»Da ist ferner, Brāhmane, einer von Zuversicht bewogen aus dem Hause in die Hauslosigkeit gewandert: ›Versunken bin ich in Geburt, in Altern und Sterben, in Wehe, Jammer und Leiden,{202}in Gram und Verzweiflung, in Leiden versunken, in Leiden verloren! O dass es doch etwa möglich wäre dieser ganzen Leidensfülle ein Ende zu machen!‹ Mit solcher Gesinnung hat er der Welt entsagt und erlangt Almosen, Ehre und Ruhm. Diese Erlangung von Almosen, Ehre und Ruhm erfreut ihn nicht, macht ihn nicht voller Willensregungen. Er brüstet sich nicht dieser Erlangung von Almosen, Ehre und Ruhm, verachtet nicht die anderen. Und jene ferneren Dinge, die höher und herrlicher sind als die Erlangung von Almosen, Ehre und Ruhm, die Verwirklichung dieser Dinge ersehnt und erkämpft er, ist nicht bequemlich, nicht schlaff. Er erkämpft sich die Ordenstugenden. Durch diese Ordenstugenden wird er erfreut, aber nicht voller Willensregungen. Er brüstet sich nicht dieser Ordenstugenden, verachtet nicht die anderen. Und jene ferneren Dinge, die höher und herrlicher sind als die Ordenstugenden, die Verwirklichung dieser Dinge ersehnt und erkämpft er, ist nicht bequemlich, nicht schlaff. Er erkämpft sich das Glück der Selbstvertiefung. Durch dieses Glück der Selbstvertiefung wird er erfreut, aber nicht voller Willensregungen. Er brüstet sich nicht dieses Glücks der Selbstvertiefung, verachtet nicht die anderen. Und jene ferneren Dinge, die höher und herrlicher sind als das Glück der Selbstvertiefung, die Verwirklichungdieser Dinge ersehnt und erkämpft er, ist nicht bequemlich, nicht schlaff. Er erkämpft sich die Wissensklarheit. Diese Wissensklarheit erfreut ihn, und er wird voller Willensregungen. Er brüstet sich dieser Wissensklarheit, verachtet die anderen: ›Ich bin klarwissend, diese anderen Mönche aber sind unwissend, unklar.‹ Jene ferneren Dinge aber, die höher und herrlicher sind als die Wissensklarheit, die Verwirklichung dieser Dinge ersehnt und erkämpft er nicht, ist bequemlich und schlaff.
»Wie jener Mann, Brāhmane, der Kernholz begehrt, Kernholz sucht, auf Kernholz ausgeht, aber gerade über das Kernholz eines großen, kernig dastehenden Baumes hinaufklettert, Grünholz absägt, mitnimmt und in dem Gedanken ›Das ist Kernholz‹ fortgeht — doch was aus dessen Kerne als Kern gewinnbar ist, das wird seinem Zwecke nicht entsprechen —: so erscheint mir, Brāhmane, ein solcher.
»Da ist ferner, Brāhmane, einer von Zuversicht bewogen aus dem Hause in die Hauslosigkeit gewandert: ›Versunken bin ich in Geburt, in Altern und Sterben, in Wehe, Jammer und Leiden, in Gram und Verzweiflung, in Leiden versunken, in Leiden verloren! O dass es doch etwa möglich wäre dieser ganzen Leidensfülle ein Ende zu machen!‹ Mit solcher Gesinnung hat er der Welt entsagt und erlangt Almosen, Ehre und Ruhm.{203}Diese Erlangung von Almosen, Ehre und Ruhm erfreut ihn nicht, macht ihn nicht voller Willensregungen. Er brüstet sich nicht dieser Erlangung von Almosen, Ehre und Ruhm, verachtet nicht die anderen. Und jene ferneren Dinge, die höher und herrlicher sind als die Erlangung von Almosen, Ehre und Ruhm, die Verwirklichung dieser Dingeersehnt und erkämpft er, ist nicht bequemlich, nicht schlaff. Er erkämpft sich die Ordenstugenden. Durch diese Ordenstugenden wird er erfreut, aber nicht voller Willensregungen. Er brüstet sich nicht dieser Ordenstugenden, verachtet nicht die anderen. Und jene ferneren Dinge, die höher und herrlicher sind als die Ordenstugenden, die Verwirklichung dieser Dinge ersehnt und erkämpft er, ist nicht bequemlich, nicht schlaff. Er erkämpft sich das Glück der Selbstvertiefung. Durch dieses Glück der Selbstvertiefung wird er erfreut, aber nicht voller Willensregungen. Er brüstet sich nicht dieses Glücks der Selbstvertiefung, verachtet nicht die anderen. Und jene ferneren Dinge, die höher und herrlicher sind als das Glück der Selbstvertiefung, die Verwirklichung dieser Dinge ersehnt und erkämpft er, ist nicht bequemlich, nicht schlaff. Er erkämpft sich die Wissensklarheit. Durch diese Wissensklarheit wird er erfreut, aber nicht voller Willensregungen. Er brüstet sich nicht dieser Wissensklarheit, verachtet nicht die anderen. Und jene ferneren Dinge, die höher und herrlicher sind als die Wissensklarheit, die Verwirklichung dieser Dinge ersehnt und erkämpft er, ist nicht bequemlich, nicht schlaff.
»Und welche Dinge, Brāhmane, sind höher und herrlicher als die Wissensklarheit?
»Da erwirkt, Brāhmane, der Mönch, gar fern von Begierden, fern von unheilsamen Dingen, in sinnend gedenkender ruhegeborener säliger Heiterkeit die Weihe der ersten Schauung.
»Das aber, Brāhmane, ist ein Ding höher und herrlicher als die Wissensklarheit.
»Weiter sodann, Brāhmane: nach Vollendung desSinnens und Gedenkens erreicht der Mönch die innere Meeresstille, die Einheit des Gemüthes, die von sinnen, von gedenken freie, in der Einigung geborene sälige Heiterkeit, die Weihe der zweiten Schauung.
»Das aber, Brāhmane, ist ein Ding höher und herrlicher als die Wissensklarheit.
»Weiter sodann, Brāhmane: in heiterer Ruhe verweilt der Mönch gleichmüthig, einsichtig, klar bewusst, ein Glück empfindet er im Körper, von dem die Heiligen sagen: ›Der gleichmüthig Einsichtige lebt beglückt‹; so erwirkt er die Weihe der dritten Schauung.
{204}»Das aber, Brāhmane, ist ein Ding höher und herrlicher als die Wissensklarheit.
»Weiter sodann, Brāhmane: nach Verwerfung der Freuden und Leiden, nach Vernichtung des einstigen Frohsinns und Trübsinns erreicht der Mönch die Weihe der leidlosen, freudlosen, gleichmüthig einsichtigen vollkommenen Reine, die vierte Schauung.
»Das aber, Brāhmane, ist ein Ding höher und herrlicher als die Wissensklarheit.
»Weiter sodann, Brāhmane: nach völliger Ueberwindung der Formwahrnehmungen, Vernichtung der Gegenwahrnehmungen, Verwerfung der Vielheitwahrnehmungen gewinnt der Mönch in dem Gedanken ›Gränzenlos ist der Raum‹ das Reich des unbegränzten Raumes.
»Das aber, Brāhmane, ist ein Ding höher und herrlicher als die Wissensklarheit.
»Weiter sodann, Brāhmane: nach völliger Ueberwindung der unbegränzten Raumsphäre gewinnt der Mönch in dem Gedanken ›Gränzenlos ist das Bewusstsein‹ das Reich des unbegränzten Bewusstseins.
»Das aber, Brāhmane, ist ein Ding höher und herrlicher als die Wissensklarheit.
»Weiter sodann, Brāhmane: nach völliger Ueberwindung der unbegränzten Bewusstseinsphäre gewinnt der Mönch in dem Gedanken ›Nichts ist da‹ das Reich des Nichtdaseins.
»Das aber, Brāhmane, ist ein Ding höher und herrlicher als die Wissensklarheit.
»Weiter sodann, Brāhmane: nach völliger Ueberwindung der Nichtdaseinsphäre erreicht der Mönch die Gränzscheide möglicher Wahrnehmung.
»Das aber, Brāhmane, ist ein Ding höher und herrlicher als die Wissensklarheit.
»Weiter sodann, Brāhmane: nach völliger Ueberwindung der Gränzscheide möglicher Wahrnehmung erreicht der Mönch die Auflösung der Wahrnehmbarkeit, und des weise Sehenden Wahn ist aufgehoben.
»Das aber, Brāhmane, ist ein Ding höher und herrlicher als die Wissensklarheit.
»Das sind die Dinge, Brāhmane, die höher und herrlicher sind als die Wissensklarheit.[25]
»Wie jener Mann, Brāhmane, der Kernholz begehrt, Kernholz sucht, auf Kernholz ausgeht und gerade das Kernholz eines großen, kernig dastehenden Baumesheraussägt, mitnimmt und in der Erkenntniss ›Das ist Kernholz‹ fortgeht — und was aus dessen Kerne als Kern gewinnbar ist, das wird seinem Zwecke entsprechen —: so erscheint mir, Brāhmane, ein solcher.
»Und so ist der Gewinn des Asketenthums, Brāhmane, nicht Almosen, Ehre und Ruhm, nicht Ordenstugend,nicht Glück der Selbstvertiefung, nicht Wissensklarheit. Jene unerschütterliche Gemütherlösung aber, Brāhmane, das ist der Zweck, dies, Brāhmane, ist das Asketenthum, das ist der Kern, das ist das Ziel.«
Nach diesen Worten sprach der Brāhmane Piṉgalakoccho zum Erhabenen also:
»Vortrefflich, o Gotamo, vortrefflich, o Gotamo! Gleichwie etwa, o Gotamo, als ob einer Umgestürztes aufstellte, oder Verdecktes enthüllte, oder Verirrten den Weg wiese, oder Licht in die Finsterniss brächte: ›Wer Augen hat wird die Dinge sehn‹: ebenso auch hat Herr Gotamo die Lehre auf manigfaltige Weise dargelegt. Und so nehm’ ich bei Herrn Gotamo Zuflucht, bei der Lehre und bei der Jüngerschaft, als Anhänger soll mich Herr Gotamo betrachten, von heute an zeitlebens getreu.«
31.
Vierter Theil
Erste Rede
Das hab’ ich gehört. Zu einer Zeit weilte der Erhabene bei Nādikā, in der Steinernen Einsiedelei. Um diese Zeit aber weilte der ehrwürdige Anuruddho, der ehrwürdige Nandiyo und der ehrwürdige Kimbilo im Forste des Gosiṉgam-Waldes. Als nun der Erhabene gegen Abend die Gedenkensruhe beendet hatte, begab er sich zum Forste des Gosiṉgam-Waldes. Da sah ein Waldhüter den Erhabenen von ferne herankommen, und als er den Erhabenen gesehn sprach er also zu ihm:
»Gehe nicht in diesen Forst, o Asket: drei edle Jünglinge weilen hier, die selbstzufrieden scheinen, störe sie nicht!«
Der ehrwürdige Anuruddho hörte aber des Waldhüters Gespräch mit dem Erhabenen, und als er es gehört sprach er also zum Waldhüter:
»Wehre nicht, Bruder Waldhüter, dem Erhabenen: unser Meister, der Erhabene ist gekommen.«
Und der ehrwürdige Anuruddho begab sich nun zum ehrwürdigen Nandiyo und zum ehrwürdigen Kimbilo und sprach hierauf also zu ihnen:
»Kommt herbei, ihr Brüder, kommt herbei, ihr Brüder: unser Meister, der Erhabene ist da.«
{206}Und der ehrwürdige Anuruddho, der ehrwürdige Nandiyo und der ehrwürdige Kimbilo gingen nun dem Erhabenen entgegen. Einer nahm dem Erhabenen Mantel und Almosenschaale ab, einer bereitete einen Sitz zurecht, einer brachte Wasser zur Fußwaschung herbei. Es setzte sich der Erhabene auf den dargebotenen Sitz, und als er saß spülte er sich die Füße ab. Jene Ehrwürdigen aber setzten sich, nach des Erhabenen Begrüßung, zur Seite nieder. Und der Erhabene wandte sich nun an den ehrwürdigen Anuruddho, der zur Seite saß, und sprach also:
»Geht es euch, Anuruddher, leidlich, kommt ihr wohl aus, ohne Mangel an Nahrung?«
»Leidlich, Erhabener, geht es uns, wohl, Erhabener, kommen wir aus, wir ermangeln, o Herr, nicht der Nahrung.«
»Vertragt ihr euch aber, Anuruddher, einig, ohne Zwist, mild geworden, und seht euch sanften Auges an?«
»Freilich, o Herr, vertragen wir uns, einig, ohne Zwist, mild geworden, und sehn uns sanften Auges an.«
»Inwiefern aber, Anuruddher, vertragt ihr euch, einig, ohne Zwist, mild geworden, und seht euch sanften Auges an?«
»Da gedenk’ ich, o Herr, also: ›Erreicht habe ich’s, wohl getroffen, fürwahr, der ich mit solchen wahren Asketen vereint lebe.‹ Und ich Glücklicher, o Herr, diene diesen Ehrwürdigen mit liebevoller That, so offen als verborgen, mit liebevollem Wort, so offen als verborgen, mit liebevoller Gesinnung, so offen als verborgen. Und also verweilend, o Herr, denke ich: ›Wenn ich nun meinen eigenen Willen aufgäbe und mich nur demWillen dieser Ehrwürdigen unterwürfe?‹ Und ich habe, o Herr, meinen eigenen Willen aufgegeben und mich dem Willen dieser Ehrwürdigen unterworfen. Verschieden, o Herr, sind zwar unsere Körper, aber ich glaube wir haben nur einen Willen.«
Und der ehrwürdige Nandiyo, und der ehrwürdige Kimbilo sprach zum Erhabenen:
»Auch ich, o Herr, gedenke also: ›Erreicht habe ich’s wohl getroffen, fürwahr, der ich mit solchen wahren Asketen vereint lebe.‹ Und ich Glücklicher, o Herr, diene diesen Ehrwürdigen mit liebevoller That, so offen als verborgen, mit liebevollem Wort, so offen als verborgen, mit liebevoller Gesinnung, so offen als verborgen. Und also verweilend, o Herr, denke ich:{207}›Wenn ich nun meinen eigenen Willen aufgäbe und mich nur dem Willen dieser Ehrwürdigen unterwürfe?‹ Und ich habe, o Herr, meinen eigenen Willen aufgegeben und mich dem Willen dieser Ehrwürdigen unterworfen. Verschieden, o Herr, sind zwar unsere Körper, aber ich glaube wir haben nur einen Willen.
»Also, o Herr, verweilen wir verträglich, einig, ohne Zwist, mild geworden, und sehn uns sanften Auges an.«
»Recht so, recht so, Anuruddher. Und verweilt ihr auch ernsten Sinnes, Anuruddher, eifrig, unermüdlich?«
»Freilich, o Herr, verweilen wir ernsten Sinnes, eifrig, unermüdlich.«
»Inwiefern aber, Anuruddher, verweilt ihr ernsten Sinnes, eifrig, unermüdlich?«
»Wer da zuerst von uns, o Herr, vom Almosengang aus dem Dorfe zurückkehrt, der bereitet die Plätze und setzt Trinkwasser, Waschwasser und den Spülnapf vor. Wer zuletzt vom Almosengang aus dem Dorfe zurückkehrt, und es ist noch Speise übrig, und er verlangt danach, so nimmt er davon; wo nicht, so wirft er sie fort, auf grasfreien Grund oder in fließendes Wasser. Dann ordnet er die Sitze, räumt Trinkwasser, Waschwasser und Spülnapf weg und fegt den Speiseplatz rein. Wer bemerkt, dass man den Trinknapf oder den Waschkrug oder den Mistkübel nicht mehr braucht, der stellt ihn gesäubert auf. Wenn er es allein nicht kann, so winkt er einen Zweiten herbei, und wir kommen und helfen, ohne dass wir, o Herr, aus solchem Grunde das Schweigen brächen. Und jeden fünften Tag, o Herr, sitzen wir die ganze Nacht hindurch in Gesprächen über die Lehre beisammen. Also, o Herr, verweilen wir ernsten Sinnes,eifrig, unermüdlich.«
»Recht so, recht so, Anuruddher. Habt ihr aber, Anuruddher, die ihr also ernsten Sinnes, eifrig, unermüdlich verweilet, ein überirdisches, reiches Heilthum errungen, sälige Ruhe?«
»Wie denn nicht, o Herr! Da verweilen wir nach Belieben, o Herr, gar fern von Begierden, fern von unheilsamen Dingen, in sinnend gedenkender ruhegeborener säliger Heiterkeit, in der Weihe der ersten Schauung. Dies, o Herr, ist von uns, den ernsten Sinnes, eifrig, unermüdlich Verweilenden, errungen worden, ein überirdisches, reiches Heilthum, sälige Ruhe.«
»Recht so, recht so, Anuruddher. Habt ihr aber, Anuruddher, nach Ersteigung und Ueberwindung dieserWarte noch ein anderes überirdisches,{208}reiches Heilthum errungen, sälige Ruhe?«
»Wie denn nicht, o Herr! Da erwirken wir nach Belieben, o Herr, nach Vollendung des Sinnens und Gedenkens die innere Meeresstille, die Einheit des Gemüthes, die von sinnen, von gedenken freie, in der Einigung geborene sälige Heiterkeit, die Weihe der zweiten Schauung. Nach Ersteigung und Ueberwindung jener Warte, o Herr, erscheint dieses andere überirdische, reiche Heilthum, sälige Ruhe.«
»Recht so, recht so, Anuruddher. Habt ihr aber, Anuruddher, nach Ersteigung und Ueberwindung dieser Warte noch ein anderes überirdisches, reiches Heilthum errungen, sälige Ruhe?«
»Wie denn nicht, o Herr! Da verweilen wir nach Belieben, o Herr, in heiterer Ruhe gleichmüthig, einsichtig, klar bewusst, ein Glück empfinden wir im Körper, von dem die Heiligen sagen: ›Der gleichmüthig Einsichtige lebt beglückt‹; so erwirken wir die Weihe der dritten Schauung. Nach Ersteigung und Ueberwindung jener Warte, o Herr, erscheint dieses andere überirdische, reiche Heilthum, sälige Ruhe.«
»Recht so, recht so, Anuruddher. Habt ihr aber, Anuruddher, nach Ersteigung und Ueberwindung dieser Warte noch ein anderes überirdisches, reiches Heilthum errungen, sälige Ruhe?«
»Wie denn nicht, o Herr! Da erreichen wir nach Belieben, o Herr, nach Verwerfung der Freuden und Leiden, nach Vernichtung des einstigen Frohsinns und Trübsinns die Weihe der leidlosen, freudlosen, gleichmüthig einsichtigen vollkommenen Reine, die vierteSchauung. Nach Ersteigung und Ueberwindung jener Warte, o Herr, erscheint dieses andere überirdische, reiche Heilthum, sälige Ruhe.«
»Recht so, recht so, Anuruddher. Habt ihr aber, Anuruddher, nach Ersteigung und Ueberwindung dieser Warte noch ein anderes überirdisches, reiches Heilthum errungen, sälige Ruhe?«
»Wie denn nicht, o Herr! Da gewinnen wir nach Belieben, o Herr, nach völliger Ueberwindung der Formwahrnehmungen, Vernichtung der Gegenwahrnehmungen, Verwerfung der Vielheitwahrnehmungen in dem Gedanken ›Gränzenlos ist der Raum‹ das Reich des unbegränzten Raumes.{209}Nach Ersteigung und Ueberwindung jener Warte, o Herr, erscheint dieses andere überirdische, reiche Heilthum, sälige Ruhe.«
»Recht so, recht so, Anuruddher. Habt ihr aber, Anuruddher, nach Ersteigung und Ueberwindung dieser Warte noch ein anderes überirdisches, reiches Heilthum errungen, sälige Ruhe?«
»Wie denn nicht, o Herr! Da gewinnen wir nach Belieben, o Herr, nach völliger Ueberwindung der unbegränzten Raumsphäre in dem Gedanken ›Gränzenlos ist das Bewusstsein‹ das Reich des unbegränzten Bewusstseins. Nach Ersteigung und Ueberwindung jener Warte, o Herr, erscheint dieses andere überirdische, reiche Heilthum, sälige Ruhe.«
»Recht so, recht so, Anuruddher. Habt ihr aber, Anuruddher, nach Ersteigung und Ueberwindung dieser Warte noch ein anderes überirdisches, reiches Heilthum errungen, sälige Ruhe?«
»Wie denn nicht, o Herr! Da gewinnen wir nachBelieben, o Herr, nach völliger Ueberwindung der unbegränzten Bewusstseinsphäre in dem Gedanken ›Nichts ist da‹ das Reich des Nichtdaseins. Nach Ersteigung und Ueberwindung jener Warte, o Herr, erscheint dieses andere überirdische, reiche Heilthum, sälige Ruhe.«
»Recht so, recht so, Anuruddher. Habt ihr aber, Anuruddher, nach Ersteigung und Ueberwindung dieser Warte noch ein anderes überirdisches, reiches Heilthum errungen, sälige Ruhe?«
»Wie denn nicht, o Herr! Da erreichen wir nach Belieben, o Herr, nach völliger Ueberwindung der Nichtdaseinsphäre die Gränzscheide möglicher Wahrnehmung. Nach Ersteigung und Ueberwindung jener Warte, o Herr, erscheint dieses andere überirdische, reiche Heilthum, sälige Ruhe.«
»Recht so, recht so, Anuruddher. Habt ihr aber, Anuruddher, nach Ersteigung und Ueberwindung dieser Warte noch ein anderes überirdisches, reiches Heilthum der Wissensklarheit errungen, sälige Ruhe?«
»Wie denn nicht, o Herr! Da erreichen wir nach Belieben, o Herr, nach völliger Ueberwindung der Gränzscheide möglicher Wahrnehmung die Auflösung der Wahrnehmbarkeit, und der weise Sehenden Wahn ist aufgehoben. Nach Ersteigung und Ueberwindung jener Warte, o Herr, erscheint dieses andere überirdische, reiche Heilthum der Wissensklarheit, sälige Ruhe. Und eine andere sälige Ruhe, höher oder herrlicher als diese, o Herr, kennen wir nicht.«
»Recht so, recht so, Anuruddher. Eine andere sälige Ruhe, höher oder herrlicher als diese, Anuruddher, giebt es nicht.«
Als nun der Erhabene den ehrwürdigen Anuruddho, den ehrwürdigen Nandiyo und den ehrwürdigen Kimbilo in lehrreichem Gespräche ermuntert, ermuthigt, erregt und erheitert hatte, stand er von seinem Sitze auf und ging fort. Der ehrwürdige Anuruddho, der ehrwürdige Nandiyo und der ehrwürdige Kimbilo gaben nun dem Erhabenen das Geleite und kehrten dann wieder zurück. Da wandte sich der ehrwürdige Nandiyo und der{210}ehrwürdige Kimbilo an den ehrwürdigen Anuruddho:
»Wie ist es doch? Haben wir dem ehrwürdigen Anuruddho gesagt: ›Dieser und jener Heilstufen erfreuen wir uns‹, da uns der ehrwürdige Anuruddho vor dem Erhabenen als bis zur Wahnversiegung gelangt dargestellt hat?«
»Nein, wahrlich, die Ehrwürdigen haben mir nicht gesagt: ›Dieser und jener Heilstufen erfreuen wir uns‹, aber ich habe es im Herzen der Ehrwürdigen gelesen und gesehn: ›Dieser und jener Heilstufen erfreuen sich diese Ehrwürdigen.‹Und auch Gottheiten haben es mir gesagt: ›Dieser und jener Heilstufen erfreuen sich diese Ehrwürdigen.‹ Den Fragen des Erhabenen gemäß hab’ ich geantwortet.«
Da nun begab sich Dīgho, ein Fremder, ein Geist, dorthin wo der Erhabene weilte, begrüßte den Erhabenen ehrerbietig und stellte sich seitwärts hin. Seitwärts stehend sprach nun Dīgho, der Fremde, der Geist, zum Erhabenen also:
»Gesegnet sind die Vajjīner, o Herr, hochgesegnet das Vajjī-Volk, wo der Vollendete weilt, der Heilige, vollkommen Erwachte, und diese drei edlen Söhne, derehrwürdige Anuruddho, der ehrwürdige Nandiyo, der ehrwürdige Kimbilo!«
Die Stimme Dīghos, des Fremden, des Geistes, vernehmend hallten die Stimmen der Erdgötter wieder:
»Gesegnet sind die Vajjīner, fürwahr, hochgesegnet das Vajjī-Volk, wo der Vollendete weilt, der Heilige, vollkommen Erwachte, und diese drei edlen Söhne, der ehrwürdige Anuruddho, der ehrwürdige Nandiyo, der ehrwürdige Kimbilo!«
Die Stimmen der Erdgötter vernehmend hallten die Stimmen der Götter der Vier großen Könige wieder:
»Gesegnet sind die Vajjīner, fürwahr, hochgesegnet das Vajjī-Volk, wo der Vollendete weilt, der Heilige, vollkommen Erwachte, und diese drei edlen Söhne, der ehrwürdige Anuruddho, der ehrwürdige Nandiyo, der ehrwürdige Kimbilo!«
Die Stimmen der Götter der Vier großen Könige vernehmend hallten die Stimmen der Dreiunddreißig Götter wieder:
»Gesegnet sind die Vajjīner, fürwahr, hochgesegnet das Vajjī-Volk, wo der Vollendete weilt, der Heilige, vollkommen Erwachte, und diese drei edlen Söhne, der ehrwürdige Anuruddho, der ehrwürdige Nandiyo, der ehrwürdige Kimbilo!«
Die Stimmen der Dreiunddreißig Götter vernehmend hallten die Stimmen der Schattengötter wieder:
»Gesegnet sind die Vajjīner, fürwahr, hochgesegnet das Vajjī-Volk, wo der Vollendete weilt, der Heilige, vollkommen Erwachte, und diese drei edlen Söhne, der ehrwürdige Anuruddho, der ehrwürdige Nandiyo, der ehrwürdige Kimbilo!«
Die Stimmen der Schattengötter vernehmend hallten die Stimmen der Säligen Götter wieder:
»Gesegnet sind die Vajjīner, fürwahr, hochgesegnet das Vajjī-Volk, wo der Vollendete weilt, der Heilige, vollkommen Erwachte, und diese drei edlen Söhne, der ehrwürdige Anuruddho, der ehrwürdige Nandiyo, der ehrwürdige Kimbilo!«
Die Stimmen der Säligen Götter vernehmend hallten die Stimmen der Götter der unbeschränkten Freude wieder:
»Gesegnet sind die Vajjīner, fürwahr, hochgesegnet das Vajjī-Volk, wo der Vollendete weilt, der Heilige, vollkommen Erwachte, und diese drei edlen Söhne, der ehrwürdige Anuruddho, der ehrwürdige Nandiyo, der ehrwürdige Kimbilo!«
Die Stimmen der Götter der unbeschränkten Freude vernehmend hallten die Stimmen derJenseit der unbeschränkten Freude weilenden Götter wieder:
»Gesegnet sind die Vajjīner, fürwahr, hochgesegnet das Vajjī-Volk, wo der Vollendete weilt, der Heilige, vollkommen Erwachte, und diese drei edlen Söhne, der ehrwürdige Anuruddho, der ehrwürdige Nandiyo, der ehrwürdige Kimbilo!«
Die Stimmen der Jenseit der unbeschränkten Freude weilenden Götter vernehmend hallten die Stimmen der Götter der Brahmawelt wieder:
»Gesegnet sind die Vajjīner, fürwahr, hochgesegnet das Vajjī-Volk, wo der Vollendete weilt, der Heilige, vollkommen Erwachte, und diese drei edlen Söhne, der ehrwürdige Anuruddho, der ehrwürdige Nandiyo, der ehrwürdige Kimbilo!«
So waren da jene Ehrwürdigen in einem Augenblick, in einem Nu bis in die Brahmawelt wahrgenommen worden.
»So ist es, Dīgho, so ist es, Dīgho. Wenn die Familie, Dīgho, aus der jene edlen drei Söhne vom Hause fort in die Hauslosigkeit hinausgezogen sind, jener edlen drei Söhne in Liebe gedächte, so gereicht’ es auch ihr lange zum Wohle, zum Heile. Wenn der Familienkreis, Dīgho, aus dem jene edlen drei Söhne vom Hause fort in die Hauslosigkeit hinausgezogen sind,{211}jener edlen drei Söhne in Liebe gedächte, so gereicht’ es auch ihm lange zum Wohle, zum Heile. Wenn das Dorf, Dīgho, aus dem jene edlen drei Söhne vom Hause fort in die Hauslosigkeit hinausgezogen sind, jener edlen drei Söhne in Liebe gedächte, so gereicht’ es auch ihm lange zum Wohle, zum Heile. Wenn die Stadt, Dīgho, aus der jene edlen drei Söhne vom Hause fort in die Hauslosigkeit hinausgezogen sind, jener edlen drei Söhne in Liebe gedächte, so gereicht’ es auch ihr lange zum Wohle, zum Heile. Wenn die Hauptstadt, Dīgho, aus der jene edlen drei Söhne vom Hause fort in die Hauslosigkeit hinausgezogen sind, jener edlen drei Söhne in Liebe gedächte, so gereicht’ es auch ihr lange zum Wohle, zum Heile. Wenn das Land, Dīgho, aus dem jene edlen drei Söhne vom Hause fort in die Hauslosigkeit hinausgezogen sind, jener edlen drei Söhne in Liebe gedächte, so gereicht’ es auch ihm lange zum Wohle, zum Heile. Wenn auch alle Adeligen, Dīgho, jener edlen drei Söhne in Liebe gedächten, so gereicht’ es jedem von ihnen lange zum Wohle, zum Heile. Wenn auch alle Geistlichen, Dīgho,jener edlen drei Söhne in Liebe gedächten, so gereicht’ es jedem von ihnen lange zum Wohle, zum Heile. Wenn auch alle Bürgerlichen, Dīgho, jener edlen drei Söhne in Liebe gedächten, so gereicht’ es jedem von ihnen lange zum Wohle, zum Heile. Wenn auch alle Dienenden, Dīgho, jener edlen drei Söhne in Liebe gedächten, so gereicht’ es jedem von ihnen lange zum Wohle, zum Heile. Wenn selbst die Welt, Dīgho, mit ihren Göttern, ihren bösen und heiligen Geistern, mit ihrer Schaar von Büßern und Priestern, Göttern und Menschen, jener edlen drei Söhne in Liebe gedächte, so gereicht’ es selbst der Welt, mit ihren Göttern, ihren bösen und heiligen Geistern, mit ihrer Schaar von Büßern und Priestern, Göttern und Menschen, lange zum Wohle, zum Heile.
»Siehe, Dīgho, wie weit jene edlen drei Söhne vielen zum Wohle, vielen zum Heile wirken, aus Erbarmen zur Welt: zum Nutzen, Wohle und Heile für Götter und Menschen.«
Also sprach der Erhabene. Zufrieden freute sich Dīgho, der Fremde, der Geist, über das Wort des Erhabenen.
32.
Vierter Theil
Zweite Rede
{212}Das hab’ ich gehört. Zu einer Zeit weilte der Erhabene im Forste des Gosiṉgam-Waldes,mit gar manchenwohlbekannten Oberen, wohl bekannten Jüngern, mit dem ehrwürdigen Sāriputto und dem ehrwürdigen Mahāmoggallāno, mit dem ehrwürdigen Mahākassapo und dem ehrwürdigen Anuruddho, mit dem ehrwürdigen Revato und dem ehrwürdigen Ānando und mit anderen wohlbekannten Oberen, wohlbekannten Jüngern zusammen.
Als nun der ehrwürdige Mahāmoggallāno gegen Abend die Gedenkensruhe beendet hatte, begab er sich dorthin wo der ehrwürdige Mahākassapo weilte, und sprach zum ehrwürdigen Mahākassapo also:
»Komm’, Bruder Kassapo, lass’ uns zum ehrwürdigen Sāriputto gehn, die Lehre zu hören.«
»Gern, Bruder«, erwiderte der ehrwürdige Mahākassapo dem ehrwürdigen Mahāmoggallāno.
Und der ehrwürdige Mahāmoggallāno und der ehrwürdige Mahākassapo wie auch der ehrwürdige Anuruddho begaben sich nun dorthin wo der ehrwürdige Sāriputto weilte, die Lehre zu hören. Der ehrwürdige Ānando aber erblickte diese Ehrwürdigen, wie sie sich zum ehrwürdigen Sāriputto begaben, die Lehre zu hören, und nachdem er sie gesehn ging er zum ehrwürdigen Revato und sprach also zu ihm:
»Es begeben sich, Bruder Revato, jene Edlen dorthin wo der ehrwürdige Sāriputto weilt, die Lehre zu hören; komm’, Bruder Revato, lass’ uns zum ehrwürdigen Sāriputto gehn, die Lehre zu hören.«
»Gern, Bruder«, erwiderte der ehrwürdige Revato dem ehrwürdigen Ānando.
Und der ehrwürdige Revato und der ehrwürdige Ānando begaben sich nun dorthin wo der ehrwürdige Sāriputto weilte, die Lehre zu hören.
Da sah der ehrwürdige Sāriputto den ehrwürdigen Revato und den ehrwürdigen Ānando von ferne herankommen, und nachdem er sie gesehn sprach er zum ehrwürdigen Ānando also:
»Willkommen sei der ehrwürdige Ānando, gegrüßt der ehrwürdige Ānando, der des Erhabenen wartet, dem Erhabenen nahe ist. Entzückend, Bruder Ānando, ist der Gosiṉgam-Wald, herrlich die klare Mondnacht, die Bäume stehn in voller Blüthe, himmlische Düfte, meint man, wehn umher. Was für ein Mönch, Bruder Ānando, mag dem Gosiṉgam-Walde Glanz{213}verleihen?«
»Da hat, Bruder Sāriputto, ein Mönch viel gehört, ist Behälter des Wortes, Hort des Wortes der Lehre; und was da am Anfang begütigt, in der Mitte begütigt, am Ende begütigt und sinn- und wortgetreu das vollkommen geläuterte, geklärte Asketenthum überliefert: das kennt er, behält er, beherrscht er mit der Rede, bewahrt es im Gedächtnis, hat es von Grund aus verstanden. Er legt den vier Arten von Hörern[26]die Lehre dar, im Ganzen, im Einzelnen und im Zusammenhang, zur völligen Wunschesvertilgung. Ein solcher Mönch, Bruder Sāriputto, mag dem Gosiṉgam-Walde Glanz verleihen.«
Nach diesen Worten wandte sich der ehrwürdige Sāriputto an den ehrwürdigen Revato:
»Der ehrwürdige Ānando, Bruder Revato, hat nach seinem Begriffe geantwortet. Jetzt fragen wir den ehrwürdigen Revato: Entzückend, Bruder Revato, ist der Gosiṉgam-Wald, herrlich die klare Mondnacht, die Bäume stehn in voller Blüthe, himmlische Düfte, meintman, wehn umher. Was für ein Mönch, Bruder Revato, mag dem Gosiṉgam-Walde Glanz verleihen?«
»Da wird, Bruder Sāriputto, ein Mönch durch die Gedenkensruhe erquickt und beglückt, erkämpft innigen Geistesfrieden, widerstrebt nicht der Schauung, gewinnt durchdringenden Blick, ist ein Freund leerer Klausen. Ein solcher Mönch, Bruder Sāriputto, mag dem Gosiṉgam-Walde Glanz verleihen.«
Nach diesen Worten wandte sich der ehrwürdige Sāriputto an den ehrwürdigen Anuruddho:
»Der ehrwürdige Revato, Bruder Anuruddho, hat nach seinem Begriffe geantwortet. Jetzt fragen wir den ehrwürdigen Anuruddho: Entzückend, Bruder Anuruddho, ist der Gosiṉgam-Wald, herrlich die klare Mondnacht, die Bäume stehn in voller Blüthe, himmlische Düfte, meint man, wehn umher. Was für ein Mönch, Bruder Anuruddho, mag dem Gosiṉgam-Walde Glanz verleihen?«
»Da blickt, Bruder Sāriputto, ein Mönch mit dem himmlischen Auge, dem geläuterten, über menschliche Gränzen hinausreichenden, über tausend Welten hin. Gleichwie etwa, Bruder Sāriputto, ein scharfsehender Mann von der Zinne eines hohen Thurmes tausend Gehöfte im Kreise überblicken mag: ebenso auch, Bruder Sāriputto, blickt ein Mönch mit dem himmlischen Auge, dem geläuterten, über menschliche Gränzen hinausreichenden, über tausend Welten hin. Ein solcher Mönch, Bruder Sāriputto, mag dem Gosiṉgam-Walde Glanz verleihen.«
Nach diesen Worten wandte sich der ehrwürdige Sāriputto an den ehrwürdigen Mahākassapo:
»Der ehrwürdige Anuruddho, Bruder Kassapo, hat nach seinem Begriffe geantwortet. Jetzt fragen wir den ehrwürdigen Mahākassapo: Entzückend, Bruder Kassapo, ist der Gosiṉgam-Wald, herrlich die klare Mondnacht, die Bäume stehn in voller Blüthe, himmlische Düfte, meint man, wehn umher. Was für ein Mönch, Bruder Kassapo, mag dem Gosiṉgam-Walde Glanz verleihen?«
{214}»Da ist, Bruder Sāriputto, ein Mönch selbst Waldeinsiedler und preist das Waldeinsiedlerthum, lebt selbst von Almosenspeise und preist das Leben von Almosenspeise, trägt selbst die geflickte Fetzenkutte und preist das Tragen der geflickten Fetzenkutte, besitzt nur drei Kleidungstücke und preist das bloße Besitzthum dreier Kleidungstücke[27], hat selbst wenig Bedürfnisse und preist die Bedürfnisslosigkeit, ist selbst zufrieden und preist die Zufriedenheit, ist selbst zurückgezogen und preist die Zurückgezogenheit, flieht selbst die Welt und preist die Weltflucht, ist selbst standhaft und preist die Standhaftigkeit, ist selbst ordenstüchtig und preist die Ordenstugend, hat selbst das Glück der Vertiefung errungen und preist das Glück der Vertiefung, hat selbst die Weisheit errungen und preist die Errungenschaft der Weisheit, hat selbst die Erlösung errungen und preist die Errungenschaft der Erlösung, hat selbst die Wissensklarheit der Erlösung errungen und preist die Errungenschaft der wissensklaren Erlösung. Ein solcher Mönch, Bruder Sāriputto, mag dem Gosiṉgam-Walde Glanz verleihen.«
Nach diesen Worten wandte sich der ehrwürdige Sāriputto an den ehrwürdigen Mahāmoggallāno:
»Der ehrwürdige Mahākassapo, Bruder Moggallāno,hat nach seinem Begriffe geantwortet. Jetzt fragen wir den ehrwürdigen Mahāmoggallāno: Entzückend, Bruder Moggallāno, ist der Gosiṉgam-Wald, herrlich die klare Mondnacht, die Bäume stehn in voller Blüthe, himmlische Düfte, meint man, wehn umher. Was für ein Mönch, Bruder Moggallāno, mag dem Gosiṉgam-Walde Glanz verleihen?«
»Da halten, Bruder Sāriputto, zwei Mönche ein Gespräch über die Lehre, stellen sich Fragen, und nachdem sie die Fragen gegenseitig beantwortet haben, gehn sie auseinander, jeder für sich, und lehrreich war ihr Gespräch und anregend. Ein solcher Mönch, Bruder Sāriputto, mag dem Gosiṉgam-Walde Glanz verleihen.«
Und nun wandte sich der ehrwürdige Mahāmoggallāno also an den ehrwürdigen Sāriputto:
»Jeder von uns, Bruder Sāriputto, hat nach seinem Begriffe geantwortet. Jetzt fragen wir den ehrwürdigen Sāriputto: Entzückend, Bruder Sāriputto, ist der Gosiṉgam-Wald, herrlich die klare Mondnacht, die Bäume stehn in voller Blüthe, himmlische Düfte, meint man, wehn umher. Was für ein Mönch, Bruder Sāriputto, mag dem Gosiṉgam-Walde Glanz verleihen?«
»Da hat, Bruder Moggallāno, ein Mönch das Herz in seiner Gewalt und nicht ist er in der Gewalt des Herzens. Welcher Vertiefung er sich morgens erfreuen will,{215}dieser Vertiefung erfreut er sich morgens, welcher Vertiefung er sich mittags erfreuen will, dieser Vertiefung erfreut er sich mittags, welcher Vertiefung er sich abends erfreuen will, dieser Vertiefung erfreut er sich abends. Gleichwie etwa, Bruder Moggallāno, ein König oder ein Fürst aus einer Truhe voller verschiedenfarbigerGewänder gerade das Gewand für den Morgen auswählen würde, das er morgens tragen will, gerade das Gewand für den Mittag auswählen würde, das er mittags tragen will, gerade das Gewand für den Abend auswählen würde, das er abends tragen will: ebenso auch, Bruder Moggallāno, hat ein Mönch das Herz in seiner Gewalt und nicht ist er in der Gewalt des Herzens. Welcher Vertiefung er sich morgens erfreuen will, dieser Vertiefung erfreut er sich morgens, welcher Vertiefung er sich mittags erfreuen will, dieser Vertiefung erfreut er sich mittags, welcher Vertiefung er sich abends erfreuen will, dieser Vertiefung erfreut er sich abends. Ein solcher Mönch, Bruder Moggallāno, mag dem Gosiṉgam-Walde Glanz verleihen.«
Und der ehrwürdige Sāriputto wandte sich nun zu jenen Ehrwürdigen und sprach also:
»Jeder von uns, ihr Brüder, hat nach seinem Begriffe geantwortet. Kommt, ihr Brüder, lasst uns zum Erhabenen gehn und die Sache dem Erhobenen berichten: wie uns der Erhabene antworten wird, so wollen wir es halten.«
»So sei es, Bruder«, erwiderten da jene Ehrwürdigen dem ehrwürdigen Sāriputto.
Und jene Mönche begaben sich dorthin wo der Erhabene weilte, begrüßten den Erhabenen ehrerbietig und setzten sich zur Seite nieder. Zur Seite sitzend sprach nun der ehrwürdige Sāriputto zum Erhabenen also:
»Da hatten sich, o Herr, der ehrwürdige Revato und der ehrwürdige Ānando dorthin begeben wo ich weilte, die Lehre zu hören. Ich sah den ehrwürdigen Revato und den ehrwürdigen Ānando von ferne herankommen,und nachdem ich sie gesehn sprach ich zum ehrwürdigen Ānando also:{216}›Willkommen sei der ehrwürdige Ānando, gegrüßt der ehrwürdige Ānando, der des Erhabenen wartet, dem Erhabenen nahe ist. Entzückend, Bruder Ānando, ist der Gosiṉgam-Wald, herrlich die klare Mondnacht, die Bäume stehn in voller Blüthe, himmlische Düfte, meint man, wehn umher. Was für ein Mönch, Bruder Ānando, mag dem Gosiṉgam-Walde Glanz verleihen?‹ — Hierauf, o Herr, erwiderte mir der ehrwürdige Ānando: ‚Da hat, Bruder Sāriputto, ein Mönch viel gehört, ist Behälter des Wortes, Hort des Wortes der Lehre; und was da am Anfang begütigt, in der Mitte begütigt, am Ende begütigt und sinn- und wortgetreu das vollkommen geläuterte, geklärte Asketenthum überliefert: das kennt er, behält er, beherrscht er mit der Rede, bewahrt es im Gedächtniss, hat es von Grund aus verstanden. Er legt den vier Arten von Hörern die Lehre dar, im Ganzen, im Einzelnen und im Zusammenhang, zur völligen Wunschesvertilgung. Ein solcher Mönch, Bruder Sāriputto, mag dem Gosiṉgam-Walde Glanz verleihen.‘«
»Gut, gut, Sāriputto, wie es eben Ānando recht beantworten kann. Denn Ānando, Sāriputto, hat viel gehört, ist Behälter des Wortes, Hort des Wortes der Lehre: und was da am Anfang begütigt, in der Mitte begütigt, am Ende begütigt und sinn- und wortgetreu das vollkommen geläuterte, geklärte Asketenthum überliefert: das kennt er, behält er, beherrscht er mit der Rede, bewahrt es im Gedächtniss, hat es von Grund aus verstanden. Er legt den vier Arten von Hörern die Lehre dar, im Ganzen, im Einzelnenund im Zusammenhang, zur völligen Wunschesvertilgung.«
»Hierauf, o Herr, wandte ich mich an den ehrwürdigen Revato: ›Der ehrwürdige Ānando, Bruder Revato, hat nach seinem Begriffe geantwortet. Jetzt fragen wir den ehrwürdigen Revato: Entzückend, Bruder Revato, ist der Gosiṉgam-Wald, herrlich die klare Mondnacht, die Bäume stehn in voller Blüthe, himmlische Düfte, meint man, wehn umher. Was für ein Mönch, Bruder Revato, mag dem Gosiṉgam-Walde Glanz verleihen?‹ — Hierauf, o Herr, erwiderte mir der ehrwürdige Revato: ‚Da wird, Bruder Sāriputto, ein Mönch durch die Gedenkensruhe erquickt und beglückt, erkämpft innigen Geistesfrieden, widerstrebt nicht der Schauung, gewinnt durchdringenden Blick, ist ein Freund leerer Klausen. Ein solcher Mönch, Bruder Sāriputto, mag dem Gosiṉgam-Walde Glanz verleihen.‘«
»Gut, gut, Sāriputto, wie es eben Revato recht beantworten kann. Denn Revato, Sāriputto, wird durch die Gedenkensruhe erquickt und beglückt, erkämpft innigen Geistesfrieden, widerstrebt nicht der Schauung, besitzt durchdringenden Blick, ist ein Freund leerer Klausen.«
{217}»Hierauf, o Herr, wandte ich mich an den ehrwürdigen Anuruddho: ›Der ehrwürdige Revato, Bruder Anuruddho, hat nach seinem Begriffe geantwortet. Jetzt fragen wir den ehrwürdigen Anuruddho: Entzückend, Bruder Anuruddho, ist der Gosiṉgam-Wald, herrlich die klare Mondnacht, die Bäume stehn in voller Blüthe, himmlische Düfte, meint man, wehn umher. Was für ein Mönch, Bruder Anuruddho, mag dem Gosiṉgam-Walde Glanz verleihen?‹ — Hierauf, o Herr, erwidertemir der ehrwürdige Anuruddho: ‚Da blickt, Bruder Sāriputto, ein Mönch mit dem himmlischen Auge, dem geläuterten, über menschliche Gränzen hinausreichenden, über tausend Welten hin. Gleichwie etwa, Bruder Sāriputto, ein scharfsehender Mann von der Zinne eines hohen Thurmes tausend Gehöfte im Kreise überblicken mag: ebenso auch, Bruder Sāriputto, blickt ein Mönch mit dem himmlischen Auge, dem geläuterten, über menschliche Gränzen hinausreichenden, über tausend Welten hin. Ein solcher Mönch, Bruder Sāriputto, mag dem Gosiṉgam-Walde Glanz verleihen.‘«
»Gut, gut, Sāriputto, wie es eben Anuruddho recht beantworten kann. Denn Anuruddho, Sāriputto, blickt mit dem himmlischen Auge, dem geläuterten, über menschliche Gränzen hinausreichenden, über tausend Welten hin.«
»Hierauf, o Herr, wandte ich mich an den ehrwürdigen Mahākassapo: ›Der ehrwürdige Anuruddho, Bruder Kassapo, hat nach seinem Begriffe geantwortet. Jetzt fragen wir den ehrwürdigen Mahākassapo: Entzückend, Bruder Kassapo, ist der Gosiṉgam-Wald, herrlich die klare Mondnacht, die Bäume stehn in voller Blüthe, himmlische Düfte, meint man, wehn umher. Was für ein Mönch, Bruder Kassapo, mag dem Gosiṉgam-Walde Glanz verleihen?‹ — Hierauf, o Herr, erwiderte mir der ehrwürdige Mahākassapo: ‚Da ist, Bruder Sāriputto, ein Mönch selbst Waldeinsiedler und preist das Waldeinsiedlerthum, lebt selbst von Almosenspeise und preist das Leben von Almosenspeise, trägt selbst die geflickte Fetzenkutte und preist das Tragen der geflickten Fetzenkutte, besitzt selbst nur drei Kleidungstücke und preistdas bloße Besitzthum dreier Kleidungstücke, hat selbst wenig Bedürfnisse und preist die Bedürfnisslosigkeit, ist selbst zufrieden und preist die Zufriedenheit, ist selbst zurückgezogen und preist die Zurückgezogenheit, flieht selbst die Welt und preist die Weltflucht, ist selbst standhaft und preist die Standhaftigkeit, ist selbst ordenstüchtig und preist die Ordenstugend, hat selbst das Glück der Vertiefung errungen und preist das Glück der Vertiefung, hat selbst die Weisheit errungen und preist die Errungenschaft der Weisheit, hat selbst die Erlösung errungen und preist die Errungenschaft der Erlösung, hat selbst die Wissensklarheit der Erlösung errungen und preist die Errungenschaft der wissensklaren Erlösung. Ein solcher Mönch, Bruder Sāriputto, mag dem Gosiṉgam-Walde Glanz verleihen.‘«
{218}»Gut, gut, Sāriputto, wie es eben Kassapo recht beantworten kann. Denn Kassapo, Sāriputto, ist selbst Waldeinsiedler und preist das Waldeinsiedlerthum, lebt selbst von Almosenspeise und preist das Leben von Almosenspeise, trägt selbst die geflickte Fetzenkutte und preist das Tragen der geflickten Fetzenkutte, besitzt selbst nur drei Kleidungstücke und preist das bloße Besitzthum dreier Kleidungstücke, hat selbst wenig Bedürfnisse und preist die Bedürfnisslosigkeit, ist selbst zufrieden und preist die Zufriedenheit, ist selbst zurückgezogen und preist die Zurückgezogenheit, flieht selbst die Welt und preist die Weltflucht, ist selbst standhaft und preist die Standhaftigkeit, ist selbst ordenstüchtig und preist die Ordenstugend, hat selbst das Glück der Vertiefung errungen und preist das Glück der Vertiefung, hat selbst die Weisheit errungen und preist die Errungenschaftder Weisheit, hat selbst die Erlösung errungen und preist die Errungenschaft der Erlösung, hat selbst die Wissensklarheit der Erlösung errungen und preist die Errungenschaft der wissensklaren Erlösung.«
»Hierauf, o Herr, wandte ich mich an den ehrwürdigen Mahāmoggallāno: ›Der ehrwürdige Mahākassapo, Bruder Moggallāno, hat nach seinem Begriffe geantwortet. Jetzt fragen wir den ehrwürdigen Mahāmoggallāno: Entzückend, Bruder Moggallāno, ist der Gosiṉgam-Wald, herrlich die klare Mondnacht, die Bäume stehn in voller Blüthe, himmlische Düfte, meint man, wehn umher. Was für ein Mönch, Bruder Moggallāno, mag dem Gosiṉgam-Wald Glanz verleihen?‹ — Hierauf, o Herr, erwiderte mir der ehrwürdige Mahāmoggallāno: ‚Da halten, Bruder Sāriputto, zwei Mönche ein Gespräch über die Lehre, stellen sich Fragen, und nachdem sie die Fragen gegenseitig beantwortet haben, gehn sie auseinander, jeder für sich, und lehrreich war ihr Gespräch und anregend. Ein solcher Mönch, Bruder Sāriputto, mag dem Gosiṉgam-Walde Glanz verleihen.‘«
»Gut, gut, Sāriputto, wie es eben Moggallāno recht beantworten kann. Denn Moggallāno, Sāriputto, ist der Lehre Sprecher.«
Nach diesen Worten wandte sich der ehrwürdige Mahāmoggallāno an den Erhabenen und sagte:
»Und nun, o Herr, sprach ich zum ehrwürdigen Sāriputto: ›Jeder von uns, Bruder Sāriputto, hat nach seinem Begriffe geantwortet. Jetzt fragen wir den ehrwürdigen Sāriputto: Entzückend, Bruder Sāriputto, ist der Gosiṉgam-Wald, herrlich die klare Mondnacht, die Bäume stehn in voller Blüthe, himmlische Düfte, meintman, wehn umher. Was für ein Mönch, Bruder Sāriputto, mag dem Gosiṉgam-Walde Glanz verleihen?‹ — Hierauf, o Herr, erwiderte mir der ehrwürdige Sāriputto: ‚Da hat, Bruder Moggallāno, ein Mönch das Herz in seiner Gewalt und nicht ist er in der Gewalt des Herzens. Welcher Vertiefung er sich morgens erfreuen will, dieser Vertiefung erfreut er sich morgens, welcher Vertiefung er sich mittags erfreuen will, dieser Vertiefung erfreut er sich mittags, welcher Vertiefung er sich abends erfreuen will, dieser Vertiefung erfreut er sich abends. Gleichwie etwa, Bruder Moggallāno, ein König{219}oder ein Fürst aus einer Truhe voller verschiedenfarbiger Gewänder gerade das Gewand für den Morgen auswählen würde, das er morgens tragen will, gerade das Gewand für den Mittag auswählen würde, das er mittags tragen will, gerade das Gewand für den Abend auswählen würde, das er abends tragen will: ebenso auch, Bruder Moggallāno, hat ein Mönch das Herz in seiner Gewalt und nicht ist er in der Gewalt des Herzens. Welcher Vertiefung er sich morgens erfreuen will, dieser Vertiefung erfreut er sich morgens, welcher Vertiefung er sich mittags erfreuen will, dieser Vertiefung erfreut er sich mittags, welcher Vertiefung er sich abends erfreuen will, dieser Vertiefung erfreut er sich abends. Ein solcher Mönch, Bruder Moggallāno, mag dem Gosiṉgam-Walde Glanz verleihen.‘«
»Gut, gut, Moggallāno, wie es eben Sāriputto recht beantworten kann. Denn Sāriputto, Moggallāno, hat das Herz in seiner Gewalt und nicht ist er in der Gewalt des Herzens. Welcher Vertiefung er sich morgens erfreuen will, dieser Vertiefung erfreut er sich morgens,welcher Vertiefung er sich mittags erfreuen will, dieser Vertiefung erfreut er sich mittags, welcher Vertiefung er sich abends erfreuen will, dieser Vertiefung erfreut er sich abends.«
Nach diesen Worten sprach der ehrwürdige Sāriputto zum Erhabenen also:
»Wer hat nun wohlgesprochen, o Herr?«
»Alle habt ihr wohlgesprochen, Sāriputto, der Reihe nach. Und nun hört auch von mir, was für ein Mönch dem Gosiṉgam-Walde Glanz verleihen mag.Da setzt sich, Sāriputto, ein Mönch nach dem Mahle, wenn er vom Almosengange zurückgekehrt ist, mit verschränkten Beinen nieder, den Körper gerade aufgerichtet, und pflegt der Einsicht: ›Nicht eher will ich von hier aufstehn, als bis ich ohne anzuhangen das Herz vom Wahn erlöst habe.‹ Ein solcher Mönch, Sāriputto, mag dem Gosiṉgam-Walde Glanz verleihen.«
Also sprach der Erhabene. Zufrieden freuten sich jene Ehrwürdigen über das Wort des Erhabenen.
33.
Vierter Theil
Dritte Rede
{220}Das hab’ ich gehört. Zu einer Zeit weilte der Erhabene bei Sāvatthī, im Siegerwalde, im Garten Anāthapiṇḍikos. Dort nun wandte sich der Erhabene andie Mönche: »Ihr Mönche!« — »Erlauchter!« antworteten da jene Mönche dem Erhabenen aufmerksam. Der Erhabene sprach also:
»Elf Eigenschaften, ihr Mönche, machen es einem Rinderhirten unmöglich seine Heerde zu hüten, zum Gedeihen zu bringen; welche elf? Da ist, ihr Mönche, ein Rinderhirt der Leibesart unkundig, versteht nicht die Lebensweise, verscheucht nicht das Schädliche, verbindet nicht Wunden, macht kein Feuer an, kennt keine Furth, kennt keine Quelle, kennt keinen Steig, kennt keine Weide, er melkt übermäßig, und den Stieren, den Vätern der Heerde, den Führern der Heerde, denen schenkt er keine besondere Aufmerksamkeit.
»Diese elf Eigenschaften, ihr Mönche, machen es einem Rinderhirten unmöglich seine Heerde zu hüten, zum Gedeihen zu bringen.
»Ebenso nun auch, ihr Mönche, machen es elf Eigenschaften einem Mönch unmöglich in diesem Orden der Wahrheit zum Gedeihen, zur Reife und Entfaltung zu gelangen; welche elf? Da ist, ihr Mönche, ein Mönch der Leibesart unkundig, versteht nicht die Lebensweise, verscheucht nicht das Schädliche, verbindet nicht Wunden, macht kein Feuer an, kennt keine Furth, kennt keine Quelle, kennt keinen Steig, kennt keine Weide, er melkt übermäßig, und den Mönchen, den Oberen, den Bejahrten, den im Asketenthume Ergrauten, den Vätern des Ordens, den Führern des Ordens, denen schenkt er keine besondere Aufmerksamkeit.
»Wie aber, ihr Mönche, ist ein Mönch der Leibesart unkundig? Da betrachtet, ihr Mönche, ein Mönch alles Körperliche, die gesammte Körperlichkeit, die vierHauptstoffe und was durch die vier Hauptstoffe besteht, nicht der Wahrheit gemäß als körperlich. Also, ihr Mönche, ist ein Mönch der Leibesart unkundig. Und wie, ihr Mönche, versteht ein Mönch nicht die Lebensweise? Da erkennt, ihr Mönche, ein Mönch nicht der Wahrheit gemäß: die That zeigt mir den Thoren, die That zeigt mir den Weisen. Also, ihr Mönche, versteht ein Mönch nicht die Lebensweise. Und wie, ihr Mönche, verscheucht ein Mönch nicht das Schädliche? Da giebt, ihr Mönche, ein Mönch einem aufgestiegenen Wunschgedanken Raum, verwirft ihn nicht, vertreibt ihn nicht, vertilgt ihn nicht, vernichtet ihn nicht; einem aufgestiegenen Hassgedanken, einem aufgestiegenen Wuthgedanken und anderen aufgestiegenen bösen, schlechten Gedanken giebt er Raum,{221}verwirft sie nicht, vertreibt sie nicht, vertilgt sie nicht, vernichtet sie nicht. Also, ihr Mönche, verscheucht ein Mönch nicht das Schädliche. Und wie, ihr Mönche, verbindet ein Mönch nicht Wunden? Wenn da, ihr Mönche, ein Mönch mit dem Gesicht eine Form erblickt hat, fasst er Neigung, fasst er Absicht. Obgleich Begierde und Missmuth, böse und schlechte Gedanken gar bald den überwältigen, der unbewachten Gesichtes verweilt, befleißigt er sich dieser Bewachung nicht, hütet nicht das Gesicht, wacht nicht eifrig über das Gesicht. Wenn er mit dem Gehör einen Ton gehört, mit dem Geruch einen Duft gerochen, mit dem Geschmack einen Saft geschmeckt, mit dem Getast eine Tastung getastet, mit dem Gedenken ein Ding gedacht hat, fasst er Neigung, fasst er Absicht. Obgleich Begierde und Missmuth, böse und schlechte Gedanken gar bald den überwältigen, der unbewachten Gedenkens verweilt,befleißigt er sich dieser Bewachung nicht, hütet nicht das Gedenken, wacht nicht eifrig über das Gedenken. Also, ihr Mönche, verbindet ein Mönch nicht Wunden. Und wie, ihr Mönche, macht ein Mönch kein Feuer an? Da zeigt, ihr Mönche, ein Mönch nicht den anderen die Lehre, weithin sichtbar,wie er sie gehört und aufgefasst hat. Also, ihr Mönche, macht ein Mönch kein Feuer an. Und wie, ihr Mönche, kennt ein Mönch keine Furth? Da sucht, ihr Mönche, ein Mönch nicht von Zeit zu Zeit jene Mönche auf, die viel gehört haben und wissen, die Hüter der Lehre, die Hüter der Ordnung, die Hüter der Regel, fragt nicht, erkundigt sich nicht: ›Wie ist das, o Herr, was ist der Sinn davon?‹ Und so eröffnen ihm jene Ehrwürdigen nicht das Uneröffnete, klären das Unaufgeklärte nicht auf, lösen nicht den Zweifel über Dinge, die vielfach bezweifelbar sind. Also, ihr Mönche, kennt ein Mönch keine Furth. Und wie, ihr Mönche, kennt ein Mönch keine Quelle? Da gelangt, ihr Mönche, ein Mönch bei der Darlegung der Lehre und Ordnung des Vollendeten nicht zum Verständniss des Sinnes, nicht zum Verständnis der Lehre, nicht zum Genusse der Lehre. Also, ihr Mönche, kennt ein Mönch keine Quelle. Und wie, ihr Mönche, kennt ein Mönch keinen Steig? Da erkennt, ihr Mönche, ein Mönch den heiligen achtfältigen Weg nicht der Wahrheit gemäß. Also, ihr Mönche, kennt ein Mönch keinen Steig. Und wie, ihr Mönche, kennt ein Mönch keine Weide? Da kennt, ihr Mönche, ein Mönch die Vier Pfeiler der Einsicht nicht der Wahrheit gemäß. Also, ihr Mönche, kennt ein Mönch keine Weide.{222}Und wie, ihr Mönche, melkt ein Mönch übermäßig? Da laden, ihr Mönche,gläubige Hausväter einen Mönch ein, sich Kleidung, Almosenspeise, Lagerstatt und Arzeneien für den Fall einer Krankheit auszuwählen, und der Mönch kennt kein Maaß im Annehmen. Also, ihr Mönche, melkt ein Mönch übermäßig. Und wie, ihr Mönche, schenkt ein Mönch jenen Mönchen, den Oberen, den Bejahrten, den im Asketenthume Ergrauten, den Vätern des Ordens, den Führern des Ordens, keine besondere Aufmerksamkeit? Da dient, ihr Mönche, ein Mönch jenen Mönchen, den Oberen, den Bejahrten, den im Asketenthume Ergrauten, den Vätern des Ordens, den Führern des Ordens, weder mit liebevoller That, so offen als verborgen, noch mit liebevollem Wort, so offen als verborgen, noch mit liebevoller Gesinnung, so offen als verborgen. Also, ihr Mönche, schenkt ein Mönch jenen Mönchen, den Oberen, den Bejahrten, den im Asketenthume Ergrauten, den Vätern des Ordens, den Führern des Ordens, keine besondere Aufmerksamkeit.
»Diese elf Eigenschaften, ihr Mönche, machen es einem Mönch unmöglich in diesem Orden der Wahrheit zum Gedeihen, zur Reife und Entfaltung zu gelangen.
»Elf Eigenschaften, ihr Mönche, machen es einem Rinderhirten möglich seine Heerde zu hüten, zum Gedeihen zu bringen; welche elf? Da ist, ihr Mönche, ein Rinderhirt der Leibesart kundig, versteht die Lebensweise, verscheucht das Schädliche, verbindet Wunden, macht Feuer an, kennt die Furth, kennt die Quelle, kennt den Steig, kennt die Weide, er lässt noch Milch im Euter, und den Stieren, den Vätern der Heerde, denFührern der Heerde, denen schenkt er besondere Aufmerksamkeit.
»Diese elf Eigenschaften, ihr Mönche, machen es einem Rinderhirten möglich seine Heerde zu hüten, zum Gedeihen zu bringen.
»Ebenso nun auch, ihr Mönche, machen es elf Eigenschaften einem Mönch möglich in diesem Orden der Wahrheit zum Gedeihen, zur Reife und Entfaltung zu gelangen; welche elf? Da ist, ihr Mönche, ein Mönch der Leibesart kundig, versteht die Lebensweise, verscheucht das Schädliche, verbindet Wunden, macht Feuer an, kennt die Furth, kennt die Quelle, kennt den Steig, kennt die Weide, er lässt noch Milch im Euter, und den Mönchen, den Oberen, den Bejahrten, den im Asketenthume Ergrauten, den Vätern des Ordens, den Führern des Ordens, denen schenkt er besondere Aufmerksamkeit.
»Wie aber, ihr Mönche, ist ein Mönch der Leibesart kundig? Da betrachtet, ihr Mönche, ein Mönch alles Körperliche, die gesammte Körperlichkeit, die vier Hauptstoffe{223}und was durch die vier Hauptstoffe besteht, der Wahrheit gemäß als körperlich. Also, ihr Mönche, ist ein Mönch der Leibesart kundig. Und wie, ihr Mönche, versteht ein Mönch die Lebensweise? Da erkennt, ihr Mönche, ein Mönch der Wahrheit gemäß: die That zeigt mir den Thoren, die That zeigt mir den Weisen. Also, ihr Mönche, versteht ein Mönch die Lebensweise. Und wie, ihr Mönche, verscheucht ein Mönch das Schädliche? Da giebt, ihr Mönche, ein Mönch einem aufgestiegenen Wunschgedanken nicht Raum, verwirft ihn, vertreibt ihn, vertilgt ihn, vernichtet ihn; einem aufgestiegenen Hassgedanken, einem aufgestiegenen Wuthgedanken undanderen aufgestiegenen bösen, schlechten Gedanken giebt er nicht Raum, verwirft sie, vertreibt sie, vertilgt sie, vernichtet sie. Also, ihr Mönche, verscheucht ein Mönch das Schädliche. Und wie, ihr Mönche, verbindet ein Mönch Wunden? Wenn da, ihr Mönche, ein Mönch mit dem Gesicht eine Form erblickt hat, fasst er keine Neigung, fasst keine Absicht. Da Begierde und Missmuth, böse und schlechte Gedanken gar bald den überwältigen, der unbewachten Gesichtes verweilt, befleißigt er sich dieser Bewachung, er hütet das Gesicht, er wacht eifrig über das Gesicht. Wenn er mit dem Gehör einen Ton gehört, mit dem Geruch einen Duft gerochen, mit dem Geschmack einen Saft geschmeckt, mit dem Getast eine Tastung getastet, mit dem Gedenken ein Ding gedacht hat, fasst er keine Neigung, fasst keine Absicht. Da Begierde und Missmuth, böse und schlechte Gedanken gar bald den überwältigen, der unbewachten Gedenkens verweilt, befleißigt er sich dieser Bewachung, er hütet das Gedenken, er wacht eifrig über das Gedenken. Also, ihr Mönche, verbindet ein Mönch Wunden. Und wie, ihr Mönche, macht ein Mönch Feuer an? Da zeigt, ihr Mönche, ein Mönch den anderen die Lehre, weithin sichtbar, wie er sie gehört und aufgefasst hat. Also, ihr Mönche, macht ein Mönch Feuer an. Und wie, ihr Mönche, kennt ein Mönch die Furth? Da sucht, ihr Mönche, ein Mönch von Zeit zu Zeit jene Mönche auf, die viel gehört haben und wissen, die Hüter der Lehre, die Hüter der Ordnung, die Hüter der Regel, fragt und erkundigt sich: ›Wie ist das, o Herr, was ist der Sinn davon?‹ Und so eröffnen ihm jene Ehrwürdigen das Uneröffnete, klären das Unaufgeklärte auf, lösen denZweifel über Dinge, die vielfach bezweifelbar sind. Also, ihr Mönche, kennt ein Mönch die Furth. Und wie, ihr Mönche, kennt ein Mönch die Quelle?{224}Da gelangt, ihr Mönche, ein Mönch bei der Darlegung der Lehre und Ordnung des Vollendeten zum Verständniss des Sinnes, zum Verständniss der Lehre, zum Genusse der Lehre. Also, ihr Mönche, kennt ein Mönch die Quelle. Und wie, ihr Mönche, kennt ein Mönch den Steig? Da erkennt, ihr Mönche, ein Mönch den heiligen achtfältigen Weg der Wahrheit gemäß. Also, ihr Mönche, kennt ein Mönch den Steig. Und wie, ihr Mönche, kennt ein Mönch die Weide? Da kennt, ihr Mönche, ein Mönch die Vier Pfeiler der Einsicht der Wahrheit gemäß. Also, ihr Mönche, kennt ein Mönch die Weide. Und wie, ihr Mönche, lässt ein Mönch noch Milch im Euter? Da laden, ihr Mönche, gläubige Hausväter einen Mönch ein, sich Kleidung, Almosenspeise, Lagerstatt und Arzeneien für den Fall einer Krankheit auszuwählen, und der Mönch kennt Maaß im Annehmen. Also, ihr Mönche, lässt ein Mönch noch Milch im Euter. Und wie, ihr Mönche, schenkt ein Mönch jenen Mönchen, den Oberen, den Bejahrten, den im Asketenthume Ergrauten, den Vätern des Ordens, den Führern des Ordens, besondere Aufmerksamkeit? Da dient, ihr Mönche, ein Mönch jenen Mönchen, den Oberen, den Bejahrten, den im Asketenthume Ergrauten, den Vätern des Ordens, den Führern des Ordens, diesen dient er mit liebevoller That, so offen als verborgen, dient er mit liebevollem Wort, so offen als verborgen, dient er mit liebevoller Gesinnung, so offen als verborgen. Also, ihr Mönche, schenkt ein Mönch jenen Mönchen, den Oberen, den Bejahrten, denim Asketenthume Ergrauten, den Vätern des Ordens, den Führern des Ordens, besondere Aufmerksamkeit.
»Diese elf Eigenschaften, ihr Mönche, machen es einem Mönch möglich in diesem Orden der Wahrheit zum Gedeihen, zur Reife und Entfaltung zu gelangen.«
Also sprach der Erhabene. Zufrieden freuten sich jene Mönche über das Wort des Erhabenen.
34.
Vierter Theil
Vierte Rede
{225}Das hab’ ich gehört. Zu einer Zeit weilte der Erhabene im Vajjī-Lande, bei Ukkācelā, am Gestade des Ganges. Dort nun wandte sich der Erhabene an die Mönche: »Ihr Mönche!« — »Erlauchter!« antworteten da jene Mönche dem Erhabenen aufmerksam. Der Erhabene sprach also:
»Es war einmal, ihr Mönche, in Magadhā ein Rinderhirt von trübem Verstande, der im letzten Monat der Regenzeit, im Herbste, ohne Untersuchung des diesseitigen Ufers, ohne Untersuchung des jenseitigen Ufers des Ganges seine Heerde aufs geradewohl in den Strom trieb, hinüber zum Ufer von Suvidehā. Als nun, ihr Mönche, die Rinder in die Mitte des Ganges, in die Strömung gelangt waren, da überschlugen sie sich und gingen elend zugrunde. Und warum das? Weil ja, ihrMönche, jener unverständige Rinderhirt aus Magadhā im letzten Monat der Regenzeit, im Herbste, ohne Untersuchung des diesseitigen Ufers, ohne Untersuchung des jenseitigen Ufers des Ganges seine Heerde aufs geradewohl in den Strom trieb, hinüber zum Ufer von Suvidehā.
»Ebenso nun auch, ihr Mönche, ist es mit jenen Asketen oder Priestern, die diese Welt nicht verstehn und jene Welt nicht verstehn, das Reich der Natur nicht verstehn und das Reich der Freiheit nicht verstehn, die Zeitlichkeit nicht verstehn und die Ewigkeit nicht verstehn[28]: wer der Schwimmkunst jener trauen will, dem wird es zu langem Unheil und Leiden gereichen.
»Es war einmal, ihr Mönche, in Magadhā ein Rinderhirt von hellem Verstande, der im letzten Monat der Regenzeit, im Herbste, nach genauer Untersuchung des diesseitigen Ufers, nach genauer Untersuchung des jenseitigen Ufers des Ganges seine Heerde in eine richtige Furth trieb, hinüber zum Ufer von Suvidehā. Zuerst trieb er die Stiere hinein, die Väter der Heerde, die Führer der Heerde; diese durchkreuzten die Strömung des Ganges und gelangten heil an das andere Ufer. Hierauf trieb er die starken Kühe und Ochsen hinein, und auch diese durchkreuzten die Strömung des Ganges und gelangten heil an das andere Ufer. Hierauf trieb er die Farren und Färsen hinein, und auch diese durchkreuzten die Strömung des Ganges und gelangten heil an das andere Ufer. Hierauf trieb er die schwächlichen Kälbchen hinein, und auch diese durchkreuzten die Strömung des Ganges und gelangten heil an das andere Ufer. Zuletzt, ihr Mönche, war noch ein zartes Kälbleinda, eben erst geboren, der Mutter mit Wehegebrüll entrissen, und auch dieses durchkreuzte die Strömung des Ganges und gelangte heil an das andere Ufer. Und warum das? Weil ja, ihr Mönche, jener verständige{226}Rinderhirt aus Magadhā im letzten Monat der Regenzeit, im Herbste, nach genauer Untersuchung des diesseitigen Ufers, nach genauer Untersuchung des jenseitigen Ufers des Ganges seine Heerde in eine richtige Furth trieb, hinüber zum Ufer von Suvidehā.
»Ebenso nun auch, ihr Mönche, ist es mit jenen Asketen oder Priestern, die diese Welt verstehn und jene Welt verstehn, das Reich der Natur verstehn und das Reich der Freiheit verstehn, die Zeitlichkeit verstehn und die Ewigkeit verstehn: wer der Schwimmkunst jener trauen will, dem wird es zu langem Wohle und Heile gereichen.
»Gleichwie nun, ihr Mönche, jene Stiere, die Väter der Heerde, die Führer der Heerde, die Strömung des Ganges durchkreuzten und heil an das andere Ufer gelangten: ebenso nun auch, ihr Mönche, haben jene Mönche, die Heilige, Wahnversieger, Endiger sind, die das Werk gewirkt, die Bürde abgelegt, das Heil errungen, die Daseinsfesseln vernichtet haben, die in vollkommener Weisheit Erlösten, haben diese die Strömung der Natur durchkreuzt und sind heil an das andere Ufer gelangt.
»Gleichwie nun, ihr Mönche, jene starken Kühe und Ochsen die Strömung des Ganges durchkreuzten und heil an das andere Ufer gelangten: ebenso nun auch, ihr Mönche, werden jene Mönche, welche nach Vernichtung der fünf niederzerrenden Fesseln emporsteigen, um von dort aus zu erlöschen, die nicht mehr zurückkehren nachjener Welt, werden auch sie die Strömung der Natur durchkreuzen und heil an das andere Ufer gelangen.
»Gleichwie nun, ihr Mönche, jene Farren und Färsen die Strömung des Ganges durchkreuzten und heil an das andere Ufer gelangten: ebenso nun auch, ihr Mönche, werden jene Mönche, welche die drei Fesseln vernichtet haben, die von Gier, Hass und Irre Erleichterten, fast schon Geläuterten, die nur einmal wiederkehren, nur einmal noch zu dieser Welt gekommen dem Leiden ein Ende machen, werden auch sie die Strömung der Natur durchkreuzen und heil an das andere Ufer gelangen.
»Gleichwie nun, ihr Mönche, jene schwächlichen Kälbchen die Strömung des Ganges durchkreuzten und heil an das andere Ufer gelangten: ebenso nun auch, ihr Mönche, werden jene Mönche, welche nach Vernichtung der drei Fesseln Hörer der Botschaft geworden, dem Verderben entronnen sind, zielbewusst der vollen Erwachung entgegeneilen, werden auch diese die Strömung der Natur durchkreuzen und heil an das andere Ufer gelangen.
»Gleichwie nun, ihr Mönche, jenes zarte Kälblein, das eben erst geboren, der Mutter mit Wehegebrüll entrissen ward, die Strömung des Ganges durchkreuzte und heil an das andere Ufer gelangte: ebenso nun auch, ihr Mönche, werden jene Mönche, welche der Wahrheit ergeben, der Lehre ergeben sind, werden auch diese die Strömung der Natur durchkreuzen und heil an das andere Ufer gelangen.
{227}»Ich aber, ihr Mönche, verstehe diese Welt und verstehe jene Welt, verstehe das Reich der Natur und verstehe das Reich der Freiheit, verstehe die Zeitlichkeitund verstehe die Ewigkeit. Und die meiner Schwimmkunst trauen wollen, ihr Mönche, denen wird es zu langem Wohle und Heile gereichen.«
Also sprach der Erhabene. Als der Willkommene das gesagt hatte, sprach fernerhin also der Meister: