The Project Gutenberg eBook ofDie Naturwissenschaften in ihrer Entwicklung und in ihrem Zusammenhange, IV. BandThis ebook is for the use of anyone anywhere in the United States and most other parts of the world at no cost and with almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included with this ebook or online atwww.gutenberg.org. If you are not located in the United States, you will have to check the laws of the country where you are located before using this eBook.Title: Die Naturwissenschaften in ihrer Entwicklung und in ihrem Zusammenhange, IV. BandAuthor: Friedrich DannemannRelease date: May 13, 2019 [eBook #59493]Language: GermanCredits: Produced by Peter Becker, Heike Leichsenring and the OnlineDistributed Proofreading Team at http://www.pgdp.net*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK DIE NATURWISSENSCHAFTEN IN IHRER ENTWICKLUNG UND IN IHREM ZUSAMMENHANGE, IV. BAND ***
This ebook is for the use of anyone anywhere in the United States and most other parts of the world at no cost and with almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included with this ebook or online atwww.gutenberg.org. If you are not located in the United States, you will have to check the laws of the country where you are located before using this eBook.
Title: Die Naturwissenschaften in ihrer Entwicklung und in ihrem Zusammenhange, IV. BandAuthor: Friedrich DannemannRelease date: May 13, 2019 [eBook #59493]Language: GermanCredits: Produced by Peter Becker, Heike Leichsenring and the OnlineDistributed Proofreading Team at http://www.pgdp.net
Title: Die Naturwissenschaften in ihrer Entwicklung und in ihrem Zusammenhange, IV. Band
Author: Friedrich Dannemann
Author: Friedrich Dannemann
Release date: May 13, 2019 [eBook #59493]
Language: German
Credits: Produced by Peter Becker, Heike Leichsenring and the OnlineDistributed Proofreading Team at http://www.pgdp.net
*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK DIE NATURWISSENSCHAFTEN IN IHRER ENTWICKLUNG UND IN IHREM ZUSAMMENHANGE, IV. BAND ***
DARGESTELLT VONFRIEDRICH DANNEMANN
VIERTER BAND:DAS EMPORBLÜHEN DER MODERNEN NATURWISSENSCHAFTENSEIT DER ENTDECKUNG DES ENERGIEPRINZIPS
MIT 70 ABBILDUNGEN IM TEXT UND MITEINEM BILDNIS VONHELMHOLTZ
LEIPZIG UND BERLIN
VERLAG VON WILHELM ENGELMANN1913
Copyright 1913 by Wilhelm Engelmann, Leipzig.Druck der Königl. Universitätsdruckerei H. Stürtz A. G., Würzburg.
HERMANN VON HELMHOLTZFranz Lenbachpinx.Franz Hanfstaengled.
HERMANN VON HELMHOLTZFranz Lenbachpinx.Franz Hanfstaengled.
Franz Lenbachpinx.Franz Hanfstaengled.
Mit dem vorliegenden, vierten Bande kommt das Unternehmen, die Naturwissenschaften in ihrer Entwicklung und in ihrem Zusammenhange darzustellen, zum Abschluß. Der erste Band führte von den Anfängen bis zum Wiederaufleben der Wissenschaften, der zweite von Galilei bis etwa zur Mitte des 18. Jahrhunderts. Zwischen dem 3. und dem jetzt erscheinenden 4. Bande ließ sich keine scharfe chronologische Schranke ziehen. Beide Bände schildern in der Hauptsache das Emporblühen der modernen Naturwissenschaften, das mit der Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert anhebt. Einen gewissen Abschnitt bildet die Aufstellung des Energieprinzips. Die Entdeckung dieses, die moderne Wissenschaft beherrschenden Prinzips war aber keine unvermittelte. Sie wurde durch das Auffinden zahlreicher Tatsachen und Beziehungen allmählich vorbereitet. Infolgedessen tritt das neue Prinzip in den ersten Abschnitten des vierten Bandes erst nach und nach immer deutlicher in die Erscheinung, bis es gegen die Mitte des 19. Jahrhunderts zu einem klaren Ausdruck und seitdem zur bewußten Ausdehnung auf sämtliche Naturwissenschaften gelangt. Gleichzeitig erfolgt auf dem Gebiete der organischen Wissenschaften das Emporkeimen des Entwicklungsgedankens. Wir stehen noch heute inmitten des Ringens, das an der Hand dieser umfassenden, dem 19. Jahrhundert sein Gepräge verleihenden Prinzipien zu immer größerer Klarheit führen wird. Es mußte daher das Ziel des letzten Bandes sein, den Wegen nachzugehen, die von dem älteren, gesicherten Bestande zu den Problemen des Tages hinüberführen. Als Marksteine auf diesen Wegen begegnen uns die Originalarbeiten der großen Forscher. Diese Arbeiten sind durchOstwaldsumfangreiches Unternehmen der »Klassiker der exakten Wissenschaften« weiteren Kreisen zugänglicher geworden. Der Aufgabe, für dieses Unternehmen gewissermaßen einen Rahmen zu schaffen, ist sich der Verfasser auch in dem vorliegenden Bande stets bewußt geblieben.
Nur unter Beachtung der erwähnten Gesichtspunkte war es möglich, den immer mehr anschwellenden Stoff zu bewältigen und die Darstellung zu einem hoffentlich glücklichen Abschluß zu führen. Da die Beschränkung auf das Wichtigste und das Allgemeine für den letzten Band noch mehr geboten schien als für die drei übrigen, so darf man das nunmehr vollendete Werk nicht als ein Nachschlagebuch betrachten und es gar unbefriedigt aus der Hand legen, wenn es über dieses oder jenes Einzelwissen keine Auskunft gibt. Trotzdem wurde auf ein ausführliches Namen-, Sach- und Literaturverzeichnis nicht verzichtet, da es immerhin erwünscht ist, die Zusammengehörigkeit der im Text getrennten Angaben rasch auffinden zu können.
Hoffentlich ist es gelungen, ein Werk zu schaffen, das die Beziehungen der Naturwissenschaften unter sich und zu den Nachbargebieten im Rahmen der Gesamtentwicklung aufweist und das den weitesten Kreisen der Forschenden, der Lehrenden und Lernenden dasjenige bringt, was zu einem tieferen Verständnis des heutigen Wissenschaftsgebäudes nötig ist. Auch solchen, die ihre Aufgabe in der Anwendung der Wissenschaften erblicken, wie den Ärzten und den Technikern, dürfte das Gebotene willkommen sein, um so mehr, als auf wichtige Anwendungen der Wissenschaft an vielen Stellen Bezug genommen ist. Was die Wissenschaftsgeschichte für die Gegenwart bedeutet, wird zu Beginn des ersten Abschnittes geschildert. In seinem zweiten Teile wird dann der Faden der zusammenhängenden Darstellung wieder aufgenommen.
Friedrich Dannemann.
1. Wissenschaft und Wissenschaftsgeschichte.
(S.1-25.)
1. Einleitendes. –2. Einzeldarstellungen und Schilderung der Gesamtentwicklung. –3. Förderung der Wissenschaftsgeschichte. –4. Vorlesungen über Wissenschaftsgeschichte. –6. Wert des geschichtlichen Studiums. –8. Geschichte der Medizin und der Technik. –9. Anfänge der Wissenschaft. –10. Rückblick auf das Altertum. –12. Das Weltbild im Altertum. –13. Das Experiment im Altertum. –14. Naturwissenschaft und Philosophie. –15. Rückblick auf das Mittelalter. –16. Das arabische Zeitalter. –17. Das Wiederaufleben der Wissenschaften. –19. Das Zeitalter Galileis. –21. Newtons Zeitalter. –23. Astronomie der Fixsterne –25. Einheitliche Auffassung der Natur.
2. Die Astronomie nach ihrer Begründung als Mechanik des Himmels.
(S.27-37.)
27. Die Entdeckung des Uranus. –29. Die Parallaxe der Fixsterne. –32. Die Länge des Sekundenpendels. –34. Enckes Komet. –35. Himmelskarten. –36. Sonnenparallaxe. –37. Bahnberechnungen.
3. Die älteren Zweige der Physik bis zu ihrem Eintritt in das Zeitalter des Energieprinzips.
(S.38-68.)
38. Die Entdeckung der Osmose. –40. Die Entdeckung der Diffusion. –42. Trennung durch Dialyse. –43. Kolloide und Kristalloide. –44. Osmotische Vorgänge. –45. Ausdehnungskoeffizient der Gase. –46. Rudbergs Nachprüfung. –47. Versuche von Magnus und Regnault. –48. Die Natur des gasförmigen Zustandes. –50. Kritische Temperatur. –51. Permanente Gase. –52. Zustandsgleichung. –53. Avogadros Regel. –55. Dampfdichtebestimmung. –57. Theoretische Optik. –58. Dopplers Prinzip. –60. Polaristrobometer. –61. Stereoskop. –63. Schlierenapparat. –65. Lichtgeschwindigkeit. –67. Emission oder Undulation. –68. Licht und Wärme.
4. Die Begründung der neueren Elektrizitätslehre.
(S.69-117.)
69. Faraday. –71. Elektrizität und Magnetismus. –72. Die Entdeckung der Induktion. –74. Aragos Versuch. –76. Wärmewirkung der Induktionsströme. –77. Induzierende Wirkung des Erdmagnetismus. –79. Die Entdeckung des Extrastromes. –82. Entladung durch Gase. –84. Elektrizitätsarten. –85. Chemische Wirkungen der Elektrizität. –86. Magnetelektrische Maschine. –87. Voltaelektrometer. –88. Elektrolytisches Grundgesetz. –90. Bekämpfung der Kontakttheorie. –91. Chemische Theorie des Stromes. –92. Magnetisierung des Lichtes. –94. Diamagnetismus. – Diëlektrikum. –96. Theorie der Elektrizität. –97. Das Biot-Savartsche Gesetz. –98. Ampères elektrodynamisches Grundgesetz. –99. Georg Simon Ohm. –100. Das Ohmsche Gesetz. –102. Wärmewirkung des Stromes. –103. Das Joulesche Gesetz. –104. Thermoströme. –105. Peltiers Phänomen. –106. Stärke der Induktionsströme. –107. Lenzsches Grundgesetz. –108. Franz Ernst Neumann. –109. Die Theorie induzierter Ströme. –110. Webers elektrodynamisches Grundgesetz. –111. Die Theorie der Induktion. –112. Webers Tangentenbussole. –113. Elektrochemisches Äquivalent. –115. Elektrodynamometer. –116. Einheit der Elektrizität.
5. Die Begründung der organischen Chemie und ihr Einfluß auf die Entwicklung der chemischen Vorstellungen.
(S.118-145.)
118. Einleitendes. –119. Radikale. –120. Radikaltheorie. –122. Liebig. –124. Chemische Laboratorien. –125. Wöhler. –126. Isomerie. –127. Synthese organischer Verbindungen. –128. Säuren und Salze. –129. Basizität der Säuren.–130. Benzol. –131. Benzolderivate. –132. Organische Säuren. –133. Bunsen. –134. Das Radikal Kakodyl. –136. Organische und unorganische Chemie. –137. Alkohole und Säuren. –138. Radikale und Typen. –139. Begründung der Typentheorie. –140. Einzelne Typen. –141. Doppeltypen. –142. Gemischte Typen. –143. Äquivalent, Atom, Molekül. –144. Anfänge der Strukturtheorie.
6. Die Begründung der Physiologie als eines besonderen Wissenszweiges.
(S.146-154.)
146. Einleitendes. –147. Physiologie und Bodenkunde. –148. Chemie und Physiologie. –149. Naturwissenschaft und Medizin. –150. Naturwissenschaft und Philosophie. –151. Physiologie und Anatomie. –152. Physiologie der Sinnesorgane. –154. Erschütterung der Lehre von der Lebenskraft.
7. Die Zelle wird als das Grundorgan der pflanzlichen und tierischen Organismen erkannt.
(S.155-166.)
155. Erneuerung der Pflanzenanatomie. –156. Fortschritte der Mikroskopie. –157. Tier- und Pflanzenzellen. –158. Elementarorganismen. –159. Die Zusammensetzung der Zellen. –160. Der Organismus, ein Zellenstaat. –161. Zellularpathologie. –162. Die Entstehung der Zellen. –163. Die Natur des Protoplasmas. –164. Wachstum und Werden der Zellen. –165. Entwicklung und Morphologie der Gewebe. –166. Das Gefüge der organisierten Substanz.
8. Die Geologie im Zeitalter des Aktualismus und in engerer Verknüpfung mit den übrigen Naturwissenschaften.
(S.167-176.)
167. Abkehr von der Katastrophentheorie. –169. Die Zeit als geologischer Faktor. –171. Geologie und Biologie. –172. Das Leben als geologischer Faktor. –173. Ehrenbergs Mikrogeologie. –174. Korallen und Korallenriffe. –175. Gebirgsbildung. –176. Tiefseeforschungen.
9. Die Ausdehnung des Energieprinzips auf sämtliche Naturwissenschaften.
(S.177-200.)
177. Das Prinzip vom ausgeschlossenen Perpetuum mobile. –178. Der Zusammenhang der Kräfte. –179. Robert Mayer. –180. Wärme und Arbeit. –181. Das mechanische Äquivalent der Wärme. –182. Die Äquivalenz sämtlicher Naturkräfte. –183. Das Wesen der Kräfte. –185. Physik und Biologie. –186. Joule. –187. Die Bestimmung des Wärmeäquivalents. –189. Colding. –190. Helmholtz. –191. Lebendige Kraft und Spannkraft. –192. Das Prinzip von der Erhaltung der Kraft. –194. Der Kraftvorrat des Sonnensystems. –195. Mechanische Wärmetheorie. –196. Hauptsätze der mechanischen Wärmetheorie. –198. Die kinetische Gastheorie. –200. Die Thermodynamik der Lösungen.
10. Neuere Fortschritte in der Erforschung des organischen Lebens.
(S.201-241.)
201. Biologie der Mikroorganismen. –204. Die Erreger der Gärung und der Fäulnis. –205. Fortpflanzung durch Schwärmsporen. –206. Sexualität der Kryptogamen. –207. Verwandtschaftliche Zusammenhänge. –208. Erklärung der Lebenserscheinungen. –209. Anatomie und Physiologie. –210. Aufbau der Gewebe. –211. Die Reizbarkeit. –212. Richtungsbewegungen. –213. Mechanik der Bewegungen. –214. Mechanik des Saftsteigens. –216. Organisation des Protoplasmas. –217. Physik und Physiologie. –218. Puls- und Wellenlehre. –220. Mechanik der Sekretionsvorgänge. –222. Messung des Sekretionsdruckes. –223. Physiologie und graphisches Verfahren. –224. Die Erklärung des Farbenwechsels. –225. Interferenz und Pigmente. –226. Reflextätigkeit. –227. Chromatische Funktion. –228. Physiologie des Gesichtssinnes. –229. Entoptische Erscheinungen. –230. Physiologie und Psychologie. –231. Experimentelle Grundlagen der Psychologie. –233. Das psychophysische Grundgesetz. –234. Individuelles und phylogenetisches Gedächtnis. –235. Nerventätigkeit. –236. Lehre von der Lebenskraft. –237. Verwandtschaft und Entwicklung. –238. Parthenogenese. –239. Generationswechsel. –241. Tier- und Pflanzenleben.
11. Die wissenschaftliche Begründung der Entwicklungslehre.
(S.242-266.)
243. Organismus und Umwelt. –244. Umbildung durch Anpassung. –245. Aussterben und Entstehen von Arten. –246. EntwicklungsgeschichtlicheMethode. –247. Verwandtschaftliche Beziehungen. –248. Morphologie und Embryologie. –249. Gemeinsame Urform. –250. Die Bedeutung der Übergangsformen. –251. Charles Darwin. –252. Mechanisch wirkende Ursachen. –253. Die Malthussche Lehre. –254. Natürliche Zuchtwahl. –255. Beweismittel der Deszendenztheorie. –256. Unzulänglichkeit der Darwinschen Theorie. –257. Abstammung des Menschen. –258. Biogenetisches Grundgesetz. –259. Entwicklungsmechanik. –260. Bastardbildung. –262. Mendels Versuche. –263. Dominierende und rezessive Merkmale. –264. Mendelsche Regeln. –266. Mendelismus.
12. Geologie und Mineralogie unter dem Einfluß der chemisch-physikalischen Forschung.
(S.267-284.)
268. Mikroskopie und Gesteinskunde. –269. Ergebnisse der Gesteinsmikroskopie. –270. Geologische Experimente. –271. Gebirgsbildung. –272. Erdbebenforschung. –273. Das Leben als geologischer Faktor. –274. Mikrogeologische Studien. –275. Gletscher und Moränen. –276. Das Eis als geologischer Faktor. –277. Die Lehre von den Eiszeiten. –278. Gestalt und Masse der Erde. –279. Form und Eigenschaften der Mineralien. –280. Ableitung der Kristallsysteme. –282. Kristallographie und Mathematik. –283. Kristallographie und Physik. –284. Die Entstehung der Mineralien.
13. Die Entwicklung der Strukturchemie und der Systematik der chemischen Elemente.
(S.285-307.)
286. Valenztheorie und Strukturchemie. –287. Atomverkettung. –288. Strukturformeln. –289. Aromatische Verbindungen. –290. Benzoltheorie. –292. Bestimmung des chemischen Ortes. –294. Erweiterung der Benzoltheorie. –295. Fortschritte der Synthese. –296. Physikalische Isomerie. –297. Symmetrischer und asymmetrischer Aufbau. –298. Die Anfänge der Stereochemie. –299. Döbereiners Triaden. –301. Versuch einer Gruppierung sämtlicher Elemente. –302. Nachprüfung der Atomgewichte. –303. Das periodische System. –306. Vorhersage der Existenz des Germaniums.
14. In der Spektralanalyse und in der Photographie entstehen die wichtigsten neuzeitlichen Forschungsmittel.
(S.308-328.)
309. Anfänge der Spektralanalyse. –310. Die Entdeckung der Fraunhoferschen Linien. –312. Bunsen und Kirchhoff erfinden das Spektroskop. –313. Die Spektren der Metalle. –314. Die Empfindlichkeit der Spektralreaktion. –316. Die Umkehrung der Spektren. –317. Emission und Absorption. –318. Die spektralanalytische Untersuchung der Sonne. –320. Die Entdeckung neuer Elemente. –322. Verbesserungen des Spektroskops. –323. Anwendungen der Spektralanalyse. –324. Spektroskopie und Astronomie. –325. Anfänge der Photographie. –327. Photographie und Astronomie. –328. Farbenphotographie.
15. Das Emporblühen der physikalischen Chemie.
(S.329-371.)
330. Physikalische und chemische Eigenschaften. –331. Photochemische Messungen. –334. Photochemische Induktion. –335. Photochemie und Astronomie. –336. Photochemische Wirkungen des Spektrums. –337. Polarisiertes Licht und chemische Zusammensetzung. –338. Polarisation und kristallinisches Gefüge. –339. Chemisch-optische Untersuchungen. –342. Drehungsvermögen und chemisches Gleichgewicht. –345. Dynamisches oder statisches Gleichgewicht. –346. Affinität und Wärmetönung. –347. Grundgesetz der Thermochemie. –349. Abnorme Dampfdichten. –350. Theorie der Dissoziation. –352. Thermodynamische Untersuchungen. –353. Massenwirkungsgesetz. –354. Reaktionsgeschwindigkeit. –356. Geschwindigkeitskoeffizient. –357. Reaktionsverlauf. –358. Bedingungen des Gleichgewichtszustandes. –359. Mechanik der chemischen Vorgänge. –360. Grundgesetze der chemischen Mechanik. –362. Osmotische Untersuchungen. –363. Ähnlichkeit des gasförmigen und des gelösten Zustandes. –364. Osmotischer Druck und absolute Temperatur. –365. Ausdehnung der Gasgesetze auf Lösungen. –366. Dissoziation in Lösungen. –367. Theorie der elektrolytischen Dissoziation. –368. Der Vorgang der Elektrolyse. –370. Die Wanderung der Ionen. –371. Leitfähigkeit der Elektrolyte.
16. Neuere Fortschritte der theoretischen und der angewandten Physik.
(S.372-390.)
373. Fortschritte der mathematischen Physik. –374. Fortschritte der Akustik. –375. Analyse des Klanges. –376. Fortschritte der Optik. –377. Physiologie und Optik. –378. Physiologie und Psychophysik. –379. Fortschritte der Elektrizitätslehre. –380. Elektrische Schwingungen. –382. Die Versuche von Hertz. –383. Elektrische Strahlen. –384. Licht und Elektrizität. –385. Funkentelegraphie. –386. Faradays Kraftlinien. –387.Maxwellsche Theorie. –388. Elektromagnetische Theorie des Lichtes. –389. Elektronentheorie. –390. Theorie der galvanischen Elemente.
17. Die Naturwissenschaften und die moderne Kultur.
(S.391-435.)
392. Die Grundlagen der chemischen Industrie. –393. Chemische Industrie und Leuchtgaserzeugung. –394. Neue Herstellungsweisen. –396. Die organisch-chemische Industrie. –397. Wichtige Synthesen. –398. Technik und Physik. –399. Telegraphie und Telephonie. –400. Galvanoplastik. –401. Elektrisches Licht. –402. Elektrizitätsquellen. –403. Dynamoelektrisches Prinzip. –404. Elektrotechnik und Chemie. –405. Neue wirtschaftliche Probleme. –407. Wissenschaft und Produktion. –408. Materielle und geistige Kultur. –409. Naturwissenschaft und Erkenntnistheorie. –410. Naturwissenschaft und Geisteswissenschaften. –411. Ethische Bedeutung der Naturwissenschaften. –412. Grenzen der Naturwissenschaften. –413. Ausgestaltung des Weltbildes.
18. Aufgaben und Ziele.
(S.414-433.)
415. Fortschritte der Methode. –416. Forschungsinstitute. –417. Tiefe und hohe Temperaturen. –419. Verknüpfung der Wissenschaftsgebiete. –421. Neue physikalische Gebiete. –422. Die Entdeckung der Radioaktivität. –423. Neue Strahlengattungen. –424. Elektronentheorie. –426. Fortschritte der Methoden. –427. Fortschritte der Photographie und Mikroskopie. –429. Fortschritte der Astronomie. –430. Astronomische Probleme. –431. Probleme der Biologie. –433. Schlußwort.
Von keinem Gegenstand im gesamten Bereich unserer Erfahrung besitzen wir einen klaren Begriff, wenn wir uns nicht seine Entwicklung vergegenwärtigen können. Am längsten gilt dieser Satz für das Verständnis der Staatengebilde. Für alles, was den Menschen als Staatsbürger angeht, hat daher stets die Geschichte als die große Lehrmeisterin gegolten. Auch die heutige Naturwissenschaft steht unter dem Einfluß des Entwicklungsgedankens. Dieser Gedanke hat im Laufe des 19. Jahrhunderts alle Gebiete erobert, besonders, seitdem es gelungen ist, die allmähliche Entwicklung der Tier- und Pflanzenwelt begreiflich zu machen. Sonderbarerweise hat man die Wissenschaft selbst erst in der neuesten Zeit häufiger und tiefer eindringend unter dem Gesichtspunkte der Entwicklung ins Auge gefasst. Und doch gilt gerade hier der Satz, daß sich erst aus der Einsicht in das Werden ein richtiges Verständnis für das Gewordene gewinnen läßt.
Eine bedeutende Anregung empfing die Geschichte der Wissenschaften um die Mitte des vorigen Jahrhunderts durch die Bayrische Akademie. Sie ließ nämlich die Geschichte der einzelnen Wissenszweige durch hervorragende Fachleute bearbeiten. So entstanden die Geschichte der Botanik vonSachs, die Geschichte der Zoologie vonCarus, die Geschichte der Astronomie vonWolffusw. Etwa zur selben Zeit, als die Bayrische Akademie ihr großes Unternehmen ins Werk setzte, entstandPoggendorffsbiographisch-literarisches Handwörterbuch, das noch heute und noch wohl für lange Zeit als eins der wichtigsten Hilfsmittel der historischen Forschung zu betrachten ist. Die Geschichtsschreibung auf naturwissenschaftlichem Gebiete nahm während des 19. Jahrhunderts nicht nur an Umfang zu, sondern sie ging auch mehr in die Tiefe. Das bloße Verzeichnen der Tatsachen und dasbiographische Moment traten zurück gegenüber dem Bestreben, die allmähliche Entwicklung der Gedanken zu verfolgen. In dieser Hinsicht fand die Geschichte der Naturwissenschaften gute Vorbilder in der neueren Behandlung der Geschichte der Philosophie und in der Literaturgeschichte. Wie man es auf diesen Nachbargebieten gelernt hatte, vor allem in das Werden und in das Reifen der philosophischen oder der literarischen Richtungen und Einzelschöpfungen einzudringen, so erblickte man auch auf unserem Gebiete die Hauptaufgabe immer mehr in der Darstellung des Werdens, der Klärung der grundlegenden Begriffe und darin, diesen Vorgang des Werdens aus möglichst allen Umständen und treibenden Ursachen heraus zu verstehen. Als ein Beispiel für diese Art der Geschichtsschreibung kann Dührings kritische Geschichte der allgemeinen Prinzipien der Mechanik gelten. Auch die bekannten historisch-kritischen Werke vonMachüber die Mechanik und über die Wärmelehre gehören hierher.
Was das 19. Jahrhundert auf dem Gebiete der Wissenschaftsgeschichte bot, blieb indessen, von wenigen Ausnahmen abgesehen, Spezialgeschichte. Neben besonderen Geschichtswerken über Mechanik und Wärmelehre entstanden solche über Optik, Elektrizitätslehre, Elektrochemie, Geologie, Meteorologie, Mineralogie usw. So wichtig die historische Bearbeitung begrenzter Teilgebiete ist, so wenig interessiert sie weitere Kreise. Man kann nicht einmal dem Physiker, geschweige denn dem Studierenden der Physik zumuten, sich über die Geschichte eines jeden Teilgebietes dieser Wissenschaft durch ein besonderes Werk zu unterrichten. Auch auf chemischem Gebiete ist die Anzahl der geschichtlichen Werke nicht gering. Ein Mangel, der den meisten anhaftet, besteht darin, daß sie zu wenig die Beziehungen zu den übrigen Wissensgebieten und zum allgemeinen Gange der Kulturentwickelung aufdecken. Eine Ausnahme hiervon bildet die Geschichte der induktiven Wissenschaften vonWhewell. Das Werk gehört indessen der ersten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts und damit eigentlich selbst schon der Geschichte an. (Eine deutsche Übersetzung erschien vor 70 Jahren.)
Eine Geschichtsschreibung, wie wir sie für die Naturwissenschaften neben Einzeldarstellungen brauchen, muß diese Wissenschaften im Rahmen der Gesamtentwickelung darstellen. Ferner ist der Werdegang der Naturwissenschaften nicht nur als ein Ergebnis der gesamten Kultur, sondern auch unter Bezugnahme auf die Entwicklung der übrigen Wissenschaften, insbesondere derPhilosophie, der Mathematik, der Medizin und Technik zu verfolgen. Vor allem ist zu zeigen, wie sich diese Zweige des Denkens und der Forschung gegenseitig gefordert und bedingt haben. Eine von einer solchen Auffassung durchdrungene Darstellung der Geschichte der Naturwissenschaften wäre vielleicht imstande,Du Bois ReymondsWort, daß sie die eigentliche Geschichte der Menschheit sei, zu rechtfertigen[1].
Zur Belebung des Studiums der Wissenschaftsgeschichte ist bisher nur wenig geschehen. Die zur Pflege dieses Studiums auf der Hamburger Naturforscherversammlung im Jahre 1901 ins Leben gerufene Deutsche Gesellschaft für Geschichte der Medizin und der Naturwissenschaften zählt augenblicklich nur einige hundert Mitglieder. In diese Zahl sind aber auch Institute und Bibliotheken eingeschlossen, welche die Mitgliedschaft nur deshalb erworben haben, um die regelmäßig erscheinenden Veröffentlichungen der Gesellschaft ihren Bücherbeständen einzuverleiben. Ihren eigentlichen Hort findet die Geschichte im weitesten Sinne auf den Hochschulen, die ja selbst fast alle eine Jahrhunderte umfassende Geschichte hinter sich haben. Eingedenk des alten heraklitischen Wortes, daß nicht in der Kenntnis des einzelnen Gewordenen, sondern auf der Kenntnis des Werdens die Vernunft beruht, wird auf den Hochschulen neben der allgemeinen Geschichte eine ganze Reihe von historischen Sondergebieten gepflegt. Nur hinsichtlich der Wissenschaftsgeschichte haben die Universitäten und leider auch die technischen Hochschulen bisher eine Ausnahme gemacht. Und doch gilt es gerade hier, die größten und lohnendsten Aufgaben auf dem Gebiete der Geschichtsforschung und in der Pflege des historischen Sinnes zu erfüllen. Den Versuch, umfassende Vorlesungen über die Geschichte der Wissenschaften zu veranstalten, hat man bis jetzt nur in Wien und gelegentlich in München unternommen. Was man hin und wieder findet, sind Vorlesungen über eng begrenzte Gebiete. So weisen die Vorlesungsverzeichnisse für das Sommersemester 1911 einige einstündige Kollegs über neuere Geschichte der Chemie, die Experimentierkunst des Paracelsus, die Entstehung des Getreidebaues, die Kulturgeschichte der Nutz- und Medizinpflanzen und ähnliches auf. »Vollständige Vorlesungen über die Geschichte der Mathematik, Astronomie, Geologie, Botanik, Zoologie, Geographie sucht manüberall vergebens«2. Ja, es gibt sogar eine ganze Anzahl von Universitäten, an denen nicht einmal das bescheidenste historische Spezialkolleg über die Entwicklung der so gewaltig emporgeblühten Naturwissenschaften gehalten wird, während Vorlesungen über die Geschichte der verschiedenen Künste, der Literaturen, der philosophischen Systeme usw. nirgends fehlen. Im Sommer 1911 waren es nicht weniger als 15 deutsche Universitäten, an denen überhaupt keine historische Vorlesung aus den Gebieten der Mathematik und der Naturwissenschaften gehalten wurde3. Es befanden sich darunter Universitäten wie München, Bonn und Göttingen. Hoffentlich tritt hierin bald eine Wandlung ein. Ganz besonders müßte es sich München als Sitz des Deutschen Museums für Geschichte der Naturwissenschaften und der Technik angelegen sein lassen, in Verbindung mit jenem Museum die Geschichte der Naturwissenschaften nicht ausschließlich durch die Anhäufung toter Gegenstände, sondern auch durch das lebendige Wort zu pflegen.
Mit der Frage, wie dem bestehenden Mangel des Hochschulunterrichtes abzuhelfen sei, hat sich als das hierzu ganz besonders berufene Organ die Deutsche Gesellschaft für Geschichte der Medizin und der Naturwissenschaften wiederholt beschäftigt. Im Jahre 1903 gelangte diese Gesellschaft einstimmig zu der Forderung, daß an den Hochschulen nicht nur gelegentlich, sondern regelmäßig und systematisch über die Entwicklung sowohl der Heilkunde als auch der einzelnen Naturwissenschaften Lehrvorträge gehalten werden sollten4.Eine so weitgehende Forderung hat aber zunächst kaum Aussicht auf Verwirklichung. Man beschränke sich deshalb lieber darauf, für die Geschichte der Medizin und für die Geschichte der Naturwissenschaften je einen Lehrstuhl zu fordern. Das Bedenken, daß der einzelne nicht imstande sei, die sämtlichen Gebiete der Medizin oder der Naturwissenschaft in den Bereich seines Forschens und Denkens zu ziehen, ist nicht stichhaltig. Mit Recht bemerkt hierzu ProfessorSigmund Güntherin München, der wiederholt für eine bessere Pflege der Geschichte der Naturwissenschaften eingetreten ist, das folgende: »Nicht um Detailwissen, nicht um Beschäftigung mit Einzelproblemen handelt es sich hier, sondern darum, ein Bild von den großen Ideen sowohl als von den Errungenschaften, die man ihnen verdankt, zu zeichnen.« Mit feinem Spott wendet sichGünthergegen die leider nicht selten anzutreffende Meinung, daß es das Wahrzeichen eines richtigen Gelehrten sei, sich selbst auf den seinen Studien naheliegenden Gebieten als ein vollständiger Laie zu erweisen, und nur als Kenner ersten Ranges auf seinem eigenen, engen Arbeitsfelde gelten zu wollen.
Gerade in Anbetracht dieses, vonGünthernicht mit Unrecht verspotteten Mangels muß auf die große Bedeutung der geschichtlichen Betrachtungsweise immer wieder hingewiesen werden. Je mehr sich nämlich die Tätigkeit des einzelnen Forschers auf ein kleines, im Verhältnis zur Wissenschaft manchmal recht winziges Arbeitsfeld beschränkt, um so dringender ist es notwendig, von Zeit zu Zeit den Blick auch wieder auf die Gesamtwissenschaft zu richten. Sie in ihrem gegenwärtigen Umfange zu überschauen, ist allerdings nicht möglich. Wohl aber können wir sie uns in einem geschichtlichen Rückblick vergegenwärtigen, die Haupttatsachen und die wichtigsten Gedanken verfolgen, sie verknüpfen und so zu einer vertieften Auffassung gelangen.
Eine wertvolle Frucht des geschichtlichen Studiums ist auch darin zu erblicken, daß es vor übertriebener Einseitigkeit bewahrt. Ist doch die allzu einseitige Betonung bestimmter Richtungen in der Wissenschaft nicht selten ein Hemmnis für ihre Entwicklung gewesen. Die Geschichte lehrt bis in die neueste Zeit, daß solche Einseitigkeiten meist auf Rechnung der berufsmäßigen Vertreter der Wissenschaft zu setzen sind. So waren beispielsweise die Botaniker von Fach ausschließlich mit dem Ausbau desLinnéschen Systems beschäftigt, als der RektorSprengeldie Blütenbiologie begründete und damit der Wissenschaft seiner Zeit um Jahrzehnte vorauseilte. Und als hundert Jahre früherGrewundHalesdie Anfänge einer wissenschaftlichen Anatomie und Physiologie der Pflanzen schufen, schenkten ihnen die Fachbotaniker kaum Beachtung. Ähnliche Beispiele lassen sich aus jedem Gebiete anführen, ohne daß dadurch die Stetigkeit und Folgerichtigkeit in der Entwicklung der Wissenschaft, wenn wir sie als großes Ganzes ins Auge fassen, eine Unterbrechung erlitten hätte.
Die genetische Betrachtungsweise ist ferner wie nichts anderes geeignet, vor dogmatischer Überschätzung der heute geltenden Theorien zu bewahren. Wer sich der historischen Betrachtung verschließt, ist leicht geneigt, an ein unvermitteltes Entstehen der Theorien zu glauben. Ein Beispiel aus der neuesten Zeit bietet das Aufkommen der Ionentheorie.Arrhenius, der zu den Schöpfern der neuesten chemischen Vorstellungen zählt, hat in einer ausführlichen historischen Darlegung nachgewiesen, »daß die neuen theoretischen Vorstellungen aus den alten, allgemein anerkannten Ideen herausgewachsen sind«5. Gerade das, sagt er, ist ihr verheißungsvollster Zug. Denn ohne Zweifel ist es ein Beweis, daß man sich auf dem rechten Wege befindet, wenn sich in der Entwicklung der Theorien eine logische Konsequenz beobachten läßt.
Diese Konsequenz, verbunden mit einer stetig zunehmenden Läuterung der Vorstellungen, gibt der Geschichte der Naturwissenschaften ein Gepräge, über das man immer wieder staunen muß.In welchem Maße gilt dies z. B. von dem Weltbild, das sich im Wandel der Zeiten aus der Beobachtung der Himmelserscheinungen ergeben hat! Die Grundzüge der Astronomie lassen sich gar nicht darstellen, ohne auf die Forschungen, Vorstellungen und Gedankengänge einesKoppernikus,Kepler,Newton,Laplace,Herschelfortgesetzt Rücksicht zu nehmen. Das gleiche gilt in der Physik vonArchimedes,Galilei,Guericke, in der Chemie vonLavoisier,Dalton,Berzelius,Liebigund zahlreichen anderen großen Forschern.