VIERZEHNTER THEILBUCH DER ABZEICHEN

»Da lassen ihn denn, ihr Mönche, die höllischen Wächter in die Erzhölle werfen. Die Erzhölle aber, ihr Mönche, hat vier Winkel und vier Thore, genau nach den Seiten vertheilt, ist mit eisernem Walle umschlossen, mit Eisen überwölbt. Ihr Boden, aus Eisen bestanden, von glühender Röthe durchdrungen, erstreckt sich rings umher dreihundert Meilen weit überall hin. In dieser Erzhölle aber, ihr Mönche, steigt von der östlichen Wand eine Stichflamme auf und stößt bis an die westliche Wand, steigt von der westlichen Wand eine Stichflamme auf und stößt bis an die östliche Wand, steigt von der nördlichen Wand eine Stichflamme auf und stößt bis an die südliche Wand, steigt von der südlichen Wand eine Stichflamme auf und stößt bis an die nördliche Wand, steigt von unten eine Stichflamme auf und stößt bis oben empor, steigt von oben eine Stichflamme auf und stößt bis unten herab. So hat er da schmerzliche, brennende, stechende Gefühle zu empfinden,{318}und nicht eher kann er sterben, bis nicht sein böses Werk erschöpft ist.

»Es kommt wohl, ihr Mönche, dann und wann einmal, im Verlaufe langer Zeiten vor, dass sich das östliche Thor der Erzhölle aufthut. Da sucht er in eiliger Hast zu entfliehen: und wie er in eiliger Hast zu entfliehen sucht, wird ihm das Antlitz verzehrt und die Haut verzehrt und das Fleisch verzehrt und das Gerippe verzehrt und die Knochen gehn in Qualm auf, und emporgestiegen ist er wiederum der selbe geworden; und hat er es nun, ihr Mönche, oftmals erprobt, dann schließt sich das Thorwieder zu. So hat er da schmerzliche, brennende, stechende Gefühle zu empfinden, und nicht eher kann er sterben, bis nicht sein böses Werk erschöpft ist.

»Es kommt wohl, ihr Mönche, dann und wann einmal, im Verlaufe langer Zeiten vor, dass sich das westliche Thor, das nördliche Thor, das südliche Thor der Erzhölle aufthut. Da sucht er in eiliger Hast zu entfliehen: und wie er in eiliger Hast zu entfliehen sucht, wird ihm das Antlitz verzehrt und die Haut verzehrt und das Fleisch verzehrt und das Gerippe verzehrt und die Knochen gehn in Qualm auf, und emporgestiegen ist er wiederum der selbe geworden; und hat er es nun, ihr Mönche, oftmals erprobt, dann schließt sich das Thor wieder zu. So hat er da schmerzliche, brennende, stechende Gefühle zu empfinden, und nicht eher kann er sterben, bis nicht sein böses Werk erschöpft ist.[166]

»Es kommt wohl, ihr Mönche, dann und wann einmal, im Verlaufe langer Zeiten vor, dass sich das östliche Thor der Erzhölle aufthut. Da sucht er in eiliger Hast zu entfliehen: und wie er in eiliger Hast zu entfliehen sucht, wird ihm das Antlitz verzehrt und die Haut verzehrt und das Fleisch verzehrt und das Gerippe verzehrt und die Knochen gehen in Qualm auf, und emporgestiegen ist er wiederum derselbe geworden, und er flüchtet sich durch das Thor hinaus. Dieser Erzhölle aber, ihr Mönche, ist rings herum sogleich die große Dreckhölle angeschlossen: da stürzt er hinein.[167]In der großen Dreckhölle nun, ihr Mönche, giebt es nadelmäulige Maden, die bohren sich in die Haut ein, und haben sie die Haut durchbohrt so bohren sie sich in das Fett ein, und haben sie das Fett durchbohrt so bohren sie sich in dasFleisch ein, und haben sie das Fleisch durchbohrt so bohren sie sich in die Sehnen ein, und haben sie die Sehnen durchbohrt so bohren sie sich in die Knochen ein, und haben sie die Knochen durchbohrt so fressen sie das Knochenmark auf.[168]So hat er da schmerzliche,{319}brennende, stechende Gefühle zu empfinden, und nicht eher kann er sterben, bis nicht sein böses Werk erschöpft ist.

»Dieser Dreckhölle aber, ihr Mönche, ist rings herum sogleich die große Hundehölle[169]angeschlossen: da stürzt er hinein. So hat er da schmerzliche, brennende, stechende Gefühle zu empfinden, und nicht eher kann er sterben, bis nicht sein böses Werk erschöpft ist.

»Dieser Hundehölle aber, ihr Mönche, ist rings herum sogleich der große Dornenwald angeschlossen, drei Meilen hoch gewachsen, mit sechzehnzölligen Saamenstacheln besät, feurig, flammend, flackernd: den muss er da bald emporklettern, bald herabklettern. So hat er da schmerzliche, brennende, stechende Gefühle zu empfinden, und nicht eher kann er sterben, bis nicht sein böses Werk erschöpft ist.

»Diesem Dornenwalde aber, ihr Mönche, ist rings herum sogleich der große Wald der Schwerdtblätter angeschlossen: da geräth er hinein. Da wird ihm von den sturmgeschwungenen Blättern die Hand abgehauen, der Fuß abgehauen, Hand und Fuß abgehauen, das Ohr abgehauen, die Nase abgehauen, Ohr und Nase abgehauen. So hat er da schmerzliche, brennende, stechende Gefühle zu empfinden, und nicht eher kann er sterben, bis nicht sein böses Werk erschöpft ist.

»Diesem Walde der Schwerdtblätter aber, ihrMönche, ist rings herum sogleich das Gewässer der großen Laugenätze angeschlossen: da stürzt er hinein. Da wird er stromabwärts gerissen, stromaufwärts gerissen, stromabwärts, stromaufwärts gerissen.[170]So hat er da schmerzliche, brennende, stechende Gefühle zu empfinden, und nicht eher kann er sterben, bis nicht sein böses Werk erschöpft ist.

»Da lassen ihn denn, ihr Mönche, die höllischen Wächter mit einem Angel herausfischen und an das Ufer werfen und reden also zu ihm: ›Lieber Mann, was willst du?‹ Er aber sagt: ›Mich hungert, o Herr!‹ Da lassen ihm denn, ihr Mönche, die höllischen Wächter mit eisernem Haken den Mund aufsperren,{320}mit feurigem, flammendem, flackerndem, und eine glühende Eisenkugel durch den Mund hinabschlingen, eine feurige, flammende, flackernde.[171]Da werden ihm alsbald die Lippen verzehrt, der Rachen verzehrt, die Kehle verzehrt, der Magen verzehrt, und Gedärm und Eingeweide mitreißend kehrt sie aus dem After hervor. So hat er da schmerzliche, brennende, stechende Gefühle zu empfinden, und nicht eher kann er sterben, bis nicht sein böses Werk erschöpft ist.

»Da fragen ihn denn, ihr Mönche, die höllischen Wächter: ›Lieber Mann, was willst du?‹ Er aber sagt: ›Mich dürstet, o Herr!‹ Da lassen ihm denn, ihr Mönche, die höllischen Wächter mit eisernem Haken den Mund aufsperren, mit feurigem, flammendem, flackerndem, und flüssiges Kupfer durch den Mund hinabgießen, feuriges, flammendes, flackerndes. Da werden ihm alsbald die Lippen verzehrt, der Rachen verzehrt, die Kehle verzehrt, der Magen verzehrt, und Gedärm und Eingeweidemitreißend kehrt es aus dem After hervor. So hat er da schmerzliche, brennende, stechende Gefühle zu empfinden, und nicht eher kann er sterben, bis nicht sein böses Werk erschöpft ist.

»Da lassen ihn denn, ihr Mönche, die höllischen Wächter wiederum in die Erzhölle hinabwerfen.

»Vor Zeiten einmal, ihr Mönche, hat der Richter der Schatten innig erwogen: ›Wer da wahrlich Uebelthaten in der Welt verübt, wird mit solchen manigfachen Strafen gestraft. O dass ich doch Menschenthum erreichte, und ein Vollendeter in der Welt erschiene, ein Heiliger, vollkommen Erwachter, und ich um Ihn, den Erhabenen, sein könnte: und dass Er, der Erhabene, mir die Satzung darlegte, und ich seine, des Erhabenen, Satzung verstände!‹ — Das aber sag’ ich, ihr Mönche, und hab’ es{321}nicht etwa von irgend einem Asketen oder Priester reden hören: sondern was ich eben selbst erkannt, selbst gesehn, selbst gefunden habe, das nur sage ich.«

Also sprach der Erhabene. Als der Willkommene das gesagt hatte, sprach fernerhin also der Meister:

»Wer Götterboten nicht vernimmt,Als Mensch die Mahnung nicht gewahrt,in langen Kummer kehrt er einUnd leibt und lebt in arger Noth.»Doch wer die Götterboten hierBeherzigt hat als guter Mensch,Der Edle, der die Mahnung merkt,Der ächten Kunde nie vergisst,»Anhangen hat als arg erkannt,Geburten schaffend und den Tod:Anhangen lässt er, ist erlöst,Geburt erschöpfend und den Tod.»Gewiss geworden, sälig so,Im Leben schon verglommen bald,Entgangen gänzlich banger Furcht,Entfahren ist er allem Weh.«[172]

»Wer Götterboten nicht vernimmt,Als Mensch die Mahnung nicht gewahrt,in langen Kummer kehrt er einUnd leibt und lebt in arger Noth.»Doch wer die Götterboten hierBeherzigt hat als guter Mensch,Der Edle, der die Mahnung merkt,Der ächten Kunde nie vergisst,»Anhangen hat als arg erkannt,Geburten schaffend und den Tod:Anhangen lässt er, ist erlöst,Geburt erschöpfend und den Tod.»Gewiss geworden, sälig so,Im Leben schon verglommen bald,Entgangen gänzlich banger Furcht,Entfahren ist er allem Weh.«[172]

»Wer Götterboten nicht vernimmt,Als Mensch die Mahnung nicht gewahrt,in langen Kummer kehrt er einUnd leibt und lebt in arger Noth.

»Wer Götterboten nicht vernimmt,

Als Mensch die Mahnung nicht gewahrt,

in langen Kummer kehrt er ein

Und leibt und lebt in arger Noth.

»Doch wer die Götterboten hierBeherzigt hat als guter Mensch,Der Edle, der die Mahnung merkt,Der ächten Kunde nie vergisst,

»Doch wer die Götterboten hier

Beherzigt hat als guter Mensch,

Der Edle, der die Mahnung merkt,

Der ächten Kunde nie vergisst,

»Anhangen hat als arg erkannt,Geburten schaffend und den Tod:Anhangen lässt er, ist erlöst,Geburt erschöpfend und den Tod.

»Anhangen hat als arg erkannt,

Geburten schaffend und den Tod:

Anhangen lässt er, ist erlöst,

Geburt erschöpfend und den Tod.

»Gewiss geworden, sälig so,Im Leben schon verglommen bald,Entgangen gänzlich banger Furcht,Entfahren ist er allem Weh.«[172]

»Gewiss geworden, sälig so,

Im Leben schon verglommen bald,

Entgangen gänzlich banger Furcht,

Entfahren ist er allem Weh.«[172]

131.

Vierzehnter Theil

Erste Rede

{322}Das hab’ ich gehört. Zu einer Zeit weilte der Erhabene bei Sāvatthī, im Siegerwalde, im Garten Anāthapiṇḍikos. Dort nun wandte sich der Erhabene an die Mönche: »Ihr Mönche!« — »Erlauchter!« antworteten da jene Mönche dem Erhabenen aufmerksam. Der Erhabene sprach also:

»Vom Glücksäligeinsamen will ich euch Mönchen Stämpel und Abzeichen weisen: das höret und achtet wohl auf meine Rede.«

»Ja, o Herr!« antworteten da jene Mönche dem Erhabenen aufmerksam. Der Erhabene sprach also:

»Kein Sehnen nach vergangner Zeit,Kein Hoffen auf die Zukunft hin;Ist abgethan was vorher warUnd was noch künftig kommen wird,»Und hat man immer Ding um DingGewärtig in der Gegenwart:Was keiner rauben, rütteln kann,Durchbohrend finden mag man das.[173]»Noch heute gilt der heiße Kampf:Ob morgen todt, wer weiß es wohl?Es muss die Schlacht geschlagen sein,Mit seiner Heerschaar Er, der Mord.»Wer also ausharrt unverzagtUnd unermüdlich Tag und Nacht,Glücksäligeinsam ist er da,Der stille Denker, wie man sagt.

»Kein Sehnen nach vergangner Zeit,Kein Hoffen auf die Zukunft hin;Ist abgethan was vorher warUnd was noch künftig kommen wird,»Und hat man immer Ding um DingGewärtig in der Gegenwart:Was keiner rauben, rütteln kann,Durchbohrend finden mag man das.[173]»Noch heute gilt der heiße Kampf:Ob morgen todt, wer weiß es wohl?Es muss die Schlacht geschlagen sein,Mit seiner Heerschaar Er, der Mord.»Wer also ausharrt unverzagtUnd unermüdlich Tag und Nacht,Glücksäligeinsam ist er da,Der stille Denker, wie man sagt.

»Kein Sehnen nach vergangner Zeit,Kein Hoffen auf die Zukunft hin;Ist abgethan was vorher warUnd was noch künftig kommen wird,

»Kein Sehnen nach vergangner Zeit,

Kein Hoffen auf die Zukunft hin;

Ist abgethan was vorher war

Und was noch künftig kommen wird,

»Und hat man immer Ding um DingGewärtig in der Gegenwart:Was keiner rauben, rütteln kann,Durchbohrend finden mag man das.[173]

»Und hat man immer Ding um Ding

Gewärtig in der Gegenwart:

Was keiner rauben, rütteln kann,

Durchbohrend finden mag man das.[173]

»Noch heute gilt der heiße Kampf:Ob morgen todt, wer weiß es wohl?Es muss die Schlacht geschlagen sein,Mit seiner Heerschaar Er, der Mord.

»Noch heute gilt der heiße Kampf:

Ob morgen todt, wer weiß es wohl?

Es muss die Schlacht geschlagen sein,

Mit seiner Heerschaar Er, der Mord.

»Wer also ausharrt unverzagtUnd unermüdlich Tag und Nacht,Glücksäligeinsam ist er da,Der stille Denker, wie man sagt.

»Wer also ausharrt unverzagt

Und unermüdlich Tag und Nacht,

Glücksäligeinsam ist er da,

Der stille Denker, wie man sagt.

»Wie aber, ihr Mönche, sehnt man sich nach vergangener Zeit? ›Also war einst meine Form gewesen‹: daran findet man seine Befriedigung; ›Also war einst mein Gefühl gewesen‹: daran findet man seine Befriedigung; ›Also war einst meine Wahrnehmung gewesen‹: daran findet man seine Befriedigung; ›Also war einst mein Unterscheiden gewesen‹: daran findet man seine Befriedigung; ›Also war einst mein Bewusstsein gewesen‹:{323}daran findet man seine Befriedigung. Also, ihr Mönche, sehnt man sich nach vergangener Zeit.

»Wie aber, ihr Mönche, sehnt man sich nicht nach vergangener Zeit? ›Also war einst meine Form gewesen‹: daran findet man keine Befriedigung; ›Also war einst mein Gefühl gewesen‹: daran findet man keine Befriedigung; ›Also war einst meine Wahrnehmung gewesen‹: daran findet man keine Befriedigung; ›Also war einst mein Unterscheiden gewesen‹: daran findet man keine Befriedigung; ›Also war einst mein Bewusstsein gewesen‹: daran findet man keine Befriedigung. Also, ihr Mönche, sehnt man sich nicht nach vergangener Zeit.

»Wie aber, ihr Mönche, hofft man auf die Zukunft hin? ›Also will ich einst meine Form haben‹: daran findet man seine Befriedigung; ›Also will ich einst mein Gefühl haben‹: daran findet man seine Befriedigung;›Also will ich einst meine Wahrnehmung haben‹: daran findet man seine Befriedigung; ›Also will ich einst mein Unterscheiden haben‹: daran findet man seine Befriedigung; ›Also will ich einst mein Bewusstsein haben‹: daran findet man seine Befriedigung. Also, ihr Mönche, hofft man auf die Zukunft hin.

»Wie aber, ihr Mönche, hofft man nicht auf die Zukunft hin? ›Also will ich einst meine Form haben‹: daran findet man keine Befriedigung; ›Also will ich einst mein Gefühl haben‹: daran findet man keine Befriedigung; ›Also will ich einst meine Wahrnehmung haben‹: daran findet man keine Befriedigung; ›Also will ich einst mein Unterscheiden haben‹: daran findet man keine Befriedigung; ›Also will ich einst mein Bewusstsein haben‹: daran findet man keine Befriedigung. Also, ihr Mönche, hofft man nicht auf die Zukunft hin.

»Wie aber, ihr Mönche, wird man bei gegenwärtigen Dingen aus der Fassung gebracht? Da hat einer, ihr Mönche, nichts erfahren, ist ein gewöhnlicher Mensch, ohne Sinn für das Heilige, der heiligen Lehre unkundig, der heiligen Lehre unzugänglich, ohne Sinn für das Edle, der Lehre der Edlen unkundig, der Lehre der Edlen unzugänglich und betrachtet die Form als sich selbst,{324}oder sich selbst als formähnlich, oder in sich selbst die Form, oder in der Form sich selbst; er betrachtet das Gefühl, die Wahrnehmung, die Unterscheidungen, das Bewusstsein als sich selbst, oder sich selbst als diesen ähnlich, oder in sich selbst diese, oder in diesen sich selbst. Also, ihr Mönche, wird man bei gegenwärtigen Dingen aus der Fassung gebracht.

»Wie aber, ihr Mönche, wird man bei gegenwärtigenDingen nicht aus der Fassung gebracht? Da hat einer, ihr Mönche, als erfahrener heiliger Jünger das Heilige gemerkt, ist der heiligen Lehre kundig, der heiligen Lehre wohlzugänglich, hat das Edle gemerkt, ist der Lehre der Edlen kundig, der Lehre der Edlen wohlzugänglich und betrachtet die Form nicht als sich selbst, noch sich selbst als formähnlich, noch in sich selbst die Form, noch in der Form sich selbst; er betrachtet das Gefühl, die Wahrnehmung, die Unterscheidungen, das Bewusstsein nicht als sich selbst, noch sich selbst als diesen ähnlich, noch in sich selbst diese, noch in diesen sich selbst. Also, ihr Mönche, wird man bei gegenwärtigen Dingen nicht aus der Fassung gebracht.

»Kein Sehnen nach vergangner Zeit,Kein Hoffen auf die Zukunft hin;Ist abgethan was vorher warUnd was noch künftig kommen wird,»Und hat man immer Ding um DingGewärtig in der Gegenwart:Was keiner rauben, rütteln kann,Durchbohrend finden mag man das.»Noch heute gilt der heiße Kampf:Ob morgen todt, wer weiß es wohl?Es muss die Schlacht geschlagen sein,Mit seiner Heerschaar Er, der Mord.»Wer also ausharrt unverzagtUnd unermüdlich Tag und Nacht,Glücksäligeinsam ist er da,Der stille Denker, wie man sagt.

»Kein Sehnen nach vergangner Zeit,Kein Hoffen auf die Zukunft hin;Ist abgethan was vorher warUnd was noch künftig kommen wird,»Und hat man immer Ding um DingGewärtig in der Gegenwart:Was keiner rauben, rütteln kann,Durchbohrend finden mag man das.»Noch heute gilt der heiße Kampf:Ob morgen todt, wer weiß es wohl?Es muss die Schlacht geschlagen sein,Mit seiner Heerschaar Er, der Mord.»Wer also ausharrt unverzagtUnd unermüdlich Tag und Nacht,Glücksäligeinsam ist er da,Der stille Denker, wie man sagt.

»Kein Sehnen nach vergangner Zeit,Kein Hoffen auf die Zukunft hin;Ist abgethan was vorher warUnd was noch künftig kommen wird,

»Kein Sehnen nach vergangner Zeit,

Kein Hoffen auf die Zukunft hin;

Ist abgethan was vorher war

Und was noch künftig kommen wird,

»Und hat man immer Ding um DingGewärtig in der Gegenwart:Was keiner rauben, rütteln kann,Durchbohrend finden mag man das.

»Und hat man immer Ding um Ding

Gewärtig in der Gegenwart:

Was keiner rauben, rütteln kann,

Durchbohrend finden mag man das.

»Noch heute gilt der heiße Kampf:Ob morgen todt, wer weiß es wohl?Es muss die Schlacht geschlagen sein,Mit seiner Heerschaar Er, der Mord.

»Noch heute gilt der heiße Kampf:

Ob morgen todt, wer weiß es wohl?

Es muss die Schlacht geschlagen sein,

Mit seiner Heerschaar Er, der Mord.

»Wer also ausharrt unverzagtUnd unermüdlich Tag und Nacht,Glücksäligeinsam ist er da,Der stille Denker, wie man sagt.

»Wer also ausharrt unverzagt

Und unermüdlich Tag und Nacht,

Glücksäligeinsam ist er da,

Der stille Denker, wie man sagt.

»‚Vom Glücksäligeinsamen will ich euch Mönchen Stämpel und Abzeichen weisen‘: wurde das gesagt, so war es darum gesagt.«

Also sprach der Erhabene. Zufrieden freuten sich jene Mönche über das Wort des Erhabenen.

132.

Vierzehnter Theil

Zweite Rede

Das hab’ ich gehört. Zu einer Zeit weilte der Erhabene bei Sāvatthī, im Siegerwalde, im Garten Anāthapiṇḍikos.

Um diese Zeit nun war der ehrwürdige Ānando in der Halle des Vorhauses mit den Mönchen in lehrreichem Gespräche beisammen, ermunterte und ermuthigte, erregte und erheiterte sie, sprach von Stämpel und Abzeichen des Glücksäligeinsamen.

Da nun begab sich der Erhabene gegen Abend, nach Aufhebung der Gedenkensruhe, zur Halle heran des Vorhauses und nahm, dort angelangt, auf dem angebotenen Sitze Platz. Als nun der Erhabene da Platz genommen, wandte er sich also an die Mönche:

»Wer hat wohl, ihr Mönche, in der Halle des Vorhauses die Mönche in lehrreichem Gespräche ermuntert und ermuthigt, erregt und erheitert, von des Glücksäligeinsamen Stämpel und Abzeichen gesprochen?«

»Der ehrwürdige Ānando, o Herr, hat in der Halle des Vorhauses die Mönche in lehrreichem Gespräche ermuntert und ermuthigt, erregt und erheitert, von des Glücksäligeinsamen Stämpel und Abzeichen gesprochen.«

Und der Erhabene wandte sich an den ehrwürdigen Ānando:

»Auf welche Weise aber hast du, Ānando, die Mönche in lehrreichem Gespräche ermuntert und ermuthigt, erregt und erheitert, von des Glücksäligeinsamen{326}Stämpel und Abzeichen gesprochen?«

»Also hab’ ich, o Herr, die Mönche in lehrreichem Gespräche ermuntert und ermuthigt, erregt und erheitert, von des Glücksäligeinsamen Stämpel und Abzeichen gesprochen:

»‚Kein Sehnen nach vergangner Zeit,Kein Hoffen auf die Zukunft hin;Ist abgethan was vorher warUnd was noch künftig kommen wird,»‚Und hat man immer Ding um DingGewärtig in der Gegenwart:Was keiner rauben, rütteln kann,Durchbohrend finden mag man das.»‚Noch heute gilt der heiße Kampf:Ob morgen todt, wer weiß es wohl?Es muss die Schlacht geschlagen sein,Mit seiner Heerschaar Er, der Mord.»‚Wer also ausharrt unverzagtUnd unermüdlich Tag und Nacht,Glücksäligeinsam ist er da,Der stille Denker, wie man sagt.

»‚Kein Sehnen nach vergangner Zeit,Kein Hoffen auf die Zukunft hin;Ist abgethan was vorher warUnd was noch künftig kommen wird,»‚Und hat man immer Ding um DingGewärtig in der Gegenwart:Was keiner rauben, rütteln kann,Durchbohrend finden mag man das.»‚Noch heute gilt der heiße Kampf:Ob morgen todt, wer weiß es wohl?Es muss die Schlacht geschlagen sein,Mit seiner Heerschaar Er, der Mord.»‚Wer also ausharrt unverzagtUnd unermüdlich Tag und Nacht,Glücksäligeinsam ist er da,Der stille Denker, wie man sagt.

»‚Kein Sehnen nach vergangner Zeit,Kein Hoffen auf die Zukunft hin;Ist abgethan was vorher warUnd was noch künftig kommen wird,

»‚Kein Sehnen nach vergangner Zeit,

Kein Hoffen auf die Zukunft hin;

Ist abgethan was vorher war

Und was noch künftig kommen wird,

»‚Und hat man immer Ding um DingGewärtig in der Gegenwart:Was keiner rauben, rütteln kann,Durchbohrend finden mag man das.

»‚Und hat man immer Ding um Ding

Gewärtig in der Gegenwart:

Was keiner rauben, rütteln kann,

Durchbohrend finden mag man das.

»‚Noch heute gilt der heiße Kampf:Ob morgen todt, wer weiß es wohl?Es muss die Schlacht geschlagen sein,Mit seiner Heerschaar Er, der Mord.

»‚Noch heute gilt der heiße Kampf:

Ob morgen todt, wer weiß es wohl?

Es muss die Schlacht geschlagen sein,

Mit seiner Heerschaar Er, der Mord.

»‚Wer also ausharrt unverzagtUnd unermüdlich Tag und Nacht,Glücksäligeinsam ist er da,Der stille Denker, wie man sagt.

»‚Wer also ausharrt unverzagt

Und unermüdlich Tag und Nacht,

Glücksäligeinsam ist er da,

Der stille Denker, wie man sagt.

»‚Wie aber, ihr Brüder, sehnt man sich nach vergangener Zeit? ›Also war einst meine Form gewesen‹: daran findet man seine Befriedigung; ›Also war einst mein Gefühl gewesen‹: daran findet man seine Befriedigung; ›Also war einst meine Wahrnehmung gewesen‹: daran findet man seine Befriedigung; ›Also war einst mein Unterscheiden gewesen‹: daran findet man seine Befriedigung; ›Also war einst mein Bewusstsein gewesen‹: daran findet man seine Befriedigung. Also, ihr Brüder, sehnt man sich nach vergangener Zeit.

»‚Wie aber, ihr Brüder, sehnt man sich nicht nach vergangener Zeit? ›Also war einst meine Form gewesen‹: daran findet man keine Befriedigung; ›Also war einst mein Gefühl gewesen‹: daran findet man keine Befriedigung; ›Also war einst meine Wahrnehmung gewesen‹: daran findet man keine Befriedigung; ›Also war einst mein Unterscheiden gewesen‹:{327}daran findet man keine Befriedigung; ›Also war einst mein Bewusstsein gewesen‹: daran findet man keine Befriedigung. Also, ihr Brüder, sehnt man sich nicht nach vergangener Zeit.

»‚Wie aber, ihr Brüder, hofft man auf die Zukunft hin? ›Also will ich einst meine Form haben‹: daran findet man seine Befriedigung; ›Also will ich einst mein Gefühl haben‹: daran findet man seine Befriedigung; ›Also will ich einst meine Wahrnehmung haben‹: daran findet man seine Befriedigung; ›Also will ich einst mein Unterscheiden haben‹: daran findet man seine Befriedigung; ›Also will ich einst mein Bewusstsein haben‹: daran findet man seine Befriedigung. Also, ihr Brüder, hofft man auf die Zukunft hin.

»‚Wie aber, ihr Brüder, hofft man nicht auf die Zukunfthin? ›Also will ich einst meine Form haben‹: daran findet man keine Befriedigung; ›Also will ich einst mein Gefühl haben‹: daran findet man keine Befriedigung; ›Also will ich einst meine Wahrnehmung haben‹: daran findet man keine Befriedigung; ›Also will ich einst mein Unterscheiden haben‹: daran findet man keine Befriedigung; ›Also will ich einst mein Bewusstsein haben‹: daran findet man keine Befriedigung. Also, ihr Brüder, hofft man nicht auf die Zukunft hin.

»‚Wie aber, ihr Brüder, wird man bei gegenwärtigen Dingen aus der Fassung gebracht? Da hat einer, ihr Brüder, nichts erfahren, ist ein gewöhnlicher Mensch, ohne Sinn für das Heilige, der heiligen Lehre unkundig, der heiligen Lehre unzugänglich, ohne Sinn für das Edle, der Lehre der Edlen unkundig, der Lehre der Edlen unzugänglich und betrachtet die Form als sich selbst, oder sich selbst als formähnlich, oder in sich selbst die Form, oder in der Form sich selbst; er betrachtet das Gefühl, die Wahrnehmung, die Unterscheidungen, das Bewusstsein als sich selbst, oder sich selbst als diesen ähnlich, oder in sich selbst diese, oder in diesen sich selbst. Also, ihr Brüder, wird man bei gegenwärtigen Dingen aus der Fassung gebracht.

{328}»‚Wie aber, ihr Brüder, wird man bei gegenwärtigen Dingen nicht aus der Fassung gebracht? Da hat einer, ihr Brüder, als erfahrener heiliger Jünger das Heilige gemerkt, ist der heiligen Lehre kundig, der heiligen Lehre wohlzugänglich, hat das Edle gemerkt, ist der Lehre der Edlen kundig, der Lehre der Edlen wohlzugänglich und betrachtet die Form nicht als sich selbst, noch sich selbst als formähnlich, noch in sich selbst dieForm, noch in der Form sich selbst; er betrachtet das Gefühl, die Wahrnehmung, die Unterscheidungen, das Bewusstsein nicht als sich selbst, noch sich selbst als diesen ähnlich, noch in sich selbst diese, noch in diesen sich selbst. Also, ihr Brüder, wird man bei gegenwärtigen Dingen nicht aus der Fassung gebracht.

»‚Kein Sehnen nach vergangner Zeit,Kein Hoffen auf die Zukunft hin;Ist abgethan was vorher warUnd was noch künftig kommen wird,»‚Und hat man immer Ding um DingGewärtig in der Gegenwart:Was keiner rauben, rütteln kann,Durchbohrend finden mag man das.»‚Noch heute gilt der heiße Kampf:Ob morgen todt, wer weiß es wohl?Es muss die Schlacht geschlagen sein,Mit seiner Heerschaar Er, der Mord.»‚Wer also ausharrt unverzagtUnd unermüdlich Tag und Nacht,Glücksäligeinsam ist er da,Der stille Denker, wie man sagt.‘

»‚Kein Sehnen nach vergangner Zeit,Kein Hoffen auf die Zukunft hin;Ist abgethan was vorher warUnd was noch künftig kommen wird,»‚Und hat man immer Ding um DingGewärtig in der Gegenwart:Was keiner rauben, rütteln kann,Durchbohrend finden mag man das.»‚Noch heute gilt der heiße Kampf:Ob morgen todt, wer weiß es wohl?Es muss die Schlacht geschlagen sein,Mit seiner Heerschaar Er, der Mord.»‚Wer also ausharrt unverzagtUnd unermüdlich Tag und Nacht,Glücksäligeinsam ist er da,Der stille Denker, wie man sagt.‘

»‚Kein Sehnen nach vergangner Zeit,Kein Hoffen auf die Zukunft hin;Ist abgethan was vorher warUnd was noch künftig kommen wird,

»‚Kein Sehnen nach vergangner Zeit,

Kein Hoffen auf die Zukunft hin;

Ist abgethan was vorher war

Und was noch künftig kommen wird,

»‚Und hat man immer Ding um DingGewärtig in der Gegenwart:Was keiner rauben, rütteln kann,Durchbohrend finden mag man das.

»‚Und hat man immer Ding um Ding

Gewärtig in der Gegenwart:

Was keiner rauben, rütteln kann,

Durchbohrend finden mag man das.

»‚Noch heute gilt der heiße Kampf:Ob morgen todt, wer weiß es wohl?Es muss die Schlacht geschlagen sein,Mit seiner Heerschaar Er, der Mord.

»‚Noch heute gilt der heiße Kampf:

Ob morgen todt, wer weiß es wohl?

Es muss die Schlacht geschlagen sein,

Mit seiner Heerschaar Er, der Mord.

»‚Wer also ausharrt unverzagtUnd unermüdlich Tag und Nacht,Glücksäligeinsam ist er da,Der stille Denker, wie man sagt.‘

»‚Wer also ausharrt unverzagt

Und unermüdlich Tag und Nacht,

Glücksäligeinsam ist er da,

Der stille Denker, wie man sagt.‘

»Also hab’ ich, o Herr, die Mönche in lehrreichem Gespräche ermuntert und ermuthigt, erregt und erheitert, von des Glücksäligeinsamen Stämpel und Abzeichen gesprochen.«

»Gut, gut, Ānando, gut hast du, Ānando, die Mönche in lehrreichem Gespräche ermuntert und ermuthigt, erregtund erheitert, von des{329}Glücksäligeinsamen Stämpel und Abzeichen gesprochen.«

Also sprach der Erhabene. Zufrieden freute sich der ehrwürdige Ānando über das Wort des Erhabenen.

133.

Vierzehnter Theil

Dritte Rede

{330}Das hab’ ich gehört. Zu einer Zeit weilte der Erhabene bei Rājagaham, in der Aue am Tapodo.

Da verließ denn der ehrwürdige Samiddhi bei Nacht, vor Sonnenaufgang, sein Lager und schritt zum Tapodo hinab, ein Bad zu nehmen. Als er das Bad im Tapodo genommen und sich erfrischt hatte, hing er den Mantel um, nachdem er die Glieder getrocknet.

Wie nun die Dämmerung anbrach, ließ irgend eine Gottheit die ganze Fläche des Tapodo in immer hellerem Glanze erstrahlen und kam bis dorthin wo der ehrwürdige Samiddhi weilte. Dort angelangt stand sie beiseite, und beiseite stehend sprach sie den ehrwürdigen Samiddhi also an:

»Kennst du, o Mönch, des Glücksäligeinsamen Stämpel und Abzeichen?«

»Nein, o Bruder, ich kenne des Glücksäligeinsamen Stämpel und Abzeichen nicht: du aber, Bruder, kennet du des Glücksäligeinsamen Stämpel und Abzeichen?«

»Auch ich, o Mönch, kenne nicht des Glücksäligeinsamen Stämpel und Abzeichen: kennst du aber, o Mönch, den glücksäligeinsamen Sang?«

»Nein, o Bruder, ich kenne den glücksäligeinsamen Sang nicht: du aber, Bruder, kennst du den glücksäligeinsamen Sang?«

»Auch ich, o Mönch, kenne nicht den glücksäligeinsamen Sang; erforsche du, Mönch, des Glücksäligeinsamen Stämpel und Abzeichen, erfasse du, Mönch, des Glücksäligeinsamen Stämpel und Abzeichen, bewahre du, Mönch, des Glücksäligeinsamen Stämpel und Abzeichen: sinnreich ist, o Mönch, des Glücksäligeinsamen Stämpel und Abzeichen, urasketenthümlich.«

{331}Also sprach jene Gottheit. Als sie das gesagt, war sie alsbald verschwunden.

Wie es nun Tag geworden, begab sich der ehrwürdige Samiddhi dorthin wo der Erhabene weilte. Dort angelangt bot er dem Erhabenen ehrerbietigen Gruß dar und setzte sich seitwärts nieder. Seitwärts sitzend erzählte da der ehrwürdige Samiddhi dem Erhabenen Wort um Wort die ganze Begegnung, die er mit jener Gottheit gehabt hatte. Dann sprach er also:

{332}»Gut wär’ es, o Herr, wollte mir der Erhabene des Glücksäligeinsamen Stämpel und Abzeichen aufweisen.«

»Wohlan denn, Mönch, so höre und achte wohl auf meine Rede.«

»Gewiss, o Herr!« sagte da der ehrwürdige Samiddhi zum Erhabenen aufmerksam. Der Erhabene sprach also:

»Kein Sehnen nach vergangner Zeit,Kein Hoffen auf die Zukunft hin;Ist abgethan was vorher warUnd was noch künftig kommen wird,»Und hat man immer Ding um DingGewärtig in der Gegenwart:Was keiner rauben, rütteln kann,Durchbohrend finden mag man das.»Noch heute gilt der heiße Kampf:Ob morgen todt, wer weiß es wohl?Es muss die Schlacht geschlagen sein,Mit seiner Heerschaar Er, der Mord.»Wer also ausharrt unverzagtUnd unermüdlich Tag und Nacht,Glücksäligeinsam ist er da,Der stille Denker, wie man sagt.«

»Kein Sehnen nach vergangner Zeit,Kein Hoffen auf die Zukunft hin;Ist abgethan was vorher warUnd was noch künftig kommen wird,»Und hat man immer Ding um DingGewärtig in der Gegenwart:Was keiner rauben, rütteln kann,Durchbohrend finden mag man das.»Noch heute gilt der heiße Kampf:Ob morgen todt, wer weiß es wohl?Es muss die Schlacht geschlagen sein,Mit seiner Heerschaar Er, der Mord.»Wer also ausharrt unverzagtUnd unermüdlich Tag und Nacht,Glücksäligeinsam ist er da,Der stille Denker, wie man sagt.«

»Kein Sehnen nach vergangner Zeit,Kein Hoffen auf die Zukunft hin;Ist abgethan was vorher warUnd was noch künftig kommen wird,

»Kein Sehnen nach vergangner Zeit,

Kein Hoffen auf die Zukunft hin;

Ist abgethan was vorher war

Und was noch künftig kommen wird,

»Und hat man immer Ding um DingGewärtig in der Gegenwart:Was keiner rauben, rütteln kann,Durchbohrend finden mag man das.

»Und hat man immer Ding um Ding

Gewärtig in der Gegenwart:

Was keiner rauben, rütteln kann,

Durchbohrend finden mag man das.

»Noch heute gilt der heiße Kampf:Ob morgen todt, wer weiß es wohl?Es muss die Schlacht geschlagen sein,Mit seiner Heerschaar Er, der Mord.

»Noch heute gilt der heiße Kampf:

Ob morgen todt, wer weiß es wohl?

Es muss die Schlacht geschlagen sein,

Mit seiner Heerschaar Er, der Mord.

»Wer also ausharrt unverzagtUnd unermüdlich Tag und Nacht,Glücksäligeinsam ist er da,Der stille Denker, wie man sagt.«

»Wer also ausharrt unverzagt

Und unermüdlich Tag und Nacht,

Glücksäligeinsam ist er da,

Der stille Denker, wie man sagt.«

Also sprach der Erhabene. Als der Willkommene das gesagt hatte, stand er auf und zog sich in das Wohnhaus zurück.

Da gedachten denn die Mönche, bald nachdem der Erhabene fortgegangen war, unter sich: ›Diesen Stämpel, ihr Brüder, hat uns der Erhabene im Umrisse dargestellt, ohne die Abzeichen ausführlich zu erläutern, ist aufgestanden und hat sich in das Wohnhaus zurückgezogen.{333}Wer könnte nun wohl dieser kurzen Andeutung Inhalt ausführlich begründen?‹ Da sagten sich nun jene Mönche: ›Der ehrwürdige Mahākaccāno wird selbst vom Meister gepriesen, von den verständigen Ordensbrüdern aber verehrt: wohl wäre der ehrwürdige Mahākaccāno imstande, den Inhalt dieser kurzen Andeutung ausführlich zu begründen; wie, wennwir uns nun zum ehrwürdigen Mahākaccāno begeben und ihn bitten würden, uns den Inhalt darzulegen?‹ Und jene Mönche begaben sich zum ehrwürdigen Mahākaccāno, wechselten höflichen Gruß und freundliche, denkwürdige Worte mit ihm und setzten sich seitwärts nieder. Seitwärts sitzend sprachen nun jene Mönche zum ehrwürdigen Mahākaccāno also:

»Diesen Stämpel, Bruder Kaccāno, hat uns der Erhabene im Umrisse dargestellt, ohne die Abzeichen ausführlich zu erläutern, ist aufgestanden und hat sich in das Wohnhaus zurückgezogen. Da kam uns, Bruder Kaccāno, bald nachdem der Erhabene fortgegangen war, der Gedanke:{334}›Diesen Stämpel, ihr Brüder, hat uns der Erhabene im Umrisse dargestellt, ohne die Abzeichen ausführlich zu erläutern, ist aufgestanden und hat sich in das Wohnhaus zurückgezogen. Wer könnte nun wohl dieser kurzen Andeutung Inhalt ausführlich begründen?‹ Da sagten wir uns, Bruder Kaccāno: ›Der ehrwürdige Mahākaccāno wird selbst vom Meister gepriesen, von den verständigen Ordensbrüdern aber verehrt: wohl wäre der ehrwürdige Mahākaccāno imstande, den Inhalt dieser kurzen Andeutung ausführlich zu begründen; wie, wenn wir uns nun zum ehrwürdigen Mahākaccāno begeben und ihn bitten würden, uns den Inhalt darzulegen?‹ Mög’ es der ehrwürdige Mahākaccāno thun!«

»Gleichwie etwa, Brüder, wenn ein Mann, der Kernholz begehrt, Kernholz sucht, auf Kernholz ausgeht, über Wurzel und Stamm eines großen kernig dastehenden Baumes hinaufkletterte und im Laubgezweige Kernholz finden wollte: so ergeht es nun hier euch Ehrwürdigen, die ihr vor dem Meister gewesen seid, den Herrn übergangenhabt und von mir die Lösung der Frage erwartet. Doch der Erhabene, ihr Brüder, ist der kennende Kenner und der sehende Seher, der Auggewordene, Erkenntnissgewordene, Wahrheitgewordene, Heiligkeitgewordene, der Künder und Verkünder, der Eröffner des Inhalts, der Spender der Unsterblichkeit, der Herr der Wahrheit, der Vollendete. Und es war ja wohl noch an der Zeit gewesen, dass ihr den Erhabenen selbst befragen und{335}diesen Gegenstand der Erklärung des Erhabenen gemäß bewahren konntet.«

»Freilich, Bruder Kaccāno, ist der Erhabene der kennende Kenner und der sehende Seher, der Auggewordene, Erkenntnissgewordene, Wahrheitgewordene, Heiligkeitgewordene, der Künder und Verkünder, der Eröffner des Inhalts, der Spender der Unsterblichkeit, der Herr der Wahrheit, der Vollendete. Und es war ja wohl noch an der Zeit gewesen, dass wir den Erhabenen selbst befragen und diesen Gegenstand der Erklärung des Erhabenen gemäß bewahren konnten. Aber der ehrwürdige Mahākaccāno wird ja selbst vom Meister gepriesen und von den verständigen Ordensbrüdern verehrt: wohl wäre der ehrwürdige Mahākaccāno imstande, den Inhalt jener vom Erhabenen kurz gegebenen Andeutung ausführlich darzulegen. Mög’ es der ehrwürdige Mahākaccāno thun und es nicht übel nehmen!«

»Wohlan denn, ihr Brüder, so höret und achtet wohl auf meine Rede.«

»Gewiss, o Bruder!« antworteten da aufmerksam jene Mönche dem ehrwürdigen Mahākaccāno. Der ehrwürdige Mahākaccāno sprach also:

»Den Stämpel, ihr Brüder, den uns der Erhabene imUmrisse dargestellt hat, ohne die Abzeichen ausführlich zu erläutern: diese kurze Andeutung, ihr Brüder, stelle ich ihrem Inhalt gemäß in folgender Weise ausführlich dar. — Wie also, ihr Brüder, sehnt man sich nach vergangener Zeit? ›So war einst mein Gesicht gewesen, so die Formen‹: so wird das Bewusstsein mit Willensbegier daran gefesselt; und weil das Bewusstsein mit Willensbegier gefesselt ist, hat man daran Befriedigung; und weil man daran Befriedigung hat, sehnt man sich nach vergangener Zeit. ›So war einst mein Gehör gewesen, so die Töne‹,{336}›So war einst mein Geruch gewesen, so die Düfte‹, ›So war einst mein Geschmack gewesen, so die Säfte‹, ›So war einst mein Getast gewesen, so die Tastungen‹, ›So war einst mein Gedenken gewesen, so die Dinge‹: so wird das Bewusstsein mit Willensbegier daran gefesselt; und weil das Bewusstsein mit Willensbegier gefesselt ist, hat man daran Befriedigung; und weil man daran Befriedigung hat, sehnt man sich nach vergangener Zeit. Also, ihr Brüder, sehnt man sich nach vergangener Zeit.

»Wie aber, ihr Brüder, sehnt man sich nicht nach vergangener Zeit? ›So war einst mein Gesicht gewesen, so die Formen‹: so wird das Bewusstsein nicht mit Willensbegier daran gefesselt; und weil das Bewusstsein nicht mit Willensbegier gefesselt ist, hat man keine Befriedigung daran; und weil man keine Befriedigung daran hat, sehnt man sich nicht nach vergangener Zeit. ›So war einst mein Gehör gewesen, so die Töne‹, ›So war einst mein Geruch gewesen, so die Düfte‹, ›So war einst mein Geschmack gewesen, so die Säfte‹, ›So war einst mein Getast gewesen, so die Tastungen‹, ›So wareinst mein Gedenken gewesen, so die Dinge‹: so wird das Bewusstsein nicht mit Willensbegier daran gefesselt; und weil das Bewusstsein nicht mit Willensbegier gefesselt ist, hat man keine Befriedigung daran; und weil man keine Befriedigung daran hat, sehnt man sich nicht nach vergangener Zeit. Also, ihr Brüder, sehnt man sich nicht nach vergangener Zeit.

»Wie aber, ihr Brüder, hofft man auf die Zukunft hin? ›So will ich einst mein Gesicht haben, so die Formen‹: so hat man das Herz auf die Erlangung des Unerlangten gerichtet; und weil das Herz darauf gerichtet ist, hat man daran Befriedigung; und weil man daran Befriedigung hat, hofft man auf die Zukunft hin. ›So will ich einst mein Gehör haben, so die Töne‹, ›So will ich einst meinen Geruch haben, so die Düfte‹, ›So will ich einst meinen Geschmack haben, so die Säfte‹,{337}›So will ich einst mein Getast haben, so die Tastungen‹, ›So will ich einst mein Gedenken haben, so die Dinge‹: so hat man das Herz auf die Erlangung des Unerlangten gerichtet; und weil das Herz darauf gerichtet ist, hat man daran Befriedigung; und weil man daran Befriedigung hat, hofft man auf die Zukunft hin. Also, ihr Brüder, hofft man auf die Zukunft hin.

»Wie aber, ihr Brüder, hofft man nicht auf die Zukunft hin? ›So will ich einst mein Gesicht haben, so die Formen‹: so hat man das Herz nicht auf die Erlangung des Unerlangten gerichtet; und weil das Herz nicht darauf gerichtet ist, hat man keine Befriedigung daran; und weil man keine Befriedigung daran hat, hofft man nicht auf die Zukunft hin. ›So will ich einst mein Gehör haben, so die Töne‹, ›So will ich einst meinen Geruchhaben, so die Düfte‹, ›So will ich einst meinen Geschmack haben, so die Säfte‹, ›So will ich einst mein Getast haben, so die Tastungen‹, ›So will ich einst mein Gedenken haben, so die Dinge‹: so hat man das Herz nicht auf die Erlangung des Unerlangten gerichtet; und weil das Herz nicht darauf gerichtet ist, hat man keine Befriedigung daran; und weil man keine Befriedigung daran hat, hofft man nicht auf die Zukunft hin. Also, ihr Brüder, hofft man nicht auf die Zukunft hin.

»Wie aber, ihr Brüder, wird man bei gegenwärtigen Dingen aus der Fassung gebracht? Gesicht, ihr Brüder, und Formen: beides ist gegenwärtig; weil es aber gegenwärtig ist, wird das Bewusstsein mit Willensbegier daran gefesselt; und weil das Bewusstsein mit Willensbegier gefesselt ist, hat man daran Befriedigung; und weil man daran Befriedigung hat, wird man bei gegenwärtigen Dingen aus der Fassung gebracht. Gehör, ihr Brüder, und Töne, Geruch, ihr Brüder, und Düfte, Geschmack, ihr Brüder, und Säfte, Getast, ihr Brüder, und Tastungen,{338}Gedenken, ihr Brüder, und Dinge: beides ist gegenwärtig; weil es aber gegenwärtig ist, wird das Bewusstsein mit Willensbegier daran gefesselt; und weil das Bewusstsein mit Willensbegier gefesselt ist, hat man daran Befriedigung; und weil man daran Befriedigung hat, wird man bei gegenwärtigen Dingen aus der Fassung gebracht. Also, ihr Brüder, wird man bei gegenwärtigen Dingen aus der Fassung gebracht.

»Wie aber, ihr Brüder, wird man bei gegenwärtigen Dingen nicht aus der Fassung gebracht? Gesicht, ihr Brüder, und Formen: beides ist gegenwärtig; weil es aber gegenwärtig ist, wird das Bewusstsein nicht mitWillensbegier daran gefesselt; und weil das Bewusstsein nicht mit Willensbegier gefesselt ist, hat man keine Befriedigung daran; und weil man keine Befriedigung daran hat, wird man bei gegenwärtigen Dingen nicht aus der Fassung gebracht. Gehör, ihr Brüder, und Töne, Geruch, ihr Brüder, und Düfte, Geschmack, ihr Brüder, und Säfte, Getast, ihr Brüder, und Tastungen, Gedenken, ihr Brüder, und Dinge: beides ist gegenwärtig; weil es aber gegenwärtig ist, wird das Bewusstsein nicht mit Willensbegier daran gefesselt; und weil das Bewusstsein nicht mit Willensbegier gefesselt ist, hat man keine Befriedigung daran; und weil man keine Befriedigung daran hat, wird man bei gegenwärtigen Dingen nicht aus der Fassung gebracht. Also, ihr Brüder, wird man bei gegenwärtigen Dingen nicht aus der Fassung gebracht.

»Das, ihr Brüder, betrachte ich als den ausführlich dargelegten Inhalt jener Andeutung, die uns der Erhabene in kurzer Fassung gegeben hat. Wenn es euch Ehrwürdigen nun recht ist,{339}so gehet hin und befragt den Erhabenen selbst hierüber: wie es uns der Erhabene erklärt wollet es behalten.«

Da waren nun jene Mönche über des ehrwürdigen Mahākaccāno Rede erfreut, erhoben sich befriedigt von ihren Sitzen und begaben sich dorthin wo der Erhabene weilte, begrüßten den Erhabenen ehrerbietig und setzten sich seitwärts nieder. Seitwärts sitzend berichteten da jene Mönche dem Erhabenen Wort um Wort die ganze Begegnung,{340}die sie mit dem ehrwürdigen Mahākaccāno gehabt hatten: »Da hat uns, o Herr, der ehrwürdige Mahākaccāno auf solche Weise, in solcher Art, mit solchen Bestimmungen den Inhalt dargestellt.«

»Weise, ihr Mönche, ist Mahākaccāno, wissensmächtig, ihr Mönche, ist Mahākaccāno. Wolltet ihr mich, ihr Mönche, um Aufklärung angehn, ich würde den Gegenstand genau so erläutern, wie ihn Mahākaccāno erläutert hat: denn eben das ist der Inhalt, und den sollt ihr derart bewahren.«

Also sprach der Erhabene. Zufrieden freuten sich jene Mönche über das Wort des Erhabenen.

134.

Vierzehnter Theil

Vierte Rede

Das hab’ ich gehört. Zu einer Zeit weilte der Erhabene bei Sāvatthī, im Siegerwalde, im Garten Anāthapiṇḍikos.

Um diese Zeit nun weilte der ehrwürdige Lomasakaṉgiyo im Lande der Sakker, bei Kapilavatthu, im Park der Feigenbäume.

{341}Da ließ nun bei einbrechender Dämmerung Candano[174]der Göttersohn die ganze Umgegend des Feigenparkes in immer hellerem Glanze erstrahlen und kam bis dorthin wo der ehrwürdige Lomasakaṉgiyo weilte. Dort angelangt stand er beiseite, und beiseite stehend sprach er den ehrwürdigen Lomasakaṉgiyo also an:

»Kennst du, o Mönch, des Glücksäligeinsamen Stämpel und Abzeichen?«

»Nein, o Bruder, ich kenne des GlücksäligeinsamenStämpel und Abzeichen nicht: du aber, Bruder, kennst du des Glücksäligeinsamen Stämpel und Abzeichen?«

»Auch ich, o Mönch, kenne nicht des Glücksäligeinsamen Stämpel und Abzeichen: kennst du aber, o Mönch, den glücksäligeinsamen Sang?«

»Nein, o Bruder, ich kenne den glücksäligeinsamen Sang nicht: du aber, Bruder, kennst du den glücksäligeinsamen Sang?«

»Ich kenne, o Mönch, den glücksäligeinsamen Sang.«

»Woher denn aber, Bruder, kennst du den glücksäligeinsamen Sang?«

»Es war einmal, o Mönch, da weilte der Erhabene bei den Dreiunddreißig Göttern, im Schatten des himmlischen Baumes, am weißen Flockenfels. Dort nun hat der Erhabene den Dreiunddreißig Göttern des Glücksäligeinsamen Stämpel und Abzeichen aufgewiesen. Also kenne ich, o Mönch, den glücksäligeinsamen Sang.{342}Erforsche du, Mönch, des Glücksäligeinsamen Stämpel und Abzeichen, erfasse du, Mönch, des Glücksäligeinsamen Stämpel und Abzeichen, bewahre du, Mönch, des Glücksäligeinsamen Stämpel und Abzeichen: sinnreich ist, o Mönch, des Glücksäligeinsamen Stämpel und Abzeichen, urasketenthümlich.«

Also sprach Candano der Göttersohn. Als er das gesagt, war er alsbald verschwunden.

Wie es nun Tag geworden, brach der ehrwürdige Lomasakaṉgiyo sein Lager ab, nahm Mantel und Almosenschaale und begab sich auf die Wanderung nach Sāvatthī. Von Ort zu Ort weiterziehend näherte er sich der Stadt. Und er kam in den Siegerwald, in den Garten Anāthapiṇḍikos, dorthin wo der Erhabene weilte. Dortangelangt begrüßte er den Erhabenen ehrerbietig und setzte sich seitwärts nieder. Seitwärts sitzend erzählte nun der ehrwürdige Lomasakaṉgiyo dem Erhabenen Wort um Wort die ganze Begegnung, die er da vorher, im Lande der Sakker, bei Kapilavatthu, im Park der Feigenbäume, mit jenem Göttersohne gehabt hatte. Dann sprach er also:

{343}»Gut wär’ es, o Herr, wollte mir der Erhabene des Glücksäligeinsamen Stämpel und Abzeichen aufweisen.«

»Weißt du aber, Mönch, wer jener Göttersohn war?«

»Nein, o Herr, ich weiß nicht, wer jener Göttersohn war.«

»Candano geheißen, Mönch, ist jener Göttersohn. Candano, Mönch, der Göttersohn, hat achtsam, aufmerksam, mit ganzem Gemüthe hingegeben, offenen Ohres der Lehre gelauscht. Wohlan denn, Mönch, so höre und achte wohl auf meine Rede.«

{344}»Gewiss, o Herr!« sagte da aufmerksam jener Mönch zum Erhabenen. Der Erhabene sprach also:


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