Chapter 2

Terzky. Ja,Und alle Generale sind geladen.

Illo. (zum Wallenstein)Sag! Willst du völlig freie Hand mir lassen?Ich schaffe dir das Wort der Generale,So wie du's wünschest.

Wallenstein.Schaff mir ihre Handschrift.Wie du dazu gelangen magst, ist deine Sache.

Illo.Und wenn ich dir's nun bringe, schwarz auf weiß,Daß alle Chefs, die hier zugegen sind,Dir blind sich überliefern—Willst du dannErnst machen endlich, mit beherzter TatDas Glück versuchen?

Wallenstein.Schaff' mir die Verschreibung!

Illo.Bedenke, was du tust! Du kannst den KaisersBegehren nicht erfüllen—kannst das HeerNicht schwächen lassen—nicht die RegimenterZum Spanier stoßen lassen, willst du nichtDie Macht auf ewig aus den Händen geben.Bedenk das andre auch! Du kannst des KaisersBefehl und ernste Ordre nicht verhöhnen,Nicht länger Ausflucht suchen, temporisieren,Willst du nicht förmlich brechen mit dem Hof.Entschließ dich! Willst du mit entschloßner TatZuvor ihm kommen? Willst du, ferner zögernd,Das Äußerste erwarten?

Wallenstein.Das geziemt sich,Eh' man das Äußerste beschließt!

Illo.Oh! nimm der Stunde wahr, eh' sie entschlüpft.So selten kommt der Augenblick im Leben,Der wahrhaft wichtig ist und groß. Wo eineEntscheidung soll geschehen, da muß vielesSich glücklich treffen und zusammenfinden—Und einzeln nur, zerstreuet zeigen sichDes Glückes Fäden, die Gelegenheiten,Die, nur in einen Lebenspunkt zusammenGedrängt, den schweren Früchteknoten bilden.Sieh! Wie entscheidend, wie verhängnisvollSich's jetzt um dich zusammenzieht!—Die HäupterDes Heers, die besten, trefflichsten, um dich,Den königlichen Führer, her versammelt,Nur deinen Wink erwarten sie—Oh! laßSie so nicht wieder auseinandergehen!So einig führst du sie im ganzen LaufDes Krieges nicht zum zweitenmal zusammen.Die hohe Flut ist's, die das schwere SchiffVom Strande hebt—Und jedem einzelnenWächst das Gemüt im großen Strom der Menge.Jetzt hast du sie, jetzt noch! Bald sprengt der KriegSie wieder auseinander, dahin, dorthin—In eignen kleinen Sorgen und InteressenZerstreut sich der gemeine Geist. Wer heute,Vom Strome fortgerissen, sich vergißt,Wird nüchtern werden, sieht er sich allein,Nur seine Ohnmacht fühlen und geschwindUmlenken in die alte, breitgetretneFahrstraße der gemeinen Pflicht, nur wohl-Behalten unter Dach zu kommen suchen.

Wallenstein.Die Zeit ist noch nicht da.

Terzky.So sagst du immer.Wann aber wird es Zeit sein?

Wallenstein.Wenn ich's sage.

Illo.Oh! du wirst auf die Sternenstunde warten,Bir dir die irdische entflieht! Glaub mir,In deiner Brust sind deines Schicksals Sterne.Vertrauen zu dir selbst, EntschlossenheitIst deine Venus! Der Maleficus,Der einz'ge, der dir schadet, ist der Zweifel.

Wallenstein.Du redst, wie du's verstehst. Wie oft und vielmalsErklärt' ich dir's!—Dir stieg der JupiterHinab bei der Geburt, der helle Gott;Du kannst in die Geheimnisse nicht schauen.Nur in der Erde magst du finster wühlen,Blind wie der Unterirdische, der mit dem bleichenBleifarbnen Schein ins Leben dir geleuchtet.Das Irdische, Gemeine magst du sehn,Das Nächste mit dem Nächsten klug verknüpfen;Darin vertrau ich dir und glaube dir.Doch, was geheimnisvoll bedeutend webtUnd bildet in den Tiefen der Natur,—Die Geisterleiter, die aus dieser Welt des StaubesBis in die Sternenwelt, mit tausend Sprossen,Hinauf sich baut, an der die himmlischenGewalten wirkend auf und nieder wandeln,—Die Kreise in den Kreisen, die sich engUnd enger ziehn um die zentralische Sonne—Die sieht das Aug' nur, das entsiegelte,Der hellgebornen, heitern Joviskinder,

(Nachdem er einen Gang durch den Saal gemacht, bleibt er stehenund fährt fort.)

Die himmlischen Gestirne machen nichtBloß Tag und Nacht, Frühling und Sommer—nichtDem Sämann bloß bezeichnen sie die ZeitenDer Aussaat und der Ernte. Auch des Menschen TunIst eine Aussaat von Verhängnissen,Gestreuet in der Zukunft dunkles Land,Den Schicksalsmächten hoffend übergeben.Da tut es not, die Saatzeit zu erkunden,Die rechte Sternenstunde auszulesen,Des Himmels Häuser forschend zu durchspüren,Ob nicht der Feind des Wachsens und GedeihensIn seinen Ecken schadend sich verberge .Drum laßt mir Zeit. Tut ihr indes das Eure.Ich kann jetzt noch nicht sagen, was ich tun will.Nachgeben aber werd ich nicht. Ich nicht!Absetzen sollen sie mich auch nicht—DaraufVerlaßt euch.

Kammerdiener. (kommt)Die Herren Generale.

Wallenstein.Laß sie kommen.

Terzky.Willst du, daß alle Chefs zugegen seien?

Wallenstein.Das braucht's nicht. Beide Piccolomini,Maradas, Buttler, Forgatsch, Deodat,Caraffa, Isolani mögen kommen.

(Terzky geht hinaus mit dem Kammerdiener.)

Wallenstein. (zu Illo)Hast du den Questenberg bewachen lassen?Sprach er nicht ein'ge in geheim?

Illo.

Ich hab ihn scharf bewacht. Er war mit niemand

Als dem Octavio.

Siebenter Auftritt

Vorige. Questenberg, beide Piccolomini, Buttler, Isolani, Maradas und noch drei andere Generale treten herein. Auf den Wink des Generals nimmt Questenberg ihm gerad gegenüber Platz, die andern folgen nach ihrem Range. Es herrscht eine augenblickliche Stille.

Wallenstein.Ich hab den Inhalt Ihrer Sendung zwarVernommen, Questenberg, und wohl erwogen,Auch meinen Schluß gefaßt, den nichts mehr ändert.Doch, er gebührt sich, daß die KommandeursAus Ihrem Mund des Kaisers Willen hören—Gefall' es Ihnen denn, sich Ihres AuftragsVor diesen edeln Häuptern zu entledigen.

Questenberg.Ich bin bereit, doch bitt ich zu bedenken,Daß kaiserliche Herrschgewalt und WürdeAus meinem Munde spricht, nicht eigne Kühnheit.

Wallenstein.Den Eingang spart.

Questenberg.Als Seine MajestätDer Kaiser ihren mutigen ArmeenEin ruhmgekröntes, kriegserfahrnes HauptGeschenkt in der Person des Herzogs Friedland,Geschah's in froher Zuversicht, das GlückDes Krieges schnell und günstig umzuwenden.Auch war der Anfang ihren Wünschen hold,Gereiniget ward Böheim von den Sachsen,Der Schweden Siegeslauf gehemmt—es schöpftenAufs neue leichten Atem diese Länder,Als Herzog Friedland die zerstreuten FeindesheereHerbei von allen Strömen Deutschlands zog,Herbei auf einen Sammelplatz beschworDen Rheingraf, Bernhard, Banner, OxenstirnUnd jenen nie besiegten König selbst,Um endlich hier im Angesichte NürnbergsDas blutig große Kampfspiel zu entscheiden.

Wallenstein.Zur Sache, wenn's beliebt.

Questenberg.Ein neuer GeistVerkündigte sogleich den neuen Feldherrn.Nicht blinde Wut mehr rang mit blinder Wut,In hellgeschiednem Kampfe sah man jetztDie Festigkeit der Kühnheit widerstehnUnd weise Kunst die Tapferkeit ermüden.Vergebens lockt man ihn zur Schlacht, er gräbtSich tief und tiefer nur im Lager ein,Als gält' es, hier ein ewig Haus zu gründen.Verzweifelnd endlich will der König stürmen,Zur Schlachtbank reißt er seine Völker hin,Die ihm des Hungers und der Seuchen WutIm leichenvollen Lager langsam tötet.Durch den Verhack des Lagers, hinter welchemDer Tod aus tausend Röhren lauert, willDer Niegehemmte stürmend Bahn sich brechen.Da ward ein Angriff und ein Widerstand,Wie ihn kein glücklich Auge noch gesehn.Zerrissen endlich führt sein Volk der KönigVom Kampfplatz heim, und nicht ein Fußbreit ErdeGewann es ihm, das grause Menschenopfer.

Wallenstein.Ersparen Sie's, uns aus dem ZeitungsblattZu melden, was wir schaudernd selbst erlebt.

Questenberg.Anklagen ist mein Amt und meine Sendung,Es ist mein Herz, was gern beim Lob verweilt.In Nürnbergs Lager ließ der schwedische KönigDen Ruhm—in Lützens Ebenen das Leben.Doch wer erstaunte nicht, als Herzog FriedlandNach diesem großen Tag wie ein BesiegterNach Böheim floh, vom Kriegesschauplatz schwand,Indes der junge weimarische HeldIns Frankenland unaufgehalten drang,Bis an die Donau reißend Bahn sich machteUnd stand mit einem Mal vor Regenspurg,Zum Schrecken aller gut kathol'schen Christen.Da rief der Bayern wohlverdienter FürstUm schnelle Hilf' in seiner höchsten Not,—Es schickt der Kaiser sieben ReitendeAn Herzog Friedland ab mit dieser BitteUnd fleht, wo er als Herr befehlen kann.Umsonst! Es hört in diesem AugenblickDer Herzog nur den alten Haß und Groll,Gibt das gemeine Beste preis, die RachgierAn einem alten Feinde zu vergnügen.Und so fällt Regenspurg!

Wallenstein.Von welcher Zeit ist denn die Rede, Max?Ich hab gar kein Gedächtnis mehr.

Max.Er meint,Wie wir in Schlesien waren.

Wallenstein.So! So! So!Was aber hatten wir denn dort zu tun?

Max.Die Schweden draus zu schlagen und die Sachsen.

Wallenstein.Recht! Über der Beschreibung da vergeß ichDen ganzen Krieg—

(Zu Questenberg.)

Nur weiter fortgefahren!

Questenberg.Am Oderstrom vielleicht gewann man wieder,Was an der Donau schimpflich ward verloren.Erstaunenswerte Dinge hoffte manAuf dieser Kriegesbühne zu erleben,Wo Friedland in Person zu Felde zog,Der Nebenbuhler Gustavs einen—ThurnUnd einen Arnheim vor sich fand. Und wirklichGeriet man nahe g'nug hier aneinander,Doch, um als Freund, als Gast sich zu bewirten.Ganz Deutschland seufzte unter Kriegeslast,Doch Friede war's im Wallensteinischen Lager.

Wallenstein.Manch blutig Treffen wird um nichts gefochten,Weil einen Sieg der junge Feldherr braucht.Ein Vorteil des bewährten Feldherrn ist's,Daß er nicht nötig hat, zu schlagen, umDer Welt zu zeigen, er versteh' zu siegen.Mir konnt' es wenig helfen, meines GlücksMich über einen Arnheim zu bedienen ;Viel nützte Deutschland meine Mäßigung,Wär' mir's geglückt, das Bündnis zwischen SachsenUnd Schweden, das verderbliche, zu lösen.

Questenberg.Es glückte aber nicht, und so begannAufs neu das blut'ge Kriegesspiel. Hier endlichRechtfertigte der Fürst den alten Ruhm.Auf Steinaus Feldern streckt das schwedische HeerDie Waffen, ohne Schwertstreich überwunden—Und hier, mit andern, lieferte des HimmelsGerechtigkeit den alten Aufruhrstifter,Die fluchbeladne Fackel dieses Kriegs,Matthias Thurn, des Rächers Händen aus.—Doch in großmüt'ge Hand war er gefallen:Statt Strafe fand er Lohn, und reich beschenktEntließ der Fürst den Erzfeind seines Kaisers.

Wallenstein. (lacht)Ich weiß, ich weiß—Sie hatten schon in WienDie Fenster, die Balkons vorausgemietet,Ihn auf dem Armensünderkarrn zu sehn—Die Schlacht hätt' ich mit Schimpf verlieren mögen,Doch das vergeben mir die Wiener nicht,Daß ich um ein Spektakel sie betrog.

Questenberg.Befreit war Schlesien, und alles riefDen Herzog nun ins hartbedrängte Bayern.Er setzt auch wirklich sich in Marsch—gemächlichDurchzieht er Böheim auf dem längsten Wege;Doch eh' er noch den Feind gesehen, wendetEr schleunig um, bezieht sein Winterlager, drücktDes Kaisers Länder mit des Kaisers Heer.

Wallenstein.Das Heer war zum Erbarmen, jede Notdurft, jedeBequemlichkeit gebrach—der Winter kam.Was denkt die Majestät von ihren Truppen?Sind wir nicht Menschen? Nicht der Kält' und Nässe,Nicht jeder Notdurft sterblich unterworfen?Fluchwürdig Schicksal des Soldaten! WoEr hinkommt, flieht man vor ihm—wo er weggeht,Verwünscht man ihn! Er muß sich alles nehmen;Man gibt ihm nichts, und jeglichem gezwungenZu nehmen, ist er jeglichem ein Greuel.Hier stehen meine Generals. Caraffa!Graf Deodati! Buttler! Sagt es ihm,Wie lang der Sold den Truppen ausgeblieben?

Buttler.Ein Jahr schon fehlt die Löhnung.

Wallenstein.Und sein SoldMuß dem Soldaten werden, darnach heißt er!

Questenberg.Das klingt ganz anders, als der Fürst von FriedlandVor acht, neun Jahren sich vernehmen ließ.

Wallenstein.Ja, meine Schuld ist es, weiß wohl, ich selbstHab mir den Kaiser so verwöhnt. Da! Vor neun JahrenBeim Dänenkriege, stellt' ich eine Macht ihm aufVon vierzigtausend Köpfen oder fünfzig,Die aus dem eignen Säckel keinen DeutIhm kostete—Durch Sachsen Kreise zogDie Kriegesfurie, bis an die SchärenDes Belts den Schrecken seines Namens tragend.Da war noch eine Zeit! Im ganzen KaiserstaateKein Nam' geehrt, gefeiert wie der meine,Und Albrecht Wallenstein, so hießDer dritte Edelstein in seiner Krone!Doch auf dem Regenspurger Fürstentag,Da brach es auf! Da lag es kund und offen,Aus welchem Beutel ich gewirtschaft't hatte.Und was war nun mein Dank dafür, daß ich,Ein treuer Fürstenknecht, der Völker FluchAuf mich gebürdet—diesen Krieg, der nurIhn groß gemacht, die Fürsten zahlen lassen?Was? Aufgeopfert wurd ich ihren Klagen,—Abgesetzt wurd ich.

Questenberg.Eure Gnaden weiß,Wie sehr auf jenem unglücksvollen ReichstagDie Freiheit ihm gemangelt.

Wallenstein.Tod und Teufel!Ich hatte, was ihm Freiheit schaffen konnte.—Nein, Herr! Seitdem es mir so schlecht bekam,Dem Thron zu dienen, auf des Reiches Kosten,Hab ich vom Reich ganz anders denken lernen.Vom Kaiser freilich hab ich diesen Stab,Doch führ' ich jetzt ihn als des Reiches Feldherr,Zur Wohlfahrt aller, zu des Ganzen Heil,Und nicht mehr zur Vergrößerung des einen!—Zur Sache doch. Was ist's, das man von mir begehrt?

Questenberg.Fürs erste wollen Seine Majestät,Daß die Armee ohn' Aufschub Böhmen räume.

Wallenstein.In dieser Jahreszeit? Und wohin will man,Daß wir uns wenden?

Questenberg.Dahin, wo der Feind ist.Denn Seine Majestät will RegenspurgVor Ostern noch vom Feind gesäubert sehn,Daß länger nicht im Dome lutherischGepredigt werde—ketzerischer GreulDes Festes reine Feier nicht besudle.

Wallenstein.Kann das geschehen, meine Generals?

Illo.Es ist nicht möglich.

Buttler.Es kann nicht geschehn.

Questenberg.Der Kaiser hat auch schon dem Oberst SuysBefehl geschickt, nach Bayern vorzurücken.

Wallenstein.Was tat der Suys?

Questenberg.Was er schuldig war.Er rückte vor.

Wallenstein.Er rückte vor! Und ich,Sein Chef, gab ihm Befehl, ausdrücklichen,Nicht von dem Platz zu weichen! Steht es soUm mein Kommando? Das ist der Gehorsam,Den man mir schuldig, ohne den kein KriegsstandZu denken ist? Sie, meine Generale,Seien Richter! Was verdient der Offizier,Der eidvergessen seine Ordre bricht?

Illo.Den Tod!

Wallenstein. (da die übrigen bedenklich schweigen, miterhöhter Stimme).Graf Piccolomini, was hat erVerdient?

Max. (nach einer langen Pause)Nach des Gesetzes Wort—den Tod!

Isolani.Den Tod!

Buttler.Den Tod nach Kriegesrecht!

(Questenberg steht auf. Wallenstein folgt, es erheben sich alle.)

Wallenstein.Dazu verdammt ihn das Gesetz, nicht ich!Und wenn ich ihn begnadige, geschieht'sAus schuld'ger Achtung gegen meinen Kaiser.

Questenberg.Wenn's so steht, hab ich hier nichts mehr zu sagen.

Wallenstein.Nur auf Bedingung nahm ich dies Kommando;Und gleich die erste war, daß mir zum NachteilKein Menschenkind, auch selbst der Kaiser nicht,Bei der Armee zu sagen haben sollte.Wenn für den Ausgang ich mit meiner EhreUnd meinem Kopf soll haften, muß ich HerrDarüber sein. Was machte diesen GustavUnwiderstehlich, unbesiegt auf Erden?Dies: daß er König war in seinem Heer!Ein König aber, einer, der es ist,Ward nie besiegt noch als durch seinesgleichen—Jedoch zur Sach'. Das Beste soll noch kommen.

Questenberg.Der Kardinal-Infant wird mit dem FrühjahrAus Mailand rücken und ein spanisch HeerDurch Deutschland nach den Niederlanden führen.Damit er sicher seinen Weg verfolge,Will der Monarch, daß hier aus der ArmeeAcht Regimenter ihn zu Pferd begleiten.

Wallenstein.Ich merk, ich merk—Acht Regimenter—Wohl!Wohl ausgesonnen, Pater Lamormain!Wär' der Gedank' nicht so verwünscht gescheit,Man wär' versucht, ihn herzlich dumm zu nennen.Achttausend Pferde! Ja! Ja! es ist richtig,Ich seh es kommen.

Questenberg.Es ist nichts dahinterzu sehn. Die Klugheit rät's, die Not gebeut's.

Wallenstein.Wie, mein Herr Abgesandter? Ich soll's wohlNicht merken, daß man's müde ist, die Macht,Des Schwertes Griff in meiner Hand zu sehn?Daß man begierig diesen Vorwand hascht,Den span'schen Namen braucht, mein Volk zu mindern,Ins Reich zu führen eine neue Macht,Die mir nicht untergeben sei. Mich soGerad beiseit' zu werfen, dazu bin ichEuch noch zu mächtig. Mein Vertrag erheischt's,Daß alle Kaiserheere mir gehorchen,So weit die deutsche Sprach' geredet wird.Von span'schen Truppen aber und Infanten,Die durch das Reich als Gäste wandernd ziehn,Steht im Vertrage nichts—Da kommt man dennSo in der Stille hinter ihm herum,Macht mich erst schwächer, dann entbehrlich, bisMan kürzeren Prozeß kann mit mir machen.—Wozu die krummen Wege, Herr Minister?Gerad heraus! Den Kaiser drückt das PaktumMit mir. Er möchte gerne, daß ich ginge.Ich will ihm den Gefallen tun, das warBeschloßne Sache, Herr, noch eh' Sie kamen.(Es entsteht eine Bewegung unter den Generalen, welche immer zunimmt.)Es tut mir leid um meine Obersten,Noch seh ich nicht, wie sie zu ihren vorgeschoßnen Geldern,Zum wohlverdienten Lohne kommen werden.Neu Regiment bringt neue Menschen auf,Und früheres Verdienst veraltet schnell.Es dienen viel Ausländische im Heer,Und war der Mann nur sonsten brav und tüchtig,Ich pflegte eben nicht nach seinem StammbaumNoch seinem Katechismus viel zu fragen.Das wird auch anders werden künftighin!Nun—mich geht's nichts mehr an.(Er setzt sich.)

Max.Da sei Gott für,Daß es bis dahin kommen soll!—Die ganzeArmee wird furchtbar gärend sich erheben—Der Kaiser wird mißbraucht, es kann nicht sein.

Isolani.Es kann nicht sein, denn alles ging' zu Trümmern.

Wallenstein.Das wird es, treuer Isolan. Zu Trümmernwird alles gehn, was wir bedächtig bauten.Deswegen aber find't sich doch ein Feldherr,Und auch ein Kriegsheer läuft noch wohl dem KaiserZusammen, wenn die Trommel wird geschlagen.

Max. (geschäftig, leidenschaftlich von einem zum anderngehend und sie besänftigend)Hör mich, mein Feldherr! Hört mich , Obersten!Laß dich beschwören, Fürst! Beschließe nichts,Bis wir zusammen Rat gehalten, dirVorstellungen getan—Kommt, meine Freunde!Ich hoff, es ist noch alles herzustellen.

Terzky.Kommt, kommt! im Vorsaal treffen wir die andern.

(Gehen.)

Buttler. (zu Questenberg).Wenn guter Rat Gehör bei Ihnen findet,Vermeiden Sie's, in diesen ersten StundenSich öffentlich zu zeigen, schwerlich möchte SieDer goldne Schlüssel vor Mißhandlung schützen.

(Laute Bewegungen draußen.)

Wallenstein.Der Rat ist gut—Octavio, du wirstFür unsers Gastes Sicherheit mir haften.Gehaben Sie sich wohl, von Questenberg!(Als dieser reden will.)Nichts, nichts von dem verhaßten Gegenstand!Sie taten Ihre Schuldigkeit. Ich weißDen Mann von seinem Amt zu unterscheiden.(Indem Questenberg mit dem Octavio abgehen will, dringen Götz,Tiefenbach, Colalto herein, denen noch mehrere Kommandeurs folgen.)

Götz.Wo ist er, der uns unsern General—

Tiefenbach. (zugleich)Was müssen wir erfahren, du willst uns—

Colalto. (zugleich)Wir wollen mit dir leben, mit dir sterben.

Wallenstein. (mit Ansehen, indem er auf Illo zeigt).Hier der Feldmarschall weiß um meinen Willen.

(Geht ab.)

Dritter Aufzug

Ein Zimmer

Erster Auftritt

Illo und Terzky.

Terzky.Nun sagt mir! Wie gedenkt Ihr's diesen AbendBeim Gastmahl mit den Obristen zu machen?

Illo.Gebt acht! Wir setzen eine Formel auf,Worin wir uns dem Herzog insgesamtVerschreiben, sein zu sein mit Leib und Leben,Nicht unser letztes Blut für ihn zu sparen;Jedoch der Eidespflichten unbeschadet,Die wir dem Kaiser schuldig sind. Merkt wohl!Die nehmen wir in einer eignen KlauselAusdrücklich aus und retten das Gewissen.Nun hört! Die also abgefaßte SchriftWird ihnen vorgelegt vor Tische, keinerWird daran Anstoß nehmen—Hört nun weiter!Nach Tafel, wenn der trübe Geist des WeinsDas Herz nun öffnet und die Augen schließt,Läßt man ein unterschobnes Blatt, worinDie Klausel fehlt, zur Unterschrift herumgehn.

Terzky.Wie? Denkt Ihr, daß sie sich durch einen EidGebunden glauben werden, den wir ihnenDurch Gaukelkunst betrüglich abgelistet?

Illo.Gefangen haben wir sie immer—Laßt sieDann über Arglist schrein, so viel sie mögen.Am Hofe glaubt man ihrer UnterschriftDoch mehr als ihrem heiligsten Beteuern.Verräter sind sie einmal, müssen's sein,So machen sie aus der Not wohl eine Tugend.

Terzky.Nun, mir ist alles lieb, geschieht nur was,Und rücken wir nur einmal von der Stelle.

Illo.Und dann—liegt auch so viel nicht dran, wie weitWir damit langen bei den Generalen,Genug, wenn wir's dem Herrn nur überreden,Sie seien sein—denn handelt er nur erstMit seinem Ernst, als ob er sie schon hätte,So hat er sie und reißt sie mit sich fort.

Terzky.Ich kann mich manchmal gar nicht in ihn finden.Er leiht dem Feind sein Ohr, läßt mich dem Thurn,Dem Arnheim schreiben, gegen den SesinaGeht er mit kühnen Worten frei heraus,Spricht stundenlang mit uns von seinen Planen,Und mein ich nun, ich hab' ihn—weg auf einmalEntschlüpft er, und es scheint, als wär' es ihmUm nichts zu tun, als nur am Platz zu bleiben.

Illo.Er seine alten Plane aufgegeben!Ich sag Euch, daß er wachend, schlafend mitNichts anderm umgeht, daß er Tag für TagDeswegen die Planeten fragt—

Terzky.Ja, wißt Ihr,Daß er sich in der Nacht, die jetzo kommt,Im astrologischen Turme mit dem DoktorEinschließen wird und mit ihm observieren?Denn es soll eine wicht'ge Nacht sein, hör' ich,Und etwas Großes, LangerwartetesAm Himmel vorgehn.

Illo.Wenn's hier unten nur geschieht.Die Generale sind voll Eifer jetztUnd werden sich zu allem bringen lassen,Nur um den Chef nicht zu verlieren. Seht!So haben wir den Anlaß vor der HandZu einem engen Bündnis widern Hof.Unschuldig ist der Name zwar, es heißt,Man will ihn beim Kommando bloß erhalten.Doch wißt Ihr, in der Hitze des VerfolgensVerliert man bald den Anfang aus den Augen.Ich denk es schon zu karten, daß der FürstSie willig finden—willig glauben sollZu jedem Wagstück. Die GelegenheitSoll ihn verführen. Ist der große SchrittNur erst getan, den sie zu Wien ihm nicht verzeihn,So wird der Notzwang der BegebenheitenIhn weiter schon und weiter führen. NurDie Wahl ist's, was ihm schwer wird; drängt die Not,Dann kommt ihm seine Stärke, seine Klarheit.

Terzky.Das ist es auch, worauf der Feind nur wartet,Das Heer uns zuzuführen.

Illo.Kommt! Wir müssenDas Werk in diesen nächsten Tagen weiter fördern,Als es in Jahren nicht gedieh—Und steht'sNur erst hier unten glücklich, gebet acht,So werden auch die rechten Sterne scheinen!Kommt zu den Obersten. Das Eisen mußGeschmiedet werden, weil es glüht.

Terzky.Geht Ihr hin, Illo.Ich muß die Gräfin Terzky hier erwarten.Wißt, daß wir auch nicht müßig sind—wenn einStrick reißt, ist schon ein andrer in Bereitschaft.

Illo.Ja, Eure Hausfrau lächelte so listig.Was habt Ihr?

Terzky.Ein Geheimnis! Still! Sie kommt!

(Illo geht ab.)

Zweiter Auftritt

Graf und Gräfin Terzky, die aus einem Kabinett heraustritt,hernach ein Bedienter, darauf Illo.

Terzky.Kommt sie? Ich halt ihn länger nicht zurück.

Gräfin.Gleich wird sie da sein. Schick ihn nur.

Terzky.Zwar weiß ich nicht, ob wir uns Dank damitBeim Herrn verdienen werden. Über diesen Punkt,Du weißt's, hat er sich nie herausgelassen.Du hast mich überredet und muß wissen,Wie weit du gehen kannst.

Gräfin.Ich nehm's auf mich.(Für sich.)Es braucht hier keiner Vollmacht—Ohne Worte, Schwager,Verstehn wir uns—Errat ich etwa nicht,Warum die Tochter hergeforder worden,Warum just er gewählt, sie abzuholen?Denn dieses vorgespiegelte VerlöbnisMit einem Bräutigam, den niemand kennt,Mag andre blenden! Ich durchschaue dich—Doch dir geziemt es nicht, in solchem SpielDie Hand zu haben. Nicht doch! Meiner FeinheitBleibt alles überlassen. Wohl!—Du sollstDich in der Schwester nicht betrogen haben.

Bedienter. (kommt)Die Generale!

(Ab.)

Terzky. (zur Gräfin)Sorg nur, daß du ihmDen Kopf recht warm machst, was zu denken gibst—Wenn er zu Tisch kommt, daß er sich nicht langeBedenke bei der Unterschrift.

Gräfin.Sorg du für deine Gäste! Geh und schick ihn.

Terzky.Denn alles liegt dran, daß er unterschreibt.

Gräfin.Zu deinen Gästen. Geh!

Illo. (kommt zurück)Wo bleibt Ihr, Terzky?Das Haus ist voll, und alles wartet Euer.

Terzky.Gleich! Gleich!(zur Gräfin.) Und daß er nicht zu lang verweilt—Es möchte bei dem Alten sonst Verdacht—

Gräfin.Unnöt'ge Sorgfalt!

(Terzky und Illo gehen.)

Dritter Auftritt

Gräfin Terzky. Max Piccolomini.

Max. (blickt schüchtern herein).Base Terzky! Darf ich?

(Tritt bis in die Mitte des Zimmers, wo er sich unruhig umsieht.)

Sie ist nicht da! Wo ist sie?

Gräfin.Sehen sie nur rechtIn jene Ecke, ob sie hinterm SchirmVielleicht versteckt—

Max.Da liegen ihre Handschuh!

(Will hastig darnach greifen, Gräfin nimmt sie zu sich.)

Ungüt'ge Tante! Sie verleugnen mir—Sie haben Ihre Lust dran, mich zu quälen.

Gräfin.Der Dank für meine Müh!

Max.Oh! fühlten Sie,Wie mir zumute ist!—Seitdem wir hier sind—So an mich halten, Wort' und Blicke wägen!Das bin ich nicht gewohnt!

Gräfin.Sie werden sichAn manches noch gewöhnen , schöner Freund!Auf dieser Probe Ihrer FolgsamkeitMuß ich durchaus bestehn, nur unter der BedingungKann ich mich überall damit befassen.

Max.Wo aber ist sie? Warum kommt sie nicht?

Gräfin.Sie müssen's ganz in meine Hände legen.Wer kann es besser auch mit Ihnen meinen !Kein Mensch darf wissen, auch Ihr Vater nicht,Der gar nicht!

Max.Damit hat's nicht Not. Es istHier kein Gesicht, an das ich's richten möchte,Was die entzückte Seele mir bewegt.—O Tante Terzky! Ist denn alles hierVerändert, oder bin nur ich's? Ich sehe michWie unter fremden Menschen. Keine SpurVon meinen vor'gen Wünschen mehr und Freuden.Wo ist das alles hin? Ich war doch sonstIn eben dieser Welt nicht unzufrieden.Wie schal ist alles nun und wie gemein!Die Kameraden sind mir unerträglich,Der Vater selbst, ich weiß ihm nichts zu sagen,Der Dienst, die Waffen sind mir eitler Tand.So müßt' es einem sel'gen Geiste sein,Der aus den Wohnungen der ew'gen FreudeZu seinen Kinderspielen und Geschäften,Zu seinen Neigungen und Brüderschaften,Zur ganzen armen Menschheit wiederkehrte.

Gräfin.Doch muß ich bitten, ein'ge Blicke nochAuf diese ganz gemeine Welt zu werfen,Wo eben jetzt viel Wichtiges geschieht.

Max.Es geht hier etwas vor um micht, ich seh'sAn ungewöhnlich treibender Bewegung;Wenn's fertig ist, kommt's wohl auch bis zu mir.Wo denken Sie, daß ich gewesen, Tante?Doch keinen Spott! Mich ängstigte des LagersGewühl, die Flut zudringlicher Bekannten,Der fade Scherz, das nichtige Gespräch,Es wurde mir zu eng, ich mußte fort,Stillschweigen suchen diesem vollen HerzenUnd eine reine Stelle für mein Glück.Kein Lächeln, Gräfin! In der Kirche war ich.Es ist ein Kloster hier, zu Himmelspforte,Da ging ich hin, da fand ich mich allein.Ob dem Altar hing eine Mutter Gottes,Ein schlecht Gemälde war's, doch war's der Freund,Den ich in diesem Augenblicke suchte.Wie oft hab ich die Herrliche gesehnIn ihrem Glanz, die Inbrunst der Verehrer—Es hat mich nicht gerührt, und jetzt auf einmalWard mir die Andacht klar, so wie die Liebe.

Gräfin.Genießen Sie Ihr Glück. Vergessen SieDie Welt um sich herum. Es soll die FreundschaftIndessen wachsam für Sie sorgen, handeln.Nur sei'n Sie dann auch lenksam, wenn man IhnenDen Weg zu Ihrem Glücke zeigen wird.

Max.Wo aber bleibt sie denn!—Oh! goldne ZeitDer Reise, wo uns jede neue SonneVereinigte, die späte Nacht nur trennte!Da rann kein Sand, und keine Glocke schlug.Es schien die Zeit dem ÜberselignIn ihrem ew'gen Laufe stillzustehen.Oh! der ist aus dem Himmel schon gefallen,Der an der Stunden Wechsel denken muß!Die Uhr schlägt keinem Glücklichen.

Gräfin.Wie lang ist es, daß Sie Ihr Herz entdeckten?

Max.Heut früh wagt' ich das erste Wort.

Gräfin.Wie? Heute erst in diesen zwanzig Tagen?

Max.Auf jenem Jagdschloß war es, zwischen hierUnd Nepomuk, wo Sie uns eingeholt,Der letzten Station des ganzen Wegs.In einem Erker standen wir, den BlickStumm in das öde Feld hinaus gerichtet,Und vor uns ritten die Dragoner auf,Die uns der Herzog zum Geleit gesendet.Schwer lag auf mir des Scheidens Bangigkeit,Und zitternd endlich wagt' ich dieses Wort:Dies alles mahnt mich, Fräulein, daß ich heutVon meinem Glücke scheiden muß. Sie werdenIn wenig Stunden einen Vater finden,Von neuen Freunden sich umgeben sehn,Ich werde nun ein Fremder für Sie sein,Verloren in der Menge—"Sprechen SieMit meiner Base Terzky!" fiel sie schnellMir ein, die Stimme zitterte, ich sahEin glühend Rot die schönen Wangen färben,Und von der Erde langsam sich erhebendTrifft mich ihr Auge—ich beherrsche michNich länger—

(Die Prinzessin erscheint an der Türe und bleibt stehen, von derGräfin, aber nicht von Piccolomini bemerkt.)

—fasse kühn sie in die Arme,Mein Mund berührt den ihrigen—da rauscht' esIm nahen Saal und trennte uns—Sie waren's.Was nun geschehen, wissen Sie.

Gräfin. (nach einer Pause mit einem verstohlnen Blick auf Thekla)Und sind Sie so bescheiden oder habenSo wenig Neugier, daß Sie mich nicht auchUm mein Geheimnis fragen?

Max.Ihr Geheimnis?

Gräfin.Nun ja! Wie ich unmittelbar nach IhnenIns Zimmer trat, wie ich die Nichte fand,Was sie in diesem ersten AugenblickDer überraschten Herzens—

Max. (lebhaft)Nun?

Vierter Auftritt

Vorige. Thekla, welche schnell hervortritt.

Thekla.Spart Euch die Mühe, Tante!Das hört er besser von mir selbst.

Max. (tritt zurück)Mein Fräulein!—Was ließen Sie mich sagen, Tante Terzky!

Thekla. (zur Gräfin)Ist er schon lange hier?

Gräfin.Jawohl, und seine Zeit ist bald vorüber.Wo bleibt Ihr auch so lang?

Thekla.Die Mutter weinte wieder so. Ich seh sie leiden—Und kann's nicht ändern, daß ich glücklich bin.

Max. (in ihren Anblick verloren)Jetzt hab ich wieder Mut , Sie anzusehn.Heut konnt' ich's nicht. Der Glanz der Edelsteine,Der Sie umgab, verbarg mir die Geliebte.

Thekla.So sah mich nur Ihr Auge, nicht Ihr Herz.

Max.Oh! diesen Morgen, als ich Sie im KreiseDer Ihrigen, in Vaters Armen fand,Mich einen Fremdling sah in diesem Kreise—Wie drängte mich's in diesem Augenblick,Ihm um den Hals zu fallen, Vater ihnZu nennen! Doch sein strenges Auge hießDie heftig wallende Empfindung schweigen,Und jene Diamanten schreckten mich,Die wie ein Kranz von Sternen Sie umgaben.Warum auch mußt' er beim Empfange gleichDen Bann um Sie verbreiten, gleich zum OpferDen Engel schmücken, auf das heitre HerzDie traur'ge Bürde seines Standes werfen!Wohl darf die Liebe werben um die Liebe,Doch solchem Glanz darf nur ein König nahn.

Thekla.Oh! still von dieser Mummerei. Sie sehn,Wie schnell die Bürde abgeworfen ward.(Zur Gräfin.)Er ist nicht heiter. Warum ist er's nicht?Ihr, Tante, habt ihn mir so schwer gemacht!War er doch ein ganz andrer auf der Reise!So ruhig hell! So froh beredt! Ich wünschte,Sie immer so zu sehn und niemals anders.

Max.Sie fanden sich, in Ihres Vaters Armen,In einer neuen Welt, die Ihnen huldigt,Wär's auch durch Neuheit nur, Ihr Auge reizt.

Thekla.Ja! Vieles reizt mich hier, ich will's nicht leugnen,Mich reizt die bunte, kriegerische Bühne,Die vielfach mir ein liebes Bild erneuert,Mir an das Leben, an die Wahrheit knüpft,Was mir ein schöner Traum nur hat geschienen.

Max.Mir machte sie mein wirklich Glück zum Traum.Auf einer Insel in des Äthers HöhnHab' ich gelebt in diesen letzten Tagen;Sie hat sich auf die Erd' herabgelassen,Und diese Brücke, die zum alten LebenZurück mich bringt, trennt mich von meinem Himmel.

Thekla.Das Spiel des Lebens sieht sich heiter an,Wenn man den sichern Schatz im Herzen trägt,Und froher kehr ich, wenn ich es gemustert,Zu meinem schönern Eigentum zurück—(Abbrechend, und in einem scherzhaften Ton.)Was hab ich Neues nicht und UnerhörtesIn dieser kurzen Gegenwart gesehn!Und doch muß alles dies dem Wunder weichen,Das dieses Schloß geheimnisvoll verwahrt.

Gräfin. (nachsinnend)Was wäre das? Ich bin doch auch bekanntIn allen dunklen Ecken dieses Hauses.

Thekla. (lächelnd)Von Geistern wird der Weg dazu beschützt,Zwei Greife halten Wache an der Pforte.

Gräfin. (lacht)Ach so! der astrologische Turm! Wie hat sichDies Heiligtum, das sonst so streng verwahrt wird,Gleich in den ersten Stunden Euch geöffnet?

Thekla.Ein kleiner, alter Mann mit weißen HaarenUnd freundlichem Gesicht, der seine GunstMir gleich geschenkt, schloß mir die Pforten auf.

Max.Das ist des Herzogs Astrolog, der Seni.

Thekla.Er fragte mich nach vielen Dingen, wann ichGeboren sei, in welchem Tag und Monat,Ob eine Tages—oder Nachtgeburt—

Gräfin.Weil er das Horoskop Euch stellen wollte.

Thekla.Auch meine Hand besah er, schüttelteDas Haupt bedenklich, und es schienen ihmDie Linien nicht eben zu gefallen.

Gräfin.Wie fandet Ihr es denn in diesem Saal?Ich hab mich stets nur flüchtig umgesehn.

Thekla.Es ward mir wunderbar zumut, als ichAus vollem Tageslichte schnell hineintrat,Denn eine düstre Nacht umgab mich plötzlich,Von seltsamer Beleuchtung schwach erhellt.In einem Halbkreis standen um mich herSechs oder sieben große Königsbilder,Den Zepter in der Hand, und auf dem HauptTrug jedes einen Stern, und alles LichtIm Turm schien von den Sternen nur zu kommen.Das wären die Planeten, sagte mirMein Führer, sie regierten das Geschick,Drum seien sie als Könige gebildet.Der äußerste, ein grämlich finstrer GreisMit dem trübgelben Stern, sei der Saturnus;Der mit dem roten Schein, grad von ihm über,In kriegerischer Rüstung, sei der Mars,Und beide bringen wenig Glück den Menschen.Doch eine schöne Frau stand ihm zur Seite,Sanft schimmerte der Stern auf ihrem Haupt,Das sei die Venus, das Gestirn der Freude.Zur linken Hand erschien Merkur geflügelt,Ganz in der Mitte glänzte silberhellEin heitrer Mann, mit einer Königsstirn,Das sei der Jupiter, des Vaters Stern,Und Mond und Sonne standen ihm zur Seite.

Max.Oh! nimmer will ich seinen Glauben scheltenAn der Gestirne, an der Geister Macht.Nicht bloß der Stolz des Menschen füllt den RaumMit Geistern, mit geheimnisvollen Kräften,Auch für ein liebend Herz ist die gemeineNatur zu eng, und tiefere BedeutungLiegt in dem Märchen meiner KinderjahreAls in der Wahrheit, die das Leben lehrt.Die heitre Welt der Wunder ist's allein,Die dem entzückten Herzen Antwort gibt,Die ihre ew'gen Räume mir eröffnet,Mir tausend Zweige reich entgegenstreckt,Worauf der trunkne Geist sich selig wiegt.Die Fabel ist der Liebe Heimatwelt,Gern wohnt sie unter Feen, Talismanen,Glaubt gern an Götter, weil sie göttlich ist.Die alten Fabelwesen sind nicht mehr,Das reizende Geschlecht ist ausgewandert;Doch eine Sprache braucht das Herz, es bringtDer alte Trieb die alten Namen wieder,Und an dem Sternenhimmel gehn sie jetzt,Die sonst im Leben freundlich mitgewandelt.Dort winken sie dem Liebenden herab,Und jedes Große bringt uns JupiterNoch diesen Tag, und Venus jedes Schöne.

Thekla.Wenn das die Sternenkunst ist, will ich frohZu diesem heitern Glauben mich bekennen.Es ist ein holder, freundlicher Gedanke,Daß über uns, in unermeßnen Höhn,Der Liebe Kranz aus funkelnden Gestirnen,Da wir erst wurden, schon geflochten ward.

Gräfin.Nicht Rosen bloß, auch Dornen hat der Himmel,Wohl dir! wenn sie den Kranz dir nicht verletzen.Was Venus band, die Bringerin des Glücks,Kann Mars, der Stern des Unglücks, schnell zerreißen.

Max.Bald wird sein düstres Reich zu Ende sein!Gesegnet sei des Fürsten ernster Eifer,Er wird den Ölzweig in den Lorbeer flechtenUnd der erfreuten Welt den Frieden schenken.Dann hat sein großes Herz nichts mehr zu wünschen,Er hat genug für seinen Ruhm getan,Kann jetzt sich selber leben und den Seinen.Auf seine Güter wird er sich zurückziehn,Er hat zu Gitschin einen schönen Sitz,Auch Reichenberg, Schloß Friedland liegen heiter—Bis an den Fuß der Riesenberge hinStreckt sich das Jagdgehege seiner Wälder.Dem großen Trieb, dem prächtig schaffenden,Kann er dann ungebunden frei willfahren.Da kann er fürstlich jede Kunst ermunternUnd alles würdig Herrliche beschützen—Kann bauen, pflanzen, nach den Sternen sehn—Ja, wenn die kühne Kraft nicht ruhen kann,So mag er kämpfen mit dem Element,Den Fluß ableiten und den Felsen sprengenUnd dem Gewerb die leichte Straße bahnen.Aus unsern Kriegsgeschichten werden dannErzählungen in langen Winternächten—

Gräfin.Ich will denn doch geraten haben, Vetter,Den Degen nicht zu frühe wegzulegen.Denn eine Braut wie die ist es wohl wert,Daß mit dem Schwert um sie geworben werde.

Max.Oh! wäre sie mit Waffen zu gewinnen!

Gräfin.Was war das? Hört ihr nichts?—Mir war's, als hört' ichIm Tafelzimmer heft'gen Streit und Lärmen.

(Sie geht hinaus.)

Fünfter Auftritt

Thekla und Max Piccolomini.

Thekla. (sobald die Gräfin sich entfernt hat, schnell undheimlich zu Piccolomini)Trau ihnen nicht. Sie meinen's falsch.

Max.Sie könnten—

Thekla.Trau niemand hier als mir. Ich sah es gleich,Sie haben einen Zweck.

Max.Zweck! Aber welchen?Was hätten sie davon, uns Hoffnungen—

Thekla.Das weiß ich nicht. Doch glaub mir, es ist nichtIhr Ernst, uns zu beglücken, zu verbinden.

Max.Wozu auch diese Terzkys? Haben wirNicht deine Mutter? Ja, die GütigeVerdient's, daß wir uns kindlich ihr vertrauen.

Thekla.Sie liebt dich, schätzt dich hoch vor allen andern,Doch nimmer hätte sie den Mut, ein solchGeheimnis vor dem Vater zu bewahren.Um ihrer Ruhe willen muß es ihrVerschwiegen bleiben.

Max.Warum überallAuch das Geheimnis? Weißt du, was ich tun will?Ich werfe mich zu deines Vaters Füßen,Er soll mein Glück entscheiden, er ist wahrhaft,Ist unverstellt und haßt die krummen Wege,Er ist so gut, so edel—

Thekla.Das bist du!

Max.Du kennst ihn erst seit heut. Ich aber lebeSchon zehen Jahre unter seinen Augen.Ist's denn das erste Mal, daß er das Seltne,Das Ungehoffte tut? Es sieht ihm gleich,Zu überraschen wie ein Gott, er mußEntzücken stets und in Erstaunen setzen.Wer weiß, ob er in diesem AugenblickNicht mein Geständnis, deines bloß erwartet,Uns zu vereinigen—Du schweigst? Du siehstMich zweifelnd an? Was hast du gegen deinen Vater?

Thekla.Ich? Nichts—Nur zu beschäftigt find ich ihn,Als daß er Zeit und Muße könnte haben,An unser Glück zu denken.(Ihn zärtlich bei der Hand fassend.)Folge mir!Laß nicht zu viel uns an die Menschen glauben.Wir wollen diesen Terzkys dankbar seinFür jede Gunst, doch ihnen auch nicht mehrVertrauen, als sie würdig sind, und unsIm übrigen—auf unser Herz verlassen.

Max.Oh! werden wir auch jemals glücklich werden!

Thekla.Sind wir's denn nicht? Bist du nicht mein? Bin ichNicht dein?—In meiner Seele lebtEin hoher Mut, die Liebe gibt ihn mir—Ich sollte minder offen sein, mein HerzDir mehr verbergen, also will's die Sitte.Wo aber wäre Wahrheit hier für dich,Wenn du sie nicht auf meinem Munde findest?Wir haben uns gefunden, halten unsUmschlungen, fest und ewig. Glaube mir!Das ist um vieles mehr, als sie gewollt.Drum laß es uns wie einen heil'gen RaubIn unsers Herzens Innerstem bewahren.Aus Himmels Höhen fiel es uns herab,Und nur dem Himmel wollen wir's verdanken.Es kann ein Wunder für uns tun.

Sechster Auftritt

Gräfin Terzky zu den Vorigen.

Gräfin. (pressiert)Mein Mann schickt her. Es sei die höchste Zeit.Er soll zur Tafel—(Da jene nicht darauf achten, tritt sie zwischen sie.)Trennt euch!

Thekla.Oh! nicht doch!Es ist ja kaum ein Augenblick.

Gräfin.Die Zeit vergeht Euch schnell, Prinzessin Nichte.

Max.Es eilt nicht, Base.

Gräfin.Fort! Fort! Man vermißt Sie.Der Vater hat sich zweimal schon erkundigt.

Thekla.Ei nun! der Vater!

Gräfin.Das versteht Ihr, Nichte.

Thekla.Was soll er überall bei der Gesellschaft?Es ist sein Umgang nicht, es mögen würd'ge,Verdiente Männer sein, er aber istFür sie zu jung, taugt nicht in die Gesellschaft.

Gräfin.Ihr möchtet ihn wohl lieber ganz behalten?

Thekla. (lebhaft).Ihr habt's getroffen. Das ist meine Meinung.Ja, laßt ihn ganz hier, laßt den Herren sagen—

Gräfin.Habt Ihr den Kopf verloren, Nichte?—Graf!Sie wissen die Bedingungen.

Max.Ich muß gehorchen, Fräulein. Leben Sie wohl.

(Da Thekla sich schnell von ihm wendet.)

Was sagen Sie?

Thekla. (ohne ihn anzusehen)Nichts. Gehen Sie.

Max.Kann ich's,Wenn Sie mir zürnen—

(Er nähert sich ihr, ihre Augen begegnen sich, sie steht einenAugenblick schweigend, dann wirft sie sich ihm an die Brust, erdrückt sie fest an sich.)

Gräfin.Weg! Wenn jemand käme!Ich höre Lärmen—Fremde Stimmen nahen.

(Max reißt sich aus ihren Armen und geht, die Gräfin begleitet ihn. Thekla folgt ihm anfangs mit den Augen, geht unruhig durch das Zimmer und bleibt dann in Gedanken versenkt stehen. Eine Gitarre liegt auf dem Tisch, sie ergreift sie, und nachdem sie eine Weile schwermütig präludiert hat, fällt sie in den Gesang.)

Siebenter Auftritt

Thekla. (spielt und singt)Der Eichwald brauset, die Wolken ziehn,Das Mägdlein wandelt an Ufers Grün,Es bricht sich die Welt mit Macht, mit Macht,Und sie singt hinaus in die finstre Nacht.Das Auge von Weinen getrübet.Das Herz ist gestorben, die Welt ist leer,Und weiter gibt sie dem Wunsche nichts mehr.Du Heilige, rufe dein Kind zurück,Ich habe genossen das irdische Glück,Ich habe gelebt und geliebet.

Achter Auftritt

Gräfin kommt zurück. Thekla.

Gräfin.Was war das, Fräulein Nichte? Fy! Ihr werft EuchIhm an den Kopf. Ihr solltet Euch doch, dächt' ich,Mit Eurer Person ein wenig teurer machen.

Thekla. (indem sie aufsteht)Was meint Ihr, Tante?

Gräfin.Ihr sollt nicht vergessen,Wer Ihr seid, und wer er ist. Ja, das ist EuchNoch gar nicht eingefallen, glaub ich.

Thekla.Was denn?

Gräfin.Daß Ihr des Fürsten Friedland Tochter seid.

Thekla.Nun? und was mehr?

Gräfin.Was? Eine schöne Frage!

Thekla.Was wir geworden sind, ist er geboren.Er ist von alt lombardischem Geschlecht,Ist einer Fürstin Sohn!

Gräfin.Sprecht Ihr im Traum?Fürwahr! Man wird ihn höflich noch drum bitten,Die reichste Erbin in Europa zu beglückenMit seiner Hand.

Thekla.Das wird nicht nötig sein.

Gräfin.Ja, man wird wohl tun, sich nicht auszusetzen.

Thekla.Sein Vater liebt ihn, Graf OctavioWird nichts dagegen haben—

Gräfin.Sein Vater! Seiner! Und der Eure, Nichte?

Thekla.Nun ja! Ich denk, Ihr fürchtet seinen Vater,Weil Ihr's vor dem, vor seinem Vater, mein ich,So sehr verheimlicht.

Gräfin. (sieht sie forschend an)Nichte, Ihr seid falsch.

Thekla.Seid Ihr empfindlich, Tante? Oh! seid gut!

Gräfin.Ihr haltet Euer Spiel schon für gewonnen—Jauchzt nicht zu frühe!

Thekla.Seid nur gut!

Gräfin.Es ist noch nicht so weit.

Thekla.Ich glaub es wohl.

Gräfin.Denkt Ihr, er habe sein bedeutend LebenIn kriegerischer Arbeit aufgewendet,Jedwedem stillen Erdenglück entsagt,Den Schlaf von seinem Lager weggebannt,Sein edles Haupt der Sorge hingegeben,Nur um ein glücklich Paar aus euch zu machen?Um dich zuletzt aus deinem Stift zu ziehn,Den Mann dir im Triumphe zuzuführen,Der deinen Augen wohlgefällt?—Das hätt' erWohlfeiler habe können! Diese SaatWard nicht gepflanzt, daß du mit kind'scher HandDie Blume brächest und zu leichten ZierAn deinen Busen stecktest!

Thekla.Was er mir nicht gepflanzt, das könnte dochFreiwillig mir die schönen Früchte tragen.Und wenn mein gütig freundliches GeschickAus seinem furchtbar ungeheuren DaseinDes Lebens Freude mir bereiten will—

Gräfin.Du siehst's wie ein verliebtes Mädchen an.Blick um dich her. Besinn dich, wo du bist—Nicht in ein Freudenhaus bist du getreten,Zu keiner Hochzeit findest du die WändeGeschmückt, der Gäste Haupt bekränzt. Hier istKein Glanz als der von Waffen. Oder denkst du,Man führte diese Tausende zusammen,Beim Brautfest dir den Reihen aufzuführen?Du siehst des Vaters Stirn gedankenvoll,Der Mutter Aug' in Tränen, auf der Waage liegtDas große Schicksal unsers Hauses!Laß jetzt des Mädchens kindische Gefühle,Die kleinen Wünsche hinter dir! Beweise,Daß du des Außerordentlichen Tochter bist!Das Weib soll sich nicht selber angehören,An fremdes Schicksal ist sie fest gebunden;Die aber ist die Beste, die sich FremdesAneignen kann mit Wahl, an ihrem HerzenEs trägt und pflegt mit Innigkeit und Liebe.

Thekla.So wurde mir's im Kloster vorgesagt.Ich hatte keine Wünsche, kannte michAls seine Tochter nur, des Mächtigen,Und seines Lebens Schall, der auch zu mir drang,Gab mir kein anderes Gefühl als dies:Ich sei bestimmt, mich leidend ihm zu opfern.

Gräfin.Das ist dein Schicksal. Füge dich ihm willig.Ich und die Mutter geben dir das Beispiel.

Thekla.Das Schicksal hat mir den gezeigt, dem ichMich opfern soll; ich will ihm freudig folgen.

Gräfin.Dein Herz, mein liebes Kind, und nicht das Schicksal.

Thekla.Der Zug des Herzens ist des Schicksals Stimme.Ich bin die Seine. Sein Geschenk alleinIst dieses neue Leben, das ich lebe.Er hat ein Recht an sein Geschöpf. Was war ich,Eh' seine schöne Liebe mich beseelte?Ich will auch von mir selbst nicht kleiner denkenAls der Geliebte. Der kann nicht gering sein,Der das Unschätzbare besitzt. Ich fühleDie Kraft mit meinem Glücke mir verliehn.Ernst liegt das Leben vor der ernsten Seele.Daß ich mir selbst gehöre, weiß ich nun.Den festen Willen hab ich kennen lernen,Den unbezwinglichen, in meiner Brust,Und an das Höchste kann ich alles setzen.

Gräfin.Du wolltest dich dem Vater widersetzen,Wenn er es anders nun mit dir beschlossen?—Ihm denkst du's abzuzwingen? Wisse, Kind!Sein Nam' ist Friedland.

Thekla.Auch der meinige.Er soll in mir die echte Tochter finden.

Gräfin.Wie? Sein Monarch, sein Kaiser zwingt ihn nicht,Und du, sein Mädchen, wolltest mit ihm kämpfen?

Thekla.Was niemand wagt, kann seine Tochter wagen.

Gräfin.Nun wahrlich! Darauf ist er nicht bereitet.Er hätte jedes Hindernis besiegt,Und in dem eignen Willen seiner TochterSollt' ihm der neue Streit entstehn? Kind! Kind!Noch hast du nur das Lächeln deines Vaters,Hast seines Zornes Auge nicht gesehen.Wird sich die Stimme deines Widerspruchs,Die zitternde, in seine Nähe wagen?Wohl magst du dir, wenn du allein bist, große DingeVorsetzen, schöne Rednerblumen flechten,Mit Löwenmut den Taubensinn bewaffnen.Jedoch versuch's! Tritt vor sein Auge hin,Das fest auf dich gespannt ist, und sag nein!Vergehen wirst du vor ihm, wie das zarte BlattDer Blume vor dem Feuerblick der Sonne.—Ich will dich nicht erschrecken, liebes Kind!Zum Äußersten soll's ja nicht kommen, hoff ich—Auch weiß ich seinen Willen nicht. Kann sein,Daß seine Zwecke deinem Wunsch begegnen.Doch das kann nimmermehr sein Wille sein,Daß du, die stolze Tochter seines Glücks,Wie ein verliebtes Mädchen dich gebärdest,Wegwerfest an den Mann, der , wenn ihm jeDer hohe Lohn bestimmt ist, mit dem höchsten Opfer,Das Liebe bringt, dafür bezahlen soll!

(Sie geht ab.)

Neunter Auftritt

Thekla. (allein)Dank dir für deinen Wink! Er machtMir meine böse Ahnung zur Gewißheit.So ist's denn wahr? Wir haben keinen FreundUnd keine treue Seele hier—wir habenNichts als uns selbst. Uns drohen harte Kämpfe.Du, Liebe, gib uns Kraft, du göttliche!Oh! sie sagt wahr! Nicht frohe Zeichen sind's,Die diesem Bündnis unsrer Herzen leuchten.Das ist kein Schauplatz, wo die Hoffnung wohnt.Nur dumpfes Kriegsgetöse rasselt hier,Und selbst die Liebe, wie in Stahl gerüstet,Zum Todeskampf gegürtet, tritt sie auf.Es geht ein finstrer Geist durch unser Haus,Und schleunig will das Schicksal mit uns enden.Aus stiller Freistatt treibt es mich heraus,Ein holder Zauber muß die Seele blenden.Es lockt mich durch die himmlische Gestalt,Ich seh sie nah und seh sie näher schweben,Es zieht mich fort mit göttlicher Gewalt,Dem Abgrund zu, ich kann nicht widerstreben.(Man hört von ferne die Tafelmusik.)Oh! wenn ein Haus im Feuer soll vergehn,Dann treibt der Himmel sein Gewölk zusammen,Es schießt der Blitz herab aus heitern Höhn,Aus unterird'schen Schlünden fahren Flammen,Blindwütend schleudert selbst der Gott der FreudeDen Pechkranz in das brennende Gebäude!(Sie geht ab.)


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