DER HUNDELEHRLING

›Was irgend auch entstanden istMuss alles wieder untergehn.‹

›Was irgend auch entstanden istMuss alles wieder untergehn.‹

›Was irgend auch entstanden istMuss alles wieder untergehn.‹

›Was irgend auch entstanden ist

Muss alles wieder untergehn.‹

Und Upāli der Hausvater, der die Wahrheit gesehn, die Wahrheit gefasst, die Wahrheit erkannt, die Wahrheit ergründet hatte, zweifelentronnen, ohne Schwanken,in sich selber gewiß, auf keinen anderen gestützt im Orden des Meisters, der wandte sich nun an den Erhabenen also:

»Wohlan denn, jetzt, o Herr, wollen wir gehn: manche Pflicht wartet unser, manche Obliegenheit.«

»Wie es dir nun, Hausvater, belieben mag.«

Und Upāli der Hausvater, durch des Erhabenen Rede erfreut und befriedigt, stand auf von seinem Stuhle, begrüßte den Erhabenen ehrerbietig, ging rechts herum und begab sich nach Hause. Zu Hause angekommen befahl er dem Pförtner:

»Von heute an, guter Pförtner, ist meine Pforte den Freien Brüdern und Freien Schwestern verschlossen: unverschlossen ist sie den Jüngern des Erhabenen, den Mönchen und Nonnen, den Anhängern und Anhängerinen.[21]Wenn da ein Freier Bruder herankommt, so hast du einem solchen zu sagen: ›Bleibe, o Herr, wolle nicht eintreten: von heute an hat sich Upāli der Hausvater zum Jüngerthum des Asketen Gotamo bekehrt. Verschlossen ist die Pforte den Freien Brüdern und Freien Schwestern: unverschlossen ist sie den Jüngern des Erhabenen, den Mönchen und Nonnen, denAnhängern und Anhängerinen. Wenn du, o Herr, Almosen bedarfst, so bleibe nur hier: man wird es dir hierher bringen.‹«

»Jawohl, Herr!« erwiderte da gehorsam der Pförtner Upāli dem Hausvater.

Es hörte nun Dīghatapassī der Freie Bruder das Gerede: ›Upāli, sagt man, der Hausvater, soll sich zum Jüngerthum des Asketen Gotamo bekehrt haben!‹ Und Dīghatapassī der Freie Bruder begab sich zum Freien Bruder Nāthaputto und sprach also zu ihm:

»Das Gerücht, o Herr, ist mir zu Ohren gekommen, Upāli der Hausvater habe sich zum Jüngerthum des Asketen Gotamo bekehrt.«

»Unmöglich ist es, wahrlich, Tapassī, es kann nicht sein, dass sich Upāli der Hausvater zum Jüngerthum des Asketen Gotamo bekehrt habe: möglich aber ist es wohl, dass sich der Asket Gotamo zum Jüngerthum des Hausvaters Upāli bekehrt habe.«

{381}Und zum zweiten Mal, und zum dritten Mal sprach Dīghatapassī der Freie Bruder zum Freien Bruder Nāthaputto also:

»Das Gerücht, o Herr, ist mir zu Ohren gekommen, Upāli der Hausvater habe sich zum Jüngerthum des Asketen Gotamo bekehrt.«

»Unmöglich ist es, wahrlich, Tapassī, es kann nicht sein, dass sich Upāli der Hausvater zum Jüngerthum des Asketen Gotamo bekehrt habe: möglich aber ist es wohl, dass sich der Asket Gotamo zum Jüngerthum des Hausvaters Upāli bekehrt habe.«

»So will ich denn hingehn, o Herr, um zu erfahren,ob sich Upāli der Hausvater zum Jüngerthum des Asketen Gotamo bekehrt oder nicht bekehrt hat.«

»Gehe hin, Tapassī, und überzeuge dich, ob sich Upāli der Hausvater zum Jüngerthum des Asketen Gotamo bekehrt oder nicht bekehrt hat.«

Und Dīghatapassī der Freie Bruder machte sich nun auf den Weg zur Wohnung des Hausvaters Upāli. Es sah aber der Pförtner Dīghatapassī den Freien Bruder von ferne herankommen, und als er ihn gesehn sprach er also zu ihm:

»Bleibe, o Herr, wolle nicht eintreten: von heute an hat sich Upāli der Hausvater zum Jüngerthum des Asketen Gotamo bekehrt. Verschlossen ist die Pforte den Freien Brüdern und Freien Schwestern: unverschlossen ist sie den Jüngern des Erhabenen, den Mönchen und Nonnen, den Anhängern und Anhängerinen. Wenn du, o Herr, Almosen bedarfst, so bleibe nur hier: man wird es dir hierher bringen.«

»Ich brauche, o Freund, kein Almosen« sagte er, kehrte um, begab sich zum Freien Bruder Nāthaputto zurück und sprach also zu ihm:

»Wahr ist es wirklich, o Herr, dass sich Upāli der Hausvater zum Jüngerthum des Asketen Gotamo bekehrt hat. Und du hast es mir, o Herr, nicht zugestanden, als ich sagte: ›Es gefällt mir durchaus nicht, o Herr, dass Upāli der Hausvater den Asketen Gotamo beim Wort nehmen soll. Denn der Asket Gotamo, o Herr, ist listig, versteht verlockende List, wodurch er die Jünger anderer Asketen anlockt.‹ Und weggelockt ist dir, o Herr, Upāli der Hausvater worden vom Asketen Gotamo durch verlockende List!«

»Unmöglich ist es, wahrlich, Tapassī, es kann nicht sein, dass sich Upāli der Hausvater zum Jüngerthum des Asketen Gotamo bekehrt habe: möglich aber ist es wohl, dass sich der Asket Gotamo zum Jüngerthum des Hausvaters Upāli bekehrt habe.«

Und zum zweiten Mal, und zum dritten Mal sprach Dīghatapassī der Freie Bruder zum Freien Bruder Nāthaputto also:

»Es ist wirklich wahr, o Herr: Upāli der Hausvater hat sich zum Jüngerthum des Asketen Gotamo bekehrt.{382}Und du hast es mir, o Herr, nicht zugestanden, als ich sagte: ›Es gefällt mir durchaus nicht, o Herr, dass Upāli der Hausvater den Asketen Gotamo beim Wort nehmen soll. Denn der Asket Gotamo, o Herr, ist listig, versteht verlockende List, wodurch er die Jünger anderer Asketen anlockt.‹ Und weggelockt ist dir, o Herr, Upāli der Hausvater worden vom Asketen Gotamo durch verlockende List!«

»Unmöglich ist es, wahrlich, Tapassī, es kann nicht sein, dass sich Upāli der Hausvater zum Jüngerthum des Asketen Gotamo bekehrt habe: möglich aber ist es wohl, dass sich der Asket Gotamo zum Jüngerthum des Hausvaters Upāli bekehrt habe. So will ich denn hingehn, Tapassī, und mich selbst überzeugen, ob sich Upāli der Hausvater zum Jüngerthum des Asketen Gotamo bekehrt oder nicht bekehrt hat.«

Und der Freie Bruder Nāthaputto zog nun in Begleitung einer großen Schaar Freier Brüder zur Wohnung des Hausvaters Upāli hin. Und es sah der Pförtner den Freien Bruder Nāthaputto von ferne herankommen, und als er ihn gesehn sprach er also zu ihm:

»Bleibe, o Herr, wolle nicht eintreten: von heute an hat sich Upāli der Hausvater zum Jüngerthum des Asketen Gotamo bekehrt. Verschlossen ist die Pforte den Freien Brüdern und Freien Schwestern: unverschlossen ist sie den Jüngern des Erhabenen, den Mönchen und Nonnen, den Anhängern und Anhängerinen. Wenn du, o Herr, Almosen bedarfst, so bleibe nur hier: man wird es dir hierher bringen.«

»Wohlan denn, guter Pförtner, geh’ zu Upāli dem Hausvater und melde ihm: ›Der Freie Bruder, o Herr, Nāthaputto steht mit einer großen Schaar Freier Brüder vor dem Thore draußen: er möchte dich sehn.‹«

»Jawohl, Herr!« erwiderte da gehorsam der Pförtner dem Freien Bruder Nāthaputto; und er ging zu Upāli dem Hausvater und meldete ihm:

»Der Freie Bruder, o Herr, Nāthaputto steht mit einer großen Schaar Freier Brüder vor dem Thore draußen: er möchte dich sehn.«

»So stelle denn, guter Pförtner, in der mittleren Thorhalle die Stühle zurecht.«

»Jawohl, Herr!« erwiderte da gehorsam der Pförtner Upāli dem Hausvater; und er stellte in der mittleren Thorhalle die Stühle zurecht, und ging dann zu Upāli dem Hausvater und meldete ihm:

»Zurechtgestellt, o Herr, sind dir in der mittleren Thorhalle die Stühle, wie es dir beliebt.«

{383}Und Upāli der Hausvater trat nun in die mittlere Thorhalle ein, nahm dort auf dem ersten und besten, höchsten und vornehmsten Sitze Platz, und befahl dann dem Pförtner:

»So geh’ denn, guter Pförtner, zum Freien Bruder Nāthaputto und melde ihm: ›Upāli, Herr, der Hausvater, lässt sagen: ‚Wolle nähertreten, o Herr, wenn es dir genehm ist.‘‹«

»Jawohl, Herr!« erwiderte da gehorsam der Pförtner Upāli dem Hausvater; und er ging zum Freien Bruder Nāthaputto und meldete ihm: ›Upāli, Herr, der Hausvater, lässt sagen: ‚Wolle nähertreten, o Herr, wenn es dir genehm ist.‘‹

Und der Freie Bruder Nāthaputto trat nun mit seiner großen Schaar Freier Brüder in die mittlere Thorhalle ein. Und Upāli der Hausvater, der da früher, sobald er den Freien Bruder Nāthaputto von ferne herankommen sehn, ihm alsbald entgegengegangen und den ersten und besten, höchsten und vornehmsten Sitz dort eingeräumt, mit dem Mantel abgestäubt und angeboten hatte, der saß nun selbst dort auf dem ersten und besten, höchsten und vornehmsten Sitze; und er sprach also zum Freien Bruder Nāthaputto:

»Es sind hier, o Herr, Sitze bereit: wenn du willst setze dich.«

Also angesprochen entgegnete der Freie Bruder Nāthaputto Upāli dem Hausvater:

»Von Sinnen bist du, Hausvater, verloren hast du, Hausvater! Du hast ja gesagt: ›Hingehn will ich, o Herr, und den Asketen Gotamo beim Wort nehmen‹, und bist ausgezogen und mit einer gewaltigen Niederlage deiner Redekunst heimgekehrt. Gleichwie etwa, Hausvater, wenn ein Mann auszöge, Hoden auszureißen, und mit ausgerissenen Hoden heimkehrte; oder gleichwie etwa, Hausvater, wenn ein Mann auszöge, Augen auszureißen, undmit ausgerissenen Augen heimkehrte: ebenso nun auch, Hausvater, hast du gesagt: ›Hingehn will ich, o Herr, und den Asketen Gotamo beim Wort nehmen‹, und bist ausgezogen und mit einer gewaltigen Niederlage deiner Redekunst heimgekehrt. Weggelockt worden bist du nun, Hausvater, vom Asketen Gotamo durch verlockende List.«

»Beglückend, o Herr, ist diese verlockende List, besäligend, o Herr, ist diese verlockende List! Wenn sich, o Herr, meine lieben Leute und Hausgenossen durch solche Verlockung verleiten ließen, so würd’ es auch meinen lieben Leuten und Hausgenossen lange zum Wohle, zum Heile gereichen. Wenn sich auch, o Herr, alle Adeligen durch solche Verlockung verleiten ließen, so würd’ es einem jeden von ihnen lange zum Wohle, zum Heile gereichen.{384}Wenn sich auch, o Herr, alle Priester und alle Bürger und alle Diener durch solche Verlockung verleiten ließen, so würd’ es einem jeden von ihnen lange zum Wohle, zum Heile gereichen. Wenn sich auch, o Herr, die Welt mit ihren Göttern, ihren bösen und heiligen Geistern, mit ihrer Schaar von Büßern und Priestern, Göttern und Menschen durch solche Verlockung verleiten ließe, so würd’ es auch der Welt mit ihren Göttern, ihren bösen und heiligen Geistern, mit ihrer Schaar von Büßern und Priestern, Göttern und Menschen lange zum Wohle, zum Heile gereichen. Und so will ich dir nun, o Herr, ein Gleichniss geben: auch durch Gleichnisse wird da manchem verständigen Manne der Sinn einer Rede klar.

»Es war einmal, o Herr, ein Brāhmane, der war alt und greis und hochbetagt, und hatte eine jungeBrāhmanin zur Frau, die war schwanger, der Entbindung nahe. Und diese Brāhmanin, o Herr, sprach also zu ihrem Gemahl: ›Gehe, Brāhmane, auf den Markt, kaufe einen jungen Affen und bring’ ihn heim, auf dass er meinem Knäblein ein Spielgenosse werde.‹ Auf diese Worte, o Herr, erwiderte der Brāhmane seiner Gemahlin: ›Warte so lange, liebe Frau, bis du geboren hast: wenn du, liebe Frau, ein Knäblein gebären wirst, so werd’ ich auf den Markt gehn und dir einen jungen Affen kaufen und heimbringen, auf dass er deinem Knäblein ein Spielgenosse werde; wenn du aber, liebe Frau, ein Mägdlein gebären wirst, so werd’ ich auf den Markt gehn und dir eine junge Aeffin kaufen und heimbringen, auf dass sie deinem Mägdlein eine Spielgenossin werde.‹ Und ein zweites Mal, und ein drittes Mal, o Herr, sprach die Brāhmanin also zu ihrem Gemahl. Da ging nun endlich, o Herr, der Brāhmane, der seine Gemahlin sehr liebte, ihr innig zugethan war, auf den Markt, kaufte einen jungen Affen, brachte ihn heim und sprach also zu seiner Gemahlin:{385}›Da hast du, liebe Frau, den jungen Affen: ich hab’ ihn am Markte gekauft und dir nun heimgebracht, auf dass er deinem Knäblein ein Spielgenosse werde.‹ Auf diese Worte, o Herr, erwiderte die Brāhmanin ihrem Gemahle: ›Gehe, Brāhmane, mit diesem jungen Affen zu Rattapāṇi dem Färber und sag’ ihm: ‚Ich wünsche, guter Rattapāṇi, dass dieser junge Affe mit gelber Farbe gefärbt, aufgewalzt, durchgewalzt, auf beiden Seiten geglättet werde.‘ Und der Brāhmane, o Herr, der seine Gemahlin sehr liebte, ihr innig zugethan war, ging nun zu Rattapāṇi dem Färber und sprach also zu ihm: ›Ich wünsche, guter Rattapāṇi, dass dieser jungeAffe mit gelber Farbe gefärbt, aufgewalzt, durchgewalzt, auf beiden Seiten geglättet werde.‹ Auf diese Worte, o Herr, erwiderte Rattapāṇi der Färber dem Brāhmanen: ›Dieser junge Affe, o Herr, nimmt dir wohl Farbe an, aber lässt sich nicht aufwalzen, lässt sich nicht glatt machen.‹ Ebenso nun auch, o Herr, nimmt der thörigen Freien Brüder Rede wohl Farbe an, für Thoren, nicht für Weise, aber lässt sich nicht zurichten, lässt sich nicht glatt machen. — Und jener Brāhmane, o Herr, ging nun ein anderes Mal mit einem neuen Stück Tuch zu Rattapāṇi dem Färber und sprach also zu ihm: ›Ich wünsche, guter Rattapāṇi, dass dieses neue Stück Tuch mit gelber Farbe gefärbt, aufgewalzt, durchgewalzt, auf beiden Seiten geglättet werde.‹ Auf diese Worte, o Herr, erwiderte Rattapāṇi der Färber dem Brāhmanen: ›Dieses neue Stück Tuch, o Herr, das nimmt dir Farbe an und lässt sich aufwalzen und lässt sich glatt machen.‹ Ebenso nun auch, o Herr, nimmt des Erhabenen Rede, des Heiligen, vollkommen Erwachten, Farbe an, für Weise, nicht für Thoren, und lässt sich zurichten und lässt sich glatt machen.«

»Der König, o Hausvater, und das Hofgesinde weiß von dir: ›Upāli der Hausvater ist ein Jünger des Freien Bruders Nāthaputto‹; für wessen Jünger, Hausvater, sollen wir dich halten?«

Also befragt erhob sich Upāli der Hausvater von seinem Sitze, entblößte die eine Schulter, verneigte sich ehrerbietig nach der Richtung{386}wo der Erhabene weilte, und gab nun dem Freien Bruder Nāthaputto diese Antwort:

»So vernimm denn, o Herr, wessen Jünger ich bin.

»Des Weisen, den kein Wahn bethört,Kein Unmuth ankommt und kein Sieg versucht,Kein Uebel peinigt, keine Regung reizt,Gereifte Tugend, rechter Witz beräth,Erhaben über alle Welt kein Flecken fleckt:Ja, dessen Jünger, der bin ich.»Des Frohen, der da nimmer fragt,Zufrieden, weltgenussgenesen weilt,Asketenkunst gemeistert hat als Mensch,Den letzten Leib als Mann zu Ende trägt,Erhaben ohnegleichen heiter glänzt:Ja, dessen Jünger, der bin ich.»Des Kühnen, der kein Zagen kennt,Gewisser Führer, bester Lenker ist,So lieblich, wie kein Zweiter Wahrheit lehrt,Von Sehnsucht lauter, hell wie Sonnenlicht,Erhaben ohne Hoffart, heldensam:Ja, dessen Jünger, der bin ich.»Des Aechten, der alleinig west[22]Und unermesslich tief Gedanken denkt,Gar wohl uns rathen, helfen kann,In rechter Ordnung unverstörbar steht,Erhaben kehrt aus Fesseln frei hervor:Ja, dessen Jünger, der bin ich.»Des Großen, der entfremdet lebt,Von jedem Band entbunden, freigelöst,Besonnen keinem Frohne fröhnt,Und ohne Absicht, ohne WunscheshangErhaben abgewendet in sich ruht:Ja, dessen Jünger, der bin ich.»Des hehrsten Sehers, der uns taugt,Vollendet heilig, dreifach aufgeklärt,Gewitzigt, weil das Wort er weiß.Beschwichtigt, weil den Sinn er sieht,Erhaben, wie der Götterkönig hold:Ja, dessen Jünger, der bin ich.»Des Wackern, der sich selbst bewacht,Getreu im Tritte, gern uns Kunde giebt,Der in sich schaut und um sich schaut,Geneigt ist keinem, keinem abgeneigt,Erhaben herzensmächtig, unbewegt:Ja, dessen Jünger, der bin ich.»Des Fürsten, der da Schauung übt,Unhemmbar abgeschieden, rein entrückt,Enthaftet keine Furcht erfährt[23],Entwesen ledig, bis zum letzten Ziel,Erhaben und errettet Retter ist:Ja, dessen Jünger, der bin ich.»Des Sanften, der da reichlich weiß,Gewaltig weiß, und keiner Sucht begehrt,Vollkommen hier, willkommen hier,Nicht einem ebenbürtig, ebenbild,Erhaben weit hinausblickt, fein versteht:Ja, dessen Jünger, der bin ich.»Des Wachen, den kein Durst mehr quält,Kein Rauch umdüstert, nimmer Nebel netzt,Des Geistes, den das Opfer ehrt,Der wie kein andrer herrlich ragt empor,Erhaben Erstgerühmter, riesenhoch:Ja, dessen Jünger, der bin ich.«

»Des Weisen, den kein Wahn bethört,Kein Unmuth ankommt und kein Sieg versucht,Kein Uebel peinigt, keine Regung reizt,Gereifte Tugend, rechter Witz beräth,Erhaben über alle Welt kein Flecken fleckt:Ja, dessen Jünger, der bin ich.»Des Frohen, der da nimmer fragt,Zufrieden, weltgenussgenesen weilt,Asketenkunst gemeistert hat als Mensch,Den letzten Leib als Mann zu Ende trägt,Erhaben ohnegleichen heiter glänzt:Ja, dessen Jünger, der bin ich.»Des Kühnen, der kein Zagen kennt,Gewisser Führer, bester Lenker ist,So lieblich, wie kein Zweiter Wahrheit lehrt,Von Sehnsucht lauter, hell wie Sonnenlicht,Erhaben ohne Hoffart, heldensam:Ja, dessen Jünger, der bin ich.»Des Aechten, der alleinig west[22]Und unermesslich tief Gedanken denkt,Gar wohl uns rathen, helfen kann,In rechter Ordnung unverstörbar steht,Erhaben kehrt aus Fesseln frei hervor:Ja, dessen Jünger, der bin ich.»Des Großen, der entfremdet lebt,Von jedem Band entbunden, freigelöst,Besonnen keinem Frohne fröhnt,Und ohne Absicht, ohne WunscheshangErhaben abgewendet in sich ruht:Ja, dessen Jünger, der bin ich.»Des hehrsten Sehers, der uns taugt,Vollendet heilig, dreifach aufgeklärt,Gewitzigt, weil das Wort er weiß.Beschwichtigt, weil den Sinn er sieht,Erhaben, wie der Götterkönig hold:Ja, dessen Jünger, der bin ich.»Des Wackern, der sich selbst bewacht,Getreu im Tritte, gern uns Kunde giebt,Der in sich schaut und um sich schaut,Geneigt ist keinem, keinem abgeneigt,Erhaben herzensmächtig, unbewegt:Ja, dessen Jünger, der bin ich.»Des Fürsten, der da Schauung übt,Unhemmbar abgeschieden, rein entrückt,Enthaftet keine Furcht erfährt[23],Entwesen ledig, bis zum letzten Ziel,Erhaben und errettet Retter ist:Ja, dessen Jünger, der bin ich.»Des Sanften, der da reichlich weiß,Gewaltig weiß, und keiner Sucht begehrt,Vollkommen hier, willkommen hier,Nicht einem ebenbürtig, ebenbild,Erhaben weit hinausblickt, fein versteht:Ja, dessen Jünger, der bin ich.»Des Wachen, den kein Durst mehr quält,Kein Rauch umdüstert, nimmer Nebel netzt,Des Geistes, den das Opfer ehrt,Der wie kein andrer herrlich ragt empor,Erhaben Erstgerühmter, riesenhoch:Ja, dessen Jünger, der bin ich.«

»Des Weisen, den kein Wahn bethört,Kein Unmuth ankommt und kein Sieg versucht,Kein Uebel peinigt, keine Regung reizt,Gereifte Tugend, rechter Witz beräth,Erhaben über alle Welt kein Flecken fleckt:Ja, dessen Jünger, der bin ich.

»Des Weisen, den kein Wahn bethört,

Kein Unmuth ankommt und kein Sieg versucht,

Kein Uebel peinigt, keine Regung reizt,

Gereifte Tugend, rechter Witz beräth,

Erhaben über alle Welt kein Flecken fleckt:

Ja, dessen Jünger, der bin ich.

»Des Frohen, der da nimmer fragt,Zufrieden, weltgenussgenesen weilt,Asketenkunst gemeistert hat als Mensch,Den letzten Leib als Mann zu Ende trägt,Erhaben ohnegleichen heiter glänzt:Ja, dessen Jünger, der bin ich.

»Des Frohen, der da nimmer fragt,

Zufrieden, weltgenussgenesen weilt,

Asketenkunst gemeistert hat als Mensch,

Den letzten Leib als Mann zu Ende trägt,

Erhaben ohnegleichen heiter glänzt:

Ja, dessen Jünger, der bin ich.

»Des Kühnen, der kein Zagen kennt,Gewisser Führer, bester Lenker ist,So lieblich, wie kein Zweiter Wahrheit lehrt,Von Sehnsucht lauter, hell wie Sonnenlicht,Erhaben ohne Hoffart, heldensam:Ja, dessen Jünger, der bin ich.

»Des Kühnen, der kein Zagen kennt,

Gewisser Führer, bester Lenker ist,

So lieblich, wie kein Zweiter Wahrheit lehrt,

Von Sehnsucht lauter, hell wie Sonnenlicht,

Erhaben ohne Hoffart, heldensam:

Ja, dessen Jünger, der bin ich.

»Des Aechten, der alleinig west[22]Und unermesslich tief Gedanken denkt,Gar wohl uns rathen, helfen kann,In rechter Ordnung unverstörbar steht,Erhaben kehrt aus Fesseln frei hervor:Ja, dessen Jünger, der bin ich.

»Des Aechten, der alleinig west[22]

Und unermesslich tief Gedanken denkt,

Gar wohl uns rathen, helfen kann,

In rechter Ordnung unverstörbar steht,

Erhaben kehrt aus Fesseln frei hervor:

Ja, dessen Jünger, der bin ich.

»Des Großen, der entfremdet lebt,Von jedem Band entbunden, freigelöst,Besonnen keinem Frohne fröhnt,Und ohne Absicht, ohne WunscheshangErhaben abgewendet in sich ruht:Ja, dessen Jünger, der bin ich.

»Des Großen, der entfremdet lebt,

Von jedem Band entbunden, freigelöst,

Besonnen keinem Frohne fröhnt,

Und ohne Absicht, ohne Wunscheshang

Erhaben abgewendet in sich ruht:

Ja, dessen Jünger, der bin ich.

»Des hehrsten Sehers, der uns taugt,Vollendet heilig, dreifach aufgeklärt,Gewitzigt, weil das Wort er weiß.Beschwichtigt, weil den Sinn er sieht,Erhaben, wie der Götterkönig hold:Ja, dessen Jünger, der bin ich.

»Des hehrsten Sehers, der uns taugt,

Vollendet heilig, dreifach aufgeklärt,

Gewitzigt, weil das Wort er weiß.

Beschwichtigt, weil den Sinn er sieht,

Erhaben, wie der Götterkönig hold:

Ja, dessen Jünger, der bin ich.

»Des Wackern, der sich selbst bewacht,Getreu im Tritte, gern uns Kunde giebt,Der in sich schaut und um sich schaut,Geneigt ist keinem, keinem abgeneigt,Erhaben herzensmächtig, unbewegt:Ja, dessen Jünger, der bin ich.

»Des Wackern, der sich selbst bewacht,

Getreu im Tritte, gern uns Kunde giebt,

Der in sich schaut und um sich schaut,

Geneigt ist keinem, keinem abgeneigt,

Erhaben herzensmächtig, unbewegt:

Ja, dessen Jünger, der bin ich.

»Des Fürsten, der da Schauung übt,Unhemmbar abgeschieden, rein entrückt,Enthaftet keine Furcht erfährt[23],Entwesen ledig, bis zum letzten Ziel,Erhaben und errettet Retter ist:Ja, dessen Jünger, der bin ich.

»Des Fürsten, der da Schauung übt,

Unhemmbar abgeschieden, rein entrückt,

Enthaftet keine Furcht erfährt[23],

Entwesen ledig, bis zum letzten Ziel,

Erhaben und errettet Retter ist:

Ja, dessen Jünger, der bin ich.

»Des Sanften, der da reichlich weiß,Gewaltig weiß, und keiner Sucht begehrt,Vollkommen hier, willkommen hier,Nicht einem ebenbürtig, ebenbild,Erhaben weit hinausblickt, fein versteht:Ja, dessen Jünger, der bin ich.

»Des Sanften, der da reichlich weiß,

Gewaltig weiß, und keiner Sucht begehrt,

Vollkommen hier, willkommen hier,

Nicht einem ebenbürtig, ebenbild,

Erhaben weit hinausblickt, fein versteht:

Ja, dessen Jünger, der bin ich.

»Des Wachen, den kein Durst mehr quält,Kein Rauch umdüstert, nimmer Nebel netzt,Des Geistes, den das Opfer ehrt,Der wie kein andrer herrlich ragt empor,Erhaben Erstgerühmter, riesenhoch:Ja, dessen Jünger, der bin ich.«

»Des Wachen, den kein Durst mehr quält,

Kein Rauch umdüstert, nimmer Nebel netzt,

Des Geistes, den das Opfer ehrt,

Der wie kein andrer herrlich ragt empor,

Erhaben Erstgerühmter, riesenhoch:

Ja, dessen Jünger, der bin ich.«

»Wann hast du dir nur, Hausvater, diese Lobpreisungen des Asketen Gotamo zusammengesucht?«

»Gleichwie etwa, o Herr, wenn da ein großer Haufe verschiedener Blumen läge,{387}und es bände ihn ein geschickter Gärtner oder Gärtnergeselle zu einem bunten Strauße zusammen, ebenso nun auch, o Herr, eignet Ihm, dem Erhabenen, vielfaches Lob, vielhundertfaches Lob: und wer wird, o Herr, einen, der Lob verdient, nicht loben?«

Aber dem Freien Bruder Nāthaputto, der des Erhabenen Ehrung nicht länger zu ertragen vermochte, quoll da warmes Blut aus dem Munde hervor.[24]

57.

Sechster Theil

Siebente Rede

Das hab’ ich gehört. Zu einer Zeit weilte der Erhabene im Lande der Koḷiyer, zu Haliddavasanam, einer Burg im Koḷiyergebiete.

Da nun begab sich der Koḷiyer Puṇṇo, ein Kuhlehrling, und Seniyo der Unbekleidete, ein Hundelehrling, dorthin wo der Erhabene weilte. Dort angelangt begrüßte der Koḷiyer Puṇṇo, der Kuhlehrling, den Erhabenen ehrerbietig und setzte sich seitwärts nieder; während Seniyo der Unbekleidete, der Hundelehrling, mit dem Erhabenen höflichen Gruß und freundliche, denkwürdige Wortewechselte und sich dann wie ein Hund eingerollt seitwärts hinsetzte.

Seitwärts sitzend sprach nun der Koḷiyer Puṇṇo, der Kuhlehrling, zum Erhabenen also:

»Dieser Unbekleidete, o Herr, Seniyo der Hundelehrling, übt schwere Buße: auf die Erde geworfene Nahrung nimmt er zu sich. Er hat das Hundegelübde lange Zeit hindurch befolgt und bewahrt: wohin wird er gelangen, was darf er erwarten?«

»Genug, Puṇṇo,lass es gut sein, frage mich das nicht!«

Und zum zweiten Mal, und zum dritten Mal sprach der Koḷiyer Puṇṇo, der Kuhlehrling, zum Erhabenen also:

»Dieser Unbekleidete, o Herr, Seniyo der Hundelehrling, übt schwere Buße: auf die Erde geworfene Nahrung nimmt er zu sich. Er hat das Hundegelübde lange Zeit hindurch befolgt und bewahrt: wohin wird er gelangen, was darf er erwarten?«

»Wohlan denn, Puṇṇo, du giebst mir nicht nach: genug, Puṇṇo, lass’ es gut sein, frage mich das nicht; so will ich dir nun Rede stehn. Da verwirklicht, Puṇṇo, einer das Hundegelübde, kommt ihm ganz und gar nach, verwirklicht die Hundegewohnheit, kommt ihr ganz und gar nach, verwirklicht das Hundegemüth, kommt ihm ganz und gar nach,{388}verwirklicht das Hundegehaben, kommt ihm ganz und gar nach. Und hat er das Hundegelübde verwirklicht, ist ihm ganz und gar nachgekommen, hat er die Hundegewohnheit verwirklicht, ist ihr ganz und gar nachgekommen, hat er das Hundegemüth verwirklicht, ist ihm ganz und gar nachgekommen, hat er das Hundegehaben verwirklicht, ist ihm ganz und garnachgekommen, so gelangt er bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, unter Hunden wieder zum Dasein. Wenn er aber die Meinung hegt: ›Durch diese Uebungen oder Gelübde, Kasteiung oder Entsagung werd’ ich ein Gott werden oder ein Göttlicher!‹, so ist es eine falsche Meinung. Und seine falsche Meinung, sag’ ich, Puṇṇo, lässt ihn nach der einen oder nach der anderen Seite gelangen: in höllische Welt oder in thierischen Schooß. So führt also, Puṇṇo, das Hundegelübde, wenn es gelingt, zu den Hunden hin, und wenn es misslingt, in höllische Welt.«

Auf diese Worte brach Seniyo der Unbekleidete, der Hundelehrling, in Wehklagen und Thränen aus. Und der Erhabene sprach nun zum Koḷiyer Puṇṇo, dem Kuhlehrling, also:

»Du hast mir ja, Puṇṇo, nicht nachgeben wollen: genug, Puṇṇo, lass’ es gut sein, frage mich das nicht!«

»Nicht klage ich, o Herr, weil der Erhabene solches über mich ausgesagt hat, sondern weil ich, o Herr, diesesHundegelübte lange Zeit hindurch befolgt und bewahrt habe! — Dieser Koḷiyer Puṇṇo, o Herr, der Kuhlehrling, hat das Kuhgelübde lange Zeit hindurch befolgt und bewahrt: wohin wird er gelangen, was darf er erwarten?«

»Genug, Seniyo, lass’ es gut sein, frage mich das nicht!«

Und zum zweiten Mal, und zum dritten Mal sprach Seniyo der Unbekleidete, der Hundelehrling, zum Erhabenen also:

»Dieser Koḷiyer Puṇṇo, o Herr, der Kuhlehrling, hat das Kuhgelübde lange Zeit hindurch befolgt und bewahrt: wohin wird er gelangen, was darf er erwarten?«

»Wohlan denn, Seniyo, du giebst mir nicht nach: genug, Seniyo, lass’ es gut sein, frage mich das nicht; so will ich dir nun Rede stehn. Da verwirklicht, Seniyo, einer das Kuhgelübde, kommt ihm ganz und gar nach, verwirklicht die Kuhgewohnheit, kommt ihr ganz und gar nach, verwirklicht das Kuhgemüth, kommt ihm ganz und gar nach, verwirklicht das Kuhgehaben, kommt ihm ganz und gar nach. Und hat er das Kuhgelübde verwirklicht, ist ihm ganz und gar nachgekommen, hat er die Kuhgewohnheit verwirklicht, ist ihr ganz und gar nachgekommen, hat er das Kuhgemüth verwirklicht, ist ihm ganz und gar nachgekommen, hat er das Kuhgehaben verwirklicht, ist ihm ganz und gar nachgekommen, so gelangt er bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, unter Kühen wieder zum Dasein. Wenn er aber die Meinung hegt:{389}›Durch diese Uebungen oder Gelübde, Kasteiung oder Entsagung werd’ ich ein Gott werden oder ein Göttlicher!‹, so ist es eine falsche Meinung. Und seine falsche Meinung, sag’ ich, Seniyo, lässt ihn nach der einen oder nach der anderen Seite gelangen: in höllische Welt oder in thierischen Schooß. So führt also, Seniyo, das Kuhgelübde, wenn es gelingt, zu den Kühen hin, und wenn es misslingt, in höllische Welt.«

Auf diese Worte brach der Koḷiyer Puṇṇo, der Kuhlehrling, in Wehklagen und Thränen aus. Und der Erhabene sprach nun zu Seniyo dem Unbekleideten, dem Hundelehrling, also:

»Du hast mir ja, Seniyo, nicht nachgeben wollen: genug, Seniyo, lass’ es gut sein, frage mich das nicht!«

»Nicht klage ich, o Herr, weil der Erhabene solches über mich ausgesagt hat, sondern weil ich, o Herr, diesesKuhgelübde lange Zeit hindurch befolgt und bewahrt habe. — So viel trau’ ich, o Herr, dem Erhabenen zu und glaube, der Erhabene kann die Lehre derart zeigen, dass ich eben von diesem Kuhgelübde, Seniyo aber der Unbekleidete, der Hundelehrling, von dem Hundegelübde abstehn mag!«

»So höre denn, Puṇṇo, und achte wohl auf meine Rede.«

»Gewiss, o Herr!« erwiderte da aufmerksam der Koḷiyer Puṇṇo, der Kuhlehrling, dem Erhabenen. Der Erhabene sprach also:

»Vier Arten von Thaten, Puṇṇo, hab’ ich mir offenbar gemacht, verwirklicht und erklärt: welche vier sind das?Es giebt, Puṇṇo, dunkle That, die dunkle Folge hat; es giebt, Puṇṇo, lichte That, die lichte Folge hat; es giebt, Puṇṇo, dunkel-lichte That, die dunkel-lichte Folge hat; es giebt, Puṇṇo, weder dunkle noch lichte That, die weder dunkle noch lichte Folge hat, That, die zur Thatenversiegung führt. Was ist das aber, Puṇṇo, für eine That, die dunkel ist und dunkle Folge hat? Da begeht einer, Puṇṇo, in Werken beschwerhafte Handlung, begeht in Worten beschwerhafte Handlung, begeht in Gedanken beschwerhafte Handlung. Und hat er in Werken beschwerhafte Handlung begangen, in Worten beschwerhafte Handlung begangen, in Gedanken beschwerhafte Handlung begangen, so gelangt er in beschwerhafter Welt wieder zum Dasein. Und ist er in beschwerhafter Welt wieder zum Dasein gelangt, so empfangen ihn beschwerhafte Empfindungen. Und von beschwerhaften Empfindungen empfangen fühlt er ein beschwerhaftes Gefühl, einzig leidvoll, gleichwie etwa höllische Wesen.{390}Alsokommt, Puṇṇo, nach dem Wirken des Wesens Wiedersein zustande. Was einer wirkt lässt ihn wiedersein; wiedergeworden empfangen ihn Empfindungen. Darum aber, Puṇṇo, sag’ ich: Erben der Werke sind die Wesen. Das heißt man, Puṇṇo, dunkle That, die dunkle Folge hat.

»Und was ist das, Puṇṇo, für eine That, die licht ist und lichte Folge hat? Da begeht einer, Puṇṇo, in Werken beschwerlose Handlung, begeht in Worten beschwerlose Handlung, begeht in Gedanken beschwerlose Handlung. Und hat er in Werken beschwerlose Handlung begangen, in Worten beschwerlose Handlung begangen, in Gedanken beschwerlose Handlung begangen, so gelangt er in beschwerloser Welt wieder zum Dasein. Und ist er in beschwerloser Welt wieder zum Dasein gelangt, so empfangen ihn beschwerlose Empfindungen. Und von beschwerlosen Empfindungen empfangen fühlt er ein beschwerloses Gefühl, einzig freudvoll, gleichwie etwa strahlende Götter. Also kommt, Puṇṇo, nach dem Wirken des Wesens Wiedersein zustande. Was einer wirkt lässt ihn wiedersein; wiedergeworden empfangen ihn Empfindungen. Darum aber, Puṇṇo, sag’ ich: Erben der Werke sind die Wesen. Das heißt man, Puṇṇo, lichte That, die lichte Folge hat.

»Und was ist das, Puṇṇo, für eine That, die dunkel-licht ist und dunkel-lichte Folge hat? Da begeht einer, Puṇṇo, in Werken beschwerhafte Handlung und beschwerlose Handlung, begeht in Worten beschwerhafte Handlung und beschwerlose Handlung, begeht in Gedanken beschwerhafte Handlung und beschwerlose Handlung. Und hat er in Werken beschwerhafte Handlung und beschwerlose Handlung begangen, in Wortenbeschwerhafte Handlung und beschwerlose Handlung begangen, in Gedanken beschwerhafte Handlung und beschwerlose Handlung begangen, so gelangt er in beschwerhafter und beschwerloser Welt wieder zum Dasein. Und ist er in beschwerhafter und beschwerloser Welt wieder zum Dasein gelangt, so empfangen ihn beschwerhafte und beschwerlose Empfindungen. Und von beschwerhaften und beschwerlosen Empfindungen empfangen fühlt er ein beschwerhaftes und beschwerloses Gefühl, freudvoll und leidvoll gemischt, gleichwie etwa Menschen, und manche Götter und manche Geister.[25]Also kommt, Puṇṇo, nach dem Wirken des Wesens Wiedersein zustande. Was einer wirkt lässt ihn wiedersein; wiedergeworden empfangen ihn Empfindungen. Darum aber, Puṇṇo, sag’ ich: Erben der Werke sind die Wesen. Das heißt man, Puṇṇo, dunkel-lichte That, die dunkel-lichte Folge hat.

{391}»Und was ist das, Puṇṇo, für eine That, die weder dunkel noch licht ist und weder dunkle noch lichte Folge hat, That, die zur Thatenversiegung führt? Es ist da, Puṇṇo, was dunkle That anlangt, die dunkle Folge hat, deren Verleugnung, die gedacht wird; und ist was lichte That anlangt, die lichte Folge hat, deren Verleugnung, die gedacht wird; und ist was dunkel-lichte That anlangt, die dunkel-lichte Folge hat, deren Verleugnung, die gedacht wird. Das heißt man, Puṇṇo, weder dunkle noch lichte That, die weder dunkle noch lichte Folge hat, That, die zur Thatenversiegung führt.

»Das aber, Puṇṇo, sind die vier Arten von Thaten, die ich mir offenbar gemacht, verwirklicht und erklärt habe.«

Nach diesen Worten wandte sich der Koḷiyer Puṇṇo, der Kuhlehrling, also an den Erhabenen:

»Vortrefflich, o Herr, vortrefflich, o Herr! Gleichwie etwa, o Herr, als ob man Umgestürztes aufstellte, oder Verdecktes enthüllte, oder Verirrten den Weg wiese, oder ein Licht in die Finsterniss hielte: ›Wer Augen hat wird die Dinge sehn‹: ebenso auch hat der Erhabene die Lehre gar vielfach gezeigt. Und so nehm’ ich, o Herr, beim Erhabenen Zuflucht, bei der Lehre und bei der Jüngerschaft: als Anhänger möge mich der Erhabene betrachten, von heute an zeitlebens getreu.«

Seniyo aber der Unbekleidete, der Hundelehrling, sprach zum Erhabenen also:

»Vortrefflich, o Herr, vortrefflich, o Herr! Gleichwie etwa, o Herr, als ob man Umgestürztes aufstellte, oder Verdecktes enthüllte, oder Verirrten den Weg wiese, oder Licht in die Finsterniss hielte: ›Wer Augen hat wird die Dinge sehn‹: ebenso auch hat der Erhabene die Lehre gar manigfach gezeigt. Und so nehm’ ich, o Herr, beim Erhabenen Zuflucht, bei der Lehre und bei der Jüngerschaft: möge mir, o Herr, der Erhabene Aufnahme gewähren, die Ordensweihe ertheilen!«

»Wer da, Seniyo, erst einem anderen Orden angehörte und in diese Lehre und Zucht aufgenommen werden, die Weihe erhalten will, der bleibt vier Monate bei uns; und nach Verlauf von vier Monaten wird er, wenn er also verblieben ist, von innig erfahrenen Mönchen aufgenommen und eingeweiht in das Mönchthum: denn ich habe hier manche Veränderlichkeit erfahren.«

»Wenn, o Herr, die früheren Anhänger anderer Orden, welche in diese Lehre und Zucht aufgenommenwerden, die Weihe erhalten wollen, vier Monate bleiben, und nach Verlauf von vier Monaten, wenn sie also verblieben sind, von innig erfahrenen Mönchen aufgenommen und eingeweiht werden in das Mönchthum, so will ich vier Jahre bleiben[26]: und nach Verlauf von vier Jahren sollen mich, wenn ich also verblieben bin, innig erfahrene Mönche aufnehmen und einweihen in das Mönchthum.«

Es wurde Seniyo der Unbekleidete, der Hundelehrling, vom Erhabenen aufgenommen, wurde mit der Ordensweihe belehnt.

Nicht lange aber war der ehrwürdige Seniyo in den Orden aufgenommen, da hatte er, einsam, abgesondert, unermüdlich,{392}in heißem, innigem Ernste gar bald was edle Söhne gänzlich vom Hause fort in die Hauslosigkeit lockt, jenes höchste Ziel des Asketenthums noch bei Lebzeiten sich offenbar gemacht, verwirklicht und errungen. ›Versiegt ist die Geburt, vollendet das Asketenthum, gewirkt das Werk, nicht mehr ist diese Welt‹ verstand er da. Auch einer war nun der ehrwürdige Seniyo der Heiligen geworden.[27]

58.

Sechster Theil

Achte Rede

Das hab’ ich gehört. Zu einer Zeit weilte der Erhabene bei Rājagaham, im Bambusparke, am Hügel[28]der Eichhörnchen.

Da nun begab sich Abhayo der Königsohn dorthin wo der Freie Bruder Nāthaputto weilte, begrüßte den Freien Bruder Nāthaputto ehrerbietig und setzte sich seitwärts nieder. Und zu Abhayo dem Königsohn, der zur Seite saß, sprach der Freie Bruder Nāthaputto also:

»Gehe, du Königsohn, und nimm den Asketen Gotamo beim Worte: dann wird man dir mit dem frohen Ruhmesrufe begegnen: ‚Abhayo der Königsohn hat den Asketen Gotamo, den so mächtigen, so gewaltigen, beim Worte genommen!‘«

»Wie aber, o Herr, soll ich den Asketen Gotamo, den so mächtigen, so gewaltigen, beim Worte nehmen?«

»Gehe, du Königsohn, hin wo der Asket Gotamo weilt, und sprich dann also zu ihm: ›Mag wohl, o Herr, der Vollendete Dinge sagen, die den anderen unlieb und unangenehm sind?‹ Wenn dir der Asket Gotamo auf diese Frage also antwortet: ›Sagen mag, o Königsohn, der Vollendete Dinge, die den anderen unlieb und unangenehm sind‹, so hast du also zu ihm zu reden: ›Aber was ist dann nur, o Herr, für ein Unterschied zwischen dir und einem gewöhnlichen Menschen? Denn auch der gewöhnliche Mensch mag Dinge sagen, die den anderen unlieb und unangenehm sind.‹ Doch wenn dir der Asket Gotamo auf deine Frage also antwortet: ›Nicht mag, o Königsohn, der Vollendete Dinge sagen, die den anderen unlieb und unangenehm sind‹,{393}so hast du also zu ihm zu reden: ›Aber hast du denn nicht, o Herr, von Devadatto gesagt: ‚Unsälig ist Devadatto, unrettbar ist Devadatto, Zwecke sucht Devadatto[29], unheilbar ist Devadatto‘? Und diese deine Worte haben Devadatto zornig und unzufrieden gemacht!‹ Legst du, o Königsohn, demAsketen Gotamo diese doppeldeutige Frage vor, so wird er weder ausschlingen noch einschlingen können. Gleichwie etwa ein Mann, dem ein eiserner Ring um den Hals gelegt ist, nicht ausschlingen kann und nicht einschlingen, ebenso nun auch, o Königsohn, wird der Asket Gotamo auf diese doppeldeutige Frage weder ausschlingen noch einschlingen können.«

»Gut, o Herr!« erwiderte da gehorsam Abhayo der Königsohn dem Freien Bruder Nāthaputto. Und er stand von seinem Sitze auf, begrüßte den Freien Bruder Nāthaputto ehrerbietig, ging rechts herum und begab sich dorthin wo der Erhabene weilte, begrüßte den Erhabenen ehrerbietig und setzte sich seitwärts nieder. Als nun Abhayo der Königsohn zur Seite saß, da sah er nach der Sonne und gedachte: ›Es ist heute nicht an der Zeit, den Erhabenen beim Worte zu nehmen; morgen dann will ich in meinem Hause den Erhabenen beim Worte nehmen‹: und er sprach zum Erhabenen also:

»Gewähre mir, o Herr, der Erhabene die Bitte, morgen selbviert bei mir zu speisen!«

Schweigend gewährte der Erhabene die Bitte.

Als nun Abhayo der Königsohn der Zustimmung des Erhabenen sicher war, stand er von seinem Sitze auf, begrüßte den Erhabenen ehrerbietig, ging rechts herum und entfernte sich.

Und der Erhabene begab sich am nächsten Morgen, zeitig gerüstet, mit Mantel und Schaale versehn, nach dem Hause Abhayo des Königsohns. Dort angelangt nahm der Erhabene auf dem dargebotenen Sitze Platz. Und Abhayo der Königsohn bediente und versorgteeigenhändig den Erhabenen mit ausgewählter fester und flüssiger Speise.

Nachdem nun der Erhabene gespeist und das Mahl beendet hatte, nahm Abhayo der Königsohn einen von den niederen Stühlen zur Hand und setzte sich zur Seite hin. Zur Seite sitzend sprach dann Abhayo der Königsohn zum Erhabenen also:

»Mag wohl, o Herr, der Vollendete Dinge sagen, die den anderen unlieb und unangenehm sind?«

»Nicht wohl, Königsohn, einzig das.«

»Das haben, o Herr, die Freien Brüder vorgebracht.«

»Warum denn, Königsohn, sprichst du also: ›Das haben, o Herr,{394}die Freien Brüder vorgebracht‹?«

»Da war ich, o Herr, zum Freien Bruder Nāthaputto hingegangen, hatte ihn ehrerbietig begrüßt und mich seitwärts niedergesetzt. Und als ich da saß, sprach der Freie Bruder Nāthaputto also zu mir: ›Gehe, du Königsohn, und nimm den Asketen Gotamo beim Worte: dann wird man dir mit dem frohen Ruhmesrufe begegnen: ‚Abhayo der Königsohn hat den Asketen Gotamo, den so mächtigen, so gewaltigen, beim Worte genommen!‘‹ Auf diesen Rath, o Herr, erwiderte ich dem Freien Bruder Nāthaputto: ›Wie soll ich aber, o Herr, den Asketen Gotamo, den so mächtigen, so gewaltigen, beim Worte nehmen?‹ — ›Gehe, du Königsohn, hin wo der Asket Gotamo weilt, und sprich dann also zu ihm: ‚Mag wohl, o Herr, der Vollendete Dinge sagen, die den anderen unlieb und unangenehm sind?‘ Wenn dir der Asket Gotamo auf diese Frage also antwortet: ‚Sagen mag, o Königsohn, der Vollendete Dinge, die den anderen unlieb und unangenehm sind‘, so hast du also zu ihm zu reden: ‚Aberwas ist dann nur, o Herr, für ein Unterschied zwischen dir und einem gewöhnlichen Menschen? Denn auch der gewöhnliche Mensch mag Dinge sagen, die den anderen unlieb und unangenehm sind.‘ Doch wenn dir der Asket Gotamo auf deine Frage also antwortet: ‚Nicht mag, o Königsohn, der Vollendete Dinge sagen, die den anderen unlieb und unangenehm sind‘, so hast du also zu ihm zu reden: ‚Aber hast du denn nicht, o Herr, von Devadatto gesagt: „Unsälig ist Devadatto, unrettbar ist Devadatto, Zwecke sucht Devadatto, unheilbar ist Devadatto“? Und diese deine Worte haben Devadatto zornig und unzufrieden gemacht!‘ Legst du, o Königsohn, dem Asketen Gotamo diese doppeldeutige Frage vor, so wird er weder ausschlingen noch einschlingen können. Gleichwie etwa ein Mann, dem ein eiserner Ring um den Hals gelegt ist, nicht ausschlingen kann und nicht einschlingen, ebenso nun auch, o Königsohn, wird der Asket Gotamo auf diese doppeldeutige Frage weder ausschlingen noch einschlingen können.‹«

Während dieses Gespräches nun hatte Abhayo der Königsohn einen zarten Knaben, einen unvernünftigen Säugling auf dem Schooße sitzen. Da sprach nun der Erhabene zu Abhayo dem Königsohn also:

{395}»Was meinst du wohl, Königsohn: wenn dieser Knabe infolge deiner Nachlässigkeit oder der Nachlässigkeit seiner Amme ein Holzstück oder einen Scherben in den Mund nähme, was würdest du mit ihm machen?«

»Ich würd’ es ihm wegnehmen, o Herr! Wenn ich es, o Herr, nicht gleich von Anfang an wegnehmen könnte, so würd’ ich mit der linken Hand seinen Kopfhalten und mit der rechten einen Finger krümmen und es ihm, selbst blutig, herausziehen. Und warum das? Weil mich, o Herr, der Knabe erbarmt.«

»Ebenso nun auch, Königsohn, kennt der Vollendete Worte, von denen er weiß, dass sie unwahr, unächt, unheilsam und den anderen unlieb und unangenehm sind, und mag der Vollendete solche Worte nicht sagen; und kennt der Vollendete Worte, von denen er weiß, dass sie wahr und ächt und unheilsam und den anderen unlieb und unangenehm sind, und mag der Vollendete auch solche Worte nicht sagen; doch kennt der Vollendete Worte, von denen er weiß, dass sie wahr und ächt und heilsam und den anderen unlieb und unangenehm sind, und mag da der Vollendete die Zeit ermessen, solche Worte zu reden. Es kennt der Vollendete Worte, von denen er weiß, dass sie unwahr, unächt, unheilsam und den anderen lieb und angenehm sind, und mag der Vollendete solche Worte nicht sagen; und kennt der Vollendete Worte, von denen er weiß, dass sie wahr und ächt und unheilsam und den anderen lieb und angenehm sind, und mag der Vollendete auch solche Worte nicht sagen; doch kennt der Vollendete Worte, von denen er weiß, dass sie wahr und ächt und heilsam und den anderen lieb und angenehm sind, und mag da der Vollendete die Zeit ermessen, solche Worte zu reden. Und warum das? Weil, Königsohn, den Vollendeten die Wesen erbarmen.«

»Wenn da, o Herr, gelehrte Fürsten und gelehrte Priester, gelehrte Bürger und gelehrte Asketen eine Frage zusammenstellen und den Vollendeten aufsuchen und sie vorlegen, hat da wohl, o Herr, der Erhabene schonvorher im Geiste daran gedacht: ›Wer mich aufsuchen und befragen wird, dem werd’ ich auf solche Frage solche Antwort geben‹; oder kommt es eben erst im Augenblick dem Vollendeten in den Sinn?«

»Da will ich dir nun, Königsohn, eben hierüber eine Frage stellen: wie’s dir gutdünkt magst du sie beantworten. Was meinst du wohl, Königsohn: sind dir die Theile und Stücke des Wagens genau bekannt?«

»Gewiss, o Herr, genau sind mir die Theile und Stücke des Wagens bekannt.«

»Was meinst du wohl, Königsohn: wenn man zu dir käme und dich fragte: ›Was ist denn das für ein Theil und Stück vom Wagen‹, würdest du etwa schon vorher im Geiste daran gedacht haben:{396}›Wer mich aufsuchen und befragen wird, dem werd’ ich auf solche Frage solche Antwort geben‹; oder kam’ es dir eben erst im Augenblick in den Sinn?«

»Ich bin ja, o Herr, ein erfahrener Wagenlenker, genau sind mir die Theile und Stücke des Wagens bekannt, alle Theile und Stücke des Wagens hab’ ich wohl erprobt: eben erst im Augenblicke käm’ es mir in den Sinn.«

»Ebenso nun auch, Königsohn, gehn da gelehrte Fürsten und gelehrte Priester, gelehrte Bürger und gelehrte Asketen den Vollendeten mit einer Frage an, und es kommt dem Vollendeten eben erst im Augenblick in den Sinn. Und warum das? Jene Eigenart der Dinge hat ja, Königsohn, der Vollendete von Grund aus erkannt, so dass es durch die gründliche Erkenntniss der Eigenart der Dinge dem Vollendeten eben erst im Augenblick in den Sinn kommt.«

Nach diesen Worten wandte sich Abhayo der Königsohn also an den Erhabenen:

»Vortrefflich, o Herr, vortrefflich, o Herr! Gleichwie etwa, o Herr, als ob man Umgestürztes aufstellte, oder Verdecktes enthüllte, oder Verirrten den Weg wiese, oder ein Licht in die Finsterniss hielte: ›Wer Augen hat wird die Dinge sehn‹: ebenso auch hat der Erhabene die Lehre gar manigfach gezeigt. Und so nehm’ ich, o Herr, beim Erhabenen Zuflucht, bei der Lehre und bei der Jüngerschaft: als Anhänger möge mich der Erhabene betrachten, von heute an zeitlebens getreu.«[30]

59.

Sechster Theil

Neunte Rede

Das hab’ ich gehört. Zu einer Zeit weilte der Erhabene bei Sāvatthī, im Siegerwalde, im Garten Anāthapiṇḍikos.

Da nun begab sich Pañcakaṉgo der Baumeister dorthin wo der ehrwürdige Udāyī weilte. Dort angelangt begrüßte er den ehrwürdigen Udāyī ehrerbietig und setzte sich zur Seite hin. Zur Seite sitzend sprach nun Pañcakaṉgo der Baumeister also zum ehrwürdigen Udāyī:

»Wieviel Gefühle hat wohl, Herr Udāyī, der Erhabene angegeben?«

»Drei Gefühle, Hausvater, hat der Erhabene angegeben: das wohlige Gefühl, das wehe Gefühl und dasweder wohlig noch wehe Gefühl. Das, o Hausvater, sind die drei Gefühle,{397}die der Erhabene angegeben hat.«

»Nicht drei Gefühle, Herr Udāyī, hat der Erhabene angegeben, zwei Gefühle hat der Erhabene angegeben: das wohlige Gefühl und das wehe Gefühl. Was das weder wohlig noch wehe Gefühl anlangt, o Herr, das hat der Erhabene beim Tüchtigen als auserlesenes Wohl bezeichnet.«

Und zum zweiten Mal, und zum dritten Mal sprach der ehrwürdige Udāyī also zu Pañcakaṉgo dem Baumeister:

»Nicht zwei Gefühle, Hausvater, hat der Erhabene angegeben, drei Gefühle hat der Erhabene angegeben: das wohlige Gefühl, das wehe Gefühl und das weder wohlig noch wehe Gefühl. Das, o Hausvater, sind die drei Gefühle, die der Erhabene angegeben hat.«

Und zum zweiten Mal, und zum dritten Mal sprach Pañcakaṉgo der Baumeister also zum ehrwürdigen Udāyī:

»Nicht drei Gefühle, Herr Udāyī, hat der Erhabene angegeben, zwei Gefühle hat der Erhabene angegeben: das wohlige Gefühl und das wehe Gefühl. Was das weder wohlig noch wehe Gefühl anlangt, o Herr, das hat der Erhabene beim Tüchtigen als auserlesenes Wohl bezeichnet.«

Und weder vermochte der ehrwürdige Udāyī Pañcakaṉgo den Baumeister zu überzeugen, noch auch vermochte Pañcakaṉgo der Baumeister den ehrwürdigen Udāyī zu überzeugen.

Es erfuhr aber der ehrwürdige Ānando das Gespräch, das zwischen dem ehrwürdigen Udāyī und Pañcakaṉgo dem Baumeister stattgefunden. Und der ehrwürdigeĀnando begab sich dorthin wo der Erhabene weilte, begrüßte den Erhabenen ehrerbietig und setzte sich seitwärts nieder. Seitwärts sitzend erzählte nun der ehrwürdige Ānando dem Erhabenen das ganze Gespräch des ehrwürdigen Udāyī mit Pañcakaṉgo dem Baumeister. Nach diesem Berichte sprach der Erhabene also zum ehrwürdigen Ānando:

»Einen tauglichen Standpunkt, wahrlich, Ānando, hat Pañcakaṉgo der Baumeister Udāyī dem Mönche streitig gemacht: und einen tauglichen Standpunkt, wahrlich, Ānando, hat auch Udāyī der Mönch Pañcakaṉgo dem Baumeister streitig gemacht. Zwei Gefühle hab’ ich, Ānando, angegeben{398}je nach dem Standpunkte, und drei Gefühle hab’ ich angegeben je nach dem Standpunkte, und fünf Gefühle hab’ ich angegeben je nach dem Standpunkte, und sechs Gefühle hab’ ich angegeben je nach dem Standpunkte, und achtzehn Gefühle hab’ ich angegeben je nach dem Standpunkte, und sechsunddreißig Gefühle hab’ ich angegeben je nach dem Standpunkte, und hundertacht Gefühle hab’ ich angegeben je nach dem Standpunkte.[31]Also hab’ ich, Ānando, je nach dem Standpunkte die Lehre dargelegt. Wenn sie nun, Ānando, bei also von mir je nach dem Standpunkte dargelegter Lehre dem rechten Worte, der rechten Rede nicht gegenseitig zustimmen, beistimmen, beipflichten wollen, so ist von ihnen zu erwarten, dass sie zanken und streiten, mit einander hadern und scharfe Wortgefechte führen werden. Also hab’ ich, Ānando, je nach dem Standpunkte die Lehre dargelegt. Wenn sie nun, Ānando, bei also von mir je nach dem Standpunkte dargelegter Lehre dem rechten Worte, der rechten Rede gegenseitigzustimmen, beistimmen, beipflichten wollen, so ist von ihnen zu erwarten, dass sie sich vertragen, einig, ohne Zwist, mild geworden, einander sanften Auges ansehn werden.

»Fünf Begehrungen, Ānando, giebt es da: und welche fünf? Die durch das Gesicht ins Bewusstsein tretenden Formen, die ersehnten, geliebten, entzückenden, angenehmen, dem Begehren entsprechenden, reizenden; die durch das Gehör ins Bewusstsein tretenden Töne, die ersehnten, geliebten, entzückenden, angenehmen, dem Begehren entsprechenden, reizenden; die durch den Geruch ins Bewusstsein tretenden Düfte, die ersehnten, geliebten, entzückenden, angenehmen, dem Begehren entsprechenden, reizenden; die durch den Geschmack ins Bewusstsein tretenden Säfte, die ersehnten, geliebten, entzückenden, angenehmen, dem Begehren entsprechenden, reizenden; die durch das Getast ins Bewusstsein tretenden Tastungen, die ersehnten, geliebten, entzückenden, angenehmen, dem Begehren entsprechenden, reizenden. Das sind, Ānando, die fünf Begehrungen. Was da Wohl und Glück, Ānando, diesen fünf Begehrungen gemäß geht nennt man Wohl des Begehrens.

»Wenn da nun, Ānando, einer behauptet: ›Das ist das höchste Wohl und Glück, das die Wesen genießen können‹, so gesteh’ ich ihm das nicht zu: und warum nicht? Es giebt, Ānando, ein Wohl, das besser und erlesener ist als jenes Wohl. Was ist das aber, Ānando, für ein Wohl, das besser und erlesener als jenes Wohl ist? Da weilt, Ānando, ein Mönch, gar fern von Begierden, fern von unheilsamen Dingen, in sinnend gedenkender ruhegeborener säliger Heiterkeit, in der Weiheder ersten Schauung. Das ist, Ānando, ein Wohl, das besser und erlesener ist als jenes Wohl.

»Wenn da nun, Ānando, einer behauptet: ›Das ist das höchste Wohl und Glück, das die Wesen genießen können‹, so gesteh’ ich ihm das nicht zu: und warum nicht?{399}Es giebt, Ānando, ein Wohl, das besser und erlesener ist als jenes Wohl. Was ist das aber, Ānando, für ein Wohl, das besser und erlesener als jenes Wohl ist? Da gewinnt, Ānando, ein Mönch nach Vollendung des Sinnens und Gedenkens die innere Meeresstille, die Einheit des Gemüthes, die von sinnen, von gedenken freie, in der Einigung geborene sälige Heiterkeit, die Weihe der zweiten Schauung. Das ist, Ānando, ein Wohl, das besser und erlesener ist als jenes Wohl.

»Wenn da nun, Ānando, einer behauptet: ›Das ist das höchste Wohl und Glück, das die Wesen genießen können‹, so gesteh’ ich ihm das nicht zu: und warum nicht? Es giebt, Ānando, ein Wohl, das besser und erlesener ist als jenes Wohl. Was ist das aber, Ānando, für ein Wohl, das besser und erlesener als jenes Wohl ist? Da verweilt, Ānando, ein Mönch in heiterer Ruhe, gleichmüthig, einsichtig, klar bewusst, ein Glück empfindet er im Körper, von dem die Heiligen sagen: ›Der gleichmüthig Einsichtige lebt beglückt‹; so erwirkt er die Weihe der dritten Schauung. Das ist, Ānando, ein Wohl, das besser und erlesener ist als jenes Wohl.

»Wenn da nun, Ānando, einer behauptet: ›Das ist das höchste Wohl und Glück, das die Wesen genießen können‹, so gesteh’ ich ihm das nicht zu: und warum nicht? Es giebt, Ānando, ein Wohl, das besser und erlesener ist als jenes Wohl. Was ist das aber, Ānando,für ein Wohl, das besser und erlesener als jenes Wohl ist? Da erwirkt, Ānando, ein Mönch nach Verwerfung der Freuden und Leiden, nach Vernichtung des einstigen Frohsinns und Trübsinns die Weihe der leidlosen, freudlosen, gleichmüthig einsichtigen vollkommenen Reine, die vierte Schauung. Das ist, Ānando, ein Wohl, das besser und erlesener ist als jenes Wohl.

»Wenn da nun, Ānando, einer behauptet: ›Das ist das höchste Wohl und Glück, das die Wesen genießen können‹, so gesteh’ ich ihm das nicht zu: und warum nicht? Es giebt, Ānando, ein Wohl, das besser und erlesener ist als jenes Wohl. Was ist das aber, Ānando, für ein Wohl, das besser und erlesener als jenes Wohl ist? Da gewinnt, Ānando, ein Mönch nach völliger Ueberwindung der Formwahrnehmungen, Vernichtung der Gegenwahrnehmungen, Verwerfung der Vielheitwahrnehmungen in dem Gedanken ›Gränzenlos ist der Raum‹ das Reich des unbegränzten Raumes. Das ist, Ānando, ein Wohl, das besser und erlesener ist als jenes Wohl.

»Wenn da nun, Ānando, einer behauptet: ›Das ist das höchste Wohl und Glück, das die Wesen genießen können‹, so gesteh’ ich ihm das nicht zu: und warum nicht? Es giebt, Ānando, ein Wohl, das besser und erlesener ist als jenes Wohl. Was ist das aber, Ānando, für ein Wohl, das besser und erlesener als jenes Wohl ist? Da gewinnt, Ānando, ein Mönch nach völliger Ueberwindung der unbegrenzten Raumsphäre in dem Gedanken ›Gränzenlos ist das Bewusstsein‹ das Reich des unbegränzten Bewusstseins. Das ist, Ānando, ein Wohl, das besser und erlesener ist als jenes Wohl.

»Wenn da nun, Ānando, einer behauptet: ›Das istdas höchste Wohl und Glück, das die Wesen genießen können‹, so gesteh’ ich ihm das nicht zu: und warum nicht? Es giebt, Ānando, ein Wohl, das besser und erlesener ist als jenes Wohl. Was ist das aber, Ānando, für ein Wohl, das besser und erlesener als jenes Wohl ist? Da gewinnt, Ānando, ein Mönch nach völliger Ueberwindung der unbegränzten Bewusstseinsphäre in dem Gedanken ›Nichts ist da‹ das Reich des Nichtdaseins. Das ist, Ānando, ein Wohl, das besser und erlesener ist als jenes Wohl.

»Wenn da nun, Ānando, einer behauptet: ›Das ist das höchste Wohl und Glück, das die Wesen genießen können‹, so gesteh’ ich ihm das nicht zu: und warum nicht? Es giebt, Ānando, ein Wohl, das besser und erlesener ist als jenes Wohl. Was ist das aber, Ānando, für ein Wohl, das besser und erlesener als jenes Wohl ist? Da erreicht, Ānando, ein Mönch nach völliger Ueberwindung der Nichtdaseinsphäre die Gränzscheide möglicher Wahrnehmung. Das ist, Ānando, ein Wohl, das besser und erlesener ist als jenes Wohl.

{400}»Wenn da nun, Ānando, einer behauptet: ›Das ist das höchste Wohl und Glück, das die Wesen genießen können‹, so gesteh’ ich ihm das nicht zu: und warum nicht? Es giebt, Ānando, ein Wohl, das besser und erlesener ist als jenes Wohl. Was ist das aber, Ānando, für ein Wohl, das besser und erlesener als jenes Wohl ist? Da erreicht, Ānando, ein Mönch nach völliger Ueberwindung der Gränzscheide möglicher Wahrnehmung die Auflösung der Wahrnehmbarkeit. Das ist, Ānando, ein Wohl, das besser und erlesener ist als jenes Wohl.

»Möglich aber, Ānando, wär’ es, dass da die Pilgeranderer Orden sagten: ›Die Auflösung der Wahrnehmbarkeit verkündet der Asket Gotamo, und er bezeichnet sie als Wohl: was ist es damit, wie verhält es sich damit?‹ Auf solche Rede, Ānando, wäre den Pilgern anderer Orden solches zu erwidern: ›Nicht, ihr Brüder, bezeichnet es der Erhabene in Beziehung auf das wohlige Gefühl als Wohl; sondern, ihr Brüder: wo eben immerhin Wohl empfunden wird, das bezeichnet da der Vollendete eben immerhin als Wohl.«

Also sprach der Erhabene. Zufrieden freute sich der ehrwürdige Ānando über das Wort des Erhabenen.[32]

60.

Sechster Theil

Zehnte Rede

Das hab’ ich gehört. Zu einer Zeit wanderte der Erhabene im Lande Kosalo von Ort zu Ort und kam, von vielen Mönchen begleitet, in die Nähe eines kosalischen Brāhmanendorfes Namens Sālā. Und es hörten die brāhmanischen Hausleute in Sālā reden: ›Der Asket, wahrlich, Herr Gotamo, der Sakyersohn, der dem Erbe der Sakyer entsagt hat, wandert in unserem Lande von Ort zu Ort{401}und ist mit vielen Mönchen in Sālā angekommen. Diesen Herrn Gotamo aber begrüßt man allenthalben mit dem frohen Ruhmesrufe, so zwar: ‚Das ist der Erhabene, der Heilige, vollkommen Erwachte, derWissens- und Wandelsbewährte, der Willkommene, der Welt Kenner, der unvergleichliche Leiter der Männerheerde, der Meister der Götter und Menschen, der Erwachte, der Erhabene. Er zeigt diese Welt mit ihren Göttern, ihren bösen und heiligen Geistern, mit ihrer Schaar von Priestern und Büßern, Göttern und Menschen, nachdem er sie selbst verstanden und durchdrungen hat. Er verkündet die Lehre, deren Anfang begütigt, deren Mitte begütigt, deren Ende begütigt, die sinn- und wortgetreue, er legt das vollkommen geläuterte, geklärte Asketenthum dar. Glücklich wer da nun solche Heilige sehn kann!‘‹

Und die brāhmanischen Hausleute von Sālā begaben sich nun dorthin wo der Erhabene weilte. Dort angelangt verneigten sich einige vor dem Erhabenen ehrerbietig und setzten sich zur Seite nieder, andere wechselten höflichen Gruß und freundliche, denkwürdige Worte mit dem Erhabenen und setzten sich zur Seite nieder, einige wieder falteten die Hände gegen den Erhabenen und setzten sich zur Seite nieder, andere wieder gaben beim Erhabenen Namen und Stand zu erkennen und setzten sich zur Seite nieder, und andere setzten sich still zur Seite nieder. Zu den brāhmanischen Hausleuten von Sālā nun, die da zur Seite saßen, sprach der Erhabene also:

»Habt ihr wohl, Hausväter, einen lieben Meister unter euch, zu dem ihr gegründetes Vertrauen hegen könnt?«

»Nein, o Herr, wir haben keinen lieben Meister unter uns, zu dem wir gegründetes Vertrauen hegen können.«

»Habt ihr, Hausväter, keinen lieben Meistergefunden, so mag euch diese fraglose Lehre zur Weisung dienen. Denn die fraglose Lehre, Hausväter, befolgt und bewahrt, die wird euch lange zum Wohle, zum Heile gereichen. Was ist das aber, Hausväter, für eine fraglose Lehre?

»Es giebt, Hausväter, manche Asketen und Priester, die sagen und lehren: ›Almosengeben, Verzichtleisten, Spenden — es ist alles eitel; es giebt keine Saat und Ernte guter und böser Werke; Diesseits und Jenseits sind leere Worte; Vater und Mutter und auch geistige Geburt sind hohle Namen; die Welt hat keine Asketen und Priester, die vollkommen und vollendet sind, die sich den Sinn dieser und jener Welt begreiflich machen, anschaulich vorstellen und erklären können.‹ Nun sagen aber, Hausväter, manche Asketen und Priester gerade das Gegentheil davon und behaupten:{402}›Almosengeben, Verzichtleisten, Spenden ist kein Unsinn; es giebt eine Saat und Ernte guter und böser Werke; das Diesseits ist vorhanden und das Jenseits ist vorhanden; Eltern giebt es und geistige Geburt giebt es; die Welt hat Asketen und Priester, die vollkommen und vollendet sind, die sich den Sinn dieser und jener Welt begreiflich machen, anschaulich vorstellen und erklären können.‹ Was meint ihr wohl, Hausväter: sagen da nicht die einen Asketen und Priester gerade das Gegentheil von dem, was die anderen sagen?«

»Allerdings, o Herr!«

»Da ist nun, Hausväter, von den einen Asketen und Priestern zu erwarten, dass sie den guten Wandel in Werken, Worten und Gedanken, diese drei heilsamen Dinge, aufgeben und den schlechten Wandel in Werken,Worten und Gedanken, diese drei unheilsamen Dinge, annehmen werden: und warum das? Weil ja jene lieben Asketen und Priester der unheilsamen Dinge Elend, Ungemach, Trübsal, und der heilsamen Dinge, der Entsagung vorzüglichen, läuternden Einfluss nicht merken. Denn obzwar es ein Jenseits giebt, erkennt ein solcher: ›Es giebt kein Jenseits‹; das ist seine falsche Erkenntniss. Denn obzwar es ein Jenseits giebt, sinnt er: ›Es giebt kein Jenseits‹; das ist seine falsche Gesinnung. Denn obzwar es ein Jenseits giebt, redet er: ›Es giebt kein Jenseits‹; das ist seine falsche Rede. Denn obzwar es ein Jenseits giebt, behauptet er: ›Es giebt kein Jenseits‹; und den Heiligen, die vom Jenseits wissen, denen stellt er sich entgegen. Denn obzwar es ein Jenseits giebt, belehrt er die anderen: ›Es giebt kein Jenseits‹; das ist seine unrichtige Belehrung. Und um dieser unrichtigen Belehrung willen brüstet er sich noch und verachtet[33]die anderen. So hat er was da früher etwa Gutes an ihm war verleugnet und Schlechtes angenommen: das ist falsche Erkenntniss, falsche Gesinnung, falsche Rede, Widerstand gegen Heilige, unrichtige Belehrung, Eigenlob und Nächstentadel. Also entwickeln sich an ihm diese verschiedenen bösen, unheilsamen Dinge aus falscher Erkenntniss.

{403}»Da überlegt nun, Hausväter, ein verständiger Mann: ›Wenn es kein Jenseits giebt, so wird dieser liebe Mann bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, heil ausgehn; wenn es aber ein Jenseits giebt, so wird dieser liebe Mann bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, abwärts, auf schlechte Fährte, zur Tiefe hinab, in höllische Welt gelangen. Mag es nun immerhin keinJenseits geben, wahr soll das Wort jener lieben Asketen und Priester sein: aber dieser liebe Mann zieht sich ja schon bei Lebzeiten den Tadel Verständiger zu: ‚Es ist ein gewissenloser Mensch, der die Dinge falsch ansieht, an nichts glaubt.‘ Wenn es aber doch ein Jenseits giebt, so hat dieser liebe Mann auf beiden Seiten das Spiel verloren: erst, weil er sich schon bei Lebzeiten den Tadel Verständiger zuzieht; und dann, weil er bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, abwärts, auf schlechte Fährte, zur Tiefe hinab, in höllische Welt gelangen wird. Also hat er diese fraglose Lehre übel befolgt und bewahrt, nur ein Ziel gelten und das Gute verkümmern lassen.‹

»Da ist nun, Hausväter, von den anderen Asketen und Priestern zu erwarten, dass sie den schlechten Wandel in Werken, Worten und Gedanken, diese drei unheilsamen Dinge, aufgeben und den guten Wandel in Werken, Worten und Gedanken, diese drei heilsamen Dinge, annehmen werden: und warum das? Weil ja jene lieben Asketen und Priester der unheilsamen Dinge Elend, Ungemach, Trübsal, und der heilsamen Dinge, der Entsagung vorzüglichen, läuternden Einfluss merken. Und weil es eben ein Jenseits giebt, erkennt ein solcher: ›Es giebt ein Jenseits‹; das ist seine rechte Erkenntniss. Und weil es eben ein Jenseits giebt, sinnt er: ›Es giebt ein Jenseits‹; das ist seine rechte Gesinnung. Und weil es eben ein Jenseits giebt, redet er: ›Es giebt ein Jenseits‹; das ist seine rechte Rede. Und weil es eben ein Jenseits giebt, behauptet er: ›Es giebt ein Jenseits‹; und den Heiligen, die vom Jenseits wissen, denen stellt er sich nicht entgegen. Und weit es eben ein Jenseits giebt,belehrt er die anderen: ›Es giebt ein Jenseits‹; das ist seine richtige Belehrung.{404}Und um dieser richtigen Belehrung willen brüstet er sich nicht, verachtet nicht die anderen. So hat er was da früher etwa Schlechtes an ihm war verleugnet und Gutes angenommen: das ist rechte Erkenntniss, rechte Gesinnung, rechte Rede, kein Widerstand gegen Heilige, richtige Belehrung, kein Eigenlob und kein Nächstentadel. Also entwickeln sich an ihm diese verschiedenen heilsamen Dinge aus rechter Erkenntniss.

»Da überlegt nun, Hausväter, ein verständiger Mann: ›Wenn es ein Jenseits giebt, so wird dieser liebe Mann bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, auf gute Fährte, in himmlische Welt gelangen. Mag es nun immerhin kein Jenseits geben, wahr soll das Wort jener lieben Asketen und Priester sein: aber dieser liebe Mann wird ja schon bei Lebzeiten von Verständigen gepriesen: ‚Es ist ein gewissenhafter Mensch, der die Dinge recht ansieht, an etwas glaubt.‘ Wenn es aber doch ein Jenseits giebt, so hat dieser liebe Mann auf beiden Seiten das Spiel gewonnen: erst, weil er schon bei Lebzeiten den Preis Verständiger erwirbt; und dann, weil er bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, auf gute Fährte, in himmlische Welt gelangen wird. Also hat er diese fraglose Lehre wohl befolgt und bewahrt, beide Ziele gelten und das Schlechte verkümmern lassen.‹

»Es giebt, Hausväter, manche Asketen und Priester, die sagen und lehren: ›Was einer begeht und begehn lässt: wer zerstört und zerstören lässt, wer quält und quälen lässt, wer Kummer und Plage schafft, wer schlägt und schlagen heißt, wer Lebendiges umbringt,Nichtgegebenes nimmt, in Häuser einbricht, fremdes Gut raubt, wer stiehlt, betrügt, Ehefrauen verführt, Lügen spricht: was einer begeht, er begeht keine Schuld. Und wer da gleich mit einer scharfgeschliffenen Schlachtscheibe alles Lebendige auf dieser Erde zu einer einzigen Masse Mus, zu einer einzigen Masse Brei machte, so hat er darum keine Schuld, begeht kein Unrecht. Und wer auch am südlichen Ufer des Ganges verheerend und mordend dahinzöge, zerstörte und zerstören ließe, quälte und quälen ließe, so hat er darum keine Schuld, begeht kein Unrecht: und wer auch am nördlichen Ufer des Ganges spendend und schenkend dahinzöge, Almosen gäbe und geben ließe, so hat er darum kein Verdienst, begeht nichts Gutes. Durch Milde, Sanftmuth, Selbstverzicht, Wahrhaftigkeit erwirbt man kein Verdienst, begeht nichts Gutes.‹ Nun sagen aber, Hausväter, manche Asketen und Priester{405}gerade das Gegentheil davon und behaupten: ›Was einer begeht und begehn lässt: wer zerstört und zerstören lässt, wer quält und quälen lässt, wer Kummer und Plage schafft, wer schlägt und schlagen heißt, wer Lebendiges umbringt, Nichtgegebenes nimmt, in Häuser einbricht, fremdes Gut raubt, wer stiehlt, betrügt, Ehefrauen verführt, Lügen spricht: was einer begeht, er begeht Schuld. Und wer da etwa mit einer scharfgeschliffenen Schlachtscheibe alles Lebendige auf dieser Erde zu einer einzigen Masse Mus, zu einer einzigen Masse Brei machte, der hat darum Schuld, begeht Unrecht. Und wer etwa am südlichen Ufer des Ganges verheerend und mordend dahinzöge, zerstörte und zerstören ließe, quälte und quälen ließe, der hat darum Schuld, begeht Unrecht: und wer etwa am nördlichen Ufer des Ganges spendendund schenkend dahinzöge, Almosen gäbe und geben ließe, der hat Verdienst, begeht Gutes. Durch Milde, Sanftmuth, Selbstverzicht, Wahrhaftigkeit erwirbt man Verdienst, begeht Gutes.‹ Was meint ihr wohl, Hausväter: sagen da nicht die einen Asketen und Priester gerade das Gegentheil von dem, was die anderen sagen?«

»Freilich, o Herr!«

»Da ist nun, Hausväter, von den einen Asketen und Priestern zu erwarten, dass sie den guten Wandel in Werken, Worten und Gedanken, diese drei heilsamen Dinge, aufgeben und den schlechten Wandel in Werken, Worten und Gedanken, diese drei unheilsamen Dinge, annehmen werden: und warum das? Weil ja jene lieben Asketen und Priester der unheilsamen Dinge Elend, Ungemach, Trübsal, und der heilsamen Dinge, der Entsagung vorzüglichen, läuternden Einfluss nicht merken. Denn obzwar es ein Handeln giebt, erkennt ein solcher: ›Es giebt kein Handeln‹; das ist seine falsche Erkenntniss. Denn obzwar es ein Handeln giebt, sinnt er: ›Es giebt kein Handeln‹; das ist seine falsche Gesinnung. Denn obzwar es ein Handeln giebt, redet er: ›Es giebt kein Handeln‹; das ist seine falsche Rede. Denn obzwar es ein Handeln giebt, behauptet er: ›Es giebt kein Handeln‹; und den Heiligen, die vom Handeln aussagen, denen stellt er sich entgegen. Denn obzwar es ein Handeln giebt, belehrt er die anderen: ›Es giebt kein Handeln‹; das ist seine unrichtige Belehrung. Und um dieser unrichtigen Belehrung willen brüstet er sich noch und verachtet die anderen. So hat er was da früher etwa Gutes an ihm war verleugnet und Schlechtes angenommen:{406}das ist falsche Erkenntniss, falsche Gesinnung,falsche Rede, Widerstand gegen Heilige, unrichtige Belehrung. Eigenlob und Nächstentadel. Also entwickeln sich an ihm diese verschiedenen bösen, unheilsamen Dinge aus falscher Erkenntniss.

»Da überlegt nun, Hausväter, ein verständiger Mann: ›Wenn es kein Handeln giebt, so wird dieser liebe Mann bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, heil ausgehn; wenn es aber ein Handeln giebt, so wird dieser liebe Mann bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, abwärts, auf schlechte Fährte, zur Tiefe hinab, in höllische Welt gelangen. Mag es nun immerhin kein Handeln geben, wahr soll das Wort jener lieben Asketen und Priester sein: aber dieser liebe Mann zieht sich ja schon bei Lebzeiten den Tadel Verständiger zu: ‚Es ist ein gewissenloser Mensch, der die Dinge falsch ansieht, an kein Handeln glaubt.‘ Wenn es aber doch ein Handeln giebt, so hat dieser liebe Mann auf beiden Seiten das Spiel verloren: erst, weil er sich schon bei Lebzeiten den Tadel Verständiger zuzieht; und dann, weil er bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, abwärts, auf schlechte Fährte, zur Tiefe hinab, in höllische Welt gelangen wird. Also hat er diese fraglose Lehre übel befolgt und bewahrt, nur ein Ziel gelten und das Gute verkümmern lassen.‹

»Da ist nun, Hausväter, von den anderen Asketen und Priestern zu erwarten, dass sie den schlechten Wandel in Werken, Worten und Gedanken, diese drei unheilsamen Dinge, aufgeben und den guten Wandel in Werken, Worten und Gedanken, diese drei heilsamen Dinge, annehmen werden: und warum das? Weil ja jene lieben Asketen und Priester der unheilsamen Dinge Elend,Ungemach, Trübsal, und der heilsamen Dinge, der Entsagung vorzüglichen, läuternden Einfluss merken. Und weil es eben ein Handeln giebt, erkennt ein solcher: ›Es giebt ein Handeln‹; das ist seine rechte Erkenntniss. Und weil es eben ein Handeln giebt, sinnt er: ›Es giebt ein Handeln‹; das ist seine rechte Gesinnung. Und weil es eben ein Handeln giebt, redet er: ›Es giebt ein Handeln‹; das ist seine rechte Rede. Und weil es eben ein Handeln giebt, behauptet er: ›Es giebt ein Handeln‹; und den Heiligen, die vom Handeln aussagen, denen stellt er sich nicht entgegen. Und weil es eben ein Handeln giebt, belehrt er die anderen: ›Es giebt ein Handeln‹; das ist seine richtige Belehrung. Und um dieser richtigen Belehrung willen brüstet er sich nicht,{407}verachtet nicht die anderen. So hat er was da früher etwa Schlechtes an ihm war verleugnet und Gutes angenommen: das ist rechte Erkenntnis, rechte Gesinnung, rechte Rede, kein Widerstand gegen Heilige, richtige Belehrung, kein Eigenlob und kein Nächstentadel. Also entwickeln sich an ihm diese verschiedenen heilsamen Dinge aus rechter Erkenntniss.[34]


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