchte sie ein und reichte sie Bornowolokow.

»Was soll ich schreiben?«

Termosesow räusperte sich und diktierte:

»Der Hundsfott Termosesow …«

Bornowolokow stutzte und sah ihn mit weit aufgerissenen Augen an.

»Wollen Sie wirklich, daß ich diese Worte schreibe?«

»Selbstverständlich. Schreiben Sie nur: ›Der Hundsfott Termosesow‹.«

»Danke ergebenst. Bitte, weiter.«


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