The Project Gutenberg eBook ofDie Nutzpflanzen unserer Kolonien und ihre wirtschaftliche Bedeutung für das Mutterland

The Project Gutenberg eBook ofDie Nutzpflanzen unserer Kolonien und ihre wirtschaftliche Bedeutung für das MutterlandThis ebook is for the use of anyone anywhere in the United States and most other parts of the world at no cost and with almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included with this ebook or online atwww.gutenberg.org. If you are not located in the United States, you will have to check the laws of the country where you are located before using this eBook.Title: Die Nutzpflanzen unserer Kolonien und ihre wirtschaftliche Bedeutung für das MutterlandAuthor: Diedrich WestermannIllustrator: K. BockRelease date: August 3, 2013 [eBook #43392]Most recently updated: October 23, 2024Language: GermanCredits: Produced by Peter Becker and the Online DistributedProofreading Team at http://www.pgdp.net (This file wasproduced from images generously made available by TheInternet Archive)*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK DIE NUTZPFLANZEN UNSERER KOLONIEN UND IHRE WIRTSCHAFTLICHE BEDEUTUNG FÜR DAS MUTTERLAND ***

This ebook is for the use of anyone anywhere in the United States and most other parts of the world at no cost and with almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included with this ebook or online atwww.gutenberg.org. If you are not located in the United States, you will have to check the laws of the country where you are located before using this eBook.

Title: Die Nutzpflanzen unserer Kolonien und ihre wirtschaftliche Bedeutung für das MutterlandAuthor: Diedrich WestermannIllustrator: K. BockRelease date: August 3, 2013 [eBook #43392]Most recently updated: October 23, 2024Language: GermanCredits: Produced by Peter Becker and the Online DistributedProofreading Team at http://www.pgdp.net (This file wasproduced from images generously made available by TheInternet Archive)

Title: Die Nutzpflanzen unserer Kolonien und ihre wirtschaftliche Bedeutung für das Mutterland

Author: Diedrich WestermannIllustrator: K. Bock

Author: Diedrich Westermann

Illustrator: K. Bock

Release date: August 3, 2013 [eBook #43392]Most recently updated: October 23, 2024

Language: German

Credits: Produced by Peter Becker and the Online DistributedProofreading Team at http://www.pgdp.net (This file wasproduced from images generously made available by TheInternet Archive)

*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK DIE NUTZPFLANZEN UNSERER KOLONIEN UND IHRE WIRTSCHAFTLICHE BEDEUTUNG FÜR DAS MUTTERLAND ***

Anmerkungen zur Transkription:Die Druckermarken "FÖRSTER & BORRIES. ZWICKAU" auf Seiten mit Illustrationen sind nicht übernommen worden.Einige Abschnitte (Dattelpalme, Banane) waren in einem kleineren Zeichensatz gesetzt, hier ist ein einheitlich großer Zeichensatz verwendet worden.Folgende Inkonsistenzen wurden belassen, da beide Schreibweisen üblich waren:Catechu-Bestände -- CatechubeständeClitandra-Arten -- ClitandraartenEingeborenen -- EingebornenMarshall-Inseln -- MarshallinselnNutzprodukt-Werte -- NutzproduktwerteSüdsee-Inseln -- SüdseeinselnUganda-Bahn -- UgandabahnYucatan -- Yukatanzugute -- zu guteBrüche und %-Zeichen sind auf Seite 59 anders dargestellt als auf anderen Seiten, das wurde wie im Originaltext belassen.Im Text wurden folgende Änderungen vorgenommen:S. 13 "kommen ... fort" in "kommen ... vor" geändert.S. 19 "garkeine" in "gar keine" geändert.S. 19 "vonseiten" in "von seiten" geändert.S. 21 "arrowroot" in "Arrowroot" geändert.S. 21 "Marantacea arundinacea" in "Maranta arundinacea" geändert.S. 24 "Kiautschu" in "Kiautschou" geändert.S. 26 "an" hinter "bauen ... Kakao" eingefügt.S. 28 "Kaffeernte" in "Kaffeeernte" geändert.S. 33 "(siehe nächste Seite)" entfernt.S. 35 "(siehe nächste Seite)" entfernt.S. 39 "(siehe nächste Seite)" entfernt.S. 44 "Mariannen" in "Marianen" geändert.S. 49 "Marschallinseln" in "Marshallinseln" geändert.S. 58, 59 "kolonialwirtschaftliche Komité" in "Kolonialwirtschaftliche Komitee" geändert.S. 59 "á" in "à" geändert.S. 63 "(siehe nächste Seite.)" entfernt.S. 64 "S. guineenis" in "S. guineensis" geändert.S. 65 "(siehe nächste Seite.)" entfernt.S. 82 "Sumpfflanzen" in "Sumpfpflanzen" geändert.S. 84 "wichstigste" in "wichtigste" geändert.S. 85 "Von hieraus" in "Von hier aus" geändert.S. 86 "Strophantussamen" in "Strophanthussamen" geändert.S. 87 "Teakkholz" in "Teakholz" geändert.S. 92 "Marschall-Inseln" in "Marshall-Inseln" geändert.S. 94 "Strophantus" in "Strophanthus" geändert.

Die Druckermarken "FÖRSTER & BORRIES. ZWICKAU" auf Seiten mit Illustrationen sind nicht übernommen worden.

Einige Abschnitte (Dattelpalme, Banane) waren in einem kleineren Zeichensatz gesetzt, hier ist ein einheitlich großer Zeichensatz verwendet worden.

Folgende Inkonsistenzen wurden belassen, da beide Schreibweisen üblich waren:

Brüche und %-Zeichen sind auf Seite 59 anders dargestellt als auf anderen Seiten, das wurde wie im Originaltext belassen.

Im Text wurden folgende Änderungen vorgenommen:

D. Westermann

Die Nutzpflanzen unserer Kolonien

Alle statistischen Angaben des Buches werden durch einen alljährlich auszugebenden Nachtrag ergänzt und so stets auf dem Laufenden erhalten bleiben. Dieser Nachtrag ist gegen Einsendung von 20 Pfg. von der Verlagshandlung zu beziehen.

und ihre wirtschaftliche Bedeutung für dasMutterland

von

D. Westermann.

Mit 36 farbigen Tafeln, größtenteils nach der Naturgezeichnet, von K.Bock.

Berlin 1909.Dietrich Reimer (Ernst Vohsen).

Alle Rechte vorbehalten.

Druck von J. J.Augustinin Glückstadt.

SeiteVerzeichnis der Tafeln6Einleitung7I.Getreide13II.Knollenfrüchte19III.Südfrüchte22IV.Genußmittel und Gewürze25V.Ölfrüchte45VI.Faserpflanzen56VII.Kautschuk liefernde Pflanzen69Übersicht über die Erzeugung und den Verbrauch des Kautschuk77VIII.Klebegummi liefernde Pflanzen79IX.Guttapercha80X.Gerbhölzer81XI.Arzneipflanzen83XII.Nutzhölzer86Zusammenfassende Darstellung unserer wichtigsten kolonialen Nutzpflanzen und ihrer Werte88Zusammenstellung der pflanzlichen Nutzproduktwerte nach ihren Erzeugungsländern88Anhang: Die Ausfuhr von Tieren und tierischen Stoffen, Mineralien usw.89Zusammenstellung der Gesamtausfuhr unserer Kolonien91Deutschlands Bedarf an kolonialen Rohstoffen im Jahre 190693Register der Nutzpflanzen94

SeiteTafel1.Mais14„2.Reis16„3.Sorghum18„4.Jams20„5.Batate22„6.Banane24„7.Kakao26„8.Kaffee28„9.Tee30„10.Kolanuß32„11.Vanille34„12.Zimt36„13.Zuckerrohr38„14.Pfeffer40„15.Ingwer42„16.Tabak44„17.Ölpalme46„18.Kokospalme48„19.Schibutter50„20.Erdnuß52„21.Sesam54„22.Telfairia pedata56„23.Baumwolle58„24.Kapok60„25.Sisalagave62„26.Sansevierahanf64„27.Jute66„28.Ramie68„29.Kickxia70„30.Manihot Glaziovii72„31.Gummibaum74„32.Hevea76„33.Guttapercha80„34.Mangroven82„35.Cinchonarinde84„36.Strophanthus86

Die vorliegende Schrift verfolgt das Ziel, in weiteren Kreisen unseres Volkes Verständnis und Interesse für den volkswirtschaftlichen Wert unserer Kolonien zu wecken. Vor allem möchte sie auch der Jugend einen Einblick geben in die weiten Gebiete neuer Arbeit und nationaler Aufgaben, vor die wir durch den Erwerb überseeischer Besitzungen gestellt werden. Zu dem Zweck ist das für unsere Kolonien wichtigste Arbeitsgebiet, der Anbau und die Gewinnung pflanzlicher Erzeugnisse, in den Vordergrund gestellt und ausführlicher behandelt worden. Es war natürlich unmöglich und lag auch gar nicht im Rahmen dieses volkstümlich gehaltenen Buches, alle in unseren Schutzgebieten vorkommenden Nutzpflanzen zu besprechen. Es konnte sich nur darum handeln, die zur Zeit wichtigsten Gewächse zu behandeln, und zwar in erster Linie die für Ausfuhr in Betracht kommenden, dann aber auch solche, denen für die Ernährung der Eingeborenen eine hervorragende Bedeutung zukommt. Da das Buch vor allem die wirtschaftliche Bedeutung unserer Kolonialgewächse darstellen soll, so sind diese nicht nur nach der botanischen Seite hin kurz beschrieben, sondern es wird auch auf die Wachstumsbedingungen, den Anbau, dieKultur und insbesondere auch auf die Verarbeitung und Verwendung der pflanzlichen Erzeugnisse eingegangen. Soweit möglich sind auch die jährliche Gesamterzeugung, die „Welternte” und der Gesamtverbrauch sowie die Werte beider angegeben worden. Besondere Rücksicht ist jedoch, der Absicht des Buches entsprechend, auf den Verbrauch und die Erzeugung Deutschlands und seiner Kolonien genommen.

Im zweiten Teil werden die tierischen, mineralischen und gewerblichen Erzeugnisse zusammenfassend dargestellt, so daß auf diese Weise eine Gesamt-Übersicht über den derzeitigen wirtschaftlichen Wert unserer überseeischen Besitzungen ermöglicht wird.

Als einen besonderen Vorzug wird man dieBilderansehen dürfen, die den Text erst lebendig machen und eine anschauliche Vorstellung der Pflanze und ihres Wachstums vermitteln.

Die aus dem Buche sich ergebenden Tatsachen bieten dem Kolonialfreund einige allgemeine, gewiß nicht bedeutungslose Lehren, von denen folgende kurz genannt seien:

1. Der Wert unserer Kolonien beruht in erster Linie in ihren Bodengewächsen. Der Anbau und die Pflege der nutzbaren Pflanzen wird deshalb stets die vornehmste Beschäftigung ihrer Bewohner sein. Es gilt in dieser Zeit des Anfanges vor allem, durch immer neue Versuche diejenigen Nutzpflanzen herauszufinden, die dem Produzenten möglichst stete und sichere Erträge versprechen.

2. Der weitaus größte Teil aller Ausfuhrgüter wird durch die Arbeit der Eingeborenen geschafften. Dies ist um so bemerkenswerter, als die Länder im Vergleich mit Europa nur sehr dünn bevölkert sind und die Eingebornen eben erst heraustreten aus ihrer jahrtausendelangen finsteren Abgeschlossenheit, die kein großer Gedanke je erleuchtete. Sie standen bislang unter dem Willkürregiment kleinlich selbstsüchtiger Häuptlinge und skrupelloser Zauberpriester, deren stets argwöhnische Eifersucht jeden Fortschritt im Keime erstickte. Jahrhunderte hindurch waren Sklavenfangund Sklavenausfuhr die einzige für das Ausland in Betracht kommende wirtschaftliche Betätigung dieser Völker. Die deutsche Herrschaft, deren Streben es ist, jedem Eingebornen Schutz und Recht zu gewähren und sein allseitiges Wohl zu fördern, wird sich auch darin als segensreich erweisen, daß sie die Kräfte der Bevölkerung, geistige sowohl wie körperliche, frei macht und steigert für eine Arbeit, die der Gesamtheit wie dem Einzelnen zugute kommt. Tatsächlich haben wir schon jetzt in weiten Gebieten unserer Kolonien eine ackerbautreibende Bevölkerung, die Verständnis und Willigkeit zeigt, ihren Ackerbaubetrieb zu vergrößern und zu verbessern. Aus amtlichen Berichten geht hervor, daß die Eingebornen vielerorts tatsächlich nur darauf warten, neue, ihnen bisher unbekannte Nutzpflanzen anzubauen, und die bisherigen Ergebnisse der Eingebornenkulturen ermutigen vollauf zum Weiterschreiten auf diesem Wege. Unser eignes Interesse fordert, die Eingebornen in ihrem Streben nach wirtschaftlichem Fortschritt zu unterstützen, und da wo es noch nicht vorhanden ist, zu wecken, ihnen durch Anleitung und Unterricht, durch Überlassung von geeignetem Saatgut sowie durch Sicherung eines regelmäßigen und angemessen bezahlten Absatzes ihrer Erzeugnisse zu helfen und Mut zu machen.

Dabei soll durchaus zugegeben werden, daß es stets auch solche Gewächse geben wird, die wenigstens für absehbare Zeit durch den Anbau auf europäisch geleiteten Pflanzungen bessere Erträge liefern.

3. Ein unbedingtes Erfordernis für den Aufschwung des wirtschaftlichen Lebens ist der Bau von Eisenbahnen. Ohne sie ist es einfach unmöglich, die Erzeugnisse der Arbeit an die Küste und damit in den Handel zu bringen. Die Eingebornen haben bisher in den seltensten Fällen über ihren eigenen Bedarf hinaus Anbau getrieben aus dem einfachen Grunde, weil sie nichts absetzen konnten. Bei dem Transport aus dem Innern bis an die Häfen übersteigen bei den meisten Erzeugnissen die Verschickungskosten den ganzen Wert der Ware; das muß natürlich jeden Arbeitseifer hindern. Hierin wird nur durch dieEisenbahn Wandel geschafft. Was die Eisenbahn tatsächlich wirkt, das sehe man aus der Steigerung der Togo-Ausfuhr 1907 in Mais, Erdnüssen und Elfenbein.

4. Unsere Kolonien werden in immer steigendem Maße Bedeutung für das heimatliche Wirtschaftsleben erlangen. Wenn ihre Ausfuhr im Verhältnis zum Bedarf Deutschlands jetzt noch gering ist, so hat das wenig zu sagen. Man bedenke, daß wir in den Anfängen stehen und vielerorts über die Zeit des mühsamen und kostspieligen Versuchens kaum hinaus sind. Die wichtigsten Volkskulturen der Eingebornen: Baumwolle, Mais, Erdnüsse, Reis fangen gerade jetzt erst an, einen früher nicht erhofften Aufschwung zu nehmen. Ebenso sind die Pflanzungen der Europäer zum großen Teil noch nicht alt genug, um ertragsfähig zu sein. Dieser Zeitpunkt wird bei manchen erst in Jahren eintreten.

5. Besonders beachtenswert ist, daß schon jetzt über 630/0der gesamten Ausfuhr aus unsern Kolonien nach Deutschland gehen, also direkt dem deutschen Wirtschaftsleben zugute kommen. Mit dem Ausbau des Eisenbahnnetzes wird dieser Prozentsatz noch steigen; heute ist den Produzenten oft keine Gelegenheit geboten, ihre Erzeugnisse an einen deutschen Hafen zu bringen, so wird z. B. ein großer Teil der in Deutsch-Ostafrika gewonnenen Güter, besonders die Eingebornenprodukte, mittels der Ugandabahn befördert und gelangt in den englischen Verkehr. Es kann natürlich nicht unser Ziel sein, die Erzeugnisse unserer Kolonien ausschließlich nach Deutschland zu leiten, sondern sie müssen sich ihr Absatzgebiet in freiem Wettbewerbe auf dem Weltmarkt suchen. Aber die statistisch nachgewiesene Tatsache ist doch bedeutsam, daß alle überseeischen Besitzungen europäischer Staaten den größten Teil ihrer Erzeugnisse an ihr Mutterland absetzen, daß also auch in dieser unmittelbaren Weise die Werte der Kolonien dem Mutterlande zu gute kommen.

Deutschland führt jährlich für mehr als zwei Milliarden Mark Tropenprodukte ein. Auf dieser Zufuhr auswärtiger Rohstoffe beruht zum guten Teil das Blühen unseresHandels und unserer Industrie, sie geben vielen Tausenden von Arbeitern, Kaufleuten und Industriellen Beschäftigung und spielen überhaupt in unserm wirtschaftlichen Leben eine so wichtige Rolle, daß wir ohne sie gar nicht weiter bestehen könnten. Es kann uns deshalb nicht gleichgültig sein, ob wir für den Bezug dieser Produkte auf andere Länder und deren Willigkeit angewiesen sind, oder ob wir uns in den Stand setzen, wenn auch nicht alle, so doch einen bedeutenden Teil dieses Bedarfes aus unsern eigenen Besitzungen zu ziehen und so auch in diesem Stück unabhängig und selbstbestimmend dazustehen. Dies ist kein unerreichbares Ziel, sondern es wird ein natürliches Ergebnis der sich schon jetzt anbahnenden Entwicklung sein. Wir brauchen an die Entwicklungsmöglichkeit unserer Kolonien nicht mehr zu glauben, sondern wir sehen sie vor Augen.

Haben unsere kolonialen Besitzungen diese große nationale Bedeutung, so dürfen sie auch das Interesse aller Volkskreise beanspruchen. Und die Beschäftigung mit kolonialen Dingen ist auch für den nicht unmittelbar Beteiligten in mancher Weise gewinnbringend. Sie lenkt den Blick aus der eigenen Enge hinaus in einen weiten Kreis neuer Aufgaben, sie gibt Verständnis für die Arbeit der ganzen Welt und zeigt, wie die Interessen der Völker es verlangen, füreinander und miteinander zu arbeiten, weil keines das andere entbehren kann, sie lehrt bisher Unverstandenes verstehen und gewährt das beglückende Bewußtsein, daß auch das deutsche Volk in allen seinen Teilen mithelfen soll, die Länder und Völker jenseits der Meere zu entwickeln, sie einzuführen in den Weltverkehr und so ihre Kräfte nutzbar zu machen zum Besten unseres Vaterlandes und der Menschheit.

Herr Professor Dr. Volkens, Direktor der Botanischen Zentralstelle für die Kolonien am Königlichen Botanischen Garten und Museum zu Dahlem bei Berlin, hatte die Freundlichkeit, alle botanischen Angaben des Textes durchzusehen, wodurch dieser manche wertvolle Berichtigung und Ergänzung erhielt. Auch wurde für die Anfertigung der Illustrationen das gesamte in Betracht kommende Material des Botanischen Gartens und Museums bereitwillig zur Verfügung gestellt. Für diese Hilfe und das freundliche Entgegenkommen sei Herrn Professor Volkens auch an dieser Stelle aufrichtig gedankt.

Als Hilfsmittel haben mir folgende Veröffentlichungen gedient:

Semler, H. Die tropische Agrikultur. Zweite Auflage. Wismar 1900.

Fesca, M. Der Pflanzenbau in den Tropen und Subtropen. Berlin 1904.

Engler, A. Die Pflanzenwelt Ostafrikas. Berlin 1895.

Der Tropenpflanzer. Jahrgang 1907 und 1908.

Jahresbericht über die Entwicklung der Schutzgebiete in Afrika und der Südsee im Jahre 1906/7. Berlin 1908.

Statistisches Jahrbuch. Berlin 1908.

(Tafel 1).

Der Mais ist eine der am weitesten verbreiteten Getreidearten. Seine Heimat ist das tropische Amerika, er wird aber gegenwärtig in allen Erdteilen angebaut. Der Mais, auch Welschkorn oder türkischer Weizen genannt, gehört zur Familie der Gräser; sein Halm wird bis zu 6 m lang. Aus den Blattwinkeln wachsen je 2-3 kolbenartige weibliche Ähren hervor; die männlichen Ähren, große, pyramidenförmige Rispen, bilden sich an der Spitze des Halmes.

Obwohl ursprünglich eine tropische Pflanze, hat sich der Mais doch auch dem gemäßigten Klima angepaßt. Die großkörnigen Arten kommen allerdings nur in warmen Gegenden vor. — Die Maiskörner dienen in erster Linie als Viehfutter, aber in vielen Ländern bilden sie auch eine wichtige Menschennahrung. Die halbreifen Kolben werden gekocht oder geröstet, und so die Körner gegessen, oder der Mais wird zermahlen und gebacken.

Der weitaus größte Teil des Weltbedarfes an Mais wird in den Vereinigten Staaten von Nordamerika geerntet.Sie erzeugen jährlich etwa 2400 Millionen bushels (ein bushel = 25,4 kg), das sind fast 800/0der gesamten Welternte.

Bei der hervorragenden Bedeutung, die der Mais für unsere Viehzucht hat, ist es natürlich eine außerordentlich wichtige Frage, ob unsere Kolonien uns wenigstens einen bedeutenden Bruchteil unseres Maisbedarfes liefern können. — In Togo und Ostafrika wird dies Getreide seit langem angebaut und bildet in manchen Gegenden eines der Hauptnahrungsmittel der Eingeborenen. Nach Kamerun, Südwestafrika und den Südseeinseln ist er erst in neurer Zeit gelangt, doch bürgert er sich auch hier schon ein. Die Regierung sucht möglichst solche Spielarten einzuführen, die sich dem Klima und Boden anpassen und sichere Ernten liefern. In der Regel wird Mais jährlich zweimal geerntet. Der Anbau des Maises geschieht nur durch die Eingeborenen, nicht in europäischen Pflanzungsbetrieben. Einen großen Aufschwung hat die Maiskultur in Togo seit Eröffnung des Eisenbahnbetriebes genommen. Als die Eingeborenen sahen, daß sie ihr Korn im Lande zu einem annehmbaren Preise verkaufen konnten, gingen sie mit Eifer daran, größere Mengen für den Absatz an die Europäer anzubauen. Je weiter der Eisenbahnbau vorschreitet, desto erfreulicher wird sich die Ausfuhr heben, und zwar nicht nur in Togo, sondern ebenso in Ostafrika und Kamerun.

Togo führte im Jahre 1905 an Mais aus: 9366000 kg im Werte von 566000 Mk.

1907 war die Ausfuhr auf fast 20 Millionen kg im Werte von 1199000 Mk. gestiegen, also ein großartiger Aufschwung, der fast allein der Eröffnung der Eisenbahn Lome-Palime zu danken ist. Auch Ostafrika führte 1907 für fast 21000 Mk. Mais aus.

Seinen Hauptbedarf an Mais bezieht Deutschland heute aus Nordamerika, nämlich für 50397000 Mk. und aus Argentinien für 22951000 Mk.

Die gesamte Maiseinfuhr Deutschlands im Jahre 1906 hat einen Wert von 112700000 Mk.

Tafel 1.Mais(Zea mays).a) Ganze Pflanze: oben Rispe der Staubblüten, unten Kolben mit Stempelblüten,1/15nat. Gr.b) Reifer Fruchtkolben,1/4nat. Gr.

Tafel 1.

a) Ganze Pflanze: oben Rispe der Staubblüten, unten Kolben mit Stempelblüten,1/15nat. Gr.

b) Reifer Fruchtkolben,1/4nat. Gr.

(Tafel 2).

Der Reis gehört ebenfalls zu den Gräsern. Sein Halm wird etwa einen Meter hoch, die Blätter erreichen eine Länge von 30 cm. Die einzelnen Ähren des Blütenstandes bilden zusammen eine Rispe. Die Heimat des Reises ist wahrscheinlich das tropische Australien und Afrika. Angebaut wurde er dagegen zuerst im südlichen Asien: Indien oder China. In diesen beiden Ländern bildet ja bis heute der Reis eines der wichtigsten Nahrungsmittel.

Für die Kultur unterscheidet man zwei Hauptarten: den Sumpfreis und den Bergreis. Ersterer verlangt stark wasserhaltigen Boden, dagegen trockne, warme Luft; letzterer gedeiht umgekehrt in wasserarmem Erdreich, bedarf aber großer Luftfeuchtigkeit. — In der Reiserzeugung steht Asien obenan, und hier wiederum ist esIndien, das die erste Stelle einnimmt, Dreiviertel der gesamten Welternte an Reis kommen aus Indien. Auch von Java, Hinterindien und Ägypten wird viel Reis ausgeführt.

In Deutsch-Ostafrika, Togo und wahrscheinlich auch im Hinterland von Kamerun ist die Reiskultur den Eingeborenen von altersher bekannt. In Togo gedeiht nur der Bergreis, Ostafrika bietet besonders in seinen Flußniederungen auch dem Sumpfreis günstige Wachstumsbedingungen; so wird hier ein ganz vorzüglicher Reis angebaut, der in seiner Qualität entschieden über dem aus Indien eingeführten steht. Die Eingebornen verstehen sich gut auf die Kultur des Reises, und es ist ganz zweifellos, daß sie den Anbau bedeutend ausdehnen werden, sobald ihnen eine Absatzmöglichkeit geboten wird. Die bisherige kleine Ausfuhr (1907: 141000 Mk.) geht über die englische Uganda-Bahn. Nicht einmal das Küstengebiet kann mit einheimischem Reis versorgt werden, sondern erhält seinen Bedarf aus Indien, das dadurch jährlich riesige Summen aus unserer Kolonie zieht, die mit Vorteil im Lande bleiben könnten. — Durch die jetzt geplanten Bahnbauten werden große Reisgebiete erschlossen, in denen eine fleißige, ackerbautreibende Bevölkerung wohnt; und wir dürfen mit Sicherheit hoffen, daß nach Eröffnung des Bahnbetriebes die Reisproduktion in Deutsch-Ostafrika sich schnell heben wird, so daß sie nicht nur den inländischen Bedarf deckt, sondern auch auf den Weltmarkt gelangen kann.

Auch Togo wird Reis ausführen können, sobald die jetzt im Bau begriffene Bahn nach Atakpame fertig ist.

In Kamerun hat die Regierung an die Eingebornen Reissaat verteilen lassen, um die Kultur dieses Getreides einzuführen. Die Versuche sind durchaus gelungen, und die Eingebornen fangen an, dem Reisbau größere Beachtung zuzuwenden.

Deutschlands gesamte Reiseinfuhr betrug im Jahre 1906: 53300000 Mk.

Deutsch-Ostafrika führte aus 1906 für 127000 Mk.Deutsch-Ostafrika führte aus1907  „   141000  „

Tafel 2.Reis(Oryza sativa).a) Ganze Pflanze,1/6nat. Gr.b) Rispe mit reifen Körnern,4/5nat. Gr.

Tafel 2.

a) Ganze Pflanze,1/6nat. Gr.

b) Rispe mit reifen Körnern,4/5nat. Gr.

(Tafel 3).

Das Sorghum ist ein sehr hohes Gras mit starkem Halm, der bis zu sieben Meter Länge erreicht. Der Blütenstand bildet, je nach der Spielart, entweder eine Rispe wie beim Hafer oder er ist kolbenartig, also demMais ähnlich. Die Körner sind 4-5 mm lang und 3-5 mm breit. Sie besitzen je nach der Sorte verschiedene Färbung von fast weiß bis rot, dunkelgelb und schwarz.

Das Sorghum liefert für einen großen Teil der Menschheit die tägliche Nahrung. Es ist über weite Teile Asiens und Afrikas verbreitet. Die 300 Millionen Bewohner Indiens und die 360 Millionen Chinas nähren sich vorzugsweise von Sorghumkorn, nicht in erster Linie von Reis, wie man früher annahm. Ebenso findet sich das Sorghum durch fast ganz Afrika in vielen Spielarten. Es dient hier sowohl Menschen als Vieh zur Nahrung. Wegen seiner großen Verbreitung und seines massenhaften Verbrauches in Afrika hat es auch die Namen Negerkorn, Mohrenhirse, Kafferkorn, Guineakorn. Die arabische Bezeichnung ist Durra.

Das Sorghum nimmt mit trockenem, mageren Boden vorlieb und eignet sich deshalb vorzüglicher als irgend eine andere Pflanze zum Anbau in solchen tropischen und halbtropischen Gegenden, wo auf eine kürzere Regenzeit eine langanhaltende Trockenzeit folgt.

Eine Spielart des Sorghum, das sogenannte Zuckersorghum, dient ähnlich wie Zuckerrohr zur Zuckergewinnung und wird zu dem Zweck besonders in Nordamerika kultiviert.

In unsern afrikanischen Tropenkolonien wird das Sorghum überall angebaut und spielt als Brot- und Futterkorn im Haushalt der Eingebornen eine wichtige Rolle. Aus den Körnern wird auch ein Bier gebraut. — Auf den europäischen Markt gelangt das Sorghum nicht oder nur in geringen Mengen. Im Jahre 1907 führte allerdings Deutsch-Ostafrika für 28400 Mk. Sorghum aus, wohl meist in Nachbarländer.

Anmerkung.Von manchen wird das Sorghum den Hirsearten zugezählt. Neuerdings versteht man jedoch unter Hirse nur die kleinkörnigen Getreidearten, von denen übrigens auch verschiedene Sorten in unsern Kolonien angebaut werden, z. B. die sog. Negerhirse (Duchn, Pennisetum spicatum), Eleusine, Panicum und andere.

Tafel 3.Sorghum(Andropogon Sorghum).1/15nat. Gr.

Tafel 3.

Der Maniok, auch Kassada, Kassava genannt, ist ein Knollengewächs aus der Familie der Wolfsmilchpflanzen (Euphorbiaceen). Die Maniokstaude wird 1-2 m hoch, hat meist mehrfach verästelte, spröde, holzige Stengel, fingerförmig geteilte oder 3lappige Blätter und rispig gestellte, unscheinbare Blüten. Die Wurzelknollen sind denen der Georgine ähnlich, sie stehen in Büscheln beisammen, erreichen eine Länge von 30-40 cm und werden bis 5 kg schwer. Roh enthalten die meisten Sorten einen äußerst giftigen Saft, sind also ungenießbar.

Die Heimat des Maniok ist Südamerika. In Brasilien werden sieben verschiedene Arten angebaut. Von ihrem Stammlande aus hat sich die Pflanze über einen großen Teil des tropischen Asien und auch nach Afrika verbreitet, nach letzterem Erdteil wahrscheinlich durch die Kolonisationstätigkeit der Portugiesen im 16. und 17. Jahrhundert.

Der Maniok ist mit geringem Boden zufrieden, verlangt nur wenige, fast gar keine Pflege und wird deshalb überall in den Tropen gern angebaut. Auch in unsern ost- und westafrikanischen Kolonien ist er stark verbreitet und bildet ein wichtiges Nahrungsmittel.

Seine Verwendung ist eine mannigfaltige: durch Kochen, auch schon durch sorgfältiges Auswaschen, wird der Giftsaft entfernt, und so kann die Knolle in der verschiedensten Zubereitung genossen werden. In einem großen Teil Südamerikas ersetzt sie unsere Kartoffeln. Auch backt man aus ihnen Brot oder Kuchen oder genießt das Mehl in Wasser verrührt. Vor allem liefern aber die Wurzeln eine ausgezeichnete Stärke, die von Amerika und besonders von Hinterasien aus als ein wertvolles Produkt unter dem Namen Tapiokamehl, Manioksago, Brasilianisches Arrowroot auf den Weltmarkt kommt.

Unsere Kolonien produzieren Maniok fast nur für den Eigenbedarf, weil von seiten der Europäer bis jetzt keine Nachfrage nach diesem Artikel besteht. Togo hat immerhin im Jahre 1906 schon 250000 kg im Werte von fast 22000 Mk. ausgeführt.

(Tafel 4).

Die Jamsarten gehören zur Familie der Dioscoreen. Ihre Heimat ist das südliche Asien, das tropische Afrika und Amerika. Es sind Kletterpflanzen mit krautartigem Stengel, spiralständigen, herzförmigen Blättern und großen, fleischigen Wurzelknollen, die bis 50 kg schwer werden können.

Als Saatgut dienen vielfach kleine Knollen, die nicht unterirdisch, sondern in den Blattwinkeln entwickelt werden. Bald nach dem Keimen wird an die junge Pflanze ein Stock, später eine lange Stange gesteckt, woran der dickbuschige Stengel sich emporrankt. Der Jams verlangt einen guten, humusreichen Boden, mehrmaliges Hacken und Jäten sowie tiefgründiges Lockern des Bodens um die sich bildenden Knollen herum.

Aber trotz dieser Mühen schätzen die Eingebornen besonders in Westafrika den Jams hoch als das beste Nahrungsmittel. Die Knollen sind im Geschmack den Kartoffeln ähnlich und haben auch annähernd den gleichen Nährwert. Sie werden geschält, zerschnitten, gekocht und in Pfeffer getunkt gegessen, oder man stampft sie nach dem Kochen in Holzmörsern und formt sie dann zu Kugeln; so bilden sie den in ganz Westafrika bekannten „Fufu”, der mit Pfeffer- oder Palmölsuppe genossen die delikateste Speise der Neger ausmacht und auch von Europäern gern gegessen wird.

Der Jams kommt, wie Maniok, für unsere Kolonien in erster Linie als Volksnahrung in Betracht; Togo führte zwar 1906 für 7500 Mk. aus, aber im Handel über die Binnengrenze. Trotzdem wird er in der wirtschaftlichen Entwicklung eine bedeutende Stellung einnehmen; im Innenhandel von Togo spielt er schon jetzt eine wichtige Rolle; dies wird nach Eröffnung der neuen Eisenbahn noch mehr der Fall sein; es ist nicht ausgeschlossen, daß in absehbarer Zeit große Landschaften sich ausschließlich auf die Kultur hochwertiger Erzeugnisse wie Baumwolle, Mais, Ölpalmprodukte etc. beschränken und dafür ihren Bedarf an Jams aus dem für Ausfuhrprodukte weniger günstigen Norden beziehen werden.

Tafel 4.Jams(Dioscorea spec.).a) Oberer Teil einer Pflanze,1/4nat. Gr.b) Wurzelknollen,1/4nat. Gr.

Tafel 4.

a) Oberer Teil einer Pflanze,1/4nat. Gr.

b) Wurzelknollen,1/4nat. Gr.

Pfeilwurz oder Arrowroot nennt man ein Stärkemehl, das aus den Wurzelstöcken verschiedener Pflanzen aus der Familie der Marantaceen gewonnen wird. Die beste Pfeilwurz liefert Maranta arundinacea; sie ist eine bis 3 m hohe Staude mit geradem, schlankem Stengel und langen, oval-lanzettlichen Blättern. Der fleischige Wurzelstock verzweigt sich im Boden, seine einzelnen Glieder, „Finger” genannt, werden 25-45 cm lang.

Die Pfeilwurz wird im tropischen Amerika, in Ostindien, Afrika und Australien kultiviert. Besonders in Südafrika hat sich in neuerer Zeit der Anbau sehr gehoben. Auch Westafrika, wie Liberia, Sierra Leone, Lagos produzieren Arrowroot.

In Deutsch-Ost- und Westafrika wie auch auf den Südseeinseln sind Klima und Boden für die Anpflanzung der Pfeilwurz oder für die weitere Ausdehnung der Kultur geeignet. In Togo und Kamerun gibt es verschiedene wildwachsende Cannaarten, die ebenfalls Arrowroot liefern.

Die Erzeugung und der Verbrauch an Pfeilwurz ist ein bedeutender, die Bermudas-Inseln z. B. führen jährlich etwa 25000 kg aus, St. Vincent 22000 Faß, Natal bis zu 300000 kg, Queensland bis 15000 kg, Tahiti mit Nachbarinseln 25000 kg. Die besten Sorten kosten im Großhandel eine Mark das Kilo.

Anmerkung.Der Name Pfeilwurz ist Übersetzung des englischen Arrowroot, und dies ist dem indianischen Wort araruta „Wurzelmehl” nachgebildet. Der Name „Pfeilwurz” ist also ganz irreführend.

(Tafel 5).

Eine für die Ernährung der Eingebornen in den Tropen wichtige Pflanze ist dieSüßkartoffeloderBatate(Ipomoea batatas). Die Pflanze hat lange, auf dem Boden kriechende Stengel, tief eingeschnittene Blätter und lange, spindelförmige, an den Enden spitze Knollen, die ein in den Tropen und Halbtropen sehr geschätztes Nahrungsmittel liefern. Die Heimat der Batate ist das tropische Amerika, sie wird aber heute auch in Afrika, Asien und auf den Südseeinseln vielfach angebaut.


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