IX. Abtheilung.Mein Entschluss, — Rekapitulation meiner Eindrücke.Mein Entschluss war, den 13. August nach Neuseeland, resp. dem 3806 Seemeilen von Honolulu entfernten Aukland mit dem prachtvollen Dampfer der „Pacific-Postdampfer-Compagnie“, der „Zelandia“, abzugehen, um später von Aukland aus nach Australien, resp. die 1057 Seemeilen nach Sydnei zu machen. —Nachdem ich demnach die erforderlichsten Vorbereitungen zu meiner Abreise getroffen und den herrlichenTag zum nochmaligen Durchwandern der Umgebung Honolulu’s und des „Núuanú“-Thales benutzt hatte, kehrte ich heim, um mein Tagebuch über das Inselreich Hawaii mit einer Beschreibung meiner letzten Einfahrt in den Hafen, einiger Ausflüge, die ich auf der Insel „Oahú“ gemacht hatte, und einem allgemeinen Ueberblick des Inselreiches zu schliessen.Den 11. August um 5 Uhr Morgens fand meine letzte Einfahrt in den Hafen von Honolulu, von der Insel Hawaii kommend, statt.Aus der Entfernung bei prachtvollem Sonnenaufgang zeichnete sich dem Auge schon vor der Einfahrt in den Hafen das lieblich contrastirende dunkle Grün, in welchem die Stadt, sozusagen, versunken, das blasse Grün, vereinigt mit dem goldnen Schimmer des Sandes der die Stadt nach Süd-West begrenzenden Ebene, das hell und dunkel erscheinende Grün, die an Schattirungen, an Schluchten und Abhängen und an gefälligen Formen so reichen, zwei Gebirgsketten der Insel.Die eine dieser Ketten und zwar die längste, durchzieht die Insel Oahú in ihrer ganzen Länge gegen Norden undheisst die Núaná.Die andere, die sog. „Waíanae“-Kette zieht sich im Süden der nördlichen parallel und dies kurz durch den westlichen Theil der Insel.Rechts, als südlicher, schmaler Ausläufer in den Ocean oder als südliches Ende der erstgenannten Kette erhebt sich die gewaltige Felsmasse, der „Diamont-head“, dessen scharfe kantige Basaltspitze, durch die aufgehende Sonne hell beleuchtet, in tausendfachen diamantähnlichen Strahlungen gleich einem Diadem blitzend erscheint.Der Ursprung dieser Felsmasse ist ein rein vulkanischer und die Erscheinung derselben das treue Bild eines nach unterirdischem Wirken und schon seit längerer Zeit von dem Hawaii’schen Pluto „Kumahalii“ in Ruhestand versetzten Vasallen der Unterwelt, dem zur Ehre gleichsam bis zur nächsten Umwälzung der stolze Ehrenposten einerWache oder eines Signalisten am Eingange des Hafens anvertraut worden ist.Am Fusse dieser glänzenden Masse, dem Strande bis Honolulu entlang, zieht sich eine, nördlich durch die Gebirgskette begrenzte, hin und wieder durch kleine Anhöhen gefällich unterbrochene, sandige schmale Fläche, die mit zierlichen Hainen schlanker Kokospalmen, üppig beschatteten Landhäusern und Dörfern besetzt ist und die sogenannten Gestade des lieblichen „Waikíki“ bildet.Links zeichnet sich in der Ferne die schon früher erwähnte Gebirgskette Waianáe mit ihrem prachtvoll schattirten, längst schon erloschenen Vulkan „Kaula“.Unmittelbar vor uns öffnete sich ein schmaler Durchgang zwischen zwei, durch das brandende und wirbelnde Spiel der Wogen drohend erscheinenden aber ungefährlichen Sandbänken, welcher Durchgang den Eingang in den kleinen, jedem Schiffe durch seinen tiefen und günstigen Ankergrund sicheren Hafen von Honolulu bildet.Zahlreiche Dampfer lagen vor Anker in der Rhede, an dem Werft oder am Quai. Es sind Amerikaner, Engländer, Franzosen, Deutsche und Russen, deren nationale Farben sich entfalten. Ausserdem liegen daselbst einige Segelschiffe unter Deutscher Flagge, die zwei Hawaii-Dampfer, die „Likelíke“, der „Kilauéa“ und zahlreiche kleine wie auch grosse Schooner, kleine Fahrzeuge, die den Handels- und Passagier-Verkehr der Inseln bewerkstelligen. Ausser den benannten liegen auch zwei düstere Walfischfänger-Schiffe vor Anker mit ihren charakteristischen Ausrüstungen und ihren ausgenutzten, fetten Seitenwänden, die den sprechendsten Beweis der gewaltigen Kraft und Schwere der erlegten Thiere zeigen.Ueber den Hafen hinweg lag, wie schon erwähnt, die wie im dunklen Grün versunkene, theilweise noch im festen Schlafe sich befindende gemüthliche Residenz und Hauptstadt des Inselreiches von Hawaii, das schattige, liebliche Honolulu.Dicht am Quai oder dicht an dem Ufer der Bucht befinden sich die massiven Magazine und Speicher desZollamtes, die gewaltigen Handelsgebäude der Firma „Hackfield & Co.“, die Schuppen und verdeckten Einrichtungen der Officien und Bureaus der Werfte verschiedener Dampfschiff-Compagnien, Kohlenlager, Holzstapelplätze, Bretter- und Balkenlager, Schober u. s. w.Ueber diesen Wirrwarr einer etwas eingeengten Einrichtung des Handels einer Handelsstadt hinweg erblickte man die meist einstöckigen, von schattigen Bäumen umgebenen Häuser der Stadt, aus deren Mitte sich einzelne Kirchthürme erheben.Die römisch-katholische Kirche läutete gerade mit hellem Klang zur Frühmesse und belebte das ganze Bild, welches durch Lage, Beleuchtung oder üppige Vegetation ein reizendes zu nennen ist.Weiter vor uns, über die Stadt, über Palmen, Cedern, Mango’s, Cypressen, Akazien, Orangen u. s. w. hinweg trifft das Auge die früher erwähnte Gebirgskette, die nördlich die Insel zum Vortheil von Honolulu in zwei unregelmässige Theile theilt.Es zeigt sich diese Kette entweder in dunklem oder stellenweise hellem Grün eines üppigen Graswuchses oder in goldglänzendem Schimmer der von Gras oder Vegetation entblössten Stellen, die steil und an Geröll reich sind.Diese Gebirgskette ist es, die Honolulu die ihr so unvergleichliche klimatische Gleichmässigkeit in der Temperatur giebt, da es den südlichen grösseren Theil der Insel vor den vom Norden kommenden Passatwinden schützt.Diese Gebirgskette ist reich an Thälern und Schluchten, unter denen das lieblichste das schattige „Nuúanú“-Thal ist. Dieses Thal ist 6 Meilen lang und bietet durch die in demselben gelegenen, schmucken Villen, durch das königliche Mausoleum, sowie durch die Sommerresidenz des Königs in schöner Parkanlage und endlich durch seine üppige Vegetation einen unvergesslichen Reiz.Links von der Einfahrt sind sandige Landzungen, die unter beständiger Wirkung der Ebbe und Fluth theils glatt, theils gleichsam mit Strichen überzogene Flächen mit sumpfigen Wasseransammlungen bilden, in denen die sogenannten Reservoires der grossen Seeschildkröten sich befinden.In unmittelbarer Nähe dieser Reservoires erhebt sich das schmucke Gefängniss, gleichwie aus dem Wasser auftauchend, in isolirter, erhöhter Lage auf einem Felsen.Tiefer in das Land hinein liegen zerstreut Landhäuser, Villen und Hütten im üppigsten Grün eines schwülstigen Terrains.Weiter links sind Reisfelder der Chinesen und „tarro“-Pflanzungen der Einheimischen unter einer künstlichen Bewässerung. Denen folgt, zwischen der Küste und dem Gebirge gelegen, eine unwirthlich öde, wellenförmige Ebene mit nur spärlicher Vegetation der Dracenen, krüppeligem Gestrüpp, Cacteen und Disteln, und wilddurchworfenen Felsen-, Stein-, und Lava-Geröll. Diese starre, stets staubwirbelnde Ebene zieht sich fast ununterbrochen bis zur Bergkette von Waianae.Das „Nuúanú“-Thal zieht sich, wie schon erwähnt, nördlich von der Stadt, allmählig steigend, in das Gebirge hinein. Durch dieses Thal führt ein guter, breiter Weg durch eine schattige Allee, an zahlreichen Villen und Landhäusern vorbei, rechts unweit der Stadt in Sicht des von Kamehámehá V. seinem Bruder, Kamehámehá IV., in idyllischer Lage am „Nuúanú“-Bache geschmackvoll erbauten Mausoleums. Dieser Weg führt ins Gebirge und ist den Bewohnern der Stadt ein höchst beliebter.Von der sog. „Nuúanú“-Strasse kommend, bildet dieser Durchgang durch das Thal einen höchst anmuthigen Spazierweg zu Fuss, zu Pferde oder zu Wagen. In den Nachmittagsstunden ist er von Fussgängern, Reitern und Fahrenden täglich besucht. Die Reiter und Reiterinnen sind meist in Gruppen und liefern, mit Kränzen geschmückt, ein echt national malerisches Bild. Die Wagen, die man erblickt, sind ziemlich primitiver und leichter Construktion, nur selten trifft man Galagespann, dagegen aber stets muntere heitere Züge der Insassen als einen sprechenden Beweis des Genusses, den ihnen diese Unterhaltung macht und wie wohl sie sich dabei fühlen.Oestlich vor dem Eingang in das Thal liegt ein einzelner, gleichwie von menschlicher Hand symmetrisch gebildeter Bergkegel, der in seiner Form sehr ähnlich den giganten Grabhügeln der „Inka’s“ im Grossen ist. Dieser Hügel wird genannt „des Teufels Punschbowle“. Dieser Name wurde in neuerer Zeit aus religiösen Gründen in „Punch-Bowl-hill“ umgewandelt.Vom Gipfel dieses Hügels, den eine schon vor längerer Zeit sich gefüllte Versenkung des erloschenen Kraters „Núaná“ bildet, entfaltet sich eine herrliche Rundsicht über Stadt und Thal, den südlichen Theil der Insel und den Ocean, und wird derselbe oft zu Ausflügen und Picknicks benutzt.Verwitterte Lavaniederströmungen zeichnen sich noch deutlich an den Böschungen des Kegels ab. Die Umgebung der jetzt gefüllten Kratervertiefung bildet ein schwülstiger, versteinerter Lavakranz. Die gegenwärtige Vertiefung beträgt nur 21′ und ist einem Mörser in der Form ähnlich.Unmittelbar am Fusse des Kraters befinden sich noch zwei andere Vertiefungen früherer Nebenkrater, die mit Wasser gefüllt, kleine fischreiche Teiche bilden, die der Landschaft einen lieblichen und eigenthümlichen Anstrich geben, da die Insel keine Seen hat.Auf der Höhe dieses Kegels, unmittelbar an der Kratervertiefung erhebt sich eine Flaggenstange, vor der in Reih’ und Glied eine Batterie diverser Geschütze verschiedensten Kalibers und verschiedenartigster Nationalität, mit ihren Läufen auf die Stadt und den Hafen gerichtet, stehen. Wenn die Brauchbarkeit derselben eine bessere wäre, so wäre die Lage derselben eine ausserordentliche zur Vertheidigung des Hafens und würden einen ernsteren Eindruck machen, während der jetzige Zustand der Batterie zufolge der grellen Verschiedenheit ihrer Geschütze einen lächerlichen macht.Die Umgebung des Kegels, namentlich in südlicher Richtung der Diamantfelsenspitze zu, besteht — als Gegensatz zum üppigen Nuúanú-Thale und den lieblichen Gestaden von Waikiki — aus einer Ebene, die theilweise sandig theilweise mit altverwitterter Lava oder mit Gneiss-, Granit-,Kalkstein, Muschelstein und versteinertem Lava-Geröll überdeckt ist und auf der nur hin und wieder krüppeliges Gestrüpp, Dracenen, Cactusse, Disteln und das sogen. „pili“-Gras stellenweise wächst und eine höchst geeignete Strecke für ein Schlachtfeld bietet. Es werden auch auf derselben die Pferderennen, die kleinen Manöver der Hawaii’schen Armee und hin und wieder auch die der ausländischen Kriegsschiffe abgehalten.Nach zurückgelegten 4 Meilen von der Stadt mit oftmaligen prachtvollen Rückblicken auf Honolulu erreicht man das sogen. „Half-Way“-Haus des Mr. Arčia, eines liebenswürdigen, höchst unterrichteten, alten Herrn, der hier eine Temperenz-Restauration mit guter Küche hält.Nach weiteren zurückgelegten 2 Meilen von Mr. Arčia aus oder in Summa zurückgelegten 6 engl. Meilen durch das Thal, stets steigend, verengt sich dasselbe auffallend plötzlich zu einer engen Schlucht und die Vegetation nimmt mit allmählig steiler werdenden Seitenwänden ab, bis dieselben in kahle Felswände vulkanischen Charakters übergehen.Hier beginnt das Geröll von Gneiss, porösem Granit, Basalt, Kalk-, Korallen- und Muschelstein im wildesten Durcheinander zuzunehmen, bis die Schlucht auf einer Höhe von 1200′ überraschend plötzlich aufhört.Hier entfaltet sich ein schöner freier Blick rückwärts über den südlichen Theil der Insel und vorwärts über die sichelförmige Ebene des nördlichen Theiles derselben und nach rechts und links über den dürren, wildzerissenen Kamm des Gebirges.Unmittelbar vor Einem liegt ein tiefer Abgrund, der die fürchterliche Stelle bildet, wo 1794 Kamehámehá I., der Grosse, seine verbündeten Feinde, den König Kuakili von Oahú, und Kaéo, König der Insel Kauai, fechtend eingedrängt und dieselben gezwungen hatte, sich mit ihren Schaaren in den 1200′ tiefen Abgrund zu stürzen, wo sämmtliche den Tod ohne Ausnahme fanden und in Folge dessen Kamehámehá I., Besitzer der Insel Oahú wurde.Noch sieht man Unmassen von Knochen der Verunglückten am Fusse des Abgrundes.Von dieser Höhe, dem sogen. „Pali“-Pass, führte früher nur ein gefährlicher, schmaler, höchst beschwerlicher Steig zur nördlichen Seite der Insel hinab, jetzt jedoch ist eine von Sträflingen meisterhaft im Zickzack in den Felsen eingehauene, jedoch schmale Niedersteigung für Reiter vorhanden, die bei hellem Tage mit sicherem Pferde ungefährlich zu passiren ist, denn es sollen sogar am Tage leichte Einspänner den Weg gewagt haben — ein Wagniss, welches unzweifelhaft gefährlich und nicht anzurathen ist.Den meist schwindelerregenden, oft recht glatten Zickzackweg hinabsteigend, bei vollster Sicht über die nördliche Seite der Insel und auf den glänzenden Ocean, gelangt man zur Ebene, und, über dieselbe circa 8 engl. Meilen schreitend, erreicht man den Hafenort Káneohé.Die Ebene ist reich an Feuchtigkeit und es charakterisirt dieselbe eine sichtliche Üppigkeit des Graswuchses, in Folge dessen in Vergleich zum südlichen Theile der Insel hier schöneres, fetteres Rindvieh und namentlich schmucke Ziegen zu treffen sind. Das überaus wuchernde, stachlige „pili“-Gras macht vollständig die Schafzucht unmöglich, indem das Verschlucken dieses Grases den Schafen einen gefährlichen Husten und durch das Eindringen desselben in die Wolle eine gefährliche Entzündung der Haut verursacht.Wenn man vom „Pali“-Pass niedersteigend anstatt gerade aus auf „Káneohé“ rechts geht, so erreicht man in südöstlicher Richtung im Distrikt Waimonalóa, das Dorf Kailua, drei engl. Meilen vom Pali entfernt.Kailua besteht aus nur wenigen Hütten und einer Schule. Der grösste Theil des Distriktes ist Eigenthum des Oberrichters Mr. Harris. 5 Reisplantagen gaben dem Distrikt ein üppiges Aussehen. Es sind die Plantagen der Chinesen Lu-Sang, Ah-Ho, Wong-Long und Ah-Su. Zahlreiche wilde Enten, Gänse und Fasanen sind sichtbar. Letztere, die importirt, sollen sich bedeutend vermehrt und durch die ganze Insel sich schon verbreitet haben.Den östlichen Theil des Distriktes bildet das Thal vonWaimanalóa, dessen Ausgang die dünenreichen Ufer des Oceans begrenzen. Das Thal ist fruchtbar und bildet das rentable Revier der „Waimanalóa“-Zuckercompagnie, die hier einen Landungsplatz hat, von dem aus wöchentlich viceversa eine Verbindung mit Honolulu stattfindet.Links vom früher erwähnten Dorfe Kailúa liegen die Reisplantagen und Fischteiche von Kawainui, und links von den Reisplantagen des Ah-Ho und Lu-Sang und an der an wilden Enten, Gänsen, Tauchern, Wasserhühnern reichen Lagune von Kawainui liegt die höchst flache Strecke von Kapaá, die durchweg mit Reis und „tarro“ bebaut ist.Auf der ganzen Strecke, wo nicht Zuckerrohr, Reis oder „tarro“ gebaut ist, befindet das Land sich unter verhältnissmässig üppigem Graswuchs, jedoch mit überwucherndem „pili“-Grase, krüppligem Gestrüpp, Cacteen, Disteln, für den Weidegebrauch verdorben.Dieser Strecke angrenzend, dem „Pali“-Passe gegenüber, liegt das früher erwähnte Kaneohé, ein kleiner Ort mit nur einigen Hütten, 2 chinesischen Kaufläden und 2 chinesischen Restaurationen, wo man gute Unterkunft haben kann. In der Nähe derselben befindet sich eine protestantische Missionsanstalt nebst Schule und Kirche und, circa 2 Meilen entfernt, die römisch-katholische Missionsanstalt ebenfalls mit Kirche und Schule, umgeben von einer geordneten, hübschen Gartenanlage.Den Ort bildet die Zuckerplantage des Mr. Harris mit Landungsplatz für Schooner und zahlreichen mit Steinwällen umgebenen Fischteichen.Von Káneohé, d. h. links von der Zuckerplantage des Mr. Harris liegen in nordwestlicher Richtung zwei kleinere Zuckerplantagen und drei Reisplantagen, in welchen circa ein paar Dutzend kleine, von Kanaken oder Chinesen bewohnte Farmen zerstreut liegen und die der Landschaft einen bunten, höchst lebendigen Anstrich geben.Auch hier, gleichwie früher besitzt das Terrain, wo kein Reis oder Zucker angebaut ist, eine üppig grüne, jedoch ebenfalls durch wucherndes „pili“-Gras und anderes Unkraut verdorbene Weide. —Weiter nordwestlich zieht sich der sog. „Hoeii“-Distrikt, in welchem die grosse, reiche Zuckerplantage des Mr. Mc. Keague, am Ufer links vom Gebirge umgeben, liegt.Dieser Plantage angrenzend folgt die üppige, fleissig bearbeitete Reisplantage des Chinesen Ah-Kau. Dann folgt ein fester Strandweg bis zu den Fischereigründen des Mr. C. Stewart. Dann folgt ein Weg über ein niedriges, jedoch höchst zersplittertes Gebirge in westlicher Richtung in das Thal Kaálaúloó, in welchem ausser 2 üppigen Reisplantagen auch die Zuckerplantagen der Mrs. Steves & Co. und die des Mr. Jakson mit bemerkenswerthen Fabrikseinrichtungen sich befinden. Die Wohnhäuser der letzteren namentlich liegen erhöht mit prachtvoller Sicht auf den Ocean und theilweise lieblich von den Bergen umgeben, die sich von 1500′-1800′ erheben und mit üppigem immer-grünem Gebüsch und auffallend mannigfaltigen Farnen bedeckt ist. Die Grasflächen sind üppig dem Anscheine nach, jedoch überwuchert vom „pili“-Gras. Dieses Thal soll 6 engl. Meilen lang und 1½ engl. Meilen breit sein.Das Thal und die Zuckerplantage Jakson’s verlassend, führt dem sich schlängelndem Strande rechts entlang, dem Gebirge links entlang, ein fester, jedoch öder Weg in das „Waiáhóle“-Thal zum kleinen Dorfe gleichen Namens mit einer grossen Reismühle. Das Thal ist gefüllt mit zahlreichen kleinen Reis- und Tarro-Plantagen im buntestem Durcheinander.Dann folgen Reisplantagen auf Reisplantagen bis zum Dorfe Waikáne, wo eine römisch-katholische und eine protestantische Missionskirche nebst den denselben gehörenden Gebäulichkeiten und circa ein Dutzend Hütten sich befinden. Diesem Dorfe folgt das Dorf Kúalóa, welches Besitz des königlichen Hofmarschalls C. H. Judd ist. Die Entfernung bis Honolulu soll 18 engl. Meilen sein. Der Betrieb des Besitzes besteht in Vieh- und Pferdezucht. Die Weide ist auffallend gut und die beste, die ich im Inselreiche getroffen. Ob die Ursache dieser bessern Weide in der Pflege derselben oder in der Bodenbeschaffenheit liegt, habe ich nicht ermitteln können. Das schöne Vieh,so auch die weidenden Pferde machen hier einen günstigen Eindruck.Von Kúalóa 4 Meilen entfernt, liegt die Viehzucht treibende Subfarm des Mr. Judd Kauá, wo das Vieh von „Durhamer“- und die Pferde von reiner „Kentucky“-Race sind. Der Stand der Viehherde soll 500 Stück und die der Pferde 100 betragen.Von Kauá folgt man dem hier recht steilen, üppig bewaldeten Gebirge, unmittelbar der Küste entlang durch die kleinen Dörfer Kaána, Makéo, an zahlreichen kleinen Reis- und „tarro“-Plantagen vorbei, links in Sicht eines Wasserfalles und eines höchst pittoresk gelegenen Kirchleins bis zum Dorfe Hauúla.Von Hauúla, dem allmählig an Höhe und Vegetation abnehmenden Gebirge folgend, erreicht man Laïe, die Hauptansiedlung der Mormonen im Inselreiche, die ein Areal von 6000 Acker umfasst.Im Jahre 1847 erschienen hier die ersten Mormonen auf ihrer Durchreise nach Californien. Einer der Apostel der Mormonen P. A. Cánnon übersetzte das Mormonen-Buch in die Hawaii’sche Sprache. Die Gemeinde des Inselreiches soll gegenwärtig 960 Seelen zählen. Sie steht unter einem Bischof. Ihr moralischer Einfluss auf den Hawaii’schen Charakter soll kein ungünstiger gewesen sein, da bei den Gliedern der Gemeinde die den Hawaiier charakterisirende Indolenz schwinden und dass Selbstbewusstsein zunehmen soll. Das nördlich gelegene Land der Mission ist unter die Glieder der Gemeinde parzellirt und befindet sich unter üppigem Reis- und „tarro“-Anbau. Der südlich gelegene Theil befindet sich unter Zuckerrohr und ist derjenige, wo die Gebäulichkeiten und die Mühle gelegen sind. Im Allgemeinen macht die Niederlassung einen geordneten, wohlhabenden Eindruck.Laïe verlassend, folgt man in nördlicher Richtung, der nördlichsten Spitze der Insel zu und zwar durch die Ländereien von Kahukú, dem Besitz J. Campbels, einer echten Strandgegend mit gewaltigem Getöse der Wogen und der Sicht mannigfaltigster Seevögel. Das Gebirge links schwindetallmählig zu einem hochhügeligen Terrain, das eine ziemlich gute Viehweide ist. Von Kahukú schlägt man in westlicher Richtung die sogenannte Strasse von Waialúa, der südöstlichen Küste der Insel entlang, bis zum Orte gleichen Namens ein. Die Strecke ist eine wilde, öde zu nennen, die nur hin und wieder durch die verhältnissmässig üppigen Thalschluchten, die sich links in das sich wieder erhebende Gebirge ziehen, unterbrochen ist. Diese Thalschluchten sind grasreich und scheinbar durch Quellen reichlich bewässert. Der Ort Wailúa hat ausser seinen ziemlich zahlreichen Häusern 3 Kirchen, 3 Schulen und ein episkopales Seminar für Mädchen. Von hier führt ein gerader Weg in südöstlicher Richtung nach Honolulu durch das Thal von Waialúa, welches die beiden Gebirgszüge der Insel bilden und das ich auch einschlug. Die Strecke soll 25 englische Meilen betragen. Ein anderer Weg, dercirca 45 Meilen bis Honolulu gerechnet wird, umzieht den nordwestlichen Ausläufer der „Waianae“-Gebirgskette bis zur westlichsten Spitze der Insel, dem Kap Keana und folgt alsdann längs der südwestlichen Küste der Insel entlang über die Orte Waianáe und Waïpio zur „Ewa“-Fläche.Die Strecke von Waialúa durch das breite Thal gleichen Namens ist eine ebene, meist weglose, recht wilde Weidestrecke zu nennen und ist fast vollständig unbebaut.Die Sicht der Gebirge von beiden Seiten ist pittoresk, namentlich die der „Waiánae“-Kette rechts, die auffallend üppig bewachsen ist und aus deren sehr gedrängter Masse der circa 4060′ hohe Kaála unter strotzender Vegetation sich erhebt.Die Vegetation dieser Gebirgsmasse bildet stellenweise ein üppiges Durcheinander von Mimosen, Orangen, Kaffeestauden, „Thy“-Gewächsen, wilden Bananen, Pandanen, Farnen, hohem Schilf,struppigem, hohem Gras, krüppeligen Sandelbäumen u. s. w., durchflochten mit den verschiedensten Schlingpflanzen und Wurzeltrieben, und giebt selbiges dem Bilde den echten Charakter einer subtropischen Vegetation. Dieses ist aber, wie gesagt, nur stellenweise und kurzweilig,da auch hier die gewinnsüchtige Hand des Menschen verwüstend gehaust hat.Die Viehheerden, die zahlreich in Sicht, kommen einem nach dem schönen Vieh des Mr. Judd kümmerlich vor. Viele Ziegen und zwar wohlgenährte, erscheinen hier und da. Höchst auffallend ist auch hier die Stille der Natur. Die Vögel und Thiere des Waldes scheinen sich zur wasserreicheren Küste des Gebirges zu verziehen.Bei Waïpio, wo der früher erwähnte Strandweg sich mit dem des Thales vereinigt und den Schluss des Thales bildet, liegen die Ländereien des Mr. John J-i, dem Sprössling einer alten Häuptlingsfamilie.Rechts vom Wege sind die sogenannten „Perl-Lochs“; es sind Lagunen, die eigentlich eine seichte Korallen-Bucht des Oceans bilden, sehr fischreich sind und, wie man sagt, in früherer Zeit in ihren Vertiefungen reichhaltige Austernbänke gehabt haben sollen, was sich klar durch die zahlreichen Muscheln derselben an den Bänken beweist. Die Auster soll ganz plötzlich von den Inseln des Reiches verschwunden sein und an Stelle deren sich eine giftige Auster gezeigt haben. Die Ursache ihres Verschwindens muss aller Wahrscheinlichkeit nach eine vulkanische gewesen sein.Das Gras der Umgebung wird allmählig auffallend saftloser und härter, — die saftigen feinen Gräser schwinden und „Pili“-Gras, Cactus-Gewächse, Disteln und Dracenen herrschen auf der Fläche.Von hier beginnt allmählig zunehmend das Felsen-, Stein- und Lavageröll der „Ewa“-Fläche, die übrigens nichts weniger als unfruchtbar ist, da genügende Alluviale- und Schlamm-Anschwemmungen vorhanden sind und auf der bei genügender Süsswasserbewässerung, die ihr leider fehlt, die üppigste Vegetation entwickelt werden könnte, während für den Augenblick sie nur eine wilde, todte Umgebung entfaltet, in der nur hin und wieder in den kleinen Niederungen der Fläche üppiger „tarro“, Reis und Fischteiche sich zeigen.Sechseinhalb Meilen vor Honolulu liegt „Puúloa“, die mit Viehzucht und einer Reisplantage verbundenen Salzdestillationswerke des Mr. J. Dowcett, der hier ein Areal von circa 25,000 Acker besitzt.Kurz vor Honolulu liegt links das Asyl für Geisteskranke und die Verbesserungsschule, rechts das Gefängniss, die Quarantaine, die Schildkrötenteiche und der glänzende Ocean, und vor mir lag, durch die glänzend untergehende Sonne herrlich beleuchtet, das an schattigen Gärten so reiche Honolulu, gleich einer Gartenstadt, und die Brücke des „Panóa“-Baches überschreitend, durchzog ich die geschäftsvolle „Kings-street“ bei abendlicher Lebhaftigkeit ihrer Bevölkerung und war bald in meiner Behausung, Ecke der „Queen- und Richard-street.“Ich will zum Schlusse meines Tagebuches einen Ueberblick meiner Eindrücke über die Constellation und den Charakter der Inseln im Allgemeinen wie im Einzelnen, sowie über die Fauna und Flora derselben wiederzugeben versuchen.In ihrem Ursprung und ihrer Bildung sind sämmtliche Inseln dieses Archipels sich gleich, da sie bekanntlich alle durch die von Westen nach Osten, beide Continentalmassen durchschneidenden Centralvulkane der Südsee, resp. durch ihre Vertheilungen gleichwie die Gesellschaftsinseln und viele andern Inseln der Südsee aus der Tiefe gehoben und gebildet und allmählig durch Hebungen, durch Rücktritt der See, durch die Auswürfe nachträglicher Eruptionen ihrer Vulkane, durch gewaltige Ausströmungen der Lava in den Ocean und durch Anschwemmung verwitterter Lava und Gesteine ihrer Centralgebirge erweitert worden sind.Das Gebirge resp. der Untergrund der Insel besteht aus schwarzem Basalt oder Trachyt, Dollerit, Melaphyr und Laven. Ihre Gipfel, d. h. wo nicht noch thätige Krater vorhanden, sind leicht vertieft. Die erloschenen Krater sind in ihrer Form napfförmig.Höchst charakteristisch sind namentlich auf der Insel Hawaii die kleinen Reihenvulkane im nordwestlichen Theile der Insel: die „Koála“-Berge, und im südöstlichen Theile die Reihengebilde bei Kapéla und Kalahía, Letztere sind prismatische.Der eisenhaltige mit Jod, Brom, Schwefel, saurem Natron, Gips und Kalk geschwängerte Humus der Inseln besteht aus Kieselerde, Thonerde, Alkalien, Kalkerde, aufgelösten alluvialen oder organischen Anschwemmungen, aufgelösten Vegetabilien und aus Sand, welcher durch gewaltige Herbeispülung des Grundes der Untiefe des Ocean’s durch die Woge, als angehäufte Sandmassen der Umgebung der Ufer oft in Dünen sich zeigt und durch Luft oder durch die Seewinde getrocknet, sich durch Stürme weiter in das Land und über dasselbe allmählig vertheilt hat.Auch die Korallenbänke, die sich nur am südlichen Ufer der Inseln befinden und die Riffe, sind oft mit solchen Sandanhäufungen umgeben oder überzogen, Sandbänke bildend.Unter den Laven der Vulkane, die blasenförmige Lücken bilden, findet man meist basaltische resp. feinkörnig krystallische und gleichmässig gemischte, sowie auch erdige resp. äusserst feinkörnige, kleine, krystallinische Theile bildend, obgleich dieselben oft ein porphyrartiges Aussehen haben.Die Asche, gleichwie der Sand der Vulkane, sind fein zu grauem Mehl oder Kies zertheilte Lava oder Krystalle von Feldspath, Titaneisen, Magneteisen, Olivin, Achat u. s. w.Die Fauna der Inseln ist im Allgemeinen die gleiche und ist nicht nur in ihrer Mannigfaltigkeit, sondern im Grossen und Ganzen eine arme zu nennen, und ich will, wie folgt, einen kurzen Ueberblick geben.1)Säugethiere: Mammalia. Von Säugethieren gibt es einheimische keine, es sei denn, der Walfisch und die Delphinenarten des Oceanes. Die im Inselreiche gegenwärtig vorhandenen Säugethiere sind importirte, die theilweise in früherer Zeit importirt und verwildert sind, wie das Schwein und der Ochse, die man auf den Hochplateaus der Insel Hawaii irrthümlicher Weise als Büffel und Eber jagt sowie ferner in neuerer Zeit importirte Rehe und Hirsche, die sich wie man sagt, ausserordentlich vermehren sollen, denen ich aber bei meinen Ausflügen auf den Inseln nicht begegnet bin. Die Schweine müssen aller Wahrscheinlichkeit in urältester Zeit, vielleicht zur Zeit der Einwanderung der jetzigen Race der Bevölkerung, die einewestmalayische ist, importirt worden sein. Da die Hawaiier, als das erste Rindvieh und andere ihnen unbekannte Säugethiere importirt wurden, stets dieselben mit dem Namen „Schweine“ bezeichneten, wie z. B., als Vancouver in das Land das erste Rindvieh als Geschenk dem Könige Kamehá-mehá I. brachte, benannten sie dasselbe als „puaá-pepei-aúhaó“, d. h. „Schweine mit grossen Hörnern“.Einen Widerspruch zu meinem Ausdrucke „keine Säugethiere“ bilden die Fledermäuse, die sich als einziges einheimisches Säugethier manigfaltig und zahlreich zeigen.Die im Inselreiche sich stark vermehrenden Mäuse und Ratten sind unzweifelhaft durch die Schiffe der Walfischfahrer oder andern importirt worden, da dieselben im Innern der Insel nur selten zu treffen sind.2)Vögel(aves).a.Raubvögel(aves rapaces) sind als Seeadler, Fischadler und Habichte zu finden. Nachtraubvögel sollen nicht vorhanden sein.b.Singvögel(aves oscines) sind verhältnissmässig wenige vorhanden und das nur Zugvögel, z. B. Lanius colurio, der Neuntödter, und Lanius minor, der kleine Würger, Wiedehöpfe u. s. w. Der Paradiesvogel soll früher einheimisch gewesen sein, Paradisea apoda.c.Klettervögel(Scansores. —) Ebenfalls sind nur einige Zugvögel derselben vorhanden, z. B. der von Jahr zu Jahr seltener werdende Trogu.d.Schreivögel(Clamatores), ebenfalls nur Zugvögel, z. B. der rabenähnliche Coracias, der Buceros rhinoceros und andere.e.Tauben(Columbae) sind sehr zahlreich vertreten und doch auch nur als Zugvögel, z. B. die Wandertaube, Columba migratoria, die Turteltaube, Columba turtur, verschiedene Kronentauben u. A.f.Hühnervögel(Galinacei) sind auch nur Zugvögel z. B. die Wanderwachtel, Coturnix, das Fusshuhn, Megapodium. Die sich stark vermehrenden Fasanenverschiedener Arten, namentlich der chinesische Silberfasan und andere echte Hühnervögel sind zur Zeit des Königs Kamehá-mehá III. importirt worden.g.Laufvögel(Cursores) gibt es nicht.h.Sumpfvögel(Grallatores) sind wenige vorhanden und zwar nur Zugvögel, z. B. Regenpfeiferarten, Schnepfenarten und Fischreiher.i.Wasservögel(Natatores). Ausser den an den Ufern des Oceans sichtbaren Tauchern, Alken, Möven, Albatros, Seeschwalben, trifft man in den Sümpfen der Hochebenen Schwäne, Gänse, Enten, von letztern sind mehrere wahrscheinlich, Dank den klimatischen Verhältnissen, ständige.3)Reptilien(Reptilia). Mit Ausnahme der Seeschlangen, Hydrophis, verschiedener Schildkröten des Meeres, unter denen auch die Chelonia imbricata, die Riesenschildkröte sich zeigt und auf dem Lande einiger Eidechsenarten gibt es keine Reptilien.4)Lurchen(Amphibiae) sind verhältnissmässig nicht stark vertreten. Man findet jedoch den Grasfrosch, Rana esculenta, den dunkelbraun gefärbten Rana temporaria und die Unken. Den gefleckten Salamander habe ich nur einmal und das auf der Insel Kauai getroffen, ein Beweis, dass er vorhanden sein muss.5)Fische(Pisces) sind höchst manigfaltig in ihren Arten im Meere. Im Süsswasser gibt es nur importirte, die sich überraschend vermehren.6)Insecten(Insecta).a.Käfer(Coleoptera) sind als einheimische nicht manigfaltig. Seit dem Eindringen der Kultur der Europäer und dem Importe von Vieh nehmen sie an Manigfaltigkeit zu, z. B. Schwimmkäfer, Keulenhörner als: Aaskäfer, Todtengräber etc.; Schnellkäfer, Weichkäfer, Schattenkäfer, z. B. der Mehlkäfer; Rüsselkäfer, die sehr zahlreich mit dem Reis und Zuckerrohr eingeführt werden; Blattkäfer, die sehr zahlreiche und wie es scheint, „indigenae“ sind; Zwergkäfer sind zahlreichin den Moosen und Flechten und sind „indigenae“ zu betrachten.b.Hautflügler(Hymenoptera) sollen früher nicht vorhanden gewesen sein und erst durch die Cultur der Europäer, Amerikaner und Chinesen importirt, sich stark vermehren, z. B. verschiedene Blattwespen, Schlupfwespen u. s. w., sowie die verschiedensten Ameisenarten. Die Biene wird mit Macht importirt, da sie im Lande nicht einheimisch, in demselben jedoch ausserordentlich günstig fortkommt.c.Schmetterlinge— (Lepidoptera) sind nicht manigfaltig, theilweise jedoch scheinbar einheimisch. Sie nehmen gleichwie die vorhergehenden Insecten durch zufälligen Import der Larven oder Puppen bedeutend zu.d.Zweiflügler— (Diptera) sollen früher nicht vorhanden gewesen und erst durch Europäer, Amerikaner und Chinesen eingeführt worden sein, z. B. verschiedene Mückenarten, die Sandfliege und andere Fliegen nehmen an Manigfaltigkeit und Zahl im Inselreiche erschreckend zu.e.Netzflügler— (Neuroptera), die gleichwie die letzteren früher nicht vorhanden, nehmen jetzt bedeutend zu, z. B. die Florfliege — Chlorops und Kameelhalsfliegen etc.f.Geradflügler— (Orthoptera) sind verhältnissmässig nicht manigfaltig, nehmen aber ebenfalls zu und das namentlich in Folge der zunehmenden Dürre des Landes, z. B. Feldgrillen, Heimchen, Heuschrecken, Zirpen.g.Halbflügler— (Rhynchofera) sind sehr zahlreich und manigfaltig, als: Baumwanzen, Blattwanzen, Schildwanzen, Bettwanzen, Ohrwürmer.h.Flügellose(Aphoniptera) — als: Flöhe, Läuse in Form von Pflanzen- und Thier-Parasiten. Das aus Amerika mit Zucker importirte, höchst lästige, sog. Silberfischchen, Lepisma sacharina, ist zahlreich vorhanden.7)Tausendfüssler(Miriapoden) sollen früher im Lande vollständig unbekannt gewesen und erst durch Europäer,Amerikaner und Asiaten eingeführt worden sein und sie vermehren sich sichtbar als Tausendfüssler und Skolopender.8)Spinnenthiere, (Arachnoiden) findet man als eigentliche Spinnen (Araneiden), und Milben in grosser Manigfaltigkeit und scheinen theilweise einheimisch gewesen zu sein, sich jedoch in ihrer Manigfaltigkeit in Folge des Fremdenverkehres bedeutend vermehrt zu haben. Scorpione, sowie auch die Tarantel waren früher vollständig im Lande unbekannt gewesen und sind rein importirte, sich ausserordentlich vermehrende Qualen des Landes geworden.9)Krustenthiere(Crustacea). Von den Krebsen findet man nur Krabben. Unter den Stachelfüssern kommt der Limulus polyphemus und unter den Rankenfüssern die an den Riffen festsitzenden Meereicheln verschiedener Arten vor.10)Räderthiere, (Rotatoria) kommen wahrscheinlich im Süsswasser der Inseln vor.11)Würmer(Vermes) sind in den verschiedensten Arten im Ocean und auf dem Lande zu finden, z. B. unter den Ringelwürmern die Seeraupe, Aphrodite, der Meerskolopender, Syllio, der Röhrenwurm, Serpula, im Ocean und Regenwürmer auf dem Lande u. s. w. Eingeweidewürmer sind natürlich vorhanden. Die Trichinen und Bandwürmer waren früher unbekannt und sind als importirte angesehen, sind aber wahrscheinlich unbemerkt vorhanden gewesen.12)Weichthiere, (Moluska) unter denen von den Kopffüssern, Cephalopoden, Octopusse, Loligusse, Nautilusse. Schnecken sind zahlreich im Ocean, nur wenige auf dem Lande, letztere nehmen jedoch ebenfalls durch den Import verschiedener Pflanzen an Manigfaltigkeit zu, z. B. die nackte Wegschnecke, Arion, Limax und Boulimus-Arten; Kammkiemer-Arten sind im Ocean höchst manigfaltig vertreten, unter denen namentlich hervorzuheben sind: Die Fasianella bulimoides, Solarium perspectivum, Nerita polita, Cyprea tigris, Conus generalis, Strombus gigas, Cassis- und Murex-Arten. Kielfüsser (Hetéropoda) sind zahlreich im Ocean vorhanden, als namentlich in grossenMassen der Clio borealea als bekanntes Futter der Walfische.13)Strahlthiere, (Radiata). Unter den Muschelthieren sind namentlich die Austern hervorzuheben, die früher im Inselreich sehr zahlreich gewesen, was die zahllosen Gehäuse derselben an den Korallenbänken beweisen. Augenblicklich sind im Inselreiche keine lebenden vorhanden. Das plötzliche Verschwinden derselben lässt sich nur in Folge vulkanischer Einwirkungen erklären. Das Merkwürdige bei der Sache ist nur, dass an Stelle derselben ein austernartiges und zwar ein höchst giftiges Thier sich eingefunden hat, welches ebenfalls an den Korallenbänken haftend, die Eigenschaft hat, jede durch dasselbe erzeugte Wunde lebensgefährlich zu machen. Das Gift desselben ist bisher noch nicht untersucht worden. Die Eingebornen benennen die Muschel „Kaunóa“. — Ausserdem sollen Maleus-Arten, Pinna-Arten z. B. Pinna (squamosa), verschiedene Theredo und Solen, als Armfüsser, z. B. Liegula terebrátula, und auch andere vorhanden sein. Die Mantelthiere sind sehr zahlreich und meistphosphorescirend. Unter den Sternwürmern, unter denen z. B. der Holothuria tubulosa, sind verschiedene Arten zu finden, und unter den Stachelhäutern, z. B. der Oreaster reticulatus und Pentacrinus caput Medusae.14)Moosthiere, (Bryozóa) scheinen nicht vorhanden zu sein.15)Darmlose Thiere, (Coelentherata), findet man als Quallen, z. B. Acalepha medusa und Physóphora; als Polypen, die überaus zahlreich vertreten, die Mecandrina daedalea, oder Labyrinth-Koralle, die Horn-Koralle Gorgonia, die Korkkoralle Tubipora musica. —16)Urthierchen, (Protozoa), sind natürlich im Ocean, wie im Süsswasser zu finden, namentlich Schwämme, Spongien, an den Korallenbänken und am Grunde des Oceanes.DieFlorades Inselreiches von Hawaii besteht, seit der ursprünglich die Gruppe der Inseln dicht bewaldende Sandelbaum vollständig geschwunden ist, aus verschiedenenstämmigen Akazien und Mimosen, baum- und strauchartigen Euphorbien, Mirtaceen, aus üppigen Balsamgewächsen, baumartigen Nesselgewächsen, Coronarien und Rosifloren, aus Cicadeen und den manigfaltigsten Farren und zwar bis zum Baumfarn, untermischt mit Pandonen, Pfeffergewächsen, Dracenen und verschiedensten Kryptogamen.Die Grasflächen, die früher von üppigen Bäumen des Waldes beschattet waren, bestanden vorherrschend aus Cyperaceen, unter deren Schatten wiederum die saftigsten feinen Gräser vorhanden waren. Gegenwärtig, in Folge der Entwaldungen und hierdurch zunehmend eintretenden Dürren verhärten sich die Cyperaceen, schwinden die feinen Gräser, an deren Stelle Disteln, Cacteen, Coronarien, krautartige Farren, Schachtelhalme und verschiedenes Unkraut traten.Die Kokospalme zeigt sich an den Ufern der Inseln, stellenweise Haine bildend, scheint mir jedoch eine importirte Pflanze zu sein, da man dieselbe nur in Nähe der Dörfer in Hainen und nie vereinzelt im Inselreiche trifft. Sehr wahrscheinlich ist es, dass dieselbe mit dem jetzigen Stamme der Bevölkerung der Inseln eingewandert ist.Auf den Ackerfeldern findet man meist nur „tarro“, Reis und Zuckerrohr gebaut.Die Ueppigkeit der Flora, wo dieselbe vorhanden, ist eine auffallend reichhaltige, doch zeigt dieselbe durchweg den verwüstenden Einfluss entweder des vulkanischen Elementes oder der menschlichen Hand.Um einenUeberblickderselben zu geben, will ich die Haupttypen der Flora des Inselreiches und die charakteristischsten Pflanzen derselben, wie folgt, zu schildern suchen:I.Cryptogamen.1) Algen, (Algae) sind überaus zahlreich vertreten.2) Pilze,(Fungi) sollen weniger vertreten sein, in neuerer Zeit sich jedoch bedeutend vermehren.3) Flechten, (Lichenes) sind in den verschiedensten Typen vorhanden.4) Charen (Chareen), desgleichen.5) Lebermoose, (Hepoticeen) desgleichen.6) Laubmoose, (Musci frondosi) in manigfaltigster Art.7) Farren, (Felices), sind im Inselreiche sehr reich vertreten und ich glaube behaupten zu dürfen, dass es schwer halten würde, von dem kleinsten Krautfarn bis zum prachtvollen Baumfarn eine existirende Art derselben im Lande nicht zu finden. Die Farren bilden den Hauptcharakter der hiesigen Vegetation und vertreten in ihrer Ueppigkeit die Palmenvegetation, die hier im Lande nur wenig vertreten ist. Pterus esculenta, ein Krautfarn, wird im Lande seines mehlhaltigen Stengels wegen genossen und „púlu“ genannt.8) Schachtelhalme, (Equisetaceen) sind zahlreich und mannigfaltig im Inselreich vertreten und wuchern in den Weideflächen, in den Waldungen und auf der Heide.9) Natternzungengewächse, (Ophioglosseae) sind ebenfalls zahlreich vertreten.10) Wurzelfrüchtler, (Rhizogarpeen), kommen an den Bächen der Insel vor und das namentlich Marzilia-Arten, von denen einige von den Eingebornen als Speise benutzt werden.11) Bärlappen, (Lycopodiaceen) sind zahlreich vertreten.II.Phanerogamen.A.Nacktsamige, (Angiospermen.)12) Cycadeen vertreten im Inselreiche mit den Farren die Stelle der Palmen.13) Nadelhölzer, (Acerosae), sind nur als importirte vorhanden, als z. B. Coniferen; fraglich bleibt es jedoch, ob nicht Gnetaceen einheimischer Art vorhanden sind.B.Bedecktsamige(Gymnospermen).14) Monocotyledonen — Einsamenlappige.a. Fluriales}sind wahrscheinlich vorhanden, jedoch mir unbewusst. —b. Helobiaec. Hydrocharidesd. Kolbenblüthige, Spadiciflorae, sind hier manigfaltig vertreten, als: Calaceen; Aroideen, z. B. der „tarro“ oder „Kálo“ genannt, (Arum esculentum), dessenWurzel von den Eingeborenen als Hauptnahrungsmittel benützt wird; Thyphaceen als hochwüchsige Sträucher und als Schilf. Das Schilf und die Blätter werden zur Bedachung der Hütten und als Flechtwerk für Wände derselben benutzt. — Pandanen, z. B. der Pandanus verus, dessen Blüthen gemischt mit den Blättern des „Nioi“, (einer Atrocarpeae) von einheimischen Aerzten, den „Kahuna’s“ als Mittel gegen Fieber mit Erfolg gebraucht wurden, und der Pandanus littoralis, aus dessen Saugwurzeln der feste Bast zum Flechten der hiesigen Matten gewonnen wird.e. Palmen, (Principes) sind nur selten zu finden und das nur krüppelig. Die Kokospalme, die hin und wieder Haine bildend, an der Küste zu finden, ist wie schon früher erwähnt eine in urältester Zeit importirte Pflanze gleich wie die areca-cleracea.f. Spelzenblüthige, (Glumaceae) — sind als Gräser, (Gramineen) weniger vertreten und mehr krautartig vorhanden. Desto manigfaltiger sind aber die Cyperaceen, unter denen z. B. die „papaia“, eine carex, deren Wurzel oder Erdmandel, zerrieben und gemischt mit den zerriebenen Blättern des „Kowali“ (die ipomea pescaprae) und mit Salz vermengt, als Umschlag ein gutes Mittel gegen Verrenkungen ist; das „pili“-Gras, welches ein wucherndes Unkraut der Gegenden des ganzen Inselreiches ist, von den Pferden und dem Rindvieh hin und wieder gleichwie als Heilmittel aufgesucht und mit Begierde gefressen wird, ist aber durch seine stacheligen Samenkapseln den Schafen sehr gefährlich, da dieselben entweder bei ihnen eine Entzündung des Halses oder der Haut erzeugen.Die Weideflächen waren einstmals mit Gräsern, Cyperaceen und nahrhaften Kräutern anderer Ordnungen und Familien reichhaltig bewachsen und obgleich sie nie, — wie es im Allgemeinen in allen tropischen und subtropischen Ländern der Fall ist — Wiesen bildeten, wie bei uns, so hatten sie aberden Ruf einer grossen Ueppigkeit und Nahrhaftigkeit. Seit der Entholzung des Landes schwinden die saftigen Kräuter, unter deren Schatten feinere Gräser die sengenden Sonnenstrahlen ertragen konnten, und daher schwinden auch die letzteren und es treten an ihre Stelle saure, harte Gräser oder graslose Flächen. Abgesehen von der Entholzung des Landes haben hierzu namentlich die übermässig zahlreichen Viehheerden beigetragen, als auch der Trieb einiger eingewanderter Unternehmer, an Stelle der natürlichen Weide der Tropen Wiesen unserer Art zu creiren, deren Bestand durch die Sonnenstrahlen der Tropen unmöglich gemacht wird.g.Kronenblüthige, (Coronariae) sind manigfaltig vertreten, als: Binsengewächse in den Weideflächen; Spargelgewächse, z. B. Dracena draco, als Baum, der „Ki“ (Dracena terminalis), dessen Stengel, Blätter und Wurzeln, die aufgeweicht zur Heilung gebrochener, verletzter, geschwollener Glieder des Körpers als Umschläge von den „Kahunas“ gebraucht wurden; und manigfaltige Aloineen.h. DieYemspflanzen(Dioscoreae), sehr manigfaltig vertreten, so z. B. der „uhi“, Dioscorea pentaphylla, die als sedatives Mittel von den „Kahuna“ gebraucht wurde; es wurden nämlich die Wurzeln zerstampft und ¼ Liter Wasser zu ¼ Pfund dieser Masse für den Gebrauch gemengt und es ist höchst bemerkenswerth, dass dieses Mittel von den Malaien in vollständig gleicher Art zubereitet und als „ubi“ benannt, gebraucht wird; die Dioscorea patata wird als Nahrungsmittel benutzt.i.Schwertlilien, (Ensatae), sind sehr manigfaltig vertreten als Agaven, Ananasgewächse u. s. w. — Sehr verbreitet, namentlich in den Weideflächen der Hochebenen ist die Ensis argentea, deren Blätter in der Form der Aloe ähnlich, mit grauweisser, oft ganz weisser Farbe und einem leicht-sammtartigen Hauche belegt sind, und aus der Mittelaxe der dichtgedrängten Blätter erhebt sich der Blüthenstiel, der ähnlich dem des wilden Zuckerrohres in einen Büschel endigt, der entweder ausgebreitet oder fahnenartig und dessen Farbe weissgrau, silberglänzend ist.k.Gewürzschilfe, (Scytamineae) z. B. der Pisang oder Banane in verschiedener Art, deren Früchte bekanntlich genossen werden; die faulen Stämme derselben jedoch wurden hier von dem „Kahuna“, d. h. dem Arzte der Eingebornen, als Heilmittel für veraltete Wunden benutzt, indem die aufgeweichte Masse derselben als Compresse gebraucht wurde; dann der wilde Arrowrot als Sectamine Musacae und Cannacae.l.Orchideen, Gynandrae, sind vorhanden.— (2) 15. Dicotyledonen (Zweisamenlappige.)(A) Parigonblüthige — Apetalae.a. Serpentariae}Das Vorhandensein derselben ist mir unbewusst. —b. Aquaticaec.Mittensamige, (Centrospermeae), z. B. Sandelholzgewächse, die in früherer Zeit das gelbe und weisse Sandelholz lieferten und den Haupthandel des Inselreiches bildeten und den grössten Theil der Inseln bewaldeten, sind augenblicklich vollständig ausgerottet bis auf einzelne krüppelige Stämme, die hie und da sich noch vereinzelt zeigen; ausserdem gibt es noch einige Arten Loranthaceen.d. Pfefferartige, (Piperitae), finden sich in zahlreichen Arten z. B. der „ava“, (piper methysticum), der ähnlich dem piper betlé ist und aus welchem die Hawaiier ein berauschendes, höchst schädliches Getränk bereiten; sie kauen nämlich in Gesellschaft den „ava“ und speien das Gekaute in ein hiezu bestimmtes Geschirr, wonach die gekaute Masse, einer Gährung überlassen, destillirt und als Getränk benutzt wird. Die zerstampften Blätter desselben mit der zerstampften „areka“-Nuss und gemahlenen verkalkten Korallen gemischt, wird gleich dem betle der Malaien zum Kauen gebraucht, ähnlich wieunsere Seeleute den Tabak benutzen. Die Rinde und die Wurzeln derselben werden, — d. h. als Extract, — gegen Hautkrankheiten von dem „Kahuna“ gebraucht. — Der piper cubeba wird vom „kahuna“ gegen Krankheiten der Geschlechtsorgane gebraucht.e. Nesselgewächse, (Urticaceae) z. B. der „Kahui-láo-kaláni“ oder „nioi“ genannt, eine Artocarpee und ist ähnlich dem „Upas-pahu“ von Java (der Antiaris toxicaria) und gleich wie letzteres ein starkes Gift, welches von den „Kahunas“ zum „anaána“, d. h. dem sog. Todtengebete zur Vernichtung eines Menschen benutzt wurde. Der Glaube herrschte nämlich, dass der Gott Kolaípahoá im Baume sich aufhalte und das Gift bereite. Der Baum ist nur noch selten im Inselreich zu finden, da er, wie man sagt, zur Zeit Kamehámehá’s III. auf Befehl hat ausgerottet werden müssen. — Der Artocarpus incisa, d. h. der Brotbaum, dessen Frucht bekanntlich geniessbar, ist verhältnissmässig im Inselreiche nicht zahlreich zu finden. — Der Maulbeerbaum wird als „Morus alba“ und als „Morus nigra“ gefunden, soll jedoch importirt sein.f.Kätzchenträger(Amentaceae) z. B. Plantanengewächse und Weidengewächse sind zahlreich zu finden.g.Schneller, (Tricocceae), z. B. Rizinusstauden und der „makokó“, (Euphorbia multiformis), dessen milchigen Saft der „Kahuna“ mit ausserordentlichem Erfolge gegen Geschwülste oder Entzündungen brauchte.h.Lorberen(Thymeleen), findet man als: Seidelbastgewächse (Daphnoideen), Proteaceen und Lorbergewächse (Laurineen).i. Muskatnussartige, (Miristiceen) scheinen nicht vorhanden zu sein.k.Spinatkräuter, (Oleraceen), z.B. der „mii-makole“ (Rumex acetosa) und „aweóweó“ (ChenopodiumSandwichium), das ähnlich dem Chenopodium ambrosioides (Mexiko), wurde von dem „Kahuna“ gegen Hämorrhoiden, bei Verwundungen gebraucht. Die geweichten Blätter derselben stillen das Blut. Als Thee wirken sie purgirend. Der Stand der Pflanze ist namentlich am Strande. — Der Rhabarber, (Rheum palmatum und compactum) — und viele andere Arten von Spinatkräutern sind vorhanden.(B) Verwachsenblätterige Dikotyledonen — (Sympetalae.)a. Grasnelken, (Plumbagines) sollen vorhanden sein.b.Priemelblüthige, (Petalanthae) sind vorhanden, z. B. Maba ebenus, die Primula officinalis und andere.c. Haiden, (Bicornes) sollen vorhanden sein.d.Röhrenblumige, (Tubiflorae) z. B. der Tabak, (Nicotiana tabaccum) in vortrefflichen Sorten einheimischer und importirter Arten. — Capsicum annum, der spanische Pfeffer, wurde vom „Kahuna“ zur Blutstillung gebraucht, indem die Blätter und Wurzeln desselben mit Eucalyptus-Blättern zusammen aufgeweicht, als Compressen dienen. Der „Kowali“ (Ipomea pescaprae) dessen lange Stengel als sehr festes Bindematerial von den Hawaiiern gebraucht werden. Den Dampf von der erhitzten Pflanze brauchte der „Kahuna“ als Heilmittel gegen das Fieber und zur Heilung von Wunden resp. als Dampfbad. — Der „pohuéhué“ (Ipomea purga), dessen Extract aus den Wurzeln, als günstiger Gebrauch gegen Augenentzündungen benutzt wurde; dessen geweichte und dann gekochte Blätter verwandte der „Kahuna“ als Umschläge und auch innerlich bei Frauenkrankheiten, namentlich der prolapsis uteris. Die beiden letztgenannten Windengewächse brauchte der „Kahuna“ als purgirendes Mittel, indem er die Blätter und Wurzeln derselben zerstossen dem Kranken eingab. Zu bemerken ist, dass dieses Mittel, so auch die vorhergehenden die Indianer Mexiko’s in vollständig gleicher Weise gebrauchen. — Die Convolvulus batatae wird als Batate oder süsse Kartoffelgenossen. — Die Convolvulus scamonia ziert reichhaltig und schön blühend die Gegend und den Strand.e.Drehblütige, (Contortae), z. B. Strychningewächse als Baum und Strauch, deren Gift der „Kahuna“ als Heilmittel und zu Vergiftungen brauchte. — Jasmingewächse existiren als Baum und Strauch ungemein zahlreich. Der „Williwilli“ (Erithraea monosperma), dessen zerstossene Rinde gemischt mit zerstossenen Wurzeln des „Kowali“ (Ipomea pescaprae) der „Kahuna“ gegen die Geburtswehen der Frauen und als purgirendes Mittel gebrauchte.f.Maskirtblumige(Personatae) sind mir unbewusst.g.Nüsschentragende, (Nuciliferae), z. B. der Teak (tectonia), als Baum selten, als Strauch zahlreich vorhanden. —h.Geissblattartige, (Caprifoliae), sehr manigfaltig als Bisamkräuter in den Weideflächen. Rubiaceen, als Kaffeebaum, Krapp- und Labkräuter sind höchst manigfaltig.i. Glockenblüthige, (Campanulinae), sind als Kräuter und Sträucher vorhanden. —k.Haufblüthige— (Aggregatae) als Baldriangewächse (Valeriana), Kardengewächse, und Compositen, unter denen namentlich die Disteln von Jahr zu Jahr zunehmen. — Auch findet man die Arnica montana auf den Höhen und ziemlich häufig die Micamia guaco, Artischocken, Sonnenblumen u. s. w.(C) Getrenntblättrige Dikotyledonen — (Polypetalae).1.Reihe: Calyciflorae — Kelchblüthige.a.Scheibenblumige— Discanthae, sind mir unbewusst.b.Hornfrüchtige, Corniculatae, z. B. der „punalima“ (sedum fallax), der Mauerpfeffer, den der „Kahúna“ als purgirendes Mittel gebraucht. Auch kommen verschiedene Saxifrageen vor.c.Kürbisfrüchtige— Peponiferae, als: Melonen, namentlich aber Kürbisse verschiedenster Art, derenSchaalen die Eingebornen zu Speisegeschirren, zu den erdenklichsten Haushaltungsgeschirren und zu ihren musikalischen Instrumenten benutzen. — Auch die rankende Passionsblume ist vorhanden.d.Kaktuspflanzen, Opunticae, sehr manigfaltig und von Jahr zu Jahr mit der zunehmenden Dürre sich vervielfältigend.e.Kelchblüthige, Calicanthae, z.B. der Pfeifenstrauch (Philadelphus coronarius) und Lawsona alba und die Alkanna-Wurzel u. A.f.Myrthenblumige, Myrthiflorae, sind sehr manigfaltig vertreten; unter den Myrtaceen auch der Eucalyptus, von denen, namentlich vom Eucalyptus globulus der „Kahuna“ die Blätter gemischt mit denen des Capsicum annuum (spanischer Pfeffer) gegen Fieberkrankheiten benutzte.g.Rosenblüthige— Rosiflorae — sind vorhanden als z. B. u. a.: der Hawaii-Bergapfel, der eine Rosacea ist und dessen Frucht der Mispel ähnlich, höchst saftig und wohlschmeckend ist, verschiedene Crataegus- und Sorbus-Arten.h.Hülsenfrüchte— Leguminosae sind zahlreich vertreten als Bäume, Sträucher und Kräuter in den Wäldern wie auch unter den Pflanzen des Weidelandes. Unter den Mimosen-Gewächsen sind namentlich 5 Arten des sog. „Koa“ (Akazien), die die Hauptflora des Inselreiches bilden, zu bemerken, unter denen z. B. die ebenholzartige Acazia falcata mit beständigem Wechsel ihrer Blüthenfarbe das hauptsächlichste und festeste Nutzholz liefert. Ausserdem findet man verschiedenste Mimosen und Cassia-Arten.i.Faulbaumartige— Frangulaceae — sind mir unbewusst.k.Balsamgewächse, Therebinthineae; unter denen ist zahlreich der Rus coriaria vertreten, von welchem der bekannte Gerbestoff, der „Summach“ gewonnen werden könnte, jedoch bisher im Inselreiche nochnicht als Handelsartikel benutzt wird; der Mangobaum (Mangifera indica). — Ausserdem sind verschiedene Burseraceen und Butaceen zu bemerken.2. Reihe: Bodenblüthige, (Talamiflorae).a.Nelkenartige, Cariophyllineae, sind ebenfalls vorhanden, unter denen z. B. das Sandkraut (arenaria elimus).b.Säulenfrüchtige— Columniferae — unter denen namentlich der „hau“ (Hybiscus tiliaceus) als strauchartiges Malvengewächs mit weichem Holze zu nennen ist, welches wuchernd im Inselreiche gefunden wird. Die Eingebornen benutzen die Fasern der Rinde zu Angelschnüren und Bindematerial.c.Wandfrüchtige— Parietales — sollen nicht vorhanden sein.d.Guttigpflanzen, Guttiferae, verschiedenartig vorhanden, namentlich in Tamarindengewächsen.e.Orangen— Hesperides — sind vorhanden.f.Ahornpflanzen, (Acera) findet man als Sapindaceen (Lianen).g.Milchkräuter, Polygalineae. Ob vorhanden ist mir unbewusst.h.Storchschnabelblüthige— Gruinalis — sind vorhanden und zwar in Geranium und in Balsaminen-Gewächsen.i.Mohnpflanzen, Rhocadeae, sind zahlreich, z. B. der „Kukui“ (Alliaria triloba), den der „Kahuna“ als Heilmittel gegen alte Wunden gebrauchte, indem er die zerstampften kleinen Nüsse der Pflanze mit den pulverisirten Blättern derselben vermischt, mit Speichel zu einen Teig geknetet und auf Blätter gestrichen, auf die Wunde legte.k.Wasserrosen, Hydropeltineen, sollen nicht vorhanden sein.l.Vielfrüchtige— Polycarpicae — sind namentlich als Ranunculaceen, die die Weideflächen oftmals überwuchern, zu treffen.Im Charakter ihrer Physiognomie zeigen die Inselneine gewissermassen bedeutsame Verschiedenheit, daher will ich es versuchen, jede Insel für sich in ihrer Physiognomie möglichst kurz zu schildern.Die Insel Hawaii auch Ouaï genannt, hat als die grösste der Inseln dem Königreich und der Nation den Namen gegeben oder hat vice versa deshalb den Namen der Nation erhalten.Die Insel ist durchgängig gebirgig. Das System des Gebirges bilden drei gewaltige Erhebungen, die des „Mauna-lóa“, des „Mauna-kéa“ und „Huálalai“, die mit weit ausgedehnten, im stumpfen Winkel sich neigenden, stellenweise gewaltig zerrissenen und mit Lavageröll bedeckten Hochebenen verbunden sind.Die äussersten Gipfel der Gebirgskämme sind nur selten und zwar kurzweilig unter Schnee. Besonders eigenthümlich ist der dunkel schattirt, richtiger gesagt, dunkelgefleckte Schatten, den diese Gipfel auf den Ocean werfen.An Kratern ist das Gebirge reich, an Formen steil, wild zerrissen und oft bis in den wild brandenden schäumenden Ocean sich als steile Abhänge oder Abgründe ziehend. Diese jähen Abhänge und Abgründe charakterisiren finstere Grotten, die durch gewaltige Ausströmungen der Laven ältester, älterer und neuerer Zeit in den Ocean entstanden und sehr verschieden in ihrem Colorit und in ihren meist dunklen Schattirungen sind.Das Ufer der Insel ist meist steil, schroff und tief. — Die Umgebungen desselben, reich an Riffen, Korallenbänken, Lavabänken, tiefen Einschnitten oder weit in den Ocean sich ziehenden flachen Landzungen, macht einen wild zerrissenen, echt plutonischen Eindruck, der noch erhöht wird durch den charakteristischen, metallischen Glanz der grauen Farbe der starren Ufer, der Hochfläche des Ufersaumes und der ganzen Umgebung.Die Insel Hawaii macht den Eindruck, dass dieselbe primitiv nur aus den 3 damals aus dem Ocean hervorragenden Vulkanen, dem „Mauna-loa“, „Mauna-kea“, und „Hualalaí“ bestand und dass dieselben durch frühere oftmalige Eruptionen, durch unterirdisches Sicherheben undFüllen mit den Erdgüssen der Lavamassen sich über dem Wasserspiegel vereinigt, und durch allmäligen Zuwachs die jetzige Form der Insel gebildet haben, wie es sichtlich durch die Wirkung der neueren Eruptionen, durch die — wenn auch langsamen — Vergrösserungen der Insel stattfindet und zwar nicht nur durch überseeische Lavazuströmungen, sondern auch durch unterseeische Zuströmungen und durch unterseeische Erhebung des Bodens.Die Insel Maui ist von der Insel Hawaii durch einen 10 engl. Meilen breiten Kanal getrennt, den eine heftige Strömung und ein beständig stürmischer Luftzug charakterisirt. —Die Insel besteht aus zwei Theilen, Ost-Maui und West-Maui. Beide Theile sind sich im Allgemeinen ähnlich, in der Formation jedoch verschieden.In Ost-Maui haben sich durch die längere Ruhe der einstmals gewaltig wirksamen Vulkane ebenfalls Hochebenen, jedoch — im grellen Contrast zu Hawaii — sanft gegen den Ocean sich niederziehend gebildet, die mit fruchtbarstem Humus belegt, der Gegend einen üppigen Graswuchs, stellenweise eine niedrige Waldvegetation gestatten und zur Cultur sehr geeignet sind.Ost-Maui bildet den grössern Theil der Doppelinsel und ist mit dem westlichen, kleinern Theile durch eine schmale Landzunge verbunden.West-Maui erinnert im Kleinen in Bildung, Form und Charakter an die Insel Hawaii. Gleichwie letztere ist sie durchwühlt, zerrissen und, so zu sagen, gedrängt gehoben. Auch bei ihr im Kleinen findet man wie in Hawaii 3 ähnlich gelegene vulkanische Erhebungen, deren einstmalige Wirkung auf ihre Constellation allen Anzeichen nach wie die der Insel Hawaii gewesen sein muss.West-Maui ist wild zerrissen, an Schluchten reich, in den Thälern und Schluchten üppig an Vegetation, ist aber trotz ihres Reichthums an Quellen, Bächen und fruchtbarem Boden durch die Zerrissenheit ihres Terrains und die zahlreichen Engschluchten ihrer Landschaft zu einer rationellen Cultur nicht durchweg geeignet, während Ost-Maui Dank ihrer sanft sich neigenden Landschaft mit ihrem meist fruchtbaren Boden, — wenn auch an Wald arm, daher schattenlos und den Strahlen der Sonne ausgesetzt und obgleich verhältnissmässig arm an Quellen und Bächen — zu einer rationellen Cultur höchst geeignet ist. Es erfordert aber zu den umfangreichen, künstlichen Bewässerungen und künstlichen Schattenerzeugungen bedeutende Betriebskapitalien.Die Insel „Kauai“ hat nur einen Central-Vulkan, der durch seine einstmaligen Eruptionen — ähnlich wie in Ost-Maui der Haleakála — sanft sich neigende Ebenen gebildet hat. Die Wirkung der Eruptionen muss aber eine gewaltigere oder enger umschlossene gewesen sein als in Ost-Maui, da die sanft sich neigenden Ebenen, stellenweise gewaltsam durchrissen, durchwühlt, mehr den Charakter von West-Maui annehmen.Gleich dem zeigt sich auch der Charakter ihrer Vegetation. Der grösste Theil der Insel trägt nämlich einerseits und zwar im noch üppigeren Masse, die Reichhaltigkeit der Vegetation von West-Maui anderseits, — die Nachtheile ausgenommen, — den Charakter der Vegetation von Ost-Maui, da Kauai durchgehends reich an Quellen und weniger schattenlos ist. Ihre üppigere Vegetation verdankt die Insel dem längeren Ruhestande ihrer Vulkane, die, wie man sagt, lange vor denen Maui’s erloschen sind.Die Insel Oahú zeigt am wenigsten Folgen gewaltiger vulkanischer Umwälzungen und weniger Veränderungen ihrer Urform durch vulkanische Eruptionen. Die stattgefundenen und noch stattfindenden Erweiterungen verdankt die Insel mehr dem Bau der Coralle und den Alluvialanschwemmungen.Die Ursache, dass die an Kratern reiche Insel weniger gewaltsam verändert worden ist, scheint mir gerade in diesem Reichthume der Krater zu liegen, da dieselben — zahlreich und niedrig, — ihre Kraft weniger auseinander sprengend ausgeübt und daher nur eine Veränderung durch die Ablagerung ihrer ergossenen Lava hervorgerufen haben.Gebirgszüge der Insel sind 2: der nördliche, der sog.Nuaná, dessen südliches Ende die sogenannte Diamantspitze bildet und der südliche, der sog. Wainéa, der parallel dem ersteren den südöstlichen Theil der Insel durchzieht. Beide Züge sind reich an erloschenen Kratervertiefungen.Die einheimische Flora der Insel Oahú ist verhältnissmässig zu der der andern Inseln eine ärmere zu nennen. Sterile Flächen nehmen einen grossen Theil der Insel ein. Demungeachtet ist Oahú durchgängig zu einer rationellen Cultur, da die Insel reich an Feuchtigkeit, sehr geeignet. —Aehnlich Oahú ist der Charakter der Insel Molokai. Die übrigen Inseln mit Ausnahme der von Nihau und theilweise der von Lanai, bilden gegenwärtig wasserlose Felsmassen, die vegetationslos, culturunfähig und nur zeitweilig von Fischern bewohnt sind. —Im Allgemeinen hinterlassen die bewohnten Inseln des Königreiches den Eindruck, dass — Dank ihrem Boden und ihren günstigen klimatischen Verhältnissen und ihrer gleichmässigen Temperatur — auf denselben jede Pflanze und zwar die Pflanze jeder Zonevortheilhaft gedeihen muss.Die üppigste der Inseln ist unstreitig Kauai, und dieser folgen der Ueppigkeit nach Maui, Hawaii, Oahú, Molokai und dann die andern.Die Insel Hawaii könnte die ertragreichste dieser Inseln sein, wenn nicht die weit ausgedehnten, mit Lava bedeckten Strecken nahezu die Hälfte ihres Areales einnehmen, und die Cultivirung derselben entweder unmöglich, zu schwer oder zu kostspielig sich herausstellen würde. Ausser dieser Ursache wirkt bedeutend lähmend auf die Entwicklung der Insel die beständige Erwartung neuer Ausbrüche ihrer Vulkane, wodurch natürlich die Muthlosigkeit der Einwohner erhöht und der Unternehmungsgeist derselben gehemmt wird.Noch im Jahre 1856 war der Haupterwerbszweig der Inseln der regelmässige Besuch der hier zur Winterszeit zahlreich stationirenden Schiffe der Walfischfänger, die zu ihrem Hauptstapelplatz, seit über einem Jahrhundert, die Inselgruppe gewählt hatten.Es sollen nämlich, wie man sagt, bisweilen in denHäfen der verschiedenen Inseln bis 500 und vor Honolulu seit der Entdeckung des Hafens oft bis 170 solcher Schiffe gelegen haben, die hier ihre Provision bezogen und ein, wenn auch demoralisirtes, so doch freigebiges Leben führten.Im Frühjahr, von der Südsee kommend, würden die Schiffe hier ausgebessert, gereinigt und zum Sommerzug in den Norden gegen die Walfische der japanesischen und arktischen Gewässer und der Beringsstrasse gerüstet und die erforderliche Hülfsmannschaft unter den als Seeleute gewandten Eingebornen recrutirt.Dieses regelmässige und lange dauernde Treiben einer Horde unternehmender, meist übermüthig freigebiger Abenteurer brachte regen Handel und Wandel den Inseln, gab der Bevölkerung — freilich auf Kosten ihrer Moralität — einen guten Verdienst und die ihr beliebte Möglichkeit ihre Gewandtheit in der See gegen eine verhältnissmässig gute Besoldung als Hülfsmannschaft zu verwerthen.Von 1865 an begann merklich die Zahl dieser Schiffe abzunehmen. Die Ursache war die, dass einerseits die Walfische damals mehr nach Norden sich zurückzuziehen begannen, wodurch den Walfischfängern die nördlichen Häfen der westlichen Staaten der Vereinigten Staaten von Amerika als Stationen sich günstiger ergaben und anderseits ihnen der Reiz der bisher so freien, moralisch ungebundenen Lebensweise im Inselreiche, durch das Christenthum, durch die alljährlich zunehmende Civilisation des Landes, die Einführung geregelter Gesetze, Verpflichtungen etc. etc. genommen wurde.Im Inselreich ist zur heutigen Stunde fast vollständig diese den Inseln ergiebige Quelle versiegt und unerwartet rasch tauchte dem Lande die ernste Frage auf, durch welches Aequivalent dieser fühlbare Verlust ersetzt werden könnte.Es erblühte freilich ein unwillkürlicher Ersatz im bald fühlbaren Umschwung zum Bessern der stark gesunkenen Moralität der Nation und diesem zur Folge eine allmälig zunehmende Hemmung der bis dahin abnormen Sterblichkeit der Nation.Abgesehen von diesem geistigen Ersatz hatte das Ausbleiben der Walfischfahrer dem Inselreich noch den materiellen gebracht, dass die Bevölkerung, die bis dahin das abenteuerliche, freie Seeleben der Walfischfahrer der Landwirthschaft und der Häuslichkeit vorzogen, daher letztere vernachlässigten, sich jetzt mehr diesen Beschäftigungen hinzugeben und allmälig wieder auch die sehr vernachlässigte Fischerei zu heben begann. Die günstigsten Resultate zeigten sich bald in dem sich mehr und mehr aufschwingenden „tárro“-, Kaffeeanbau, Reisfelderanlagen — deren Aufschwung das Land den Chinesen, die fast die einzigen Anbauer derselben sind, verdankt — und Viehbetrieb.Eine rationelle Landwirthschaft wird noch Zeit erfordern, um ein nutzbares Stadium im Lande zu erreichen, da die Natur der Kanaken zu einer systematischen Entwicklung derselben zu indolent ist. Die Viehzucht hätte — Dank den nahrhaften Gräsern und dem verhältnissmässig grossen Reichthum an gesundem Wasser — eine dankbare werden können, wenn nicht die Heerden schon jetzt zu übertrieben zahlreich geworden wären und wenn nicht die Devastation der Waldungen schon jetzt die Qualität und die Ertragfähigkeit der Grasflächen durch die denselben gefährlich gewordene Schattenlosigkeit und die von Jahr zu Jahr zunehmenden Dürren vermindert hätten.Ein Aequivalent diesem schwer wieder gut zu machenden Uebel würde freilich der von Jahr zu Jahr zunehmende Anbau des Zuckerrohres bieten, wenn nicht derselbe — mit Ausnahme nur weniger nativer Grundbesitzer — ausschliesslich in den Händen einen raschen Erwerb suchender ausländischer Compagnien sich befände, wodurch der Bevölkerung die direkte Betheiligung an demselben vollständig genommen und daher auch der Nutzen desselben theilweise verloren geht.Abgesehen davon, dass das hiesige Klima, der hiesige Boden und die Lage der Landschaft günstig dem Anbau des Zuckerrohres ist, so tritt noch der günstige Umstand hinzu, dass das Zuckerrohr keinen Schatten braucht, daher die Waldvernichtung und das Schwinden der Vegetation seinem günstigen Gedeihen nicht im Wege steht, seinemBetriebe aber doch. Denn gleich wie gerade der Zuckerrohr-Anbau theilweise die Ursache der übermässigen Entwaldung gewesen, so erfordert der Betrieb einer rationellen Zuckerrohrplantage die Arbeit durch Dampf, dieser zu seiner Entwicklung das erforderliche Brennmaterial, und dieses erweckt wiederum den unaufhaltsamen Trieb zur weiteren Entwaldung. Die Entwaldungen rufen zunehmende Dürren hervor, die mit der Zeit — und das progressiv — das Land seiner natürlichen Feuchtigkeit berauben und den Wasserreichthum desselben vermindern, wodurch die Frage entsteht, wie es mit den dem Zuckerrohr erforderlichen künstlichen Bewässerungen sein wird, wenn der Fall eintritt, dass nicht mehr das genügende Wasser zu diesem Zwecke zu schaffen sein wird. Den Unglauben an die Möglichkeit eines solchen Falles verwerfen die ernsten Zeichen der jetzigen Zeit schon, da stellenweise, namentlich auf der Insel Hawaii, sich ein derartiger Mangel an Feuchtigkeit gezeigt hat, indem der an und für sich poröse vulkanische Boden die Feuchtigkeit rascher verbraucht, daher auch mit den jährlich zunehmenden Dürren die Feuchtigkeit der so kostspieligen künstlichen Bewässerungen rascher absorbirt wird.Höchst lucrativ wäre der Zuckerrohr-Anbau, wenn derselbe nicht so viel Brennmaterial erfordern würde, da das Holz, wenn die noch bestehenden Waldungen geschont werden sollen, bald nicht mehr genügend vorhanden sein wird und die importirte Steinkohle sich kostspielig erweist.Ein gewichtiger Uebelstand zu diesem Anbau liegt im Mangel der erforderlichen Arbeitskraft. Die Zuckerrohrfelder gebrauchen Arbeiter in Massen und daher billige. Sie gebrauchen Arbeiter, die die Fähigkeit besitzen, im dumpfen, feuchten, heissen Rohrdickicht auszuharren und die nüchtern, fleissig und standhaft sind.Der Kanake liebt nicht, sich zur Arbeit zu verdingen, liebt keine ihn fesselnde Arbeit und liefert daher nur selten zu dieser Arbeit fähige Individuen.Es sind Versuche — und das günstige — mit Südseeinsulanern gemacht worden, die verwandt mit dem Stammder Hawaiier, sogar eine gute Kreuzung erzeugen und eine günstige Einwanderung für das Inselreich sein würden, wenn nicht das continentale Australien dieselben in sein Land verlockten, wodurch ein Mangel derselben sich schon jetzt fühlbar macht. Es wäre der Chinese der richtigste Mann zu diesem Zweck, doch leider, solange das europäische Element seinen Einfluss im Inselreiche ausübt, wird hemmend einer gründlichen Einwanderung derselben entgegengewirkt werden, da die Furcht jener, dass diese in allen Beziehungen brauchbare, intelligente, nüchterne und arbeitsame Race einen Einfluss im Inselreiche erringen würde, höchst rege ist.Der Kaffeeanbau gedeiht im Lande, und die Kaffeestaude wird auf den Inseln sogar wildwachsend gefunden. Die Cultivirung derselben, namentlich auf den Inseln Maui und Hawaii, würde ein rentables Unternehmen sein, wie es sich 1845 erwiesen, wo ein Export von 248 Pfund sich herausstellte. Es müsste die Pflanze jedoch nur als Baum gezogen werden, um dem Lande Schatten zu geben, da in Plantagen gezogen, dieselbe zur Anlage die Devastation des Waldes erfordert und nach 60 Jahren ein wüstes Land hinterlässt, wie es sich in Ceylon so fühlbar schon erwiesen hat.Meiner Ansicht nach, einer Ansicht, die ich durch Aeusserungen verständiger Männer, die das Land kannten, gewonnen habe, wäre ein bedeutender Erwerbszweig durch eine ausgebreitete Seidenraupenzucht dem Lande eröffnet.Die klimatischen Verhältnisse sagen dem Maulbeerbaum, so auch der Raupe zu. Der Charakter der Nation — der der Frauen gleichwie der der Männer — eignet sich zu dieser, wenngleich mühsamen, so doch physisch leichten Zucht.Schon im Jahre 1840 wurden glückliche Versuche auf der Insel Kauai gemacht, die damals allem Anscheine nach die Seidenraupenzucht über die Insel Kauai rasch verbreitet hätten, wenn nicht durch den blinden Fanatismus gewisser, damals einflussreicher Missionäre — die Entheiligung des Sabbathes befürchtend — die den Raupen erforderliche Fürsorge an den Sonntagen verboten worden wäre, wodurchdas glänzend sich gestaltende Unternehmen des Mr. Titcomb vereitelt wurde.Um diesen lucrativen Erwerbszweig über das ganze Inselreich zu verbreiten, wäre verhältnissmässig wenig Kapital erforderlich, es wäre nur erforderlich eine bindende Garantie des Staates gegen Fälle, wie die des Jahres 1840 und die Fähigkeit und die Ausdauer eines Mannes wie Mr. Titcomb.In Verbindung mit der Seidenraupenzucht wäre die der Obstbaumzucht zu empfehlen, da alle Obstarten jeder Zone im Lande günstig gedeihen und demselben Schatten geben. Da die Versendung des Obstes durch die gewaltige Entfernung des Inselreiches von den Continenten möglicherweise Schwierigkeiten hervorrufen könnte, so wäre das Einmachen oder Verzuckern derselben, zu welchem die Zuckerraffinerien des Landes ihre Produktion vortheilhaft verwerthen könnten, zu empfehlen.Die beiden letztgenannten Culturen haben Folgendes für sich: dass sie zu ihrem Betriebe die Devastation der Waldungen nicht erfordern, dass sie Schatten erzeugen, dass sie keine bedeutende Arbeitskraft gebrauchen, dass sie im Kleinen gleichwie im Grossen vortheilhaft betrieben und leicht zur nationalen Ueblichkeit werden können, da ein Jeder, Arm oder Reich, im Stande sein wird, sie zu betreiben, und dem abgesehen würden dieselben allmälig auch die Indolenz der Nation ersticken und in derselben den produktiven Geist erwecken.Ein grosser Uebelstand, der im Allgemeinen jedes Unternehmen im Inselreiche erschwert oder kostspielig macht, ist, abgesehen von der isolirten Lage und der weiten Entfernung des Inselreiches von den Continenten, wodurch die Beschaffung und die Reparatur der zum Betriebe gewisser Unternehmungen erforderlichen Einrichtungen und Gegenstände nicht nur einen bedeutenden Zeitaufwand erfordern, sondern auch bedeutend kostspieliger sich stellen, die herrschende Schwierigkeit, im Lande Capitalien aufzutreiben oder — im Falle dieses mit Schwierigkeiten gelingt — im hohen Zinsfuss desselben, der für die sicherste Hypothek mindestens 12% beträgt. Wer also mit aufgenommenemKapital im Inselreiche ein Unternehmen beginnt, verfällt denselben Schwierigkeiten und dazu noch der der hohen Prozente.Diese Uebelstände, da sie durch die Lage der Inseln hervorgerufen worden sind, werden nie vollständig beseitigt werden können, und es wäre dem Lande zu seiner Blüthe, seiner Erhaltung und seinem nationalen Wohlstande laut meiner Ansicht Folgendes erforderlich:1) ihm eine, seiner Nation sympathische und zugleich lucrative Beschäftigung zu finden und dass namentlich eine, die die nationale Moralität zu heben vermag,2) das Land in klimatischer Berücksichtigung vor fernerer Entholzung zu schützen,3) die Viehzucht im Inselreiche gesetzlich zu beschränken, d. h. auf einen geringeren Massstab zu stellen, damit der Graswuchs des verhältnissmässig kleinen Areales nicht durch dieselbe in seiner Produktivität leidet,4) die Einwanderung nützlicher, sich leicht und gerne naturalisirender Elemente, wie z. B. die der Chinesen zu unterstützen, die ob einflussreich oder nicht einflussreich werdend, in beiden Fällen dem Lande in jeder Beziehung mehr Vortheil als Nachtheil bringen werden, wie es die Insel Java genügend beweist. Man muss natürlich das Land zur Erhaltung des nationalen Charakters, des nationalen Typus vor der chinesischen, gleichwie vor jeder fremdnationalen Monopolisirung schützen.5) Ein nur langsam progressiver Fortschritt und das namentlich in den Einrichtungen mit Dampfbetrieb, die soviel als möglich vermieden werden müssten.6) Erhaltung der Naturkräfte des Landes und wo dieselben durch Uebereilung oder durch die Erwerbswuth gewisser Unternehmer geschädigt worden, dieselben sofort zu ersetzen und zwar namentlich durch die Erhaltung der noch bestehenden und die Wiederpflanzung der vernichteten Waldstrecken unter dem Schutze eines geregelten Forstgesetzes.7) Erhaltung und Vermehrung der augenblicklich sichtlichschwindenden Insecten fressenden Vogel durch ein Schonungsgesetz.8) Man vermehre den Anbau des Kaffeebaumes, des Cinnamóm und des Cinchóna als auch anderer nützlicher Busch- und Straucharten, die an und für sich nützlich sind, dem Boden Schatten geben, demselben die Feuchtigkeit erhalten und daher den Graswuchs befördern, vermeide deshalb den Anbau des Kaffeebaumes als Plantage.9) Einführung der Seidenraupenzucht resp. des Maulbeerbaumes und der Obstbaumzucht. Man legatisire ein durch jährlichen Staatszuschuss sich vergrösserndes Capital zur Unterstützung und Prämirung dieser Anbauten.10) Man versuche durch Saat oder Pflanzungen des Sandelbaumes die weiten öden Strecken der Inseln wieder nutzbar zu machen.11) Man suche durch Südseeinsulaner und namentlich einwandernde Chinesen, die sich bekanntlich leicht naturalisiren und mit dem nationalen Stamme amalgamiren, die Bevölkerung der Inseln und dadurch die Arbeitskraft derselben soweit zu vermehren, dass man weniger die Dampfkraft in Anspruch zu nehmen braucht, die laut meiner festen Ueberzeugung ein unheilbares Gift dem kleinen Inselreiche werden muss, da unsere Zeit der masslosen Erwerbssucht keine Schranken kennt.12) Man suche dem einheimischen und naturalisirten Einwohner die Unternehmungen im Lande zu erleichtern und suche dem fremden durch Steuern solche zu erschweren, um ein Gleichgewicht, womöglich ein Uebergewicht zu Gunsten der ersteren zu entwickeln. Denn keine bleibende, reelle Wohlfahrt lässt sich in einem Lande erwarten, wo ein den Interessen des Landes fremd-nationales Element, das nur seines eigenen Vortheiles bedacht, die Machthabung erlangt und sozusagen die Nation des Landes verdrängt, durch welche Dominion das Land alsdann nur leidet. Wo ein fremdes Element die Machthabung im Lande hat, da wird, wenn auch eine Blüthe des Landes sich zeigt, es nur eine Scheinblüthe sein, die oft erschreckend plötzlich schwindet, sobald das machthabende fremde Element nach jahrelangem Aussaugen und Devastiren des Landes sich quasi gesättigt fühlt oder für sich keinen genügenden Vortheil mehr zu finden glaubt: ein Resultat, welches sich leider in so vielen Ländern schon gezeigt, wo ein solches machthabendes und monopolisirendes, fremdes Element gewirkt hat; namentlich in den Ländern, die unter dem philantropischen Joche oder dem Protektorate der anglo-sächsischen Race sich befinden, zeigt sich dieses Resultat in erschreckender Weise. Bei dieser Race, sobald sie die Macht errungen, wird eine sich der Corruption hingebende Tendenz auffallend entwickelt, der zur Folge Oppressionen und von Tag zu Tag zunehmend egoistische Missbräuche ihrer Gewalt mit auffallend gewandt erdachten Entschuldigungsgründen entstehen. Diese Tendenz und die Folgen derselben bilden freilich einen grellen Contrast gegen die möglicherweise auch nur scheinbare, jedoch bestehende philantropische, stets von Gerechtigkeit und Freiheit sprechende und gemäss dieses Principes constituirte Handlungsweise der regierenden Elemente ihres Mutterlandes, Englands. Dieser Contrast lässt sich, wenn er ein wirklicher und nicht ein scheinbarer blos ist, folgendermassen erklären:1) Durch die grosse Entfernung vom Mutterlande. In der Ferne ist der Auswanderer weniger der Furcht ausgesetzt, vor seinen Mitbürgern im Mutterlande zu erröthen, ist demnach in seinen Thaten ungebundner, despotischer, jähzorniger und ungerechter.2) Durch das tropische heisse Klima. Der Körper verliert daselbst leichter seine Rüstigkeit und Frische. Demzufolge verliert auch die Seele an Kraft und Frische. Hierdurch schwindet allmälig die nationale Ausdauer, die Humanität und so auch die Gerechtigkeit.3) Durch die Eigenthümlichkeiten der Länder unter den Tropen, wo die Natur und die Gebräuche sogar den Eingebornen, freilich in seiner Art, zur Weichlichkeit verleiten, und daher auch den Fremdling als Inwohnerin seiner Art verweichlichen. Denn es entsteht bei demselben eine gewisse Erschlaffung des Geistes und des Körpers, eine gewisse Gleichgiltigkeit, Fahrlässigkeit und demzufolge oft unwillkürliche Ungerechtigkeit.4) Dadurch, dass in einem Lande, wo der Fremde auf Kosten seiner Gesundheit und einer ihm unsympathischen Lebensweise, entfernt von seiner Heimath, nur hingewandert, um möglichst rasch reich zu werden oder durch pompöse Thaten und weltschallenden Ruf in Rang und Amt rasch einen Glanzpunkt zu erlangen, im Individuum die Erwerbssucht, das Selbstgefühl und der Ehrgeiz derart überhand nehmen, dass sein ganzes Streben nur nach Geld, Ruhm und auf das liebe Ich gerichtet ist, wodurch Humanität und daher auch Gerechtigkeit so leicht bei ihnen vollständig schwindet.Ich habe unter dieser Nation principielle Aussprüche gehört, die erschreckende waren und die ihre Handlungen und Tendenzen in das klare Licht stellten, so z. B.:„Es möge die verdammte Gegend, es möge das verdammte Volk des Landes, wo er sich gegenwärtig befindet, untergehen, es mögen ihre verdammten Mitbürger, ihre heimathlichen oder ausländischen Compagnons, es möge Alles untergehen, so lange sie nur dadurch reich werden oder einen Ruf erlangen können. Alle Gegenden der Erde sind ihnen zu diesem Zwecke gleich. Jungfräuliche Regionen gibt es für sie in der Welt noch viele, die sie, nachdem sie die eine ausgenutzt und verwüstet haben, von Neuem aussaugen und devastiren können.“Wie soll bei einem solchen Principe — und das einem sehr ausgebreiteten — eine Weltmacht habende Nation einem Lande und dessen einheimischem Volke auch nur den geringsten Nutzen bringen? Es kann ein solches Princip nur die Vernichtung der Kräfte des Landes und die sittliche Verderbniss des nationalen Volkes hervorrufen!Wie schon früher erwähnt, hat die intelligente Nation der Hawaii-Kanaken es verstanden, im Verlauf von 53 Jahren aus dem grellsten Barbarismus unter der Leitung einer constitutionellen Regierung sich zur Stufe eines gebildetenStaates emporzuschwingen und dies obendrein mit gewaltigen Hemmnissen, die sich ihrer natürlichen Entwicklung entgegenstellten. Diese Hemmnisse lagen in dem wenn auch nicht direkten, so doch indirekten Bestreben Englands, der Vereinigten Staaten und Frankreichs, das Inselreich zu annektiren oder, richtiger gesagt, lagen und liegen noch in der begründeten Befürchtung des Landes, dass benannte Staaten den günstigen Augenblick erwarten, um die Inseln zu annektiren, wie es meine hier nachfolgende Entwicklungsgeschichte des Inselreiches klar beweisen wird und mich berechtigt, als Motto derselben „Homo hominis lupus“ zu wählen.Zu schwach, um mit Energie und Gewalt gegen diese, ihre Selbstständigkeit und ihre Entwicklung bedrohenden Tendenz aufzutreten, oft abhängig von ihrem, der Wankelmüthigkeit oder den verlockenden Versprechungen und Zureden hinneigenden Könige, drückt die Nation moralisch, gleich wie ein Alp, der Gedanke an eine plötzliche speculative Annexion des Landes oder der des Gefühles, das Loos der Fitgi-, und Tahiti-Inseln und in Bälde auch das von Madagascar theilen zu müssen.Dieses Loos wie bei allen bisher annektirten Ländern der anglosächsischen Race, die die Verachtung der Eindringlinge gegen die Eingebornen stets zeigt, hat die Ausrottung derselben fast ausnahmslos zur Folge gehabt. Diese Ausrottung entstand und entsteht noch durch die Demoralisirung der Eingebornen in Folge der verachteten secundären Stellung, die sie nach der Annexion sofort einzunehmen gezwungen wurden und noch werden, sowie durch das Verdrängen der Nation, durch die progressive Massenzuströmung meist abenteuerlicher, erwerbgieriger Einwanderer der sie fühlbar und wirksam verachtenden weissen Race und endlich durch die Einführung nordischer Gewohnheiten, Gebräuche und Laster, namentlich durch den Import des dem Anglosachsen zum Lebensbedürfniss gewordenen Alkohols. Durch dieses den Geist des Menschen monopolisirende Gift hatten die Nordamerikaner das wirksamste Mittel gefunden, um radikal die Indianer zu vernichten,und hat dasselbe auch in den Sandwichinseln oder den Inseln von Hawaii, die noch nicht annektirt, jedoch unter dem Einflusse des anglosächsischen Elementes resp. der vereinigten Staaten sich befinden, schon seine tödtliche Wirkung gezeigt und würde jene noch verwüstender zeigen, wenn nicht die weise Regierung des Inselreiches durch ein, durch die weisse Bevölkerung des Landes stark bekämpftes Gesetz das Ausschänken und Verkaufen von Alkohol an Eingeborene, so auch das Trinken desselben im Volke gegen Strafe verboten hätte. Denn bekanntlich ist der Kannake gutmüthig von Natur, wird aber durch den Alkohol im Rausche leicht einem wilden Thiere gleich.
Mein Entschluss, — Rekapitulation meiner Eindrücke.
Mein Entschluss war, den 13. August nach Neuseeland, resp. dem 3806 Seemeilen von Honolulu entfernten Aukland mit dem prachtvollen Dampfer der „Pacific-Postdampfer-Compagnie“, der „Zelandia“, abzugehen, um später von Aukland aus nach Australien, resp. die 1057 Seemeilen nach Sydnei zu machen. —
Nachdem ich demnach die erforderlichsten Vorbereitungen zu meiner Abreise getroffen und den herrlichenTag zum nochmaligen Durchwandern der Umgebung Honolulu’s und des „Núuanú“-Thales benutzt hatte, kehrte ich heim, um mein Tagebuch über das Inselreich Hawaii mit einer Beschreibung meiner letzten Einfahrt in den Hafen, einiger Ausflüge, die ich auf der Insel „Oahú“ gemacht hatte, und einem allgemeinen Ueberblick des Inselreiches zu schliessen.
Den 11. August um 5 Uhr Morgens fand meine letzte Einfahrt in den Hafen von Honolulu, von der Insel Hawaii kommend, statt.
Aus der Entfernung bei prachtvollem Sonnenaufgang zeichnete sich dem Auge schon vor der Einfahrt in den Hafen das lieblich contrastirende dunkle Grün, in welchem die Stadt, sozusagen, versunken, das blasse Grün, vereinigt mit dem goldnen Schimmer des Sandes der die Stadt nach Süd-West begrenzenden Ebene, das hell und dunkel erscheinende Grün, die an Schattirungen, an Schluchten und Abhängen und an gefälligen Formen so reichen, zwei Gebirgsketten der Insel.
Die eine dieser Ketten und zwar die längste, durchzieht die Insel Oahú in ihrer ganzen Länge gegen Norden undheisst die Núaná.
Die andere, die sog. „Waíanae“-Kette zieht sich im Süden der nördlichen parallel und dies kurz durch den westlichen Theil der Insel.
Rechts, als südlicher, schmaler Ausläufer in den Ocean oder als südliches Ende der erstgenannten Kette erhebt sich die gewaltige Felsmasse, der „Diamont-head“, dessen scharfe kantige Basaltspitze, durch die aufgehende Sonne hell beleuchtet, in tausendfachen diamantähnlichen Strahlungen gleich einem Diadem blitzend erscheint.
Der Ursprung dieser Felsmasse ist ein rein vulkanischer und die Erscheinung derselben das treue Bild eines nach unterirdischem Wirken und schon seit längerer Zeit von dem Hawaii’schen Pluto „Kumahalii“ in Ruhestand versetzten Vasallen der Unterwelt, dem zur Ehre gleichsam bis zur nächsten Umwälzung der stolze Ehrenposten einerWache oder eines Signalisten am Eingange des Hafens anvertraut worden ist.
Am Fusse dieser glänzenden Masse, dem Strande bis Honolulu entlang, zieht sich eine, nördlich durch die Gebirgskette begrenzte, hin und wieder durch kleine Anhöhen gefällich unterbrochene, sandige schmale Fläche, die mit zierlichen Hainen schlanker Kokospalmen, üppig beschatteten Landhäusern und Dörfern besetzt ist und die sogenannten Gestade des lieblichen „Waikíki“ bildet.
Links zeichnet sich in der Ferne die schon früher erwähnte Gebirgskette Waianáe mit ihrem prachtvoll schattirten, längst schon erloschenen Vulkan „Kaula“.
Unmittelbar vor uns öffnete sich ein schmaler Durchgang zwischen zwei, durch das brandende und wirbelnde Spiel der Wogen drohend erscheinenden aber ungefährlichen Sandbänken, welcher Durchgang den Eingang in den kleinen, jedem Schiffe durch seinen tiefen und günstigen Ankergrund sicheren Hafen von Honolulu bildet.
Zahlreiche Dampfer lagen vor Anker in der Rhede, an dem Werft oder am Quai. Es sind Amerikaner, Engländer, Franzosen, Deutsche und Russen, deren nationale Farben sich entfalten. Ausserdem liegen daselbst einige Segelschiffe unter Deutscher Flagge, die zwei Hawaii-Dampfer, die „Likelíke“, der „Kilauéa“ und zahlreiche kleine wie auch grosse Schooner, kleine Fahrzeuge, die den Handels- und Passagier-Verkehr der Inseln bewerkstelligen. Ausser den benannten liegen auch zwei düstere Walfischfänger-Schiffe vor Anker mit ihren charakteristischen Ausrüstungen und ihren ausgenutzten, fetten Seitenwänden, die den sprechendsten Beweis der gewaltigen Kraft und Schwere der erlegten Thiere zeigen.
Ueber den Hafen hinweg lag, wie schon erwähnt, die wie im dunklen Grün versunkene, theilweise noch im festen Schlafe sich befindende gemüthliche Residenz und Hauptstadt des Inselreiches von Hawaii, das schattige, liebliche Honolulu.
Dicht am Quai oder dicht an dem Ufer der Bucht befinden sich die massiven Magazine und Speicher desZollamtes, die gewaltigen Handelsgebäude der Firma „Hackfield & Co.“, die Schuppen und verdeckten Einrichtungen der Officien und Bureaus der Werfte verschiedener Dampfschiff-Compagnien, Kohlenlager, Holzstapelplätze, Bretter- und Balkenlager, Schober u. s. w.
Ueber diesen Wirrwarr einer etwas eingeengten Einrichtung des Handels einer Handelsstadt hinweg erblickte man die meist einstöckigen, von schattigen Bäumen umgebenen Häuser der Stadt, aus deren Mitte sich einzelne Kirchthürme erheben.
Die römisch-katholische Kirche läutete gerade mit hellem Klang zur Frühmesse und belebte das ganze Bild, welches durch Lage, Beleuchtung oder üppige Vegetation ein reizendes zu nennen ist.
Weiter vor uns, über die Stadt, über Palmen, Cedern, Mango’s, Cypressen, Akazien, Orangen u. s. w. hinweg trifft das Auge die früher erwähnte Gebirgskette, die nördlich die Insel zum Vortheil von Honolulu in zwei unregelmässige Theile theilt.
Es zeigt sich diese Kette entweder in dunklem oder stellenweise hellem Grün eines üppigen Graswuchses oder in goldglänzendem Schimmer der von Gras oder Vegetation entblössten Stellen, die steil und an Geröll reich sind.
Diese Gebirgskette ist es, die Honolulu die ihr so unvergleichliche klimatische Gleichmässigkeit in der Temperatur giebt, da es den südlichen grösseren Theil der Insel vor den vom Norden kommenden Passatwinden schützt.
Diese Gebirgskette ist reich an Thälern und Schluchten, unter denen das lieblichste das schattige „Nuúanú“-Thal ist. Dieses Thal ist 6 Meilen lang und bietet durch die in demselben gelegenen, schmucken Villen, durch das königliche Mausoleum, sowie durch die Sommerresidenz des Königs in schöner Parkanlage und endlich durch seine üppige Vegetation einen unvergesslichen Reiz.
Links von der Einfahrt sind sandige Landzungen, die unter beständiger Wirkung der Ebbe und Fluth theils glatt, theils gleichsam mit Strichen überzogene Flächen mit sumpfigen Wasseransammlungen bilden, in denen die sogenannten Reservoires der grossen Seeschildkröten sich befinden.
In unmittelbarer Nähe dieser Reservoires erhebt sich das schmucke Gefängniss, gleichwie aus dem Wasser auftauchend, in isolirter, erhöhter Lage auf einem Felsen.
Tiefer in das Land hinein liegen zerstreut Landhäuser, Villen und Hütten im üppigsten Grün eines schwülstigen Terrains.
Weiter links sind Reisfelder der Chinesen und „tarro“-Pflanzungen der Einheimischen unter einer künstlichen Bewässerung. Denen folgt, zwischen der Küste und dem Gebirge gelegen, eine unwirthlich öde, wellenförmige Ebene mit nur spärlicher Vegetation der Dracenen, krüppeligem Gestrüpp, Cacteen und Disteln, und wilddurchworfenen Felsen-, Stein-, und Lava-Geröll. Diese starre, stets staubwirbelnde Ebene zieht sich fast ununterbrochen bis zur Bergkette von Waianae.
Das „Nuúanú“-Thal zieht sich, wie schon erwähnt, nördlich von der Stadt, allmählig steigend, in das Gebirge hinein. Durch dieses Thal führt ein guter, breiter Weg durch eine schattige Allee, an zahlreichen Villen und Landhäusern vorbei, rechts unweit der Stadt in Sicht des von Kamehámehá V. seinem Bruder, Kamehámehá IV., in idyllischer Lage am „Nuúanú“-Bache geschmackvoll erbauten Mausoleums. Dieser Weg führt ins Gebirge und ist den Bewohnern der Stadt ein höchst beliebter.
Von der sog. „Nuúanú“-Strasse kommend, bildet dieser Durchgang durch das Thal einen höchst anmuthigen Spazierweg zu Fuss, zu Pferde oder zu Wagen. In den Nachmittagsstunden ist er von Fussgängern, Reitern und Fahrenden täglich besucht. Die Reiter und Reiterinnen sind meist in Gruppen und liefern, mit Kränzen geschmückt, ein echt national malerisches Bild. Die Wagen, die man erblickt, sind ziemlich primitiver und leichter Construktion, nur selten trifft man Galagespann, dagegen aber stets muntere heitere Züge der Insassen als einen sprechenden Beweis des Genusses, den ihnen diese Unterhaltung macht und wie wohl sie sich dabei fühlen.
Oestlich vor dem Eingang in das Thal liegt ein einzelner, gleichwie von menschlicher Hand symmetrisch gebildeter Bergkegel, der in seiner Form sehr ähnlich den giganten Grabhügeln der „Inka’s“ im Grossen ist. Dieser Hügel wird genannt „des Teufels Punschbowle“. Dieser Name wurde in neuerer Zeit aus religiösen Gründen in „Punch-Bowl-hill“ umgewandelt.
Vom Gipfel dieses Hügels, den eine schon vor längerer Zeit sich gefüllte Versenkung des erloschenen Kraters „Núaná“ bildet, entfaltet sich eine herrliche Rundsicht über Stadt und Thal, den südlichen Theil der Insel und den Ocean, und wird derselbe oft zu Ausflügen und Picknicks benutzt.
Verwitterte Lavaniederströmungen zeichnen sich noch deutlich an den Böschungen des Kegels ab. Die Umgebung der jetzt gefüllten Kratervertiefung bildet ein schwülstiger, versteinerter Lavakranz. Die gegenwärtige Vertiefung beträgt nur 21′ und ist einem Mörser in der Form ähnlich.
Unmittelbar am Fusse des Kraters befinden sich noch zwei andere Vertiefungen früherer Nebenkrater, die mit Wasser gefüllt, kleine fischreiche Teiche bilden, die der Landschaft einen lieblichen und eigenthümlichen Anstrich geben, da die Insel keine Seen hat.
Auf der Höhe dieses Kegels, unmittelbar an der Kratervertiefung erhebt sich eine Flaggenstange, vor der in Reih’ und Glied eine Batterie diverser Geschütze verschiedensten Kalibers und verschiedenartigster Nationalität, mit ihren Läufen auf die Stadt und den Hafen gerichtet, stehen. Wenn die Brauchbarkeit derselben eine bessere wäre, so wäre die Lage derselben eine ausserordentliche zur Vertheidigung des Hafens und würden einen ernsteren Eindruck machen, während der jetzige Zustand der Batterie zufolge der grellen Verschiedenheit ihrer Geschütze einen lächerlichen macht.
Die Umgebung des Kegels, namentlich in südlicher Richtung der Diamantfelsenspitze zu, besteht — als Gegensatz zum üppigen Nuúanú-Thale und den lieblichen Gestaden von Waikiki — aus einer Ebene, die theilweise sandig theilweise mit altverwitterter Lava oder mit Gneiss-, Granit-,Kalkstein, Muschelstein und versteinertem Lava-Geröll überdeckt ist und auf der nur hin und wieder krüppeliges Gestrüpp, Dracenen, Cactusse, Disteln und das sogen. „pili“-Gras stellenweise wächst und eine höchst geeignete Strecke für ein Schlachtfeld bietet. Es werden auch auf derselben die Pferderennen, die kleinen Manöver der Hawaii’schen Armee und hin und wieder auch die der ausländischen Kriegsschiffe abgehalten.
Nach zurückgelegten 4 Meilen von der Stadt mit oftmaligen prachtvollen Rückblicken auf Honolulu erreicht man das sogen. „Half-Way“-Haus des Mr. Arčia, eines liebenswürdigen, höchst unterrichteten, alten Herrn, der hier eine Temperenz-Restauration mit guter Küche hält.
Nach weiteren zurückgelegten 2 Meilen von Mr. Arčia aus oder in Summa zurückgelegten 6 engl. Meilen durch das Thal, stets steigend, verengt sich dasselbe auffallend plötzlich zu einer engen Schlucht und die Vegetation nimmt mit allmählig steiler werdenden Seitenwänden ab, bis dieselben in kahle Felswände vulkanischen Charakters übergehen.
Hier beginnt das Geröll von Gneiss, porösem Granit, Basalt, Kalk-, Korallen- und Muschelstein im wildesten Durcheinander zuzunehmen, bis die Schlucht auf einer Höhe von 1200′ überraschend plötzlich aufhört.
Hier entfaltet sich ein schöner freier Blick rückwärts über den südlichen Theil der Insel und vorwärts über die sichelförmige Ebene des nördlichen Theiles derselben und nach rechts und links über den dürren, wildzerissenen Kamm des Gebirges.
Unmittelbar vor Einem liegt ein tiefer Abgrund, der die fürchterliche Stelle bildet, wo 1794 Kamehámehá I., der Grosse, seine verbündeten Feinde, den König Kuakili von Oahú, und Kaéo, König der Insel Kauai, fechtend eingedrängt und dieselben gezwungen hatte, sich mit ihren Schaaren in den 1200′ tiefen Abgrund zu stürzen, wo sämmtliche den Tod ohne Ausnahme fanden und in Folge dessen Kamehámehá I., Besitzer der Insel Oahú wurde.Noch sieht man Unmassen von Knochen der Verunglückten am Fusse des Abgrundes.
Von dieser Höhe, dem sogen. „Pali“-Pass, führte früher nur ein gefährlicher, schmaler, höchst beschwerlicher Steig zur nördlichen Seite der Insel hinab, jetzt jedoch ist eine von Sträflingen meisterhaft im Zickzack in den Felsen eingehauene, jedoch schmale Niedersteigung für Reiter vorhanden, die bei hellem Tage mit sicherem Pferde ungefährlich zu passiren ist, denn es sollen sogar am Tage leichte Einspänner den Weg gewagt haben — ein Wagniss, welches unzweifelhaft gefährlich und nicht anzurathen ist.
Den meist schwindelerregenden, oft recht glatten Zickzackweg hinabsteigend, bei vollster Sicht über die nördliche Seite der Insel und auf den glänzenden Ocean, gelangt man zur Ebene, und, über dieselbe circa 8 engl. Meilen schreitend, erreicht man den Hafenort Káneohé.
Die Ebene ist reich an Feuchtigkeit und es charakterisirt dieselbe eine sichtliche Üppigkeit des Graswuchses, in Folge dessen in Vergleich zum südlichen Theile der Insel hier schöneres, fetteres Rindvieh und namentlich schmucke Ziegen zu treffen sind. Das überaus wuchernde, stachlige „pili“-Gras macht vollständig die Schafzucht unmöglich, indem das Verschlucken dieses Grases den Schafen einen gefährlichen Husten und durch das Eindringen desselben in die Wolle eine gefährliche Entzündung der Haut verursacht.
Wenn man vom „Pali“-Pass niedersteigend anstatt gerade aus auf „Káneohé“ rechts geht, so erreicht man in südöstlicher Richtung im Distrikt Waimonalóa, das Dorf Kailua, drei engl. Meilen vom Pali entfernt.
Kailua besteht aus nur wenigen Hütten und einer Schule. Der grösste Theil des Distriktes ist Eigenthum des Oberrichters Mr. Harris. 5 Reisplantagen gaben dem Distrikt ein üppiges Aussehen. Es sind die Plantagen der Chinesen Lu-Sang, Ah-Ho, Wong-Long und Ah-Su. Zahlreiche wilde Enten, Gänse und Fasanen sind sichtbar. Letztere, die importirt, sollen sich bedeutend vermehrt und durch die ganze Insel sich schon verbreitet haben.
Den östlichen Theil des Distriktes bildet das Thal vonWaimanalóa, dessen Ausgang die dünenreichen Ufer des Oceans begrenzen. Das Thal ist fruchtbar und bildet das rentable Revier der „Waimanalóa“-Zuckercompagnie, die hier einen Landungsplatz hat, von dem aus wöchentlich viceversa eine Verbindung mit Honolulu stattfindet.
Links vom früher erwähnten Dorfe Kailúa liegen die Reisplantagen und Fischteiche von Kawainui, und links von den Reisplantagen des Ah-Ho und Lu-Sang und an der an wilden Enten, Gänsen, Tauchern, Wasserhühnern reichen Lagune von Kawainui liegt die höchst flache Strecke von Kapaá, die durchweg mit Reis und „tarro“ bebaut ist.
Auf der ganzen Strecke, wo nicht Zuckerrohr, Reis oder „tarro“ gebaut ist, befindet das Land sich unter verhältnissmässig üppigem Graswuchs, jedoch mit überwucherndem „pili“-Grase, krüppligem Gestrüpp, Cacteen, Disteln, für den Weidegebrauch verdorben.
Dieser Strecke angrenzend, dem „Pali“-Passe gegenüber, liegt das früher erwähnte Kaneohé, ein kleiner Ort mit nur einigen Hütten, 2 chinesischen Kaufläden und 2 chinesischen Restaurationen, wo man gute Unterkunft haben kann. In der Nähe derselben befindet sich eine protestantische Missionsanstalt nebst Schule und Kirche und, circa 2 Meilen entfernt, die römisch-katholische Missionsanstalt ebenfalls mit Kirche und Schule, umgeben von einer geordneten, hübschen Gartenanlage.
Den Ort bildet die Zuckerplantage des Mr. Harris mit Landungsplatz für Schooner und zahlreichen mit Steinwällen umgebenen Fischteichen.
Von Káneohé, d. h. links von der Zuckerplantage des Mr. Harris liegen in nordwestlicher Richtung zwei kleinere Zuckerplantagen und drei Reisplantagen, in welchen circa ein paar Dutzend kleine, von Kanaken oder Chinesen bewohnte Farmen zerstreut liegen und die der Landschaft einen bunten, höchst lebendigen Anstrich geben.
Auch hier, gleichwie früher besitzt das Terrain, wo kein Reis oder Zucker angebaut ist, eine üppig grüne, jedoch ebenfalls durch wucherndes „pili“-Gras und anderes Unkraut verdorbene Weide. —
Weiter nordwestlich zieht sich der sog. „Hoeii“-Distrikt, in welchem die grosse, reiche Zuckerplantage des Mr. Mc. Keague, am Ufer links vom Gebirge umgeben, liegt.
Dieser Plantage angrenzend folgt die üppige, fleissig bearbeitete Reisplantage des Chinesen Ah-Kau. Dann folgt ein fester Strandweg bis zu den Fischereigründen des Mr. C. Stewart. Dann folgt ein Weg über ein niedriges, jedoch höchst zersplittertes Gebirge in westlicher Richtung in das Thal Kaálaúloó, in welchem ausser 2 üppigen Reisplantagen auch die Zuckerplantagen der Mrs. Steves & Co. und die des Mr. Jakson mit bemerkenswerthen Fabrikseinrichtungen sich befinden. Die Wohnhäuser der letzteren namentlich liegen erhöht mit prachtvoller Sicht auf den Ocean und theilweise lieblich von den Bergen umgeben, die sich von 1500′-1800′ erheben und mit üppigem immer-grünem Gebüsch und auffallend mannigfaltigen Farnen bedeckt ist. Die Grasflächen sind üppig dem Anscheine nach, jedoch überwuchert vom „pili“-Gras. Dieses Thal soll 6 engl. Meilen lang und 1½ engl. Meilen breit sein.
Das Thal und die Zuckerplantage Jakson’s verlassend, führt dem sich schlängelndem Strande rechts entlang, dem Gebirge links entlang, ein fester, jedoch öder Weg in das „Waiáhóle“-Thal zum kleinen Dorfe gleichen Namens mit einer grossen Reismühle. Das Thal ist gefüllt mit zahlreichen kleinen Reis- und Tarro-Plantagen im buntestem Durcheinander.
Dann folgen Reisplantagen auf Reisplantagen bis zum Dorfe Waikáne, wo eine römisch-katholische und eine protestantische Missionskirche nebst den denselben gehörenden Gebäulichkeiten und circa ein Dutzend Hütten sich befinden. Diesem Dorfe folgt das Dorf Kúalóa, welches Besitz des königlichen Hofmarschalls C. H. Judd ist. Die Entfernung bis Honolulu soll 18 engl. Meilen sein. Der Betrieb des Besitzes besteht in Vieh- und Pferdezucht. Die Weide ist auffallend gut und die beste, die ich im Inselreiche getroffen. Ob die Ursache dieser bessern Weide in der Pflege derselben oder in der Bodenbeschaffenheit liegt, habe ich nicht ermitteln können. Das schöne Vieh,so auch die weidenden Pferde machen hier einen günstigen Eindruck.
Von Kúalóa 4 Meilen entfernt, liegt die Viehzucht treibende Subfarm des Mr. Judd Kauá, wo das Vieh von „Durhamer“- und die Pferde von reiner „Kentucky“-Race sind. Der Stand der Viehherde soll 500 Stück und die der Pferde 100 betragen.
Von Kauá folgt man dem hier recht steilen, üppig bewaldeten Gebirge, unmittelbar der Küste entlang durch die kleinen Dörfer Kaána, Makéo, an zahlreichen kleinen Reis- und „tarro“-Plantagen vorbei, links in Sicht eines Wasserfalles und eines höchst pittoresk gelegenen Kirchleins bis zum Dorfe Hauúla.
Von Hauúla, dem allmählig an Höhe und Vegetation abnehmenden Gebirge folgend, erreicht man Laïe, die Hauptansiedlung der Mormonen im Inselreiche, die ein Areal von 6000 Acker umfasst.
Im Jahre 1847 erschienen hier die ersten Mormonen auf ihrer Durchreise nach Californien. Einer der Apostel der Mormonen P. A. Cánnon übersetzte das Mormonen-Buch in die Hawaii’sche Sprache. Die Gemeinde des Inselreiches soll gegenwärtig 960 Seelen zählen. Sie steht unter einem Bischof. Ihr moralischer Einfluss auf den Hawaii’schen Charakter soll kein ungünstiger gewesen sein, da bei den Gliedern der Gemeinde die den Hawaiier charakterisirende Indolenz schwinden und dass Selbstbewusstsein zunehmen soll. Das nördlich gelegene Land der Mission ist unter die Glieder der Gemeinde parzellirt und befindet sich unter üppigem Reis- und „tarro“-Anbau. Der südlich gelegene Theil befindet sich unter Zuckerrohr und ist derjenige, wo die Gebäulichkeiten und die Mühle gelegen sind. Im Allgemeinen macht die Niederlassung einen geordneten, wohlhabenden Eindruck.
Laïe verlassend, folgt man in nördlicher Richtung, der nördlichsten Spitze der Insel zu und zwar durch die Ländereien von Kahukú, dem Besitz J. Campbels, einer echten Strandgegend mit gewaltigem Getöse der Wogen und der Sicht mannigfaltigster Seevögel. Das Gebirge links schwindetallmählig zu einem hochhügeligen Terrain, das eine ziemlich gute Viehweide ist. Von Kahukú schlägt man in westlicher Richtung die sogenannte Strasse von Waialúa, der südöstlichen Küste der Insel entlang, bis zum Orte gleichen Namens ein. Die Strecke ist eine wilde, öde zu nennen, die nur hin und wieder durch die verhältnissmässig üppigen Thalschluchten, die sich links in das sich wieder erhebende Gebirge ziehen, unterbrochen ist. Diese Thalschluchten sind grasreich und scheinbar durch Quellen reichlich bewässert. Der Ort Wailúa hat ausser seinen ziemlich zahlreichen Häusern 3 Kirchen, 3 Schulen und ein episkopales Seminar für Mädchen. Von hier führt ein gerader Weg in südöstlicher Richtung nach Honolulu durch das Thal von Waialúa, welches die beiden Gebirgszüge der Insel bilden und das ich auch einschlug. Die Strecke soll 25 englische Meilen betragen. Ein anderer Weg, dercirca 45 Meilen bis Honolulu gerechnet wird, umzieht den nordwestlichen Ausläufer der „Waianae“-Gebirgskette bis zur westlichsten Spitze der Insel, dem Kap Keana und folgt alsdann längs der südwestlichen Küste der Insel entlang über die Orte Waianáe und Waïpio zur „Ewa“-Fläche.
Die Strecke von Waialúa durch das breite Thal gleichen Namens ist eine ebene, meist weglose, recht wilde Weidestrecke zu nennen und ist fast vollständig unbebaut.
Die Sicht der Gebirge von beiden Seiten ist pittoresk, namentlich die der „Waiánae“-Kette rechts, die auffallend üppig bewachsen ist und aus deren sehr gedrängter Masse der circa 4060′ hohe Kaála unter strotzender Vegetation sich erhebt.
Die Vegetation dieser Gebirgsmasse bildet stellenweise ein üppiges Durcheinander von Mimosen, Orangen, Kaffeestauden, „Thy“-Gewächsen, wilden Bananen, Pandanen, Farnen, hohem Schilf,struppigem, hohem Gras, krüppeligen Sandelbäumen u. s. w., durchflochten mit den verschiedensten Schlingpflanzen und Wurzeltrieben, und giebt selbiges dem Bilde den echten Charakter einer subtropischen Vegetation. Dieses ist aber, wie gesagt, nur stellenweise und kurzweilig,da auch hier die gewinnsüchtige Hand des Menschen verwüstend gehaust hat.
Die Viehheerden, die zahlreich in Sicht, kommen einem nach dem schönen Vieh des Mr. Judd kümmerlich vor. Viele Ziegen und zwar wohlgenährte, erscheinen hier und da. Höchst auffallend ist auch hier die Stille der Natur. Die Vögel und Thiere des Waldes scheinen sich zur wasserreicheren Küste des Gebirges zu verziehen.
Bei Waïpio, wo der früher erwähnte Strandweg sich mit dem des Thales vereinigt und den Schluss des Thales bildet, liegen die Ländereien des Mr. John J-i, dem Sprössling einer alten Häuptlingsfamilie.
Rechts vom Wege sind die sogenannten „Perl-Lochs“; es sind Lagunen, die eigentlich eine seichte Korallen-Bucht des Oceans bilden, sehr fischreich sind und, wie man sagt, in früherer Zeit in ihren Vertiefungen reichhaltige Austernbänke gehabt haben sollen, was sich klar durch die zahlreichen Muscheln derselben an den Bänken beweist. Die Auster soll ganz plötzlich von den Inseln des Reiches verschwunden sein und an Stelle deren sich eine giftige Auster gezeigt haben. Die Ursache ihres Verschwindens muss aller Wahrscheinlichkeit nach eine vulkanische gewesen sein.
Das Gras der Umgebung wird allmählig auffallend saftloser und härter, — die saftigen feinen Gräser schwinden und „Pili“-Gras, Cactus-Gewächse, Disteln und Dracenen herrschen auf der Fläche.
Von hier beginnt allmählig zunehmend das Felsen-, Stein- und Lavageröll der „Ewa“-Fläche, die übrigens nichts weniger als unfruchtbar ist, da genügende Alluviale- und Schlamm-Anschwemmungen vorhanden sind und auf der bei genügender Süsswasserbewässerung, die ihr leider fehlt, die üppigste Vegetation entwickelt werden könnte, während für den Augenblick sie nur eine wilde, todte Umgebung entfaltet, in der nur hin und wieder in den kleinen Niederungen der Fläche üppiger „tarro“, Reis und Fischteiche sich zeigen.
Sechseinhalb Meilen vor Honolulu liegt „Puúloa“, die mit Viehzucht und einer Reisplantage verbundenen Salzdestillationswerke des Mr. J. Dowcett, der hier ein Areal von circa 25,000 Acker besitzt.
Kurz vor Honolulu liegt links das Asyl für Geisteskranke und die Verbesserungsschule, rechts das Gefängniss, die Quarantaine, die Schildkrötenteiche und der glänzende Ocean, und vor mir lag, durch die glänzend untergehende Sonne herrlich beleuchtet, das an schattigen Gärten so reiche Honolulu, gleich einer Gartenstadt, und die Brücke des „Panóa“-Baches überschreitend, durchzog ich die geschäftsvolle „Kings-street“ bei abendlicher Lebhaftigkeit ihrer Bevölkerung und war bald in meiner Behausung, Ecke der „Queen- und Richard-street.“
Ich will zum Schlusse meines Tagebuches einen Ueberblick meiner Eindrücke über die Constellation und den Charakter der Inseln im Allgemeinen wie im Einzelnen, sowie über die Fauna und Flora derselben wiederzugeben versuchen.
In ihrem Ursprung und ihrer Bildung sind sämmtliche Inseln dieses Archipels sich gleich, da sie bekanntlich alle durch die von Westen nach Osten, beide Continentalmassen durchschneidenden Centralvulkane der Südsee, resp. durch ihre Vertheilungen gleichwie die Gesellschaftsinseln und viele andern Inseln der Südsee aus der Tiefe gehoben und gebildet und allmählig durch Hebungen, durch Rücktritt der See, durch die Auswürfe nachträglicher Eruptionen ihrer Vulkane, durch gewaltige Ausströmungen der Lava in den Ocean und durch Anschwemmung verwitterter Lava und Gesteine ihrer Centralgebirge erweitert worden sind.
Das Gebirge resp. der Untergrund der Insel besteht aus schwarzem Basalt oder Trachyt, Dollerit, Melaphyr und Laven. Ihre Gipfel, d. h. wo nicht noch thätige Krater vorhanden, sind leicht vertieft. Die erloschenen Krater sind in ihrer Form napfförmig.
Höchst charakteristisch sind namentlich auf der Insel Hawaii die kleinen Reihenvulkane im nordwestlichen Theile der Insel: die „Koála“-Berge, und im südöstlichen Theile die Reihengebilde bei Kapéla und Kalahía, Letztere sind prismatische.
Der eisenhaltige mit Jod, Brom, Schwefel, saurem Natron, Gips und Kalk geschwängerte Humus der Inseln besteht aus Kieselerde, Thonerde, Alkalien, Kalkerde, aufgelösten alluvialen oder organischen Anschwemmungen, aufgelösten Vegetabilien und aus Sand, welcher durch gewaltige Herbeispülung des Grundes der Untiefe des Ocean’s durch die Woge, als angehäufte Sandmassen der Umgebung der Ufer oft in Dünen sich zeigt und durch Luft oder durch die Seewinde getrocknet, sich durch Stürme weiter in das Land und über dasselbe allmählig vertheilt hat.
Auch die Korallenbänke, die sich nur am südlichen Ufer der Inseln befinden und die Riffe, sind oft mit solchen Sandanhäufungen umgeben oder überzogen, Sandbänke bildend.
Unter den Laven der Vulkane, die blasenförmige Lücken bilden, findet man meist basaltische resp. feinkörnig krystallische und gleichmässig gemischte, sowie auch erdige resp. äusserst feinkörnige, kleine, krystallinische Theile bildend, obgleich dieselben oft ein porphyrartiges Aussehen haben.
Die Asche, gleichwie der Sand der Vulkane, sind fein zu grauem Mehl oder Kies zertheilte Lava oder Krystalle von Feldspath, Titaneisen, Magneteisen, Olivin, Achat u. s. w.
Die Fauna der Inseln ist im Allgemeinen die gleiche und ist nicht nur in ihrer Mannigfaltigkeit, sondern im Grossen und Ganzen eine arme zu nennen, und ich will, wie folgt, einen kurzen Ueberblick geben.
1)Säugethiere: Mammalia. Von Säugethieren gibt es einheimische keine, es sei denn, der Walfisch und die Delphinenarten des Oceanes. Die im Inselreiche gegenwärtig vorhandenen Säugethiere sind importirte, die theilweise in früherer Zeit importirt und verwildert sind, wie das Schwein und der Ochse, die man auf den Hochplateaus der Insel Hawaii irrthümlicher Weise als Büffel und Eber jagt sowie ferner in neuerer Zeit importirte Rehe und Hirsche, die sich wie man sagt, ausserordentlich vermehren sollen, denen ich aber bei meinen Ausflügen auf den Inseln nicht begegnet bin. Die Schweine müssen aller Wahrscheinlichkeit in urältester Zeit, vielleicht zur Zeit der Einwanderung der jetzigen Race der Bevölkerung, die einewestmalayische ist, importirt worden sein. Da die Hawaiier, als das erste Rindvieh und andere ihnen unbekannte Säugethiere importirt wurden, stets dieselben mit dem Namen „Schweine“ bezeichneten, wie z. B., als Vancouver in das Land das erste Rindvieh als Geschenk dem Könige Kamehá-mehá I. brachte, benannten sie dasselbe als „puaá-pepei-aúhaó“, d. h. „Schweine mit grossen Hörnern“.
1)Säugethiere: Mammalia. Von Säugethieren gibt es einheimische keine, es sei denn, der Walfisch und die Delphinenarten des Oceanes. Die im Inselreiche gegenwärtig vorhandenen Säugethiere sind importirte, die theilweise in früherer Zeit importirt und verwildert sind, wie das Schwein und der Ochse, die man auf den Hochplateaus der Insel Hawaii irrthümlicher Weise als Büffel und Eber jagt sowie ferner in neuerer Zeit importirte Rehe und Hirsche, die sich wie man sagt, ausserordentlich vermehren sollen, denen ich aber bei meinen Ausflügen auf den Inseln nicht begegnet bin. Die Schweine müssen aller Wahrscheinlichkeit in urältester Zeit, vielleicht zur Zeit der Einwanderung der jetzigen Race der Bevölkerung, die einewestmalayische ist, importirt worden sein. Da die Hawaiier, als das erste Rindvieh und andere ihnen unbekannte Säugethiere importirt wurden, stets dieselben mit dem Namen „Schweine“ bezeichneten, wie z. B., als Vancouver in das Land das erste Rindvieh als Geschenk dem Könige Kamehá-mehá I. brachte, benannten sie dasselbe als „puaá-pepei-aúhaó“, d. h. „Schweine mit grossen Hörnern“.
Einen Widerspruch zu meinem Ausdrucke „keine Säugethiere“ bilden die Fledermäuse, die sich als einziges einheimisches Säugethier manigfaltig und zahlreich zeigen.
Die im Inselreiche sich stark vermehrenden Mäuse und Ratten sind unzweifelhaft durch die Schiffe der Walfischfahrer oder andern importirt worden, da dieselben im Innern der Insel nur selten zu treffen sind.
2)Vögel(aves).a.Raubvögel(aves rapaces) sind als Seeadler, Fischadler und Habichte zu finden. Nachtraubvögel sollen nicht vorhanden sein.b.Singvögel(aves oscines) sind verhältnissmässig wenige vorhanden und das nur Zugvögel, z. B. Lanius colurio, der Neuntödter, und Lanius minor, der kleine Würger, Wiedehöpfe u. s. w. Der Paradiesvogel soll früher einheimisch gewesen sein, Paradisea apoda.c.Klettervögel(Scansores. —) Ebenfalls sind nur einige Zugvögel derselben vorhanden, z. B. der von Jahr zu Jahr seltener werdende Trogu.d.Schreivögel(Clamatores), ebenfalls nur Zugvögel, z. B. der rabenähnliche Coracias, der Buceros rhinoceros und andere.e.Tauben(Columbae) sind sehr zahlreich vertreten und doch auch nur als Zugvögel, z. B. die Wandertaube, Columba migratoria, die Turteltaube, Columba turtur, verschiedene Kronentauben u. A.f.Hühnervögel(Galinacei) sind auch nur Zugvögel z. B. die Wanderwachtel, Coturnix, das Fusshuhn, Megapodium. Die sich stark vermehrenden Fasanenverschiedener Arten, namentlich der chinesische Silberfasan und andere echte Hühnervögel sind zur Zeit des Königs Kamehá-mehá III. importirt worden.g.Laufvögel(Cursores) gibt es nicht.h.Sumpfvögel(Grallatores) sind wenige vorhanden und zwar nur Zugvögel, z. B. Regenpfeiferarten, Schnepfenarten und Fischreiher.i.Wasservögel(Natatores). Ausser den an den Ufern des Oceans sichtbaren Tauchern, Alken, Möven, Albatros, Seeschwalben, trifft man in den Sümpfen der Hochebenen Schwäne, Gänse, Enten, von letztern sind mehrere wahrscheinlich, Dank den klimatischen Verhältnissen, ständige.3)Reptilien(Reptilia). Mit Ausnahme der Seeschlangen, Hydrophis, verschiedener Schildkröten des Meeres, unter denen auch die Chelonia imbricata, die Riesenschildkröte sich zeigt und auf dem Lande einiger Eidechsenarten gibt es keine Reptilien.4)Lurchen(Amphibiae) sind verhältnissmässig nicht stark vertreten. Man findet jedoch den Grasfrosch, Rana esculenta, den dunkelbraun gefärbten Rana temporaria und die Unken. Den gefleckten Salamander habe ich nur einmal und das auf der Insel Kauai getroffen, ein Beweis, dass er vorhanden sein muss.5)Fische(Pisces) sind höchst manigfaltig in ihren Arten im Meere. Im Süsswasser gibt es nur importirte, die sich überraschend vermehren.6)Insecten(Insecta).a.Käfer(Coleoptera) sind als einheimische nicht manigfaltig. Seit dem Eindringen der Kultur der Europäer und dem Importe von Vieh nehmen sie an Manigfaltigkeit zu, z. B. Schwimmkäfer, Keulenhörner als: Aaskäfer, Todtengräber etc.; Schnellkäfer, Weichkäfer, Schattenkäfer, z. B. der Mehlkäfer; Rüsselkäfer, die sehr zahlreich mit dem Reis und Zuckerrohr eingeführt werden; Blattkäfer, die sehr zahlreiche und wie es scheint, „indigenae“ sind; Zwergkäfer sind zahlreichin den Moosen und Flechten und sind „indigenae“ zu betrachten.b.Hautflügler(Hymenoptera) sollen früher nicht vorhanden gewesen sein und erst durch die Cultur der Europäer, Amerikaner und Chinesen importirt, sich stark vermehren, z. B. verschiedene Blattwespen, Schlupfwespen u. s. w., sowie die verschiedensten Ameisenarten. Die Biene wird mit Macht importirt, da sie im Lande nicht einheimisch, in demselben jedoch ausserordentlich günstig fortkommt.c.Schmetterlinge— (Lepidoptera) sind nicht manigfaltig, theilweise jedoch scheinbar einheimisch. Sie nehmen gleichwie die vorhergehenden Insecten durch zufälligen Import der Larven oder Puppen bedeutend zu.d.Zweiflügler— (Diptera) sollen früher nicht vorhanden gewesen und erst durch Europäer, Amerikaner und Chinesen eingeführt worden sein, z. B. verschiedene Mückenarten, die Sandfliege und andere Fliegen nehmen an Manigfaltigkeit und Zahl im Inselreiche erschreckend zu.e.Netzflügler— (Neuroptera), die gleichwie die letzteren früher nicht vorhanden, nehmen jetzt bedeutend zu, z. B. die Florfliege — Chlorops und Kameelhalsfliegen etc.f.Geradflügler— (Orthoptera) sind verhältnissmässig nicht manigfaltig, nehmen aber ebenfalls zu und das namentlich in Folge der zunehmenden Dürre des Landes, z. B. Feldgrillen, Heimchen, Heuschrecken, Zirpen.g.Halbflügler— (Rhynchofera) sind sehr zahlreich und manigfaltig, als: Baumwanzen, Blattwanzen, Schildwanzen, Bettwanzen, Ohrwürmer.h.Flügellose(Aphoniptera) — als: Flöhe, Läuse in Form von Pflanzen- und Thier-Parasiten. Das aus Amerika mit Zucker importirte, höchst lästige, sog. Silberfischchen, Lepisma sacharina, ist zahlreich vorhanden.7)Tausendfüssler(Miriapoden) sollen früher im Lande vollständig unbekannt gewesen und erst durch Europäer,Amerikaner und Asiaten eingeführt worden sein und sie vermehren sich sichtbar als Tausendfüssler und Skolopender.8)Spinnenthiere, (Arachnoiden) findet man als eigentliche Spinnen (Araneiden), und Milben in grosser Manigfaltigkeit und scheinen theilweise einheimisch gewesen zu sein, sich jedoch in ihrer Manigfaltigkeit in Folge des Fremdenverkehres bedeutend vermehrt zu haben. Scorpione, sowie auch die Tarantel waren früher vollständig im Lande unbekannt gewesen und sind rein importirte, sich ausserordentlich vermehrende Qualen des Landes geworden.9)Krustenthiere(Crustacea). Von den Krebsen findet man nur Krabben. Unter den Stachelfüssern kommt der Limulus polyphemus und unter den Rankenfüssern die an den Riffen festsitzenden Meereicheln verschiedener Arten vor.10)Räderthiere, (Rotatoria) kommen wahrscheinlich im Süsswasser der Inseln vor.11)Würmer(Vermes) sind in den verschiedensten Arten im Ocean und auf dem Lande zu finden, z. B. unter den Ringelwürmern die Seeraupe, Aphrodite, der Meerskolopender, Syllio, der Röhrenwurm, Serpula, im Ocean und Regenwürmer auf dem Lande u. s. w. Eingeweidewürmer sind natürlich vorhanden. Die Trichinen und Bandwürmer waren früher unbekannt und sind als importirte angesehen, sind aber wahrscheinlich unbemerkt vorhanden gewesen.12)Weichthiere, (Moluska) unter denen von den Kopffüssern, Cephalopoden, Octopusse, Loligusse, Nautilusse. Schnecken sind zahlreich im Ocean, nur wenige auf dem Lande, letztere nehmen jedoch ebenfalls durch den Import verschiedener Pflanzen an Manigfaltigkeit zu, z. B. die nackte Wegschnecke, Arion, Limax und Boulimus-Arten; Kammkiemer-Arten sind im Ocean höchst manigfaltig vertreten, unter denen namentlich hervorzuheben sind: Die Fasianella bulimoides, Solarium perspectivum, Nerita polita, Cyprea tigris, Conus generalis, Strombus gigas, Cassis- und Murex-Arten. Kielfüsser (Hetéropoda) sind zahlreich im Ocean vorhanden, als namentlich in grossenMassen der Clio borealea als bekanntes Futter der Walfische.13)Strahlthiere, (Radiata). Unter den Muschelthieren sind namentlich die Austern hervorzuheben, die früher im Inselreich sehr zahlreich gewesen, was die zahllosen Gehäuse derselben an den Korallenbänken beweisen. Augenblicklich sind im Inselreiche keine lebenden vorhanden. Das plötzliche Verschwinden derselben lässt sich nur in Folge vulkanischer Einwirkungen erklären. Das Merkwürdige bei der Sache ist nur, dass an Stelle derselben ein austernartiges und zwar ein höchst giftiges Thier sich eingefunden hat, welches ebenfalls an den Korallenbänken haftend, die Eigenschaft hat, jede durch dasselbe erzeugte Wunde lebensgefährlich zu machen. Das Gift desselben ist bisher noch nicht untersucht worden. Die Eingebornen benennen die Muschel „Kaunóa“. — Ausserdem sollen Maleus-Arten, Pinna-Arten z. B. Pinna (squamosa), verschiedene Theredo und Solen, als Armfüsser, z. B. Liegula terebrátula, und auch andere vorhanden sein. Die Mantelthiere sind sehr zahlreich und meistphosphorescirend. Unter den Sternwürmern, unter denen z. B. der Holothuria tubulosa, sind verschiedene Arten zu finden, und unter den Stachelhäutern, z. B. der Oreaster reticulatus und Pentacrinus caput Medusae.14)Moosthiere, (Bryozóa) scheinen nicht vorhanden zu sein.15)Darmlose Thiere, (Coelentherata), findet man als Quallen, z. B. Acalepha medusa und Physóphora; als Polypen, die überaus zahlreich vertreten, die Mecandrina daedalea, oder Labyrinth-Koralle, die Horn-Koralle Gorgonia, die Korkkoralle Tubipora musica. —16)Urthierchen, (Protozoa), sind natürlich im Ocean, wie im Süsswasser zu finden, namentlich Schwämme, Spongien, an den Korallenbänken und am Grunde des Oceanes.
2)Vögel(aves).
a.Raubvögel(aves rapaces) sind als Seeadler, Fischadler und Habichte zu finden. Nachtraubvögel sollen nicht vorhanden sein.
b.Singvögel(aves oscines) sind verhältnissmässig wenige vorhanden und das nur Zugvögel, z. B. Lanius colurio, der Neuntödter, und Lanius minor, der kleine Würger, Wiedehöpfe u. s. w. Der Paradiesvogel soll früher einheimisch gewesen sein, Paradisea apoda.
c.Klettervögel(Scansores. —) Ebenfalls sind nur einige Zugvögel derselben vorhanden, z. B. der von Jahr zu Jahr seltener werdende Trogu.
d.Schreivögel(Clamatores), ebenfalls nur Zugvögel, z. B. der rabenähnliche Coracias, der Buceros rhinoceros und andere.
e.Tauben(Columbae) sind sehr zahlreich vertreten und doch auch nur als Zugvögel, z. B. die Wandertaube, Columba migratoria, die Turteltaube, Columba turtur, verschiedene Kronentauben u. A.
f.Hühnervögel(Galinacei) sind auch nur Zugvögel z. B. die Wanderwachtel, Coturnix, das Fusshuhn, Megapodium. Die sich stark vermehrenden Fasanenverschiedener Arten, namentlich der chinesische Silberfasan und andere echte Hühnervögel sind zur Zeit des Königs Kamehá-mehá III. importirt worden.
g.Laufvögel(Cursores) gibt es nicht.
h.Sumpfvögel(Grallatores) sind wenige vorhanden und zwar nur Zugvögel, z. B. Regenpfeiferarten, Schnepfenarten und Fischreiher.
i.Wasservögel(Natatores). Ausser den an den Ufern des Oceans sichtbaren Tauchern, Alken, Möven, Albatros, Seeschwalben, trifft man in den Sümpfen der Hochebenen Schwäne, Gänse, Enten, von letztern sind mehrere wahrscheinlich, Dank den klimatischen Verhältnissen, ständige.
3)Reptilien(Reptilia). Mit Ausnahme der Seeschlangen, Hydrophis, verschiedener Schildkröten des Meeres, unter denen auch die Chelonia imbricata, die Riesenschildkröte sich zeigt und auf dem Lande einiger Eidechsenarten gibt es keine Reptilien.
4)Lurchen(Amphibiae) sind verhältnissmässig nicht stark vertreten. Man findet jedoch den Grasfrosch, Rana esculenta, den dunkelbraun gefärbten Rana temporaria und die Unken. Den gefleckten Salamander habe ich nur einmal und das auf der Insel Kauai getroffen, ein Beweis, dass er vorhanden sein muss.
5)Fische(Pisces) sind höchst manigfaltig in ihren Arten im Meere. Im Süsswasser gibt es nur importirte, die sich überraschend vermehren.
6)Insecten(Insecta).
a.Käfer(Coleoptera) sind als einheimische nicht manigfaltig. Seit dem Eindringen der Kultur der Europäer und dem Importe von Vieh nehmen sie an Manigfaltigkeit zu, z. B. Schwimmkäfer, Keulenhörner als: Aaskäfer, Todtengräber etc.; Schnellkäfer, Weichkäfer, Schattenkäfer, z. B. der Mehlkäfer; Rüsselkäfer, die sehr zahlreich mit dem Reis und Zuckerrohr eingeführt werden; Blattkäfer, die sehr zahlreiche und wie es scheint, „indigenae“ sind; Zwergkäfer sind zahlreichin den Moosen und Flechten und sind „indigenae“ zu betrachten.
b.Hautflügler(Hymenoptera) sollen früher nicht vorhanden gewesen sein und erst durch die Cultur der Europäer, Amerikaner und Chinesen importirt, sich stark vermehren, z. B. verschiedene Blattwespen, Schlupfwespen u. s. w., sowie die verschiedensten Ameisenarten. Die Biene wird mit Macht importirt, da sie im Lande nicht einheimisch, in demselben jedoch ausserordentlich günstig fortkommt.
c.Schmetterlinge— (Lepidoptera) sind nicht manigfaltig, theilweise jedoch scheinbar einheimisch. Sie nehmen gleichwie die vorhergehenden Insecten durch zufälligen Import der Larven oder Puppen bedeutend zu.
d.Zweiflügler— (Diptera) sollen früher nicht vorhanden gewesen und erst durch Europäer, Amerikaner und Chinesen eingeführt worden sein, z. B. verschiedene Mückenarten, die Sandfliege und andere Fliegen nehmen an Manigfaltigkeit und Zahl im Inselreiche erschreckend zu.
e.Netzflügler— (Neuroptera), die gleichwie die letzteren früher nicht vorhanden, nehmen jetzt bedeutend zu, z. B. die Florfliege — Chlorops und Kameelhalsfliegen etc.
f.Geradflügler— (Orthoptera) sind verhältnissmässig nicht manigfaltig, nehmen aber ebenfalls zu und das namentlich in Folge der zunehmenden Dürre des Landes, z. B. Feldgrillen, Heimchen, Heuschrecken, Zirpen.
g.Halbflügler— (Rhynchofera) sind sehr zahlreich und manigfaltig, als: Baumwanzen, Blattwanzen, Schildwanzen, Bettwanzen, Ohrwürmer.
h.Flügellose(Aphoniptera) — als: Flöhe, Läuse in Form von Pflanzen- und Thier-Parasiten. Das aus Amerika mit Zucker importirte, höchst lästige, sog. Silberfischchen, Lepisma sacharina, ist zahlreich vorhanden.
7)Tausendfüssler(Miriapoden) sollen früher im Lande vollständig unbekannt gewesen und erst durch Europäer,Amerikaner und Asiaten eingeführt worden sein und sie vermehren sich sichtbar als Tausendfüssler und Skolopender.
8)Spinnenthiere, (Arachnoiden) findet man als eigentliche Spinnen (Araneiden), und Milben in grosser Manigfaltigkeit und scheinen theilweise einheimisch gewesen zu sein, sich jedoch in ihrer Manigfaltigkeit in Folge des Fremdenverkehres bedeutend vermehrt zu haben. Scorpione, sowie auch die Tarantel waren früher vollständig im Lande unbekannt gewesen und sind rein importirte, sich ausserordentlich vermehrende Qualen des Landes geworden.
9)Krustenthiere(Crustacea). Von den Krebsen findet man nur Krabben. Unter den Stachelfüssern kommt der Limulus polyphemus und unter den Rankenfüssern die an den Riffen festsitzenden Meereicheln verschiedener Arten vor.
10)Räderthiere, (Rotatoria) kommen wahrscheinlich im Süsswasser der Inseln vor.
11)Würmer(Vermes) sind in den verschiedensten Arten im Ocean und auf dem Lande zu finden, z. B. unter den Ringelwürmern die Seeraupe, Aphrodite, der Meerskolopender, Syllio, der Röhrenwurm, Serpula, im Ocean und Regenwürmer auf dem Lande u. s. w. Eingeweidewürmer sind natürlich vorhanden. Die Trichinen und Bandwürmer waren früher unbekannt und sind als importirte angesehen, sind aber wahrscheinlich unbemerkt vorhanden gewesen.
12)Weichthiere, (Moluska) unter denen von den Kopffüssern, Cephalopoden, Octopusse, Loligusse, Nautilusse. Schnecken sind zahlreich im Ocean, nur wenige auf dem Lande, letztere nehmen jedoch ebenfalls durch den Import verschiedener Pflanzen an Manigfaltigkeit zu, z. B. die nackte Wegschnecke, Arion, Limax und Boulimus-Arten; Kammkiemer-Arten sind im Ocean höchst manigfaltig vertreten, unter denen namentlich hervorzuheben sind: Die Fasianella bulimoides, Solarium perspectivum, Nerita polita, Cyprea tigris, Conus generalis, Strombus gigas, Cassis- und Murex-Arten. Kielfüsser (Hetéropoda) sind zahlreich im Ocean vorhanden, als namentlich in grossenMassen der Clio borealea als bekanntes Futter der Walfische.
13)Strahlthiere, (Radiata). Unter den Muschelthieren sind namentlich die Austern hervorzuheben, die früher im Inselreich sehr zahlreich gewesen, was die zahllosen Gehäuse derselben an den Korallenbänken beweisen. Augenblicklich sind im Inselreiche keine lebenden vorhanden. Das plötzliche Verschwinden derselben lässt sich nur in Folge vulkanischer Einwirkungen erklären. Das Merkwürdige bei der Sache ist nur, dass an Stelle derselben ein austernartiges und zwar ein höchst giftiges Thier sich eingefunden hat, welches ebenfalls an den Korallenbänken haftend, die Eigenschaft hat, jede durch dasselbe erzeugte Wunde lebensgefährlich zu machen. Das Gift desselben ist bisher noch nicht untersucht worden. Die Eingebornen benennen die Muschel „Kaunóa“. — Ausserdem sollen Maleus-Arten, Pinna-Arten z. B. Pinna (squamosa), verschiedene Theredo und Solen, als Armfüsser, z. B. Liegula terebrátula, und auch andere vorhanden sein. Die Mantelthiere sind sehr zahlreich und meistphosphorescirend. Unter den Sternwürmern, unter denen z. B. der Holothuria tubulosa, sind verschiedene Arten zu finden, und unter den Stachelhäutern, z. B. der Oreaster reticulatus und Pentacrinus caput Medusae.
14)Moosthiere, (Bryozóa) scheinen nicht vorhanden zu sein.
15)Darmlose Thiere, (Coelentherata), findet man als Quallen, z. B. Acalepha medusa und Physóphora; als Polypen, die überaus zahlreich vertreten, die Mecandrina daedalea, oder Labyrinth-Koralle, die Horn-Koralle Gorgonia, die Korkkoralle Tubipora musica. —
16)Urthierchen, (Protozoa), sind natürlich im Ocean, wie im Süsswasser zu finden, namentlich Schwämme, Spongien, an den Korallenbänken und am Grunde des Oceanes.
DieFlorades Inselreiches von Hawaii besteht, seit der ursprünglich die Gruppe der Inseln dicht bewaldende Sandelbaum vollständig geschwunden ist, aus verschiedenenstämmigen Akazien und Mimosen, baum- und strauchartigen Euphorbien, Mirtaceen, aus üppigen Balsamgewächsen, baumartigen Nesselgewächsen, Coronarien und Rosifloren, aus Cicadeen und den manigfaltigsten Farren und zwar bis zum Baumfarn, untermischt mit Pandonen, Pfeffergewächsen, Dracenen und verschiedensten Kryptogamen.
Die Grasflächen, die früher von üppigen Bäumen des Waldes beschattet waren, bestanden vorherrschend aus Cyperaceen, unter deren Schatten wiederum die saftigsten feinen Gräser vorhanden waren. Gegenwärtig, in Folge der Entwaldungen und hierdurch zunehmend eintretenden Dürren verhärten sich die Cyperaceen, schwinden die feinen Gräser, an deren Stelle Disteln, Cacteen, Coronarien, krautartige Farren, Schachtelhalme und verschiedenes Unkraut traten.
Die Kokospalme zeigt sich an den Ufern der Inseln, stellenweise Haine bildend, scheint mir jedoch eine importirte Pflanze zu sein, da man dieselbe nur in Nähe der Dörfer in Hainen und nie vereinzelt im Inselreiche trifft. Sehr wahrscheinlich ist es, dass dieselbe mit dem jetzigen Stamme der Bevölkerung der Inseln eingewandert ist.
Auf den Ackerfeldern findet man meist nur „tarro“, Reis und Zuckerrohr gebaut.
Die Ueppigkeit der Flora, wo dieselbe vorhanden, ist eine auffallend reichhaltige, doch zeigt dieselbe durchweg den verwüstenden Einfluss entweder des vulkanischen Elementes oder der menschlichen Hand.
Um einenUeberblickderselben zu geben, will ich die Haupttypen der Flora des Inselreiches und die charakteristischsten Pflanzen derselben, wie folgt, zu schildern suchen:
I.Cryptogamen.1) Algen, (Algae) sind überaus zahlreich vertreten.2) Pilze,(Fungi) sollen weniger vertreten sein, in neuerer Zeit sich jedoch bedeutend vermehren.3) Flechten, (Lichenes) sind in den verschiedensten Typen vorhanden.4) Charen (Chareen), desgleichen.5) Lebermoose, (Hepoticeen) desgleichen.6) Laubmoose, (Musci frondosi) in manigfaltigster Art.7) Farren, (Felices), sind im Inselreiche sehr reich vertreten und ich glaube behaupten zu dürfen, dass es schwer halten würde, von dem kleinsten Krautfarn bis zum prachtvollen Baumfarn eine existirende Art derselben im Lande nicht zu finden. Die Farren bilden den Hauptcharakter der hiesigen Vegetation und vertreten in ihrer Ueppigkeit die Palmenvegetation, die hier im Lande nur wenig vertreten ist. Pterus esculenta, ein Krautfarn, wird im Lande seines mehlhaltigen Stengels wegen genossen und „púlu“ genannt.8) Schachtelhalme, (Equisetaceen) sind zahlreich und mannigfaltig im Inselreich vertreten und wuchern in den Weideflächen, in den Waldungen und auf der Heide.9) Natternzungengewächse, (Ophioglosseae) sind ebenfalls zahlreich vertreten.10) Wurzelfrüchtler, (Rhizogarpeen), kommen an den Bächen der Insel vor und das namentlich Marzilia-Arten, von denen einige von den Eingebornen als Speise benutzt werden.11) Bärlappen, (Lycopodiaceen) sind zahlreich vertreten.II.Phanerogamen.A.Nacktsamige, (Angiospermen.)12) Cycadeen vertreten im Inselreiche mit den Farren die Stelle der Palmen.13) Nadelhölzer, (Acerosae), sind nur als importirte vorhanden, als z. B. Coniferen; fraglich bleibt es jedoch, ob nicht Gnetaceen einheimischer Art vorhanden sind.B.Bedecktsamige(Gymnospermen).14) Monocotyledonen — Einsamenlappige.a. Fluriales}sind wahrscheinlich vorhanden, jedoch mir unbewusst. —b. Helobiaec. Hydrocharidesd. Kolbenblüthige, Spadiciflorae, sind hier manigfaltig vertreten, als: Calaceen; Aroideen, z. B. der „tarro“ oder „Kálo“ genannt, (Arum esculentum), dessenWurzel von den Eingeborenen als Hauptnahrungsmittel benützt wird; Thyphaceen als hochwüchsige Sträucher und als Schilf. Das Schilf und die Blätter werden zur Bedachung der Hütten und als Flechtwerk für Wände derselben benutzt. — Pandanen, z. B. der Pandanus verus, dessen Blüthen gemischt mit den Blättern des „Nioi“, (einer Atrocarpeae) von einheimischen Aerzten, den „Kahuna’s“ als Mittel gegen Fieber mit Erfolg gebraucht wurden, und der Pandanus littoralis, aus dessen Saugwurzeln der feste Bast zum Flechten der hiesigen Matten gewonnen wird.e. Palmen, (Principes) sind nur selten zu finden und das nur krüppelig. Die Kokospalme, die hin und wieder Haine bildend, an der Küste zu finden, ist wie schon früher erwähnt eine in urältester Zeit importirte Pflanze gleich wie die areca-cleracea.f. Spelzenblüthige, (Glumaceae) — sind als Gräser, (Gramineen) weniger vertreten und mehr krautartig vorhanden. Desto manigfaltiger sind aber die Cyperaceen, unter denen z. B. die „papaia“, eine carex, deren Wurzel oder Erdmandel, zerrieben und gemischt mit den zerriebenen Blättern des „Kowali“ (die ipomea pescaprae) und mit Salz vermengt, als Umschlag ein gutes Mittel gegen Verrenkungen ist; das „pili“-Gras, welches ein wucherndes Unkraut der Gegenden des ganzen Inselreiches ist, von den Pferden und dem Rindvieh hin und wieder gleichwie als Heilmittel aufgesucht und mit Begierde gefressen wird, ist aber durch seine stacheligen Samenkapseln den Schafen sehr gefährlich, da dieselben entweder bei ihnen eine Entzündung des Halses oder der Haut erzeugen.Die Weideflächen waren einstmals mit Gräsern, Cyperaceen und nahrhaften Kräutern anderer Ordnungen und Familien reichhaltig bewachsen und obgleich sie nie, — wie es im Allgemeinen in allen tropischen und subtropischen Ländern der Fall ist — Wiesen bildeten, wie bei uns, so hatten sie aberden Ruf einer grossen Ueppigkeit und Nahrhaftigkeit. Seit der Entholzung des Landes schwinden die saftigen Kräuter, unter deren Schatten feinere Gräser die sengenden Sonnenstrahlen ertragen konnten, und daher schwinden auch die letzteren und es treten an ihre Stelle saure, harte Gräser oder graslose Flächen. Abgesehen von der Entholzung des Landes haben hierzu namentlich die übermässig zahlreichen Viehheerden beigetragen, als auch der Trieb einiger eingewanderter Unternehmer, an Stelle der natürlichen Weide der Tropen Wiesen unserer Art zu creiren, deren Bestand durch die Sonnenstrahlen der Tropen unmöglich gemacht wird.g.Kronenblüthige, (Coronariae) sind manigfaltig vertreten, als: Binsengewächse in den Weideflächen; Spargelgewächse, z. B. Dracena draco, als Baum, der „Ki“ (Dracena terminalis), dessen Stengel, Blätter und Wurzeln, die aufgeweicht zur Heilung gebrochener, verletzter, geschwollener Glieder des Körpers als Umschläge von den „Kahunas“ gebraucht wurden; und manigfaltige Aloineen.h. DieYemspflanzen(Dioscoreae), sehr manigfaltig vertreten, so z. B. der „uhi“, Dioscorea pentaphylla, die als sedatives Mittel von den „Kahuna“ gebraucht wurde; es wurden nämlich die Wurzeln zerstampft und ¼ Liter Wasser zu ¼ Pfund dieser Masse für den Gebrauch gemengt und es ist höchst bemerkenswerth, dass dieses Mittel von den Malaien in vollständig gleicher Art zubereitet und als „ubi“ benannt, gebraucht wird; die Dioscorea patata wird als Nahrungsmittel benutzt.i.Schwertlilien, (Ensatae), sind sehr manigfaltig vertreten als Agaven, Ananasgewächse u. s. w. — Sehr verbreitet, namentlich in den Weideflächen der Hochebenen ist die Ensis argentea, deren Blätter in der Form der Aloe ähnlich, mit grauweisser, oft ganz weisser Farbe und einem leicht-sammtartigen Hauche belegt sind, und aus der Mittelaxe der dichtgedrängten Blätter erhebt sich der Blüthenstiel, der ähnlich dem des wilden Zuckerrohres in einen Büschel endigt, der entweder ausgebreitet oder fahnenartig und dessen Farbe weissgrau, silberglänzend ist.k.Gewürzschilfe, (Scytamineae) z. B. der Pisang oder Banane in verschiedener Art, deren Früchte bekanntlich genossen werden; die faulen Stämme derselben jedoch wurden hier von dem „Kahuna“, d. h. dem Arzte der Eingebornen, als Heilmittel für veraltete Wunden benutzt, indem die aufgeweichte Masse derselben als Compresse gebraucht wurde; dann der wilde Arrowrot als Sectamine Musacae und Cannacae.l.Orchideen, Gynandrae, sind vorhanden.— (2) 15. Dicotyledonen (Zweisamenlappige.)(A) Parigonblüthige — Apetalae.a. Serpentariae}Das Vorhandensein derselben ist mir unbewusst. —b. Aquaticaec.Mittensamige, (Centrospermeae), z. B. Sandelholzgewächse, die in früherer Zeit das gelbe und weisse Sandelholz lieferten und den Haupthandel des Inselreiches bildeten und den grössten Theil der Inseln bewaldeten, sind augenblicklich vollständig ausgerottet bis auf einzelne krüppelige Stämme, die hie und da sich noch vereinzelt zeigen; ausserdem gibt es noch einige Arten Loranthaceen.d. Pfefferartige, (Piperitae), finden sich in zahlreichen Arten z. B. der „ava“, (piper methysticum), der ähnlich dem piper betlé ist und aus welchem die Hawaiier ein berauschendes, höchst schädliches Getränk bereiten; sie kauen nämlich in Gesellschaft den „ava“ und speien das Gekaute in ein hiezu bestimmtes Geschirr, wonach die gekaute Masse, einer Gährung überlassen, destillirt und als Getränk benutzt wird. Die zerstampften Blätter desselben mit der zerstampften „areka“-Nuss und gemahlenen verkalkten Korallen gemischt, wird gleich dem betle der Malaien zum Kauen gebraucht, ähnlich wieunsere Seeleute den Tabak benutzen. Die Rinde und die Wurzeln derselben werden, — d. h. als Extract, — gegen Hautkrankheiten von dem „Kahuna“ gebraucht. — Der piper cubeba wird vom „kahuna“ gegen Krankheiten der Geschlechtsorgane gebraucht.e. Nesselgewächse, (Urticaceae) z. B. der „Kahui-láo-kaláni“ oder „nioi“ genannt, eine Artocarpee und ist ähnlich dem „Upas-pahu“ von Java (der Antiaris toxicaria) und gleich wie letzteres ein starkes Gift, welches von den „Kahunas“ zum „anaána“, d. h. dem sog. Todtengebete zur Vernichtung eines Menschen benutzt wurde. Der Glaube herrschte nämlich, dass der Gott Kolaípahoá im Baume sich aufhalte und das Gift bereite. Der Baum ist nur noch selten im Inselreich zu finden, da er, wie man sagt, zur Zeit Kamehámehá’s III. auf Befehl hat ausgerottet werden müssen. — Der Artocarpus incisa, d. h. der Brotbaum, dessen Frucht bekanntlich geniessbar, ist verhältnissmässig im Inselreiche nicht zahlreich zu finden. — Der Maulbeerbaum wird als „Morus alba“ und als „Morus nigra“ gefunden, soll jedoch importirt sein.f.Kätzchenträger(Amentaceae) z. B. Plantanengewächse und Weidengewächse sind zahlreich zu finden.g.Schneller, (Tricocceae), z. B. Rizinusstauden und der „makokó“, (Euphorbia multiformis), dessen milchigen Saft der „Kahuna“ mit ausserordentlichem Erfolge gegen Geschwülste oder Entzündungen brauchte.h.Lorberen(Thymeleen), findet man als: Seidelbastgewächse (Daphnoideen), Proteaceen und Lorbergewächse (Laurineen).i. Muskatnussartige, (Miristiceen) scheinen nicht vorhanden zu sein.k.Spinatkräuter, (Oleraceen), z.B. der „mii-makole“ (Rumex acetosa) und „aweóweó“ (ChenopodiumSandwichium), das ähnlich dem Chenopodium ambrosioides (Mexiko), wurde von dem „Kahuna“ gegen Hämorrhoiden, bei Verwundungen gebraucht. Die geweichten Blätter derselben stillen das Blut. Als Thee wirken sie purgirend. Der Stand der Pflanze ist namentlich am Strande. — Der Rhabarber, (Rheum palmatum und compactum) — und viele andere Arten von Spinatkräutern sind vorhanden.(B) Verwachsenblätterige Dikotyledonen — (Sympetalae.)a. Grasnelken, (Plumbagines) sollen vorhanden sein.b.Priemelblüthige, (Petalanthae) sind vorhanden, z. B. Maba ebenus, die Primula officinalis und andere.c. Haiden, (Bicornes) sollen vorhanden sein.d.Röhrenblumige, (Tubiflorae) z. B. der Tabak, (Nicotiana tabaccum) in vortrefflichen Sorten einheimischer und importirter Arten. — Capsicum annum, der spanische Pfeffer, wurde vom „Kahuna“ zur Blutstillung gebraucht, indem die Blätter und Wurzeln desselben mit Eucalyptus-Blättern zusammen aufgeweicht, als Compressen dienen. Der „Kowali“ (Ipomea pescaprae) dessen lange Stengel als sehr festes Bindematerial von den Hawaiiern gebraucht werden. Den Dampf von der erhitzten Pflanze brauchte der „Kahuna“ als Heilmittel gegen das Fieber und zur Heilung von Wunden resp. als Dampfbad. — Der „pohuéhué“ (Ipomea purga), dessen Extract aus den Wurzeln, als günstiger Gebrauch gegen Augenentzündungen benutzt wurde; dessen geweichte und dann gekochte Blätter verwandte der „Kahuna“ als Umschläge und auch innerlich bei Frauenkrankheiten, namentlich der prolapsis uteris. Die beiden letztgenannten Windengewächse brauchte der „Kahuna“ als purgirendes Mittel, indem er die Blätter und Wurzeln derselben zerstossen dem Kranken eingab. Zu bemerken ist, dass dieses Mittel, so auch die vorhergehenden die Indianer Mexiko’s in vollständig gleicher Weise gebrauchen. — Die Convolvulus batatae wird als Batate oder süsse Kartoffelgenossen. — Die Convolvulus scamonia ziert reichhaltig und schön blühend die Gegend und den Strand.e.Drehblütige, (Contortae), z. B. Strychningewächse als Baum und Strauch, deren Gift der „Kahuna“ als Heilmittel und zu Vergiftungen brauchte. — Jasmingewächse existiren als Baum und Strauch ungemein zahlreich. Der „Williwilli“ (Erithraea monosperma), dessen zerstossene Rinde gemischt mit zerstossenen Wurzeln des „Kowali“ (Ipomea pescaprae) der „Kahuna“ gegen die Geburtswehen der Frauen und als purgirendes Mittel gebrauchte.f.Maskirtblumige(Personatae) sind mir unbewusst.g.Nüsschentragende, (Nuciliferae), z. B. der Teak (tectonia), als Baum selten, als Strauch zahlreich vorhanden. —h.Geissblattartige, (Caprifoliae), sehr manigfaltig als Bisamkräuter in den Weideflächen. Rubiaceen, als Kaffeebaum, Krapp- und Labkräuter sind höchst manigfaltig.i. Glockenblüthige, (Campanulinae), sind als Kräuter und Sträucher vorhanden. —k.Haufblüthige— (Aggregatae) als Baldriangewächse (Valeriana), Kardengewächse, und Compositen, unter denen namentlich die Disteln von Jahr zu Jahr zunehmen. — Auch findet man die Arnica montana auf den Höhen und ziemlich häufig die Micamia guaco, Artischocken, Sonnenblumen u. s. w.(C) Getrenntblättrige Dikotyledonen — (Polypetalae).1.Reihe: Calyciflorae — Kelchblüthige.a.Scheibenblumige— Discanthae, sind mir unbewusst.b.Hornfrüchtige, Corniculatae, z. B. der „punalima“ (sedum fallax), der Mauerpfeffer, den der „Kahúna“ als purgirendes Mittel gebraucht. Auch kommen verschiedene Saxifrageen vor.c.Kürbisfrüchtige— Peponiferae, als: Melonen, namentlich aber Kürbisse verschiedenster Art, derenSchaalen die Eingebornen zu Speisegeschirren, zu den erdenklichsten Haushaltungsgeschirren und zu ihren musikalischen Instrumenten benutzen. — Auch die rankende Passionsblume ist vorhanden.d.Kaktuspflanzen, Opunticae, sehr manigfaltig und von Jahr zu Jahr mit der zunehmenden Dürre sich vervielfältigend.e.Kelchblüthige, Calicanthae, z.B. der Pfeifenstrauch (Philadelphus coronarius) und Lawsona alba und die Alkanna-Wurzel u. A.f.Myrthenblumige, Myrthiflorae, sind sehr manigfaltig vertreten; unter den Myrtaceen auch der Eucalyptus, von denen, namentlich vom Eucalyptus globulus der „Kahuna“ die Blätter gemischt mit denen des Capsicum annuum (spanischer Pfeffer) gegen Fieberkrankheiten benutzte.g.Rosenblüthige— Rosiflorae — sind vorhanden als z. B. u. a.: der Hawaii-Bergapfel, der eine Rosacea ist und dessen Frucht der Mispel ähnlich, höchst saftig und wohlschmeckend ist, verschiedene Crataegus- und Sorbus-Arten.h.Hülsenfrüchte— Leguminosae sind zahlreich vertreten als Bäume, Sträucher und Kräuter in den Wäldern wie auch unter den Pflanzen des Weidelandes. Unter den Mimosen-Gewächsen sind namentlich 5 Arten des sog. „Koa“ (Akazien), die die Hauptflora des Inselreiches bilden, zu bemerken, unter denen z. B. die ebenholzartige Acazia falcata mit beständigem Wechsel ihrer Blüthenfarbe das hauptsächlichste und festeste Nutzholz liefert. Ausserdem findet man verschiedenste Mimosen und Cassia-Arten.i.Faulbaumartige— Frangulaceae — sind mir unbewusst.k.Balsamgewächse, Therebinthineae; unter denen ist zahlreich der Rus coriaria vertreten, von welchem der bekannte Gerbestoff, der „Summach“ gewonnen werden könnte, jedoch bisher im Inselreiche nochnicht als Handelsartikel benutzt wird; der Mangobaum (Mangifera indica). — Ausserdem sind verschiedene Burseraceen und Butaceen zu bemerken.2. Reihe: Bodenblüthige, (Talamiflorae).a.Nelkenartige, Cariophyllineae, sind ebenfalls vorhanden, unter denen z. B. das Sandkraut (arenaria elimus).b.Säulenfrüchtige— Columniferae — unter denen namentlich der „hau“ (Hybiscus tiliaceus) als strauchartiges Malvengewächs mit weichem Holze zu nennen ist, welches wuchernd im Inselreiche gefunden wird. Die Eingebornen benutzen die Fasern der Rinde zu Angelschnüren und Bindematerial.c.Wandfrüchtige— Parietales — sollen nicht vorhanden sein.d.Guttigpflanzen, Guttiferae, verschiedenartig vorhanden, namentlich in Tamarindengewächsen.e.Orangen— Hesperides — sind vorhanden.f.Ahornpflanzen, (Acera) findet man als Sapindaceen (Lianen).g.Milchkräuter, Polygalineae. Ob vorhanden ist mir unbewusst.h.Storchschnabelblüthige— Gruinalis — sind vorhanden und zwar in Geranium und in Balsaminen-Gewächsen.i.Mohnpflanzen, Rhocadeae, sind zahlreich, z. B. der „Kukui“ (Alliaria triloba), den der „Kahuna“ als Heilmittel gegen alte Wunden gebrauchte, indem er die zerstampften kleinen Nüsse der Pflanze mit den pulverisirten Blättern derselben vermischt, mit Speichel zu einen Teig geknetet und auf Blätter gestrichen, auf die Wunde legte.k.Wasserrosen, Hydropeltineen, sollen nicht vorhanden sein.l.Vielfrüchtige— Polycarpicae — sind namentlich als Ranunculaceen, die die Weideflächen oftmals überwuchern, zu treffen.
I.Cryptogamen.
1) Algen, (Algae) sind überaus zahlreich vertreten.
2) Pilze,(Fungi) sollen weniger vertreten sein, in neuerer Zeit sich jedoch bedeutend vermehren.
3) Flechten, (Lichenes) sind in den verschiedensten Typen vorhanden.
4) Charen (Chareen), desgleichen.
5) Lebermoose, (Hepoticeen) desgleichen.
6) Laubmoose, (Musci frondosi) in manigfaltigster Art.
7) Farren, (Felices), sind im Inselreiche sehr reich vertreten und ich glaube behaupten zu dürfen, dass es schwer halten würde, von dem kleinsten Krautfarn bis zum prachtvollen Baumfarn eine existirende Art derselben im Lande nicht zu finden. Die Farren bilden den Hauptcharakter der hiesigen Vegetation und vertreten in ihrer Ueppigkeit die Palmenvegetation, die hier im Lande nur wenig vertreten ist. Pterus esculenta, ein Krautfarn, wird im Lande seines mehlhaltigen Stengels wegen genossen und „púlu“ genannt.
8) Schachtelhalme, (Equisetaceen) sind zahlreich und mannigfaltig im Inselreich vertreten und wuchern in den Weideflächen, in den Waldungen und auf der Heide.
9) Natternzungengewächse, (Ophioglosseae) sind ebenfalls zahlreich vertreten.
10) Wurzelfrüchtler, (Rhizogarpeen), kommen an den Bächen der Insel vor und das namentlich Marzilia-Arten, von denen einige von den Eingebornen als Speise benutzt werden.
11) Bärlappen, (Lycopodiaceen) sind zahlreich vertreten.
II.Phanerogamen.
A.Nacktsamige, (Angiospermen.)
12) Cycadeen vertreten im Inselreiche mit den Farren die Stelle der Palmen.
13) Nadelhölzer, (Acerosae), sind nur als importirte vorhanden, als z. B. Coniferen; fraglich bleibt es jedoch, ob nicht Gnetaceen einheimischer Art vorhanden sind.
B.Bedecktsamige(Gymnospermen).
14) Monocotyledonen — Einsamenlappige.
d. Kolbenblüthige, Spadiciflorae, sind hier manigfaltig vertreten, als: Calaceen; Aroideen, z. B. der „tarro“ oder „Kálo“ genannt, (Arum esculentum), dessenWurzel von den Eingeborenen als Hauptnahrungsmittel benützt wird; Thyphaceen als hochwüchsige Sträucher und als Schilf. Das Schilf und die Blätter werden zur Bedachung der Hütten und als Flechtwerk für Wände derselben benutzt. — Pandanen, z. B. der Pandanus verus, dessen Blüthen gemischt mit den Blättern des „Nioi“, (einer Atrocarpeae) von einheimischen Aerzten, den „Kahuna’s“ als Mittel gegen Fieber mit Erfolg gebraucht wurden, und der Pandanus littoralis, aus dessen Saugwurzeln der feste Bast zum Flechten der hiesigen Matten gewonnen wird.
e. Palmen, (Principes) sind nur selten zu finden und das nur krüppelig. Die Kokospalme, die hin und wieder Haine bildend, an der Küste zu finden, ist wie schon früher erwähnt eine in urältester Zeit importirte Pflanze gleich wie die areca-cleracea.
f. Spelzenblüthige, (Glumaceae) — sind als Gräser, (Gramineen) weniger vertreten und mehr krautartig vorhanden. Desto manigfaltiger sind aber die Cyperaceen, unter denen z. B. die „papaia“, eine carex, deren Wurzel oder Erdmandel, zerrieben und gemischt mit den zerriebenen Blättern des „Kowali“ (die ipomea pescaprae) und mit Salz vermengt, als Umschlag ein gutes Mittel gegen Verrenkungen ist; das „pili“-Gras, welches ein wucherndes Unkraut der Gegenden des ganzen Inselreiches ist, von den Pferden und dem Rindvieh hin und wieder gleichwie als Heilmittel aufgesucht und mit Begierde gefressen wird, ist aber durch seine stacheligen Samenkapseln den Schafen sehr gefährlich, da dieselben entweder bei ihnen eine Entzündung des Halses oder der Haut erzeugen.
Die Weideflächen waren einstmals mit Gräsern, Cyperaceen und nahrhaften Kräutern anderer Ordnungen und Familien reichhaltig bewachsen und obgleich sie nie, — wie es im Allgemeinen in allen tropischen und subtropischen Ländern der Fall ist — Wiesen bildeten, wie bei uns, so hatten sie aberden Ruf einer grossen Ueppigkeit und Nahrhaftigkeit. Seit der Entholzung des Landes schwinden die saftigen Kräuter, unter deren Schatten feinere Gräser die sengenden Sonnenstrahlen ertragen konnten, und daher schwinden auch die letzteren und es treten an ihre Stelle saure, harte Gräser oder graslose Flächen. Abgesehen von der Entholzung des Landes haben hierzu namentlich die übermässig zahlreichen Viehheerden beigetragen, als auch der Trieb einiger eingewanderter Unternehmer, an Stelle der natürlichen Weide der Tropen Wiesen unserer Art zu creiren, deren Bestand durch die Sonnenstrahlen der Tropen unmöglich gemacht wird.
g.Kronenblüthige, (Coronariae) sind manigfaltig vertreten, als: Binsengewächse in den Weideflächen; Spargelgewächse, z. B. Dracena draco, als Baum, der „Ki“ (Dracena terminalis), dessen Stengel, Blätter und Wurzeln, die aufgeweicht zur Heilung gebrochener, verletzter, geschwollener Glieder des Körpers als Umschläge von den „Kahunas“ gebraucht wurden; und manigfaltige Aloineen.
h. DieYemspflanzen(Dioscoreae), sehr manigfaltig vertreten, so z. B. der „uhi“, Dioscorea pentaphylla, die als sedatives Mittel von den „Kahuna“ gebraucht wurde; es wurden nämlich die Wurzeln zerstampft und ¼ Liter Wasser zu ¼ Pfund dieser Masse für den Gebrauch gemengt und es ist höchst bemerkenswerth, dass dieses Mittel von den Malaien in vollständig gleicher Art zubereitet und als „ubi“ benannt, gebraucht wird; die Dioscorea patata wird als Nahrungsmittel benutzt.
i.Schwertlilien, (Ensatae), sind sehr manigfaltig vertreten als Agaven, Ananasgewächse u. s. w. — Sehr verbreitet, namentlich in den Weideflächen der Hochebenen ist die Ensis argentea, deren Blätter in der Form der Aloe ähnlich, mit grauweisser, oft ganz weisser Farbe und einem leicht-sammtartigen Hauche belegt sind, und aus der Mittelaxe der dichtgedrängten Blätter erhebt sich der Blüthenstiel, der ähnlich dem des wilden Zuckerrohres in einen Büschel endigt, der entweder ausgebreitet oder fahnenartig und dessen Farbe weissgrau, silberglänzend ist.
k.Gewürzschilfe, (Scytamineae) z. B. der Pisang oder Banane in verschiedener Art, deren Früchte bekanntlich genossen werden; die faulen Stämme derselben jedoch wurden hier von dem „Kahuna“, d. h. dem Arzte der Eingebornen, als Heilmittel für veraltete Wunden benutzt, indem die aufgeweichte Masse derselben als Compresse gebraucht wurde; dann der wilde Arrowrot als Sectamine Musacae und Cannacae.
l.Orchideen, Gynandrae, sind vorhanden.
— (2) 15. Dicotyledonen (Zweisamenlappige.)
(A) Parigonblüthige — Apetalae.
c.Mittensamige, (Centrospermeae), z. B. Sandelholzgewächse, die in früherer Zeit das gelbe und weisse Sandelholz lieferten und den Haupthandel des Inselreiches bildeten und den grössten Theil der Inseln bewaldeten, sind augenblicklich vollständig ausgerottet bis auf einzelne krüppelige Stämme, die hie und da sich noch vereinzelt zeigen; ausserdem gibt es noch einige Arten Loranthaceen.
d. Pfefferartige, (Piperitae), finden sich in zahlreichen Arten z. B. der „ava“, (piper methysticum), der ähnlich dem piper betlé ist und aus welchem die Hawaiier ein berauschendes, höchst schädliches Getränk bereiten; sie kauen nämlich in Gesellschaft den „ava“ und speien das Gekaute in ein hiezu bestimmtes Geschirr, wonach die gekaute Masse, einer Gährung überlassen, destillirt und als Getränk benutzt wird. Die zerstampften Blätter desselben mit der zerstampften „areka“-Nuss und gemahlenen verkalkten Korallen gemischt, wird gleich dem betle der Malaien zum Kauen gebraucht, ähnlich wieunsere Seeleute den Tabak benutzen. Die Rinde und die Wurzeln derselben werden, — d. h. als Extract, — gegen Hautkrankheiten von dem „Kahuna“ gebraucht. — Der piper cubeba wird vom „kahuna“ gegen Krankheiten der Geschlechtsorgane gebraucht.
e. Nesselgewächse, (Urticaceae) z. B. der „Kahui-láo-kaláni“ oder „nioi“ genannt, eine Artocarpee und ist ähnlich dem „Upas-pahu“ von Java (der Antiaris toxicaria) und gleich wie letzteres ein starkes Gift, welches von den „Kahunas“ zum „anaána“, d. h. dem sog. Todtengebete zur Vernichtung eines Menschen benutzt wurde. Der Glaube herrschte nämlich, dass der Gott Kolaípahoá im Baume sich aufhalte und das Gift bereite. Der Baum ist nur noch selten im Inselreich zu finden, da er, wie man sagt, zur Zeit Kamehámehá’s III. auf Befehl hat ausgerottet werden müssen. — Der Artocarpus incisa, d. h. der Brotbaum, dessen Frucht bekanntlich geniessbar, ist verhältnissmässig im Inselreiche nicht zahlreich zu finden. — Der Maulbeerbaum wird als „Morus alba“ und als „Morus nigra“ gefunden, soll jedoch importirt sein.
f.Kätzchenträger(Amentaceae) z. B. Plantanengewächse und Weidengewächse sind zahlreich zu finden.
g.Schneller, (Tricocceae), z. B. Rizinusstauden und der „makokó“, (Euphorbia multiformis), dessen milchigen Saft der „Kahuna“ mit ausserordentlichem Erfolge gegen Geschwülste oder Entzündungen brauchte.
h.Lorberen(Thymeleen), findet man als: Seidelbastgewächse (Daphnoideen), Proteaceen und Lorbergewächse (Laurineen).
i. Muskatnussartige, (Miristiceen) scheinen nicht vorhanden zu sein.
k.Spinatkräuter, (Oleraceen), z.B. der „mii-makole“ (Rumex acetosa) und „aweóweó“ (ChenopodiumSandwichium), das ähnlich dem Chenopodium ambrosioides (Mexiko), wurde von dem „Kahuna“ gegen Hämorrhoiden, bei Verwundungen gebraucht. Die geweichten Blätter derselben stillen das Blut. Als Thee wirken sie purgirend. Der Stand der Pflanze ist namentlich am Strande. — Der Rhabarber, (Rheum palmatum und compactum) — und viele andere Arten von Spinatkräutern sind vorhanden.
(B) Verwachsenblätterige Dikotyledonen — (Sympetalae.)
a. Grasnelken, (Plumbagines) sollen vorhanden sein.
b.Priemelblüthige, (Petalanthae) sind vorhanden, z. B. Maba ebenus, die Primula officinalis und andere.
c. Haiden, (Bicornes) sollen vorhanden sein.
d.Röhrenblumige, (Tubiflorae) z. B. der Tabak, (Nicotiana tabaccum) in vortrefflichen Sorten einheimischer und importirter Arten. — Capsicum annum, der spanische Pfeffer, wurde vom „Kahuna“ zur Blutstillung gebraucht, indem die Blätter und Wurzeln desselben mit Eucalyptus-Blättern zusammen aufgeweicht, als Compressen dienen. Der „Kowali“ (Ipomea pescaprae) dessen lange Stengel als sehr festes Bindematerial von den Hawaiiern gebraucht werden. Den Dampf von der erhitzten Pflanze brauchte der „Kahuna“ als Heilmittel gegen das Fieber und zur Heilung von Wunden resp. als Dampfbad. — Der „pohuéhué“ (Ipomea purga), dessen Extract aus den Wurzeln, als günstiger Gebrauch gegen Augenentzündungen benutzt wurde; dessen geweichte und dann gekochte Blätter verwandte der „Kahuna“ als Umschläge und auch innerlich bei Frauenkrankheiten, namentlich der prolapsis uteris. Die beiden letztgenannten Windengewächse brauchte der „Kahuna“ als purgirendes Mittel, indem er die Blätter und Wurzeln derselben zerstossen dem Kranken eingab. Zu bemerken ist, dass dieses Mittel, so auch die vorhergehenden die Indianer Mexiko’s in vollständig gleicher Weise gebrauchen. — Die Convolvulus batatae wird als Batate oder süsse Kartoffelgenossen. — Die Convolvulus scamonia ziert reichhaltig und schön blühend die Gegend und den Strand.
e.Drehblütige, (Contortae), z. B. Strychningewächse als Baum und Strauch, deren Gift der „Kahuna“ als Heilmittel und zu Vergiftungen brauchte. — Jasmingewächse existiren als Baum und Strauch ungemein zahlreich. Der „Williwilli“ (Erithraea monosperma), dessen zerstossene Rinde gemischt mit zerstossenen Wurzeln des „Kowali“ (Ipomea pescaprae) der „Kahuna“ gegen die Geburtswehen der Frauen und als purgirendes Mittel gebrauchte.
f.Maskirtblumige(Personatae) sind mir unbewusst.
g.Nüsschentragende, (Nuciliferae), z. B. der Teak (tectonia), als Baum selten, als Strauch zahlreich vorhanden. —
h.Geissblattartige, (Caprifoliae), sehr manigfaltig als Bisamkräuter in den Weideflächen. Rubiaceen, als Kaffeebaum, Krapp- und Labkräuter sind höchst manigfaltig.
i. Glockenblüthige, (Campanulinae), sind als Kräuter und Sträucher vorhanden. —
k.Haufblüthige— (Aggregatae) als Baldriangewächse (Valeriana), Kardengewächse, und Compositen, unter denen namentlich die Disteln von Jahr zu Jahr zunehmen. — Auch findet man die Arnica montana auf den Höhen und ziemlich häufig die Micamia guaco, Artischocken, Sonnenblumen u. s. w.
(C) Getrenntblättrige Dikotyledonen — (Polypetalae).
1.Reihe: Calyciflorae — Kelchblüthige.
a.Scheibenblumige— Discanthae, sind mir unbewusst.
b.Hornfrüchtige, Corniculatae, z. B. der „punalima“ (sedum fallax), der Mauerpfeffer, den der „Kahúna“ als purgirendes Mittel gebraucht. Auch kommen verschiedene Saxifrageen vor.
c.Kürbisfrüchtige— Peponiferae, als: Melonen, namentlich aber Kürbisse verschiedenster Art, derenSchaalen die Eingebornen zu Speisegeschirren, zu den erdenklichsten Haushaltungsgeschirren und zu ihren musikalischen Instrumenten benutzen. — Auch die rankende Passionsblume ist vorhanden.
d.Kaktuspflanzen, Opunticae, sehr manigfaltig und von Jahr zu Jahr mit der zunehmenden Dürre sich vervielfältigend.
e.Kelchblüthige, Calicanthae, z.B. der Pfeifenstrauch (Philadelphus coronarius) und Lawsona alba und die Alkanna-Wurzel u. A.
f.Myrthenblumige, Myrthiflorae, sind sehr manigfaltig vertreten; unter den Myrtaceen auch der Eucalyptus, von denen, namentlich vom Eucalyptus globulus der „Kahuna“ die Blätter gemischt mit denen des Capsicum annuum (spanischer Pfeffer) gegen Fieberkrankheiten benutzte.
g.Rosenblüthige— Rosiflorae — sind vorhanden als z. B. u. a.: der Hawaii-Bergapfel, der eine Rosacea ist und dessen Frucht der Mispel ähnlich, höchst saftig und wohlschmeckend ist, verschiedene Crataegus- und Sorbus-Arten.
h.Hülsenfrüchte— Leguminosae sind zahlreich vertreten als Bäume, Sträucher und Kräuter in den Wäldern wie auch unter den Pflanzen des Weidelandes. Unter den Mimosen-Gewächsen sind namentlich 5 Arten des sog. „Koa“ (Akazien), die die Hauptflora des Inselreiches bilden, zu bemerken, unter denen z. B. die ebenholzartige Acazia falcata mit beständigem Wechsel ihrer Blüthenfarbe das hauptsächlichste und festeste Nutzholz liefert. Ausserdem findet man verschiedenste Mimosen und Cassia-Arten.
i.Faulbaumartige— Frangulaceae — sind mir unbewusst.
k.Balsamgewächse, Therebinthineae; unter denen ist zahlreich der Rus coriaria vertreten, von welchem der bekannte Gerbestoff, der „Summach“ gewonnen werden könnte, jedoch bisher im Inselreiche nochnicht als Handelsartikel benutzt wird; der Mangobaum (Mangifera indica). — Ausserdem sind verschiedene Burseraceen und Butaceen zu bemerken.
2. Reihe: Bodenblüthige, (Talamiflorae).
a.Nelkenartige, Cariophyllineae, sind ebenfalls vorhanden, unter denen z. B. das Sandkraut (arenaria elimus).
b.Säulenfrüchtige— Columniferae — unter denen namentlich der „hau“ (Hybiscus tiliaceus) als strauchartiges Malvengewächs mit weichem Holze zu nennen ist, welches wuchernd im Inselreiche gefunden wird. Die Eingebornen benutzen die Fasern der Rinde zu Angelschnüren und Bindematerial.
c.Wandfrüchtige— Parietales — sollen nicht vorhanden sein.
d.Guttigpflanzen, Guttiferae, verschiedenartig vorhanden, namentlich in Tamarindengewächsen.
e.Orangen— Hesperides — sind vorhanden.
f.Ahornpflanzen, (Acera) findet man als Sapindaceen (Lianen).
g.Milchkräuter, Polygalineae. Ob vorhanden ist mir unbewusst.
h.Storchschnabelblüthige— Gruinalis — sind vorhanden und zwar in Geranium und in Balsaminen-Gewächsen.
i.Mohnpflanzen, Rhocadeae, sind zahlreich, z. B. der „Kukui“ (Alliaria triloba), den der „Kahuna“ als Heilmittel gegen alte Wunden gebrauchte, indem er die zerstampften kleinen Nüsse der Pflanze mit den pulverisirten Blättern derselben vermischt, mit Speichel zu einen Teig geknetet und auf Blätter gestrichen, auf die Wunde legte.
k.Wasserrosen, Hydropeltineen, sollen nicht vorhanden sein.
l.Vielfrüchtige— Polycarpicae — sind namentlich als Ranunculaceen, die die Weideflächen oftmals überwuchern, zu treffen.
Im Charakter ihrer Physiognomie zeigen die Inselneine gewissermassen bedeutsame Verschiedenheit, daher will ich es versuchen, jede Insel für sich in ihrer Physiognomie möglichst kurz zu schildern.
Die Insel Hawaii auch Ouaï genannt, hat als die grösste der Inseln dem Königreich und der Nation den Namen gegeben oder hat vice versa deshalb den Namen der Nation erhalten.
Die Insel ist durchgängig gebirgig. Das System des Gebirges bilden drei gewaltige Erhebungen, die des „Mauna-lóa“, des „Mauna-kéa“ und „Huálalai“, die mit weit ausgedehnten, im stumpfen Winkel sich neigenden, stellenweise gewaltig zerrissenen und mit Lavageröll bedeckten Hochebenen verbunden sind.
Die äussersten Gipfel der Gebirgskämme sind nur selten und zwar kurzweilig unter Schnee. Besonders eigenthümlich ist der dunkel schattirt, richtiger gesagt, dunkelgefleckte Schatten, den diese Gipfel auf den Ocean werfen.
An Kratern ist das Gebirge reich, an Formen steil, wild zerrissen und oft bis in den wild brandenden schäumenden Ocean sich als steile Abhänge oder Abgründe ziehend. Diese jähen Abhänge und Abgründe charakterisiren finstere Grotten, die durch gewaltige Ausströmungen der Laven ältester, älterer und neuerer Zeit in den Ocean entstanden und sehr verschieden in ihrem Colorit und in ihren meist dunklen Schattirungen sind.
Das Ufer der Insel ist meist steil, schroff und tief. — Die Umgebungen desselben, reich an Riffen, Korallenbänken, Lavabänken, tiefen Einschnitten oder weit in den Ocean sich ziehenden flachen Landzungen, macht einen wild zerrissenen, echt plutonischen Eindruck, der noch erhöht wird durch den charakteristischen, metallischen Glanz der grauen Farbe der starren Ufer, der Hochfläche des Ufersaumes und der ganzen Umgebung.
Die Insel Hawaii macht den Eindruck, dass dieselbe primitiv nur aus den 3 damals aus dem Ocean hervorragenden Vulkanen, dem „Mauna-loa“, „Mauna-kea“, und „Hualalaí“ bestand und dass dieselben durch frühere oftmalige Eruptionen, durch unterirdisches Sicherheben undFüllen mit den Erdgüssen der Lavamassen sich über dem Wasserspiegel vereinigt, und durch allmäligen Zuwachs die jetzige Form der Insel gebildet haben, wie es sichtlich durch die Wirkung der neueren Eruptionen, durch die — wenn auch langsamen — Vergrösserungen der Insel stattfindet und zwar nicht nur durch überseeische Lavazuströmungen, sondern auch durch unterseeische Zuströmungen und durch unterseeische Erhebung des Bodens.
Die Insel Maui ist von der Insel Hawaii durch einen 10 engl. Meilen breiten Kanal getrennt, den eine heftige Strömung und ein beständig stürmischer Luftzug charakterisirt. —
Die Insel besteht aus zwei Theilen, Ost-Maui und West-Maui. Beide Theile sind sich im Allgemeinen ähnlich, in der Formation jedoch verschieden.
In Ost-Maui haben sich durch die längere Ruhe der einstmals gewaltig wirksamen Vulkane ebenfalls Hochebenen, jedoch — im grellen Contrast zu Hawaii — sanft gegen den Ocean sich niederziehend gebildet, die mit fruchtbarstem Humus belegt, der Gegend einen üppigen Graswuchs, stellenweise eine niedrige Waldvegetation gestatten und zur Cultur sehr geeignet sind.
Ost-Maui bildet den grössern Theil der Doppelinsel und ist mit dem westlichen, kleinern Theile durch eine schmale Landzunge verbunden.
West-Maui erinnert im Kleinen in Bildung, Form und Charakter an die Insel Hawaii. Gleichwie letztere ist sie durchwühlt, zerrissen und, so zu sagen, gedrängt gehoben. Auch bei ihr im Kleinen findet man wie in Hawaii 3 ähnlich gelegene vulkanische Erhebungen, deren einstmalige Wirkung auf ihre Constellation allen Anzeichen nach wie die der Insel Hawaii gewesen sein muss.
West-Maui ist wild zerrissen, an Schluchten reich, in den Thälern und Schluchten üppig an Vegetation, ist aber trotz ihres Reichthums an Quellen, Bächen und fruchtbarem Boden durch die Zerrissenheit ihres Terrains und die zahlreichen Engschluchten ihrer Landschaft zu einer rationellen Cultur nicht durchweg geeignet, während Ost-Maui Dank ihrer sanft sich neigenden Landschaft mit ihrem meist fruchtbaren Boden, — wenn auch an Wald arm, daher schattenlos und den Strahlen der Sonne ausgesetzt und obgleich verhältnissmässig arm an Quellen und Bächen — zu einer rationellen Cultur höchst geeignet ist. Es erfordert aber zu den umfangreichen, künstlichen Bewässerungen und künstlichen Schattenerzeugungen bedeutende Betriebskapitalien.
Die Insel „Kauai“ hat nur einen Central-Vulkan, der durch seine einstmaligen Eruptionen — ähnlich wie in Ost-Maui der Haleakála — sanft sich neigende Ebenen gebildet hat. Die Wirkung der Eruptionen muss aber eine gewaltigere oder enger umschlossene gewesen sein als in Ost-Maui, da die sanft sich neigenden Ebenen, stellenweise gewaltsam durchrissen, durchwühlt, mehr den Charakter von West-Maui annehmen.
Gleich dem zeigt sich auch der Charakter ihrer Vegetation. Der grösste Theil der Insel trägt nämlich einerseits und zwar im noch üppigeren Masse, die Reichhaltigkeit der Vegetation von West-Maui anderseits, — die Nachtheile ausgenommen, — den Charakter der Vegetation von Ost-Maui, da Kauai durchgehends reich an Quellen und weniger schattenlos ist. Ihre üppigere Vegetation verdankt die Insel dem längeren Ruhestande ihrer Vulkane, die, wie man sagt, lange vor denen Maui’s erloschen sind.
Die Insel Oahú zeigt am wenigsten Folgen gewaltiger vulkanischer Umwälzungen und weniger Veränderungen ihrer Urform durch vulkanische Eruptionen. Die stattgefundenen und noch stattfindenden Erweiterungen verdankt die Insel mehr dem Bau der Coralle und den Alluvialanschwemmungen.
Die Ursache, dass die an Kratern reiche Insel weniger gewaltsam verändert worden ist, scheint mir gerade in diesem Reichthume der Krater zu liegen, da dieselben — zahlreich und niedrig, — ihre Kraft weniger auseinander sprengend ausgeübt und daher nur eine Veränderung durch die Ablagerung ihrer ergossenen Lava hervorgerufen haben.
Gebirgszüge der Insel sind 2: der nördliche, der sog.Nuaná, dessen südliches Ende die sogenannte Diamantspitze bildet und der südliche, der sog. Wainéa, der parallel dem ersteren den südöstlichen Theil der Insel durchzieht. Beide Züge sind reich an erloschenen Kratervertiefungen.
Die einheimische Flora der Insel Oahú ist verhältnissmässig zu der der andern Inseln eine ärmere zu nennen. Sterile Flächen nehmen einen grossen Theil der Insel ein. Demungeachtet ist Oahú durchgängig zu einer rationellen Cultur, da die Insel reich an Feuchtigkeit, sehr geeignet. —
Aehnlich Oahú ist der Charakter der Insel Molokai. Die übrigen Inseln mit Ausnahme der von Nihau und theilweise der von Lanai, bilden gegenwärtig wasserlose Felsmassen, die vegetationslos, culturunfähig und nur zeitweilig von Fischern bewohnt sind. —
Im Allgemeinen hinterlassen die bewohnten Inseln des Königreiches den Eindruck, dass — Dank ihrem Boden und ihren günstigen klimatischen Verhältnissen und ihrer gleichmässigen Temperatur — auf denselben jede Pflanze und zwar die Pflanze jeder Zonevortheilhaft gedeihen muss.
Die üppigste der Inseln ist unstreitig Kauai, und dieser folgen der Ueppigkeit nach Maui, Hawaii, Oahú, Molokai und dann die andern.
Die Insel Hawaii könnte die ertragreichste dieser Inseln sein, wenn nicht die weit ausgedehnten, mit Lava bedeckten Strecken nahezu die Hälfte ihres Areales einnehmen, und die Cultivirung derselben entweder unmöglich, zu schwer oder zu kostspielig sich herausstellen würde. Ausser dieser Ursache wirkt bedeutend lähmend auf die Entwicklung der Insel die beständige Erwartung neuer Ausbrüche ihrer Vulkane, wodurch natürlich die Muthlosigkeit der Einwohner erhöht und der Unternehmungsgeist derselben gehemmt wird.
Noch im Jahre 1856 war der Haupterwerbszweig der Inseln der regelmässige Besuch der hier zur Winterszeit zahlreich stationirenden Schiffe der Walfischfänger, die zu ihrem Hauptstapelplatz, seit über einem Jahrhundert, die Inselgruppe gewählt hatten.
Es sollen nämlich, wie man sagt, bisweilen in denHäfen der verschiedenen Inseln bis 500 und vor Honolulu seit der Entdeckung des Hafens oft bis 170 solcher Schiffe gelegen haben, die hier ihre Provision bezogen und ein, wenn auch demoralisirtes, so doch freigebiges Leben führten.
Im Frühjahr, von der Südsee kommend, würden die Schiffe hier ausgebessert, gereinigt und zum Sommerzug in den Norden gegen die Walfische der japanesischen und arktischen Gewässer und der Beringsstrasse gerüstet und die erforderliche Hülfsmannschaft unter den als Seeleute gewandten Eingebornen recrutirt.
Dieses regelmässige und lange dauernde Treiben einer Horde unternehmender, meist übermüthig freigebiger Abenteurer brachte regen Handel und Wandel den Inseln, gab der Bevölkerung — freilich auf Kosten ihrer Moralität — einen guten Verdienst und die ihr beliebte Möglichkeit ihre Gewandtheit in der See gegen eine verhältnissmässig gute Besoldung als Hülfsmannschaft zu verwerthen.
Von 1865 an begann merklich die Zahl dieser Schiffe abzunehmen. Die Ursache war die, dass einerseits die Walfische damals mehr nach Norden sich zurückzuziehen begannen, wodurch den Walfischfängern die nördlichen Häfen der westlichen Staaten der Vereinigten Staaten von Amerika als Stationen sich günstiger ergaben und anderseits ihnen der Reiz der bisher so freien, moralisch ungebundenen Lebensweise im Inselreiche, durch das Christenthum, durch die alljährlich zunehmende Civilisation des Landes, die Einführung geregelter Gesetze, Verpflichtungen etc. etc. genommen wurde.
Im Inselreich ist zur heutigen Stunde fast vollständig diese den Inseln ergiebige Quelle versiegt und unerwartet rasch tauchte dem Lande die ernste Frage auf, durch welches Aequivalent dieser fühlbare Verlust ersetzt werden könnte.
Es erblühte freilich ein unwillkürlicher Ersatz im bald fühlbaren Umschwung zum Bessern der stark gesunkenen Moralität der Nation und diesem zur Folge eine allmälig zunehmende Hemmung der bis dahin abnormen Sterblichkeit der Nation.
Abgesehen von diesem geistigen Ersatz hatte das Ausbleiben der Walfischfahrer dem Inselreich noch den materiellen gebracht, dass die Bevölkerung, die bis dahin das abenteuerliche, freie Seeleben der Walfischfahrer der Landwirthschaft und der Häuslichkeit vorzogen, daher letztere vernachlässigten, sich jetzt mehr diesen Beschäftigungen hinzugeben und allmälig wieder auch die sehr vernachlässigte Fischerei zu heben begann. Die günstigsten Resultate zeigten sich bald in dem sich mehr und mehr aufschwingenden „tárro“-, Kaffeeanbau, Reisfelderanlagen — deren Aufschwung das Land den Chinesen, die fast die einzigen Anbauer derselben sind, verdankt — und Viehbetrieb.
Eine rationelle Landwirthschaft wird noch Zeit erfordern, um ein nutzbares Stadium im Lande zu erreichen, da die Natur der Kanaken zu einer systematischen Entwicklung derselben zu indolent ist. Die Viehzucht hätte — Dank den nahrhaften Gräsern und dem verhältnissmässig grossen Reichthum an gesundem Wasser — eine dankbare werden können, wenn nicht die Heerden schon jetzt zu übertrieben zahlreich geworden wären und wenn nicht die Devastation der Waldungen schon jetzt die Qualität und die Ertragfähigkeit der Grasflächen durch die denselben gefährlich gewordene Schattenlosigkeit und die von Jahr zu Jahr zunehmenden Dürren vermindert hätten.
Ein Aequivalent diesem schwer wieder gut zu machenden Uebel würde freilich der von Jahr zu Jahr zunehmende Anbau des Zuckerrohres bieten, wenn nicht derselbe — mit Ausnahme nur weniger nativer Grundbesitzer — ausschliesslich in den Händen einen raschen Erwerb suchender ausländischer Compagnien sich befände, wodurch der Bevölkerung die direkte Betheiligung an demselben vollständig genommen und daher auch der Nutzen desselben theilweise verloren geht.
Abgesehen davon, dass das hiesige Klima, der hiesige Boden und die Lage der Landschaft günstig dem Anbau des Zuckerrohres ist, so tritt noch der günstige Umstand hinzu, dass das Zuckerrohr keinen Schatten braucht, daher die Waldvernichtung und das Schwinden der Vegetation seinem günstigen Gedeihen nicht im Wege steht, seinemBetriebe aber doch. Denn gleich wie gerade der Zuckerrohr-Anbau theilweise die Ursache der übermässigen Entwaldung gewesen, so erfordert der Betrieb einer rationellen Zuckerrohrplantage die Arbeit durch Dampf, dieser zu seiner Entwicklung das erforderliche Brennmaterial, und dieses erweckt wiederum den unaufhaltsamen Trieb zur weiteren Entwaldung. Die Entwaldungen rufen zunehmende Dürren hervor, die mit der Zeit — und das progressiv — das Land seiner natürlichen Feuchtigkeit berauben und den Wasserreichthum desselben vermindern, wodurch die Frage entsteht, wie es mit den dem Zuckerrohr erforderlichen künstlichen Bewässerungen sein wird, wenn der Fall eintritt, dass nicht mehr das genügende Wasser zu diesem Zwecke zu schaffen sein wird. Den Unglauben an die Möglichkeit eines solchen Falles verwerfen die ernsten Zeichen der jetzigen Zeit schon, da stellenweise, namentlich auf der Insel Hawaii, sich ein derartiger Mangel an Feuchtigkeit gezeigt hat, indem der an und für sich poröse vulkanische Boden die Feuchtigkeit rascher verbraucht, daher auch mit den jährlich zunehmenden Dürren die Feuchtigkeit der so kostspieligen künstlichen Bewässerungen rascher absorbirt wird.
Höchst lucrativ wäre der Zuckerrohr-Anbau, wenn derselbe nicht so viel Brennmaterial erfordern würde, da das Holz, wenn die noch bestehenden Waldungen geschont werden sollen, bald nicht mehr genügend vorhanden sein wird und die importirte Steinkohle sich kostspielig erweist.
Ein gewichtiger Uebelstand zu diesem Anbau liegt im Mangel der erforderlichen Arbeitskraft. Die Zuckerrohrfelder gebrauchen Arbeiter in Massen und daher billige. Sie gebrauchen Arbeiter, die die Fähigkeit besitzen, im dumpfen, feuchten, heissen Rohrdickicht auszuharren und die nüchtern, fleissig und standhaft sind.
Der Kanake liebt nicht, sich zur Arbeit zu verdingen, liebt keine ihn fesselnde Arbeit und liefert daher nur selten zu dieser Arbeit fähige Individuen.
Es sind Versuche — und das günstige — mit Südseeinsulanern gemacht worden, die verwandt mit dem Stammder Hawaiier, sogar eine gute Kreuzung erzeugen und eine günstige Einwanderung für das Inselreich sein würden, wenn nicht das continentale Australien dieselben in sein Land verlockten, wodurch ein Mangel derselben sich schon jetzt fühlbar macht. Es wäre der Chinese der richtigste Mann zu diesem Zweck, doch leider, solange das europäische Element seinen Einfluss im Inselreiche ausübt, wird hemmend einer gründlichen Einwanderung derselben entgegengewirkt werden, da die Furcht jener, dass diese in allen Beziehungen brauchbare, intelligente, nüchterne und arbeitsame Race einen Einfluss im Inselreiche erringen würde, höchst rege ist.
Der Kaffeeanbau gedeiht im Lande, und die Kaffeestaude wird auf den Inseln sogar wildwachsend gefunden. Die Cultivirung derselben, namentlich auf den Inseln Maui und Hawaii, würde ein rentables Unternehmen sein, wie es sich 1845 erwiesen, wo ein Export von 248 Pfund sich herausstellte. Es müsste die Pflanze jedoch nur als Baum gezogen werden, um dem Lande Schatten zu geben, da in Plantagen gezogen, dieselbe zur Anlage die Devastation des Waldes erfordert und nach 60 Jahren ein wüstes Land hinterlässt, wie es sich in Ceylon so fühlbar schon erwiesen hat.
Meiner Ansicht nach, einer Ansicht, die ich durch Aeusserungen verständiger Männer, die das Land kannten, gewonnen habe, wäre ein bedeutender Erwerbszweig durch eine ausgebreitete Seidenraupenzucht dem Lande eröffnet.
Die klimatischen Verhältnisse sagen dem Maulbeerbaum, so auch der Raupe zu. Der Charakter der Nation — der der Frauen gleichwie der der Männer — eignet sich zu dieser, wenngleich mühsamen, so doch physisch leichten Zucht.
Schon im Jahre 1840 wurden glückliche Versuche auf der Insel Kauai gemacht, die damals allem Anscheine nach die Seidenraupenzucht über die Insel Kauai rasch verbreitet hätten, wenn nicht durch den blinden Fanatismus gewisser, damals einflussreicher Missionäre — die Entheiligung des Sabbathes befürchtend — die den Raupen erforderliche Fürsorge an den Sonntagen verboten worden wäre, wodurchdas glänzend sich gestaltende Unternehmen des Mr. Titcomb vereitelt wurde.
Um diesen lucrativen Erwerbszweig über das ganze Inselreich zu verbreiten, wäre verhältnissmässig wenig Kapital erforderlich, es wäre nur erforderlich eine bindende Garantie des Staates gegen Fälle, wie die des Jahres 1840 und die Fähigkeit und die Ausdauer eines Mannes wie Mr. Titcomb.
In Verbindung mit der Seidenraupenzucht wäre die der Obstbaumzucht zu empfehlen, da alle Obstarten jeder Zone im Lande günstig gedeihen und demselben Schatten geben. Da die Versendung des Obstes durch die gewaltige Entfernung des Inselreiches von den Continenten möglicherweise Schwierigkeiten hervorrufen könnte, so wäre das Einmachen oder Verzuckern derselben, zu welchem die Zuckerraffinerien des Landes ihre Produktion vortheilhaft verwerthen könnten, zu empfehlen.
Die beiden letztgenannten Culturen haben Folgendes für sich: dass sie zu ihrem Betriebe die Devastation der Waldungen nicht erfordern, dass sie Schatten erzeugen, dass sie keine bedeutende Arbeitskraft gebrauchen, dass sie im Kleinen gleichwie im Grossen vortheilhaft betrieben und leicht zur nationalen Ueblichkeit werden können, da ein Jeder, Arm oder Reich, im Stande sein wird, sie zu betreiben, und dem abgesehen würden dieselben allmälig auch die Indolenz der Nation ersticken und in derselben den produktiven Geist erwecken.
Ein grosser Uebelstand, der im Allgemeinen jedes Unternehmen im Inselreiche erschwert oder kostspielig macht, ist, abgesehen von der isolirten Lage und der weiten Entfernung des Inselreiches von den Continenten, wodurch die Beschaffung und die Reparatur der zum Betriebe gewisser Unternehmungen erforderlichen Einrichtungen und Gegenstände nicht nur einen bedeutenden Zeitaufwand erfordern, sondern auch bedeutend kostspieliger sich stellen, die herrschende Schwierigkeit, im Lande Capitalien aufzutreiben oder — im Falle dieses mit Schwierigkeiten gelingt — im hohen Zinsfuss desselben, der für die sicherste Hypothek mindestens 12% beträgt. Wer also mit aufgenommenemKapital im Inselreiche ein Unternehmen beginnt, verfällt denselben Schwierigkeiten und dazu noch der der hohen Prozente.
Diese Uebelstände, da sie durch die Lage der Inseln hervorgerufen worden sind, werden nie vollständig beseitigt werden können, und es wäre dem Lande zu seiner Blüthe, seiner Erhaltung und seinem nationalen Wohlstande laut meiner Ansicht Folgendes erforderlich:
1) ihm eine, seiner Nation sympathische und zugleich lucrative Beschäftigung zu finden und dass namentlich eine, die die nationale Moralität zu heben vermag,2) das Land in klimatischer Berücksichtigung vor fernerer Entholzung zu schützen,3) die Viehzucht im Inselreiche gesetzlich zu beschränken, d. h. auf einen geringeren Massstab zu stellen, damit der Graswuchs des verhältnissmässig kleinen Areales nicht durch dieselbe in seiner Produktivität leidet,4) die Einwanderung nützlicher, sich leicht und gerne naturalisirender Elemente, wie z. B. die der Chinesen zu unterstützen, die ob einflussreich oder nicht einflussreich werdend, in beiden Fällen dem Lande in jeder Beziehung mehr Vortheil als Nachtheil bringen werden, wie es die Insel Java genügend beweist. Man muss natürlich das Land zur Erhaltung des nationalen Charakters, des nationalen Typus vor der chinesischen, gleichwie vor jeder fremdnationalen Monopolisirung schützen.5) Ein nur langsam progressiver Fortschritt und das namentlich in den Einrichtungen mit Dampfbetrieb, die soviel als möglich vermieden werden müssten.6) Erhaltung der Naturkräfte des Landes und wo dieselben durch Uebereilung oder durch die Erwerbswuth gewisser Unternehmer geschädigt worden, dieselben sofort zu ersetzen und zwar namentlich durch die Erhaltung der noch bestehenden und die Wiederpflanzung der vernichteten Waldstrecken unter dem Schutze eines geregelten Forstgesetzes.7) Erhaltung und Vermehrung der augenblicklich sichtlichschwindenden Insecten fressenden Vogel durch ein Schonungsgesetz.8) Man vermehre den Anbau des Kaffeebaumes, des Cinnamóm und des Cinchóna als auch anderer nützlicher Busch- und Straucharten, die an und für sich nützlich sind, dem Boden Schatten geben, demselben die Feuchtigkeit erhalten und daher den Graswuchs befördern, vermeide deshalb den Anbau des Kaffeebaumes als Plantage.9) Einführung der Seidenraupenzucht resp. des Maulbeerbaumes und der Obstbaumzucht. Man legatisire ein durch jährlichen Staatszuschuss sich vergrösserndes Capital zur Unterstützung und Prämirung dieser Anbauten.10) Man versuche durch Saat oder Pflanzungen des Sandelbaumes die weiten öden Strecken der Inseln wieder nutzbar zu machen.11) Man suche durch Südseeinsulaner und namentlich einwandernde Chinesen, die sich bekanntlich leicht naturalisiren und mit dem nationalen Stamme amalgamiren, die Bevölkerung der Inseln und dadurch die Arbeitskraft derselben soweit zu vermehren, dass man weniger die Dampfkraft in Anspruch zu nehmen braucht, die laut meiner festen Ueberzeugung ein unheilbares Gift dem kleinen Inselreiche werden muss, da unsere Zeit der masslosen Erwerbssucht keine Schranken kennt.12) Man suche dem einheimischen und naturalisirten Einwohner die Unternehmungen im Lande zu erleichtern und suche dem fremden durch Steuern solche zu erschweren, um ein Gleichgewicht, womöglich ein Uebergewicht zu Gunsten der ersteren zu entwickeln. Denn keine bleibende, reelle Wohlfahrt lässt sich in einem Lande erwarten, wo ein den Interessen des Landes fremd-nationales Element, das nur seines eigenen Vortheiles bedacht, die Machthabung erlangt und sozusagen die Nation des Landes verdrängt, durch welche Dominion das Land alsdann nur leidet. Wo ein fremdes Element die Machthabung im Lande hat, da wird, wenn auch eine Blüthe des Landes sich zeigt, es nur eine Scheinblüthe sein, die oft erschreckend plötzlich schwindet, sobald das machthabende fremde Element nach jahrelangem Aussaugen und Devastiren des Landes sich quasi gesättigt fühlt oder für sich keinen genügenden Vortheil mehr zu finden glaubt: ein Resultat, welches sich leider in so vielen Ländern schon gezeigt, wo ein solches machthabendes und monopolisirendes, fremdes Element gewirkt hat; namentlich in den Ländern, die unter dem philantropischen Joche oder dem Protektorate der anglo-sächsischen Race sich befinden, zeigt sich dieses Resultat in erschreckender Weise. Bei dieser Race, sobald sie die Macht errungen, wird eine sich der Corruption hingebende Tendenz auffallend entwickelt, der zur Folge Oppressionen und von Tag zu Tag zunehmend egoistische Missbräuche ihrer Gewalt mit auffallend gewandt erdachten Entschuldigungsgründen entstehen. Diese Tendenz und die Folgen derselben bilden freilich einen grellen Contrast gegen die möglicherweise auch nur scheinbare, jedoch bestehende philantropische, stets von Gerechtigkeit und Freiheit sprechende und gemäss dieses Principes constituirte Handlungsweise der regierenden Elemente ihres Mutterlandes, Englands. Dieser Contrast lässt sich, wenn er ein wirklicher und nicht ein scheinbarer blos ist, folgendermassen erklären:1) Durch die grosse Entfernung vom Mutterlande. In der Ferne ist der Auswanderer weniger der Furcht ausgesetzt, vor seinen Mitbürgern im Mutterlande zu erröthen, ist demnach in seinen Thaten ungebundner, despotischer, jähzorniger und ungerechter.2) Durch das tropische heisse Klima. Der Körper verliert daselbst leichter seine Rüstigkeit und Frische. Demzufolge verliert auch die Seele an Kraft und Frische. Hierdurch schwindet allmälig die nationale Ausdauer, die Humanität und so auch die Gerechtigkeit.3) Durch die Eigenthümlichkeiten der Länder unter den Tropen, wo die Natur und die Gebräuche sogar den Eingebornen, freilich in seiner Art, zur Weichlichkeit verleiten, und daher auch den Fremdling als Inwohnerin seiner Art verweichlichen. Denn es entsteht bei demselben eine gewisse Erschlaffung des Geistes und des Körpers, eine gewisse Gleichgiltigkeit, Fahrlässigkeit und demzufolge oft unwillkürliche Ungerechtigkeit.4) Dadurch, dass in einem Lande, wo der Fremde auf Kosten seiner Gesundheit und einer ihm unsympathischen Lebensweise, entfernt von seiner Heimath, nur hingewandert, um möglichst rasch reich zu werden oder durch pompöse Thaten und weltschallenden Ruf in Rang und Amt rasch einen Glanzpunkt zu erlangen, im Individuum die Erwerbssucht, das Selbstgefühl und der Ehrgeiz derart überhand nehmen, dass sein ganzes Streben nur nach Geld, Ruhm und auf das liebe Ich gerichtet ist, wodurch Humanität und daher auch Gerechtigkeit so leicht bei ihnen vollständig schwindet.Ich habe unter dieser Nation principielle Aussprüche gehört, die erschreckende waren und die ihre Handlungen und Tendenzen in das klare Licht stellten, so z. B.:
1) ihm eine, seiner Nation sympathische und zugleich lucrative Beschäftigung zu finden und dass namentlich eine, die die nationale Moralität zu heben vermag,
2) das Land in klimatischer Berücksichtigung vor fernerer Entholzung zu schützen,
3) die Viehzucht im Inselreiche gesetzlich zu beschränken, d. h. auf einen geringeren Massstab zu stellen, damit der Graswuchs des verhältnissmässig kleinen Areales nicht durch dieselbe in seiner Produktivität leidet,
4) die Einwanderung nützlicher, sich leicht und gerne naturalisirender Elemente, wie z. B. die der Chinesen zu unterstützen, die ob einflussreich oder nicht einflussreich werdend, in beiden Fällen dem Lande in jeder Beziehung mehr Vortheil als Nachtheil bringen werden, wie es die Insel Java genügend beweist. Man muss natürlich das Land zur Erhaltung des nationalen Charakters, des nationalen Typus vor der chinesischen, gleichwie vor jeder fremdnationalen Monopolisirung schützen.
5) Ein nur langsam progressiver Fortschritt und das namentlich in den Einrichtungen mit Dampfbetrieb, die soviel als möglich vermieden werden müssten.
6) Erhaltung der Naturkräfte des Landes und wo dieselben durch Uebereilung oder durch die Erwerbswuth gewisser Unternehmer geschädigt worden, dieselben sofort zu ersetzen und zwar namentlich durch die Erhaltung der noch bestehenden und die Wiederpflanzung der vernichteten Waldstrecken unter dem Schutze eines geregelten Forstgesetzes.
7) Erhaltung und Vermehrung der augenblicklich sichtlichschwindenden Insecten fressenden Vogel durch ein Schonungsgesetz.
8) Man vermehre den Anbau des Kaffeebaumes, des Cinnamóm und des Cinchóna als auch anderer nützlicher Busch- und Straucharten, die an und für sich nützlich sind, dem Boden Schatten geben, demselben die Feuchtigkeit erhalten und daher den Graswuchs befördern, vermeide deshalb den Anbau des Kaffeebaumes als Plantage.
9) Einführung der Seidenraupenzucht resp. des Maulbeerbaumes und der Obstbaumzucht. Man legatisire ein durch jährlichen Staatszuschuss sich vergrösserndes Capital zur Unterstützung und Prämirung dieser Anbauten.
10) Man versuche durch Saat oder Pflanzungen des Sandelbaumes die weiten öden Strecken der Inseln wieder nutzbar zu machen.
11) Man suche durch Südseeinsulaner und namentlich einwandernde Chinesen, die sich bekanntlich leicht naturalisiren und mit dem nationalen Stamme amalgamiren, die Bevölkerung der Inseln und dadurch die Arbeitskraft derselben soweit zu vermehren, dass man weniger die Dampfkraft in Anspruch zu nehmen braucht, die laut meiner festen Ueberzeugung ein unheilbares Gift dem kleinen Inselreiche werden muss, da unsere Zeit der masslosen Erwerbssucht keine Schranken kennt.
12) Man suche dem einheimischen und naturalisirten Einwohner die Unternehmungen im Lande zu erleichtern und suche dem fremden durch Steuern solche zu erschweren, um ein Gleichgewicht, womöglich ein Uebergewicht zu Gunsten der ersteren zu entwickeln. Denn keine bleibende, reelle Wohlfahrt lässt sich in einem Lande erwarten, wo ein den Interessen des Landes fremd-nationales Element, das nur seines eigenen Vortheiles bedacht, die Machthabung erlangt und sozusagen die Nation des Landes verdrängt, durch welche Dominion das Land alsdann nur leidet. Wo ein fremdes Element die Machthabung im Lande hat, da wird, wenn auch eine Blüthe des Landes sich zeigt, es nur eine Scheinblüthe sein, die oft erschreckend plötzlich schwindet, sobald das machthabende fremde Element nach jahrelangem Aussaugen und Devastiren des Landes sich quasi gesättigt fühlt oder für sich keinen genügenden Vortheil mehr zu finden glaubt: ein Resultat, welches sich leider in so vielen Ländern schon gezeigt, wo ein solches machthabendes und monopolisirendes, fremdes Element gewirkt hat; namentlich in den Ländern, die unter dem philantropischen Joche oder dem Protektorate der anglo-sächsischen Race sich befinden, zeigt sich dieses Resultat in erschreckender Weise. Bei dieser Race, sobald sie die Macht errungen, wird eine sich der Corruption hingebende Tendenz auffallend entwickelt, der zur Folge Oppressionen und von Tag zu Tag zunehmend egoistische Missbräuche ihrer Gewalt mit auffallend gewandt erdachten Entschuldigungsgründen entstehen. Diese Tendenz und die Folgen derselben bilden freilich einen grellen Contrast gegen die möglicherweise auch nur scheinbare, jedoch bestehende philantropische, stets von Gerechtigkeit und Freiheit sprechende und gemäss dieses Principes constituirte Handlungsweise der regierenden Elemente ihres Mutterlandes, Englands. Dieser Contrast lässt sich, wenn er ein wirklicher und nicht ein scheinbarer blos ist, folgendermassen erklären:
1) Durch die grosse Entfernung vom Mutterlande. In der Ferne ist der Auswanderer weniger der Furcht ausgesetzt, vor seinen Mitbürgern im Mutterlande zu erröthen, ist demnach in seinen Thaten ungebundner, despotischer, jähzorniger und ungerechter.
2) Durch das tropische heisse Klima. Der Körper verliert daselbst leichter seine Rüstigkeit und Frische. Demzufolge verliert auch die Seele an Kraft und Frische. Hierdurch schwindet allmälig die nationale Ausdauer, die Humanität und so auch die Gerechtigkeit.
3) Durch die Eigenthümlichkeiten der Länder unter den Tropen, wo die Natur und die Gebräuche sogar den Eingebornen, freilich in seiner Art, zur Weichlichkeit verleiten, und daher auch den Fremdling als Inwohnerin seiner Art verweichlichen. Denn es entsteht bei demselben eine gewisse Erschlaffung des Geistes und des Körpers, eine gewisse Gleichgiltigkeit, Fahrlässigkeit und demzufolge oft unwillkürliche Ungerechtigkeit.
4) Dadurch, dass in einem Lande, wo der Fremde auf Kosten seiner Gesundheit und einer ihm unsympathischen Lebensweise, entfernt von seiner Heimath, nur hingewandert, um möglichst rasch reich zu werden oder durch pompöse Thaten und weltschallenden Ruf in Rang und Amt rasch einen Glanzpunkt zu erlangen, im Individuum die Erwerbssucht, das Selbstgefühl und der Ehrgeiz derart überhand nehmen, dass sein ganzes Streben nur nach Geld, Ruhm und auf das liebe Ich gerichtet ist, wodurch Humanität und daher auch Gerechtigkeit so leicht bei ihnen vollständig schwindet.
Ich habe unter dieser Nation principielle Aussprüche gehört, die erschreckende waren und die ihre Handlungen und Tendenzen in das klare Licht stellten, so z. B.:
„Es möge die verdammte Gegend, es möge das verdammte Volk des Landes, wo er sich gegenwärtig befindet, untergehen, es mögen ihre verdammten Mitbürger, ihre heimathlichen oder ausländischen Compagnons, es möge Alles untergehen, so lange sie nur dadurch reich werden oder einen Ruf erlangen können. Alle Gegenden der Erde sind ihnen zu diesem Zwecke gleich. Jungfräuliche Regionen gibt es für sie in der Welt noch viele, die sie, nachdem sie die eine ausgenutzt und verwüstet haben, von Neuem aussaugen und devastiren können.“
Wie soll bei einem solchen Principe — und das einem sehr ausgebreiteten — eine Weltmacht habende Nation einem Lande und dessen einheimischem Volke auch nur den geringsten Nutzen bringen? Es kann ein solches Princip nur die Vernichtung der Kräfte des Landes und die sittliche Verderbniss des nationalen Volkes hervorrufen!
Wie schon früher erwähnt, hat die intelligente Nation der Hawaii-Kanaken es verstanden, im Verlauf von 53 Jahren aus dem grellsten Barbarismus unter der Leitung einer constitutionellen Regierung sich zur Stufe eines gebildetenStaates emporzuschwingen und dies obendrein mit gewaltigen Hemmnissen, die sich ihrer natürlichen Entwicklung entgegenstellten. Diese Hemmnisse lagen in dem wenn auch nicht direkten, so doch indirekten Bestreben Englands, der Vereinigten Staaten und Frankreichs, das Inselreich zu annektiren oder, richtiger gesagt, lagen und liegen noch in der begründeten Befürchtung des Landes, dass benannte Staaten den günstigen Augenblick erwarten, um die Inseln zu annektiren, wie es meine hier nachfolgende Entwicklungsgeschichte des Inselreiches klar beweisen wird und mich berechtigt, als Motto derselben „Homo hominis lupus“ zu wählen.
Zu schwach, um mit Energie und Gewalt gegen diese, ihre Selbstständigkeit und ihre Entwicklung bedrohenden Tendenz aufzutreten, oft abhängig von ihrem, der Wankelmüthigkeit oder den verlockenden Versprechungen und Zureden hinneigenden Könige, drückt die Nation moralisch, gleich wie ein Alp, der Gedanke an eine plötzliche speculative Annexion des Landes oder der des Gefühles, das Loos der Fitgi-, und Tahiti-Inseln und in Bälde auch das von Madagascar theilen zu müssen.
Dieses Loos wie bei allen bisher annektirten Ländern der anglosächsischen Race, die die Verachtung der Eindringlinge gegen die Eingebornen stets zeigt, hat die Ausrottung derselben fast ausnahmslos zur Folge gehabt. Diese Ausrottung entstand und entsteht noch durch die Demoralisirung der Eingebornen in Folge der verachteten secundären Stellung, die sie nach der Annexion sofort einzunehmen gezwungen wurden und noch werden, sowie durch das Verdrängen der Nation, durch die progressive Massenzuströmung meist abenteuerlicher, erwerbgieriger Einwanderer der sie fühlbar und wirksam verachtenden weissen Race und endlich durch die Einführung nordischer Gewohnheiten, Gebräuche und Laster, namentlich durch den Import des dem Anglosachsen zum Lebensbedürfniss gewordenen Alkohols. Durch dieses den Geist des Menschen monopolisirende Gift hatten die Nordamerikaner das wirksamste Mittel gefunden, um radikal die Indianer zu vernichten,und hat dasselbe auch in den Sandwichinseln oder den Inseln von Hawaii, die noch nicht annektirt, jedoch unter dem Einflusse des anglosächsischen Elementes resp. der vereinigten Staaten sich befinden, schon seine tödtliche Wirkung gezeigt und würde jene noch verwüstender zeigen, wenn nicht die weise Regierung des Inselreiches durch ein, durch die weisse Bevölkerung des Landes stark bekämpftes Gesetz das Ausschänken und Verkaufen von Alkohol an Eingeborene, so auch das Trinken desselben im Volke gegen Strafe verboten hätte. Denn bekanntlich ist der Kannake gutmüthig von Natur, wird aber durch den Alkohol im Rausche leicht einem wilden Thiere gleich.