III.

III.Das Klima und das organische Leben.Im Allgemeinen lässt sich dasKlimades philippinischen Archipels als ein tropisch insulares im vollsten Sinne des Wortes bezeichnen. Vollständiger Mangel aller schroffen Gegensätze in der Temperatur, hohe mittlere Jahreswärme, grosse Regenmenge und Feuchtigkeit der Luft, sowie die in gewissen Perioden wechselnde Windesrichtung werden durch die geographische Lage dieser Inseln erklärt. Um uns ein möglichst scharf gezeichnetes Bild von diesen einzelnen Momenten, die in ihrer Gesammtwirkung als Klima solchen Einfluss auf alle Organismen und alles Leben gewinnen, zu bilden, wollen wir den im Anhang1ausführlich mitgetheilten Resultaten mehrjähriger Beobachtungen in Sta. Ana, einem Dorfe dicht bei Manila, folgende Mittelwerthe entnehmen:Temperatur in Graden Reaumur.Regenmenge im Jahr.Relative Feuchtigkeit.Mittlerer Luftdruck.Mittlere des Jahresmittleres Maximummittleres Minimum+20,88+25,4+16,2974,6 par. Lin.= 81,2 Zoll.78,7 par. Lin.337,18Windesrichtung:October–AprilN 57° OApril–OctoberS 28° WHier drückt sich zunächst in den 3 ersten Zahlen die hohe, aber sehr gleichmässige Temperatur bestimmt aus; denn bei dem hohen Jahresmittel von 21° R. ist die Differenz der mittleren Monatsextreme nur 9°, während sie beispielsweise in Frankfurt über 19° beträgt bei der niedrigen Jahrestemperatur von 9° R. Gegeneine nur 15,7 Zoll betragende Regenmenge an demselben Orte in Deutschland fallen in Manila, einem vergleichsweise für die Philippinen sehr trockenen Orte, alljährlich mehr als 81 Zoll, im Nordosten von Mindanao dagegen in Linao nach den Beobachtungen eines Jahres 142 Zoll. Eine so ungeheure und dazu noch in ziemlich regelmässigem Wechsel niederfallende jährliche Regenmenge muss nothwendig von grossem Einfluss auf die Entwickelung des organischen Lebens sein, dem wir denn auch dort im Verein mit anderen Einflüssen überall begegnen. In der letzten Rubrik endlich spricht sich der scharfe Gegensatz der beiden wichtigsten Jahresabschnitte aus, welche man diekalteund diewarmeoder besser mit Bezug auf die herrschenden Winde, die Jahreszeiten desNordost-und desSüdwest-Monsun’snennen kann.Allerdings ist durch dieses Wort nicht Alles bezeichnet. Wie die Monsune selbst nur entstanden sind durch local wirkende Ursachen, die indischen nemlich durch die Erwärmung des asiatischen Continentes in unserem Sommer; so muss es natürlich auch Grenzgebiete geben, in welchen ein Uebergang stattfindet in den regelmässigen durch allgemeiner wirkende Ursachen bestimmten Erscheinungen, wie es die Passate sind. Und in der That scheinen wir uns auf den Philippinen in einem solchen Grenzgebiete zu befinden: denn während inManilader abgelenkte SW.-Monsun schon zu EndeApril, der Nordost-Monsun imOctobereinsetzt, ist die Dauer des SW.-Monsuns inBoholum reichlich 1 Monat kürzer, da er nur vomJulibis zumNovemberdauert. Aber durch diese allerdings interessanten Verschiebungen in den Windrichtungen wird doch die im Wesentlichen in dem Worte Monsun angedeutetePeriodicitätnicht erheblich verändert, und für das Ziel, welches wir hier im Auge haben, nemlich für den Einfluss der periodischen Erscheinungen der Atmosphäre auf das organische Leben, ist gerade diese Unregelmässigkeit viel weniger bestimmend, als die periodischen Wechsel in der Temperatur und namentlich im Feuchtigkeitsgehalte der Luft.Wir ziehen hier abermals zur leichteren Vergleichung eine kleine Tabelle aus den vollständigen Resultaten aus, in welcher wir die jährliche klimatische Bewegung nach den 4 hier bei uns angenommenen Jahreszeiten für Manila in Zahlen darstellen.Winde.Regen.Gewitter.Temperatur.Luftdruck.Lin.° R.par. Lin.WinterN 35° O740,819,6337,66FrühlingN 79° O7314,721,6337,40SommerS 41° W49235,921,7336,94HerbstS 16° W33419,520,7336,71Während der 3 Wintermonate December, Januar und Februar bringt der sehr regelmässig wehende Nordostwind bei der niedrigsten Mittelwärme von 19°,6 R. gar keinen oder fast gar keinen Regen nieder. Die Felder trocknen nun aus und das Erdreich springt häufig in tiefen Rissen auf; unerträglichen Staub wirbeln die offnen Wagen der Bewohner Manila’s auf und die Pflanzen sehen traurig und düster genug aus durch den dichten Staub, der sie bedeckt. Der starke jeden Morgen fallende Thau genügt nicht, um die verbrannten Blätter mit frischem Grün zu schmücken. Dennoch aber gibt es nur selten völlig heitere Tage; denn die grosse alltäglich mit aufsteigender Sonne in die Luft gehobene Wassermenge formt sich rasch zu leichten Wölkchen, welche der starke Nordostwind vor sich hin treibt. Wenn aber zum Anfang des Frühlings die Sonne sich dem Zenith nähert, so mehren sich allmälig mit etwas sinkendem Luftdruck die electrischen Entladungen der Atmosphäre, die zuerst als Wetterleuchten in der Ferne, dann als immer näherkommende und heftiger auftretende Gewitter das Herannahen des durch wechselnde Winde und Calmen bezeichneten Frühlings anzeigen. Nun beeilt sich jeder Bewohner Manila’s, seinen Wagen repariren zu lassen, um während der bald eintretenden heftigen Regen im geschlossenen Fuhrwerk dem Unwetter trotzen und seinen Geschäften obliegen zu können. Zwar erleuchtet dieaufgehendeSonne noch einen stets ungetrübten Himmel; aber gegen Mittag schon, wenn sie am höchsten steht, decken dichte Wolken den Himmel und thürmen sich, meistens an einem der benachbarten Berggipfel hängend, schwere dunkle Gewitterwolken auf. Dabei erhöht sich die Temperatur rasch um 2 volle Grade; aber noch immer harren Pflanzen, Thiere und Menschen vergebens auf den erfrischenden Regen, der zuerst im Mai mit einzelnen schweren Tropfen sich ankündigt, dann aber plötzlich in heftigen Gewitterregen losbricht. Zugleich damit tritt ein Wechsel der Winde ein. Nicht ohne Zagen und doch mit Freude sieht der Bewohner diesem Wechsel des Monsun’s entgegen. Wennim Mai oder Juni der von Süden her andringende Südwestwind dem Nordost die Herrschaft über das Land zu entringen sucht, so sind heftige Stürme, sogenannte “colla’s”, welche einige Tage lang andauern, die Folge dieses Kampfes der Winde. Häufig erzeugt sich dabei ein “baguio”, ein Wirbelsturm; doch seltener, als in dem Uebergang des SW.-Monsun’s in den NO.-Monsun im September oder October. Ist die “colla” vorüber, während welcher fast unausgesetzt fallender Regen die durstige Erde tränkt, so tritt nun die eigentliche Regenzeit mit ihren täglich sich wiederholenden äusserst heftigen, aber meistens nur wenige Stunden dauernden Gewitterregen ein. Mit dem Südwestwinde hat der Barometerstand fast sein Minimum erreicht, während die Zahl der Gewitter sich enorm gesteigert und die herabfallende Regenmenge ihr Maximum erreicht hat. Die mittlere Wärme ist kaum gestiegen; aber die häufigen Windstillen zur Zeit des Mittags und die eigenthümliche Schwüle, welche dort wie hier den Gewittern voranzugehen pflegt, lassen die Hitze grösser erscheinen, als sie wirklich ist; denn nie steigt die Temperatur im Schatten auf mehr als 27 oder 28° R. zur Zeit des täglichen Maximum’s. Gegen Ende des Sommers sinkt die Temperatur etwas, ebenso auch die Regenmenge, obgleich nun erst die relative Feuchtigkeit ihr Maximum erreicht. Zum zweiten Male wiederholt sich dann im September oder October der Streit zwischen den Luftströmungen. Unerwartet und rasch, nicht durch das Fallen des Barometers oder die sich mehrende Zahl der Gewitter angekündigt, bricht nun die “colla” des Herbstes über Stadt und Land herein. Wehe den Pflanzen und Thieren, den Menschen in ihren Hütten und an Bord der im Hafen ankernden Schiffe, wenn mit ihr der gefürchtete “baguio” eintritt, der nun viel heftiger, als sein Genosse im Frühling einherschreitet. Im heftigsten Anlauf reisst der Wind in den Bergen ganze Waldungen nieder; Wolkenbrüche, die ihn begleiten, schwellen die Giessbäche und die Ströme des Landes in rasender Schnelle zu enormer Höhe; Brücken und Häuser werden fortgeschwemmt und ausgedehnte Ebenen überfluthet und die Schiffe im Hafen reisst der heftige rasch sich durch alle Richtungen der Windrose drehende Sturmwind von ihren Ankern ab und auf die Untiefen oder gegen die Klippen an. Zum Glück dauern diese Stürme selten lange. Einer der heftigsten und längsten Wirbelstürme,welcher Manila in neuerer Zeit heimsuchte, war der vom September 1865; er begann am 26. Mittags und endete am 28. Morgens. Während dieser 40 Stunden fiel unaufhörlicher Regen in solchen Mengen, dass der Rio Pasig weit über seine Ufer hinaustrat und die Stadt Manila mit allen ihren Vorstädten überschwemmte, so dass der Verkehr auf den Strassen durch Boote unterhalten werden musste. Hat dann endlich der Nordost, mitunter in mehrfach erneutem Kampfe, im October seinen Rivalen aus dem Süden besiegt, so gehen dann allmälig die wechselnden Winde in den stetigen Nordostwind des Winters oder dertrocknenJahreszeit über, während zugleich die Temperatur sich in dem Masse erniedrigt, als die Sonne sich mehr und mehr ihrer südlichen Culmination unterhalb des Aequators nähert.Wie wir aber schon zwischen Manila und Bohol eine grosse Verschiebung in der Periode der Monsune bemerkt haben, so gilt auch die hier näher geschilderte Periodicität in den übrigen atmosphärischen Erscheinungen nicht für die ganze Inselgruppe, oder selbst für alle Orte derselben Insel. Wir erinnern uns, dass Luzon mit seinen hohen von Nord nach Süd streichenden Bergketten gegen die herrschenden mittleren Windrichtungen dieselbe Stellung einnimmt, wie Ceylon im indischen Ocean und wir verstehen nun, warum die östliche und westliche Hälfte der Insel in Bezug auf die Vertheilung des Regens so gänzlich von einander verschieden sein müssen. Denn während der nordöstliche Wind alle Feuchtigkeit, die er auf seinem Wege durch den stillen Ocean angesammelt hat, an der Ostküste und in den hohen Bergen des Ostens und Nordens vollständig absetzt, gelangt er nun an die Westseite der Insel als trockner Wind; und der Südwestwind schlägt seinen Regen an der westlichen Seite der Insel nieder. So kann man leicht, indem man von einem Ort zum andern reist, sich aus dernassenin dietrockneJahreszeit versetzen. Als ich mich im November 1860 inAparrian Bord eines Dampfers einschiffte, um nach Manila zu reisen, hatten wir dort an der Nordküste Luzon’s fast täglich fallende heftige Regen, die von starken Nordoststürmen gebracht wurden; und schon nach wenigen Stunden waren wir hart an der Küste von Ylocos gänzlich gegen den stürmischen Nordost durch die hohe Bergkette geschützt und fuhren nun bei beständig heiterem Wetter bis nach Manila hinunter.Wo sich in denVisaya’szwischen den vielen kleinen und grösseren Inseln zahlreiche Einschnitte bilden, da sind hier den Winden ebensoviele Canäle vorgezeichnet, in welchen sie nun theilweise abgelenkt werden, so dass hier die Vertheilung des Regens eine lange nicht so regelmässige sein kann, wie in Luzon, und auch die Regenwinde selbst nur selten in ihrer ursprünglichen Richtung auftreten können. So war inBoholdie Vertheilung des Regens während zweier Beobachtungsjahre eine viel weniger schroffe, wie in Manila. Im Winter fiel hier das Maximum des Regens mit 209 Linien, im Frühling das Minimum mit 50 Linien; der Sommer zeigte 199 und der Herbst 123 Lin. Regen. Während also in Manila die kalte Jahreszeit auch die trockne war, erfreute sich der Winter in Bohol (mit 20°,1 R. mittlerer Temp.) starken Niederschlags; dagegen zeigten Sommer und Herbst auf dieser Insel eine verhältnissmässig grosse Regenmenge, so dass hier eigentlich nur von einer trocknen Jahreszeit im Frühlinge, aber nicht von einer nassen gesprochen werden kann.Linaoim Innern des östlichen Mindanao’s liegt in einem gegen Nordwesten hin sehr weiten offenen Thal, das gegen Osten durch eine 2–3000′ hohe Bergkette geschützt ist. Dennoch ist auch hier der Winter die eigentlich nasse Jahreszeit; aber der Nordostwind, welcher diesen Gegenden den Regen bringt, dringt hier zur Strasse vonSurigaound in dem Canal zwischenLeyte,BoholundCebúdurch und tritt nun bei Butuan als NW.- oder NNW.-Wind herein in das Land der Manobo’s. Je nach der verschiedenen Richtung der Zuflüsse desAgusan, welche bald mehr aus dem Südwesten, bald aus dem Norden oder Nordwesten kommen, schwellen dieselben durch den fallenden Regen in verschiedenster Weise an. Als ich im Jahre 1864 dieses Land im August und September, also gegen Ende des Südwest-Monsuns bereiste, waren die südwestlichen Zuflüsse alle voll von Wasser, während in dem östlichen Theile und in dem eigentlichen Agusan selbst der niedrigste Wasserstand herrschte. Nach einjährigen Beobachtungen des P. Juan Ruiz in Linao2fielen dort im Jahre 1865 im Winter 826 Linien, im Frühling 302 L., im Sommer 265 L. und im Herbst 312 L. Unter sich verglichen fällt also hier die trockene Jahreszeit in den Sommer; aber trotzdem ist die während dieses trockenen Sommers fallende Regenmenge grösser als das Maximumin Bohol und mehr als die Hälfte des Sommermaximum’s in Manila. Das ganz im Westen und auf 6° 50′ N. B. liegendeZamboangaendlich nähert sich in der Vertheilung des hier fallenden Regens noch mehr den Verhältnissen, wie sie der Aequitorialzone der Calmen eigen zu sein pflegen, denn trotzdem das Land hier gegen den Nordostwind geschützt, dem Südwestwinde offen liegt, so bringen beide Winde hier doch so ziemlich die gleiche Zahl von Regentagen.Die Sonne ist der Quell alles Lebens. Wie ohne ihre erwärmenden Strahlen die Blätter der Bäume und Sträucher nicht ergrünen, so ist sie es auch, welche die Bewegung unserer Atmosphäre, die Winde erzeugt und das Athmen des Meeres, den aufsteigenden Wasserdunst, hervorbringt, der nun als Regen wieder vom Himmel den durstigen Pflanzen zugesandt wird. So hängt von der verschiedenen Vertheilung der Wärme, der Winde und der Feuchtigkeit in Zeit und Raum auch das Leben der Organismen ab. Wir wollen den Einfluss desKlima’s zunächst auf dievegetabilischen Productedes Landes näher untersuchen.Grosse Ueppigkeit des Pflanzenwuchses ist hier die Folge des gleichmässig warmen und sehr feuchten Klimas. Undurchdringlicher tropischer Wald bedeckt bis auf die höchsten Spitzen der Berge hinauf das Land; und in den Ebenen und Thälern, um die Dörfer der Eingeborenen herum, erzeugen sich die bekannten tropischen Nutzpflanzen. Cacao und Indigo, Caffe, Baumwolle, im Süden selbst Canehl3—welcher in Mindanao wild zu wachsen scheint—dazu die Mangabäume, die Cocospalmen und Bananen und viele andere Fruchtbäume gedeihen in üppigster Fülle. Bald halten sie sich—wie die Manga, Caffe, Indigo und Cacao—an besondere Jahreszeiten zur Reifung ihrer Früchte; oder sie geben, wie die Cocospalmen und die Bananen, dem Eingeborenen eine nie versiegende Quelle schmackhafter Nahrung. Schärfer fast, als die einheimischen Pflanzen und Bäume, drückt sich in dem Anbau der eingeführten Nutzpflanzen der Einfluss des Klima’s und seiner periodischen Erscheinungen aus. DasZuckerrohrwird in den nächsten Provinzen um Manila herum, welche alle ein ziemlich gleichartiges Klima besitzen, im März oder April, also kurz vor Eintritt der Regenzeit gepflanzt; während sich die Manobo’s in Mindanao dabei an gar keine bestimmte Jahreszeit halten, da selbstin der trockensten Periode hinreichender Regen fällt, um die jungen Pflanzungen gegen Vertrocknen zu schützen. Der Anbau desTaback’s wird ebenfalls durch die Jahreszeiten geregelt. Im Norden von Luzon, in den ProvinzenCagayanundNueva Isabela, welcher letzteren das auf der Karte bezeichnete Land der Catalanganes zugehört, wird auf erhöhtem, fern von den Bächen und dem Hauptfluss der Provinz, dem Rio Grande de Cagayan, liegenden Lande der Taback imAugustausgesäet; denn ein heftiger Regen, welcher die Bäche zum Austreten bringen könnte, würde den zarten Pflänzchen durch den in den sogenannten “avenida’s” mitgeführten Schlamm verderblich werden. Aber wenn dann im September oder October die “colla” des Herbstes vorüber ist und in den damit immer verbundenen Ueberschwemmungen des tiefliegenden Landes der Boden durch den aus den tertiären Kalkgebirgen herabgeführten Schlamm gedüngt worden ist; so haben nun die jungen Tabackspflanzen, in die Niederungen versetzt, hinreichende Kraft und Höhe erlangt, um nicht in kleineren Ueberschwemmungen zu Grunde zu gehen, oder durch heftigen Regen ausgewaschen zu werden. Dieses Umsetzen, wobei jede Pflanze etwa 1½ Fuss von den anderen entfernt gesetzt werden muss, geschieht Ende October oder Anfang November. Damit ist aber nicht alle Arbeit gethan. Unausgesetzte Pflege verlangt nun die Tabackspflanze, um sie vor Untergang zu bewahren und die Blätter einer günstigen Reife entgegen zu führen. Bei zu grosser Dürre müssen die einzelnen Stämme begossen werden; fällt zu viel Regen, so hat der Arbeiter beständig Sorge zu tragen, dass durch den heftigen Tropfenfall nicht die Wurzeln gelockert werden. Einzeln müssen die Raupen eines Schmetterlings, welche in wenig Tagen aus den massenhaft gelegten Eiern desselben auskriechen, vom Stamm und den Blättern abgesucht werden, da das kleinste Loch, das in den jungen Keim eines Blattes gefressen wird, diesem allen Werth raubt. Nur der geringste Theil der Pflanzen wird benutzt, um Samen für die nächste Aussaat zu ziehen; und jede kleine Blüthenknospe muss, sowie sie sich zeigt, von dem Zweige entfernt werden. Endlich naht im Mai und Juni die trockenste Zeit, und wenn dann in den letzten Wochen kein Regen gefallen ist, welcher das eigenthümliche Gummi des Blattes wieder abwusch, so wird im Juli mit der Erndte begonnen.Diese wird möglichst rasch vollendet, und in der kurzen Periode die nun bis zur nächsten Umpflanzung übrig bleibt, wird der Mais, das einzige4selbstgebaute Nahrungsmittel der Bewohner der Provinz, gesät und geerndtet. In 2 Monaten vollendet hier die Maispflanze ihren Lebenslauf.Noch schärfer aber drückt derReisbauden nach den verschiedenen Orten wechselnden Einfluss der klimatischen Verhältnisse aus, indem er zugleich mehr als irgend eine andere Beschäftigung des täglichen Verkehrs bestimmend auf das Leben der Eingeborenen einwirkt. Im Allgemeinen braucht auf den Philippinen der Reis 5–6 Monate höchstens, von der Aussaat bis zur Vollendung der Erndte, so dass hier bei sonst günstigen Verhältnissen die Möglichkeit zweier Erndten im Jahre gegeben wäre. In der That aber wird dies scheinbar so günstige Verhältniss gestört durch eine Menge verschiedenartiger Einflüsse, welcheeinestheilsin der Qualität des gebauten Reis selbst und dem dabei angewandten System,anderntheilsin dem schon geschilderten mannigfach wechselnden Klima begründet liegen. Man zählt auf den Philippinen über 60 Reisvarietäten, welche aber nach dem Boden, dessen sie bedürfen, in zwei scharf getrennte Kategorieen geschieden werden, nemlich in die desBergreisund desWasserreis. Erstere Gruppe wird, wie schon der Name andeutet, nur auf den hohen, weder den periodisch wiederkehrenden, noch den durch die Hand des Menschen künstlich hervorgebrachten Ueberschwemmungen ausgesetzten Gegenden gebaut. Sie bedarf zu ihrer Cultur sehr viel geringerer Sorgfalt, als die zweite Sorte, welche nur in feuchtem oder ganz unter Wasser gesetztem Boden gut gedeiht; aber zugleich ist sie auch den Unregelmässigkeiten des Wetters viel mehr unterworfen und während bei dem Wasserreis die Periode seines Lebenslaufes so ziemlich immer in denselben Gränzen gehalten wird, ist es bei dem Bergreis nicht selten, eine Verzögerung seiner Reife um mehr als einen Monat eintreten zu sehen. Auch die Methode des Reisbaues ist von einigem Einfluss; da diese Einwirkung aber sehr gegen die des Klimas zurücktritt, so wollen wir die Schilderung der Felderbewirthschaftung in jenes Capitel zurücksetzen, in welchem wir in dem eigenthümlichen socialen Zustande einiger philippinischer Völkerschaften bessere Anknüpfung finden werden.Wie sehr nun endlich durch die wechselnden klimatischen Bedingungen der verschiedenen Provinzen der Reisbau, und damit auch das Leben des Menschen, beeinflusst werden muss, geht aus der einfachen Thatsache hervor, dass der Reis—mag es nun Bergreis oder Sumpfreis sein—eine bestimmte Quantität Feuchtigkeit neben hinreichender Wärme und Nahrungebestandtheilen des Bodens braucht, die also weder zu gross, noch auch zu klein sein darf. Hier kommt es vor Allem auf diewechselndenFeuchtigkeitsverhältnisse an. Während in Manila und den umliegenden Provinzen, welche dem Südwestwinde ausgesetzt sind, die Zeit der Aussaat imJuni, also nach dem Ende der trocknen Jahreszeit, ist, da nun erst der Boden hinreichend durch Regen befruchtet und durchfeuchtet ist, um den Samen aufnehmen zu können, wird bei den Iraya’s im Nordosten von Luzon der Bergreis imDezemberundJanuarnach Eintritt des Nordostwindes, also hier abermals nach Beginn der eigentlichen Regenzeit, ausgesät. Es fällt somit in diesem Lande die Zeit der Reiserndte mit derjenigen des Tabacks und der Aussaat in Manila zusammen. Der ganz gleiche Gegensatz ist schon den ältesten spanischen Schriftstellern auch auf den Visaya’s aufgefallen. So sagt der Padre Chirino (1604) von der Insel Leyte “wenn in der nördlichen Hälfte der Insel Winter herrscht, was in denselben Monaten wie in Spanien zu geschehen pflegt, so ist es in der südlichen Sommer; und umgekehrt in der andern Hälfte des Jahres; so dass wenn die eine Hälfte der Insel sät, die andere ihre Erndten einbringt”. Wieder anders stellt sich das Verhältniss inBontocdar, einem vom Mte.Dataausgehenden und in nördlicher Richtung streichenden Thal, in welchem der Südwestwind meistens den Regen bringt; aber doch säen die Eingebornen den Sumpfreis erst viel später im December, weil hier die eigentlich trockne, die Erndte gestattende Periode erst sehr spät, nemlich im Mai bis Juli einzutreten pflegt. Die Zeit vom Juli bis October und November benutzen die Eingebornen zur Anpflanzung des camote (convolvulus batata). Nur in Butuan in Mindanao scheint die Vertheilung des Regens eine so günstige zu sein, dass zwei Erndten stattfinden; die eine Aussaat erfolgt im Januar und Februar nach Beendigung der Regenzeit (des Nordost-Monsuns), die andere im August oder September mit Beginn derselben. Dagegen verhaltensich dieManobo’s im Sumpfgebiete des Agusan gerade so, wie die Bewohner von Bontoc, da sie ihren Bergreis nur einmal im Jahr und zwar im März mit Beendigung der heftigsten Regenzeit aussäen. Es mögen diese wenigen Beispiele hier genügen, da sie hinreichend den Satz feststellen, dass es auf den Philippinen ausschliesslich die Regenzeit und die im Laufe der Monate fallende Regenmenge ist, welche die Zeit der Aussaat und der Erndte bestimmen.Wir gehen zur Beobachtung derThierweltüber, die wir, wie die Pflanzen, ebenfalls in einigen besonders auffallenden Beziehungen in den klimatischen Verhältnissen kennen lernen wollen, wodurch dann abermals ein Zusammenhang der letzteren mit dem Leben der Bewohner angedeutet wäre, welchem wir wohl in den nächsten Skizzen wieder begegnen werden. Theilweise war dieser Gegenstand schon weiter oben angedeutet, nemlich am Schluss der zweiten Skizze, in welcher wir sahen, dass der Fang der zahlreichenSeethiere, die für den Menschen wichtig sind als Nahrungsmittel oder Handelsartikel, nicht zu allen Jahreszeiten geschehen kann. Zur Zeit des Nordost-Monsun’s sind die östlichen steilen, nur an wenigen Stellen tiefe Buchten aufweisenden Küsten gänzlich allem Verkehr entzogen, und der Fischfang beschränkt sich auf die wenigen essbaren Arten, welche die Eingeborenen bei tiefer Ebbe unter den trockengelegten Korallenblöcken finden; wenn aber dann der Südwest-Monsun die westlichen Meere aufregt und hier dem Fischfang und der Schifffahrt enge Gränzen zieht, so ist jetzt an den östlichen Küsten die Zeit des Lebens gekommen. Nun bevölkern sich hier die Buchten und Strassen zwischen den Inseln mit Fischerböten oder kleineren Schiffen, welche die Producte des Landes nach Cebú oder Manila führen; handeltreibende Chinesen bringen die Manufacturwaaren von China, um sie gegen Gold, Abaca, Reis, den balate und Kaurischnecken einzutauschen. Zu dem Fang der letzteren ziehen jetzt zahlreiche kleine meist nur 3–4 Mann enthaltende Bote aus. Und nun ist auch, wenigstens für den Südosten des Archipels, die für den christlichen Bewohner gefährlichste Zeit gekommen; denn jetzt erscheinen die muhamedanischen Piraten in ihren leichten und 60–70 Männer haltenden “panco’s”, die mit der grössten Verwegenheitihre Raubzüge bis nahe an die Hauptstädte der spanischen Provinzen heran ausdehnen.Wie bei uns, so zeigen auch auf den Philippinen mancheThiere des Landeseine Periodicität ihrer Lebenserscheinungen, welche dann abermals, wie bei den Pflanzen, durch das relative Verhältniss zwischen Wärme und Feuchtigkeit mehr oder weniger beeinflusst werden. Obgleich die Mehrzahl der Insecten hier, wie wohl in den meisten aequatorialen Ländern auch, an keine Jahreszeit5so scharf gebunden zu sein scheint, als dies bei uns in Europa durch die Kälte des Winters geschieht, so fällt doch gerade die Ausbildung der grössten Individuenzahl in die Monate Mai bis Juli, in welchen bei zunehmender Feuchtigkeit und steigender Sonnenwärme die günstigsten Bedingungen für eine massenhafte Entwicklung derselben gegeben sind. Dann auch haben die Bienen des Waldes ihre Waben mit süssem Honig gefüllt, der aber statt den auskriechenden Larven den nach Süssigkeit lüsternen Negern und Malaien zur Beute fällt. Zu gewissen Zeiten steigen grosse Fischschwärme in die Mündungen der Flüsse hinauf, die nun auf ihrem Wege von den Malaien mittels einer Unzahl verschiedener Instrumente zu Millionen gefangen werden. Schon die ältesten Schriftsteller erwähnen die unglaublichen Mengen der kleinen kaum fingerlangen Fischchen, die nun in grossen irdenen Krügen—den tinaja’s—eingesalzen werden, um dann mit nächster Gelegenheit nach Manila übergeführt zu werden; denn nicht in allen Provinzen soll dieser Fisch gefangen werden, so dass der “bagon”—so heisst der eingesalzene Fisch—im inneren Handel und Verkehr eine nicht unbedeutende, aber leider nicht in Zahlen auszudrückende Rolle spielt. In jeder Beziehung aber eigenthümlich und charakteristisch für die grosse Verschiedenheit der klimatischen Verhältnisse vonLuzonundMindanao, ist ein Fisch des süssen Wassers, welcher über den ganzen hinterindischen Archipel und Indien selbst verbreitet ist. Es ist die GattungOphiocephalus6, welche jener eigenthümlichen Gruppe von Fischen angehört, die durch besondere Wasserreservoire an den Seiten des Kopfes ausgezeichnet sind, so dass sie auf ihren Zügen über Land oder beim Erklettern der Palmenbäume auf lange Zeit Wasser genug zur Befeuchtung ihrer Kiemen und damit zu ihrer Athmung bei sich führen können. Es ist die Zahl dieserLabyrinthfische eine ziemlich grosse; aber es sind fast ausschliesslich die Arten der genannten Gattung, welche als beliebte Speise von den Eingebornen zu Tausenden gefangen und verzehrt werden. Ihr Fang nun wird in Luzon ganz anders betrieben, als in Mindanao. Während der trocknen Jahreszeit versiegen auf Luzon zahlreiche kleinere Bäche, und die Sümpfe und Reisfelder trocknen aus, in denen jene Fische lebten.—Diese ziehen sich in die wenigen Seen zurück, aber zum grössten Theile wohl bohren sie sich tiefer in den Schlamm des Bodens ein, wo sie nun bis zum Anfang der nassen Jahreszeit durch eine harte sie bedeckende Erdkruste gegen die Nachstellungen der Menschen geschützt, im Winterschlaf versunken zubringen. Thatsache ist es, dass während dieser Zeit nur sehr geringe Mengen des “dalag”—so heisst dieser Fisch auf den Philippinen—auf den Markt von Manila kommen. Wenn aber dann nach den ersten heftigen Regentagen im Monat Mai die harte Erde sich zu erweichen beginnt, und der Regen die Reisfelder wieder mit frischem Wasser zu füllen anfängt, so brechen jetzt die im Schlamme vorsteckten Fische hervor und tummeln sich in grosser Menge in den Pfützen und auf den nassen Feldern im Schlamme umher. Dann auch scheint die Zeit des Laichens und des Auskriechens der Jungen gekommen zu sein, denn zahllose Mengen werden nun von den Fischern oder den Landbauern, welche ihre Reisfelder bestellen wollen, gefangen und zu Markte gebracht. Letztere schlagen die Fische einfach mit Knitteln todt; denn ihre Zahl in den Reisfeldern ist so gross, und das Wasser so seicht, dass die Bewohner hier, statt sie mit Netzen zu fangen, nur auf’s Geradewohl in den Sumpf hineinzuschlagen brauchen. Es gibt eine tagalische Redensart, etwa unserem “blind darauf losschlagen” zu vergleichen, die von diesem eigenthümlichen Fang des dalag hergenommen ist (magpapalo maudin naun dalag d. h. schlagen wie auf einen dalag). Es ist vor Allem die grosse Centralebene Luzon’s, in welcher alljährlich Hunderttausende auf solche Weise gefangen werden. Ganz anders wird der Fang in Mindanao im Sumpfgebiet des Agusan betrieben. Die Zahl der in diesem Gebiete lebenden Christen ist eine sehr geringe; die ziemlich zahlreichen Manobo’s und Mandayas haben ihre Wohnsitze rund um das Sumpfgebiet herum und treiben keine eigentliche Felderwirthschaft, wie es die christlichenBewohner thun. Sie bauen immer nur in trocknen Gegenden den Bergreis. So kommt es, dass jetzt wenigstens7die ausgedehnten bei den Ueberschwemmungen des Agusan unter Wasser gesetzten Flächen nach allen Richtungen hin von Canälen durchschnitten und weder durch Dämme eingeschlossen, noch überhaupt durch den regulirten Lauf der Flüsse, wie in Luzon, bestimmt abgegränzt sind. Den Fischen bleibt also, wenn mit Eintreten der trocknen Jahreszeit die Wasser zu sinken beginnen, der Ausweg in die Flüsse und die grösseren Teiche oder Seen nach allen Seiten hin offen. Aber auch so können sie den Nachstellungen der Menschen nicht entgehen. Denn nun ziehen die Heiden hinunter in das Sumpfgebiet und bauen sich hier zeitweilig ihre elenden Hütten auf, um in den Winkeln der Flüsse zahlreiche Fischreusen oder grosse gegen den Strom gerichtete Netze aufzustellen, in welchen dann die mit der Strömung immer tiefer hinab ziehenden Fische gefangen werden. Leider kam ich im Jahre 1864 zu spät—da mein ursprünglicher Reiseplan durch ungünstige Momente gänzlich verändert wurde—, um noch das nach den Schilderungen der Eingebornen äusserst interessante Leben der mit dem Fang des dalag beschäftigten Manobo’s beobachten zu können. Nur ein schon halbverfallenes, aus den elendesten Hütten auf Pfählen rasch aufgeschlagenes Dorf sah ich noch. Eine Frau mit einigen kleinen Kindern war beschäftigt, die letzten noch vor einigen Tagen gefangenen Fische über dem Feuer zu dörren.Indem wir so überall im Leben der Thiere wie der Pflanzen den entscheidenden Einfluss der umgebenden Natur, vor Allem der klimatischen Verhältnisse in ihrer grossen Mannichfaltigkeit kennen lernten, so wurden wir durch sie auch schon auf die Einwirkung mehr oder weniger deutlich hingewiesen, welche das Klima und der Boden, die Pflanzen und Thiere in ihrem periodischen Auftreten auch auf den Menschen haben mussten. Wir wollen in den nächsten Skizzen sehen, ob und wie sich der philippinische Mensch allmälig in seiner geschichtlichen Entwicklung von den Fesseln, welche ihm die Natur geschlagen, zu befreien vermocht hat.

III.Das Klima und das organische Leben.Im Allgemeinen lässt sich dasKlimades philippinischen Archipels als ein tropisch insulares im vollsten Sinne des Wortes bezeichnen. Vollständiger Mangel aller schroffen Gegensätze in der Temperatur, hohe mittlere Jahreswärme, grosse Regenmenge und Feuchtigkeit der Luft, sowie die in gewissen Perioden wechselnde Windesrichtung werden durch die geographische Lage dieser Inseln erklärt. Um uns ein möglichst scharf gezeichnetes Bild von diesen einzelnen Momenten, die in ihrer Gesammtwirkung als Klima solchen Einfluss auf alle Organismen und alles Leben gewinnen, zu bilden, wollen wir den im Anhang1ausführlich mitgetheilten Resultaten mehrjähriger Beobachtungen in Sta. Ana, einem Dorfe dicht bei Manila, folgende Mittelwerthe entnehmen:Temperatur in Graden Reaumur.Regenmenge im Jahr.Relative Feuchtigkeit.Mittlerer Luftdruck.Mittlere des Jahresmittleres Maximummittleres Minimum+20,88+25,4+16,2974,6 par. Lin.= 81,2 Zoll.78,7 par. Lin.337,18Windesrichtung:October–AprilN 57° OApril–OctoberS 28° WHier drückt sich zunächst in den 3 ersten Zahlen die hohe, aber sehr gleichmässige Temperatur bestimmt aus; denn bei dem hohen Jahresmittel von 21° R. ist die Differenz der mittleren Monatsextreme nur 9°, während sie beispielsweise in Frankfurt über 19° beträgt bei der niedrigen Jahrestemperatur von 9° R. Gegeneine nur 15,7 Zoll betragende Regenmenge an demselben Orte in Deutschland fallen in Manila, einem vergleichsweise für die Philippinen sehr trockenen Orte, alljährlich mehr als 81 Zoll, im Nordosten von Mindanao dagegen in Linao nach den Beobachtungen eines Jahres 142 Zoll. Eine so ungeheure und dazu noch in ziemlich regelmässigem Wechsel niederfallende jährliche Regenmenge muss nothwendig von grossem Einfluss auf die Entwickelung des organischen Lebens sein, dem wir denn auch dort im Verein mit anderen Einflüssen überall begegnen. In der letzten Rubrik endlich spricht sich der scharfe Gegensatz der beiden wichtigsten Jahresabschnitte aus, welche man diekalteund diewarmeoder besser mit Bezug auf die herrschenden Winde, die Jahreszeiten desNordost-und desSüdwest-Monsun’snennen kann.Allerdings ist durch dieses Wort nicht Alles bezeichnet. Wie die Monsune selbst nur entstanden sind durch local wirkende Ursachen, die indischen nemlich durch die Erwärmung des asiatischen Continentes in unserem Sommer; so muss es natürlich auch Grenzgebiete geben, in welchen ein Uebergang stattfindet in den regelmässigen durch allgemeiner wirkende Ursachen bestimmten Erscheinungen, wie es die Passate sind. Und in der That scheinen wir uns auf den Philippinen in einem solchen Grenzgebiete zu befinden: denn während inManilader abgelenkte SW.-Monsun schon zu EndeApril, der Nordost-Monsun imOctobereinsetzt, ist die Dauer des SW.-Monsuns inBoholum reichlich 1 Monat kürzer, da er nur vomJulibis zumNovemberdauert. Aber durch diese allerdings interessanten Verschiebungen in den Windrichtungen wird doch die im Wesentlichen in dem Worte Monsun angedeutetePeriodicitätnicht erheblich verändert, und für das Ziel, welches wir hier im Auge haben, nemlich für den Einfluss der periodischen Erscheinungen der Atmosphäre auf das organische Leben, ist gerade diese Unregelmässigkeit viel weniger bestimmend, als die periodischen Wechsel in der Temperatur und namentlich im Feuchtigkeitsgehalte der Luft.Wir ziehen hier abermals zur leichteren Vergleichung eine kleine Tabelle aus den vollständigen Resultaten aus, in welcher wir die jährliche klimatische Bewegung nach den 4 hier bei uns angenommenen Jahreszeiten für Manila in Zahlen darstellen.Winde.Regen.Gewitter.Temperatur.Luftdruck.Lin.° R.par. Lin.WinterN 35° O740,819,6337,66FrühlingN 79° O7314,721,6337,40SommerS 41° W49235,921,7336,94HerbstS 16° W33419,520,7336,71Während der 3 Wintermonate December, Januar und Februar bringt der sehr regelmässig wehende Nordostwind bei der niedrigsten Mittelwärme von 19°,6 R. gar keinen oder fast gar keinen Regen nieder. Die Felder trocknen nun aus und das Erdreich springt häufig in tiefen Rissen auf; unerträglichen Staub wirbeln die offnen Wagen der Bewohner Manila’s auf und die Pflanzen sehen traurig und düster genug aus durch den dichten Staub, der sie bedeckt. Der starke jeden Morgen fallende Thau genügt nicht, um die verbrannten Blätter mit frischem Grün zu schmücken. Dennoch aber gibt es nur selten völlig heitere Tage; denn die grosse alltäglich mit aufsteigender Sonne in die Luft gehobene Wassermenge formt sich rasch zu leichten Wölkchen, welche der starke Nordostwind vor sich hin treibt. Wenn aber zum Anfang des Frühlings die Sonne sich dem Zenith nähert, so mehren sich allmälig mit etwas sinkendem Luftdruck die electrischen Entladungen der Atmosphäre, die zuerst als Wetterleuchten in der Ferne, dann als immer näherkommende und heftiger auftretende Gewitter das Herannahen des durch wechselnde Winde und Calmen bezeichneten Frühlings anzeigen. Nun beeilt sich jeder Bewohner Manila’s, seinen Wagen repariren zu lassen, um während der bald eintretenden heftigen Regen im geschlossenen Fuhrwerk dem Unwetter trotzen und seinen Geschäften obliegen zu können. Zwar erleuchtet dieaufgehendeSonne noch einen stets ungetrübten Himmel; aber gegen Mittag schon, wenn sie am höchsten steht, decken dichte Wolken den Himmel und thürmen sich, meistens an einem der benachbarten Berggipfel hängend, schwere dunkle Gewitterwolken auf. Dabei erhöht sich die Temperatur rasch um 2 volle Grade; aber noch immer harren Pflanzen, Thiere und Menschen vergebens auf den erfrischenden Regen, der zuerst im Mai mit einzelnen schweren Tropfen sich ankündigt, dann aber plötzlich in heftigen Gewitterregen losbricht. Zugleich damit tritt ein Wechsel der Winde ein. Nicht ohne Zagen und doch mit Freude sieht der Bewohner diesem Wechsel des Monsun’s entgegen. Wennim Mai oder Juni der von Süden her andringende Südwestwind dem Nordost die Herrschaft über das Land zu entringen sucht, so sind heftige Stürme, sogenannte “colla’s”, welche einige Tage lang andauern, die Folge dieses Kampfes der Winde. Häufig erzeugt sich dabei ein “baguio”, ein Wirbelsturm; doch seltener, als in dem Uebergang des SW.-Monsun’s in den NO.-Monsun im September oder October. Ist die “colla” vorüber, während welcher fast unausgesetzt fallender Regen die durstige Erde tränkt, so tritt nun die eigentliche Regenzeit mit ihren täglich sich wiederholenden äusserst heftigen, aber meistens nur wenige Stunden dauernden Gewitterregen ein. Mit dem Südwestwinde hat der Barometerstand fast sein Minimum erreicht, während die Zahl der Gewitter sich enorm gesteigert und die herabfallende Regenmenge ihr Maximum erreicht hat. Die mittlere Wärme ist kaum gestiegen; aber die häufigen Windstillen zur Zeit des Mittags und die eigenthümliche Schwüle, welche dort wie hier den Gewittern voranzugehen pflegt, lassen die Hitze grösser erscheinen, als sie wirklich ist; denn nie steigt die Temperatur im Schatten auf mehr als 27 oder 28° R. zur Zeit des täglichen Maximum’s. Gegen Ende des Sommers sinkt die Temperatur etwas, ebenso auch die Regenmenge, obgleich nun erst die relative Feuchtigkeit ihr Maximum erreicht. Zum zweiten Male wiederholt sich dann im September oder October der Streit zwischen den Luftströmungen. Unerwartet und rasch, nicht durch das Fallen des Barometers oder die sich mehrende Zahl der Gewitter angekündigt, bricht nun die “colla” des Herbstes über Stadt und Land herein. Wehe den Pflanzen und Thieren, den Menschen in ihren Hütten und an Bord der im Hafen ankernden Schiffe, wenn mit ihr der gefürchtete “baguio” eintritt, der nun viel heftiger, als sein Genosse im Frühling einherschreitet. Im heftigsten Anlauf reisst der Wind in den Bergen ganze Waldungen nieder; Wolkenbrüche, die ihn begleiten, schwellen die Giessbäche und die Ströme des Landes in rasender Schnelle zu enormer Höhe; Brücken und Häuser werden fortgeschwemmt und ausgedehnte Ebenen überfluthet und die Schiffe im Hafen reisst der heftige rasch sich durch alle Richtungen der Windrose drehende Sturmwind von ihren Ankern ab und auf die Untiefen oder gegen die Klippen an. Zum Glück dauern diese Stürme selten lange. Einer der heftigsten und längsten Wirbelstürme,welcher Manila in neuerer Zeit heimsuchte, war der vom September 1865; er begann am 26. Mittags und endete am 28. Morgens. Während dieser 40 Stunden fiel unaufhörlicher Regen in solchen Mengen, dass der Rio Pasig weit über seine Ufer hinaustrat und die Stadt Manila mit allen ihren Vorstädten überschwemmte, so dass der Verkehr auf den Strassen durch Boote unterhalten werden musste. Hat dann endlich der Nordost, mitunter in mehrfach erneutem Kampfe, im October seinen Rivalen aus dem Süden besiegt, so gehen dann allmälig die wechselnden Winde in den stetigen Nordostwind des Winters oder dertrocknenJahreszeit über, während zugleich die Temperatur sich in dem Masse erniedrigt, als die Sonne sich mehr und mehr ihrer südlichen Culmination unterhalb des Aequators nähert.Wie wir aber schon zwischen Manila und Bohol eine grosse Verschiebung in der Periode der Monsune bemerkt haben, so gilt auch die hier näher geschilderte Periodicität in den übrigen atmosphärischen Erscheinungen nicht für die ganze Inselgruppe, oder selbst für alle Orte derselben Insel. Wir erinnern uns, dass Luzon mit seinen hohen von Nord nach Süd streichenden Bergketten gegen die herrschenden mittleren Windrichtungen dieselbe Stellung einnimmt, wie Ceylon im indischen Ocean und wir verstehen nun, warum die östliche und westliche Hälfte der Insel in Bezug auf die Vertheilung des Regens so gänzlich von einander verschieden sein müssen. Denn während der nordöstliche Wind alle Feuchtigkeit, die er auf seinem Wege durch den stillen Ocean angesammelt hat, an der Ostküste und in den hohen Bergen des Ostens und Nordens vollständig absetzt, gelangt er nun an die Westseite der Insel als trockner Wind; und der Südwestwind schlägt seinen Regen an der westlichen Seite der Insel nieder. So kann man leicht, indem man von einem Ort zum andern reist, sich aus dernassenin dietrockneJahreszeit versetzen. Als ich mich im November 1860 inAparrian Bord eines Dampfers einschiffte, um nach Manila zu reisen, hatten wir dort an der Nordküste Luzon’s fast täglich fallende heftige Regen, die von starken Nordoststürmen gebracht wurden; und schon nach wenigen Stunden waren wir hart an der Küste von Ylocos gänzlich gegen den stürmischen Nordost durch die hohe Bergkette geschützt und fuhren nun bei beständig heiterem Wetter bis nach Manila hinunter.Wo sich in denVisaya’szwischen den vielen kleinen und grösseren Inseln zahlreiche Einschnitte bilden, da sind hier den Winden ebensoviele Canäle vorgezeichnet, in welchen sie nun theilweise abgelenkt werden, so dass hier die Vertheilung des Regens eine lange nicht so regelmässige sein kann, wie in Luzon, und auch die Regenwinde selbst nur selten in ihrer ursprünglichen Richtung auftreten können. So war inBoholdie Vertheilung des Regens während zweier Beobachtungsjahre eine viel weniger schroffe, wie in Manila. Im Winter fiel hier das Maximum des Regens mit 209 Linien, im Frühling das Minimum mit 50 Linien; der Sommer zeigte 199 und der Herbst 123 Lin. Regen. Während also in Manila die kalte Jahreszeit auch die trockne war, erfreute sich der Winter in Bohol (mit 20°,1 R. mittlerer Temp.) starken Niederschlags; dagegen zeigten Sommer und Herbst auf dieser Insel eine verhältnissmässig grosse Regenmenge, so dass hier eigentlich nur von einer trocknen Jahreszeit im Frühlinge, aber nicht von einer nassen gesprochen werden kann.Linaoim Innern des östlichen Mindanao’s liegt in einem gegen Nordwesten hin sehr weiten offenen Thal, das gegen Osten durch eine 2–3000′ hohe Bergkette geschützt ist. Dennoch ist auch hier der Winter die eigentlich nasse Jahreszeit; aber der Nordostwind, welcher diesen Gegenden den Regen bringt, dringt hier zur Strasse vonSurigaound in dem Canal zwischenLeyte,BoholundCebúdurch und tritt nun bei Butuan als NW.- oder NNW.-Wind herein in das Land der Manobo’s. Je nach der verschiedenen Richtung der Zuflüsse desAgusan, welche bald mehr aus dem Südwesten, bald aus dem Norden oder Nordwesten kommen, schwellen dieselben durch den fallenden Regen in verschiedenster Weise an. Als ich im Jahre 1864 dieses Land im August und September, also gegen Ende des Südwest-Monsuns bereiste, waren die südwestlichen Zuflüsse alle voll von Wasser, während in dem östlichen Theile und in dem eigentlichen Agusan selbst der niedrigste Wasserstand herrschte. Nach einjährigen Beobachtungen des P. Juan Ruiz in Linao2fielen dort im Jahre 1865 im Winter 826 Linien, im Frühling 302 L., im Sommer 265 L. und im Herbst 312 L. Unter sich verglichen fällt also hier die trockene Jahreszeit in den Sommer; aber trotzdem ist die während dieses trockenen Sommers fallende Regenmenge grösser als das Maximumin Bohol und mehr als die Hälfte des Sommermaximum’s in Manila. Das ganz im Westen und auf 6° 50′ N. B. liegendeZamboangaendlich nähert sich in der Vertheilung des hier fallenden Regens noch mehr den Verhältnissen, wie sie der Aequitorialzone der Calmen eigen zu sein pflegen, denn trotzdem das Land hier gegen den Nordostwind geschützt, dem Südwestwinde offen liegt, so bringen beide Winde hier doch so ziemlich die gleiche Zahl von Regentagen.Die Sonne ist der Quell alles Lebens. Wie ohne ihre erwärmenden Strahlen die Blätter der Bäume und Sträucher nicht ergrünen, so ist sie es auch, welche die Bewegung unserer Atmosphäre, die Winde erzeugt und das Athmen des Meeres, den aufsteigenden Wasserdunst, hervorbringt, der nun als Regen wieder vom Himmel den durstigen Pflanzen zugesandt wird. So hängt von der verschiedenen Vertheilung der Wärme, der Winde und der Feuchtigkeit in Zeit und Raum auch das Leben der Organismen ab. Wir wollen den Einfluss desKlima’s zunächst auf dievegetabilischen Productedes Landes näher untersuchen.Grosse Ueppigkeit des Pflanzenwuchses ist hier die Folge des gleichmässig warmen und sehr feuchten Klimas. Undurchdringlicher tropischer Wald bedeckt bis auf die höchsten Spitzen der Berge hinauf das Land; und in den Ebenen und Thälern, um die Dörfer der Eingeborenen herum, erzeugen sich die bekannten tropischen Nutzpflanzen. Cacao und Indigo, Caffe, Baumwolle, im Süden selbst Canehl3—welcher in Mindanao wild zu wachsen scheint—dazu die Mangabäume, die Cocospalmen und Bananen und viele andere Fruchtbäume gedeihen in üppigster Fülle. Bald halten sie sich—wie die Manga, Caffe, Indigo und Cacao—an besondere Jahreszeiten zur Reifung ihrer Früchte; oder sie geben, wie die Cocospalmen und die Bananen, dem Eingeborenen eine nie versiegende Quelle schmackhafter Nahrung. Schärfer fast, als die einheimischen Pflanzen und Bäume, drückt sich in dem Anbau der eingeführten Nutzpflanzen der Einfluss des Klima’s und seiner periodischen Erscheinungen aus. DasZuckerrohrwird in den nächsten Provinzen um Manila herum, welche alle ein ziemlich gleichartiges Klima besitzen, im März oder April, also kurz vor Eintritt der Regenzeit gepflanzt; während sich die Manobo’s in Mindanao dabei an gar keine bestimmte Jahreszeit halten, da selbstin der trockensten Periode hinreichender Regen fällt, um die jungen Pflanzungen gegen Vertrocknen zu schützen. Der Anbau desTaback’s wird ebenfalls durch die Jahreszeiten geregelt. Im Norden von Luzon, in den ProvinzenCagayanundNueva Isabela, welcher letzteren das auf der Karte bezeichnete Land der Catalanganes zugehört, wird auf erhöhtem, fern von den Bächen und dem Hauptfluss der Provinz, dem Rio Grande de Cagayan, liegenden Lande der Taback imAugustausgesäet; denn ein heftiger Regen, welcher die Bäche zum Austreten bringen könnte, würde den zarten Pflänzchen durch den in den sogenannten “avenida’s” mitgeführten Schlamm verderblich werden. Aber wenn dann im September oder October die “colla” des Herbstes vorüber ist und in den damit immer verbundenen Ueberschwemmungen des tiefliegenden Landes der Boden durch den aus den tertiären Kalkgebirgen herabgeführten Schlamm gedüngt worden ist; so haben nun die jungen Tabackspflanzen, in die Niederungen versetzt, hinreichende Kraft und Höhe erlangt, um nicht in kleineren Ueberschwemmungen zu Grunde zu gehen, oder durch heftigen Regen ausgewaschen zu werden. Dieses Umsetzen, wobei jede Pflanze etwa 1½ Fuss von den anderen entfernt gesetzt werden muss, geschieht Ende October oder Anfang November. Damit ist aber nicht alle Arbeit gethan. Unausgesetzte Pflege verlangt nun die Tabackspflanze, um sie vor Untergang zu bewahren und die Blätter einer günstigen Reife entgegen zu führen. Bei zu grosser Dürre müssen die einzelnen Stämme begossen werden; fällt zu viel Regen, so hat der Arbeiter beständig Sorge zu tragen, dass durch den heftigen Tropfenfall nicht die Wurzeln gelockert werden. Einzeln müssen die Raupen eines Schmetterlings, welche in wenig Tagen aus den massenhaft gelegten Eiern desselben auskriechen, vom Stamm und den Blättern abgesucht werden, da das kleinste Loch, das in den jungen Keim eines Blattes gefressen wird, diesem allen Werth raubt. Nur der geringste Theil der Pflanzen wird benutzt, um Samen für die nächste Aussaat zu ziehen; und jede kleine Blüthenknospe muss, sowie sie sich zeigt, von dem Zweige entfernt werden. Endlich naht im Mai und Juni die trockenste Zeit, und wenn dann in den letzten Wochen kein Regen gefallen ist, welcher das eigenthümliche Gummi des Blattes wieder abwusch, so wird im Juli mit der Erndte begonnen.Diese wird möglichst rasch vollendet, und in der kurzen Periode die nun bis zur nächsten Umpflanzung übrig bleibt, wird der Mais, das einzige4selbstgebaute Nahrungsmittel der Bewohner der Provinz, gesät und geerndtet. In 2 Monaten vollendet hier die Maispflanze ihren Lebenslauf.Noch schärfer aber drückt derReisbauden nach den verschiedenen Orten wechselnden Einfluss der klimatischen Verhältnisse aus, indem er zugleich mehr als irgend eine andere Beschäftigung des täglichen Verkehrs bestimmend auf das Leben der Eingeborenen einwirkt. Im Allgemeinen braucht auf den Philippinen der Reis 5–6 Monate höchstens, von der Aussaat bis zur Vollendung der Erndte, so dass hier bei sonst günstigen Verhältnissen die Möglichkeit zweier Erndten im Jahre gegeben wäre. In der That aber wird dies scheinbar so günstige Verhältniss gestört durch eine Menge verschiedenartiger Einflüsse, welcheeinestheilsin der Qualität des gebauten Reis selbst und dem dabei angewandten System,anderntheilsin dem schon geschilderten mannigfach wechselnden Klima begründet liegen. Man zählt auf den Philippinen über 60 Reisvarietäten, welche aber nach dem Boden, dessen sie bedürfen, in zwei scharf getrennte Kategorieen geschieden werden, nemlich in die desBergreisund desWasserreis. Erstere Gruppe wird, wie schon der Name andeutet, nur auf den hohen, weder den periodisch wiederkehrenden, noch den durch die Hand des Menschen künstlich hervorgebrachten Ueberschwemmungen ausgesetzten Gegenden gebaut. Sie bedarf zu ihrer Cultur sehr viel geringerer Sorgfalt, als die zweite Sorte, welche nur in feuchtem oder ganz unter Wasser gesetztem Boden gut gedeiht; aber zugleich ist sie auch den Unregelmässigkeiten des Wetters viel mehr unterworfen und während bei dem Wasserreis die Periode seines Lebenslaufes so ziemlich immer in denselben Gränzen gehalten wird, ist es bei dem Bergreis nicht selten, eine Verzögerung seiner Reife um mehr als einen Monat eintreten zu sehen. Auch die Methode des Reisbaues ist von einigem Einfluss; da diese Einwirkung aber sehr gegen die des Klimas zurücktritt, so wollen wir die Schilderung der Felderbewirthschaftung in jenes Capitel zurücksetzen, in welchem wir in dem eigenthümlichen socialen Zustande einiger philippinischer Völkerschaften bessere Anknüpfung finden werden.Wie sehr nun endlich durch die wechselnden klimatischen Bedingungen der verschiedenen Provinzen der Reisbau, und damit auch das Leben des Menschen, beeinflusst werden muss, geht aus der einfachen Thatsache hervor, dass der Reis—mag es nun Bergreis oder Sumpfreis sein—eine bestimmte Quantität Feuchtigkeit neben hinreichender Wärme und Nahrungebestandtheilen des Bodens braucht, die also weder zu gross, noch auch zu klein sein darf. Hier kommt es vor Allem auf diewechselndenFeuchtigkeitsverhältnisse an. Während in Manila und den umliegenden Provinzen, welche dem Südwestwinde ausgesetzt sind, die Zeit der Aussaat imJuni, also nach dem Ende der trocknen Jahreszeit, ist, da nun erst der Boden hinreichend durch Regen befruchtet und durchfeuchtet ist, um den Samen aufnehmen zu können, wird bei den Iraya’s im Nordosten von Luzon der Bergreis imDezemberundJanuarnach Eintritt des Nordostwindes, also hier abermals nach Beginn der eigentlichen Regenzeit, ausgesät. Es fällt somit in diesem Lande die Zeit der Reiserndte mit derjenigen des Tabacks und der Aussaat in Manila zusammen. Der ganz gleiche Gegensatz ist schon den ältesten spanischen Schriftstellern auch auf den Visaya’s aufgefallen. So sagt der Padre Chirino (1604) von der Insel Leyte “wenn in der nördlichen Hälfte der Insel Winter herrscht, was in denselben Monaten wie in Spanien zu geschehen pflegt, so ist es in der südlichen Sommer; und umgekehrt in der andern Hälfte des Jahres; so dass wenn die eine Hälfte der Insel sät, die andere ihre Erndten einbringt”. Wieder anders stellt sich das Verhältniss inBontocdar, einem vom Mte.Dataausgehenden und in nördlicher Richtung streichenden Thal, in welchem der Südwestwind meistens den Regen bringt; aber doch säen die Eingebornen den Sumpfreis erst viel später im December, weil hier die eigentlich trockne, die Erndte gestattende Periode erst sehr spät, nemlich im Mai bis Juli einzutreten pflegt. Die Zeit vom Juli bis October und November benutzen die Eingebornen zur Anpflanzung des camote (convolvulus batata). Nur in Butuan in Mindanao scheint die Vertheilung des Regens eine so günstige zu sein, dass zwei Erndten stattfinden; die eine Aussaat erfolgt im Januar und Februar nach Beendigung der Regenzeit (des Nordost-Monsuns), die andere im August oder September mit Beginn derselben. Dagegen verhaltensich dieManobo’s im Sumpfgebiete des Agusan gerade so, wie die Bewohner von Bontoc, da sie ihren Bergreis nur einmal im Jahr und zwar im März mit Beendigung der heftigsten Regenzeit aussäen. Es mögen diese wenigen Beispiele hier genügen, da sie hinreichend den Satz feststellen, dass es auf den Philippinen ausschliesslich die Regenzeit und die im Laufe der Monate fallende Regenmenge ist, welche die Zeit der Aussaat und der Erndte bestimmen.Wir gehen zur Beobachtung derThierweltüber, die wir, wie die Pflanzen, ebenfalls in einigen besonders auffallenden Beziehungen in den klimatischen Verhältnissen kennen lernen wollen, wodurch dann abermals ein Zusammenhang der letzteren mit dem Leben der Bewohner angedeutet wäre, welchem wir wohl in den nächsten Skizzen wieder begegnen werden. Theilweise war dieser Gegenstand schon weiter oben angedeutet, nemlich am Schluss der zweiten Skizze, in welcher wir sahen, dass der Fang der zahlreichenSeethiere, die für den Menschen wichtig sind als Nahrungsmittel oder Handelsartikel, nicht zu allen Jahreszeiten geschehen kann. Zur Zeit des Nordost-Monsun’s sind die östlichen steilen, nur an wenigen Stellen tiefe Buchten aufweisenden Küsten gänzlich allem Verkehr entzogen, und der Fischfang beschränkt sich auf die wenigen essbaren Arten, welche die Eingeborenen bei tiefer Ebbe unter den trockengelegten Korallenblöcken finden; wenn aber dann der Südwest-Monsun die westlichen Meere aufregt und hier dem Fischfang und der Schifffahrt enge Gränzen zieht, so ist jetzt an den östlichen Küsten die Zeit des Lebens gekommen. Nun bevölkern sich hier die Buchten und Strassen zwischen den Inseln mit Fischerböten oder kleineren Schiffen, welche die Producte des Landes nach Cebú oder Manila führen; handeltreibende Chinesen bringen die Manufacturwaaren von China, um sie gegen Gold, Abaca, Reis, den balate und Kaurischnecken einzutauschen. Zu dem Fang der letzteren ziehen jetzt zahlreiche kleine meist nur 3–4 Mann enthaltende Bote aus. Und nun ist auch, wenigstens für den Südosten des Archipels, die für den christlichen Bewohner gefährlichste Zeit gekommen; denn jetzt erscheinen die muhamedanischen Piraten in ihren leichten und 60–70 Männer haltenden “panco’s”, die mit der grössten Verwegenheitihre Raubzüge bis nahe an die Hauptstädte der spanischen Provinzen heran ausdehnen.Wie bei uns, so zeigen auch auf den Philippinen mancheThiere des Landeseine Periodicität ihrer Lebenserscheinungen, welche dann abermals, wie bei den Pflanzen, durch das relative Verhältniss zwischen Wärme und Feuchtigkeit mehr oder weniger beeinflusst werden. Obgleich die Mehrzahl der Insecten hier, wie wohl in den meisten aequatorialen Ländern auch, an keine Jahreszeit5so scharf gebunden zu sein scheint, als dies bei uns in Europa durch die Kälte des Winters geschieht, so fällt doch gerade die Ausbildung der grössten Individuenzahl in die Monate Mai bis Juli, in welchen bei zunehmender Feuchtigkeit und steigender Sonnenwärme die günstigsten Bedingungen für eine massenhafte Entwicklung derselben gegeben sind. Dann auch haben die Bienen des Waldes ihre Waben mit süssem Honig gefüllt, der aber statt den auskriechenden Larven den nach Süssigkeit lüsternen Negern und Malaien zur Beute fällt. Zu gewissen Zeiten steigen grosse Fischschwärme in die Mündungen der Flüsse hinauf, die nun auf ihrem Wege von den Malaien mittels einer Unzahl verschiedener Instrumente zu Millionen gefangen werden. Schon die ältesten Schriftsteller erwähnen die unglaublichen Mengen der kleinen kaum fingerlangen Fischchen, die nun in grossen irdenen Krügen—den tinaja’s—eingesalzen werden, um dann mit nächster Gelegenheit nach Manila übergeführt zu werden; denn nicht in allen Provinzen soll dieser Fisch gefangen werden, so dass der “bagon”—so heisst der eingesalzene Fisch—im inneren Handel und Verkehr eine nicht unbedeutende, aber leider nicht in Zahlen auszudrückende Rolle spielt. In jeder Beziehung aber eigenthümlich und charakteristisch für die grosse Verschiedenheit der klimatischen Verhältnisse vonLuzonundMindanao, ist ein Fisch des süssen Wassers, welcher über den ganzen hinterindischen Archipel und Indien selbst verbreitet ist. Es ist die GattungOphiocephalus6, welche jener eigenthümlichen Gruppe von Fischen angehört, die durch besondere Wasserreservoire an den Seiten des Kopfes ausgezeichnet sind, so dass sie auf ihren Zügen über Land oder beim Erklettern der Palmenbäume auf lange Zeit Wasser genug zur Befeuchtung ihrer Kiemen und damit zu ihrer Athmung bei sich führen können. Es ist die Zahl dieserLabyrinthfische eine ziemlich grosse; aber es sind fast ausschliesslich die Arten der genannten Gattung, welche als beliebte Speise von den Eingebornen zu Tausenden gefangen und verzehrt werden. Ihr Fang nun wird in Luzon ganz anders betrieben, als in Mindanao. Während der trocknen Jahreszeit versiegen auf Luzon zahlreiche kleinere Bäche, und die Sümpfe und Reisfelder trocknen aus, in denen jene Fische lebten.—Diese ziehen sich in die wenigen Seen zurück, aber zum grössten Theile wohl bohren sie sich tiefer in den Schlamm des Bodens ein, wo sie nun bis zum Anfang der nassen Jahreszeit durch eine harte sie bedeckende Erdkruste gegen die Nachstellungen der Menschen geschützt, im Winterschlaf versunken zubringen. Thatsache ist es, dass während dieser Zeit nur sehr geringe Mengen des “dalag”—so heisst dieser Fisch auf den Philippinen—auf den Markt von Manila kommen. Wenn aber dann nach den ersten heftigen Regentagen im Monat Mai die harte Erde sich zu erweichen beginnt, und der Regen die Reisfelder wieder mit frischem Wasser zu füllen anfängt, so brechen jetzt die im Schlamme vorsteckten Fische hervor und tummeln sich in grosser Menge in den Pfützen und auf den nassen Feldern im Schlamme umher. Dann auch scheint die Zeit des Laichens und des Auskriechens der Jungen gekommen zu sein, denn zahllose Mengen werden nun von den Fischern oder den Landbauern, welche ihre Reisfelder bestellen wollen, gefangen und zu Markte gebracht. Letztere schlagen die Fische einfach mit Knitteln todt; denn ihre Zahl in den Reisfeldern ist so gross, und das Wasser so seicht, dass die Bewohner hier, statt sie mit Netzen zu fangen, nur auf’s Geradewohl in den Sumpf hineinzuschlagen brauchen. Es gibt eine tagalische Redensart, etwa unserem “blind darauf losschlagen” zu vergleichen, die von diesem eigenthümlichen Fang des dalag hergenommen ist (magpapalo maudin naun dalag d. h. schlagen wie auf einen dalag). Es ist vor Allem die grosse Centralebene Luzon’s, in welcher alljährlich Hunderttausende auf solche Weise gefangen werden. Ganz anders wird der Fang in Mindanao im Sumpfgebiet des Agusan betrieben. Die Zahl der in diesem Gebiete lebenden Christen ist eine sehr geringe; die ziemlich zahlreichen Manobo’s und Mandayas haben ihre Wohnsitze rund um das Sumpfgebiet herum und treiben keine eigentliche Felderwirthschaft, wie es die christlichenBewohner thun. Sie bauen immer nur in trocknen Gegenden den Bergreis. So kommt es, dass jetzt wenigstens7die ausgedehnten bei den Ueberschwemmungen des Agusan unter Wasser gesetzten Flächen nach allen Richtungen hin von Canälen durchschnitten und weder durch Dämme eingeschlossen, noch überhaupt durch den regulirten Lauf der Flüsse, wie in Luzon, bestimmt abgegränzt sind. Den Fischen bleibt also, wenn mit Eintreten der trocknen Jahreszeit die Wasser zu sinken beginnen, der Ausweg in die Flüsse und die grösseren Teiche oder Seen nach allen Seiten hin offen. Aber auch so können sie den Nachstellungen der Menschen nicht entgehen. Denn nun ziehen die Heiden hinunter in das Sumpfgebiet und bauen sich hier zeitweilig ihre elenden Hütten auf, um in den Winkeln der Flüsse zahlreiche Fischreusen oder grosse gegen den Strom gerichtete Netze aufzustellen, in welchen dann die mit der Strömung immer tiefer hinab ziehenden Fische gefangen werden. Leider kam ich im Jahre 1864 zu spät—da mein ursprünglicher Reiseplan durch ungünstige Momente gänzlich verändert wurde—, um noch das nach den Schilderungen der Eingebornen äusserst interessante Leben der mit dem Fang des dalag beschäftigten Manobo’s beobachten zu können. Nur ein schon halbverfallenes, aus den elendesten Hütten auf Pfählen rasch aufgeschlagenes Dorf sah ich noch. Eine Frau mit einigen kleinen Kindern war beschäftigt, die letzten noch vor einigen Tagen gefangenen Fische über dem Feuer zu dörren.Indem wir so überall im Leben der Thiere wie der Pflanzen den entscheidenden Einfluss der umgebenden Natur, vor Allem der klimatischen Verhältnisse in ihrer grossen Mannichfaltigkeit kennen lernten, so wurden wir durch sie auch schon auf die Einwirkung mehr oder weniger deutlich hingewiesen, welche das Klima und der Boden, die Pflanzen und Thiere in ihrem periodischen Auftreten auch auf den Menschen haben mussten. Wir wollen in den nächsten Skizzen sehen, ob und wie sich der philippinische Mensch allmälig in seiner geschichtlichen Entwicklung von den Fesseln, welche ihm die Natur geschlagen, zu befreien vermocht hat.

III.Das Klima und das organische Leben.

Im Allgemeinen lässt sich dasKlimades philippinischen Archipels als ein tropisch insulares im vollsten Sinne des Wortes bezeichnen. Vollständiger Mangel aller schroffen Gegensätze in der Temperatur, hohe mittlere Jahreswärme, grosse Regenmenge und Feuchtigkeit der Luft, sowie die in gewissen Perioden wechselnde Windesrichtung werden durch die geographische Lage dieser Inseln erklärt. Um uns ein möglichst scharf gezeichnetes Bild von diesen einzelnen Momenten, die in ihrer Gesammtwirkung als Klima solchen Einfluss auf alle Organismen und alles Leben gewinnen, zu bilden, wollen wir den im Anhang1ausführlich mitgetheilten Resultaten mehrjähriger Beobachtungen in Sta. Ana, einem Dorfe dicht bei Manila, folgende Mittelwerthe entnehmen:Temperatur in Graden Reaumur.Regenmenge im Jahr.Relative Feuchtigkeit.Mittlerer Luftdruck.Mittlere des Jahresmittleres Maximummittleres Minimum+20,88+25,4+16,2974,6 par. Lin.= 81,2 Zoll.78,7 par. Lin.337,18Windesrichtung:October–AprilN 57° OApril–OctoberS 28° WHier drückt sich zunächst in den 3 ersten Zahlen die hohe, aber sehr gleichmässige Temperatur bestimmt aus; denn bei dem hohen Jahresmittel von 21° R. ist die Differenz der mittleren Monatsextreme nur 9°, während sie beispielsweise in Frankfurt über 19° beträgt bei der niedrigen Jahrestemperatur von 9° R. Gegeneine nur 15,7 Zoll betragende Regenmenge an demselben Orte in Deutschland fallen in Manila, einem vergleichsweise für die Philippinen sehr trockenen Orte, alljährlich mehr als 81 Zoll, im Nordosten von Mindanao dagegen in Linao nach den Beobachtungen eines Jahres 142 Zoll. Eine so ungeheure und dazu noch in ziemlich regelmässigem Wechsel niederfallende jährliche Regenmenge muss nothwendig von grossem Einfluss auf die Entwickelung des organischen Lebens sein, dem wir denn auch dort im Verein mit anderen Einflüssen überall begegnen. In der letzten Rubrik endlich spricht sich der scharfe Gegensatz der beiden wichtigsten Jahresabschnitte aus, welche man diekalteund diewarmeoder besser mit Bezug auf die herrschenden Winde, die Jahreszeiten desNordost-und desSüdwest-Monsun’snennen kann.Allerdings ist durch dieses Wort nicht Alles bezeichnet. Wie die Monsune selbst nur entstanden sind durch local wirkende Ursachen, die indischen nemlich durch die Erwärmung des asiatischen Continentes in unserem Sommer; so muss es natürlich auch Grenzgebiete geben, in welchen ein Uebergang stattfindet in den regelmässigen durch allgemeiner wirkende Ursachen bestimmten Erscheinungen, wie es die Passate sind. Und in der That scheinen wir uns auf den Philippinen in einem solchen Grenzgebiete zu befinden: denn während inManilader abgelenkte SW.-Monsun schon zu EndeApril, der Nordost-Monsun imOctobereinsetzt, ist die Dauer des SW.-Monsuns inBoholum reichlich 1 Monat kürzer, da er nur vomJulibis zumNovemberdauert. Aber durch diese allerdings interessanten Verschiebungen in den Windrichtungen wird doch die im Wesentlichen in dem Worte Monsun angedeutetePeriodicitätnicht erheblich verändert, und für das Ziel, welches wir hier im Auge haben, nemlich für den Einfluss der periodischen Erscheinungen der Atmosphäre auf das organische Leben, ist gerade diese Unregelmässigkeit viel weniger bestimmend, als die periodischen Wechsel in der Temperatur und namentlich im Feuchtigkeitsgehalte der Luft.Wir ziehen hier abermals zur leichteren Vergleichung eine kleine Tabelle aus den vollständigen Resultaten aus, in welcher wir die jährliche klimatische Bewegung nach den 4 hier bei uns angenommenen Jahreszeiten für Manila in Zahlen darstellen.Winde.Regen.Gewitter.Temperatur.Luftdruck.Lin.° R.par. Lin.WinterN 35° O740,819,6337,66FrühlingN 79° O7314,721,6337,40SommerS 41° W49235,921,7336,94HerbstS 16° W33419,520,7336,71Während der 3 Wintermonate December, Januar und Februar bringt der sehr regelmässig wehende Nordostwind bei der niedrigsten Mittelwärme von 19°,6 R. gar keinen oder fast gar keinen Regen nieder. Die Felder trocknen nun aus und das Erdreich springt häufig in tiefen Rissen auf; unerträglichen Staub wirbeln die offnen Wagen der Bewohner Manila’s auf und die Pflanzen sehen traurig und düster genug aus durch den dichten Staub, der sie bedeckt. Der starke jeden Morgen fallende Thau genügt nicht, um die verbrannten Blätter mit frischem Grün zu schmücken. Dennoch aber gibt es nur selten völlig heitere Tage; denn die grosse alltäglich mit aufsteigender Sonne in die Luft gehobene Wassermenge formt sich rasch zu leichten Wölkchen, welche der starke Nordostwind vor sich hin treibt. Wenn aber zum Anfang des Frühlings die Sonne sich dem Zenith nähert, so mehren sich allmälig mit etwas sinkendem Luftdruck die electrischen Entladungen der Atmosphäre, die zuerst als Wetterleuchten in der Ferne, dann als immer näherkommende und heftiger auftretende Gewitter das Herannahen des durch wechselnde Winde und Calmen bezeichneten Frühlings anzeigen. Nun beeilt sich jeder Bewohner Manila’s, seinen Wagen repariren zu lassen, um während der bald eintretenden heftigen Regen im geschlossenen Fuhrwerk dem Unwetter trotzen und seinen Geschäften obliegen zu können. Zwar erleuchtet dieaufgehendeSonne noch einen stets ungetrübten Himmel; aber gegen Mittag schon, wenn sie am höchsten steht, decken dichte Wolken den Himmel und thürmen sich, meistens an einem der benachbarten Berggipfel hängend, schwere dunkle Gewitterwolken auf. Dabei erhöht sich die Temperatur rasch um 2 volle Grade; aber noch immer harren Pflanzen, Thiere und Menschen vergebens auf den erfrischenden Regen, der zuerst im Mai mit einzelnen schweren Tropfen sich ankündigt, dann aber plötzlich in heftigen Gewitterregen losbricht. Zugleich damit tritt ein Wechsel der Winde ein. Nicht ohne Zagen und doch mit Freude sieht der Bewohner diesem Wechsel des Monsun’s entgegen. Wennim Mai oder Juni der von Süden her andringende Südwestwind dem Nordost die Herrschaft über das Land zu entringen sucht, so sind heftige Stürme, sogenannte “colla’s”, welche einige Tage lang andauern, die Folge dieses Kampfes der Winde. Häufig erzeugt sich dabei ein “baguio”, ein Wirbelsturm; doch seltener, als in dem Uebergang des SW.-Monsun’s in den NO.-Monsun im September oder October. Ist die “colla” vorüber, während welcher fast unausgesetzt fallender Regen die durstige Erde tränkt, so tritt nun die eigentliche Regenzeit mit ihren täglich sich wiederholenden äusserst heftigen, aber meistens nur wenige Stunden dauernden Gewitterregen ein. Mit dem Südwestwinde hat der Barometerstand fast sein Minimum erreicht, während die Zahl der Gewitter sich enorm gesteigert und die herabfallende Regenmenge ihr Maximum erreicht hat. Die mittlere Wärme ist kaum gestiegen; aber die häufigen Windstillen zur Zeit des Mittags und die eigenthümliche Schwüle, welche dort wie hier den Gewittern voranzugehen pflegt, lassen die Hitze grösser erscheinen, als sie wirklich ist; denn nie steigt die Temperatur im Schatten auf mehr als 27 oder 28° R. zur Zeit des täglichen Maximum’s. Gegen Ende des Sommers sinkt die Temperatur etwas, ebenso auch die Regenmenge, obgleich nun erst die relative Feuchtigkeit ihr Maximum erreicht. Zum zweiten Male wiederholt sich dann im September oder October der Streit zwischen den Luftströmungen. Unerwartet und rasch, nicht durch das Fallen des Barometers oder die sich mehrende Zahl der Gewitter angekündigt, bricht nun die “colla” des Herbstes über Stadt und Land herein. Wehe den Pflanzen und Thieren, den Menschen in ihren Hütten und an Bord der im Hafen ankernden Schiffe, wenn mit ihr der gefürchtete “baguio” eintritt, der nun viel heftiger, als sein Genosse im Frühling einherschreitet. Im heftigsten Anlauf reisst der Wind in den Bergen ganze Waldungen nieder; Wolkenbrüche, die ihn begleiten, schwellen die Giessbäche und die Ströme des Landes in rasender Schnelle zu enormer Höhe; Brücken und Häuser werden fortgeschwemmt und ausgedehnte Ebenen überfluthet und die Schiffe im Hafen reisst der heftige rasch sich durch alle Richtungen der Windrose drehende Sturmwind von ihren Ankern ab und auf die Untiefen oder gegen die Klippen an. Zum Glück dauern diese Stürme selten lange. Einer der heftigsten und längsten Wirbelstürme,welcher Manila in neuerer Zeit heimsuchte, war der vom September 1865; er begann am 26. Mittags und endete am 28. Morgens. Während dieser 40 Stunden fiel unaufhörlicher Regen in solchen Mengen, dass der Rio Pasig weit über seine Ufer hinaustrat und die Stadt Manila mit allen ihren Vorstädten überschwemmte, so dass der Verkehr auf den Strassen durch Boote unterhalten werden musste. Hat dann endlich der Nordost, mitunter in mehrfach erneutem Kampfe, im October seinen Rivalen aus dem Süden besiegt, so gehen dann allmälig die wechselnden Winde in den stetigen Nordostwind des Winters oder dertrocknenJahreszeit über, während zugleich die Temperatur sich in dem Masse erniedrigt, als die Sonne sich mehr und mehr ihrer südlichen Culmination unterhalb des Aequators nähert.Wie wir aber schon zwischen Manila und Bohol eine grosse Verschiebung in der Periode der Monsune bemerkt haben, so gilt auch die hier näher geschilderte Periodicität in den übrigen atmosphärischen Erscheinungen nicht für die ganze Inselgruppe, oder selbst für alle Orte derselben Insel. Wir erinnern uns, dass Luzon mit seinen hohen von Nord nach Süd streichenden Bergketten gegen die herrschenden mittleren Windrichtungen dieselbe Stellung einnimmt, wie Ceylon im indischen Ocean und wir verstehen nun, warum die östliche und westliche Hälfte der Insel in Bezug auf die Vertheilung des Regens so gänzlich von einander verschieden sein müssen. Denn während der nordöstliche Wind alle Feuchtigkeit, die er auf seinem Wege durch den stillen Ocean angesammelt hat, an der Ostküste und in den hohen Bergen des Ostens und Nordens vollständig absetzt, gelangt er nun an die Westseite der Insel als trockner Wind; und der Südwestwind schlägt seinen Regen an der westlichen Seite der Insel nieder. So kann man leicht, indem man von einem Ort zum andern reist, sich aus dernassenin dietrockneJahreszeit versetzen. Als ich mich im November 1860 inAparrian Bord eines Dampfers einschiffte, um nach Manila zu reisen, hatten wir dort an der Nordküste Luzon’s fast täglich fallende heftige Regen, die von starken Nordoststürmen gebracht wurden; und schon nach wenigen Stunden waren wir hart an der Küste von Ylocos gänzlich gegen den stürmischen Nordost durch die hohe Bergkette geschützt und fuhren nun bei beständig heiterem Wetter bis nach Manila hinunter.Wo sich in denVisaya’szwischen den vielen kleinen und grösseren Inseln zahlreiche Einschnitte bilden, da sind hier den Winden ebensoviele Canäle vorgezeichnet, in welchen sie nun theilweise abgelenkt werden, so dass hier die Vertheilung des Regens eine lange nicht so regelmässige sein kann, wie in Luzon, und auch die Regenwinde selbst nur selten in ihrer ursprünglichen Richtung auftreten können. So war inBoholdie Vertheilung des Regens während zweier Beobachtungsjahre eine viel weniger schroffe, wie in Manila. Im Winter fiel hier das Maximum des Regens mit 209 Linien, im Frühling das Minimum mit 50 Linien; der Sommer zeigte 199 und der Herbst 123 Lin. Regen. Während also in Manila die kalte Jahreszeit auch die trockne war, erfreute sich der Winter in Bohol (mit 20°,1 R. mittlerer Temp.) starken Niederschlags; dagegen zeigten Sommer und Herbst auf dieser Insel eine verhältnissmässig grosse Regenmenge, so dass hier eigentlich nur von einer trocknen Jahreszeit im Frühlinge, aber nicht von einer nassen gesprochen werden kann.Linaoim Innern des östlichen Mindanao’s liegt in einem gegen Nordwesten hin sehr weiten offenen Thal, das gegen Osten durch eine 2–3000′ hohe Bergkette geschützt ist. Dennoch ist auch hier der Winter die eigentlich nasse Jahreszeit; aber der Nordostwind, welcher diesen Gegenden den Regen bringt, dringt hier zur Strasse vonSurigaound in dem Canal zwischenLeyte,BoholundCebúdurch und tritt nun bei Butuan als NW.- oder NNW.-Wind herein in das Land der Manobo’s. Je nach der verschiedenen Richtung der Zuflüsse desAgusan, welche bald mehr aus dem Südwesten, bald aus dem Norden oder Nordwesten kommen, schwellen dieselben durch den fallenden Regen in verschiedenster Weise an. Als ich im Jahre 1864 dieses Land im August und September, also gegen Ende des Südwest-Monsuns bereiste, waren die südwestlichen Zuflüsse alle voll von Wasser, während in dem östlichen Theile und in dem eigentlichen Agusan selbst der niedrigste Wasserstand herrschte. Nach einjährigen Beobachtungen des P. Juan Ruiz in Linao2fielen dort im Jahre 1865 im Winter 826 Linien, im Frühling 302 L., im Sommer 265 L. und im Herbst 312 L. Unter sich verglichen fällt also hier die trockene Jahreszeit in den Sommer; aber trotzdem ist die während dieses trockenen Sommers fallende Regenmenge grösser als das Maximumin Bohol und mehr als die Hälfte des Sommermaximum’s in Manila. Das ganz im Westen und auf 6° 50′ N. B. liegendeZamboangaendlich nähert sich in der Vertheilung des hier fallenden Regens noch mehr den Verhältnissen, wie sie der Aequitorialzone der Calmen eigen zu sein pflegen, denn trotzdem das Land hier gegen den Nordostwind geschützt, dem Südwestwinde offen liegt, so bringen beide Winde hier doch so ziemlich die gleiche Zahl von Regentagen.Die Sonne ist der Quell alles Lebens. Wie ohne ihre erwärmenden Strahlen die Blätter der Bäume und Sträucher nicht ergrünen, so ist sie es auch, welche die Bewegung unserer Atmosphäre, die Winde erzeugt und das Athmen des Meeres, den aufsteigenden Wasserdunst, hervorbringt, der nun als Regen wieder vom Himmel den durstigen Pflanzen zugesandt wird. So hängt von der verschiedenen Vertheilung der Wärme, der Winde und der Feuchtigkeit in Zeit und Raum auch das Leben der Organismen ab. Wir wollen den Einfluss desKlima’s zunächst auf dievegetabilischen Productedes Landes näher untersuchen.Grosse Ueppigkeit des Pflanzenwuchses ist hier die Folge des gleichmässig warmen und sehr feuchten Klimas. Undurchdringlicher tropischer Wald bedeckt bis auf die höchsten Spitzen der Berge hinauf das Land; und in den Ebenen und Thälern, um die Dörfer der Eingeborenen herum, erzeugen sich die bekannten tropischen Nutzpflanzen. Cacao und Indigo, Caffe, Baumwolle, im Süden selbst Canehl3—welcher in Mindanao wild zu wachsen scheint—dazu die Mangabäume, die Cocospalmen und Bananen und viele andere Fruchtbäume gedeihen in üppigster Fülle. Bald halten sie sich—wie die Manga, Caffe, Indigo und Cacao—an besondere Jahreszeiten zur Reifung ihrer Früchte; oder sie geben, wie die Cocospalmen und die Bananen, dem Eingeborenen eine nie versiegende Quelle schmackhafter Nahrung. Schärfer fast, als die einheimischen Pflanzen und Bäume, drückt sich in dem Anbau der eingeführten Nutzpflanzen der Einfluss des Klima’s und seiner periodischen Erscheinungen aus. DasZuckerrohrwird in den nächsten Provinzen um Manila herum, welche alle ein ziemlich gleichartiges Klima besitzen, im März oder April, also kurz vor Eintritt der Regenzeit gepflanzt; während sich die Manobo’s in Mindanao dabei an gar keine bestimmte Jahreszeit halten, da selbstin der trockensten Periode hinreichender Regen fällt, um die jungen Pflanzungen gegen Vertrocknen zu schützen. Der Anbau desTaback’s wird ebenfalls durch die Jahreszeiten geregelt. Im Norden von Luzon, in den ProvinzenCagayanundNueva Isabela, welcher letzteren das auf der Karte bezeichnete Land der Catalanganes zugehört, wird auf erhöhtem, fern von den Bächen und dem Hauptfluss der Provinz, dem Rio Grande de Cagayan, liegenden Lande der Taback imAugustausgesäet; denn ein heftiger Regen, welcher die Bäche zum Austreten bringen könnte, würde den zarten Pflänzchen durch den in den sogenannten “avenida’s” mitgeführten Schlamm verderblich werden. Aber wenn dann im September oder October die “colla” des Herbstes vorüber ist und in den damit immer verbundenen Ueberschwemmungen des tiefliegenden Landes der Boden durch den aus den tertiären Kalkgebirgen herabgeführten Schlamm gedüngt worden ist; so haben nun die jungen Tabackspflanzen, in die Niederungen versetzt, hinreichende Kraft und Höhe erlangt, um nicht in kleineren Ueberschwemmungen zu Grunde zu gehen, oder durch heftigen Regen ausgewaschen zu werden. Dieses Umsetzen, wobei jede Pflanze etwa 1½ Fuss von den anderen entfernt gesetzt werden muss, geschieht Ende October oder Anfang November. Damit ist aber nicht alle Arbeit gethan. Unausgesetzte Pflege verlangt nun die Tabackspflanze, um sie vor Untergang zu bewahren und die Blätter einer günstigen Reife entgegen zu führen. Bei zu grosser Dürre müssen die einzelnen Stämme begossen werden; fällt zu viel Regen, so hat der Arbeiter beständig Sorge zu tragen, dass durch den heftigen Tropfenfall nicht die Wurzeln gelockert werden. Einzeln müssen die Raupen eines Schmetterlings, welche in wenig Tagen aus den massenhaft gelegten Eiern desselben auskriechen, vom Stamm und den Blättern abgesucht werden, da das kleinste Loch, das in den jungen Keim eines Blattes gefressen wird, diesem allen Werth raubt. Nur der geringste Theil der Pflanzen wird benutzt, um Samen für die nächste Aussaat zu ziehen; und jede kleine Blüthenknospe muss, sowie sie sich zeigt, von dem Zweige entfernt werden. Endlich naht im Mai und Juni die trockenste Zeit, und wenn dann in den letzten Wochen kein Regen gefallen ist, welcher das eigenthümliche Gummi des Blattes wieder abwusch, so wird im Juli mit der Erndte begonnen.Diese wird möglichst rasch vollendet, und in der kurzen Periode die nun bis zur nächsten Umpflanzung übrig bleibt, wird der Mais, das einzige4selbstgebaute Nahrungsmittel der Bewohner der Provinz, gesät und geerndtet. In 2 Monaten vollendet hier die Maispflanze ihren Lebenslauf.Noch schärfer aber drückt derReisbauden nach den verschiedenen Orten wechselnden Einfluss der klimatischen Verhältnisse aus, indem er zugleich mehr als irgend eine andere Beschäftigung des täglichen Verkehrs bestimmend auf das Leben der Eingeborenen einwirkt. Im Allgemeinen braucht auf den Philippinen der Reis 5–6 Monate höchstens, von der Aussaat bis zur Vollendung der Erndte, so dass hier bei sonst günstigen Verhältnissen die Möglichkeit zweier Erndten im Jahre gegeben wäre. In der That aber wird dies scheinbar so günstige Verhältniss gestört durch eine Menge verschiedenartiger Einflüsse, welcheeinestheilsin der Qualität des gebauten Reis selbst und dem dabei angewandten System,anderntheilsin dem schon geschilderten mannigfach wechselnden Klima begründet liegen. Man zählt auf den Philippinen über 60 Reisvarietäten, welche aber nach dem Boden, dessen sie bedürfen, in zwei scharf getrennte Kategorieen geschieden werden, nemlich in die desBergreisund desWasserreis. Erstere Gruppe wird, wie schon der Name andeutet, nur auf den hohen, weder den periodisch wiederkehrenden, noch den durch die Hand des Menschen künstlich hervorgebrachten Ueberschwemmungen ausgesetzten Gegenden gebaut. Sie bedarf zu ihrer Cultur sehr viel geringerer Sorgfalt, als die zweite Sorte, welche nur in feuchtem oder ganz unter Wasser gesetztem Boden gut gedeiht; aber zugleich ist sie auch den Unregelmässigkeiten des Wetters viel mehr unterworfen und während bei dem Wasserreis die Periode seines Lebenslaufes so ziemlich immer in denselben Gränzen gehalten wird, ist es bei dem Bergreis nicht selten, eine Verzögerung seiner Reife um mehr als einen Monat eintreten zu sehen. Auch die Methode des Reisbaues ist von einigem Einfluss; da diese Einwirkung aber sehr gegen die des Klimas zurücktritt, so wollen wir die Schilderung der Felderbewirthschaftung in jenes Capitel zurücksetzen, in welchem wir in dem eigenthümlichen socialen Zustande einiger philippinischer Völkerschaften bessere Anknüpfung finden werden.Wie sehr nun endlich durch die wechselnden klimatischen Bedingungen der verschiedenen Provinzen der Reisbau, und damit auch das Leben des Menschen, beeinflusst werden muss, geht aus der einfachen Thatsache hervor, dass der Reis—mag es nun Bergreis oder Sumpfreis sein—eine bestimmte Quantität Feuchtigkeit neben hinreichender Wärme und Nahrungebestandtheilen des Bodens braucht, die also weder zu gross, noch auch zu klein sein darf. Hier kommt es vor Allem auf diewechselndenFeuchtigkeitsverhältnisse an. Während in Manila und den umliegenden Provinzen, welche dem Südwestwinde ausgesetzt sind, die Zeit der Aussaat imJuni, also nach dem Ende der trocknen Jahreszeit, ist, da nun erst der Boden hinreichend durch Regen befruchtet und durchfeuchtet ist, um den Samen aufnehmen zu können, wird bei den Iraya’s im Nordosten von Luzon der Bergreis imDezemberundJanuarnach Eintritt des Nordostwindes, also hier abermals nach Beginn der eigentlichen Regenzeit, ausgesät. Es fällt somit in diesem Lande die Zeit der Reiserndte mit derjenigen des Tabacks und der Aussaat in Manila zusammen. Der ganz gleiche Gegensatz ist schon den ältesten spanischen Schriftstellern auch auf den Visaya’s aufgefallen. So sagt der Padre Chirino (1604) von der Insel Leyte “wenn in der nördlichen Hälfte der Insel Winter herrscht, was in denselben Monaten wie in Spanien zu geschehen pflegt, so ist es in der südlichen Sommer; und umgekehrt in der andern Hälfte des Jahres; so dass wenn die eine Hälfte der Insel sät, die andere ihre Erndten einbringt”. Wieder anders stellt sich das Verhältniss inBontocdar, einem vom Mte.Dataausgehenden und in nördlicher Richtung streichenden Thal, in welchem der Südwestwind meistens den Regen bringt; aber doch säen die Eingebornen den Sumpfreis erst viel später im December, weil hier die eigentlich trockne, die Erndte gestattende Periode erst sehr spät, nemlich im Mai bis Juli einzutreten pflegt. Die Zeit vom Juli bis October und November benutzen die Eingebornen zur Anpflanzung des camote (convolvulus batata). Nur in Butuan in Mindanao scheint die Vertheilung des Regens eine so günstige zu sein, dass zwei Erndten stattfinden; die eine Aussaat erfolgt im Januar und Februar nach Beendigung der Regenzeit (des Nordost-Monsuns), die andere im August oder September mit Beginn derselben. Dagegen verhaltensich dieManobo’s im Sumpfgebiete des Agusan gerade so, wie die Bewohner von Bontoc, da sie ihren Bergreis nur einmal im Jahr und zwar im März mit Beendigung der heftigsten Regenzeit aussäen. Es mögen diese wenigen Beispiele hier genügen, da sie hinreichend den Satz feststellen, dass es auf den Philippinen ausschliesslich die Regenzeit und die im Laufe der Monate fallende Regenmenge ist, welche die Zeit der Aussaat und der Erndte bestimmen.Wir gehen zur Beobachtung derThierweltüber, die wir, wie die Pflanzen, ebenfalls in einigen besonders auffallenden Beziehungen in den klimatischen Verhältnissen kennen lernen wollen, wodurch dann abermals ein Zusammenhang der letzteren mit dem Leben der Bewohner angedeutet wäre, welchem wir wohl in den nächsten Skizzen wieder begegnen werden. Theilweise war dieser Gegenstand schon weiter oben angedeutet, nemlich am Schluss der zweiten Skizze, in welcher wir sahen, dass der Fang der zahlreichenSeethiere, die für den Menschen wichtig sind als Nahrungsmittel oder Handelsartikel, nicht zu allen Jahreszeiten geschehen kann. Zur Zeit des Nordost-Monsun’s sind die östlichen steilen, nur an wenigen Stellen tiefe Buchten aufweisenden Küsten gänzlich allem Verkehr entzogen, und der Fischfang beschränkt sich auf die wenigen essbaren Arten, welche die Eingeborenen bei tiefer Ebbe unter den trockengelegten Korallenblöcken finden; wenn aber dann der Südwest-Monsun die westlichen Meere aufregt und hier dem Fischfang und der Schifffahrt enge Gränzen zieht, so ist jetzt an den östlichen Küsten die Zeit des Lebens gekommen. Nun bevölkern sich hier die Buchten und Strassen zwischen den Inseln mit Fischerböten oder kleineren Schiffen, welche die Producte des Landes nach Cebú oder Manila führen; handeltreibende Chinesen bringen die Manufacturwaaren von China, um sie gegen Gold, Abaca, Reis, den balate und Kaurischnecken einzutauschen. Zu dem Fang der letzteren ziehen jetzt zahlreiche kleine meist nur 3–4 Mann enthaltende Bote aus. Und nun ist auch, wenigstens für den Südosten des Archipels, die für den christlichen Bewohner gefährlichste Zeit gekommen; denn jetzt erscheinen die muhamedanischen Piraten in ihren leichten und 60–70 Männer haltenden “panco’s”, die mit der grössten Verwegenheitihre Raubzüge bis nahe an die Hauptstädte der spanischen Provinzen heran ausdehnen.Wie bei uns, so zeigen auch auf den Philippinen mancheThiere des Landeseine Periodicität ihrer Lebenserscheinungen, welche dann abermals, wie bei den Pflanzen, durch das relative Verhältniss zwischen Wärme und Feuchtigkeit mehr oder weniger beeinflusst werden. Obgleich die Mehrzahl der Insecten hier, wie wohl in den meisten aequatorialen Ländern auch, an keine Jahreszeit5so scharf gebunden zu sein scheint, als dies bei uns in Europa durch die Kälte des Winters geschieht, so fällt doch gerade die Ausbildung der grössten Individuenzahl in die Monate Mai bis Juli, in welchen bei zunehmender Feuchtigkeit und steigender Sonnenwärme die günstigsten Bedingungen für eine massenhafte Entwicklung derselben gegeben sind. Dann auch haben die Bienen des Waldes ihre Waben mit süssem Honig gefüllt, der aber statt den auskriechenden Larven den nach Süssigkeit lüsternen Negern und Malaien zur Beute fällt. Zu gewissen Zeiten steigen grosse Fischschwärme in die Mündungen der Flüsse hinauf, die nun auf ihrem Wege von den Malaien mittels einer Unzahl verschiedener Instrumente zu Millionen gefangen werden. Schon die ältesten Schriftsteller erwähnen die unglaublichen Mengen der kleinen kaum fingerlangen Fischchen, die nun in grossen irdenen Krügen—den tinaja’s—eingesalzen werden, um dann mit nächster Gelegenheit nach Manila übergeführt zu werden; denn nicht in allen Provinzen soll dieser Fisch gefangen werden, so dass der “bagon”—so heisst der eingesalzene Fisch—im inneren Handel und Verkehr eine nicht unbedeutende, aber leider nicht in Zahlen auszudrückende Rolle spielt. In jeder Beziehung aber eigenthümlich und charakteristisch für die grosse Verschiedenheit der klimatischen Verhältnisse vonLuzonundMindanao, ist ein Fisch des süssen Wassers, welcher über den ganzen hinterindischen Archipel und Indien selbst verbreitet ist. Es ist die GattungOphiocephalus6, welche jener eigenthümlichen Gruppe von Fischen angehört, die durch besondere Wasserreservoire an den Seiten des Kopfes ausgezeichnet sind, so dass sie auf ihren Zügen über Land oder beim Erklettern der Palmenbäume auf lange Zeit Wasser genug zur Befeuchtung ihrer Kiemen und damit zu ihrer Athmung bei sich führen können. Es ist die Zahl dieserLabyrinthfische eine ziemlich grosse; aber es sind fast ausschliesslich die Arten der genannten Gattung, welche als beliebte Speise von den Eingebornen zu Tausenden gefangen und verzehrt werden. Ihr Fang nun wird in Luzon ganz anders betrieben, als in Mindanao. Während der trocknen Jahreszeit versiegen auf Luzon zahlreiche kleinere Bäche, und die Sümpfe und Reisfelder trocknen aus, in denen jene Fische lebten.—Diese ziehen sich in die wenigen Seen zurück, aber zum grössten Theile wohl bohren sie sich tiefer in den Schlamm des Bodens ein, wo sie nun bis zum Anfang der nassen Jahreszeit durch eine harte sie bedeckende Erdkruste gegen die Nachstellungen der Menschen geschützt, im Winterschlaf versunken zubringen. Thatsache ist es, dass während dieser Zeit nur sehr geringe Mengen des “dalag”—so heisst dieser Fisch auf den Philippinen—auf den Markt von Manila kommen. Wenn aber dann nach den ersten heftigen Regentagen im Monat Mai die harte Erde sich zu erweichen beginnt, und der Regen die Reisfelder wieder mit frischem Wasser zu füllen anfängt, so brechen jetzt die im Schlamme vorsteckten Fische hervor und tummeln sich in grosser Menge in den Pfützen und auf den nassen Feldern im Schlamme umher. Dann auch scheint die Zeit des Laichens und des Auskriechens der Jungen gekommen zu sein, denn zahllose Mengen werden nun von den Fischern oder den Landbauern, welche ihre Reisfelder bestellen wollen, gefangen und zu Markte gebracht. Letztere schlagen die Fische einfach mit Knitteln todt; denn ihre Zahl in den Reisfeldern ist so gross, und das Wasser so seicht, dass die Bewohner hier, statt sie mit Netzen zu fangen, nur auf’s Geradewohl in den Sumpf hineinzuschlagen brauchen. Es gibt eine tagalische Redensart, etwa unserem “blind darauf losschlagen” zu vergleichen, die von diesem eigenthümlichen Fang des dalag hergenommen ist (magpapalo maudin naun dalag d. h. schlagen wie auf einen dalag). Es ist vor Allem die grosse Centralebene Luzon’s, in welcher alljährlich Hunderttausende auf solche Weise gefangen werden. Ganz anders wird der Fang in Mindanao im Sumpfgebiet des Agusan betrieben. Die Zahl der in diesem Gebiete lebenden Christen ist eine sehr geringe; die ziemlich zahlreichen Manobo’s und Mandayas haben ihre Wohnsitze rund um das Sumpfgebiet herum und treiben keine eigentliche Felderwirthschaft, wie es die christlichenBewohner thun. Sie bauen immer nur in trocknen Gegenden den Bergreis. So kommt es, dass jetzt wenigstens7die ausgedehnten bei den Ueberschwemmungen des Agusan unter Wasser gesetzten Flächen nach allen Richtungen hin von Canälen durchschnitten und weder durch Dämme eingeschlossen, noch überhaupt durch den regulirten Lauf der Flüsse, wie in Luzon, bestimmt abgegränzt sind. Den Fischen bleibt also, wenn mit Eintreten der trocknen Jahreszeit die Wasser zu sinken beginnen, der Ausweg in die Flüsse und die grösseren Teiche oder Seen nach allen Seiten hin offen. Aber auch so können sie den Nachstellungen der Menschen nicht entgehen. Denn nun ziehen die Heiden hinunter in das Sumpfgebiet und bauen sich hier zeitweilig ihre elenden Hütten auf, um in den Winkeln der Flüsse zahlreiche Fischreusen oder grosse gegen den Strom gerichtete Netze aufzustellen, in welchen dann die mit der Strömung immer tiefer hinab ziehenden Fische gefangen werden. Leider kam ich im Jahre 1864 zu spät—da mein ursprünglicher Reiseplan durch ungünstige Momente gänzlich verändert wurde—, um noch das nach den Schilderungen der Eingebornen äusserst interessante Leben der mit dem Fang des dalag beschäftigten Manobo’s beobachten zu können. Nur ein schon halbverfallenes, aus den elendesten Hütten auf Pfählen rasch aufgeschlagenes Dorf sah ich noch. Eine Frau mit einigen kleinen Kindern war beschäftigt, die letzten noch vor einigen Tagen gefangenen Fische über dem Feuer zu dörren.Indem wir so überall im Leben der Thiere wie der Pflanzen den entscheidenden Einfluss der umgebenden Natur, vor Allem der klimatischen Verhältnisse in ihrer grossen Mannichfaltigkeit kennen lernten, so wurden wir durch sie auch schon auf die Einwirkung mehr oder weniger deutlich hingewiesen, welche das Klima und der Boden, die Pflanzen und Thiere in ihrem periodischen Auftreten auch auf den Menschen haben mussten. Wir wollen in den nächsten Skizzen sehen, ob und wie sich der philippinische Mensch allmälig in seiner geschichtlichen Entwicklung von den Fesseln, welche ihm die Natur geschlagen, zu befreien vermocht hat.

Im Allgemeinen lässt sich dasKlimades philippinischen Archipels als ein tropisch insulares im vollsten Sinne des Wortes bezeichnen. Vollständiger Mangel aller schroffen Gegensätze in der Temperatur, hohe mittlere Jahreswärme, grosse Regenmenge und Feuchtigkeit der Luft, sowie die in gewissen Perioden wechselnde Windesrichtung werden durch die geographische Lage dieser Inseln erklärt. Um uns ein möglichst scharf gezeichnetes Bild von diesen einzelnen Momenten, die in ihrer Gesammtwirkung als Klima solchen Einfluss auf alle Organismen und alles Leben gewinnen, zu bilden, wollen wir den im Anhang1ausführlich mitgetheilten Resultaten mehrjähriger Beobachtungen in Sta. Ana, einem Dorfe dicht bei Manila, folgende Mittelwerthe entnehmen:

Temperatur in Graden Reaumur.Regenmenge im Jahr.Relative Feuchtigkeit.Mittlerer Luftdruck.Mittlere des Jahresmittleres Maximummittleres Minimum+20,88+25,4+16,2974,6 par. Lin.= 81,2 Zoll.78,7 par. Lin.337,18

Windesrichtung:October–AprilN 57° OApril–OctoberS 28° W

Hier drückt sich zunächst in den 3 ersten Zahlen die hohe, aber sehr gleichmässige Temperatur bestimmt aus; denn bei dem hohen Jahresmittel von 21° R. ist die Differenz der mittleren Monatsextreme nur 9°, während sie beispielsweise in Frankfurt über 19° beträgt bei der niedrigen Jahrestemperatur von 9° R. Gegeneine nur 15,7 Zoll betragende Regenmenge an demselben Orte in Deutschland fallen in Manila, einem vergleichsweise für die Philippinen sehr trockenen Orte, alljährlich mehr als 81 Zoll, im Nordosten von Mindanao dagegen in Linao nach den Beobachtungen eines Jahres 142 Zoll. Eine so ungeheure und dazu noch in ziemlich regelmässigem Wechsel niederfallende jährliche Regenmenge muss nothwendig von grossem Einfluss auf die Entwickelung des organischen Lebens sein, dem wir denn auch dort im Verein mit anderen Einflüssen überall begegnen. In der letzten Rubrik endlich spricht sich der scharfe Gegensatz der beiden wichtigsten Jahresabschnitte aus, welche man diekalteund diewarmeoder besser mit Bezug auf die herrschenden Winde, die Jahreszeiten desNordost-und desSüdwest-Monsun’snennen kann.

Allerdings ist durch dieses Wort nicht Alles bezeichnet. Wie die Monsune selbst nur entstanden sind durch local wirkende Ursachen, die indischen nemlich durch die Erwärmung des asiatischen Continentes in unserem Sommer; so muss es natürlich auch Grenzgebiete geben, in welchen ein Uebergang stattfindet in den regelmässigen durch allgemeiner wirkende Ursachen bestimmten Erscheinungen, wie es die Passate sind. Und in der That scheinen wir uns auf den Philippinen in einem solchen Grenzgebiete zu befinden: denn während inManilader abgelenkte SW.-Monsun schon zu EndeApril, der Nordost-Monsun imOctobereinsetzt, ist die Dauer des SW.-Monsuns inBoholum reichlich 1 Monat kürzer, da er nur vomJulibis zumNovemberdauert. Aber durch diese allerdings interessanten Verschiebungen in den Windrichtungen wird doch die im Wesentlichen in dem Worte Monsun angedeutetePeriodicitätnicht erheblich verändert, und für das Ziel, welches wir hier im Auge haben, nemlich für den Einfluss der periodischen Erscheinungen der Atmosphäre auf das organische Leben, ist gerade diese Unregelmässigkeit viel weniger bestimmend, als die periodischen Wechsel in der Temperatur und namentlich im Feuchtigkeitsgehalte der Luft.

Wir ziehen hier abermals zur leichteren Vergleichung eine kleine Tabelle aus den vollständigen Resultaten aus, in welcher wir die jährliche klimatische Bewegung nach den 4 hier bei uns angenommenen Jahreszeiten für Manila in Zahlen darstellen.

Winde.Regen.Gewitter.Temperatur.Luftdruck.Lin.° R.par. Lin.WinterN 35° O740,819,6337,66FrühlingN 79° O7314,721,6337,40SommerS 41° W49235,921,7336,94HerbstS 16° W33419,520,7336,71

Während der 3 Wintermonate December, Januar und Februar bringt der sehr regelmässig wehende Nordostwind bei der niedrigsten Mittelwärme von 19°,6 R. gar keinen oder fast gar keinen Regen nieder. Die Felder trocknen nun aus und das Erdreich springt häufig in tiefen Rissen auf; unerträglichen Staub wirbeln die offnen Wagen der Bewohner Manila’s auf und die Pflanzen sehen traurig und düster genug aus durch den dichten Staub, der sie bedeckt. Der starke jeden Morgen fallende Thau genügt nicht, um die verbrannten Blätter mit frischem Grün zu schmücken. Dennoch aber gibt es nur selten völlig heitere Tage; denn die grosse alltäglich mit aufsteigender Sonne in die Luft gehobene Wassermenge formt sich rasch zu leichten Wölkchen, welche der starke Nordostwind vor sich hin treibt. Wenn aber zum Anfang des Frühlings die Sonne sich dem Zenith nähert, so mehren sich allmälig mit etwas sinkendem Luftdruck die electrischen Entladungen der Atmosphäre, die zuerst als Wetterleuchten in der Ferne, dann als immer näherkommende und heftiger auftretende Gewitter das Herannahen des durch wechselnde Winde und Calmen bezeichneten Frühlings anzeigen. Nun beeilt sich jeder Bewohner Manila’s, seinen Wagen repariren zu lassen, um während der bald eintretenden heftigen Regen im geschlossenen Fuhrwerk dem Unwetter trotzen und seinen Geschäften obliegen zu können. Zwar erleuchtet dieaufgehendeSonne noch einen stets ungetrübten Himmel; aber gegen Mittag schon, wenn sie am höchsten steht, decken dichte Wolken den Himmel und thürmen sich, meistens an einem der benachbarten Berggipfel hängend, schwere dunkle Gewitterwolken auf. Dabei erhöht sich die Temperatur rasch um 2 volle Grade; aber noch immer harren Pflanzen, Thiere und Menschen vergebens auf den erfrischenden Regen, der zuerst im Mai mit einzelnen schweren Tropfen sich ankündigt, dann aber plötzlich in heftigen Gewitterregen losbricht. Zugleich damit tritt ein Wechsel der Winde ein. Nicht ohne Zagen und doch mit Freude sieht der Bewohner diesem Wechsel des Monsun’s entgegen. Wennim Mai oder Juni der von Süden her andringende Südwestwind dem Nordost die Herrschaft über das Land zu entringen sucht, so sind heftige Stürme, sogenannte “colla’s”, welche einige Tage lang andauern, die Folge dieses Kampfes der Winde. Häufig erzeugt sich dabei ein “baguio”, ein Wirbelsturm; doch seltener, als in dem Uebergang des SW.-Monsun’s in den NO.-Monsun im September oder October. Ist die “colla” vorüber, während welcher fast unausgesetzt fallender Regen die durstige Erde tränkt, so tritt nun die eigentliche Regenzeit mit ihren täglich sich wiederholenden äusserst heftigen, aber meistens nur wenige Stunden dauernden Gewitterregen ein. Mit dem Südwestwinde hat der Barometerstand fast sein Minimum erreicht, während die Zahl der Gewitter sich enorm gesteigert und die herabfallende Regenmenge ihr Maximum erreicht hat. Die mittlere Wärme ist kaum gestiegen; aber die häufigen Windstillen zur Zeit des Mittags und die eigenthümliche Schwüle, welche dort wie hier den Gewittern voranzugehen pflegt, lassen die Hitze grösser erscheinen, als sie wirklich ist; denn nie steigt die Temperatur im Schatten auf mehr als 27 oder 28° R. zur Zeit des täglichen Maximum’s. Gegen Ende des Sommers sinkt die Temperatur etwas, ebenso auch die Regenmenge, obgleich nun erst die relative Feuchtigkeit ihr Maximum erreicht. Zum zweiten Male wiederholt sich dann im September oder October der Streit zwischen den Luftströmungen. Unerwartet und rasch, nicht durch das Fallen des Barometers oder die sich mehrende Zahl der Gewitter angekündigt, bricht nun die “colla” des Herbstes über Stadt und Land herein. Wehe den Pflanzen und Thieren, den Menschen in ihren Hütten und an Bord der im Hafen ankernden Schiffe, wenn mit ihr der gefürchtete “baguio” eintritt, der nun viel heftiger, als sein Genosse im Frühling einherschreitet. Im heftigsten Anlauf reisst der Wind in den Bergen ganze Waldungen nieder; Wolkenbrüche, die ihn begleiten, schwellen die Giessbäche und die Ströme des Landes in rasender Schnelle zu enormer Höhe; Brücken und Häuser werden fortgeschwemmt und ausgedehnte Ebenen überfluthet und die Schiffe im Hafen reisst der heftige rasch sich durch alle Richtungen der Windrose drehende Sturmwind von ihren Ankern ab und auf die Untiefen oder gegen die Klippen an. Zum Glück dauern diese Stürme selten lange. Einer der heftigsten und längsten Wirbelstürme,welcher Manila in neuerer Zeit heimsuchte, war der vom September 1865; er begann am 26. Mittags und endete am 28. Morgens. Während dieser 40 Stunden fiel unaufhörlicher Regen in solchen Mengen, dass der Rio Pasig weit über seine Ufer hinaustrat und die Stadt Manila mit allen ihren Vorstädten überschwemmte, so dass der Verkehr auf den Strassen durch Boote unterhalten werden musste. Hat dann endlich der Nordost, mitunter in mehrfach erneutem Kampfe, im October seinen Rivalen aus dem Süden besiegt, so gehen dann allmälig die wechselnden Winde in den stetigen Nordostwind des Winters oder dertrocknenJahreszeit über, während zugleich die Temperatur sich in dem Masse erniedrigt, als die Sonne sich mehr und mehr ihrer südlichen Culmination unterhalb des Aequators nähert.

Wie wir aber schon zwischen Manila und Bohol eine grosse Verschiebung in der Periode der Monsune bemerkt haben, so gilt auch die hier näher geschilderte Periodicität in den übrigen atmosphärischen Erscheinungen nicht für die ganze Inselgruppe, oder selbst für alle Orte derselben Insel. Wir erinnern uns, dass Luzon mit seinen hohen von Nord nach Süd streichenden Bergketten gegen die herrschenden mittleren Windrichtungen dieselbe Stellung einnimmt, wie Ceylon im indischen Ocean und wir verstehen nun, warum die östliche und westliche Hälfte der Insel in Bezug auf die Vertheilung des Regens so gänzlich von einander verschieden sein müssen. Denn während der nordöstliche Wind alle Feuchtigkeit, die er auf seinem Wege durch den stillen Ocean angesammelt hat, an der Ostküste und in den hohen Bergen des Ostens und Nordens vollständig absetzt, gelangt er nun an die Westseite der Insel als trockner Wind; und der Südwestwind schlägt seinen Regen an der westlichen Seite der Insel nieder. So kann man leicht, indem man von einem Ort zum andern reist, sich aus dernassenin dietrockneJahreszeit versetzen. Als ich mich im November 1860 inAparrian Bord eines Dampfers einschiffte, um nach Manila zu reisen, hatten wir dort an der Nordküste Luzon’s fast täglich fallende heftige Regen, die von starken Nordoststürmen gebracht wurden; und schon nach wenigen Stunden waren wir hart an der Küste von Ylocos gänzlich gegen den stürmischen Nordost durch die hohe Bergkette geschützt und fuhren nun bei beständig heiterem Wetter bis nach Manila hinunter.Wo sich in denVisaya’szwischen den vielen kleinen und grösseren Inseln zahlreiche Einschnitte bilden, da sind hier den Winden ebensoviele Canäle vorgezeichnet, in welchen sie nun theilweise abgelenkt werden, so dass hier die Vertheilung des Regens eine lange nicht so regelmässige sein kann, wie in Luzon, und auch die Regenwinde selbst nur selten in ihrer ursprünglichen Richtung auftreten können. So war inBoholdie Vertheilung des Regens während zweier Beobachtungsjahre eine viel weniger schroffe, wie in Manila. Im Winter fiel hier das Maximum des Regens mit 209 Linien, im Frühling das Minimum mit 50 Linien; der Sommer zeigte 199 und der Herbst 123 Lin. Regen. Während also in Manila die kalte Jahreszeit auch die trockne war, erfreute sich der Winter in Bohol (mit 20°,1 R. mittlerer Temp.) starken Niederschlags; dagegen zeigten Sommer und Herbst auf dieser Insel eine verhältnissmässig grosse Regenmenge, so dass hier eigentlich nur von einer trocknen Jahreszeit im Frühlinge, aber nicht von einer nassen gesprochen werden kann.Linaoim Innern des östlichen Mindanao’s liegt in einem gegen Nordwesten hin sehr weiten offenen Thal, das gegen Osten durch eine 2–3000′ hohe Bergkette geschützt ist. Dennoch ist auch hier der Winter die eigentlich nasse Jahreszeit; aber der Nordostwind, welcher diesen Gegenden den Regen bringt, dringt hier zur Strasse vonSurigaound in dem Canal zwischenLeyte,BoholundCebúdurch und tritt nun bei Butuan als NW.- oder NNW.-Wind herein in das Land der Manobo’s. Je nach der verschiedenen Richtung der Zuflüsse desAgusan, welche bald mehr aus dem Südwesten, bald aus dem Norden oder Nordwesten kommen, schwellen dieselben durch den fallenden Regen in verschiedenster Weise an. Als ich im Jahre 1864 dieses Land im August und September, also gegen Ende des Südwest-Monsuns bereiste, waren die südwestlichen Zuflüsse alle voll von Wasser, während in dem östlichen Theile und in dem eigentlichen Agusan selbst der niedrigste Wasserstand herrschte. Nach einjährigen Beobachtungen des P. Juan Ruiz in Linao2fielen dort im Jahre 1865 im Winter 826 Linien, im Frühling 302 L., im Sommer 265 L. und im Herbst 312 L. Unter sich verglichen fällt also hier die trockene Jahreszeit in den Sommer; aber trotzdem ist die während dieses trockenen Sommers fallende Regenmenge grösser als das Maximumin Bohol und mehr als die Hälfte des Sommermaximum’s in Manila. Das ganz im Westen und auf 6° 50′ N. B. liegendeZamboangaendlich nähert sich in der Vertheilung des hier fallenden Regens noch mehr den Verhältnissen, wie sie der Aequitorialzone der Calmen eigen zu sein pflegen, denn trotzdem das Land hier gegen den Nordostwind geschützt, dem Südwestwinde offen liegt, so bringen beide Winde hier doch so ziemlich die gleiche Zahl von Regentagen.

Die Sonne ist der Quell alles Lebens. Wie ohne ihre erwärmenden Strahlen die Blätter der Bäume und Sträucher nicht ergrünen, so ist sie es auch, welche die Bewegung unserer Atmosphäre, die Winde erzeugt und das Athmen des Meeres, den aufsteigenden Wasserdunst, hervorbringt, der nun als Regen wieder vom Himmel den durstigen Pflanzen zugesandt wird. So hängt von der verschiedenen Vertheilung der Wärme, der Winde und der Feuchtigkeit in Zeit und Raum auch das Leben der Organismen ab. Wir wollen den Einfluss desKlima’s zunächst auf dievegetabilischen Productedes Landes näher untersuchen.

Grosse Ueppigkeit des Pflanzenwuchses ist hier die Folge des gleichmässig warmen und sehr feuchten Klimas. Undurchdringlicher tropischer Wald bedeckt bis auf die höchsten Spitzen der Berge hinauf das Land; und in den Ebenen und Thälern, um die Dörfer der Eingeborenen herum, erzeugen sich die bekannten tropischen Nutzpflanzen. Cacao und Indigo, Caffe, Baumwolle, im Süden selbst Canehl3—welcher in Mindanao wild zu wachsen scheint—dazu die Mangabäume, die Cocospalmen und Bananen und viele andere Fruchtbäume gedeihen in üppigster Fülle. Bald halten sie sich—wie die Manga, Caffe, Indigo und Cacao—an besondere Jahreszeiten zur Reifung ihrer Früchte; oder sie geben, wie die Cocospalmen und die Bananen, dem Eingeborenen eine nie versiegende Quelle schmackhafter Nahrung. Schärfer fast, als die einheimischen Pflanzen und Bäume, drückt sich in dem Anbau der eingeführten Nutzpflanzen der Einfluss des Klima’s und seiner periodischen Erscheinungen aus. DasZuckerrohrwird in den nächsten Provinzen um Manila herum, welche alle ein ziemlich gleichartiges Klima besitzen, im März oder April, also kurz vor Eintritt der Regenzeit gepflanzt; während sich die Manobo’s in Mindanao dabei an gar keine bestimmte Jahreszeit halten, da selbstin der trockensten Periode hinreichender Regen fällt, um die jungen Pflanzungen gegen Vertrocknen zu schützen. Der Anbau desTaback’s wird ebenfalls durch die Jahreszeiten geregelt. Im Norden von Luzon, in den ProvinzenCagayanundNueva Isabela, welcher letzteren das auf der Karte bezeichnete Land der Catalanganes zugehört, wird auf erhöhtem, fern von den Bächen und dem Hauptfluss der Provinz, dem Rio Grande de Cagayan, liegenden Lande der Taback imAugustausgesäet; denn ein heftiger Regen, welcher die Bäche zum Austreten bringen könnte, würde den zarten Pflänzchen durch den in den sogenannten “avenida’s” mitgeführten Schlamm verderblich werden. Aber wenn dann im September oder October die “colla” des Herbstes vorüber ist und in den damit immer verbundenen Ueberschwemmungen des tiefliegenden Landes der Boden durch den aus den tertiären Kalkgebirgen herabgeführten Schlamm gedüngt worden ist; so haben nun die jungen Tabackspflanzen, in die Niederungen versetzt, hinreichende Kraft und Höhe erlangt, um nicht in kleineren Ueberschwemmungen zu Grunde zu gehen, oder durch heftigen Regen ausgewaschen zu werden. Dieses Umsetzen, wobei jede Pflanze etwa 1½ Fuss von den anderen entfernt gesetzt werden muss, geschieht Ende October oder Anfang November. Damit ist aber nicht alle Arbeit gethan. Unausgesetzte Pflege verlangt nun die Tabackspflanze, um sie vor Untergang zu bewahren und die Blätter einer günstigen Reife entgegen zu führen. Bei zu grosser Dürre müssen die einzelnen Stämme begossen werden; fällt zu viel Regen, so hat der Arbeiter beständig Sorge zu tragen, dass durch den heftigen Tropfenfall nicht die Wurzeln gelockert werden. Einzeln müssen die Raupen eines Schmetterlings, welche in wenig Tagen aus den massenhaft gelegten Eiern desselben auskriechen, vom Stamm und den Blättern abgesucht werden, da das kleinste Loch, das in den jungen Keim eines Blattes gefressen wird, diesem allen Werth raubt. Nur der geringste Theil der Pflanzen wird benutzt, um Samen für die nächste Aussaat zu ziehen; und jede kleine Blüthenknospe muss, sowie sie sich zeigt, von dem Zweige entfernt werden. Endlich naht im Mai und Juni die trockenste Zeit, und wenn dann in den letzten Wochen kein Regen gefallen ist, welcher das eigenthümliche Gummi des Blattes wieder abwusch, so wird im Juli mit der Erndte begonnen.Diese wird möglichst rasch vollendet, und in der kurzen Periode die nun bis zur nächsten Umpflanzung übrig bleibt, wird der Mais, das einzige4selbstgebaute Nahrungsmittel der Bewohner der Provinz, gesät und geerndtet. In 2 Monaten vollendet hier die Maispflanze ihren Lebenslauf.

Noch schärfer aber drückt derReisbauden nach den verschiedenen Orten wechselnden Einfluss der klimatischen Verhältnisse aus, indem er zugleich mehr als irgend eine andere Beschäftigung des täglichen Verkehrs bestimmend auf das Leben der Eingeborenen einwirkt. Im Allgemeinen braucht auf den Philippinen der Reis 5–6 Monate höchstens, von der Aussaat bis zur Vollendung der Erndte, so dass hier bei sonst günstigen Verhältnissen die Möglichkeit zweier Erndten im Jahre gegeben wäre. In der That aber wird dies scheinbar so günstige Verhältniss gestört durch eine Menge verschiedenartiger Einflüsse, welcheeinestheilsin der Qualität des gebauten Reis selbst und dem dabei angewandten System,anderntheilsin dem schon geschilderten mannigfach wechselnden Klima begründet liegen. Man zählt auf den Philippinen über 60 Reisvarietäten, welche aber nach dem Boden, dessen sie bedürfen, in zwei scharf getrennte Kategorieen geschieden werden, nemlich in die desBergreisund desWasserreis. Erstere Gruppe wird, wie schon der Name andeutet, nur auf den hohen, weder den periodisch wiederkehrenden, noch den durch die Hand des Menschen künstlich hervorgebrachten Ueberschwemmungen ausgesetzten Gegenden gebaut. Sie bedarf zu ihrer Cultur sehr viel geringerer Sorgfalt, als die zweite Sorte, welche nur in feuchtem oder ganz unter Wasser gesetztem Boden gut gedeiht; aber zugleich ist sie auch den Unregelmässigkeiten des Wetters viel mehr unterworfen und während bei dem Wasserreis die Periode seines Lebenslaufes so ziemlich immer in denselben Gränzen gehalten wird, ist es bei dem Bergreis nicht selten, eine Verzögerung seiner Reife um mehr als einen Monat eintreten zu sehen. Auch die Methode des Reisbaues ist von einigem Einfluss; da diese Einwirkung aber sehr gegen die des Klimas zurücktritt, so wollen wir die Schilderung der Felderbewirthschaftung in jenes Capitel zurücksetzen, in welchem wir in dem eigenthümlichen socialen Zustande einiger philippinischer Völkerschaften bessere Anknüpfung finden werden.

Wie sehr nun endlich durch die wechselnden klimatischen Bedingungen der verschiedenen Provinzen der Reisbau, und damit auch das Leben des Menschen, beeinflusst werden muss, geht aus der einfachen Thatsache hervor, dass der Reis—mag es nun Bergreis oder Sumpfreis sein—eine bestimmte Quantität Feuchtigkeit neben hinreichender Wärme und Nahrungebestandtheilen des Bodens braucht, die also weder zu gross, noch auch zu klein sein darf. Hier kommt es vor Allem auf diewechselndenFeuchtigkeitsverhältnisse an. Während in Manila und den umliegenden Provinzen, welche dem Südwestwinde ausgesetzt sind, die Zeit der Aussaat imJuni, also nach dem Ende der trocknen Jahreszeit, ist, da nun erst der Boden hinreichend durch Regen befruchtet und durchfeuchtet ist, um den Samen aufnehmen zu können, wird bei den Iraya’s im Nordosten von Luzon der Bergreis imDezemberundJanuarnach Eintritt des Nordostwindes, also hier abermals nach Beginn der eigentlichen Regenzeit, ausgesät. Es fällt somit in diesem Lande die Zeit der Reiserndte mit derjenigen des Tabacks und der Aussaat in Manila zusammen. Der ganz gleiche Gegensatz ist schon den ältesten spanischen Schriftstellern auch auf den Visaya’s aufgefallen. So sagt der Padre Chirino (1604) von der Insel Leyte “wenn in der nördlichen Hälfte der Insel Winter herrscht, was in denselben Monaten wie in Spanien zu geschehen pflegt, so ist es in der südlichen Sommer; und umgekehrt in der andern Hälfte des Jahres; so dass wenn die eine Hälfte der Insel sät, die andere ihre Erndten einbringt”. Wieder anders stellt sich das Verhältniss inBontocdar, einem vom Mte.Dataausgehenden und in nördlicher Richtung streichenden Thal, in welchem der Südwestwind meistens den Regen bringt; aber doch säen die Eingebornen den Sumpfreis erst viel später im December, weil hier die eigentlich trockne, die Erndte gestattende Periode erst sehr spät, nemlich im Mai bis Juli einzutreten pflegt. Die Zeit vom Juli bis October und November benutzen die Eingebornen zur Anpflanzung des camote (convolvulus batata). Nur in Butuan in Mindanao scheint die Vertheilung des Regens eine so günstige zu sein, dass zwei Erndten stattfinden; die eine Aussaat erfolgt im Januar und Februar nach Beendigung der Regenzeit (des Nordost-Monsuns), die andere im August oder September mit Beginn derselben. Dagegen verhaltensich dieManobo’s im Sumpfgebiete des Agusan gerade so, wie die Bewohner von Bontoc, da sie ihren Bergreis nur einmal im Jahr und zwar im März mit Beendigung der heftigsten Regenzeit aussäen. Es mögen diese wenigen Beispiele hier genügen, da sie hinreichend den Satz feststellen, dass es auf den Philippinen ausschliesslich die Regenzeit und die im Laufe der Monate fallende Regenmenge ist, welche die Zeit der Aussaat und der Erndte bestimmen.

Wir gehen zur Beobachtung derThierweltüber, die wir, wie die Pflanzen, ebenfalls in einigen besonders auffallenden Beziehungen in den klimatischen Verhältnissen kennen lernen wollen, wodurch dann abermals ein Zusammenhang der letzteren mit dem Leben der Bewohner angedeutet wäre, welchem wir wohl in den nächsten Skizzen wieder begegnen werden. Theilweise war dieser Gegenstand schon weiter oben angedeutet, nemlich am Schluss der zweiten Skizze, in welcher wir sahen, dass der Fang der zahlreichenSeethiere, die für den Menschen wichtig sind als Nahrungsmittel oder Handelsartikel, nicht zu allen Jahreszeiten geschehen kann. Zur Zeit des Nordost-Monsun’s sind die östlichen steilen, nur an wenigen Stellen tiefe Buchten aufweisenden Küsten gänzlich allem Verkehr entzogen, und der Fischfang beschränkt sich auf die wenigen essbaren Arten, welche die Eingeborenen bei tiefer Ebbe unter den trockengelegten Korallenblöcken finden; wenn aber dann der Südwest-Monsun die westlichen Meere aufregt und hier dem Fischfang und der Schifffahrt enge Gränzen zieht, so ist jetzt an den östlichen Küsten die Zeit des Lebens gekommen. Nun bevölkern sich hier die Buchten und Strassen zwischen den Inseln mit Fischerböten oder kleineren Schiffen, welche die Producte des Landes nach Cebú oder Manila führen; handeltreibende Chinesen bringen die Manufacturwaaren von China, um sie gegen Gold, Abaca, Reis, den balate und Kaurischnecken einzutauschen. Zu dem Fang der letzteren ziehen jetzt zahlreiche kleine meist nur 3–4 Mann enthaltende Bote aus. Und nun ist auch, wenigstens für den Südosten des Archipels, die für den christlichen Bewohner gefährlichste Zeit gekommen; denn jetzt erscheinen die muhamedanischen Piraten in ihren leichten und 60–70 Männer haltenden “panco’s”, die mit der grössten Verwegenheitihre Raubzüge bis nahe an die Hauptstädte der spanischen Provinzen heran ausdehnen.

Wie bei uns, so zeigen auch auf den Philippinen mancheThiere des Landeseine Periodicität ihrer Lebenserscheinungen, welche dann abermals, wie bei den Pflanzen, durch das relative Verhältniss zwischen Wärme und Feuchtigkeit mehr oder weniger beeinflusst werden. Obgleich die Mehrzahl der Insecten hier, wie wohl in den meisten aequatorialen Ländern auch, an keine Jahreszeit5so scharf gebunden zu sein scheint, als dies bei uns in Europa durch die Kälte des Winters geschieht, so fällt doch gerade die Ausbildung der grössten Individuenzahl in die Monate Mai bis Juli, in welchen bei zunehmender Feuchtigkeit und steigender Sonnenwärme die günstigsten Bedingungen für eine massenhafte Entwicklung derselben gegeben sind. Dann auch haben die Bienen des Waldes ihre Waben mit süssem Honig gefüllt, der aber statt den auskriechenden Larven den nach Süssigkeit lüsternen Negern und Malaien zur Beute fällt. Zu gewissen Zeiten steigen grosse Fischschwärme in die Mündungen der Flüsse hinauf, die nun auf ihrem Wege von den Malaien mittels einer Unzahl verschiedener Instrumente zu Millionen gefangen werden. Schon die ältesten Schriftsteller erwähnen die unglaublichen Mengen der kleinen kaum fingerlangen Fischchen, die nun in grossen irdenen Krügen—den tinaja’s—eingesalzen werden, um dann mit nächster Gelegenheit nach Manila übergeführt zu werden; denn nicht in allen Provinzen soll dieser Fisch gefangen werden, so dass der “bagon”—so heisst der eingesalzene Fisch—im inneren Handel und Verkehr eine nicht unbedeutende, aber leider nicht in Zahlen auszudrückende Rolle spielt. In jeder Beziehung aber eigenthümlich und charakteristisch für die grosse Verschiedenheit der klimatischen Verhältnisse vonLuzonundMindanao, ist ein Fisch des süssen Wassers, welcher über den ganzen hinterindischen Archipel und Indien selbst verbreitet ist. Es ist die GattungOphiocephalus6, welche jener eigenthümlichen Gruppe von Fischen angehört, die durch besondere Wasserreservoire an den Seiten des Kopfes ausgezeichnet sind, so dass sie auf ihren Zügen über Land oder beim Erklettern der Palmenbäume auf lange Zeit Wasser genug zur Befeuchtung ihrer Kiemen und damit zu ihrer Athmung bei sich führen können. Es ist die Zahl dieserLabyrinthfische eine ziemlich grosse; aber es sind fast ausschliesslich die Arten der genannten Gattung, welche als beliebte Speise von den Eingebornen zu Tausenden gefangen und verzehrt werden. Ihr Fang nun wird in Luzon ganz anders betrieben, als in Mindanao. Während der trocknen Jahreszeit versiegen auf Luzon zahlreiche kleinere Bäche, und die Sümpfe und Reisfelder trocknen aus, in denen jene Fische lebten.—Diese ziehen sich in die wenigen Seen zurück, aber zum grössten Theile wohl bohren sie sich tiefer in den Schlamm des Bodens ein, wo sie nun bis zum Anfang der nassen Jahreszeit durch eine harte sie bedeckende Erdkruste gegen die Nachstellungen der Menschen geschützt, im Winterschlaf versunken zubringen. Thatsache ist es, dass während dieser Zeit nur sehr geringe Mengen des “dalag”—so heisst dieser Fisch auf den Philippinen—auf den Markt von Manila kommen. Wenn aber dann nach den ersten heftigen Regentagen im Monat Mai die harte Erde sich zu erweichen beginnt, und der Regen die Reisfelder wieder mit frischem Wasser zu füllen anfängt, so brechen jetzt die im Schlamme vorsteckten Fische hervor und tummeln sich in grosser Menge in den Pfützen und auf den nassen Feldern im Schlamme umher. Dann auch scheint die Zeit des Laichens und des Auskriechens der Jungen gekommen zu sein, denn zahllose Mengen werden nun von den Fischern oder den Landbauern, welche ihre Reisfelder bestellen wollen, gefangen und zu Markte gebracht. Letztere schlagen die Fische einfach mit Knitteln todt; denn ihre Zahl in den Reisfeldern ist so gross, und das Wasser so seicht, dass die Bewohner hier, statt sie mit Netzen zu fangen, nur auf’s Geradewohl in den Sumpf hineinzuschlagen brauchen. Es gibt eine tagalische Redensart, etwa unserem “blind darauf losschlagen” zu vergleichen, die von diesem eigenthümlichen Fang des dalag hergenommen ist (magpapalo maudin naun dalag d. h. schlagen wie auf einen dalag). Es ist vor Allem die grosse Centralebene Luzon’s, in welcher alljährlich Hunderttausende auf solche Weise gefangen werden. Ganz anders wird der Fang in Mindanao im Sumpfgebiet des Agusan betrieben. Die Zahl der in diesem Gebiete lebenden Christen ist eine sehr geringe; die ziemlich zahlreichen Manobo’s und Mandayas haben ihre Wohnsitze rund um das Sumpfgebiet herum und treiben keine eigentliche Felderwirthschaft, wie es die christlichenBewohner thun. Sie bauen immer nur in trocknen Gegenden den Bergreis. So kommt es, dass jetzt wenigstens7die ausgedehnten bei den Ueberschwemmungen des Agusan unter Wasser gesetzten Flächen nach allen Richtungen hin von Canälen durchschnitten und weder durch Dämme eingeschlossen, noch überhaupt durch den regulirten Lauf der Flüsse, wie in Luzon, bestimmt abgegränzt sind. Den Fischen bleibt also, wenn mit Eintreten der trocknen Jahreszeit die Wasser zu sinken beginnen, der Ausweg in die Flüsse und die grösseren Teiche oder Seen nach allen Seiten hin offen. Aber auch so können sie den Nachstellungen der Menschen nicht entgehen. Denn nun ziehen die Heiden hinunter in das Sumpfgebiet und bauen sich hier zeitweilig ihre elenden Hütten auf, um in den Winkeln der Flüsse zahlreiche Fischreusen oder grosse gegen den Strom gerichtete Netze aufzustellen, in welchen dann die mit der Strömung immer tiefer hinab ziehenden Fische gefangen werden. Leider kam ich im Jahre 1864 zu spät—da mein ursprünglicher Reiseplan durch ungünstige Momente gänzlich verändert wurde—, um noch das nach den Schilderungen der Eingebornen äusserst interessante Leben der mit dem Fang des dalag beschäftigten Manobo’s beobachten zu können. Nur ein schon halbverfallenes, aus den elendesten Hütten auf Pfählen rasch aufgeschlagenes Dorf sah ich noch. Eine Frau mit einigen kleinen Kindern war beschäftigt, die letzten noch vor einigen Tagen gefangenen Fische über dem Feuer zu dörren.

Indem wir so überall im Leben der Thiere wie der Pflanzen den entscheidenden Einfluss der umgebenden Natur, vor Allem der klimatischen Verhältnisse in ihrer grossen Mannichfaltigkeit kennen lernten, so wurden wir durch sie auch schon auf die Einwirkung mehr oder weniger deutlich hingewiesen, welche das Klima und der Boden, die Pflanzen und Thiere in ihrem periodischen Auftreten auch auf den Menschen haben mussten. Wir wollen in den nächsten Skizzen sehen, ob und wie sich der philippinische Mensch allmälig in seiner geschichtlichen Entwicklung von den Fesseln, welche ihm die Natur geschlagen, zu befreien vermocht hat.


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