Vorwort zur ersten Auflage.

Vorwort zur ersten Auflage.

Als ich den Entschluß faßte, das vorliegende Buch zu schreiben, da war es vor allem der Wunsch, nachstrebenden Jüngern diese Kunstweise mitzuteilen, und namentlich die eigenen Erfahrungen auf diesem Gebiete zu verwerten, welche, so bescheiden sie auch immerhin sein mögen, doch berufen sein dürften, wo immer nur möglich bei den anfänglichen Versuchen die Lernbegierigen vor Schaden und vornehmlich vor Entmutigung zu bewahren.

Da die Radierung, wie sie heute wieder gepflegt wird, der Ausdruck der freischaffenden Künstlerseele ist und mit ihren Mitteln geeignet und berufen erscheint, das persönliche, dichterische Empfinden ihrer Pfleger in Formen zu kleiden, so hört die Technik an sich auf Selbstzweck zu sein; sie wird zur Schrift, deren sich die Hand zum Niederschreiben des Erschauten, des innerlich Erlebten bedient.

Soweit dies im Rahmen eines Lehrbuches tunlich ist, war mein Bestreben dahin gerichtet, das rein künstlerische Moment als das leitende erscheinen zu lassen und den Anfänger an der Hand eines gesichteten Materiales unmittelbar ins Praktische dieser Kunstweise einzuführen, ohne ihn erst mit viel theoretischem Ballast zu beschweren.

Daß es mir nicht beikommt zu wähnen, ich schriebe – der Erste – über die Radierung, bedarf wohl keiner Versicherung, denn stattlich ist die Zahl (allerdings) älterer Lehrbücher, die die Fachliteratur auf diesem Gebiete aufzuweisen hat.

Im allgemeinen muß ich mich auch an diese halten; denn das Um und Auf der Radierung ist ja immer dasselbe und mit ein paar Worten abgetan; die Methode aber, mit der dem Schüler die Wege zu weisen sind, ist es, die das Vertrauensamt hat, den Anfänger und sein Lernen zu leiten, auf daß Fortschritt und nicht Verwirrung seinen Weg bezeichne.

Dieser Gewissensaufgabe mich zu unterziehen ist mir umso lieber, da ich gewiß zu sein glaube, mit dieser meiner bescheidenen Arbeit einer Kunstweise, welche zu den edelsten, ausdrucksfähigsten unter den graphischen gehört, neue Freunde, Pfleger und Schätzer geworben zu haben.

Ist mir dies mit meinen Zeilen zu erreichen vergönnt, dann soll es mir zu ehrender Genugtuung gereichen, mein Scherflein zur Pflege und zum Verständnis dieser edlen, echt künstlerischen Technik beigetragen zu haben.

Prag, im September 1909.

Der Verfasser.


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