AnhangZur Literatur
Zur Literatur
Es wäre unangebracht, unseren Lesern an dieser Stelle eine möglichst vollständige Zusammenstellung aller Schriften, die über die philosophischen Anschauungen unserer Dichter-Klassiker oder irgendeine Seite derselben handeln, zu geben. Wir verweisen diejenigen, die sich dafür interessieren, auf den bibliographischen Anhang zuUeberwegs»Grundriß der Geschichte der Philosophie«, 3. Band, dessen neueste (11.) Auflage (besorgt von Professor M. Frischeisen-Köhler, Berlin 1914) allein über Lessing nicht weniger als 52 Schriftentitel anführt. Der Leser würde dabei nur vor einem Heere von Namen und Titeln stehen, mit denen er wenig anzufangen wüßte. Wir beschränken uns vielmehr im folgenden auf eine Angabe derjenigen literarischen Hilfsmittel, die wir für die wichtigsten und förderndsten halten.
Von den allgemeinen literaturgeschichtlichen Darstellungen halten wir noch immer für eine der besten HermannHettners»Literaturgeschichte des achtzehnten Jahrhunderts«, 3. Teil; daneben ist, namentlich für Lessing, auch des alten Gervinus »Geschichte der deutschen Dichtung« (1842) noch sehr brauchbar.
ÜberLessingbesitzen wir, nachdem die beiden früh verstorbenen Danzel und Guhrauer mit einer für ihre Zeit (1850 bezw. 1854) sehr verdienstlichen Darstellung vorangegangen waren, seit 1884 eine vorläufig abschließende biographische Darstellung in dem zweibändigen Werke vonErich Schmidt»Lessing. Geschichte seines Lebens und seiner Schriften«, 3. Auflage 1909, die freilich gerade philosophisch nicht ausreicht. Eine gute Ergänzung dazu bietet die knappe, aber bedeutende Darstellung, dieWilhelm Dilthey1867 in den »Preußischen Jahrbüchern« gab, und die erweitert seit 1905 in Diltheys »Das Erlebnis und die Dichtung« (4. Auflage 1912) aufgenommen ist. Die eindringendste Monographie über »Lessing als Philosoph« hat bis jetzt ChristophSchrempf, der eigenartige schwäbische Theologe und Philosoph, in Band 19 von Frommanns »Klassikern der Philosophie« (Stuttgart 1905) geliefert. Vom marxistischen Standpunkt aus hatFranz Mehringein umfassendes Gemälde der Zeit Friedrichs des Großen und Lessings gegeben in seiner »Lessing-Legende« (Stuttgart 1922, Dietz, 8. Auflage), in der Lessing als der literarische Wortführer des aufstrebenden Bürgertums gezeichnet wird.
FürHerderhat eine hervorragende große und grundlegende Gesamtdarstellung in zwei mächtigen Lexikonbänden von zusammen über 1600 SeitenRudolf Haym, »Herder nach seinem Leben und seinem Wirken« (Berlin 1880 bis 1882), geliefert. Eine knappere, darum vielen unserer Leser vielleicht willkommenere Darstellung in einem immerhin noch starken Bande gibtEugen Kühnemanns»Herder« (zweite, neu bearbeitete Auflage, München 1912, O. Beck): geistreich, freilich auch stark subjektiv, das Seelische stark herausholend. Eine noch kürzere Sonderdarstellung von »Herder als Philosoph«, an Umfang der Schrempfschen von Lessing entsprechend, enthält die Arbeit des österreichischen Gelehrten C.Siegel(Stuttgart 1907, Cotta), sorgfältig und klar, freilich auch etwas trocken. In unserem Text haben wir außerdem auf das eigenartige Buch von GüntherJacoby»Herder als Faust« (Leipzig 1911) hingewiesen, der auch den letzten Kampf Herders gegen Kant und beider Begründung der Ästhetik in besonderen Schriften behandelt hat.
ÜberSchillerliegt eine große Biographie, die auch philosophisch völlig befriedigte, nicht vor. Die kürzere von E.Kühnemann(München 1906) steht in dieser Beziehung hinter seiner eben genannten Herder-Biographie zurück. Tiefer philosophisch geht seine kleinere Schrift »Kants und Schillers Begründung der Ästhetik 1895«. Aus der Masse der bei Ueberweg (11. Auflage 1914) S. 105 bis 107 zitierten Arbeiten über Schillers Philosophie ragen hervor:Kuno Fischer, Schiller als Philosoph, 1858, 2. Auflage, Heidelberg 1892;K. Tomaschek, Schiller in seinem Verhältnis zur Wissenschaft, Wien 1862;F. A. Lange, Einleitung und Kommentar zu Schillers philosophischen Gedichten, aus dem Nachlaß herausgegeben von O. A. Ellissen, Leipzig 1897. Ferner das Festheft der Kant-Studien: »Schiller als Philosoph und seine Beziehungen zu Kant«, Berlin 1905;Karl Vorländer, Kant – Schiller – Goethe, 1. Teil, Leipzig 1907, 2. Auflage 1922.
MitGoetheals Philosoph hat man sich eingehender erst viel später zu beschäftigen begonnen. Früher wurde er in der Regel bloß alsSpinozistbetrachtet (z. B. von Danzel, »Über Goethes Spinozismus«, Hamburg 1843). Erst ich selber habe seit 1897 in verschiedenen, später erweiterten und zu meinem ebengenannten Buche »Kant – Schiller – Goethe«, 2. Teil zusammengefaßten, Aufsätzen auf den nachhaltigen Einfluß Kant-Schillers auf den reifen Goethe (von 1790 an) hingewiesen. Siebecks Monographie »Goethe als Denker« (Stuttgart 1902) dringt nicht tief; Christoph Schrempf ist über »den jungen Goethe« (Stuttgart 1908) nicht hinausgekommen. Manche wertvolle Einzelbeiträge sind natürlich auch in der langenReihe der von der »Goethe-Gesellschaft« (Weimar) herausgegebenen »Jahrbücher« enthalten. So hat, wie ich selbst einst auf Wunsch des Herausgebers in dem von 1898 eine kurze zusammenfassende Darstellung von »Goethe und Kant« gab, in dem neuesten (1922) der kürzlich aus dem Leben geschiedene Otto Braun einen Aufsatz »Goethe und Schelling« veröffentlicht, der allerdings nichts wesentlich Neues bringt. Ein anderer (W. Hertz) sucht ebendort wahrscheinlich zu machen, daß der übermütige Baccalaureus im zweiten Teil des »Faust« nicht auf den jungen Fichte, sondern auf den jungen Schopenhauer gehe. Ein dritter (Hartung) behandelt das interessante Thema »Goethe als Staatsmann«, O. Marcuse »Goethe als Rechtsbildner«. Von den großen allgemeinen Darstellungen sind philosophisch am wertvollsten diejenigen Chamberlains und namentlichGundolfs(Goethe, 1916). Als gut unterrichtende Einführung ist auch die EinleitungHeynachersin seiner Ausgabe (s. unten) zu empfehlen.
DiePhilosophische Bibliothek(Leipzig, Verlag F. Meiner) hat sich das Verdienst erworben, die wichtigsten philosophischen Stücke aller von uns behandelten vier Klassiker in gutenAuswahl-Ausgabenmit Einleitungen der Herausgeber zu veröffentlichen. So:LessingsPhilosophie von P.Lorentz, 1909, Herders Philosophie von HorstStephan, 1906,SchillersPhilosophische Schriften und Gedichte von E. Kühnemann, 2. Auflage 1909,GoethesPhilosophie aus seinen Werken von M.Heynacher, 2. Auflage 1922.