MAKHADEVO

Da gingen die Freunde zu Raṭṭhapālo dem jungen Edelmanne zurück und sprachen also zu ihm:

»Deine Eltern gestatten dir, aus dem Hause in die Hauslosigkeit zu gehn: aber du sollst deine Eltern als Pilger besuchen!«

{391}Und Raṭṭhapālo der junge Edelmann stand auf, kam zu Kräften und begab sich dorthin wo der Erhabene weilte. Dort angelangt begrüßte er den Erhabenen ehrerbietig und setzte sich seitwärts nieder. Seitwärts sitzend sprach nun Raṭṭhapālo der junge Edelmann zum Erhabenen also:

»Erhalten hab’ ich, o Herr, meiner Eltern Zustimmung, aus dem Hause in die Hauslosigkeit zu ziehn: möge der Erhabene mich aufnehmen!«

Und Raṭṭhapālo der junge Edelmann wurde vom Erhabenen aufgenommen, wurde mit der Ordensweihe belehnt.

Und der Erhabene begab sich nun, da er nachBelieben zu Thūlakoṭṭhitam geweilt hatte, nicht lange nach der Aufnahme des ehrwürdigen Raṭṭhapālo, vierzehn Tage nach der Ordensweihe, auf die Wanderung nach Sāvatthī, von Ort zu Ort wandernd näherte er sich der Stadt.

Zu Sāvatthī weilte nun der Erhabene, im Siegerwalde, im Garten Anāthapiṇḍikos.

Und der ehrwürdige Raṭṭhapālo, einsam, abgesondert, unermüdlich, in heißem, innigem Ernste verweilend, hatte gar bald was edle Söhne gänzlich vom Hause fort in die Hauslosigkeit lockt, jenes höchste Ziel des Asketenthums noch bei Lebzeiten sich offenbar gemacht, verwirklicht und errungen. ›Versiegt ist die Geburt, vollendet das Asketenthum, gewirkt das Werk, nicht mehr ist diese Welt‹ verstand er da. Auch einer war nun der ehrwürdige Raṭṭhapālo der Heiligen geworden.

Und der ehrwürdige Raṭṭhapālo begab sich zum Erhabenen hin, begrüßte den Erhabenen ehrerbietig, setzte sich seitwärts nieder und sprach also:

»Ich möchte, o Herr, meine Eltern besuchen, so es der Erhabene mir gestattet.«

{392}Und der Erhabene nahm den Sinn des ehrwürdigen Raṭṭhapālo, im Geiste geistig erkundend, wahr. Und als der Erhabene merkte: ›Unmöglich kann Raṭṭhapālo der edle Sohn von der Askese abfallen und zur Gewohnheit zurückkehren‹, da sagte denn der Erhabene zum ehrwürdigen Raṭṭhapālo:

»Wie es dir nun, Raṭṭhapālo, belieben mag.«

Und der ehrwürdige Raṭṭhapālo stand von seinem Sitze auf, begrüßte den Erhabenen ehrerbietig, ging rechts herum,räumte sein Lager zusammen, nahmMantel und Schaale und begab sich auf die Wanderung nach Thūlakoṭṭhitam, von Ort zu Ort wandernd näherte er sich der Burg.

Zu Thūlakoṭṭhitam weilte nun der ehrwürdige Raṭṭhapālo, an König Koravyos Jagdgelände.

Und der ehrwürdige Raṭṭhapālo, zeitig gerüstet, mit Mantel und Schaale versehn, machte sich auf den Almosengang nach Thūlakoṭṭhitam. Dort stand er von Hütte zu Hütte still und gelangte vor das Haus seines Vaters. Um diese Zeit nun ließ der Vater des ehrwürdigen Raṭṭhapālo in der mittleren Thorhalle sich rasieren. Und es sah des ehrwürdigen Raṭṭhapālo Vater den ehrwürdigen Raṭṭhapālo von ferne herankommen, und als er ihn gesehn sprach er also:

»Von solchen kahlgeschorenen Pfaffen ist uns unser einziger, vielgeliebter Sohn geraubt worden!«

Und so empfing der ehrwürdige Raṭṭhapālo im Hause seines Vaters weder Gabe noch Absage, sondern nur Schimpf empfing er.

Unterdessen wollte die Kindsmagd des ehrwürdigen Raṭṭhapālo von Abend übrig gebliebene Grütze wegschütten.{393}Da sprach der ehrwürdige Raṭṭhapālo also zu ihr:

»Wenn das, o Schwester, weggeschüttet werden soll, so gieß’ es in meine Schaale.«

Aber während des ehrwürdigen Raṭṭhapālo Kindsmagd die von Abend übrig gebliebene Grütze dem ehrwürdigen Raṭṭhapālo in die Schaale goss, erkannte sie ihn an seinen Händen und Füßen und an seiner Stimme. Und sie rannte zur Mutter des ehrwürdigen Raṭṭhapālo und rief ihr entgegen:

»O Herrin, dass du es weißt: der junge Herr, Raṭṭhapālo ist da!«

»Ist das wahr, was du sagst, so sollst du frei sein!«

Und des ehrwürdigen Raṭṭhapālo Mutter eilte zum Vater des ehrwürdigen Raṭṭhapālo und sprach also zu ihm:

»O Hausvater, dass du es weißt: Raṭṭhapālo, heißt es, unser edler Sohn ist hier!«

Inzwischen nahm der ehrwürdige Raṭṭhapālo die von Abend übrig gebliebene Grütze, an einer Mauer rastend, ein. Und der Vater des ehrwürdigen Raṭṭhapālo suchte ihn auf, trat an seine Seite und sprach also zu ihm:

»Ist es denn möglich, o Raṭṭhapālo, dass du von Abend übrig gebliebene Grütze einnimmst? Willst du denn nicht, o Raṭṭhapālo, dein eigenes Haus betreten?«

»Woher, o Hausvater, wär’ uns ein Haus eigen, die wir aus dem Hause in die Hauslosigkeit gezogen sind? Hauslos sind wir, o Hausvater.{394}Gekommen sind wir, o Hausvater, zu deinem Hause, und haben da weder Gabe empfangen noch Absage, sondern nur Schimpf haben wir empfangen.«

»Komm’, o Raṭṭhapālo, wir wollen in den Saal gehn.«

»Genug, Hausvater: fertig bin ich für heute mit dem Mahle.«

»Wohlan denn, o Raṭṭhapālo, so gewähre mir die Bitte, morgen bei mir zu speisen!«

Schweigend gewährte der ehrwürdige Raṭṭhapālo die Bitte.

Als nun der Vater des ehrwürdigen Raṭṭhapālo der Zustimmung sicher war, begab er sich nach Hause zurück. Dort ließ er einen großen Haufen von Gold undGeschmeide aufschichten, ihn mit Matten bedecken und befahl dann den früheren Frauen des ehrwürdigen Raṭṭhapālo:

»Herbei, ihr Gesponsen! Mit was für Schmucke geschmückt ihr ehedem Raṭṭhapālo dem jungen Edelmanne lieblich erschient und reizend, mit diesem Schmucke sollt ihr euch schmücken!«

Am nächsten Morgen nun ließ der Vater des ehrwürdigen Raṭṭhapālo in seiner Behausung ausgewählte feste und flüssige Speise auftragen und sandte einen{395}Boten an den ehrwürdigen Raṭṭhapālo mit der Meldung: ›Es ist Zeit, o Raṭṭhapālo, das Mahl ist bereit.‹ Und der ehrwürdigeRatṭhapālo rüstete sich beizeiten, nahm Mantel und Schaale und begab sich zu seines Vaters Wohnung. Dort angekommen nahm er auf dem dargebotenen Sitze Platz. Da ließ nun der Vater jenen Haufen von Gold und Geschmeide enthüllen und sprach also zum ehrwürdigem Raṭṭhapālo:

»Das kommt dir, o Raṭṭhapālo, als Erbtheil der Mutter zu, ein anderes vom Vater, ein anderes vom Großvater: man kann, o Raṭṭhapālo, den Reichthum genießen und Gutes thun. Komm’, o mein Raṭṭhapālo: gieb die Askese auf, kehr’ zur Gewohnheit zurück, genieße den Reichthum und thue Gutes!«

»Wenn du, Hausvater, thun wolltest was ich rathe, so würdest du diesen Haufen von Gold und Geschmeide auf Wagen laden und hinausfahren und mitten in den Strom der Gangesfluthen versenken lassen: und warum das? Du wirst ja, Hausvater, Wehe, Jammer, Leiden, Gram und Verzweiflung daran erfahren.«

Da stürzten des ehrwürdigen Raṭṭhapālo frühereFrauen vor ihm nieder, und jede umfing seine Füße, und sie sprachen zu ihm:

»Was mögen das nur, edler Gemahl, für Huldinen sein, um die du Kasteiung übst?«

»Nicht üben wir, o Schwestern, Kasteiung um Huldinen.«

»Schwestern hat uns der edle Gemahl, Raṭṭhapālo genannt!« schrien sie und fielen da bewusstlos zu Boden.

Und nun wandte sich der ehrwürdige Raṭṭhapālo also an seinen Vater:

»Soll, Hausvater, Atzung gereicht werden, so reiche sie:{396}lass’ uns nicht länger quälen.«

»Bediene dich, Raṭṭhapālo, bereit ist das Mahl.«

Und des ehrwürdigen Raṭṭhapālo Vater bediente und versorgte eigenhändig den ehrwürdigen Raṭṭhapālo mit ausgewählter fester und flüssiger Speise.

Nachdem nun der ehrwürdige Raṭṭhapālo gespeist und das Mahl beendet hatte, ließ er, schon erhoben, folgende Weise verlauten:

»Schau’ wie der Balg ist aufgeputzt,Der ganz aus Wunden doch besteht,Der siech ist, voll von Willensdrang,Der dauerlos erstirbt, verstiebt.»Schau’ wie der Leib ist aufgeputzt,Rubinbehangen, goldgeschmückt,Das hautverbrämte Beingerüst,Im Glanze seiner Kleiderpracht!»Das rothbelackte Füßlein da,Der Lippe Purpur, Lippe Duft:Verblendet blinzelt schon der Thor,Doch keiner, der die Küste sucht.»Das achtgetheilte Haargezöpf,Die schwanken Wimpern, schwarz gefärbt:Verblendet blinzelt schon der Thor,Doch keiner, der die Küste sucht.»Gleichwie man Wände neu bemaltBetünchen sie den faulen Leib:Verblendet blinzelt schon der Thor,Doch keiner, der die Küste sucht.»Die Schlinge warf ein Wildrer aus,Das Wild verbarg sich, floh den Bast,Genoss das Futter, fing sich nichtUnd ließ den Wildrer lauern nur.«

»Schau’ wie der Balg ist aufgeputzt,Der ganz aus Wunden doch besteht,Der siech ist, voll von Willensdrang,Der dauerlos erstirbt, verstiebt.»Schau’ wie der Leib ist aufgeputzt,Rubinbehangen, goldgeschmückt,Das hautverbrämte Beingerüst,Im Glanze seiner Kleiderpracht!»Das rothbelackte Füßlein da,Der Lippe Purpur, Lippe Duft:Verblendet blinzelt schon der Thor,Doch keiner, der die Küste sucht.»Das achtgetheilte Haargezöpf,Die schwanken Wimpern, schwarz gefärbt:Verblendet blinzelt schon der Thor,Doch keiner, der die Küste sucht.»Gleichwie man Wände neu bemaltBetünchen sie den faulen Leib:Verblendet blinzelt schon der Thor,Doch keiner, der die Küste sucht.»Die Schlinge warf ein Wildrer aus,Das Wild verbarg sich, floh den Bast,Genoss das Futter, fing sich nichtUnd ließ den Wildrer lauern nur.«

»Schau’ wie der Balg ist aufgeputzt,Der ganz aus Wunden doch besteht,Der siech ist, voll von Willensdrang,Der dauerlos erstirbt, verstiebt.

»Schau’ wie der Balg ist aufgeputzt,

Der ganz aus Wunden doch besteht,

Der siech ist, voll von Willensdrang,

Der dauerlos erstirbt, verstiebt.

»Schau’ wie der Leib ist aufgeputzt,Rubinbehangen, goldgeschmückt,Das hautverbrämte Beingerüst,Im Glanze seiner Kleiderpracht!

»Schau’ wie der Leib ist aufgeputzt,

Rubinbehangen, goldgeschmückt,

Das hautverbrämte Beingerüst,

Im Glanze seiner Kleiderpracht!

»Das rothbelackte Füßlein da,Der Lippe Purpur, Lippe Duft:Verblendet blinzelt schon der Thor,Doch keiner, der die Küste sucht.

»Das rothbelackte Füßlein da,

Der Lippe Purpur, Lippe Duft:

Verblendet blinzelt schon der Thor,

Doch keiner, der die Küste sucht.

»Das achtgetheilte Haargezöpf,Die schwanken Wimpern, schwarz gefärbt:Verblendet blinzelt schon der Thor,Doch keiner, der die Küste sucht.

»Das achtgetheilte Haargezöpf,

Die schwanken Wimpern, schwarz gefärbt:

Verblendet blinzelt schon der Thor,

Doch keiner, der die Küste sucht.

»Gleichwie man Wände neu bemaltBetünchen sie den faulen Leib:Verblendet blinzelt schon der Thor,Doch keiner, der die Küste sucht.

»Gleichwie man Wände neu bemalt

Betünchen sie den faulen Leib:

Verblendet blinzelt schon der Thor,

Doch keiner, der die Küste sucht.

»Die Schlinge warf ein Wildrer aus,Das Wild verbarg sich, floh den Bast,Genoss das Futter, fing sich nichtUnd ließ den Wildrer lauern nur.«

»Die Schlinge warf ein Wildrer aus,

Das Wild verbarg sich, floh den Bast,

Genoss das Futter, fing sich nicht

Und ließ den Wildrer lauern nur.«

Als dann der ehrwürdige Raṭṭhapālo, schon erhoben, diese Weise gesagt hatte, ging er hinweg und begab sich zu König Koravyos[149]Jagdgelände. Dort saß er am Fuß eines Baumes nieder, bis Abend zu verweilen.

Aber König Koravyo hatte den Wildmeister zu sich befohlen:

»{397}Sorge dafür, guter Wildmeister, dass mein Jagdgelände, der Wildgarten, sauber sei: wir wollen eine Ausfahrt machen,in die schöne Umgebung hinaus.«

»Wohl, o König!« entgegnete da gehorsam der Wildmeister dem Herrscher. Und er ließ das Jagdgelände säubern und sah den ehrwürdigen Raṭṭhapālo am Fuß eines Baumes tagüber sitzen. Und er ging zum Herrscher zurück und sprach also zu ihm:

»Sauber, o König, ist das Jagdgelände; doch weilt Raṭṭhapālo darin, ein junger Edelmann, der Erbe eines der ersten Adelsgeschlechter eben hier von Thūlakoṭṭhitam, den du oft gepriesen hast: der hat sich am Fuß eines Baumes über den Tag hingesetzt.«

»So sei es denn, guter Wildmeister, um die heutige Gartenfahrt: wir wollen dann eben diesen Herrn Raṭṭhapālo aufsuchen.«

Und König Koravyo befahl: »Was an Speise und Trank da vorgesorgt war, das soll alles vertheilt werden«; und er ließ viele prächtige Wagen bespannen, bestieg selbst einen solchen und fuhr also mit überaus reichem königlichen Gepränge aus der Stadt hinaus, den ehrwürdigen Raṭṭhapālo zu besuchen. So weit gefahren als man fahren konnte, stieg er vom Wagen ab und ging dann zu Fuße, während er das Gefolge zurückbleiben hieß, dorthin wo der ehrwürdige Raṭṭhapālo weilte. Bei ihm angelangt wechselte er höflichen Gruß und freundliche, denkwürdige Worte und stellte sich seitwärts hin. Seitwärts stehend sprach nun König Koravyo also zum ehrwürdigen Raṭṭhapālo:

»Möge Herr Raṭṭhapālo sich hierauf die Schabracke hinsetzen!«

{398}»Schon gut, großer König: du setze dich hin; ich bleibe auf meinem Platze.«

Da setzte sich König Koravyo auf den dargebotenen Sitz. Und er sprach also zum ehrwürdigen Raṭṭhapālo:

»Vier Arten giebt es, o Raṭṭhapālo, von Verderbniss, wo da mancher, davon betroffen, sich Haar und Bart abscheert, das fahle Gewand anlegt und aus dem Hause in die Hauslosigkeit zieht: welche vier? Alterverderbniss,Krankheitverderbniss, Besitzverderbniss, Verwandtenverderbniss. Was ist aber, o Raṭṭhapālo, Alterverderbniss? Da ist einer, o Raṭṭhapālo, alt und greis geworden, hochbetagt, dem Ende nahe, ausgelebt. Der überlegt bei sich: ›Ich bin jetzt alt geworden und greis und hochbetagt, dem Ende nahe, ausgelebt; nicht wohl, freilich, geht es an, dass ich noch nicht erworbenen Besitz mir erwerbe, oder den erworbenen Besitz mehre. Wie, wenn ich nun, mit geschorenem Haar und Barte, mit fahlem Gewande bekleidet, aus dem Hause in die Hauslosigkeit hinauszöge?‹ Und weil er also von Alterverderbniss betroffen ist, scheert er sich Haar und Bart ab, legt das fahle Gewand an und zieht aus dem Hause in die Hauslosigkeit. Das heißt man, o Raṭṭhapālo, Alterverderbniss. Aber Herr Raṭṭhapālo steht jetzt in frischer Blüthe, glänzend dunkelhaarig, im Genusse glücklicher Jugend, im ersten Mannesalter: fremd ist Herrn Raṭṭhapālo jene Alterverderbniss. Was hat Herr Raṭṭhapālo erfahren oder gesehn oder gehört, und ist aus dem Hause in die Hauslosigkeit gezogen?

{399}»Und was ist, o Raṭṭhapālo, Krankheitverderbniss? Da ist einer, o Raṭṭhapālo, siech, leidend, schwerkrank. Der überlegt bei sich: ›ich bin jetzt siech, leidend, schwerkrank; nicht wohl, freilich, geht es an, dass ich noch nicht erworbenen Besitz mir erwerbe, oder den erworbenen Besitz mehre. Wie, wenn ich nun, mit geschorenem Haar und Barte, mit fahlem Gewande bekleidet, aus dem Hause in die Hauslosigkeit hinauszöge?‹ Und weil er also von Krankheitverderbniss betroffen ist, scheert er sich Haar und Bart ab, legt das fahle Gewand an und zieht aus dem Hause in die Hauslosigkeit. Dasheißt man, o Raṭṭhapālo, Krankheitverderbniss. Aber Herr Raṭṭhapālo ist ja gesund und munter, seine Kräfte sind gleichmäßig gemischt, weder zu kühl noch zu heiß: fremd ist Herrn Raṭṭhapālo jene Krankheitverderbniss.[150]Was hat Herr Raṭṭhapālo erfahren oder gesehn oder gehört, und ist aus dem Hause in die Hauslosigkeit gezogen?

»Und was ist, o Raṭṭhapālo, Besitzverderbniss? Da ist einer, o Raṭṭhapālo, reich, mit Geld und Gut mächtig begabt; und er büßt seinen Besitz nach und nach ein. Der überlegt bei sich: ›Ich bin ehedem reich gewesen, mit Geld und Gut mächtig begabt; und ich habe meinen Besitz nach und nach eingebüßt. Nicht wohl, freilich, geht es an, dass ich noch nicht erworbenen Besitz mir erwerbe, oder den erworbenen Besitz mehre. Wie, wenn ich nun, mit geschorenem Haar und Barte, mit fahlem Gewande bekleidet, aus dem Hause in die Hauslosigkeit hinauszöge?‹ Und weil er also von Besitzverderbniss betroffen ist,{400}scheert er sich Haar und Bart ab, legt das fahle Gewand an und zieht aus dem Hause in die Hauslosigkeit. Das heißt man, o Raṭṭhapālo, Besitzverderbniss. Aber Herr Raṭṭhapālo ist eben hier zu Thūlakoṭṭhitam Erbe eines der ersten Adelsgeschlechter: fremd ist Herrn Raṭṭhapālo jene Besitzverderbniss. Was hat Herr Raṭṭhapālo erfahren oder gesehn oder gehört, und ist aus dem Hause in die Hauslosigkeit gezogen?

»Und was ist, o Raṭṭhapālo, Verwandtenverderbniss? Da hat einer, o Raṭṭhapālo, viele Freunde und Genossen, Verwandte und Vettern; und diese Sippen sterben ihm nach und nach aus. Der überlegt bei sich: ›Einst hatte ich viele Freunde und Genossen, Verwandte und Vettern; und diese Sippen sind mir nach und nachausgestorben. Nicht wohl, freilich, geht es an, dass ich noch nicht erworbenen Besitz mir erwerbe, oder den erworbenen Besitz mehre. Wie, wenn ich nun, mit geschorenem Haar und Barte, mit fahlem Gewande bekleidet, aus dem Hause in die Hauslosigkeit hinauszöge?‹ Und weil er also von Verwandtenverderbniss betroffen ist, scheert er sich Haar und Bart ab, legt das fahle Gewand an und zieht aus dem Hause in die Hauslosigkeit. Das heißt man, o Raṭṭhapālo, Verwandtenverderbniss. Aber Herr Raṭṭhapālo hat eben hier zu Thūlakoṭṭhitam viele Freunde und Genossen, Verwandte und Vettern: fremd ist Herrn Raṭṭhapālo jene Verwandtenverderbniss. Was hat Herr Raṭṭhapālo erfahren oder gesehn oder gehört, und ist aus dem Hause in die Hauslosigkeit gezogen? — Das sind, o Raṭṭhapālo, die vier Arten von Verderbniss, wo da mancher,{401}davon betroffen, sich Haar und Bart abscheert, das fahle Gewand anlegt und aus dem Hause in die Hauslosigkeit zieht: fremd sind diese Herrn Raṭṭhapālo. Was hat Herr Raṭṭhapālo erfahren oder gesehn oder gehört, und ist aus dem Hause in die Hauslosigkeit gezogen?«

»Es sind, großer König, von Ihm, dem Erhabenen, dem Kenner, dem Seher, dem Heiligen, vollkommen Erwachten, vier Lehrsätze dargelegt worden; die hab’ ich erfahren und gesehn und gehört, und bin aus dem Hause in die Hauslosigkeit gezogen: welche vier? ›Aufgerieben wird die Welt, verweslich‹: so lautet, großer König, der erste Lehrsatz, der von Ihm, dem Erhabenen, dem Kenner, dem Seher, dem Heiligen, vollkommem Erwachten, dargelegt wurde; den hab’ ich erfahren und gesehn und gehört, und bin aus dem Hause in die Hauslosigkeitgezogen. ›Hülflos ist die Welt, ohnmächtig‹: so lautet, großer König, der zweite Lehrsatz, der von Ihm, dem Erhabenen, dem Kenner, dem Seher, dem Heiligen, vollkommen Erwachten, dargelegt wurde; den hab’ ich erfahren und gesehn und gehört, und bin aus dem Hause in die Hauslosigkeit gezogen. ›Uneigen ist die Welt, alles verlassend muss man gehn‹: so lautet, großer König, der dritte Lehrsatz, der von Ihm, dem Erhabenen, dem Kenner, dem Seher, dem Heiligen, vollkommen Erwachten, dargelegt wurde; den hab’ ich erfahren und gesehn und gehört, und bin aus dem Hause in die Hauslosigkeit gezogen. ›Bedürftig ist die Welt, nimmersatt, durstverdungen‹: so lautet, großer König, der vierte Lehrsatz, der von Ihm, dem Erhabenen, dem Kenner, dem Seher, dem Heiligen, vollkommen Erwachten, dargelegt wurde; den hab’ ich erfahren und gesehn und gehört,{402}und bin aus dem Hause in die Hauslosigkeit gezogen. Das sind, großer König, die vier Lehrsätze, die von Ihm, dem Erhabenen, dem Kenner, dem Seher, dem Heiligen, vollkommen Erwachten, dargelegt wurden; die hab’ ich erfahren und gesehn und gehört, und bin aus dem Hause in die Hauslosigkeit gezogen.«

»‚Aufgerieben wird die Welt, verweslich‘, hat Herr Raṭṭhapālo gesagt: wie aber soll man, o Raṭṭhapālo, den Sinn dieser Worte verstehn?«

»Was meinst du wohl, großer König: bist du mit zwanzig oder mit fünfundzwanzig Jahren imstande gewesen Elephanten zu bändigen, Rosse zu reiten, Wagen zu lenken, Bogen zu spannen, Schwerdter zu schwingen? Bist du stark in den Schenkeln, stark in den Armen gewesen, tauglich genug zum Kampfe?«

»Ich bin, o Raṭṭhapālo, mit zwanzig oder mit fünfundzwanzig Jahren imstande gewesen Elephanten zu bändigen, Rosse zu reiten, Wagen zu lenken, Bogen zu spannen, Schwerdter zu schwingen, bin stark in den Schenkeln, stark in den Armen gewesen, tauglich genug zum Kampfe. Zuweilen fühlt’ ich, o Raṭṭhapālo, fast Ueberkraft in mir: nicht hab’ ich an Stärke meines Gleichen gekannt.«

»Was meinst du wohl, großer König: bist du auch jetzt ebenso stark in den Schenkeln und Armen, tauglich genug zum Kampfe?«

»Das nicht, o Raṭṭhapālo: jetzt bin ich alt und greis geworden, hochbetagt, dem Ende nahe, ausgelebt, stehe im achtzigsten Jahre. Zuweilen will ich, o Raṭṭhapālo, den Fuß dahinsetzen, und setze ihn dorthin.«

»Daran aber, großer König, hat Er gedacht, der Erhabene, der Kenner, der Seher, der Heilige, vollkommen Erwachte, als er gesagt hat: ›Aufgerieben wird die Welt, verweslich‹; das hab’ ich erfahren und gesehn und gehört,{403}und bin aus dem Hause in die Hauslosigkeit gezogen.«

»Wunderbar, o Raṭṭhapālo, außerordentlich ist es, o Raṭṭhapālo, wie Er da so richtig gesagt hat, der Erhabene, der Kenner, der Seher, der Heilige, vollkommen Erwachte, ›Aufgerieben wird die Welt, verweslich‹: denn aufgerieben wird, o Raṭṭhapālo, die Welt, verweslich. — Versehn ist, o Raṭṭhapālo, meine Königsburg mit Kriegselephanten, mit Reiterei, mit Streitwagen, mit Fußtruppen, die uns in Noth und Gefahr zu Schutz und Trutz gereichen. ›Hülflos ist die Welt, ohnmächtig‹, hat Herr Raṭṭhapālo gesagt: wie aber soll man, o Raṭṭhapālo, den Sinn dieser Worte verstehn?«

»Was meinst du wohl, großer König: leidest du an irgend einem andauernden Uebel?«

»Ich leide, o Raṭṭhapālo, an dem Uebel der andauernden Gicht. Zuweilen, o Raṭṭhapālo, stehn meine Freunde und Genossen, Verwandte und Vettern um mich herum und reden: ›Diesmal wird König Koravyo sterben! Diesmal wird König Koravyo sterben!‹«

»Was meinst du wohl, großer König: erlangst du das bei deinen Freunden und Genossen, Verwandten und Vettern: ›Kommt heran, ihr lieben Freunde und Genossen, Verwandte und Vettern! Alle, die ihr da seid, mögt diesen Schmerz unter euch theilen, damit ich den Schmerz minder empfinde!‹, oder aber musst du den Schmerz allein erdulden?«

»Nicht kann ich das, o Raṭṭhapālo, bei meinen Freunden und Genossen, Verwandten und Vettern erlangen: ›Kommt heran, ihr lieben Freunde und Genossen, Verwandte und Vettern! Alle, die ihr da seid, mögt diesen Schmerz unter euch theilen, damit ich den Schmerz minder empfinde!‹, sondern ich muss den Schmerz allein erdulden.«

»Daran aber, großer König, hat Er gedacht, der Erhabene, der Kenner, der Seher, der Heilige, vollkommen Erwachte, als er gesagt hat: ›Hülflos ist die Welt, ohnmächtig‹:{404}das hab’ ich erfahren und gesehn und gehört, und bin aus dem Hause in die Hauslosigkeit gezogen.«

»Wunderbar, o Raṭṭhapālo, außerordentlich ist es, o Raṭṭhapālo, wie Er da so richtig gesagt hat, der Erhabene, der Kenner, der Seher, der Heilige, vollkommen Erwachte, ›Hülflos ist die Welt, ohnmächtig‹: denn hülflos ist, o Raṭṭhapālo, die Welt, ohnmächtig. — Es findetsich, o Raṭṭhapālo, in meiner Königsburg reichlich Gold und Geschmeide vor, heimlich vergraben und offen aufgestellt. ›Uneigen ist die Welt, alles verlassend muss man gehn‹, hat Herr Raṭṭhapālo gesagt: wie aber soll man, oRaṭthapālo, den Sinn dieser Worte verstehn?«

»Was meinst du wohl, großer König: wie du hienieden mit dem Besitz und Genuss der fünf Begehrungen begabt bist, kannst du auch jenseit erlangen: ›Ebenso will ich mit eben diesem Besitz und Genuss der fünf Begehrungen begabt sein!‹, oder aber wird dieser Reichthum auf andere übergehn, und wirst du je nach den Thaten wandeln?«

»Nicht kann ich, o Raṭṭhapālo, wie da hienieden mit dem Besitz und Genuss der fünf Begehrungen begabt, auch jenseit erlangen: ›Ebenso will ich mit eben diesem Besitz und Genuss der fünf Begehrungen begabt sein!‹, sondern auf andere wird dieser Reichthum übergehn, und ich werde je nach den Thaten wandeln.«

»Daran aber, großer König, hat Er gedacht, der Erhabene, der Kenner, der Seher, der Heilige, vollkommen Erwachte, als er gesagt hat: ›Uneigen ist die Welt, alles verlassend muss man gehn‹; das hab’ ich erfahren und gesehn und gehört, und bin aus dem Hause in die Hauslosigkeit gezogen.«

{405}»Wunderbar, o Raṭṭhapālo, außerordentlich ist es, o Raṭṭhapālo, wie Er da so richtig gesagt hat, der Erhabene, der Kenner, der Seher, der Heilige, vollkommen Erwachte, ›Uneigen ist die Welt, alles verlassend muss man gehn‹: denn uneigen ist, o Raṭṭhapālo, die Welt, alles verlassend muss man gehn.[151]— ›Bedürftig ist die Welt, nimmersatt, durstverdungen‹, hat Herr Raṭṭhapālogesagt: wie aber soll man, o Raṭṭhapālo, den Sinn dieser Worte verstehn?«

»Was meinst du wohl, großer König: gedeiht dir herrlich in Ueberfluss dein Kurūland?«

»Gewiss, o Raṭṭhapālo, gedeiht mir herrlich in Ueberfluss mein Kurūland.«

»Was meinst du wohl, großer König: wenn da ein Mann zu dir herkäme, von den östlichen Gränzen, glaubwürdig, vertrauenswürdig; und er träte zu dir und spräche also: ›O großer König, dass du es weißt: ich komme von den östlichen Gränzen her! Da hab’ ich ein mächtiges Reich gesehn, blühend, gedeihend, volkreich, von vielen Menschen bewohnt: da giebt es viel Kriegselephanten und Reiterei, Streitwagen und Fußtruppen, viel Elphenbein und Felle, viel Gold und Geschmeide, roh und bearbeitet, da giebt es viel Weibergesinde! Und man kann es mit einer gewissen Streitmacht erobern: erobere es, großer König!‹ Was würdest du da thun?«

»Wir würden es, o Raṭṭhapālo, eben erobern und beherrschen.«

»Was meinst du wohl, großer König: wenn da ein Mann zu dir herkäme, von den westlichen Gränzen, und von den nördlichen Gränzen, und von den südlichen Gränzen, und von jenseit des Ozeans, glaubwürdig, vertrauenswürdig; und er träte zu dir und spräche also: ›O großer König, dass du es weißt: ich komme von jenseit des Ozeans her! Da hab’ ich ein mächtiges Reich gesehn,{406}blühend, gedeihend, volkreich, von vielen Menschen bewohnt: da giebt es viel Kriegselephanten und Reiterei, Streitwagen und Fußtruppen, viel Elphenbeinund Felle, viel Gold und Geschmeide, roh und bearbeitet, da giebt es viel Weibergesinde! Und man kann es mit einer gewissen Streitmacht erobern: erobere es, großer König!‹ Was würdest du da thun?«

»Wir würden es, o Raṭṭhapālo, eben auch erobern und beherrschen.«

»Daran aber, großer König, hat Er gedacht, der Erhabene, der Kenner, der Seher, der Heilige, vollkommen Erwachte, als er gesagt hat: ›Bedürftig ist die Welt, nimmersatt, durstverdungen‹; das hab’ ich erfahren und gesehn und gehört, und bin aus dem Hause in die Hauslosigkeit gezogen.«

»Wunderbar, o Raṭṭhapālo, außerordentlich ist es, o Raṭṭhapālo, wie Er da so richtig gesagt hat, der Erhabene, der Kenner, der Seher, der Heilige, vollkommen Erwachte, ›Bedürftig ist die Welt, nimmersatt, durstverdungen‹: denn bedürftig ist, o Raṭṭhapālo, die Welt, nimmersatt, durstverdungen.«

Also sprach der ehrwürdige Raṭṭhapālo. Und nachdem er also geredet sprach er ferner noch dies:

»Ich sehe Menschen mächtig sein, gewaltig,Und reich und thörig keine Gabe geben:Begierig häufen an sie Gut an GüterUnd haschen lüstern nach erneuten Lüsten.»Und hätt’ ersiegt ein König sich die Erde,Und herrscht’ er weithin, bis zum Meere herrlich:Des Meeres Gränze grämt’ ihn ungesättigt,Nach neuen Siegen sehnt’ er sich hinüber.»Der König und gar viele gehn entgegenMit ungestilltem Durste düsterm Tode,Vergeblich abgenutzt stirbt nur der Leib hin:Denn keiner in der Welt wird satt an Süchten.»Verwandte weinen, raufen sich die LockenUnd rufen ›Wehe, weh’ uns, dass wir leben!‹{407}In weißes Linnen wickeln sie den LeichnamUnd schichten Scheite, schüren an die Lohe.»Nun röstet er am Roste, rauh gerüttelt,Ein einzig Tüchlein deckt ihn, das ist alles:Der Abgelebte findet keine Zuflucht,Geliebte, Freunde nicht und nicht Genossen.»Die Erben reißen sich um seinen Reichthum,Sein Wesen aber wandelt nach den Werken:Am Hingeschiednen haftet keine Habe,Nicht Weib und Kind, nicht Geld und Gut und Lande.»Um Geld erkauft sich keiner langes Leben,Und Schätze schützen elend vor dem Alter:›Gar kurz ist‹, künden Denker, ›unser Dasein,Und unbeständig, unstet, ohne Dauer.‹»An Reiche rührt, an Arme rührt Berührung,Und wie der Thor, berührt wird auch der Weise;Doch Thoren reißt Berührung rasend nieder,An Weise rührend kann sie nimmer regen.»So gilt wohl mehr als Geld und Güter Weisheit,Da sie Vollendung sälig uns entbietet:Unsälig stehn ja Wirre starr gebundenAn Sein und Wiedersein und wirken Böses.»Man keimt in Schooßen, keimt in andern WeltenUnd kehrt im Wandelkreise hin und wieder,Ergiebt sich gern dem Wahne der Gewohnheit:Und keimt in Schooßen, keimt in andern Welten.»Gleichwie der Räuber, den die Falle festhält,Durch eigne That sich richtet, der Verruchte,So wird in andern Welten der VerwesneDurch eigne That gerichtet, der Verruchte.»Wie launisch locken uns Begierden gaukelnd hin,Das Herz zerhämmernd, heftig, ungeheuer!Erkannt hab’ ich den Kummer der Begehrung,Bin darum Büßer nun, o König, Bettler.»Der Mensch fällt, wie die Frucht vom Baume fällt herab,Noch unreif, oder reif, in raschem Sturze;So bin ich denn, o König, gern ein Bettler:Gewisse Pilgerschaft, sie dünkt mich besser.«[152]

»Ich sehe Menschen mächtig sein, gewaltig,Und reich und thörig keine Gabe geben:Begierig häufen an sie Gut an GüterUnd haschen lüstern nach erneuten Lüsten.»Und hätt’ ersiegt ein König sich die Erde,Und herrscht’ er weithin, bis zum Meere herrlich:Des Meeres Gränze grämt’ ihn ungesättigt,Nach neuen Siegen sehnt’ er sich hinüber.»Der König und gar viele gehn entgegenMit ungestilltem Durste düsterm Tode,Vergeblich abgenutzt stirbt nur der Leib hin:Denn keiner in der Welt wird satt an Süchten.»Verwandte weinen, raufen sich die LockenUnd rufen ›Wehe, weh’ uns, dass wir leben!‹{407}In weißes Linnen wickeln sie den LeichnamUnd schichten Scheite, schüren an die Lohe.»Nun röstet er am Roste, rauh gerüttelt,Ein einzig Tüchlein deckt ihn, das ist alles:Der Abgelebte findet keine Zuflucht,Geliebte, Freunde nicht und nicht Genossen.»Die Erben reißen sich um seinen Reichthum,Sein Wesen aber wandelt nach den Werken:Am Hingeschiednen haftet keine Habe,Nicht Weib und Kind, nicht Geld und Gut und Lande.»Um Geld erkauft sich keiner langes Leben,Und Schätze schützen elend vor dem Alter:›Gar kurz ist‹, künden Denker, ›unser Dasein,Und unbeständig, unstet, ohne Dauer.‹»An Reiche rührt, an Arme rührt Berührung,Und wie der Thor, berührt wird auch der Weise;Doch Thoren reißt Berührung rasend nieder,An Weise rührend kann sie nimmer regen.»So gilt wohl mehr als Geld und Güter Weisheit,Da sie Vollendung sälig uns entbietet:Unsälig stehn ja Wirre starr gebundenAn Sein und Wiedersein und wirken Böses.»Man keimt in Schooßen, keimt in andern WeltenUnd kehrt im Wandelkreise hin und wieder,Ergiebt sich gern dem Wahne der Gewohnheit:Und keimt in Schooßen, keimt in andern Welten.»Gleichwie der Räuber, den die Falle festhält,Durch eigne That sich richtet, der Verruchte,So wird in andern Welten der VerwesneDurch eigne That gerichtet, der Verruchte.»Wie launisch locken uns Begierden gaukelnd hin,Das Herz zerhämmernd, heftig, ungeheuer!Erkannt hab’ ich den Kummer der Begehrung,Bin darum Büßer nun, o König, Bettler.»Der Mensch fällt, wie die Frucht vom Baume fällt herab,Noch unreif, oder reif, in raschem Sturze;So bin ich denn, o König, gern ein Bettler:Gewisse Pilgerschaft, sie dünkt mich besser.«[152]

»Ich sehe Menschen mächtig sein, gewaltig,Und reich und thörig keine Gabe geben:Begierig häufen an sie Gut an GüterUnd haschen lüstern nach erneuten Lüsten.

»Ich sehe Menschen mächtig sein, gewaltig,

Und reich und thörig keine Gabe geben:

Begierig häufen an sie Gut an Güter

Und haschen lüstern nach erneuten Lüsten.

»Und hätt’ ersiegt ein König sich die Erde,Und herrscht’ er weithin, bis zum Meere herrlich:Des Meeres Gränze grämt’ ihn ungesättigt,Nach neuen Siegen sehnt’ er sich hinüber.

»Und hätt’ ersiegt ein König sich die Erde,

Und herrscht’ er weithin, bis zum Meere herrlich:

Des Meeres Gränze grämt’ ihn ungesättigt,

Nach neuen Siegen sehnt’ er sich hinüber.

»Der König und gar viele gehn entgegenMit ungestilltem Durste düsterm Tode,Vergeblich abgenutzt stirbt nur der Leib hin:Denn keiner in der Welt wird satt an Süchten.

»Der König und gar viele gehn entgegen

Mit ungestilltem Durste düsterm Tode,

Vergeblich abgenutzt stirbt nur der Leib hin:

Denn keiner in der Welt wird satt an Süchten.

»Verwandte weinen, raufen sich die LockenUnd rufen ›Wehe, weh’ uns, dass wir leben!‹{407}In weißes Linnen wickeln sie den LeichnamUnd schichten Scheite, schüren an die Lohe.

»Verwandte weinen, raufen sich die Locken

Und rufen ›Wehe, weh’ uns, dass wir leben!‹

In weißes Linnen wickeln sie den Leichnam

Und schichten Scheite, schüren an die Lohe.

»Nun röstet er am Roste, rauh gerüttelt,Ein einzig Tüchlein deckt ihn, das ist alles:Der Abgelebte findet keine Zuflucht,Geliebte, Freunde nicht und nicht Genossen.

»Nun röstet er am Roste, rauh gerüttelt,

Ein einzig Tüchlein deckt ihn, das ist alles:

Der Abgelebte findet keine Zuflucht,

Geliebte, Freunde nicht und nicht Genossen.

»Die Erben reißen sich um seinen Reichthum,Sein Wesen aber wandelt nach den Werken:Am Hingeschiednen haftet keine Habe,Nicht Weib und Kind, nicht Geld und Gut und Lande.

»Die Erben reißen sich um seinen Reichthum,

Sein Wesen aber wandelt nach den Werken:

Am Hingeschiednen haftet keine Habe,

Nicht Weib und Kind, nicht Geld und Gut und Lande.

»Um Geld erkauft sich keiner langes Leben,Und Schätze schützen elend vor dem Alter:›Gar kurz ist‹, künden Denker, ›unser Dasein,Und unbeständig, unstet, ohne Dauer.‹

»Um Geld erkauft sich keiner langes Leben,

Und Schätze schützen elend vor dem Alter:

›Gar kurz ist‹, künden Denker, ›unser Dasein,

Und unbeständig, unstet, ohne Dauer.‹

»An Reiche rührt, an Arme rührt Berührung,Und wie der Thor, berührt wird auch der Weise;Doch Thoren reißt Berührung rasend nieder,An Weise rührend kann sie nimmer regen.

»An Reiche rührt, an Arme rührt Berührung,

Und wie der Thor, berührt wird auch der Weise;

Doch Thoren reißt Berührung rasend nieder,

An Weise rührend kann sie nimmer regen.

»So gilt wohl mehr als Geld und Güter Weisheit,Da sie Vollendung sälig uns entbietet:Unsälig stehn ja Wirre starr gebundenAn Sein und Wiedersein und wirken Böses.

»So gilt wohl mehr als Geld und Güter Weisheit,

Da sie Vollendung sälig uns entbietet:

Unsälig stehn ja Wirre starr gebunden

An Sein und Wiedersein und wirken Böses.

»Man keimt in Schooßen, keimt in andern WeltenUnd kehrt im Wandelkreise hin und wieder,Ergiebt sich gern dem Wahne der Gewohnheit:Und keimt in Schooßen, keimt in andern Welten.

»Man keimt in Schooßen, keimt in andern Welten

Und kehrt im Wandelkreise hin und wieder,

Ergiebt sich gern dem Wahne der Gewohnheit:

Und keimt in Schooßen, keimt in andern Welten.

»Gleichwie der Räuber, den die Falle festhält,Durch eigne That sich richtet, der Verruchte,So wird in andern Welten der VerwesneDurch eigne That gerichtet, der Verruchte.

»Gleichwie der Räuber, den die Falle festhält,

Durch eigne That sich richtet, der Verruchte,

So wird in andern Welten der Verwesne

Durch eigne That gerichtet, der Verruchte.

»Wie launisch locken uns Begierden gaukelnd hin,Das Herz zerhämmernd, heftig, ungeheuer!Erkannt hab’ ich den Kummer der Begehrung,Bin darum Büßer nun, o König, Bettler.

»Wie launisch locken uns Begierden gaukelnd hin,

Das Herz zerhämmernd, heftig, ungeheuer!

Erkannt hab’ ich den Kummer der Begehrung,

Bin darum Büßer nun, o König, Bettler.

»Der Mensch fällt, wie die Frucht vom Baume fällt herab,Noch unreif, oder reif, in raschem Sturze;So bin ich denn, o König, gern ein Bettler:Gewisse Pilgerschaft, sie dünkt mich besser.«[152]

»Der Mensch fällt, wie die Frucht vom Baume fällt herab,

Noch unreif, oder reif, in raschem Sturze;

So bin ich denn, o König, gern ein Bettler:

Gewisse Pilgerschaft, sie dünkt mich besser.«[152]

83.

Neunter Theil

Dritte Rede

{408}Das hab’ ich gehört. Zu einer Zeit weilte der Erhabene bei Mithilā, im Mangohaine Makhadevos.[153]Und der Erhabene ließ, an einer bestimmten Stelle weilend, ein Lächeln sehn. Und der ehrwürdige Ānando gedachte da: ›Was ist wohl der Grund, was ist die Ursach, dass der Erhabene ein Lächeln gezeigt hat? Nicht ohne Anlass lächeln Vollendete.‹ Und der ehrwürdige Ānando schlug den Oberrock um die eine Schulter, faltete die Hände gegen den Erhabenen und sprach also:

»Was ist wohl, o Herr, der Grund, was ist die Ursach, dass der Erhabene ein Lächeln gezeigt hat? Nicht ohne Anlass lächeln Vollendete.«

»Einst war, Ānando, eben hier zu Mithilā, ein König gewesen, Makhadevo mit Namen, ein gerechter und wahrer König, auf dem Rechte ruhend, ein großer König, der das Recht zur Geltung brachte bei Priestern und Hausvätern, bei Bürgern und Bauern, der den Feiertag feierte bei Vollmond und Neumond und beiden Vierteln.[154]

»Und König Makhadevo, Ānando, wandte sich einst, als viele Jahre, viele Jahrhunderte, viele Jahrtausende vergangen waren, an seinen Bader:

›Wann du, bester Bader, auf meinem Haupte graue Haare wahrnimmst, dann sag’ es mir.‹[155]

›Wohl, o König!‹ entgegnete da gehorsam der Bader dem Herrscher.

Und der Bader, Ānando, nahm, als viele Jahre, vieleJahrhunderte,{409}viele Jahrtausende vergangen waren, auf dem Haupte des Herrschers graue Haare wahr; und als er sie wahrgenommen sprach er also zu ihm:

›Gemeldet haben sich beim Könige Götterboten: auf dem Haupte sind graue Haare erschienen.‹

›Wohlan denn, bester Bader, so nimm diese grauen Haare mit einer Zange zart heraus und leg’ sie mir auf die Hand.‹

›Wohl, o König!‹ entgegnete da gehorsam der Bader dem Herrscher, nahm diese grauen Haare mit einer Zange zart heraus und legte sie dem Herrscher auf die Hand. Und König Makhadevo, Ānando, gab dem Bader ein Dorf zu eigen, und er ließ den Kronprinzen, seinen ältesten Sohn, zu sich berufen und sprach also zu ihm:

›Gemeldet haben sich bei mir, theurer Prinz, Götterboten: auf dem Haupte sind graue Haare erschienen. Genossen hab’ ich ja die menschlichen Wonnen: es ist Zeit an himmlische Wonnen zu denken.[156]Komme, theurer Prinz, übernimm du diese Königsmacht: denn ich will mir Haar und Bart abscheeren, das fahle Gewand anlegen und aus dem Hause in die Hauslosigkeit wandern. Und so magst auch du, theurer Prinz, wann sich dir auf dem Haupte graue Haare gezeigt haben, deinem Bader ein Dorf zu eigen geben, deinen ältesten Sohn, den Kronprinzen, mit der Königsmacht treulich betrauen, dir Haar und Bart abscheeren, das fahle Gewand anlegen und aus dem Hause in die Hauslosigkeit ziehn.[157]Wie dieser gesegnete Wandel von mir gewiesen mögst du ihm nachkommen, auf dass du nicht mein letzter Nachkomme seiest. In einem Weltalter, theurer Prinz, wo der also gesegnete Wandel gebrochen wird,{410}da wird derletzte der Nachkommen sein. Darum hab’ ich dir, theurer Prinz, also gerathen: Wie dieser gesegnete Wandel von mir gewiesen mögst du ihm nachkommen, auf dass du nicht mein letzter Nachkomme seiest.‹

Und König Makhadevo, Ānando, gab seinem Bader ein Dorf zu eigen, betraute treulich seinen ältesten Sohn, den Kronprinzen, mit der Königsmacht; und eben hier, im Mangohaine Makhadevos, schor er sich Haar und Bart ab, legte das fahle Gewand an und zog vom Hause in die Hauslosigkeit hinaus. Liebevollen Gemüthes weilend strahlte er nach einer Richtung, dann nach einer zweiten, dann nach der dritten, dann nach der vierten, ebenso nach oben und nach unten: überall in allem sich wiedererkennend durchstrahlte er die ganze Welt mit liebevollem Gemüthe, mit weitem, tiefem, unbeschränktem, von Grimm und Groll geklärtem. Erbarmenden Gemüthes — freudevollen Gemüthes — unbewegten Gemüthes weilend strahlte er nach einer Richtung, dann nach einer zweiten, dann nach der dritten, dann nach der vierten, ebenso nach oben und nach unten: überall in allem sich wiedererkennend durchstrahlte er die ganze Welt mit erbarmendem Gemüthe, mit freudevollem Gemüthe, mit unbewegtem Gemüthe, mit weitem, tiefem, unbeschränktem, von Grimm und Groll geklärtem.

König Makhadevo aber, Ānando, hat vierundachtzigtausend Jahre die Spiele der Jugend gespielt, vierundachtzigtausend Jahre ist er Kronprinz gewesen, vierundachtzigtausend Jahre hat er als König geherrscht, und vierundachtzigtausend Jahre hat er, eben hier im Mangohaine Makhadevos als Büßer weilend, das Asketenleben geführt.

Und er harrte auf den vier heiligen Warten aus, und gelangte,{411}bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, in heilige Welt.

Und König Makhadevos Sohn, Ānando, wandte sich einst, als viele Jahre, viele Jahrhunderte, viele Jahrtausende vergangen waren, an seinen Bader:

›Wann du, bester Bader, auf meinem Haupte graue Haare wahrnimmst, dann sag’ es mir.‹

›Wohl, o König!‹ entgegnete da gehorsam der Bader dem Herrscher.

Und der Bader, Ānando, nahm, als viele Jahre, viele Jahrhunderte, viele Jahrtausende vergangen waren, auf dem Haupte des Herrschers graue Haare wahr; und als er sie wahrgenommen sprach er also zu ihm:

›Gemeldet haben sich beim Könige Götterboten: auf dem Haupte sind graue Haare erschienen.‹

›Wohlan denn, bester Bader, so nimm diese grauen Haare mit einer Zange zart heraus und leg’ sie mir auf die Hand.‹

›Wohl, o König!‹ entgegnete da gehorsam der Bader dem Herrscher, nahm diese grauen Haare mit einer Zange zart heraus und legte sie dem Herrscher auf die Hand. Und König Makhadevos Sohn, Ānando, gab dem Bader ein Dorf zu eigen, und er ließ den Kronprinzen, seinen ältesten Sohn, zu sich berufen und sprach also zu ihm:

›Gemeldet haben sich bei mir, theurer Prinz, Götterboten: auf dem Haupte sind graue Haare erschienen. Genossen hab’ ich ja die menschlichen Wonnen: es ist Zeit an himmlische Wonnen zu denken. Komme, theurer Prinz, übernimm du diese Königsmacht: denn ich willmir Haar und Bart abscheeren, das fahle Gewand anlegen{412}und aus dem Hause in die Hauslosigkeit wandern. Und so magst auch du, theurer Prinz, wann sich dir auf dem Haupte graue Haare gezeigt haben, deinem Bader ein Dorf zu eigen geben, deinen ältesten Sohn, den Kronprinzen, mit der Königsmacht treulich betrauen, dir Haar und Bart abscheeren, das fahle Gewand anlegen und aus dem Hause in die Hauslosigkeit ziehn. Wie dieser gesegnete Wandel von mir gewiesen mögst du ihm nachkommen, auf dass du nicht mein letzter Nachkomme seiest. In einem Weltalter, theurer Prinz, wo der also gesegnete Wandel gebrochen wird, da wird der letzte der Nachkommen sein. Darum hab’ ich dir, theurer Prinz, also gerathen: Wie dieser gesegnete Wandel von mir gewiesen mögst du ihm nachkommen, auf dass du nicht mein letzter Nachkomme seiest.‹

Und König Makhadevos Sohn, Ānando, gab seinem Bader ein Dorf zu eigen, betraute treulich seinen ältesten Sohn, den Kronprinzen, mit der Königsmacht; und eben hier, im Mangohaine Makhadevos, schor er sich Haar und Bart ab, legte das fahle Gewand an und zog vom Hause in die Hauslosigkeit hinaus. Liebevollen Gemüthes weilend strahlte er nach einer Richtung, dann nach einer zweiten, dann nach der dritten, dann nach der vierten, ebenso nach oben und nach unten: überall in allem sich wiedererkennend durchstrahlte er die ganze Welt mit liebevollem Gemüthe, mit weitem, tiefem, unbeschränktem, von Grimm und Groll geklärtem. Erbarmenden Gemüthes — freudevollen Gemüthes — unbewegten Gemüthes weilend strahlte er nach einer Richtung, dann nach einer zweiten, dann nach der dritten, dann nach dervierten, ebenso nach oben und nach unten: überall in allem sich wiedererkennend{413}durchstrahlte er die ganze Welt mit erbarmendem Gemüthe, mit freudevollem Gemüthe, mit unbewegtem Gemüthe, mit weitem, tiefem, unbeschränktem, von Grimm und Groll geklärtem.

König Makhadevos Sohn aber, Ānando, hat vierundachtzigtausend Jahre die Spiele der Jugend gespielt, vierundachtzigtausend Jahre ist er Kronprinz gewesen, vierundachtzigtausend Jahre hat er als König geherrscht, und vierundachtzigtausend Jahre hat er, eben hier im Mangohaine Makhadevos als Büßer weilend, das Asketenleben geführt.

Und er harrte auf den vier heiligen Warten aus, und gelangte, bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, in heilige Welt.

Und auch König Makhadevos Enkel, Ānando, und Urenkel sind ihm, durch vierundachtzigtausend Geschlechter, nachgefolgt und haben eben hier, im Mangohaine Makhadevos, Haar und Bart sich abgeschoren, das fahle Gewand angelegt und sind vom Hause in die Hauslosigkeit gewandert. Liebevollen Gemüthes — erbarmenden Gemüthes — freudevollen Gemüthes — unbewegten Gemüthes weilend strahlten sie nach einer Richtung, dann nach einer zweiten, dann nach der dritten, dann nach der vierten, ebenso nach oben und nach unten: überall in allem sich wiedererkennend durchstrahlten sie die ganze Welt mit liebevollem Gemüthe, mit erbarmendem Gemüthe, mit freudevollem Gemüthe, mit unbewegtem Gemüthe, mit weitem, tiefem, unbeschränktem, von Grimm und Groll geklärtem.

Und vierundachtzigtausend Jahre haben sie die Spieleder Jugend gespielt,{414}vierundachtzigtausend Jahre sind sie Kronprinz gewesen, vierundachtzigtausend Jahre haben sie als König geherrscht, und vierundachtzigtausend Jahre haben sie, eben hier im Mangohaine Makhadevos als Büßer weilend, das Asketenleben geführt.

Und sie harrten auf den vier heiligen Warten aus, und gelangten, bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, in heilige Welt.

Nimi war der letzte von diesen Königen, ein gerechter und wahrer König, auf dem Rechte ruhend, ein großer König, der das Recht zur Geltung brachte bei Priestern und Hausvätern, bei Bürgern und Bauern, der den Feiertag feierte bei Vollmond und Neumond und beiden Vierteln.

Als da einst, Ānando, die Dreiunddreißig Götter im Saal der Säligen zu Rathe beisammensaßen, erhob sich unter ihnen die Rede:

›Gesegnet sind die Videher, hochgesegnet ist das Videherreich, wo Nimi herrscht, als gerechter und wahrer König, auf dem Rechte ruhend, ein großer König, der das Recht zur Geltung bringt bei Priestern und Hausvätern, bei Bürgern und Bauern, der den Feiertag feiert bei Vollmond und Neumond und beiden Vierteln.‹

Da wandte sich denn, Ānando, Sakko der Götterherr also an die Dreiunddreißig Götter:

›Wünschet ihr etwa, Würdige, Nimi den König zu sehn.‹

›Wir wünschen es, Würdiger, Nimi den König zu sehn.‹

Um diese Zeit nun, Ānando, hatte Nimi der König — es war ein Feiertag, Vollmond — gebadeten Hauptes,feiernd, oben auf der Zinne seines Palastes Platz genommen. Da verschwand nun, Ānando, Sakko der Götterherr, so schnell wie etwa ein kräftiger Mann den eingezogenen Arm ausstrecken oder den ausgestreckten Arm einziehn mag,{415}aus dem Himmel der Dreiunddreißig und erschien vor König Nimi. Und er sprach also zu ihm:

›Segen dir, großer König, hoher Segen dir, großer König! Die Götter, großer König, der Dreiunddreißig sitzen im Saal der Säligen beisammen und singen dein Lob: ‚Gesegnet sind die Videher, hochgesegnet ist das Videherreich, wo Nimi herrscht, als gerechter und wahrer König, auf dem Rechte ruhend, ein großer König, der das Recht zur Geltung bringt bei Priestern und Hausvätern, bei Bürgern und Bauern, der den Feiertag feiert bei Vollmond und Neumond und beiden Vierteln.‘ Die Götter, großer König, der Dreiunddreißig möchten dich sehn! Und so werd’ ich dir, großer König, das tausendjochige Rossegespann herabsenden[158]: wolle besteigen, großer König, den himmlischen Wagen, ohne Bangen.‹

Schweigend gewährte, Ānando, König Nimi die Bitte.

Als nun, Ānando, Sakko der Götterherr der Zustimmung König Nimis gewiss war, verschwand er, so schnell wie etwa ein kräftiger Mann den eingezogenen Arm ausstrecken oder den ausgestreckten Arm einziehn mag, vor König Nimi und erschien im Himmel der Dreiunddreißig. Und er befahl Mātali dem Rosselenker:

›Eile dich, bester Mātali, rüste das tausendjochige Rossegespann und fahre zu König Nimi hinab und sprich also zu ihm: ‚Hier, großer König, ist das tausendjochige Rossegespann, das dir Sakko der Götterherr schickt:wolle besteigen, großer König, den himmlischen Wagen, ohne Bangen.‘‹

›Wohl, Erlauchter, wie du befiehlst!‹ entgegnete da gehorsam Mātali{416}der Rosselenker Sakko dem Götterherrn. Und er rüstete das tausendjochige Rossegespann und fuhr zu König Nimi hinab und sprach also zu ihm:

›Hier, großer König, ist das tausendjochige Rossegespann, das dir Sakko der Götterherr schickt: besteige, großer König, den himmlischen Wagen, ohne Bangen. Und sage mir, großer König: über welche Bahn soll ich dich fahren? Wo die Wesen durch böse That böser Thaten Vergeltung genießen, oder wo die Wesen durch gute That guter Thaten Vergeltung genießen?‹

›Ueber die beiden Bahnen, Mātali, fahre mich!‹

Und Mātali, Ānando, der Rosselenker, brachte Nimi den König bis vor den Saal der Säligen hin. Da erblickte, Ānando, Sakko der Götterherr Nimi den König von ferne herankommen, und als er ihn gesehn sprach er also zu ihm:

›Komm’, o großer König, sei gegrüßt, o großer König! Die Götter, großer König, der Dreiunddreißig sitzen im Saal der Säligen beisammen und singen dein Lob: ‚Gesegnet sind die Videher, hochgesegnet ist das Videherreich, wo Nimi herrscht, als gerechter und wahrer König, auf dem Rechte ruhend, ein großer König, der das Recht zur Geltung bringt bei Priestern und Hausvätern, bei Bürgern und Bauern, der den Feiertag feiert bei Vollmond und Neumond und beiden Vierteln.‘ Die Götter, großer König, der Dreiunddreißig möchten dich sehn! Erfreue dich, großer König, bei den Göttern an göttlichem Glanze!‹

›Schon gut, Würdiger! Man soll mich nur wieder nach Mithilā heimfahren: dort will ich sorgen, dass Recht gelte bei Priestern und Hausvätern, bei Bürgern und Bauern, will den Feiertag feiern bei Vollmond und Neumond und beiden Vierteln.‹

{417}Da wandte sich nun, Ānando, Sakko der Götterherr also an Mātali den Rosselenker:

›Eile dich, bester Mātali, rüste das tausendjochige Rossegespann und fahre König Nimi wieder hinab nach Mithilā.‹

›Wohl, Erlauchter, wie du befiehlst!‹ entgegnete da gehorsam Mātali der Rosselenker Sakko dem Götterherrn. Und er rüstete das tausendjochige Rossegespann und fuhr König Nimi wieder hinab nach Mithilā.

Hier sorgte nun, Ānando, König Nimi, dass Recht gelte bei Priestern und Hausvätern, bei Bürgern und Bauern, feierte den Feiertag bei Vollmond und Neumond und beiden Vierteln.

Und König Nimi, Ānando, wandte sich einst, als viele Jahre, viele Jahrhunderte, viele Jahrtausende vergangen waren, an seinen Bader:

›Wann du, bester Bader, auf meinem Haupte graue Haare wahrnimmst, dann sag’ es mir.‹

›Wohl, o König!‹ entgegnete da gehorsam der Bader dem Herrscher.

Und der Bader, Ānando, nahm, als viele Jahre, viele Jahrhunderte, viele Jahrtausende vergangen waren, auf dem Haupte des Herrschers graue Haare wahr; und als er sie wahrgenommen sprach er also zu ihm:

›Gemeldet haben sich beim Könige Götterboten: auf dem Haupte sind graue Haare erschienen.‹

›Wohlan denn, bester Bader, so nimm diese grauen Haare mit einer Zange zart heraus und leg’ sie mir auf die Hand.‹

›Wohl, o König!‹ entgegnete da gehorsam der Bader dem Herrscher, nahm diese grauen Haare mit einer Zange zart heraus{418}und legte sie dem Herrscher auf die Hand. Und König Nimi, Ānando, gab dem Bader ein Dorf zu eigen, und er ließ den Kronprinzen, seinen ältesten Sohn, zu sich berufen und sprach also zu ihm:

›Gemeldet haben sich bei mir, theurer Prinz, Götterboten: auf dem Haupte sind graue Haare erschienen. Genossen hab’ ich ja die menschlichen Wonnen: es ist Zeit an himmlische Wonnen zu denken. Komme, theurer Prinz, übernimm du diese Königsmacht: denn ich will mir Haar und Bart abscheeren, das fahle Gewand anlegen und aus dem Hause in die Hauslosigkeit wandern. Und so magst auch du, theurer Prinz, wann sich dir auf dem Haupte graue Haare gezeigt haben, deinem Bader ein Dorf zu eigen geben, deinen ältesten Sohn, den Kronprinzen, mit der Königsmacht treulich betrauen, dir Haar und Bart abscheeren, das fahle Gewand anlegen und aus dem Hause in die Hauslosigkeit ziehn. Wie dieser gesegnete Wandel von mir gewiesen mögst du ihm nachkommen, auf dass du nicht mein letzter Nachkomme seiest. In einem Weltalter, theurer Prinz, wo der also gesegnete Wandel gebrochen wird, da wird der letzte der Nachkommen sein. Darum hab’ ich dir, theurer Prinz, also gerathen: Wie dieser gesegnete Wandel von mir gewiesen mögst du ihm nachkommen, auf dass du nicht mein letzter Nachkomme seiest.‹

Und König Nimi, Ānando, gab seinem Bader ein Dorfzu eigen, betraute treulich seinen ältesten Sohn, den Kronprinzen, mit der Königsmacht; und eben hier, im Mangohaine Makhadevos, schor er sich Haar und Bart ab, legte das fahle Gewand an und zog vom Hause in die Hauslosigkeit hinaus. Liebevollen Gemüthes — erbarmenden Gemüthes — freudevollen Gemüthes — unbewegten Gemüthes weilend strahlte er nach einer Richtung,{419}dann nach einer zweiten, dann nach der dritten, dann nach der vierten, ebenso nach oben und nach unten: überall in allem sich wiedererkennend durchstrahlte er die ganze Welt mit liebevollem Gemüthe, mit erbarmendem Gemüthe, mit freudevollem Gemüthe, mit unbewegtem Gemüthe, mit weitem, tiefem, unbeschränktem, von Grimm und Groll geklärtem.

König Nimi aber, Ānando, hat vierundachtzigtausend Jahre die Spiele der Jugend gespielt, vierundachtzigtausend Jahre ist er Kronprinz gewesen, vierundachtzigtausend Jahre hat er als König geherrscht, und vierundachtzigtausend Jahre hat er, eben hier im Mangohaine Makhadevos als Büßer weilend, das Asketenleben geführt.

Und er harrte auf den vier heiligen Warten aus, und gelangte, bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, in heilige Welt.

König Nimi aber, Ānando, hat einen Sohn gehabt, Kaḷārajanako geheißen. Der ist nicht aus dem Hause in die Hauslosigkeit gezogen. Der hat diesen gesegneten Wandel gebrochen. Der ist der letzte der Nachkommen gewesen.[159]

»Doch hat, Ānando, jener gesegnete Wandel nicht zur Abkehr,{420}nicht zur Wendung, nicht zur Auflösung,nicht zur Aufhebung, nicht zur Durchschauung, nicht zur Erwachung, nicht zur Erlöschung geführt, sondern nur zur Einkehr in heilige Welt. Aber dieser gesegnete Wandel, Ānando, der heute von mir gewiesen wird, der führt zu vollkommener Abkehr, Wendung, Auflösung, Aufhebung, Durchschauung, Erwachung, zur Erlöschung.

»Was ist das aber, Ānando, für ein gesegneter Wandel, der heute von mir gewiesen wird und zu vollkommener Abkehr, Wendung, Auflösung, Aufhebung, Durchschauung, Erwachung, zur Erlöschung führt? Es ist eben dieser heilige achtfältige Weg, und zwar: rechte Erkenntniss, rechte Gesinnung, rechte Rede, rechtes Handeln, rechtes Wandeln, rechtes Mühn, rechte Einsicht, rechte Einigung. Das ist, Ānando, der gesegnete Wandel, der heute von mir gewiesen wird und zu vollkommener Abkehr, Wendung, Auflösung, Aufhebung, Durchschauung, Erwachung, zur Erlöschung führt. Darum, Ānando, nehmt meinen Rath an: Wie dieser gesegnete Wandel von mir gewiesen mögt ihr ihm nachkommen, auf dass ihr nicht meine letzten Nachkommen seid. In einem Weltalter, Ānando, wo der also gesegnete Wandel gebrochen wird, da wird der letzte der Nachkommen sein.

»Darum, Ānando, nehmt meinen Rath an: Wie dieser gesegnete Wandel von mir gewiesen mögt ihr ihm nachkommen, auf dass ihr nicht meine letzten Nachkommen seid.«

Also sprach der Erhabene. Zufrieden freute sich der ehrwürdige Ānando über das Wort des Erhabenen.[160]

84.

Neunter Theil

Vierte Rede

{421}Das hab’ ich gehört. Zu einer Zeit weilte der ehrwürdige Mahākaccāno bei Madhurā, im Riedmoor.

Und es hörte König Madhuro von Avanti reden: ›Ein Asket, und zwar der würdige Kaccāno, weilt bei Madhurā, im Riedmoor. Diesem würdigen Kaccāno geht aber allenthalben der frohe Ruhmesruf voran: ‚Gelehrt ist er und weise und tiefsinnig, er hat viel erfahren, ist wohlberedt und weiß was frommt, ist alt und ehrwürdig. Glücklich wer da nun solche Heilige sehn kann!‘‹

Und König Madhuro von Avanti ließ viele prächtige Wagen bespannen, bestieg selbst einen solchen und fuhr also mit überaus reichem königlichen Gepränge aus der Stadt hinaus, den ehrwürdigen Mahākaccāno zu besuchen. So weit gefahren als man fahren konnte, stieg er vom Wagen ab und ging dann zu Fuße dorthin wo der ehrwürdige Mahākaccāno sich aufhielt. Dort angelangt wechselte er höflichen Gruß und freundliche, denkwürdige Worte mit ihm und setzte sich seitwärts nieder. Zur Seite sitzend wandte sich nun König Madhuro von Avanti also an den ehrwürdigen Mahākaccāno:

»Die Priester, o Kaccāno, reden also: ›Die Priester nur sind höchste Kaste, verworfen andere Kaste; die Priester nur sind helle Kaste, dunkel andere Kaste; die Priester nur können rein werden, nicht Unpriester; die Priester sind Brahmās Söhne, von ächter Abstammung, aus dem Munde geboren, in Brahmā gezeugt, inBrahmā gebildet, Erben Brahmās.‹[161]{422}Was hält nun Herr Kaccāno davon?«

»Gerede nur, großer König, ist es unter den Leuten. Darum muss man es eben, großer König, je nach dem Umstand beurtheilen, ob es bloßes Gerede ist unter den Leuten: ›Die Priester nur sind höchste Kaste, verworfen andere Kaste; die Priester nur sind helle Kaste, dunkel andere Kaste; die Priester nur können rein werden, nicht Unpriester; die Priester sind Brahmās Söhne, von ächter Abstammung, aus dem Munde geboren, in Brahmā gezeugt, in Brahmā gebildet, Erben Brahmās.‹ Was meinst du wohl, großer König: so da ein Krieger zu Reichthum gelangt, an Geld und Gut, an Silber und Gold, mag da ein Krieger vor ihm aufstehn und nach ihm sich hinlegen, seinen Befehlen gehorchen, thun was ihm angenehm, reden was ihm recht ist? Und mag ein Priester, und mag ein Bürger, und mag ein Diener vor ihm aufstehn und nach ihm sich hinlegen, seinen Befehlen gehorchen, thun was ihm angenehm, reden was ihm recht ist?«

»So da ein Krieger, o Kaccāno, zu Reichthum gelangt, an Geld und Gut, an Silber und Gold, mag wohl ein Krieger vor ihm aufstehn und nach ihm sich hinlegen, seinen Befehlen gehorchen, thun was ihm angenehm, reden was ihm recht ist; und mag ein Priester, und mag ein Bürger, und mag ein Diener vor ihm aufstehn und nach ihm sich hinlegen, seinen Befehlen gehorchen, thun was ihm angenehm, reden was ihm recht ist.«

»Was meinst du wohl, großer König: so da ein Priester,{423}so da ein Bürger, so da ein Diener zu Reichthum gelangt, an Geld und Gut, an Silber und Gold, mag da ein Priester vor ihm aufstehn und nach ihm sichhinlegen, seinen Befehlen gehorchen, thun was ihm angenehm, reden was ihm recht ist? Und mag ein Krieger, und mag ein Bürger, und mag ein Diener vor ihm aufstehn und nach ihm sich hinlegen, seinen Befehlen gehorchen, thun was ihm angenehm, reden was ihm recht ist?«

»So da ein Priester, o Kaccāno, so da ein Bürger, so da ein Diener zu Reichthum gelangt, an Geld und Gut, an Silber und Gold, mag wohl ein Priester vor ihm aufstehn und nach ihm sich hinlegen, seinen Befehlen gehorchen, thun was ihm angenehm, reden was ihm recht ist; und mag ein Krieger, und mag ein Bürger, und mag ein Diener vor ihm aufstehn und nach ihm sich hinlegen, seinen Befehlen gehorchen, thun was ihm angenehm, reden was ihm recht ist.«

»Was meinst du wohl, großer König: ist es also, sind da diese vier Kasten einander gleich, oder sind sie es nicht, oder wie denkst du darüber?«

{424}»Allerdings, oKaccāno, ist es also, da sind diese vier Kasten einander gleich, und ich kann hierbei keinerlei Unterschied merken.«

»Darum soll man es eben, großer König, je nach dem Umstand beurtheilen, ob es bloßes Gerede ist unter den Leuten: ›Die Priester nur sind höchste Kaste, verworfen andere Kaste; die Priester nur sind helle Kaste, dunkel andere Kaste; die Priester nur können rein werden, nicht Unpriester; die Priester sind Brahmās Söhne, von ächter Abstammung, aus dem Munde geboren, in Brahmā gezeugt, in Brahmā gebildet, Erben Brahmās.‹ Was meinst du wohl, großer König: es sei da ein Krieger Mörder und Dieb, ein Wüstling, Lügner,Verleumder, ein Zänker und Schwätzer, voll Gier und Hass und Eitelkeit; mag der, bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, abwärts gerathen, auf schlechte Fährte, in Verderben und Unheil, oder nicht so, oder wie denkst du darüber?«

»Ein Krieger, o Kaccāno, der da Mörder und Dieb ist, ein Wüstling, Lügner, Verleumder, ein Zänker und Schwätzer, voll Gier und Hass und Eitelkeit, der mag wohl, bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, abwärts gerathen, auf schlechte Fährte, in Verderben und Unheil: so denk’ ich darüber, und so hab’ ich es auch{425}von den Heiligen gehört.«

»Gut, gut, großer König: es ist gut, großer König, dass du so denkst, und gut auch, dass du es von den Heiligen gehört hast. Was meinst du wohl, großer König: es sei da ein Priester, es sei da ein Bürger, es sei da ein Diener Mörder und Dieb, ein Wüstling, Lügner, Verleumder, ein Zänker und Schwätzer, voll Gier und Hass und Eitelkeit; mag der, bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, abwärts gerathen, auf schlechte Fährte, in Verderben und Unheil, oder nicht so, oder wie denkst du darüber?«

»Ein Priester, o Kaccāno, ein Bürger, ein Diener, der da Mörder und Dieb ist, ein Wüstling, Lügner, Verleumder, ein Zänker und Schwätzer, voll Gier und Hass und Eitelkeit, der mag wohl, bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, abwärts gerathen, auf schlechte Fährte, in Verderben und Unheil: so denk’ ich darüber, und so hab’ ich es auch von den Heiligen gehört.«

»Gut, gut, großer König: es ist gut, großer König, dass du so denkst, und gut auch, dass du es von denHeiligen gehört hast. Was meinst du wohl, großer König: ist es also, sind da diese vier Kasten einander gleich, oder sind sie es nicht, oder wie denkst du darüber?«

»Allerdings, o Kaccāno, ist es also, da sind diese vier Kasten einander gleich, und ich kann hierbei keinerlei Unterschied merken.«

»Darum soll man es eben, großer König, je nach dem Umstand beurtheilen, ob es bloßes Gerede ist unter den Leuten: ›Die Priester nur sind höchste Kaste, verworfen andere Kaste; die Priester nur sind helle Kaste, dunkel andere Kaste; die Priester nur können rein werden, nicht Unpriester; die Priester sind Brahmās Söhne, von ächter Abstammung, aus dem Munde geboren, in Brahmā gezeugt, in Brahmā gebildet, Erben Brahmās.‹ Was meinst du wohl, großer König: es sei da ein Krieger kein Mörder und Dieb, kein Wüstling, Lügner, Verleumder,{426}kein Zänker und Schwätzer, nicht begehrlich, nicht gehässig, recht gesinnt; mag der, bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, auf gute Fährte gerathen, in himmlische Welt, oder nicht so, oder wie denkst du darüber?«

»Ein Krieger, o Kaccāno, der da kein Mörder und Dieb ist, kein Wüstling, Lügner, Verleumder, kein Zänker und Schwätzer, nicht begehrlich, nicht gehässig, recht gesinnt, der mag wohl, bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, auf gute Fährte gerathen, in himmlische Welt: so denk’ ich darüber, und so hab’ ich es auch von den Heiligen gehört.«

»Gut, gut, großer König: es ist gut, großer König, dass du so denkst, und gut auch, dass du es von denHeiligen gehört hast. Was meinst du wohl, großer König: es sei da ein Priester, es sei da ein Bürger, es sei da ein Diener kein Mörder und Dieb, kein Wüstling, Lügner, Verleumder, kein Zänker und Schwätzer, nicht begehrlich, nicht gehässig, recht gesinnt; mag der, bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, auf gute Fährte gerathen, in himmlische Welt, oder nicht so, oder wie denkst du darüber?«

»Ein Priester, o Kaccāno, ein Bürger, ein Diener, der da kein Mörder und Dieb ist, kein Wüstling, Lügner, Verleumder, kein Zänker und Schwätzer, nicht begehrlich, nicht gehässig, recht gesinnt, der mag wohl, bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, auf gute Fährte gerathen, in himmlische Welt: so denk’ ich darüber, und so hab’ ich es auch von den Heiligen gehört.«

»Gut, gut, großer König: es ist gut, großer König, dass du so denkst, und gut auch, dass du es von den Heiligen gehört hast. Was meinst du wohl, großer König:{427}ist es also, sind da diese vier Kasten einander gleich, oder sind sie es nicht, oder wie denkst du darüber?«

»Allerdings, o Kaccāno, ist es also, da sind diese vier Kasten einander gleich, und ich kann hierbei keinerlei Unterschied merken.«[162]

»Darum soll man es eben, großer König, je nach dem Umstand beurtheilen, ob es bloßes Gerede ist unter den Leuten: ›Die Priester nur sind höchste Kaste, verworfen andere Kaste; die Priester nur sind helle Kaste, dunkel andere Kaste; die Priester nur können rein werden, nicht Unpriester; die Priester sind Brahmās Söhne, von ächter Abstammung, aus dem Mundegeboren, in Brahmā gezeugt, in Brahmā gebildet, Erben Brahmās.‹ Was meinst du wohl, großer König: es sei da ein Krieger, der breche in Häuser ein, oder raube fremdes Gut, oder stehle, oder betrüge, oder verführe Ehefrauen; und wenn deine Leute ihn fassten und dir brächten: ›Hier, o König, ist ein Räuber, ein Verbrecher: was du ihm bestimmst, diese Strafe gebiete!‹; was würdest du da mit ihm machen?«

»Wir würden ihn, o Kaccāno, hinrichten, oder ächten, oder bannen, oder je nach dem Falle züchtigen lassen.«

»Und warum das?«

»War er da, o Kaccāno, als Krieger bekannt, so hat er nun diesen Namen verloren: Räuber wird er schlechthin geheißen.«

»Was meinst du wohl, großer König: es sei da ein Priester, sei da ein Bürger, sei da ein Diener, der breche in Häuser ein, oder raube fremdes Gut, oder stehle, oder betrüge, oder verführe Ehefrauen; und wenn deine Leute ihn fassten und dir brächten: ›Hier, o König, ist ein Räuber, ein Verbrecher: was du ihm bestimmst, diese Strafe gebiete!‹; was würdest du da mit ihm machen?«

»Wir würden ihn, o Kaccāno, hinrichten, oder ächten, oder bannen, oder je nach dem Falle züchtigen lassen.«

»Und warum das?«

»War er da, o Kaccāno, als Priester, oder als Bürger, oder als Diener bekannt,{428}so hat er nun diesen Namen verloren: Räuber wird er schlechthin geheißen.«

»Was meinst du wohl, großer König: ist es also, sind da diese vier Kasten einander gleich, oder sind sie es nicht, oder wie denkst du darüber?«

»Allerdings, o Kaccāno, ist es also, da sind diese vier Kasten einander gleich, und ich kann hierbei keinerlei Unterschied merken.«

»Darum soll man es eben, großer König, je nach dem Umstand beurtheilen, ob es bloßes Gerede ist unter den Leuten: ›Die Priester nur sind höchste Kaste, verworfen andere Kaste; die Priester nur sind helle Kaste, dunkel andere Kaste; die Priester nur können rein werden, nicht Unpriester; die Priester sind Brahmās Söhne, von ächter Abstammung, aus dem Munde geboren, in Brahmā gezeugt, in Brahmā gebildet, Erben Brahmās.‹ Was meinst du wohl, großer König: es sei da ein Krieger, der habe sich Haar und Bart abgeschoren, das fahle Gewand angelegt, sei aus dem Hause in die Hauslosigkeit gezogen, habe das Tödten verleugnet, das Stehlen verleugnet, das Lügen verleugnet, zufrieden mit einer Mahlzeit, keusch wandelnd, tugendrein, edelgeartet; was würdest du da mit ihm machen?«

»Wir würden ihn, o Kaccāno, ehrerbietig begrüßen, uns vor ihm erheben und ihn zu sitzen einladen, ihn bitten Kleidung, Speise, Lager und Arzenei für den Fall einer Krankheit anzunehmen, würden ihm wie sich’s gebührt Schutz und Schirm und Obhut angedeihen lassen.«[163]

»Und warum das?«

»War er da, o Kaccāno, als Krieger bekannt, so hat er nun diesen Namen verloren: Asket wird er schlechthin geheißen.«

»Was meinst du wohl, großer König: es sei da ein Priester, sei da ein Bürger, sei da ein Diener, der habe sich Haar und Bart abgeschoren, das fahle Gewandangelegt, sei aus dem Hause in die Hauslosigkeit gezogen, habe das Tödten verleugnet, das Stehlen verleugnet, das Lügen verleugnet, zufrieden mit einer Mahlzeit, keusch wandelnd, tugendrein, edelgeartet: was würdest du da mit ihm machen?«

{429}»Wir würden ihn, o Kaccāno, ehrerbietig begrüßen, uns vor ihm erheben und ihn zu sitzen einladen, ihn bitten Kleidung, Speise, Lager und Arzenei für den Fall einer Krankheit anzunehmen, würden ihm wie sich’s gebührt Schutz und Schirm und Obhut angedeihen lassen.«

»Und warum das?«

»War er da, o Kaccāno, als Priester, oder als Bürger, oder als Diener bekannt, so hat er nun diesen Namen verloren: Asket wird er schlechthin geheißen.«[164]

»Was meinst du wohl, großer König: ist es also, sind da diese vier Kasten einander gleich, oder sind sie es nicht, oder wie denkst du darüber?«

»Allerdings, o Kaccāno, ist es also, da sind diese vier Kasten einander gleich, und ich kann hierbei keinerlei Unterschied merken.«

»Darum soll man es eben, großer König, je nach dem Umstand beurtheilen, oh es bloßes Gerede ist unter den Leuten: ›Die Priester nur sind höchste Kaste, verworfen andere Kaste; die Priester nur sind helle Kaste, dunkel andere Kaste; die Priester nur können rein werden, nicht Unpriester; die Priester sind Brahmās Söhne, von ächter Abstammung, aus dem Munde geboren, in Brahmā gezeugt, in Brahmā gebildet, Erben Brahmās.‹«

Nach diesen Worten wandte sich König Madhuro von Avanti also an den ehrwürdigen Mahākaccāno:

»Vortrefflich, o Kaccāno, vortrefflich, o Kaccāno!Gleichwie etwa, o Kaccāno, als ob man Umgestürztes aufstellte, oder Verdecktes enthüllte, oder Verirrten den Weg wiese, oder ein Licht in die Finsterniss hielte: ›Wer Augen hat wird die Dinge sehn‹: ebenso auch ist von Herrn Kaccāno die Lehre gar vielfach gezeigt worden. Und so nehm’ ich bei Herrn Kaccāno Zuflucht, bei der Lehre und bei der Jüngerschaft:{430}als Anhänger möge mich Herr Kaccāno betrachten, von heute an zeitlebens getreu.«


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