»Verehrung dem Erhabenen,Dem heilig auferwachten Herrn!»Verehrung dem Erhabenen,Dem heilig auferwachten Herrn!»Verehrung dem Erhabenen,Dem heilig auferwachten Herrn!
»Verehrung dem Erhabenen,Dem heilig auferwachten Herrn!»Verehrung dem Erhabenen,Dem heilig auferwachten Herrn!»Verehrung dem Erhabenen,Dem heilig auferwachten Herrn!
»Verehrung dem Erhabenen,Dem heilig auferwachten Herrn!
»Verehrung dem Erhabenen,
Dem heilig auferwachten Herrn!
»Verehrung dem Erhabenen,Dem heilig auferwachten Herrn!
»Verehrung dem Erhabenen,
Dem heilig auferwachten Herrn!
»Verehrung dem Erhabenen,Dem heilig auferwachten Herrn!
»Verehrung dem Erhabenen,
Dem heilig auferwachten Herrn!
»O dass wir doch einmal Gelegenheit hätten, mit Ihm, mit Herrn Gotamo zusammenzutreffen, dass doch irgend eine Unterredung zwischen uns stattfände!«
Und der Erhabene zog im Videher-Lande von Ort zu Ort weiter und kam allmälig nach Mithilā.
Zu Mithilā weilte nun der Erhabene, im Mangohaine Makhadevos.
Und es hörten die brāhmanischen Hausleute in Mithilā reden: ›Der Asket, wahrlich, Herr Gotamo, der Sakyersohn, der dem Erbe der Sakyer entsagt hat, wandert in unserem Lande von Ort zu Ort und ist mit vielen Mönchen, einer Schaar von fünfhundert Mönchen in Mithilā angekommen, weilt bei Mithilā, im Mangohaine Makhadevos. Diesen Herrn Gotamo aber begrüßt man allenthalben mit dem frohen Ruhmesrufe, so zwar: ‚Das ist der Erhabene,{523}der Heilige, vollkommen Erwachte, der Wissens- und Wandelsbewährte, der Willkommene, der Welt Kenner, der unvergleichliche Leiter der Männerheerde, der Meister der Götter und Menschen, der Erwachte, der Erhabene. Er zeigt diese Welt mit ihren Göttern, ihren bösen und heiligen Geistern, mit ihrer Schaar von Büßern und Priestern, Göttern und Menschen, nachdem er sie selbst verstanden und durchdrungen hat. Er verkündet die Lehre, deren Anfang begütigt, deren Mitte begütigt, deren Ende begütigt, die sinn- und wortgetreue, er legt das vollkommen geläuterte, geklärte Asketenthum dar. Glücklich wer da nun solche Heilige sehn kann!‘‹
Und die brāhmanischen Hausleute von Mithilā begaben sich nun dorthin wo der Erhabene weilte. Dort angelangt verneigten sich einige vor dem Erhabenen ehrerbietig und setzten sich zur Seite nieder, andere wechselten höflichen Gruß und freundliche, denkwürdige Worte mit dem Erhabenen und setzten sich zur Seitenieder, einige wieder falteten die Hände gegen den Erhabenen und setzten sich zur Seite nieder, andere wieder gaben beim Erhabenen Namen und Stand zu erkennen und setzten sich zur Seite nieder, und andere setzten sich still zur Seite nieder.
Brahmāyu der Priester aber hörte reden: ›Der Asket, wahrlich, Herr Gotamo, der Sakyersohn, der dem Erbe der Sakyer entsagt hat, ist in Mithilā angekommen, weilt bei Mithilā, im Mangohaine Makhadevos.‹ Und Brahmāyu der Priester begab sich mit einer großen Schaar seiner Schüler zum Mangohaine Makhadevos hin. Da nun gedachte Brahmāyu der Priester, nicht ferne vom Mangohain: ›Das steht mir nicht an, dass ich ohne vorher gemeldet zu sein den Asketen Gotamo besuchen ginge.‹ Und Brahmāyu der Priester wandte sich an einen seiner Jünger:
{524}»Geh’, lieber Knabe, und begieb dich zum Asketen Gotamo hin und wünsche in meinem Namen dem Asketen Gotamo Gesundheit und Frische, Munterkeit, Stärke und Wohlsein: ›Brahmāyu‹, sage, ›o Gotamo, der Priester, wünscht Herrn Gotamo Gesundheit und Frische, Munterkeit, Stärke und Wohlsein;‹ und füge hinzu: ›Brahmāyu, o Gotamo, der Priester, ist alt und greis, hochbetagt, dem Ende nahe, ausgelebt, im hundertzwanzigsten Lebensjahre, ein Meister der drei Veden, sammt ihrer Auslegung und Deutung, sammt ihrer Laut- und Formenlehre, und ihren Sagen zufünft, der Gesänge kundig und ein Erklärer, der die Merkmale eines großen Weltweisen aufweist. So viel auch, Herr, der brāhmanischen Hausleute zu Mithilā wohnen, der Brāhmane Brahmāyu gilt unter ihnen als erster was da Reichthum anlangt, derBrāhmane Brahmāyu gilt unter ihnen als erster was da Wissen anlangt, der Brāhmane Brahmāyu gilt unter ihnen als erster was da Alter und Berühmtheit anlangt. Der möchte Herrn Gotamo aufsuchen.‹«
»Schön, Herr!« entgegnete da gehorsam jener Jünger Brahmāyu dem Priester. Und er begab sich dorthin wo der Erhabene weilte, tauschte höflichen Gruß und freundliche, denkwürdige Worte mit dem Erhabenen und stellte sich seitwärts hin. Seitwärts stehend sprach nun jener Jünger zum Erhabenen also:
»Brahmāyu, o Gotamo, der Priester, wünscht Herrn Gotamo Gesundheit und Frische, Munterkeit, Stärke und Wohlsein. Brahmāyu, o Gotamo, der Priester, ist alt und greis, hochbetagt, dem Ende nahe, ausgelebt, im hundertzwanzigsten Lebensjahre, ein Meister der drei Veden, sammt ihrer Auslegung und Deutung,{525}sammt ihrer Laut- und Formenlehre, und ihren Sagen zufünft, der Gesänge kundig und ein Erklärer,der die Merkmale eines großen Weltweisen aufweist. So viel auch, Herr, der brāhmanischen Hausleute zu Mithilā wohnen, der Brāhmane Brahmāyu gilt unter ihnen als erster was da Reichthum anlangt, der Brāhmane Brahmāyu gilt unter ihnen als erster was da Wissen anlangt, der Brāhmane Brahmāyu gilt unter ihnen als erster was da Alter und Berühmtheit anlangt. Der möchte Herrn Gotamo aufsuchen.«
»Wie es nun, Knabe, Brahmāyu dem Priester belieben mag.«
Da begab sich denn jener Jünger zu Brahmāyu dem Priester zurück und sprach also zu ihm:
»Angenommen ist der Herr vom Asketen Gotamo: wie es nun dem Herrn belieben mag.«
Und Brahmāyu der Priester begab sich zum Erhabenen hin. Und die Leute dort sahn Brahmāyu den Priester von ferne herankommen, und als sie ihn gesehn machten sie ihm von beiden Seiten Platz, als einem so angesehnen, berühmten Manne. Aber Brahmāyu der Priester sprach also zu ihnen:
»Schon gut, Liebe, bleibt auf eueren Sitzen: ich werde mich hier nahe beim Asketen Gotamo niederlassen.«
Und Brahmāyu der Priester schritt zum Erhabenen hin, wechselte höflichen Gruß und freundliche, denkwürdige Worte mit dem Erhabenen und setzte sich seitwärts nieder. Seitwärts sitzend gedachte nun Brahmāyu der Priester bei sich[216]:{527}›Angenommen hat mich der Asket Gotamo: was soll ich wohl den Asketen Gotamo fragen, über ein äußeres Verhältniss oder ein inneres?‹ Und Brahmāyu der Priester sagte zu sich: ›Ich kenne die äußeren Verhältnisse, und die Leute fragen mich bei solchen Dingen um Rath; wie, wenn ich nun den Asketen Gotamo eben um ein inneres Verhältniss befragte?‹ Und Brahmāyu der Priester wandte sich an den Erhabenen mit den Sprüchen:
»Wie kann man wohl ein Priester seinUnd Vedenmeister, sag’ es mir,Drei Wissen, Herr, wie hegt man die,Und was bedeutet ausgelernt?»Geheiligt leben, kann man das,Vollkommensein erkämpfen wie,Wer ist es, der alleinig west,Und auferwacht, wen heißt man so?«
»Wie kann man wohl ein Priester seinUnd Vedenmeister, sag’ es mir,Drei Wissen, Herr, wie hegt man die,Und was bedeutet ausgelernt?»Geheiligt leben, kann man das,Vollkommensein erkämpfen wie,Wer ist es, der alleinig west,Und auferwacht, wen heißt man so?«
»Wie kann man wohl ein Priester seinUnd Vedenmeister, sag’ es mir,Drei Wissen, Herr, wie hegt man die,Und was bedeutet ausgelernt?
»Wie kann man wohl ein Priester sein
Und Vedenmeister, sag’ es mir,
Drei Wissen, Herr, wie hegt man die,
Und was bedeutet ausgelernt?
»Geheiligt leben, kann man das,Vollkommensein erkämpfen wie,Wer ist es, der alleinig west,Und auferwacht, wen heißt man so?«
»Geheiligt leben, kann man das,
Vollkommensein erkämpfen wie,
Wer ist es, der alleinig west,
Und auferwacht, wen heißt man so?«
Und der Erhabene wandte sich wieder an Brahmāyu den Priester mit den Sprüchen:
»Vergangen Dasein, wer das kennt,So Unterwelt wie Oberwelt,{528}Und die Geburten hat versiegt,Alleinig durch die Dinge schaut,»Und wer das Herz geläutert weiß,Von allem Hangen abgelöst,Geburtenheil und grabesheil,Asketenhaft vollkommen ist,Als Ueberwinder aller Art:Den Auferwachten heißt man ihn.«
»Vergangen Dasein, wer das kennt,So Unterwelt wie Oberwelt,{528}Und die Geburten hat versiegt,Alleinig durch die Dinge schaut,»Und wer das Herz geläutert weiß,Von allem Hangen abgelöst,Geburtenheil und grabesheil,Asketenhaft vollkommen ist,Als Ueberwinder aller Art:Den Auferwachten heißt man ihn.«
»Vergangen Dasein, wer das kennt,So Unterwelt wie Oberwelt,{528}Und die Geburten hat versiegt,Alleinig durch die Dinge schaut,
»Vergangen Dasein, wer das kennt,
So Unterwelt wie Oberwelt,
Und die Geburten hat versiegt,
Alleinig durch die Dinge schaut,
»Und wer das Herz geläutert weiß,Von allem Hangen abgelöst,Geburtenheil und grabesheil,Asketenhaft vollkommen ist,Als Ueberwinder aller Art:Den Auferwachten heißt man ihn.«
»Und wer das Herz geläutert weiß,
Von allem Hangen abgelöst,
Geburtenheil und grabesheil,
Asketenhaft vollkommen ist,
Als Ueberwinder aller Art:
Den Auferwachten heißt man ihn.«
Also beschieden erhob sich Brahmāyu der Priester von seinem Sitze, entblößte eine Schulter, fiel dem Erhabenen zu Füßen und bedeckte des Erhabenen Füße mit Küssen und umschlang sie mit den Händen. Und er nannte seinen Namen:
»Brahmāyu bin ich, o Gotamo, der Priester.«
Da wurden die Umsitzenden durch den außerordentlichen, wunderbaren Vorgang im Innersten getroffen: ›Außerordentlich, o, wunderbar, ach, ist die mächtige Kraft, die mächtige Gewalt des Asketen! Dass da sogar dieser berühmte, gepriesene Priester Brahmāyu eine so hohe Huldigung darbringen mag!‹ Doch der Erhabene wandte sich also an Brahmāyu den Priester:
»Genug, Brāhmane, steh’ auf, setze dich wieder hin, da dein Herz mir so zugethan ist.«
Und Brahmāyu der Priester stand auf und setzte sich wieder hin. Und der Erhabene führte nunBrahmāyu den Priester allmälig in das Gespräch ein, sprach erst mit ihm vom Geben, von der Tugend, von säliger Welt, machte des Begehrens Elend, Ungemach, Trübsal, und der Entsagung Vorzüglichkeit offenbar. Als der Erhabene merkte, dass Brahmāyu der Priester im Herzen bereitsam, geschmeidig, unbehindert, aufgerichtet, heiter geworden war, da gab er die Darlegung jener Lehre, die den Erwachten eigenthümlich ist: das Leiden, die Entwicklung, die Auflösung, den Weg.
{529}Gleichwie etwa ein reines Kleid, von Flecken gesäubert, vollkommen die Färbung annehmen mag, ebenso auch ging da Brahmāyu dem Priester, während er noch da saß, das abgeklärte, abgespülte Auge der Wahrheit auf:
›Was irgend auch entstanden istMuss alles wieder untergehn.‹
›Was irgend auch entstanden istMuss alles wieder untergehn.‹
›Was irgend auch entstanden istMuss alles wieder untergehn.‹
›Was irgend auch entstanden ist
Muss alles wieder untergehn.‹
Und Brahmāyu der Priester, der die Wahrheit gesehn, die Wahrheit gefasst, die Wahrheit erkannt, die Wahrheit ergründet hatte, zweifelentronnen, ohne Schwanken, in sich selber gewiss, auf keinen anderen gestützt im Orden des Meisters, der wandte sich nun an den Erhabenen also:
»Vortrefflich, o Gotamo, vortrefflich, o Gotamo! Gleichwie etwa, o Gotamo, wenn einer Umgestürztes aufstellte, oder Verdecktes enthüllte, oder Verirrten den Weg wiese, oder Licht in die Finsternis brächte: ›Wer Augen hat wird die Dinge sehn‹: ebenso auch hat Herr Gotamo die Lehre gar manigfach gezeigt. Und so nehm’ ich bei Herrn Gotamo Zuflucht, bei der Lehre und bei der Jüngerschaft: als Anhänger möge mich Herr Gotamobetrachten, von heute an zeitlebens getreu. Und möge mir Herr Gotamo die Bitte gewähren, morgen mit den Mönchen bei mir zu speisen!«
Schweigend gewährte der Erhabene die Bitte.
Als nun Brahmāyu der Priester der Zustimmung des Erhabenen sicher war, stand er von seinem Sitze auf, begrüßte den Erhabenen ehrerbietig, ging rechts herum und entfernte sich.
Und Brahmāyu der Priester ließ am nächsten Morgen in seiner Behausung ausgewählte feste und flüssige Speise auftragen und sandte einen Boten an den Erhabenen mit der Meldung: ›Es ist Zeit, o Gotamo, das Mahl ist bereit.‹{530}Und der Erhabene rüstete sich beizeiten, nahm Mantel und Almosenschaale und begab sich zur Wohnung Brahmāyu des Priesters. Dort angekommen nahm der Erhabene mit den Mönchen auf den dargebotenen Sitzen Platz. Und Brahmāyu der Priester bediente und versorgte eigenhändig den Erwachten und seine Jünger eine Woche lang mit ausgewählter fester und flüssiger Speise. Und als die Woche um war zog der Erhabene wieder im Videher-Lande weiter.
Bald aber, nachdem der Erhabene von dannen gezogen, starb Brahmāyu der Priester.
Da begaben sich denn viele Mönche zum Erhabenen hin, begrüßten den Erhabenen ehrerbietig und setzten sich seitwärts nieder. Seitwärts sitzend sprachen nun diese Mönche zum Erhabenen also:
»Brahmāyu, o Herr, der Priester, ist gestorben. Wo ist er jetzt, was ist aus ihm geworden?«
»Weise, ihr Mönche, ist Brahmāyu der Priester gewesen, nachgefolgt ist er der Lehre gelehrig, und nichthat er an meiner Belehrung Anstoß genommen. Brahmāyu, ihr Mönche, der Priester, ist nach Vernichtung der fünf niederzerrenden Fesseln emporgestiegen, um von dort aus zu erlöschen, nicht mehr zurückzukehren nach jener Welt.«
Also sprach der Erhabene. Zufrieden freuten sich jene Mönche über das Wort des Erhabenen.[217]
92.
Zehnter Theil
Zweite Rede
Das hab’ ich gehört. Zu einer Zeit wanderte der Erhabene im Lande der Aṉguttarāper von Ort zu Ort, von vielen Mönchen begleitet, mit einer Schaar von zwölfhundertfünfzig Mönchen[218], und kam nach Āpaṇam, einer Burg im Gebiete der Aṉguttarāper.{531}Da hörte denn Keṇiyo der Flechtenträger[219]reden: ›Der Asket, wahrlich, Herr Gotamo, der Sakyersohn, der dem Erbe der Sakyer entsagt hat, wandert in unserem Lande von Ort zu Ort und ist mit vielen Mönchen, mit einer Schar von zwölfhundertfünfzig Mönchen, in Āpaṇam angekommen. Diesen Herrn Gotamo aber begrüßt man allenthalben mit dem frohen Ruhmesrufe, so zwar: ‚Das ist der Erhabene, der Heilige, vollkommen Erwachte, der Wissens- und Wandelsbewährte, der Willkommene, der Welt Kenner, der unvergleichliche Leiter der Männerheerde, der Meister der Götter und Menschen, der Erwachte, der Erhabene.Er zeigt diese Welt mit ihren Göttern, ihren bösen und heiligen Geistern, mit ihrer Schaar von Büßern und Priestern, Göttern und Menschen, nachdem er sie selbst verstanden und durchdrungen hat. Er verkündet die Lehre, deren Anfang begütigt, deren Mitte begütigt, deren Ende begütigt, die sinn- und wortgetreue, er legt das vollkommen geläuterte, geklärte Asketenthum dar. Glücklich wer da nun solche Heilige sehn kann!‘‹ Keṇiyo der Flechtenträger begab sich aber dorthin wo der Erhabene weilte, wechselte höflichen Gruß und freundliche, denkwürdige Worte mit dem Erhabenen und setzte sich seitwärts nieder. Keṇiyo den Flechtenträger, der da seitwärts saß, ermunterte der Erhabene in lehrreichem Gespräche, ermuthigte, erregte und erheiterte ihn. Und Keṇiyo der Flechtenträger, vom Erhabenen in lehrreichem Gespräche ermuntert, ermuthigt, erregt und erheitert, wandte sich nun an den Erhabenen also:
»Gewähre mir Herr Gotamo die Bitte, morgen mit den Mönchen bei mir zu speisen!«
Also eingeladen sagte der Erhabene zu Keṇiyo dem Flechtenträger:
»Groß ist, Keṇiyo, die Schaar der Mönche, zwölfhundertfünfzig Mönche: du aber bist den Priestern ergeben.«
{532}Zum zweiten Male wandte sich da Keṇiyo der Flechtenträger also an den Erhabenen, und zum zweiten Male sprach der Erhabene also zu ihm. Und zum dritten Male wandte sich Keṇiyo der Flechtenträger also an den Erhabenen:
»Wenn auch, o Gotamo, die Schaar der Mönche groß ist, es zwölfhundertfünfzig Mönche sind, und ich denPriestern ergeben bin, möge mir dennoch Herr Gotamo die Bitte gewähren und morgen mit den Mönchen bei mir speisen!«
Schweigend gewährte der Erhabene die Bitte.
Als nun Keṇiyo der Flechtenträger der Zustimmung des Erhabenen gewiss war, stand er von seinem Sitze auf und begab sich nach seiner Klause zurück. Dann rief er seine Freunde und Genossen, Verwandte und Vettern herbei:
»Hört mich, liebe Freunde und Genossen, Verwandte und Vettern! Der Asket Gotamo ist von mir geladen, für morgen zum Mahle, mitsammt den Mönchen: wollt{533}mir also eure Dienste leihen!«
»Gern, Herr!« erwiderten da Keṇiyo dem Flechtenträger die Freunde und Genossen, Verwandte und Vettern. Und einige bestellten die Feuerherde, andere spalteten Holz, einige wieder wuschen das Geschirr, und wieder andere brachten den Wassereimer herbei, und noch andere rückten die Stühle zurecht. Keṇiyo aber der Flechtenträger ordnete selber die Tafel an.
Um diese Zeit nun lebte der Priester Selo zu Āpaṇam, ein Meister der drei Veden, sammt ihrer Auslegung und Deutung, sammt ihrer Laut- und Formenlehre, und ihren Sagen zufünft, der Gesänge kundig und ein Erklärer, der die Merkmale eines großen Weltweisen aufwies. Der ließ eine Schaar von dreihundert Schülern die Sprüche bei sich erlernen. Keṇiyo der Flechtenträger aber war Selo dem Priester damals von Herzen zugethan.
Da begab sich denn Selo der Priester, von den dreihundert Schülern begleitet, auf einem Spaziergange lustwandelnd, zur Klause Keṇiyo des Flechtenträgers hin.Und er sah da wie einige Leute Feuerherde bestellten, andere Holz spalteten, einige wieder Geschirr wuschen, und wieder andere einen Wassereimer herbeibrachten, und noch andere Stühle zurecht rückten, während Keṇiyo selbst, der Flechtenträger, die Tafel anordnete. Wie er das gesehn sprach er also zu ihm:
»Wird da wohl bei Herrn Keṇiyo Tochterhochzeit oder Sohneshochzeit gehalten, oder wird ein großes Opfer vorbereitet, oder ist der König von Magadhā, Seniyo Bimbisāro für morgen zum Mahle geladen,{534}mitsammt seinem Heerbann?«
»Nein, o Selo, keine Tochterhochzeit und keine Sohneshochzeit wird bei mir gehalten, und nicht ist der König von Magadhā, Seniyo Bimbisāro für morgen zum Mahle geladen mitsammt seinem Heerbann: aber ein großes Opfer wird von mir vorbereitet. Der Asket Gotamo, der Sakyersohn, der dem Erbe der Sakyer entsagt hat, zieht hierzulande von Ort zu Ort, von vielen Mönchen gefolgt, mit einer Schaar von zwölfhundertfünfzig Mönchen, und ist in Āpaṇam angekommen. Diesen Herrn Gotamo aber begrüßt man allenthalben mit dem frohen Ruhmesrufe, so zwar: ›Das ist der Erhabene, der Heilige, vollkommen Erwachte, der Wissens- und Wandelsbewährte, der Willkommene, der Welt Kenner, der unvergleichliche Leiter der Männerheerde, der Meister der Götter und Menschen, der Erwachte, der Erhabene.‹ Er ist von mir für morgen zum Mahle geladen, mitsammt den Mönchen.«
»Der Erwachte, o Keṇiyo, sagst du?«
»Der Erwachte, o Selo, sag’ ich.«
»Der Erwachte, o Keṇiyo, sagst du?«
»Der Erwachte, o Selo, sag’ ich.«
Da gedachte nun Selo der Priester: ›Das ist ein Klang, den man gar selten vernimmt in der Welt, ‚Der Erwachte‘‹.[220]Und er sagte: »Es werden ja wohl in unseren Sprüchen zweiunddreißig Merkmale eines großen Mannes genannt, mit denen begabt ein solcher nur zwei Bahnen betreten kann, keine dritte. Wenn er im Hause bleibt, wird er König werden, Kaiser, ein gerechter und wahrer Herrscher, ein Sieger bis zur Mark der See, der seinem Reiche Sicherheit schafft, mit sieben Juwelen begabt ist. Das aber sind seine sieben Juwelen, und zwar: das beste Land, der beste Elephant, das beste Ross, die beste Perle, das beste Weib, der beste Bürger, und siebentens der beste Staatsmann.{535}Und er wird über tausend Söhne haben, tapfer, heldensam, Zerstörer der feindlichen Heere. So wird er diese Erde bis zum Ozean hin, ohne Stock und ohne Stahl gerecht obsiegend, beherrschen. Wenn er aber aus dem Hause in die Hauslosigkeit zieht, wird er heilig werden, vollkommen auferwacht, der Welt den Schleier hinwegnehmen. Wo weilt Er wohl jetzt, o Keṇiyo, Herr Gotamo, der Heilige, vollkommen Erwachte?«
Also befragt streckte Keṇiyo der Flechtenträger den rechten Arm aus und sagte zu Selo dem Priester:
»Wo sich dort, o Selo, der blaue Waldsaum hinzieht.«
Und Selo der Priester begab sich mit den dreihundert Jüngern zum Erhabenen hin. Aber er sprach also zu ihnen:
»Leise, ihr Lieben, wollet hinschreiten, Schritt bei Schritt nebeneinander: denn jene Ehrwürdigen[221]sind schwer zugänglich wie einsam wandernde Löwen. Undwenn ich dann mit dem Asketen, Herrn Gotamo, im Gespräche bin, so mögt ihr Lieben keinen anderen Gegenstand vorbringen, vielmehr sollt ihr Lieben das Ende der Unterredung abwarten.«
So kam denn Selo der Priester zum Erhabenen hin, wechselte höflichen Gruß und freundliche, denkwürdige Worte mit dem Erhabenen und setzte sich seitwärts.{536}Seitwärts sitzend gedachte nun Selo der Priester bei sich:[222]›Begabt ist der Asket Gotamo mit den zweiunddreißig Merkmalen eines großen Mannes, vollständig, nicht unvollständig: doch ich weiß es nicht, ob er ein Erwachter ist oder nicht ist. Aber ich hab’ es ja sagen hören, das Wort der alten, der greisen Priester und ihrer Meister und Altmeister: ‚Die da Heilige, vollkommen Erwachte sind, die geben sich, wird ihr Lob gesprochen, zu erkennen.‘ Wie, wenn ich nun hier den Asketen Gotamo mit geeigneten Sprüchen begrüßte?‹ Und Selo der Priester begrüßte hier den Erhabenen mit geeigneten Sprüchen:
»Vollkommen ist dein Körper, Herr,Ist wohlgestaltet, stattlich, schön,Dein Angesicht so heiter, hell,Der Zaun der Zähne weiß gewölbt.»Des Wohlgebornen Eigenart,Die Unterschiede, adelächt,Ich seh sie alle offenbar,Die Zeichen deiner Größe, Herr!{537}»Mit milder Miene, sanftem Blick,Erhaben, herrlich anzuschaun,Erstrahlst du in der Jünger Schaar,Gleichwie die Sonne hoch und hehr.»Ein rechtgekörnter, guter Mönch,Der glänzt wie Gold und anders nicht:Was taugt nun dir Asketenthum,Der du im höchsten Glanze gehst?»Zum König bist erkoren du,Zum Kaiser aller Königsmacht,Zum Sieger bis zur Mark der See,Zum Herrscher über Hinduland!»Die Königstämme, kühn und stolz,Sie werden dienen, dir zu Dank:Als Königskaiser, MenschengottRegier’ das Reich, o Gotamo!«
»Vollkommen ist dein Körper, Herr,Ist wohlgestaltet, stattlich, schön,Dein Angesicht so heiter, hell,Der Zaun der Zähne weiß gewölbt.»Des Wohlgebornen Eigenart,Die Unterschiede, adelächt,Ich seh sie alle offenbar,Die Zeichen deiner Größe, Herr!{537}»Mit milder Miene, sanftem Blick,Erhaben, herrlich anzuschaun,Erstrahlst du in der Jünger Schaar,Gleichwie die Sonne hoch und hehr.»Ein rechtgekörnter, guter Mönch,Der glänzt wie Gold und anders nicht:Was taugt nun dir Asketenthum,Der du im höchsten Glanze gehst?»Zum König bist erkoren du,Zum Kaiser aller Königsmacht,Zum Sieger bis zur Mark der See,Zum Herrscher über Hinduland!»Die Königstämme, kühn und stolz,Sie werden dienen, dir zu Dank:Als Königskaiser, MenschengottRegier’ das Reich, o Gotamo!«
»Vollkommen ist dein Körper, Herr,Ist wohlgestaltet, stattlich, schön,Dein Angesicht so heiter, hell,Der Zaun der Zähne weiß gewölbt.
»Vollkommen ist dein Körper, Herr,
Ist wohlgestaltet, stattlich, schön,
Dein Angesicht so heiter, hell,
Der Zaun der Zähne weiß gewölbt.
»Des Wohlgebornen Eigenart,Die Unterschiede, adelächt,Ich seh sie alle offenbar,Die Zeichen deiner Größe, Herr!
»Des Wohlgebornen Eigenart,
Die Unterschiede, adelächt,
Ich seh sie alle offenbar,
Die Zeichen deiner Größe, Herr!
{537}»Mit milder Miene, sanftem Blick,Erhaben, herrlich anzuschaun,Erstrahlst du in der Jünger Schaar,Gleichwie die Sonne hoch und hehr.
»Mit milder Miene, sanftem Blick,
Erhaben, herrlich anzuschaun,
Erstrahlst du in der Jünger Schaar,
Gleichwie die Sonne hoch und hehr.
»Ein rechtgekörnter, guter Mönch,Der glänzt wie Gold und anders nicht:Was taugt nun dir Asketenthum,Der du im höchsten Glanze gehst?
»Ein rechtgekörnter, guter Mönch,
Der glänzt wie Gold und anders nicht:
Was taugt nun dir Asketenthum,
Der du im höchsten Glanze gehst?
»Zum König bist erkoren du,Zum Kaiser aller Königsmacht,Zum Sieger bis zur Mark der See,Zum Herrscher über Hinduland!
»Zum König bist erkoren du,
Zum Kaiser aller Königsmacht,
Zum Sieger bis zur Mark der See,
Zum Herrscher über Hinduland!
»Die Königstämme, kühn und stolz,Sie werden dienen, dir zu Dank:Als Königskaiser, MenschengottRegier’ das Reich, o Gotamo!«
»Die Königstämme, kühn und stolz,
Sie werden dienen, dir zu Dank:
Als Königskaiser, Menschengott
Regier’ das Reich, o Gotamo!«
Der Herr:
»Ich bin ein König, Selo, ja,Ein wahrer König aller Welt:Die Wahrheit ist mein Königreich:Ein Reich, das keiner rauben kann.«
»Ich bin ein König, Selo, ja,Ein wahrer König aller Welt:Die Wahrheit ist mein Königreich:Ein Reich, das keiner rauben kann.«
»Ich bin ein König, Selo, ja,Ein wahrer König aller Welt:Die Wahrheit ist mein Königreich:Ein Reich, das keiner rauben kann.«
»Ich bin ein König, Selo, ja,
Ein wahrer König aller Welt:
Die Wahrheit ist mein Königreich:
Ein Reich, das keiner rauben kann.«
Selo:
»So wärest, Herr, der Wache du,Der wahre König aller Welt?›Die Wahrheit ist mein Königreich‹:Du hast gesagt es, Gotamo.»Wo ist er, der die Mannen führt,Der Jünger, der dem Meister folgt?Wer hilft gerecht es lenken dirDas Reich, das du gegründet hast?«
»So wärest, Herr, der Wache du,Der wahre König aller Welt?›Die Wahrheit ist mein Königreich‹:Du hast gesagt es, Gotamo.»Wo ist er, der die Mannen führt,Der Jünger, der dem Meister folgt?Wer hilft gerecht es lenken dirDas Reich, das du gegründet hast?«
»So wärest, Herr, der Wache du,Der wahre König aller Welt?›Die Wahrheit ist mein Königreich‹:Du hast gesagt es, Gotamo.
»So wärest, Herr, der Wache du,
Der wahre König aller Welt?
›Die Wahrheit ist mein Königreich‹:
Du hast gesagt es, Gotamo.
»Wo ist er, der die Mannen führt,Der Jünger, der dem Meister folgt?Wer hilft gerecht es lenken dirDas Reich, das du gegründet hast?«
»Wo ist er, der die Mannen führt,
Der Jünger, der dem Meister folgt?
Wer hilft gerecht es lenken dir
Das Reich, das du gegründet hast?«
Der Herr:
»Was da gegründet ward von mir,Das wahre Reich, das höchste Reich,Nach lenkt es Sāriputto mirDer erstgeborne Siegersohn.»Erkannt hab’ ich was kennbar ist,Vollendet was Vollendung will,Verlassen was zu lassen ist,Bin also, Selo, auferwacht.{538}»An mir nicht magst du zweifeln mehr,Bezwinge, Priester, deinen Stolz:Gar selten sieht man, findet manEin auferwachtes Angesicht.»Ja, was man hier gar selten sieht,Nicht oft erscheinen in der Welt:Ein Auferwachter, der bin ich,Der beste Künstler, beste Arzt.»Ich bin das Heil, ich bin der Herr,Zerstörer aller Sterblichkeit:Die Feindschaft hab’ ich ausgesöhntUnd lächle heiter, fürchte nichts.«
»Was da gegründet ward von mir,Das wahre Reich, das höchste Reich,Nach lenkt es Sāriputto mirDer erstgeborne Siegersohn.»Erkannt hab’ ich was kennbar ist,Vollendet was Vollendung will,Verlassen was zu lassen ist,Bin also, Selo, auferwacht.{538}»An mir nicht magst du zweifeln mehr,Bezwinge, Priester, deinen Stolz:Gar selten sieht man, findet manEin auferwachtes Angesicht.»Ja, was man hier gar selten sieht,Nicht oft erscheinen in der Welt:Ein Auferwachter, der bin ich,Der beste Künstler, beste Arzt.»Ich bin das Heil, ich bin der Herr,Zerstörer aller Sterblichkeit:Die Feindschaft hab’ ich ausgesöhntUnd lächle heiter, fürchte nichts.«
»Was da gegründet ward von mir,Das wahre Reich, das höchste Reich,Nach lenkt es Sāriputto mirDer erstgeborne Siegersohn.
»Was da gegründet ward von mir,
Das wahre Reich, das höchste Reich,
Nach lenkt es Sāriputto mir
Der erstgeborne Siegersohn.
»Erkannt hab’ ich was kennbar ist,Vollendet was Vollendung will,Verlassen was zu lassen ist,Bin also, Selo, auferwacht.
»Erkannt hab’ ich was kennbar ist,
Vollendet was Vollendung will,
Verlassen was zu lassen ist,
Bin also, Selo, auferwacht.
{538}»An mir nicht magst du zweifeln mehr,Bezwinge, Priester, deinen Stolz:Gar selten sieht man, findet manEin auferwachtes Angesicht.
»An mir nicht magst du zweifeln mehr,
Bezwinge, Priester, deinen Stolz:
Gar selten sieht man, findet man
Ein auferwachtes Angesicht.
»Ja, was man hier gar selten sieht,Nicht oft erscheinen in der Welt:Ein Auferwachter, der bin ich,Der beste Künstler, beste Arzt.
»Ja, was man hier gar selten sieht,
Nicht oft erscheinen in der Welt:
Ein Auferwachter, der bin ich,
Der beste Künstler, beste Arzt.
»Ich bin das Heil, ich bin der Herr,Zerstörer aller Sterblichkeit:Die Feindschaft hab’ ich ausgesöhntUnd lächle heiter, fürchte nichts.«
»Ich bin das Heil, ich bin der Herr,
Zerstörer aller Sterblichkeit:
Die Feindschaft hab’ ich ausgesöhnt
Und lächle heiter, fürchte nichts.«
Selo:
»O hört, ihr Freunde, hört es frohWas uns der Seher offenbart,Der rechte Arzt, der höchste Held:O lauschet seinem Löwenruf!»Den heilgewordnen, hehren Herrn,Zerstörer aller Sterblichkeit:Wer ist nicht sälig, ihn zu sehn,Und wär’ er gleich ein Sklave nur!»Wer bei mir sein will folge mir,Und wer es nicht will gehe hin:Denn ich zieh’ nun als Jünger fort,Zum Lehrer, der das Beste lehrt.«
»O hört, ihr Freunde, hört es frohWas uns der Seher offenbart,Der rechte Arzt, der höchste Held:O lauschet seinem Löwenruf!»Den heilgewordnen, hehren Herrn,Zerstörer aller Sterblichkeit:Wer ist nicht sälig, ihn zu sehn,Und wär’ er gleich ein Sklave nur!»Wer bei mir sein will folge mir,Und wer es nicht will gehe hin:Denn ich zieh’ nun als Jünger fort,Zum Lehrer, der das Beste lehrt.«
»O hört, ihr Freunde, hört es frohWas uns der Seher offenbart,Der rechte Arzt, der höchste Held:O lauschet seinem Löwenruf!
»O hört, ihr Freunde, hört es froh
Was uns der Seher offenbart,
Der rechte Arzt, der höchste Held:
O lauschet seinem Löwenruf!
»Den heilgewordnen, hehren Herrn,Zerstörer aller Sterblichkeit:Wer ist nicht sälig, ihn zu sehn,Und wär’ er gleich ein Sklave nur!
»Den heilgewordnen, hehren Herrn,
Zerstörer aller Sterblichkeit:
Wer ist nicht sälig, ihn zu sehn,
Und wär’ er gleich ein Sklave nur!
»Wer bei mir sein will folge mir,Und wer es nicht will gehe hin:Denn ich zieh’ nun als Jünger fort,Zum Lehrer, der das Beste lehrt.«
»Wer bei mir sein will folge mir,
Und wer es nicht will gehe hin:
Denn ich zieh’ nun als Jünger fort,
Zum Lehrer, der das Beste lehrt.«
Die Jünger Selos:
»Wenn unser Meister also wählt,Des Auferwachten Kunst erkiest,So gehn auch wir als Jünger gernZum Lehrer, der das Beste lehrt.«Da flehten die Brāhmanen nun,Dreihundert Häupter blickten auf:»O lass’ uns leben, Herr, bei dirDas Leben deiner Heiligkeit!«
»Wenn unser Meister also wählt,Des Auferwachten Kunst erkiest,So gehn auch wir als Jünger gernZum Lehrer, der das Beste lehrt.«Da flehten die Brāhmanen nun,Dreihundert Häupter blickten auf:»O lass’ uns leben, Herr, bei dirDas Leben deiner Heiligkeit!«
»Wenn unser Meister also wählt,Des Auferwachten Kunst erkiest,So gehn auch wir als Jünger gernZum Lehrer, der das Beste lehrt.«
»Wenn unser Meister also wählt,
Des Auferwachten Kunst erkiest,
So gehn auch wir als Jünger gern
Zum Lehrer, der das Beste lehrt.«
Da flehten die Brāhmanen nun,Dreihundert Häupter blickten auf:»O lass’ uns leben, Herr, bei dirDas Leben deiner Heiligkeit!«
Da flehten die Brāhmanen nun,
Dreihundert Häupter blickten auf:
»O lass’ uns leben, Herr, bei dir
Das Leben deiner Heiligkeit!«
Der Herr:
»Wohl offenbar ist unser Heil,Ersichtlich, ohne Zeitgesetz,Wo keiner hier umsonst entsagtIn ernstem Eifer, zäher Zucht.«
»Wohl offenbar ist unser Heil,Ersichtlich, ohne Zeitgesetz,Wo keiner hier umsonst entsagtIn ernstem Eifer, zäher Zucht.«
»Wohl offenbar ist unser Heil,Ersichtlich, ohne Zeitgesetz,Wo keiner hier umsonst entsagtIn ernstem Eifer, zäher Zucht.«
»Wohl offenbar ist unser Heil,
Ersichtlich, ohne Zeitgesetz,
Wo keiner hier umsonst entsagt
In ernstem Eifer, zäher Zucht.«
{539}Und Selo der Priester wurde mit seiner Schaar vom Erhabenen aufgenommen, wurde mit der Ordensweihe belehnt.
Keṇiyo der Flechtenträger aber ließ am nächsten Morgen in seiner Klause ausgewählte feste und flüssige Speise auftragen und sandte einen Boten an den Erhabenen mit der Meldung: ›Es ist Zeit, o Gotamo, das Mahl ist bereit.‹ Und der Erhabene rüstete sich beizeiten, nahm Mantel und Almosenschaale und begab sich zur Klause Keṇiyo des Flechtenträgers. Dort angekommen nahm der Erhabene mit den Mönchen auf den dargebotenen Sitzen Platz. Und Keṇiyo der Flechtenträger bediente und versorgte eigenhändig den Erwachten und seine Jünger mit ausgewählter fester und flüssiger Speise.
Nachdem nun der Erhabene gespeist und das Mahl beendet hatte, nahm Keṇiyo der Flechtenträger einen von den niederen Stühlen zur Hand und setzte sich zur Seite hin. Und Keṇiyo den Flechtenträger, der da zur Seite saß, erfreute nun der Erhabene mit folgenden Sprüchen:
»Dem Feuer gilt der Opfer Preis,Der Andacht gilt er beim Gesang,Der König gilt als Menschenfürst,Der Flüsse Meister ist das Meer.»Der Sterne Herr, es ist der Mond,Die Sonne steht im höchsten Glanz,Ein gutes Werk ist reicher Lohn,Den Mönchen opfern bester Dienst.«
»Dem Feuer gilt der Opfer Preis,Der Andacht gilt er beim Gesang,Der König gilt als Menschenfürst,Der Flüsse Meister ist das Meer.»Der Sterne Herr, es ist der Mond,Die Sonne steht im höchsten Glanz,Ein gutes Werk ist reicher Lohn,Den Mönchen opfern bester Dienst.«
»Dem Feuer gilt der Opfer Preis,Der Andacht gilt er beim Gesang,Der König gilt als Menschenfürst,Der Flüsse Meister ist das Meer.
»Dem Feuer gilt der Opfer Preis,
Der Andacht gilt er beim Gesang,
Der König gilt als Menschenfürst,
Der Flüsse Meister ist das Meer.
»Der Sterne Herr, es ist der Mond,Die Sonne steht im höchsten Glanz,Ein gutes Werk ist reicher Lohn,Den Mönchen opfern bester Dienst.«
»Der Sterne Herr, es ist der Mond,
Die Sonne steht im höchsten Glanz,
Ein gutes Werk ist reicher Lohn,
Den Mönchen opfern bester Dienst.«
Als der Erhabene Keṇiyo den Flechtenträger mit diesen Sprüchen erfreut hatte, stand er von seinem Sitze auf und ging von dannen.
Doch der ehrwürdige Selo[223], einsam, abgesondert, unermüdlich, in heißem, innigem Ernste verweilend, hatte gar bald was edle Söhne gänzlich vom Hause fort in die Hauslosigkeit lockt, jenes höchste Ziel des Asketenthums noch bei Lebzeiten sich offenbar gemacht, verwirklicht und errungen.{540}›Versiegt ist die Geburt, vollendet das Asketenthum, gewirkt das Werk, nicht mehr ist diese Welt‹ verstand er da. Auch einer war nun der ehrwürdige Selo der Heiligen geworden.
Da begab sich denn der ehrwürdige Selo mit seiner Schaar zum Erhabenen hin. Dort angelangt schlug er den Mantel um die eine Schulter, hob die Hände zum Erhabenen empor und sprach den Erhabenen mit den Sprüchen an:
»Die Zuflucht, Herr, erwählt von uns,Erfleht am letzten Mondestag:Verwirklicht ist sie heute schon,Am achten Tag der Jüngerschaft!»Du bist der Wache, bist der Herr,Hast überwunden Todesweh,Hast überwältigt Wunschgewalt:Errettet rettest andre du.»Du haftest nimmer irgend an,Zerborsten ist was Wähnen war,Alleinig, wie der Löwe lebt,Bist ledig du der Bangigkeit.»Dreihundert Jünger beugen sichUnd blicken auf, zu dir empor:Die Füße biet’ uns, Großer, dar,Den Meister grüßen Helden hier.[224]
»Die Zuflucht, Herr, erwählt von uns,Erfleht am letzten Mondestag:Verwirklicht ist sie heute schon,Am achten Tag der Jüngerschaft!»Du bist der Wache, bist der Herr,Hast überwunden Todesweh,Hast überwältigt Wunschgewalt:Errettet rettest andre du.»Du haftest nimmer irgend an,Zerborsten ist was Wähnen war,Alleinig, wie der Löwe lebt,Bist ledig du der Bangigkeit.»Dreihundert Jünger beugen sichUnd blicken auf, zu dir empor:Die Füße biet’ uns, Großer, dar,Den Meister grüßen Helden hier.[224]
»Die Zuflucht, Herr, erwählt von uns,Erfleht am letzten Mondestag:Verwirklicht ist sie heute schon,Am achten Tag der Jüngerschaft!
»Die Zuflucht, Herr, erwählt von uns,
Erfleht am letzten Mondestag:
Verwirklicht ist sie heute schon,
Am achten Tag der Jüngerschaft!
»Du bist der Wache, bist der Herr,Hast überwunden Todesweh,Hast überwältigt Wunschgewalt:Errettet rettest andre du.
»Du bist der Wache, bist der Herr,
Hast überwunden Todesweh,
Hast überwältigt Wunschgewalt:
Errettet rettest andre du.
»Du haftest nimmer irgend an,Zerborsten ist was Wähnen war,Alleinig, wie der Löwe lebt,Bist ledig du der Bangigkeit.
»Du haftest nimmer irgend an,
Zerborsten ist was Wähnen war,
Alleinig, wie der Löwe lebt,
Bist ledig du der Bangigkeit.
»Dreihundert Jünger beugen sichUnd blicken auf, zu dir empor:Die Füße biet’ uns, Großer, dar,Den Meister grüßen Helden hier.[224]
»Dreihundert Jünger beugen sich
Und blicken auf, zu dir empor:
Die Füße biet’ uns, Großer, dar,
Den Meister grüßen Helden hier.[224]
93.
Zehnter Theil
Dritte Rede
Das hab’ ich gehört. Zu einer Zeit weilte der Erhabene bei Sāvatthī, im Siegerwalde, im Garten Anāthapiṇḍikos.
Um diese Zeit nun waren gegen fünfhundert Brāhmanen aus verschiedenen Landen in Sāvatthī zusammengekommen, irgend eine Angelegenheit zu verhandeln. Nun sagten jene Brāhmanen zu sich: ›Dieser Asket Gotamo behauptet,{541}dass alle vier Kasten rein wären: wer ist da wohl imstande, mit dem Asketen Gotamo über diesen Gegenstand zu reden?‹
Damals aber befand sich Assalāyano, ein junger Brāhmane, zu Sāvatthī, eben erst, mit geschorenem Scheitel, vom Lehrer entlassen, im sechzehnten Lebensjahre, ein Meister der drei Veden, sammt ihrer Auslegung und Deutung, sammt ihrer Laut- und Formenlehre, und ihren Sagen zufünft, der Gesänge kundig und ein Erklärer, der die Merkmale eines großen Weltweisen aufwies. Und jene Brāhmanen besprachen sich: ›Dieser Assalāyano, der junge Brāhmane, lebt da in Sāvatthī, ist eben erst, mit geschorenem Scheitel, vom Lehrer entlassen worden, im sechzehnten Lebensjahre, als Meister der drei Veden,sammt ihrer Auslegung und Deutung, sammt ihrer Laut- und Formenlehre, und ihren Sagen zufünft, der Gesänge kundig und ein Erklärer, der die Merkmale eines großen Weltweisen aufweist. Der wird imstande sein, mit dem Asketen Gotamo über diesen Gegenstand zu reden.‹
Da begaben sich denn jene Priester zu Assalāyano dem jungen Brāhmanen und sprachen also zu ihm:
»Dieser Asket Gotamo, o Assalāyano, behauptet, alle vier Kasten wären rein: wohlan, möge Herr Assalāyano mit dem Asketen Gotamo über diesen Gegenstand reden!«
Also aufgefordert erwiderte Assalāyano, der junge Brāhmane jenen Priestern:
»Der Asket, wahrlich, Herr Gotamo, redet Wahrheit, und denen, die Wahrheit reden, lässt sich schwer standhalten; ich vermag es nicht, mit dem Asketen Gotamo über diesen Gegenstand zu reden.«
Und ein zweites Mal sprachen jene Priester also zum jungen Assalāyano:
»Dieser Asket Gotamo, o Assalāyano, behauptet, alle vier Kasten wären rein: wohlan, möge Herr Assalāyano mit dem Asketen Gotamo über diesen Gegenstand reden! Vertraut ist ja doch Herr Assalāyano mit dem Pilgerthum.«
{542}Und zum zweiten Mal erwiderte Assalāyano, der junge Brāhmane jenen Priestern:
»Der Asket, wahrlich, Herr Gotamo, redet Wahrheit, und denen, die Wahrheit reden, lässt sich schwer standhalten; ich vermag es nicht, mit dem Asketen Gotamo über diesen Gegenstand zu reden.«
Und ein drittes Mal sprachen jene Priester also zum jungen Assalāyano:
»Dieser Asket Gotamo, o Assalāyano, behauptet, alle vier Kasten wären rein: wohlan, möge Herr Assalāyano mit dem Asketen Gotamo über diesen Gegenstand reden! Vertraut ist ja doch Herr Assalāyano mit dem Pilgerthum: möchte doch nicht Herr Assalāyano in einem ungekämpften Kampfe unterliegen!«
Auf diese Worte gab Assalāyano der junge Brāhmane jenen Priestern zur Antwort:
»Gut denn, ihr Herren, ihr wollt mir nicht glauben: ›Der Asket, wahrlich, Herr Gotamo, redet Wahrheit, und denen, die Wahrheit reden, lässt sich schwer standhalten; ich vermag es nicht, mit dem Asketen Gotamo über diesen Gegenstand zu reden.‹ So will ich denn in euerem Namen hingehn.«[225]
Und Assalāyano der junge Brāhmane begab sich mit einer zahlreichen Schaar von Priestern zum Erhabenen hin, wechselte höflichen Gruß und freundliche, denkwürdige Worte mit dem Erhabenen und setzte sich seitwärts nieder. Seitwärts sitzend wandte sich nun Assalāyano der junge Brāhmane also an den Erhabenen:
»Die Priester, o Gotamo, reden also: ›Die Priester nur sind höchste Kaste, verworfen andere Kaste; die Priester nur sind helle Kaste, dunkel andere Kaste; die Priester nur können rein werden, nicht Unpriester; die Priester nur sind Brahmās Söhne,{543}von ächter Abstammung, aus dem Munde geboren, in Brahmā gezeugt, in Brahmā gebildet, Erben Brahmās.‹ Was hält nun Herr Gotamo davon?«
»Es giebt ja doch, Assalāyano, unter den Priestern Priesterfrauen, die fruchtbar sind, schwanger werden,Kinder gebären, aufsäugen; aber jene Priester, obzwar vom Weibe geboren, reden also: ›Die Priester nur sind höchste Kaste, verworfen andere Kaste; die Priester nur sind helle Kaste, dunkel andere Kaste; die Priester nur können rein werden, nicht Unpriester; die Priester nur sind Brahmās Söhne, von ächter Abstammung, aus dem Munde geboren, in Brahmā gezeugt, in Brahmā gebildet, Erben Brahmās.‹«
»Wenn auch Herr Gotamo also spricht, so bleiben die Priester dennoch dabei und sagen: ›Die Priester nur sind höchste Kaste, verworfen andere Kaste; die Priester nur sind helle Kaste, dunkel andere Kaste; die Priester nur können rein werden, nicht Unpriester; die Priester nur sind Brahmās Söhne, von ächter Abstammung, aus dem Munde geboren, in Brahmā gezeugt, in Brahmā gebildet, Erben Brahmās.‹«
»Was meinst du wohl, Assalāyano: hast du gehört, dass es bei Ioniern und Kābulern und anderen Gränzvölkern[226]nur zwei Kasten giebt, Herren und Knechte, und der Herr kann Knecht werden, und der Knecht wiederum Herr?«
»Gewiss, Herr, ich habe gehört, dass es bei Ioniern und Kābulern und anderen Gränzvölkern nur zwei Kasten giebt, Herren und Knechte, und der Herr kann Knecht werden, und der Knecht wiederum Herr.«
»Was haben da nun, Assalāyano, die Priester für Anhalt, was für Gewähr, dass sie da sagen: ›Die Priester nur sind höchste Kaste, verworfen andere Kaste; die Priester nur sind helle Kaste, dunkel andere Kaste; die Priester nur können rein werden, nicht Unpriester; die Priester nur sind Brahmās Söhne, von ächterAbstammung, aus dem Munde geboren, in Brahmā gezeugt, in Brahmā gebildet, Erben Brahmās‹?«
{544}»Wenn auch Herr Gotamo also redet, so bleiben da die Priester dennoch bei ihren Sprüchen.«
»Was meinst du wohl, Assalāyano: ein Krieger, der da Mörder und Dieb ist, ein Wüstling, Lügner, Verleumder, ein Zänker und Schwätzer, voll Gier und Hass und Eitelkeit, mag nur der, bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, abwärts gerathen, auf schlechte Fährte, in Verderben und Unheil, aber nicht so ein Priester? Und ebenso ein Bürger, und ebenso ein Diener, aber nicht so ein Priester?«
»Das wohl nicht, o Gotamo! Denn ein Krieger, o Gotamo, der da Mörder und Dieb ist, ein Wüstling, Lügner, Verleumder, ein Zänker und Schwätzer, voll Gier und Hass und Eitelkeit, der mag wohl, bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, abwärts gerathen, auf schlechte Fährte, in Verderben und Unheil: und ebenso, o Gotamo, ein Priester, und ebenso, o Gotamo, ein Bürger, und ebenso, o Gotamo, ein Diener; ein jeder, o Gotamo, von den vier Kasten, mag also, bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, abwärts gerathen, auf schlechte Fährte, in Verderben und Unheil.«
»Was haben da nun, Assalāyano, die Priester für Anhalt, was für Gewähr, dass sie da sagen: ›Die Priester nur sind höchste Kaste,{545}verworfen andere Kaste; die Priester nur sind helle Kaste, dunkel andere Kaste; die Priester nur können rein werden, nicht Unpriester; die Priester nur sind Brahmās Söhne, von ächter Abstammung, aus dem Munde geboren, in Brahmā gezeugt, in Brahmā gebildet, Erben Brahmās‹?«
»Wenn auch Herr Gotamo also redet, so bleiben da die Priester dennoch bei ihren Sprüchen.«
»Was meinst du wohl, Assalāyano: ein Priester, der da kein Mörder und Dieb ist, kein Wüstling, Lügner, Verleumder, kein Zänker und Schwätzer, nicht begehrlich, nicht gehässig, recht gesinnt, mag nur der, bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, auf gute Fährte gerathen, in himmlische Welt? Aber nicht so ein Krieger, aber nicht so ein Bürger, aber nicht so ein Diener?«
»Das wohl nicht, o Gotamo! Denn ein Krieger, o Gotamo, der da kein Mörder und Dieb ist, kein Wüstling, Lügner, Verleumder, kein Zänker und Schwätzer, nicht begehrlich, nicht gehässig, recht gesinnt, der mag wohl, bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, auf gute Fährte gerathen, in himmlische Welt: und ebenso, o Gotamo, ein Priester, und ebenso, o Gotamo, ein Bürger, und ebenso, o Gotamo, ein Diener: ein jeder, o Gotamo, von den vier Kasten mag also, bei der Auflösung des Körpers,{546}nach dem Tode, auf gute Fährte gerathen, in himmlische Welt.«
»Was haben da nun, Assalāyano, die Priester für Anhalt, was für Gewähr, dass sie da sagen: ›Die Priester nur sind höchste Kaste, verworfen andere Kaste; die Priester nur sind helle Kaste, dunkel andere Kaste; die Priester nur können rein werden, nicht Unpriester; die Priester nur sind Brahmās Söhne, von ächter Abstammung, aus dem Munde geboren, in Brahmā gezeugt, in Brahmā gebildet, Erben Brahmās‹?«
»Wenn auch Herr Gotamo also redet, so bleiben da die Priester dennoch bei ihren Sprüchen.«
»Was meinst du wohl, Assalāyano: kann da nur einPriester hierzulande ohne Grimm und ohne Groll sein Herz an Milde gewöhnen? Aber nicht so ein Krieger, aber nicht so ein Bürger, aber nicht so ein Diener?«
»Das wohl nicht, o Gotamo! Denn auch ein Krieger, o Gotamo, kann hierzulande ohne Grimm und ohne Groll sein Herz an Milde gewöhnen: und ebenso, o Gotamo, ein Priester, und ebenso, o Gotamo, ein Bürger, und ebenso, o Gotamo, ein Diener; ein jeder, o Gotamo, von den vier Kasten kann hierzulande ohne Grimm und ohne Groll sein Herz an Milde gewöhnen.«
»Was haben da nun, Assalāyano, die Priester für Anhalt, was für Gewähr, dass sie da sagen: ›Die Priester nur sind höchste Kaste, verworfen andere Kaste; die Priester nur sind helle Kaste, dunkel andere Kaste; die Priester nur können rein werden, nicht Unpriester; die Priester nur sind Brahmās Söhne, von ächter Abstammung, aus dem Munde geboren, in Brahmā gezeugt, in Brahmā gebildet, Erben Brahmās‹?«
»Wenn auch Herr Gotamo also redet, so bleiben da die Priester dennoch bei ihren Sprüchen.«
»Was meinst du wohl, Assalāyano: darf da nur ein Priester, mit Schwamm und Seife versehn, zum Flusse baden gehn, um Staub und Sehmutz abzuwischen? Aber nicht so ein Krieger,{547}aber nicht so ein Bürger, aber nicht so ein Diener?«
»Das wohl nicht, o Gotamo! Denn auch ein Krieger, o Gotamo, darf Schwamm und Seife nehmen und nach dem Flusse baden gehn, um Staub und Schmutz abzuwaschen: und ebenso, o Gotamo, ein Priester, und ebenso, o Gotamo, ein Bürger, und ebenso, o Gotamo, ein Diener; ein jeder, o Gotamo, von den vier Kastendarf Schwamm und Seife nehmen und nach dem Flusse baden gehn, um Staub und Schmutz abzuwaschen.«
»Was haben da nun, Assalāyano, die Priester für Anhalt, was für Gewähr, dass sie da sagen: ›Die Priester nur sind höchste Kaste, verworfen andere Kaste; die Priester nur sind helle Kaste, dunkel andere Kaste; die Priester nur können rein werden, nicht Unpriester; die Priester nur sind Brahmās Söhne, von ächter Abstammung, aus dem Munde geboren, in Brahmā gezeugt, in Brahmā gebildet, Erben Brahmās‹?«
»Wenn auch Herr Gotamo also redet, so bleiben da die Priester dennoch bei ihren Sprüchen.«
»Was meinst du wohl, Assalāyano: es ließe da der König, der Herrscher, dessen Scheitel gesalbt ist, eine Schaar von hundert Männern verschiedener Geburt zu sich bescheiden: ›Kommt, ihr Lieben, die ihr da von Kriegern, Priestern, Fürsten abstammt, und nehmt ein Reibholz vom Kronbaum, oder von der Föhre, oder vom Sandel, oder vom Ingwerbaum, und erweckt damit Feuer, bringt Licht hervor! Und kommt auch ihr Lieben, die ihr da von Treibern, Jägern, Korbflechtern, Radmachern, Gärtnern abstammt, und nehmt ein Reibholz von einem Hundetrog, oder von einem Schweinetrog, oder von einem Waschtrog, oder von einem Rizinusbaume, und erweckt damit Feuer, bringt Licht hervor!‹[227]Was meinst du wohl, Assalāyano:{548}wenn da von denen, die von Kriegern, Priestern, Fürsten abstammen, mit einem Reibholze vom Kronbaum, oder von der Föhre, oder vom Sandel, oder vom Ingwerbaum, Feuer erweckt, Licht hervorgebracht ward, hat dann wohl dieses Feuer Flamme und Glanz und Leuchtkraft, und kann man dieses Feuerzu Feuerzwecken verwenden? Und wenn da von denen, die von Treibern, Jägern, Korbflechtern, Radmachern, Gärtnern abstammen, mit einem Reibholze von einem Hundetrog, oder von einem Schweinetrog, oder von einem Waschtrog, oder von einem Rizinusbaume, Feuer erweckt, Licht hervorgebracht ward, hat dann wohl dieses Feuer keine Flamme und keinen Glanz und keine Leuchtkraft, und kann man dieses Feuer zu Feuerzwecken nicht verwenden?«
»Das wohl nicht, o Gotamo! Ist da, o Gotamo, von denen, die von Kriegern, Priestern, Fürsten abstammen, mit einem Reibholze vom Kronbaum, oder von der Föhre, oder vom Sandel, oder vom Ingwerbaum, Feuer erweckt, Licht hervorgebracht worden, so hat dieses Feuer Flamme und Glanz und Leuchtkraft, und man kann dieses Feuer zu Feuerzwecken verwenden. Und ist da von denen, die von Treibern, Jägern, Korbflechtern, Radmachern, Gärtnern abstammen, mit einem Reibholze von einem Hundetrog, oder von einem Schweinetrog, oder von einem Waschtrog, oder von einem Rizinusbaume, Feuer erweckt, Licht hervorgebracht worden, so hat auch dieses Feuer Flamme und Glanz und Leuchtkraft, und man kann auch dieses Feuer zu Feuerzwecken verwenden.{549}Denn ein jedes Feuer, o Gotamo, hat Flamme und Glanz und Leuchtkraft, und man kann ein jedes Feuer zu Feuerzwecken verwenden.«
»Was haben da nun, Assalāyano, die Priester für Anhalt, was für Gewähr, dass sie da sagen: ›Die Priester nur sind höchste Kaste, verworfen andere Kaste; die Priester nur sind helle Kaste, dunkel andere Kaste; die Priester nur können rein werden, nicht Unpriester; diePriester nur sind Brahmās Söhne, von ächter Abstammung, aus dem Munde geboren, in Brahmā gezeugt, in Brahmā gebildet, Erben Brahmās‹?«
»Wenn auch Herr Gotamo also redet, so bleiben da die Priester dennoch bei ihren Sprüchen.«
»Was meinst du wohl, Assalāyano: es sei da ein junger Krieger, der wohne der Tochter eines Priesters bei; infolge ihrer Beiwohnung würde ein Sohn geboren. Dieser Sohn, der von einem jungen Krieger und der Tochter eines Priesters abstammte, der Mutter ähnlich und dem Vater ähnlich, kann der Krieger genannt und Priester genannt werden?«
»Dieser Sohn, o Gotamo, der von einem jungen Krieger und der Tochter eines Priesters abstammte, der Mutter ähnlich und dem Vater ähnlich, der kann Krieger genannt und Priester genannt werden.«
»Was meinst du wohl, Assalāyano: es sei da ein junger Priester, der wohne der Tochter eines Kriegers bei; infolge ihrer Beiwohnung würde ein Sohn geboren. Dieser Sohn, der von einem jungen Priester und der Tochter eines Kriegers abstammte, der Mutter ähnlich und dem Vater ähnlich, kann der Krieger genannt und{550}Priester genannt werden?«
»Dieser Sohn, o Gotamo, der von einem jungen Priester und der Tochter eines Kriegers abstammte, der Mutter ähnlich und dem Vater ähnlich, der kann Krieger genannt und Priester genannt werden.«
»Was meinst du wohl, Assalāyano: man ließe da eine Stute mit einem Esel zusammenkommen; infolge ihrer Zusammenkunft würde ein Fohlen geboren. Dieses Fohlen, das von einer Stute und einem Esel abstammte,der Mutter ähnlich und dem Vater ähnlich, kann das Pferd genannt und Esel genannt werden?«
»Infolge der Kreuzung[228], o Gotamo, wird ja ein Maulthier daraus. Hier, bei diesem, o Gotamo, seh’ ich denn auch den Unterschied: aber dort, bei jenen, kann ich keinerlei Unterschied merken.«
»Was meinst du wohl, Assalāyano: es wären da zwei Priesterknaben, leibliche Brüder, der eine gelehrt und eingeweiht, der andere ungelehrt und uneingeweiht; wen würden da die Priester zuerst versorgen, mit frommer Speisegabe oder anderer geeigneter Spende?«
»Den Priesterknaben, o Gotamo, der gelehrt und eingeweiht ist, den würden da die Priester zuerst versorgen, mit frommer Speisegabe oder anderer geeigneter Spende; was möcht’ es auch, o Gotamo, viel fruchten, einen Ungelehrten und Uneingeweihten beschenken?«
»Was meinst du wohl, Assalāyano: es wären da zwei Priesterknaben, leibliche Brüder, der eine gelehrt und eingeweiht, sittenlos und übelgeartet, der andere ungelehrt und uneingeweiht, sittenrein und edelgeartet; wen würden da die Priester zuerst versorgen, mit frommer Speisegabe oder anderer geeigneter Spende?«
{551}»Den Priesterknaben, o Gotamo, der ungelehrt und uneingeweiht, sittenrein und edelgeartet ist, den würden da die Priester zuerst versorgen, mit frommer Speisegabe oder anderer geeigneter Spende; was möcht’ es auch, o Gotamo, viel fruchten, einen Sittenlosen, Uebelgearteten beschenken?«
»Erst bist du, Assalāyano, auf die Geburt gekommen, von der Geburt bist du dann auf die Sprüche gekommen,und von den Sprüchen bist du dann zu dieser Reinheit der vier Kasten gekommen, von der ich rede.«
Auf diese Worte blieb Assalāyano der junge Brāhmane verstummt und verstört, gebeugten Rumpfes, gesenkten Hauptes vor sich hinstarrend, wortlos sitzen. Als nun der Erhabene Assalāyano den jungen Brāhmanen verstummt und verstört, gebeugten Rumpfes, gesenkten Hauptes wortlos vor sich hinstarren sah, sprach er also zu ihm:
»In der Vorzeit, Assalāyano, als die Sieben priesterlichen Seher in der Waldeinsamkeit unter Hütten aus Blättern zu Rathe saßen, kamen sie einst zu einer solchen verkehrten Ansicht: ›Die Priester nur sind höchste Kaste, verworfen andere Kaste, die Priester nur sind helle Kaste, dunkel andere Kaste; die Priester nur können rein werden, nicht Unpriester; die Priester nur sind Brahmās Söhne, von ächter Abstammung, aus dem Munde geboren, in Brahmā gezeugt, in Brahmā gebildet, Erben Brahmās.‹ Und es vernahm, Assalāyano, der Seher Asito Devalo, dass die Sieben priesterlichen Seher, in der Waldeinsamkeit unter Hütten aus Blättern zu Rathe sitzend, diese verkehrte Ansicht gefasst hatten. Und Asito Devalo der Seher, Assalāyano, strich Haar und Bart zurecht, warf den grünlichen Mantel herum, zog die röthlichen[229]Sandalen an, nahm den goldigen Stab in die Hand und erschien auf dem Opferplatz vor den Sieben priesterlichen Sehern. Und er wandelte, Assalāyano, auf{552}dem Opferplatze einher und sprach also zu ihnen:
›Sagt mir doch, ihr Lieben, die priesterliche Seher seid, wer vorangeht, sagt mir doch, ihr Lieben, die priesterliche Seher seid, wer vorangeht.‹[230]
»Da fragten sich nun, Assalāyano, die Sieben priesterlichen Seher:
›Wer ist es nur, der sich als Hirte gebärdend auf dem Opferplatze der Sieben priesterlichen Seher einherschreitet und also spricht: ‚Sagt mir doch, ihr Lieben, die priesterliche Seher seid, wer vorangeht, sagt mir doch, ihr Lieben, die priesterliche Seher seid, wer vorangeht‘? Wohlan denn, wir wollen ihn verfluchen!‹
Und sie fluchten ihm:
›Asche sei, Elender! Asche sei, Elender! Asche sei, Elender!‹
»Je mehr und mehr aber, Assalāyano, die Sieben priesterlichen Seher ihm fluchten, desto mehr und mehr nahm Asito Devalo der Seher nur an Pracht und Schönheit und Herrlichkeit zu. Da riefen, Assalāyano, die Sieben priesterlichen Seher aus:
›Vergehlich ist, ach, unsere Buße, fruchtlos unser Asketenthum! Wem wir da früher geflucht hatten ‚Asche sei, Elender!‘, alsogleich war ein jeder zu Asche geworden[231]: je mehr und mehr wir aber diesen verfluchen, desto mehr und mehr nimmt er nur an Pracht und Schönheit und Herrlichkeit zu!‹
›Nicht ist euere Buße vergeblich und nicht fruchtlos das Asketenthum; hört, ihr Lieben: die Zorngedanken gegen mich, die lasset fahren.‹
›Unsere Zorngedanken, wir lassen sie fahren! Wer ist wohl der Herr?‹
{553}›Habt ihr Herren von Asito Devalo dem Seher gehört?‹
›Ja, Herr!‹
›Der also bin ich.‹
»Da gingen denn, Assalāyano, die Siebenpriesterlichen Seher dem Seher Asito Devalo zur Begrüßung entgegen. Und Asito Devalo der Seher, Assalāyano, wandte sich also an die Sieben priesterlichen Seher:
›Erfahren hab’ ich, ihr Herren, dass die Sieben priesterlichen Seher, in der Waldeinsamkeit unter Hütten aus Blättern zu Rathe sitzend, eine solche verkehrte Ansicht gefasst haben: ‚Die Priester nur sind höchste Kaste, verworfen andere Kaste; die Priester nur sind helle Kaste, dunkel andere Kaste; die Priester nur können rein werden, nicht Unpriester; die Priester nur sind Brahmās Söhne, von ächter Abstammung, aus dem Munde geboren, in Brahmā gezeugt, in Brahmā gebildet, Erben Brahmās.‘«
›Allerdings, Herr!‹
›Wissen aber die Herren, ob ihre Großmutter nur einem Priester beigewohnt hat und keinem Unpriester?‹
›Das wohl nicht, Herr!‹
›Wissen aber die Herren, ob ihrer Großmutter Mutter und deren Mutter bis zur siebenten Ahnfrau hinauf nur einem Priester beigewohnt hat und keinem Unpriester?‹[232]
›Das wohl nicht, Herr!‹
›Und wissen die Herren, ob ihr Großvater eben der Tochter eines Priesters beigewohnt hat, keiner anderen?‹
›Das wohl nicht, Herr!‹
›Und wissen die Herren, ob ihres Großvaters Vater und dessen Vater bis zum siebenten Ahnherrn hinauf eben der Tochter eines Priesters beigewohnt hat, keiner anderen?‹
›Das wohl nicht, Herr!‹
›Doch wissen die Herren, wie sich eine Leibesfrucht bildet?‹
›Wir wissen, Herr, wie sich eine Leibesfrucht bildet. Da sind Vater und Mutter vereint, und die Mutter hat ihre Zeit,{554}und der Keimling ist bereit: so bildet sich durch der Drei Vereinigung eine Leibesfrucht.‹
›Wissen aber die Herren, ob dieser Keimling etwa ein Krieger sei, oder ein Priester, oder ein Bürger, oder ein Diener?‹
›Nicht wissen wir, Herr, ob dieser Keimling etwa ein Krieger sei, oder ein Priester, oder ein Bürger, oder ein Diener.‹
›Ist es also, wisst ihr dann, wer ihr seid?‹
›Ist es also, wissen wir freilich nicht, wer wir sind.‹
»Und selbst die Sieben priesterlichen Seher, Assalāyano, vom Seher Asito Devalo über ihre Behauptung von der Geburt befragt, ausgeforscht, unterrichtet, konnten ihm nicht beikommen: wie wirst du da jetzt, von mir über deine Behauptung von der Geburt befragt, ausgeforscht, unterrichtet, mir beikommen wollen, der du von ihrer Weisheit nicht einen Löffel voll hast?«
Auf diese Worte wandte sich Assalāyano der junge Brāhmane also an den Erhabenen:
»Vortrefflich, o Gotamo, vortrefflich, o Gotamo! Als Anhänger möge mich Herr Gotamo betrachten, von heute an zeitlebens getreu.«[233]
94.
Zehnter Theil
Vierte Rede
Das hab’ ich gehört. Zu einer Zeit weilte der ehrwürdige Udeno bei Benāres, im Mangohaine Khemiyos. Um diese Zeit nun war Ghoṭamukho der Priester in Benāres angekommen,{555}irgend ein Geschäft zu erledigen.
Und Ghoṭamukho der Priester kam, auf einem Spaziergange lustwandelnd, nach dem Mangohaine Khemiyos. Damals nun erging sich der ehrwürdige Udeno gerade in einer Lichtung. Da trat denn der Priester Ghoṭamukho an den ehrwürdigen Udeno heran und tauschte höflichen Gruß und freundliche, denkwürdige Worte mit ihm, und an seiner Seite einherschreitend sprach er also:
»Lieber Mönch, es giebt keinen ächten Asketen: das ist meine Ansicht; und zwar darum, weil ich keine solchen Ehrwürdigen gesehn habe, oder weil es eben so ist.«
Auf diese Worte hielt der ehrwürdige Udeno mit seinem Gang inne; dann begab er sich nach der Klosterhalle und nahm auf seinem Sitze Platz. Und auch Ghoṭamukho der Priester unterbrach seinen Gang und begab sich zur Klosterhalle und stellte sich seitwärts hin. Und an Ghoṭamukho den Priester, der da seitwärts stand, wandte sich nun der ehrwürdige Udeno also:
»Es sind hier, Priester, Sitze bereit: wenn du willst setze dich.«
»Das eben haben wir ja von Herrn Udeno erwartet,bevor wir uns setzen: denn wie könnte wohl meinesgleichen daran denken, uneingeladen Platz zu nehmen?«
Und Ghoṭamukho der Priester nahm einen von den niederen Stühlen zur Hand und setzte sich seitwärts hin. Seitwärts sitzend sprach nun Ghoṭamukho der Priester also zum ehrwürdigen Udeno:
»Lieber Mönch, es giebt keinen ächten Asketen: das ist meine Ansicht; und zwar darum, weil ich keine solchen Ehrwürdigen gesehn habe, oder weil es eben so ist.«
{556}»Wenn du mir da, Priester, zugestehn magst was zugegeben werden kann, und abweisen was abgewiesen werden muss, und was du vom Sinn meiner Rede nicht verstehst eben da von mir weiter erfragen wirst, ›Wie ist das, o Udeno, was ist der Sinn davon‹: wenn du das thun willst, so mag da unter uns ein Gespräch statthaben.«
»Was zugegeben werden kann werd’ ich Herrn Udeno zugestehn, und abweisen was abgewiesen werden muss, und was ich da vom Sinn der Rede Herrn Udenos nicht verstehe werd’ ich eben da von Herrn Udeno weiter erfragen, ›Wie ist das, o Udeno, was ist der Sinn davon‹: das will ich thun, möge da unter uns ein Gespräch statthaben!«
»Vier Arten von Menschen, Priester, finden sich hier in der Welt vor: welche vier? Da ist, Priester, einer ein Selbstquäler, ist der Uebung der Selbstquaal eifrig ergeben; da ist wieder, Priester, einer ein Nächstenquäler, ist der Uebung der Nächstenquaal eifrig ergeben; da ist, Priester, einer ein Selbstquäler, ist der Uebung der Selbstquaal eifrig ergeben, und er ist ein Nächstenquäler, ist der Uebung der Nächstenquaal eifrig ergeben;und da ist, Priester, einer weder ein Selbstquäler, ist nicht der Uebung der Selbstquaal eifrig ergeben, noch ist er ein Nächstenquäler, ist nicht der Uebung der Nächstenquaal eifrig ergeben: ohne Selbstquaal, ohne Nächstenquaal ist er schon bei Lebzeiten ausgeglüht, erloschen, kühl geworden, fühlt sich wohl, heilig geworden im Herzen. Welcher ist es, Priester, von diesen vier Menschen, der deinem Sinne zusagt?«
{557}»Jener Mensch, o Udeno, der ein Selbstquäler, der Uebung der Selbstquaal eifrig ergeben ist, der sagt meinem Sinne nicht zu; und auch jener Mensch, o Udeno, der ein Nächstenquäler, der Uebung der Nächstenquaal eifrig ergehen ist, auch der sagt meinem Sinne nicht zu; und auch jener Mensch, o Udeno, der ein Selbstquäler, der Uebung der Selbstquaal eifrig ergeben ist, und ein Nächstenquäler, der Uebung der Nächstenquaal eifrig ergeben ist, auch der sagt meinem Sinne nicht zu; aber jener Mensch, o Udeno, der weder ein Selbstquäler, nicht der Uebung der Selbstquaal eifrig ergeben ist, noch ein Nächstenquäler, nicht der Uebung der Nächstenquaal eifrig ergeben ist: der ohne Selbstquaal, ohne Nächstenquaal schon bei Lebzeiten ausgeglüht, erloschen, kühl geworden ist, sich wohlfühlt, heilig geworden im Herzen: der sagt meinem Sinne zu.«
»Warum aber, Priester, sagen jene drei Menschen deinem Sinne nicht zu?«
»Jener Mensch, o Udeno, der ein Selbstquäler, der Uebung der Selbstquaal eifrig ergeben ist, der lässt sich selber, der Wohl begehrt und Wehe verabscheut, Quaal und Pein erleiden: darum sagt jener Mensch meinem Sinne nicht zu; und jener Mensch, o Udeno, der einNächstenquäler, der Uebung der Nächstenquaal eifrig ergeben ist, der lässt den Nächsten, der Wohl begehrt und Wehe verabscheut, Quaal und Pein erleiden: darum sagt jener Mensch meinem Sinne nicht zu; und jener Mensch, o Udeno, der ein Selbstquäler, der Uebung der Selbstquaal eifrig ergeben ist, und ein Nächstenquäler, der Uebung der Nächstenquaal eifrig ergeben ist, der lässt sich wie den Nächsten, die Wohl begehren und Wehe verabscheuen, Quaal und Pein erleiden: darum sagt jener Mensch meinem Sinne nicht zu; aber jener Mensch, o Udeno,{558}der weder ein Selbstquäler, nicht der Uebung der Selbstquaal eifrig ergeben ist, noch ein Nächstenquäler, nicht der Uebung der Nächstenquaal eifrig ergeben ist: der ohne Selbstquaal, ohne Nächstenquaal schon bei Lebzeiten ausgeglüht, erloschen, kühl geworden ist, sich wohlfühlt, heilig geworden im Herzen: weil der weder sich noch den Nächsten, die Wohl begehren, und Wehe verabscheuen, Quaal und Pein erleiden lässt, darum sagt dieser Mensch meinem Sinne zu.«
»Zwei Arten gibt es, Priester, von Leuten: welche zwei? Da sind, Priester, die einen Leute gierig ergetzt an Schmuck und Geschmeide, sie begehren Weib und Kind, begehren Knecht und Magd, begehren Haus und Feld, begehren Silber und Gold. Da sind nun, Priester, die anderen Leute nicht gierig ergetzt an Schmuck und Geschmeide, verlassen Weib und Kind, verlassen Knecht und Magd, verlassen Haus und Feld, verlassen Silber und Gold und ziehn aus dem Hause in die Hauslosigkeit hinaus. Was nun, Priester, jenen Menschen anlangt, der weder ein Selbstquäler, nicht der Uebung der Selbstquaal eifrig ergeben ist, noch ein Nächstenquäler, nicht derUebung der Nächstenquaal eifrig ergehen ist, der ohne Selbstquaal, ohne Nächstenquaal schon bei Lebzeiten ausgeglüht, erloschen, kühl geworden ist, sich wohlfühlt, heilig geworden im Herzen: unter welchen Leuten, Priester, triffst du diesen Menschen zumeist an, unter den Leuten, die gierig ergetzt an Schmuck und Geschmeide sind, Weib und Kind begehren, Knecht und Magd begehren, Haus und Feld begehren, Silber und Gold begehren, oder unter den Leuten, die nicht gierig ergetzt an Schmuck und Geschmeide sind, Weib und Kind verlassen, Knecht und Magd verlassen, Haus und Feld verlassen, Silber und Gold verlassen und aus dem Hause in die Hauslosigkeit ziehn?«
{559}»Was da, o Udeno, jenen Menschen anlangt, der weder ein Selbstquäler, nicht der Uebung der Selbstquaal eifrig ergeben ist, noch ein Nächstenquäler, nicht der Uebung der Nächstenquaal eifrig ergeben ist, der ohne Selbstquaal, ohne Nächstenquaal schon bei Lebzeiten ausgeglüht, erloschen, kühl geworden ist, sich wohlfühlt, heilig geworden im Herzen: diesen Menschen treff’ ich zumeist unter den Leuten an, die nicht gierig ergetzt an Schmuck und Geschmeide sind, Weib und Kind verlassen, Knecht und Magd verlassen, Haus und Feld verlassen, Silber und Gold verlassen und aus dem Hause in die Hauslosigkeit ziehn.«
»Eben zuvor aber hast du ja, Priester, gesagt, wir wissen es noch: ›Lieber Mönch, es giebt keinen ächten Asketen: das ist meine Ansicht; und zwar darum, weil ich keine solchen Ehrwürdigen gesehn habe, oder weil es eben so ist.‹«
»In der That, o Udeno, ich hab’ es gesagt, umanzuregen. Es giebt ächte Asketen: das ist meine Ansicht, und mög’ es mir nur Herr Udeno glauben! — Die vier Arten von Menschen nun, die Herr Udeno in der Kürze bezeichnet, nicht ausführlich dargestellt hat, möchte wohl Herr Udeno so gut sein, mir diese ausführlich darzustellen, von Mitleid bewogen!«
»So höre denn, Priester, und achte wohl auf meine Rede.«
»Gewiss, Herr!« erwiderte da aufmerksam Ghoṭamukho der Priester dem ehrwürdigen Udeno. Der ehrwürdige Udeno sprach also:
»Was ist das nun, Priester, für ein Mensch, der ein Selbstquäler, der Uebung der Selbstquaal eifrig ergeben ist? Da ist, Priester, einer ein Unbekleideter, ein Ungebundener, ein Handverköster[234], kein Ankömmling, kein Abwärtling,{560}gestattet keine Darreichung, keine Vergünstigung, keine Einladung, späht beim Empfangen des Almosens nicht nach dem Topfe, nicht nach der Schüssel, nicht über die Schwelle, nicht über das Gitter, nicht in den Kessel hinein, nimmt nicht von zu zweit Speisenden an, nicht von einer Schwangeren, nicht von einer Säugenden, nicht von einer, die vom Manne kommt, nicht von Beschmutzten, nicht wo ein Hund dabei steht, nicht wo Fliegen hin und her schwärmen, isst keinen Fisch, kein Fleisch, trinkt keinen Wein, kein gebranntes Wasser, keinen gegohrenen Haferschleim. Er geht zu einem Hause und begnügt sich mit einer handvoll Almosenspeise; geht zu zwei Häusern und begnügt sich mit zwei handvoll Almosenspeise; geht zu sieben Häusern und begnügt sich mit sieben handvoll Almosenspeise. Er fristet sein Leben durch die Mildthätigkeit von nur einerSpenderin, von nur zwei Spenderinen, von nur sieben Spenderinen. Er nimmt nur jeden ersten Tag Nahrung ein, nur jeden zweiten Tag, nur jeden siebenten Tag. Solcherart wechselnd beobachtet er streng diese bis auf einen halben Monat ausgedehnte Fastenübung. Oder er lebt von Kräutern und Pilzen, von wildem Reis und Korn, von Saamen und Kernen, von Pflanzenmilch und Baumharz, von Gräsern, von Kuhmist, fristet sich von Wurzeln und Früchten des Waldes, lebt von abgefallenen Früchten. Auch trägt er das hänfene Hemd, trägt das härene Hemd, trägt einen Rock, geflickt aus den im Leichenhof und auf der Straße gefundenen Fetzen, hüllt sich in Lumpen, in Felle, in Häute, gürtet sich mit Flechten aus Gras, mit Flechten aus Rinde, mit Flechten aus Laub,{561}birgt die Blöße unter pelzigem Schurze, unter borstigem Schurze, unter einem Eulenflügel. Und er rauft sich Haupt- und Barthaar aus, die Regel der Haar- und Bartausraufer befolgend; ist ein Stetigsteher, verwirft Sitz und Lager; ist ein Fersensitzer, übt die Zucht der Fersensitzer; ist Dornenseitiger und legt sich zur Seite auf ein Dornenlager; steigt allabendlich zum dritten Mal herab ins Büßerbad. So übt er sich gar vielfach in des Körpers inbrünstiger Schmerzensaskese. Den heißt man, Priester, einen Menschen, der ein Selbstquäler, der Uebung der Selbstquaal eifrig ergeben ist.
»Was ist das aber, Priester, für ein Mensch, der ein Nächstenquäler, der Uebung der Nächstenquaal eifrig ergeben ist? Da ist, Priester, einer ein Schlächter, der Schaafe und Schweine schlachtet, ist ein Vogelfänger, ein Wildsteller, ein Jäger, ein Fischer, ein Räuber, ein Henker, ein Kerkermeister, oder was man da sonst nochanderes als grausames Handwerk betreibt. Den heißt man, Priester, einen Menschen, der ein Nächstenquäler, der Uebung der Nächstenquaal eifrig ergeben ist.
»Was ist das aber, Priester, für ein Mensch, der ein Selbstquäler, der Uebung der Selbstquaal eifrig ergeben ist, und der ein Nächstenquäler, der Uebung der Nächstenquaal eifrig ergeben ist? Da ist, Priester, einer ein König, ein Herrscher, dessen Scheitel gesalbt ist, oder ein hochmögender Priester. Der hat im Osten der Stadt ein neues Herrenhaus errichten lassen. Und mit geschorenem Haar und Barte, mit rauhem Felle gegürtet, mit Butteröl am Körper bestrichen, den Rücken mit einem Hirschhorne reibend tritt er in das Herrenhaus ein, begleitet von der ersten Gemahlin und dem Oberpriester. Dort nimmt er im offenen Hofe, von wo man das Gras entfernt hat, Platz.{562}Einer Kuh, die ein ihr gleichendes Kalb bei sich hat, wird an dem einen Euter die Milch ausgemolken, und damit der König bedient; wird an dem zweiten Euter die Milch ausgemolken, und damit die Königin bedient; wird an dem dritten Euter die Milch ausgemolken, und damit der Oberpriester bedient; wird an dem vierten Euter die Milch ausgemolken, und damit dem Feuer geopfert. Was noch bleibt wird dem Kalbe gelassen. Und er gebietet: ›Soviele Stiere sollen erschlagen werden um des Opfers willen, soviele Farren sollen erschlagen werden um des Opfers willen, soviele Färsen sollen erschlagen werden um des Opfers willen, soviele Ziegen sollen erschlagen werden um des Opfers willen, soviele Schaafe sollen erschlagen werden um des Opfers willen, soviele Bäume sollen gefällt werden, als Pfosten zu dienen, soviel Gras soll gemäht werden, als Streu zudienen!‹ Und seine Knechte und Söldner und Werkleute gehn aus Furcht vor Strafe, von Angst eingeschüchtert, mit thränenden Augen klagend daran, den Befehl auszuführen. Den heißt man, Priester, einen Menschen, der ein Selbstquäler, der Uebung der Selbstquaal eifrig ergeben ist, und der ein Nächstenquäler, der Uebung der Nächstenquaal eifrig ergeben ist.