Frau Tilde

Mitdem Morgengrauen waren sie wieder alle Mann beim Bäumefällen. Auch Gisbert tat heute hier Arbeit, und er tat fast des Guten zu viel. Was seine feinen Glieder hergeben wollten, holte er heraus. So leidenschaftlich war er am Werk, mehr als einmal mußte Elbenfried, der Arbeitsführer, ihm Ruhepause auferlegen. Sie wußten alle — und alle waren ihm herzlich zugetan — wie sehr er noch immer seine Kräfte zu schonen hatte.

Kunz war schlecht gelaunt. Er war heute beim Mundausspülen zu kurz gekommen. Denn mühsamer als je war das Weckeramt von Gisbert und Muz verlaufen. Unruhige Träume hatten ihn allzu schwer heimgesucht.

„Dir verdanke ich das,“ so klagte er Gisbert an, „Dir und Deinem Hindutum. Die ganze Nacht habe ich es mit der Seelenwanderung gehabt. Und Muz, der auf nächtiger Insektenjagd mit den Schenkeln die Diele klopfte, gab den Takt dazu. Wisse es: meine Seele fuhr in einen Floh.“

„Oh!“ echote Gisbert munter.

„Auf Muzens Fell trieb ich mich um, und in was für einer Gesellschaft — was für schwarze Seelen waren da beisammen! Weibliche zumeist. Da war die Frau Potiphar und Herodias und Messalina und die Maintenon und Ninon de Lenclos, Lola Montez und die Pepita. Die faßten sich an und tanzten um mich herum im Ringelreihn. Und die dicke Messalina zog mich beiseite. ‚Was bist Du für ein nüdlicher kleiner Flohhengst‘, sagte sie, ‚aber so schüchtern! So schüchtern!‘ Und weiß Gott, ich wurde verlegen. Floh sein ist schon nicht so leicht. Aber ich sag euch, ein Floh in Verlegenheit —! —“

Die zuhörten, mußten lachen. Auch Muz freute sich. Und tat, was er dann immer tat. Er drehte sich um sich selbst im Wirbel und spielte Greif mit seinem Schwanz.

Gisbert aber hatte genug. Er spähte, wo er sonst Hand anlegen konnte, und brachte sich auf Hörweite in Sicherheit.

„Du — Gisbert — das Wahre kommt ja erst!“ rief Kunz ihm nach. Aber Gisbert schlug schon mit der Axt, und die Späne sprangen.

Kunz sägte mit dem Balbutz. Da waren die richtigen Kumpane beisammen, doch die Arbeit flog.

„So sind sie nun, die Bramaputraleute.“ Kunz schnob vor sich hin. „Jedes Lebewesen ist heilig! hat er mir eingeprägt. Und wiederum hat er mir eingeprägt: in jedem unserer Träume ist eine Wahrheit. Nun also! Und jetzt nimmt er Reißaus vor seiner eigenen Glaubenslehre.“

Gisbert ließ im Arbeitseifer nicht nach. Eben weil sie ihn für einen Träumer hielten — wie gern nannte Kunz ihn die Lotosblume — eben deshalb wollte er hier seinen Mann stehen.

Horst nahm sich den heiligen Josef vor. „Wir müssen uns nach dem Befinden unseres Patrons erkundigen.Wollen wir nicht unseren Gisbert dazu bestimmen! Er ist ja wie im Fieber und schuftet sich hier glatt zuschanden.“

Gisbert zuckte mit den Brauen bei dem Auftrag — er fühlte eine Bevorzugung und Entlastung. Aber die Disziplin saß ihm im Blut. Das Wort des Werkführers galt. Nun war er auf dem Weg nach dem Gutshaus. Bald, nach einer kleinen Stunde schon, kam er zurück. Wie schreitet er bloß, dachte Kunz. Als ob er auf Wolken wandele. Und weiter forschte Kunz, der ihn so gut kannte: Was hat er in den Augen? Ist das nicht wie ein großer seliger Schreck?

Und dann bestellte Gisbert, dem Herrn von Borkhus ginge es gut, seine Tochter, Frau von Mönkhov wäre gekommen. Beide bäten Horst, Dankwart, Kunz und ihn selber, abends eine Tasse Tee im Gutshaus zu trinken.

Die Tochter des Herrn von Borkhus — nun wußte Kunz, wovon sein Gisbert so selig, bis in die Seele erschrocken war. —

Sie machten sich fein zu dem Abend, Horst, Gisbert und Kunz. Dankwart konnte von seinen Modellen und Tabellen nicht fort.

Borkhus war auf den Beinen und empfing sie. Seine schweren Augen leuchteten gesund unter dem weißen Turban des Verbandes.

„Der Aderlaß hat mir gut getan“, sagte er. „Meine Ischias hat sich verblutet. Ich kann laufen wie ein besserer Faßbinder.“

Und dann hatte er seine Tilde bei sich, seine Tochter.

Sie hatte etwas still Verhaltenes, fast mädchenhaft Scheues, diese schlanke, zarte, großäugige Frau, als sie den Herren gegenübertrat. Mit kindlich verlegener Bewegung strich sie die Strähne zurück, die aus ihrem reichen hellbraunen Haar sich löste.

„Was sagt die Welt,“ so erklärte der alte Herr die Sachlage, „die wildesten Gerüchte über mich verheeren das Land! Setzt sich dieses Mädchen nicht — und sie soll Haus und Hof hüten, denn ihr Mann ist nicht daheim — setzt sie sich nicht vor Morgengrauen in den Schlitten und läßt die Traber glattweg die fünfzig Kilometer fressen!“

„Es ist eine glänzende Bahn“, entschuldigte sich Frau Tilde. „Und auch, wenn wir die nicht hätten —“ sie faßte still ihres Vaters Hand.

Die drei jungen Männer musterten sich. Wie verändert sie waren! Welch ein Glanz auf ihnen lag, welche Farben sie trugen — von dem Wesen der Frau. Sie, die das harte, graue, lichtlose, lustlose Barackenleben einschloß. Nun rieselte es über sie von der hellen Wonne.

Und listig lauerte auch wohl jeder, wie die anderen ihre eigenen Farben spielen ließen, zum Werben. Nur daß Gisbert sich schnell und ganz begrub in die Märchenferne dieser Frauenaugen.

Worüber sprachen sie bei Tisch? Über Deutschlands Wunden, in der Andacht ihres Schmerzes. Von ihrer Unfreiheit, ihrer Knechtschaft, ihrer Schmach. Frau von Mönkhov sagte: „Nun haben wir es nicht mehr, das stolze Wort: mein Haus ist meine Burg. Jetzt müssen wir uns schon an Meister Ekkart halten, der uns lehrt, daß unsere Seele unser Bürglein sei.“

Wie schwang und klang es in Gisbert auf. Welch ein Lichtband schlang sich um ihn und diese innige Frau.

Horst aber gab seine harte Zweckmäßigkeit darein: „Nur sollen in diesem Bürglein nicht zu viel der frommen Träume umgehen.“

„Ihnen ist es ums Schaffen. Mir auch. Aber das bleibt nun die Wahrheit: produktiv sind wir nur solange als wir religiös sind.“

Kunz aber kaute schon wieder an seinem Zorn. Daß wir uns vor lauter Geistigkeit nicht zu lassen wissen, das ist unser Verderb!

Und der alte Herr, in einer Art mitleidiger Angst, meinte: „Gut, daß Achim, Dein Mann, Dich nicht hört!“ — Für den war Religion das rote Tuch. „Religion, so nennen die Menschen ihre Alterserscheinung —!“

Mit Achim von Mönkhov kamen sie zu den Tagesereignissen. Er hatte seinen Koch auf den Schub gebracht, und der spielte jetzt in der Kreisstadt unter den Radikalsten eine Hauptrolle.

Der Vater wollte Einzelheiten hören. Hier griff die Politik in die Familie. Zögernd und ungern erzählte Frau Tilde. Der Mann sei von Tag zu Tag aufsässiger geworden, bedrohlich zuletzt. Da habe ihn Achim kurzerhand hinten am Rockkragen genommen, ihn vor sich her immer mit steifem Arm, zum Hause hinaus über den Hof bis zum Tor geschoben. Und ihm unterwegs in seiner eiskalten Ruhe gesagt: „Zum Lohn für Ihre unvergessenen Wildpasteten besorge ich dieses eigenhändig.“

Die Zuhörer wollten dies als ein sehr sauberes Stücklein gelten lassen. Tilde aber schüttelte ablehnend den Kopf. „Nichts auf der Welt macht so böses Blut wie diese üblen Handgreiflichkeiten. Und wollen wir uns untereinander denn immer mehr erbittern!“

Ihre Augen möchten der Märtyrerkrone ihres Vaters liebes erweisen. Aber dann erschrak sie vor dem Schatten in seinem Blick. Und der Gedanke an seine eigene schwere Tat trübte ihr den Sinn. War es nicht die wildeste aller Handgreiflichkeiten, was auf ihm selber lastete?

Aber schon war Kunz zur Stelle. „Gnädige Frau, es gibt einen alten niedersächsischen Spruch:

„Wur all dat anner beden nich düest,dor beden am besten de beiden Füest.“

„Wur all dat anner beden nich düest,dor beden am besten de beiden Füest.“

„Wur all dat anner beden nich düest,dor beden am besten de beiden Füest.“

„Wur all dat anner beden nich düest,

dor beden am besten de beiden Füest.“

Diese betenden beiden Fäuste — sie gehören nun einmal zum Inventar der deutschen Welt. Und für mich gibt es keine Religion ohne die. Mir soll nun einmal keiner den Christus nehmen, der das Schwert gebracht hat und dem seine Mannen Heeresfolge leisteten! So wenig wie den Gott, der Eisen wachsen ließ.“

Sie sah den Sprechenden an mit ihren weiten Augen, nicht verweisend, nicht zustimmend, gütig und doch fern. „Vielleicht bin ich zu müde geworden für das alles.“ Sie mußte wohl diesem lohenden Kreise die Blässe erklären, die sie selber fühlte. „Vielleicht habe ich mich erst zu erholen von den vier langen Jahren der Angst. Um die vier, die ich im Felde hatte. Von denen zwei nicht wiedergekommen sind.“

Die zwei waren ihre Brüder. Der Vater legte die Hand auf ihren Arm. Sie strich sich das Haar aus der Stirn. Ihre Augen blieben tapfer.

Dann suchten und fanden sie alle festen und gesunden Boden in dem Nächstliegenden, dem Siedlungswerk.

Frau von Mönkhov begann sich fast freudig zu beleben. Jeder Winkel des Geländes war ihr vertraut. Sie machte Horst noch besonders auf eine Mergelgrube aufmerksam, die längst nicht richtig ausgenutzt sei. Wobei ihr Vater das komisch lange Gesicht eines Getadelten aufsetzte.

Diese großen Augen der stillen Frau, sie waren jetzt heimgekehrt aus ihren Fernen, sie hatten einen nahen vertrauten Glanz gewonnen.

Gisbert saß wie ein Betender.

Und jetzt fragte sie fraulich, mütterlich nach dem Wohngelaß der Siedler.

„Wir haben es sehr gut“, sagte Horst.

„Wunderbar haben wir’s!“ erklärte Gisbert. Ihm hatte schon ihre bloße Frage aus dem Holzstall ein Feenschloß bereitet.

Nur Kunz machte ein beschauliches Gesicht. „Ich weiß nicht,“ bemerkte er, „ob es fantastisch ist, bei einer Bettstatt an gehobelte Bretter zu denken. Ein so rühriger Schläfer, wie ich es nun einmal bin, darf getrost sein Fell nächstens einem Holzhändler zur Ausbeute überlassen.“

Frau Tilde, lächelnd, erkundigte sich jetzt nach der Beköstigung, nach der Küche.

„Unser Essen ist gut“, bestimmte Horst.

„Herrlich!“ sang Gisbert aus seiner Höhe.

Kunz aber starrte wie entseelt vor sich hin.

Borkhus, dem er Spaß machte, weckte ihn und forderte genußsüchtig: „Sie müssen auch Ihr Sprüchlein sagen.“

„Soll ich? O Du mein! Unser Koch ist Installateur von Beruf. Die Wasserleitung ist sein Leben. Teekesselfett ist sein Element. An seiner unsterblichen Kartoffelsuppe hat er unverzagt solange gearbeitet, daß er jetzt imstande ist, sie sogar ohne Kartoffeln herzustellen.“

„Danach sehen Sie eigentlich nicht aus“, meinte Frau Tilde.

„Oh, wenn ich mir nicht dann und wann ein paar Gabelbissen zusammenwilderte —“

„Lassen Sie sich nicht dabei kriegen!“ drohte Borkhus. „Und wer bereitet Ihnen wo diese Leckereien zu?“

„Das sag ich nicht.“ Ein Schlingel verkroch sich in seinen Augenwinkeln.

„Aber erschrecklich unsozial ist das doch!“ gab Frau Tilde darein, mit scherzendem Ernst.

Kunz schmunzelte: „Eine Krickente — dreiundzwanzig Kostgänger — und die soziale Frage! Da ess’ ich den Vogel todesmutig allein. Aber ich werd mir jetzt alleMühe geben, genossenschaftlicher zu schießen, und mir einen Hirsch langen.“

„Das wird Ihnen leid,“ knurrte Borkhus, dem es jetzt doch über die Leber lief.

Seine Tochter aber wollte noch mehr von dem Barackenleben wissen, zumal von seinem geistigen Bau. Und Horst berichtete kurz von ihrem kleinen Staat. Ein Wahlkönig steht an der Spitze. Von den Mannen erkoren — und absetzbar, sobald er versagt. Bei den einzelnen Arbeiten sachverständige Leiter. Im übrigen keine Rangunterschiede. Jeder hat den Wert seiner Kraft.

„Womit die Rangunterschiede gegeben sind!“ knurrte der politische alte Herr.

Dazu Horst: „Wer kann die Unterschiede aus der Welt schaffen? Die Unterschiede sind die Welt. Dafür wandeln sich ihre Grenzen und Übergänge. Gerade in ihrer Beweglichkeit sind sie das Lebendige und das Ewige. Und darum auch der Inbegriff aller Freiheit. Deren Tod ganz einfach die Gleichheit wäre.“

In Gisbert drängten seine Empfindungen zum Worte. Er wußte, wie schwer er die Rede meisterte. Die natürliche Scheu des Mannes, vor einer Frau — und nun gar vor dieser Frau! — seine Mängel zu zeigen, lag schwer genug auf ihm. Aber, was er fühlte, wollte ans Licht.

„Unterschiede — warum sprechen wir so gerne von den Unterschieden? Warum nicht lieber von dem Gemeinsamen! Von der großen Sehnsucht, die in allen lebt. Und in der sich alle zusammenfinden. Wie alle Wasser zum Strome, wie alle Ströme zum Meere fließen. Derselbe Zug in uns allen. Suchende, Wandernde wir alle, die der Schmerz unserer Endlichkeit treibt. Warum uns stören, uns hindern und bekämpfen mit den armseligen Gegensätzen, statt die große Gemeinschaft uns tragen zu lassen! Zu unserer aller Ziel— dem Gemeinsamen! Hinein in das Bewußtsein und den Besitz der Unendlichkeit!“

Er rang an den Worten, mit den Worten, in denen mehr war als das karge ihrer Allgemeinheit. Der Reichtum war in ihrem Klang, und dieser Klang war Seele von seiner Seele und war wie der Glanz seiner inbrünstigen Augen. Heilig war ihm, was er bekannte — aber dann erschrak er, daß er bekannte. Und die kleinen Fragen kamen: wollten sie das hören — und gehörte das hierher?

Und verlegen fühlte er sich zu Kunz zurück, dem Freunde, dem so anders beflügelten, aber dem Freunde doch. Der ihn liebevoll aufnahm mit offenen Augen, wenn auch der lächelnde Unmut nicht schwieg. Die Lotosblume! Kann das Leuchten nicht lassen!

Frau Tilde horchte in sich hinein. Da in der Tiefe läuteten dieselben Glocken. Sie hatte es bisher vermieden, in der Scheu vor dem Gleichgearteten, dessen sie auf den ersten Blick sich bewußt war, Gisbert die Arme aufzutun. Jetzt aber, wo der Gleichgestimmte Zeugnis ablegte, umfaßte sie ihn mit einer Art wehen Zärtlichkeit und blieb an seiner Seite.

„Ich fühle wie Sie“, sagte sie einfach und fest. „Und was die Zeit auch von uns fordert, es ist etwas da, was über der Zeit ist. Dahin schauen wir, dahin ziehen wir —“

Horst sprach: „Wir wollen uns die Sterne nicht nehmen lassen. Auch sie gehören zu der Erde. Aber der Festtag sind sie. Und heute, wenn wir unser Leben leben wollen — auch den Festtag müssen wir zum Alltag machen! Es gibt keine Feste!“ Hart, eng, unerbittlich und rauh wurde Ton und Gedanke. Er stockte und schwieg.

Kunz aber packte unter dem Tisch seine Hand. „Es gibt keine Sterne! Solange es kein Deutschland gibt, gibt es keine Sterne!“

Und das Zeugnis dieser Schwurgenossen, lauter, näher, trotziger als jene Seelenrufe und voll Bitternis, es blieb Herr über die Geister. Sie alle bannte es, denn in ihnen allen war das zitternde Schwingen der einen Not.

Herr von Borkhus brauchte Ruhe. Die Gäste brachen auf.

„Müßte ich nicht morgen wieder nach Hause,“ so wandte sich Frau Tilde an Horst, „würde ich mir Ihren Bau einmal ansehen. Und Ihre Kartoffelsuppe probieren. Und Ihnen“ — jetzt kam Kunz an die Reihe — „würde ich aus unserem Handwerkskasten einen Hobel mitbringen.“

„Für mein Fell oder für meine Seele?“ gab der zurück und verbeugte sich lächelnd.

Gisbert bekam keine Munterkeit zu hören, ihm gab sie nur still die Hand.

Und nun schritten die drei Männer durch die Winternacht heimwärts.

Heimwärts? Das Wesen der Frau geleitete sie wie ein Glanz. Ihre Zartheit, das Gepflegte des Körpers wie des Geistes, die Kultur Leibes und der Seele — von ihrer Stimme der Klang, dies Aufleuchten ihrer großen Augen aus wehmütiger Tiefe zu strahlender Sicherheit, der Pulsschlag ihres lebendigen Wortes, der gütige gebende Druck ihrer feinen sorgenden Hand — alles das war mit ihnen. Das Frauliche war um sie. Von der Mutter her, von der Geliebten her, das Gehegtsein, das Umfangenwerden, das geborgene Hausen — diese Klänge begleiteten den Takt ihrer Schritte.

Was winkte ihnen? Der kalte, düstre, niedere Stall. Wo jeder eingepfercht war in der lieblosen Verlassenheit seiner Schlafbucht.

Die Weichheit war bei ihnen allen, das Heimweh.

Horst machte sich traumfest. Er zog, wie immer dann, den Buckel krumm gleich einem Tier zum Sprunge und warf sich nun schonungslos in die Wirklichkeit der Pflichten.

Kunz aber beschwor mit Bedacht einen weniger holden Geist gegen die Lichtgestalt, die mit ihnen schwebte: „Wer mag dieser Achim sein, dieser Ehegatte? Was weiß man sonst von ihm, als daß Religion ihm Gehirnverkalkung ist? Und er einen Koch im steifen Arm verhungern läßt?“

Gisbert machte keinen Buckel und beschwor keine Geister — er zog seine Lichtbahn.

Wie die Baracke vor ihnen aufdrohte und die beiden — hinein ins Verderben! — ihre Schritte beschleunigten, blieb er zurück und im Takt seiner Musik. Als Kunz sich nach ihm umdrehte, erklärte er: „Ich gehe noch einmal an die See.“

Sie ließen ihn und sprachen von der Arbeit, von morgen.

„Wir müssen Pferde kaufen, Kunz. Die Preise steigen ins Schwindelhafte.“

Kunz, der von der Kavallerie her kam, war ein gewiegter Roßtäuscher und jedem Pferdeschmeißer und Viehhändler gewachsen.

Gisbert ging an die See. Der abnehmende Mond, schwer in dunklem Gold, stieg aus der Flut. Langsam, wie lastend, rollte der rote Schein über die gebändigten Wellen. Wie in Trunkenheit wiegte sich die leise Brandung, erschrak, wenn sie rauschte, und gewann das Schweigen.

Die helle Nacht trank alles in sich auf, was noch sprach und flüsterte. Alle Stimmen, alle Schwingungen der Welt mündeten in die große Sternenstille.

Und Gisbert, was er mit sich trug, was ihn erfüllte und quälte und bewegte, was in ihm klagte und jubelte— es löste sich ihmalles in die lichte Unendlichkeit dieser hohen Ruhe.

Was die letzten Stunden ihm geschenkt hatten, das Wissen von dieser Frau, ihre Nähe, die Gemeinschaft mit ihr — „ich fühle wie Sie,“ so hatte sie gesprochen — das alles blieb nicht in der Verzückung und in der Begehrlichkeit des Rausches. Es stieg auf aus der Tiefe, befreite sich von der Blutwärme, von dem Zittern der Sinne, verklärte sich in diesem reinen kalten Licht über dem Leben und ging ein in das All.

Und unter Schauern wird es ihm gewiß, ich habe den Weg, die Bahn steht mir offen — ich kenn’ es und kann es, das „Stirb und Werde“!

So stand er, verzaubert.

Dann aber, als wäre es ihm um diese Sicherheit gewesen, zerbrach er die Starrheit, reckte die Arme, und da er zurückschritt über die Heide, sang seine Jugend ihr Lied.

Sang das Lied dieser Frau.

Hier meine Hand — ihre Finger haben sie umschlossen. Meine Hand — sieh, Mond, du lieber, dummer, du gescheidter, meine Hand ist dies! Meine glückselige Hand ist dies! Siehst du, wie sie leuchtet! Und so leuchte ich selbst! Ganz und gar leuchte ich so.

Auf Flügelschuhen schritt er, den Kopf gehoben, die Brust geschwellt. Jauchzend die Seele.

„Ich fühle wie Sie! Ich fühle wie Sie!“

Und dann stürmte er jungenhaft über die Halde — sprang über einen erratischen Block — fiel in den Schnee — wälzte sich wie ein Füllen, alle Viere gestreckt, und lachte wie ein Narr, wie ein Kind.

Lebhaft trat er in sein Gelaß. Kunz war im Einschlafen. Ward ungehalten und lallte ihn an: „Was fällt Dir ein — Du trampelnder Mondstrahl — Du brüllende Ätherwelle — Du — Du tobsüchtig gewordener Blütenhauch — —“

Von dem Blütenhauch durfte er sich betäuben lassen zu ruhigem Schlaf. Der konnte etwas ergiebiger sein, denn morgen war Sonntag.

DerVormittag gehörte jedem für seine Briefe und eigenen Geschäfte. Nach Tisch gingen Horst und Kunz auf den Pferdekauf.

Es war ein erfolgloser Weg. Zuerst war ein Bauernhof an der Reihe. Von den Pferden kam hier eins in Frage. Das andere, ein Blender, hatte schlechte Beine. Der Bauer wollte nur beide zusammen verkaufen. So konnte aus dem Geschäft nichts werden.

Auf dem Rittergute Buchhof, wohin sie dann gepilgert waren, gedachte ihnen der Administrator — der Herr war nicht zu Hause — ein Paar tiefsinnige uralte Kracken zu versetzen. Horst dankte kühl. Kunz aber konnte sich den Zusatz nicht versagen: „Wir wollen nämlich Pferde kaufen und keine Philosophen. Wir wollen mit den Tieren pflügen und Mist fahren und uns nicht Memoiren von ihnen erzählen lassen.“

Blieb noch Claus von Tangentien, der aber nur der Form wegen auf der Liste stand. Denn zum Pferdehandel mit diesem alten Ammoniakiter — wie Kunz ihn getauft hatte — zogen sie keine zehn Pferde.

Die Dämmerung fiel schon ein, als die beiden weidlich verdrossen, den Fuß auf Moorhofer Gebiet setzten. Die Abendsonne hatte sich in den Nebeln überm Moor verblutet. Von den schneeigen Feldern zogen hungrige Krähen müden Fluges nach dem Kiefernwald, bäumten dort auf und richteten sich klagend und frierend ein für die Nacht. Da hinten die See hauchte eisigen Daak über Dünen und Heide.

Horst war ungehalten über den verlorenen Nachmittag. Er mußte noch etwas ausrichten, so konnte er nicht nach Hause. Das Moor da unten beschäftigte ihn.

„Ich will jetzt doch endlich mal den alten Torfmeister aufsuchen. Kommst Du mit, Kunz?“

„Alte Torfmeister sind mir zu wenig Sonntagsvergnügen. Ich werd mich aufs Stroh werfen und lesen.“

Sie trennten sich. Kunz ging geradeaus weiter nach der Baracke zu, Horst bog links ab die Straße, die am Dorf vorüberführte.

Aus dem Boden stiegen die Nebel, vom Himmel fielen sie, das Wasser, das Moor sandte sie her — so schlugen sie über dem Schreitenden zusammen. Voll Klage und Schauer war die Welt. Unbändiger als je zwang die Schwermut ihn nieder. Er fiel in seine dunkle Stunde. Das wozu? und wofür? saß ihm an der Kehle. War nicht doch alles umsonst und alles verloren?

Was hockt er hier — in diesem kümmerlichen Tun! Was wird damit geschafft? Was helfen all diese armen Kleinigkeiten, wo selbst das Große uns nicht retten könnte! Das Große! Wenn wir es hätten! Wenn es aufstünde unter uns, das Gewaltige, Allbezwingende, das im Sturm uns fortreißt, in dem einen machtvollen Fühlen und Glühen! Uns alle, alle — das Befreiende, die heilige Flamme, das heilige Licht —!

Was würde geschehen mit diesem Großen? Würden wir selber es dulden? Würden wir selber es uns nicht in Stücke zerschlagen!

Wir Deutsche — wir Deutsche! Wir die ewigen Vandalen an uns selbst! Wir, die geborenen Zertrümmerer unserer eigenen Größe.

Deutschland, das ewige Trümmerfeld — nach unserem eigenen fluchbeladenen Willen.

Wozu bauen, was wir selbst doch wieder einreißen!

Und was ich hier bauen will — ist es nicht Kinderkram, wie aus der Spielzeugschachtel! Was soll der Tand! Was soll der nützen! Ein Beispiel sollte es sein, ein Gleichnis, ein Symbol — ja —

Aber ein Symbol der Arbeit? Wer will das! Wer leistet dem Gefolge! Nehmt das goldene Kalb und setzt die Dirne drauf oder den Magier, den Geisterbeschwörer von Geschäft, und ihr habt die Leidenschaften der Zeit mit ihrem Heerbann.

Was kaure ich hier unter dem Schutt! Ein Fremder in meinem Vaterland. Warum dann nicht lieber hinaus in die Fremde! Nach dem Süden, dem purpurnen! In die Klarheit des Nordens! Nur, daß man sein Brandmal trägt, den Galeerenstempel! Die Peitschenstriemen auf dem Rücken! Ein Deutscher — wehrlos, ehrlos. Wer will ihn! Welches Land öffnet ihm seine Grenze!

Vom Leuchtturm auf der Halbinsel ruft das Nebelhorn — Töne fernher, wie aus anderer Zeit, aus anderen Welten. Stöhnende Stimmen von Urzeitriesen, Flüche, Verwünschungen, Todesschreie. Vor mir, um mich das Niflheim! O ging es hinein in das eisige Vorweltchaos!

Wie ein Ertrinkender erlebt er noch einmal sein Leben.

Die jubelnde Jugend unter den strahlenden Augen, der fröhlichen Klugheit der Mutter, die gesammelte Kraft des Soldatentums, trotz all dem Kleinlichen und Lachhaften die ganze Größe des „ich dien“. Die Jahre auf der Kriegsakademie in Berlin, wo Kunst und Liebe ihn so reich beschenkten, und reich auch die stille Lampe bei seiner Wissenschaft. Oft haben ihn die Kameraden „Schuster“ gescholten, wenn er des Wüsten und der Ausgelassenheit satt in seiner Werkstätte sich einschloß. Und gerne saß er bei seinem Leisten, der Kriegsgeschichte. Eine Monographie von ihm über die Schlacht von Saalfeld wurde gedruckt und trug ihm brieflichen Verkehrmit Universitätsprofessoren ein. Dann hatte die Strategie des Großen Kurfürsten es ihm angetan — da kam der Krieg.

Der Krieg! Der Krieg! Und nun riß das Grandiose, das Glorreiche, das Ruhm- und Weihevolle — ja, ja, das ist es bei allem, das bleibt es bei allem, und dafür leben und sterben wir! — wie riß es ihn plötzlich aus seiner Verlorenheit in Nebel und Not!

Und jetzt kroch er nicht mehr, er ächzte nicht mehr — er hatte den Kopf wieder hoch und schalt sich aus. Schäm dich, Horst Oldefeld — Neurastheniker mit Nebelhornbegleitung! Nun faßt du wieder Schritt und tust, was du sollst und mußt — und glaubst an dein Müssen — und läßt die Ausflüge ins Niflheim und in das eisige Urweltchaos. Du bleibst hübsch säuberlich auf deutschem Grund in deinem Arbeitsschritt, du bleibst in deiner Pflicht. Und wenn du das Kleine schaffst, denkst du, daß aus Kleinem Großes wird, daß darum das Kleine mehr ist als das Große! Siehst du! Und das denkst du, lachend und zufrieden! Und bist einer und dünkst dir was! So, mein Junge, und jetzt ist es Abend, du darfst ausruhen und müde sein. Die Tagesfahrt hat dich enttäuscht — sind nicht Enttäuschungen die Schwungfedern des Erfolges?

Und ist dir für heute nicht noch etwas Sonderliches beschieden? Ein Sonderling steht dir bevor, der Erdgeist dieses Landes, der Schatzgräber, der die alten Geheimnisse des Moores ans Licht bringt, zugleich der Totengräber des Kirchspieles, der neue Geheimnisse in die Erde senkt. Lud Uhlenbrook, Torfmeister und Friedhofswärter seines Zeichens. Ein besonderer Mann.

Wohl muß man sich traumhaft feierlich stimmen, ihm zu begegnen. Und die Brille zur Hand haben für Geister und Gespenster.

Sind wir nicht hier an der Kirchhofsmauer? Jetzt steigt die Straße, jetzt kann man hinüberblicken.

Schwer hängen Dämmer und Nebel in den Sträuchern, den kahlen Ulmen, den bereiften Edeltannen und ersticken das matte Schneelicht, das noch von den Gräbern und Wegen aufsteigen will.

Was huscht da und flattert zwischen den Grabhügeln? Ein Körperliches? Ein Schatten? Verschwindet hinter den Bäumen — schwebt wieder aus dem Nebel — eine irrende Seele —? —

Eine schwarze Gestalt — jetzt hält sie der Blick — eine Frau —

Horst kommt an der eisernen Pforte vorbei — da tritt die Gestalt von innen an die Kirchhofstür und rüttelt an den eisernen Stangen. Eine Gefangene der Totenstätte — —

Er geht hinzu. „Ich hab mich verspätet — man hat mich hier eingeschlossen!“ sagt die Stimme von drüben, mehr ungehalten als ängstlich und bittend.

Ein bekannter Klang — und jetzt sieht er die Züge: die Dame von der Versammlung ist es.

„Ich werde den Schlüssel besorgen“, sagt Horst mit schneller Bereitschaft.

Bei ihr ein Zögern. Sie betrachtet sich die Pforte, den Mauerpfeiler. „Wenn Sie mir helfen wollen, komme ich so hinüber“, erklärt sie kurz entschlossen.

Er reicht ihr die Hand, sie setzt den Fuß zwischen die Stäbe, dann auch den anderen — Horst stützt und streckt den Arm — sie klettert auf die Mauer — beugt sich — legt die Hände auf seine Schultern und springt zu Boden. Das alles in einer kühlen Ruhe, ohne betonte Zurückhaltung, ohne regere Verbindlichkeit.

Einfach spricht sie ihren Dank, verneigt sich und wendet sich nach der Chaussee, die zur Stadt führt.

„Es wird unheimlich dunkel — und eine Dame jetzt allein den weiten Weg —“ er ist an ihrer Seite.

„Mir tut niemand etwas.“

„Wenn ich Sie begleiten darf —“

„Das ist sehr freundlich. Aber ich kann wirklich allein gehen.“

Hierin ist nun, bei aller Gelassenheit des Tones, die deutliche Ablehnung. Horst verbeugt sich und wandert seine Straße. Ein wenig beschämt — ein wenig ärgerlich, über sich, über sie. Aber dann schilt ihn nur noch die Ungehaltenheit über sich selbst.

Aufdringlich — ja, ja — er ist es gewesen und ist ihr so erschienen. Immer dieselben Funken, wo die beiden Geschlechter in Spannungsnähe geraten. Die Eitelkeit entzündet sich, die Eroberungslust, die Habsucht.

Hatte er es nicht ausnutzen wollen, daß er ihr den Dienst erwiesen?

Gewiß, sie hat etwas, was ihn reizt. Ihre Persönlichkeit, die schleierhafte Persönlichkeit —? Natürlich das Weib! „Persönlichkeit“ — auch so einer von diesen Zauberapparaten, mit denen wir uns selbst Kunststücke vorführen!

Sie war auf dem Kirchhof. Es gibt Menschen, die für Kirchhöfe eine Leidenschaft haben — heißt, so lange sie selbst munter herumspazieren. Ist sie von denen?

Daß sie ein Grab hier hätte, sie, die landfremde —?

Und da fährt es ihm durch den Sinn: der junge Mann liegt hier begraben, den Borkhus erdrosselt hat! Groß geht es in ihm auf, bis zur Gewißheit: ja, ja — sie war an seinem Grabe — hier ist der Zusammenhang!

Er hatte es nicht begriffen, was damals aus ihren Augen brach, als Borkhus in der Versammlung vor ihr auftrat. Das war mehr gewesen als politischer Haß. Jetzt verstand er dieses Mehr. Der Rachegeist war es eines vernichteten Lebens, das Blutgericht einer zerstörten Liebe, die Tod wollte gegen Tod.

Und wieder ging Horst einen schweren Schritt.

Ein Schicksal — und so erst mußte ihm dies zu Bewußtsein kommen. Wie gedankenlos hatte er bisher diesen Todesfall abgetan. Wie leichtherzig hatte er ihn als was Gleichgültiges, höchstens als ein Unbehagliches von sich gewiesen.

Erst in den Augen dieser Frau mußte sich das Geschehene spiegeln.

Und es wuchs, über das Grauen der einen Tat, hinein in die große Tragödie des Volkes.

Herr von Borkhus selbst hatte es gefühlt, vergraben in die Schauer, hatte es ausgesprochen, nur vor tauben Ohren: „Ein Deutscher erwürgt einen Deutschen mit eigenen Händen! In unseren Tagen gemeinsamer Not! Die Zeit der apokalyptischen Greuel kehrt zurück.“

Nicht der einzelne — und doch wieder der einzelne! Denn aus den einzelnen wird das Volk, und in dem einzelnen ist das Erleben.

Eines Mannes Ende — eines Weibes Verlassenheit und Todestrauer. Eine Nacht nur solcher Verzweiflung — nur die wenigen, die langen Stunden einer einzigen, einer langen, langen Nacht!

Nun ist man im Fühlen, und das Herz schlägt mit.

Eine Frau!

Der endlose Zug der Frauen in schwarzen Gewändern wallt vorüber, der Mütter, der Gattinnen, der Bräute, der Schwestern — viele, viele wie die Schatten, denn ihr eigenes Leben gaben sie dahin.

Doch geheiligt sind sie, die Weihe ist über ihnen, die Weihe des Opfers, das die Liebe brachte, die Liebe zum deutschen Land.

Was aber jetzt im Trauerkleide diesem Todeszug sich anschließt, über denen leuchtet nicht der Segen der Hingabe, sie tragen den Fluch und den Haß. Um sie zuckt und schwelt das wahnsinnigste aller Verbrechen, der Bürgerkrieg — Land- und Eidgenossen morden sich selbst!

O dieser namenlose Frevel an der deutschen Kraft — an der Kraft der deutschen Seele, an der Kraft unserer Wehr.

Jetzt — jetzt, wo wir so bitter nötig Eisen und wieder Eisen ins Blut haben müßten, gerade jetzt spritzen wir uns Gift in die Adern!

Eisen! Wo ist er, der Führer! Der Held von Eisen! Der große Rufer im Streit! Der Lindwurmtöter! Der erst die Drachen im eigenen Lande erschlägt. Und dann die Höllenhunde da draußen.

Der Feind ist im Land! Das ist der Ruf! Der gellt in die Ohren, er greift an die deutschen Herzen, und wären sie noch so zag, noch so träge und weich geworden, noch so dumpf und so niedrig!

Der Feind ist im Land! Wo ist der Heerkönig! Seine Fahne soll wehen! Wir kommen alle, wir folgen dir alle! Ein Meer brandet auf, ein Flammenmeer — eine Sturmflut von Feuer, so brausen wir über die Feinde!

Kreuzfahrer sind wir, geweihte, in Frommheit entbrannte, heilig, heilig ist unser Kampf für das heilige deutsche Land!

Sie haben Maschinen — was sind Maschinen — wir haben den Geist! Und Gott ist der Geist! In Feuersäulen wandelt er vor uns.

So brennen wir rein — die deutsche Erde — von ihren Schändern — in prasselnden Flammen — so brennen wir rein — in jubelndem Feuer — den deutschen Namen — von seiner Schande.

Der Welt stockt der Atem — und die uns geschmäht — sie jauchzen uns zu!

In hohen Sprüngen war Horst vorwärts gestürmt. Nun stand er keuchend. Wo ist er, der große Mann! Warum fehlt uns der Führer in der schwersten Stunde! Warum bin ich selbst ein so armseliger Zwerg!

Wieder krochen die Nebel um ihn zusammen, wieder wollte er schmerzlich und schwer in den alten Trott sinken. Da tauchte am Rande des Moores der strohgedeckte Katen des Torfmeisters vor ihm auf, und das Ziel hob seinen Blick ins Feste, Grade und Helle.

Einspärliches Licht aus einem der Fenster grüßte mühsam durch den Abendnebel. Horst öffnete die Pforte des Heckenzaunes, der einen kleinen Vorgarten einhegte, und trat dann durch die Haustür auf die dunkle Diele. Links war das Licht, er klopfte, eine Stimme, die wie Donner rollte, rief einladend: „Jawoll!“

In dem niedrigen verräucherten Zimmer hockte ein grauhaarbuschiger Riese, der Leib war in einen mächtigen schwarzen Wachstuchlehnstuhl versunken, die Beine durchquerten den ganzen Raum, auf daß die Füße, in ungeheueren Filzstiefeln, mit dem offenen Ofenfeuer treuliche Nachbarschaft hielten.

„Guten Abend!“ grüßte Horst.

„’n Abend“, polterte der Alte mit unglaublich gemütlichem Grollen zurück. Und dann stöhnte er: „Wollen Sie sich setzen. Eh ich aufgestanden bin, haben Sie längst vergessen, was Sie von mir wollen.“

Horst holte sich einen von den schweren eichenen Holzstühlen. Er sagte, daß er von der Siedlung käme.

„Hab ich mir gedacht. Und wissen Sie, daß wir Feinde sind!“

„Feinde?“

„Über ’n Zehntel von meinem Moor haben Sie mir genommen! Aus meinem Leben ist das rausgeschnitten. Denn mein Moor ist mein Leben.“

Jetzt stöhnte er wirklich und aus der Tiefe. Die Hausbalken ächzten. „Seit der Zeit hat es mich gepackt.Und nun ist nichts mehr mit mir los. Haben Sie ’ne Ahnung, was Moorpodagra ist?“

„Nein.“

„Danken Sie Ihrem Schöpfer. Aber —“ jetzt rieb er sich die unermeßlichen Vorderflossen — „vielleicht erleb ich’s noch, daß Ihr Siedler das auch abkriegt! Wär das — wär das ein Schützenfest! Hahahaha!“ Das Haus lachte mit, die Wände, die Dielen, die Möbel.

Mit dieser Verwünschung hatte seine Galle sich entgiftet. Die Augen, große Spitzbuben von Natur und jung trotz der roten wimperlosen Lider, waren schon wieder geneigt, das ganze Leben als eine erkleckliche Schalksnarrheit halb ausgelassen, halb wehmütig zu betrachten. Er rührte sein Fußwerk, sehr behutsam, es ging besser als er dachte. „Torfwasser! Fünfzig Jahre Torfwasser! Torfwasser ist ’ne eigne Mixtur, kann ich Ihnen sagen. Leichen erhält’s. Lebendiges frißt es an.“

Er hatte die Kniee krumm. „Na wollt ihr raus?“ sprach er zu seinen Stiefeln hinunter. Und da sah Horst aus jedem Schaft ein Köpfchen lugen — die grellen Augen stachen nach ihm.

„Was haben Sie da?“ fragte er überrascht.

„Die fressen den Gichtwurm“, gab ihm der Alte zu wissen. „Werden selbst aber nicht satt davon. Meine Wiesel sind das. Na lauft!“ Die fadenschlanken Tierchen schlüpften aus dem Fußgehäuse, liefen an dem Riesen in die Höhe, umkreisten spielend seinen Nacken und schlängelten sich dann hintereinander in ein Loch der Diele.

Nun stand der Alte, reckte sich, nüsterte und schnob, fegte mit seinem Haarschopf die Decke, hinkte zu einem Wandschapp und holte eine Schnapsflasche mit zwei Gläsern.

Sie saßen an dem klobigen Eichentisch. „Selbst gebrannt. Wacholder“, erklärte der Alte.

„Hüt’ dich vor sünd’gem Wandel,vermeide den Machandel!

„Hüt’ dich vor sünd’gem Wandel,vermeide den Machandel!

„Hüt’ dich vor sünd’gem Wandel,vermeide den Machandel!

„Hüt’ dich vor sünd’gem Wandel,

vermeide den Machandel!

Na Prost!“

Er stöhnte wie ein Ur.

Horst sagte ihm, daß die Siedler seinen Rat und seine Hilfe brauchten.

Wirklich! Erst nähmen sie ihm das Beste weg, und zum Lohn dafür sollte er helfen! Christenlehre! Reißt dir einer die Tabakspfeife aus der Hand — gib du ihm Feuer, daß er sie sich auch anrauchen kann! Hahahaha!

Die Stube schüttelte sich, der Eichentisch tanzte Ballett.

Dann schimpfte er auf die ganze Moorwirtschaft hier. Nie hätte er gekonnt, wie er wollte. Der Besitzer, Herr von Borkhus, hätte nun mal keinen Sinn fürs Moor. Was ein Gemütsfehler wäre. Seine Tochter, Frau von Mönkhov, hätte diesen Sinn — und wäre die nicht, gäb es hier den Torfmeister Lud Uhlenbrook längst nicht mehr.

Das Zwanzigfache hätte sich allein aus dem Torfstich herausholen lassen. Aber keine Unternehmungslust, kein Blick, kein Verstand. Selbst für die kümmerlichsten Abfuhrstraßen hätte er bis aufs Blut kämpfen müssen.

Und das Moor ist so brav, so fleißig im Nachwachsen, im Nachschaffen, es gibt und schenkt so gern. So treu ist es gegen die, die es kennen und liebhaben — böse nur gegen die, die nichts von ihm wissen und nichts von ihm wissen wollen. Ob er etwas von ihm wisse?

Nein.

Dann solle er sich nur nicht einfallen lassen, in einer Sturmnacht übers Moor zu wandern. Wenn ihn die Schlünde und Gründe nicht verschluckten, all das, was dann aufgeschreckt wäre aus den Tiefen — heillos würde es ihm die Sinne verstören.

Arm und zu bedauern sei er, daß er nichts vom Moore wisse. Nichts vom schlafenden Moor — nichts von seinen Träumen — nichts von seinem Erwachen. Von den Moornebeln nichts, nichts von dem Moorleuchten. Von seiner Frühlingspracht nichts, wenn die unzähligen goldenen Blumen es bestirnten — nichts von all dem Summen und Zirpen und Tirilieren, von seiner Musik, so vielstimmig und so abgetönt wie keine auf der Welt.

Und die Abenddämmer, die an das Geschwundene rührten — die hellen Nächte, da der Mond die Elfen ruft — die schwarzgrollenden Unwetternächte, in denen die geizigen Zwerge und Gnome mit ihren Irrlichtern nachsuchen, wohin die Blitze ihr Gold gestreut.

Was ruht alles im Schoß des Moores! Kämpfer und Helden, die das Gewoge der Schlacht hier hineinstieß. Könige, die der Ruhm hier im Grabe bettete. Selige selbstvergessene Frauen, die im Traumschritt hinüberwandelten, und die der Tod hinabzog, selbst wie ein Traum — Unselige, die der Gram hier versenkte.

Das Meer, das grausame, zerstört. Alles, was es hinabschlingt, gibt es der Verwesung preis, den Zähnen seiner Bewohner, und wirft und speit die eklen Reste wieder von sich — das Moor sorgsam und sanft, balsamiert alles ein, bewahrt dem Toten die Schönheit des Lebens, hat Freude an der Form und Lust am Erhalten.

So ist das Moor, denn das Moor hat ein Herz!

Dies war der Klang, in dem der Alte sich vernehmen ließ, auf seine Art. Und diese Art stieg über ihn selbst hinaus, da er dem, was ihm ans Leben gewachsen war, seine Hymnen sang.

Horst hatte seine Freude an dem Alten. Er wußte, daß sie beide auch jenseits vom Moor sich nahe kommen würden. „Ich will mich bemühen,“ sagte er, „IhrenFreund zu verstehen. Und womöglich auch Freundschaft mit ihm zu schließen.“

Sie sprachen dann über die Torflieferung für den Ziegeleibetrieb. Dem Siedlungswerk an sich war der Torfmeister zugetan, und er versprach ihm seine Förderung.

Und dann strömte auch ihr Fühlen und ihr Gespräch in die große deutsche Not. Der Torfmeister hatte seine festen Gedanken. Dies war kein grader Krieg — schief kam er und aus der Ecke! Was ging uns um Haut und Haar das an, was da unten bei den Mausefallenhändlern passierte! Ich war 66 und 70 dabei — da wußten wir, was wir wollten! Aber hier wußten wir nicht mal, was die anderen wollten. Und darum, es war krumm und dumm von vornherein. Und doch krümmer und dümmer, was wir all die Jahre vorher angestellt haben, uns all die vielen Feinde aufzuhalsen.

Hierüber brauchten die beiden sich nun nicht weiter zu verständigen. Sie landeten jetzt bei dem Heute, bei dem, was diesem Landstrich beschieden war.

Hier hat es schon vor dem Kriege gezuckt und getuckt, sagte der Alte. Gewiß, vieles, was so von Leuteschinderei geredet werde, sei Hetze und Geschwätze. Aber mancher Gutsherr habe doch sein Teil auf dem Kerbholz. Das Volk wäre ducknackig und trüge viel, aber es fräße alles in sich hinein, und vergäße nie. Da hätte sich also schon was angesammelt. Und jetzt, wo die Funken durchs Land flögen —!

Wie es in Moorhof aussehe?

Herr von Borkhus gehöre nun gewiß nicht zu den Gewaltherrn. Er habe ein Herz für die Arbeiter. Aber er behandele sie nicht gleichmäßig. Leicht risse sein heißes Herrenblut ihn fort — hinterher täte es ihm leid, und überschwenglich verwöhnte er dann die Leute. So aber bekäme man sie nicht in die Hand.

„Sie meinen also auch, uns steht hier noch verschiedenes bevor?“

„Ganz gewiß. Wo jetzt die heftigen Brüder von auswärts kommen und das, was hier glimmt, mit vollen Backen anblasen.“

„In der Stadt hat sich ja jetzt was zusammengetan.“

„Ja. Seit da nun noch der rote Magistrat die Fuchtel schwingt.“

Und nun ist Horst wieder bei seiner Revolutionärin. „Sagen Sie mal, Sie sind doch auch der Friedhofswärter?“

„Ja — und?“

„Wissen Sie, daß da eben eine Dame eingesperrt war?“

„Nein. Wer?“

Horst beschreibt sie. Und jetzt kommt eine fliegende Erregung über den grauen Riesen. Das sei Lona Grahl gewesen! Seine kleine Freundin! Die habe das Grab ihres Geliebten besucht! Und nun müßte er, der Alte, mit seinem kranken Beinwerk gerade den Schlüssel nicht haben! Die Küsterdirn, die dumme, die sich vor Gespenstern fürchte, habe natürlich in dem Nebel vor Abend schon blindlings zugeschlossen und danach spornstreichs Reißaus genommen. „Aber sonst pflegte Lona doch immer nach ihrem Kirchhofsbesuch bei mir einzusehen! Sollten Sie sie mir vergrämt haben!“

Fast zornig flammte es aus den alten jungen Augen gegen Horst.

Der erhebt sich. „Es tut mir leid. Sie weiß, daß ich politisch ihr Todfeind bin. Sie weiß auch um meine freundschaftliche Gesinnung für Herrn von Borkhus.“

Die schwere Pranke des Alten legt sich auf den Arm seines Gastes. Die Aufwallung reut ihn.

„Bleiben Sie noch sitzen. Die Kleine steht mir nahe. Ich hab sie als Kind auf dem Arm gehabt. Sie stammt aus unserer Gegend. Ihr Vater war Pastor in Unkvitz.— Sie sehen die Kirche südwärts vom Moor. Das war ein Mann — was haben wir den geliebt! Zu dem gingen wir alle und nicht zu unserem Pastor hier. Jung war er und fröhlich — und wenn man ihn bloß ansah, wurde man schon ein besserer Mensch. Und was konnte er die Orgel spielen! Jeden zweiten Sonntag gab er ein Kirchenkonzert. Was Beine hatte und Ohren drängte sich dazu. Und seine Frau sang, wie ein Engel aus dem Himmel sang sie. Die war eine berühmte Sängerin gewesen, aber ihren Mann hatte sie lieber als all ihren Ruhm. Und ganz plötzlich — ich weiß nicht, was der Herrgott sich dabei gedacht hat — plötzlich stirbt dieser Mann. Hatte an einem Krankenbett sich angesteckt. Die Frau wurde wahnsinnig. Verwandte holten das Kind. Es war damals zwei Jahr. Ich ging auch gerade zur Bahn. Da habe ich das Wurm den ganzen Tag getragen. Und das war der Anfang unserer Freundschaft. Dann habe ich die ganze Zeit nichts von ihr gesehen und gehört. Jetzt ist sie wieder aufgetaucht. Und schlimm genug ist das, was sie wieder in die Heimat geführt hat.“

Der Alte stöhnte und schwieg eine Weile.

„Als wir ihren Freund hier begruben — sie war sein einziges Gefolge. Der Geistliche, der hier damals amtierte — unser Pastor Wärmann lag noch verwundet im Lazarett — na ja, er gab wohl her, was er konnte, aber schließlich — der Tote ein Revolutionär. Und sie die Geliebte eines Revolutionärs. Die wahre Liebe und der wahre Trost war es nicht. Ich hab dann die Kleine mit nach Hause genommen. Und an meiner Brust hat sie sich ausgeweint.“

Horst hörte hingegeben zu. Und nun sah er sie hilfsbedürftig in den Armen dieses alten Mannes. Hilfsbedürftig — das reimte sich ihm so wenig zu ihrer Art. Und ihre Augen in Tränen — diese Augen mit ihren wilden Bränden und ihrer schaurigen Erloschenheit.

Er wollte mehr wissen, aber er brauchte nicht zu fragen. Der Torfmeister war mit dem Recht seiner Jahre redselig geworden.

„Jetzt will sie hier bleiben. Sie hat sich in der Stadt niedergelassen. Als Musiklehrerin. Aber die Musik — na, vor allem macht sie jetzt hier die Musik der Revolutionsmänner mit. Ihr Freund war Maler, und sie kommt von der Musik her, und sie hat mir gesagt, was so die Jungen von der Kunst wären, die wären alle revolutionär — oder sie wären taube Nüsse.“

„Wir haben auch noch eine andere Jugend!“ sagte Horst lächelnd, mit Bedacht.

„Davon verstehe ich nichts. Aber — bei alledem ist mir nicht behaglich. Sie bleibt nicht bloß hier, um das Grab zu pflegen. Sie hat noch etwas anderes im Sinn. Was manchmal in ihren Augen umgeht! Und wenn man daran denkt, daß ihre Mutter im Wahnsinn geendet hat —! —“

Horst packte zu. „Sie meinen, sie will sich rächen.“

Der Alte sah ihm ins Gesicht. Dann sprach er unumwunden: „Ja. Und wo hier jetzt die politischen Brandstifter herumwirken —“

Die beiden Männer schwiegen. Und das Grauen rührte an sie, das durch die deutschen Lande schlich.

DerFebruar brachte eine Bärenkälte. Was schimpfte Kunz in dem bereiften, vereisten Schuppen! Gisbert hatte seinen Ohrenschmaus.

„In Berlin haben sie vorgestern die hundertsiebenundsechzigste Tanzdiele aufgemacht! Und mir frieren hier die Zehen ab. Hat deshalb die Schöpfung in mir alle menschlichen Reize zusammengehäuft, daß ich zu Puppenlappen verfrieren muß!“

Gisbert blieb unanfechtbar, schwebend, über den Dingen.

„Und Du, sag mal, hast Du immer noch Lust, ins All aufzugehen? Der Natur — von minus zwanzig Grad — Dich einzuverleiben? Getreu Deinen Brüdern am Indus, Ganges und Brahmaputra? Die sich da in die Sonne hinlümmeln und sich die Bananen oder sonstwas in den Rachen wachsen lassen. Wir, die wir hier in Schneehütten und Erdhöhlen hausen, Herrgott — wir müssen uns schon ganz in uns selbst hineinkonzentrieren! Daß wir wenigstens etwas Warmes in den Leib kriegen! Der Unterschied zweier Welten! Aber Du — Du mit Deinem Astralgebein!“

Dann kam Tauwetter, eine Regenperiode mit niederträchtigen westlichen Winden. Und ein böser Gast fand in der Baracke sich ein, die Grippe. Fast alle lagen sie auf der Nase. Horst, der noch soeben an einer Lungenentzündung vorbeischrammte, blieb auf den Füßen, pflegte, half und gab das Steuer nicht aus der Hand.

Und wie eine Seuche liefen jetzt, wo sie ihre frische Arbeit nicht hatten, die Unlust, der Überdruß, die fahnenflüchtigen Gedanken durch die Reihen. Von Schimpfen, Stöhnen und Fluchen über das Barackendasein klang der Bau.

Wohl hatte Kunz das Instrument auf diesen Ton gestimmt. Und auch ihm kamen bitterliche Stunden, in denen er Horst sein Herz ausschüttete. „Ich mach nicht mehr mit, — in diesem elenden Kasten — wie ein Sarg ist er — ein Bretterkahn ist er, der in den Orkus hineinfuhrwerkt — ich steig aus! Nach der Großstadt will ich. Müll kutschieren will ich oder den Gummibesen über den Straßenasphalt schieben!“

„Du bist größenwahnsinnig“, erklärte Horst dazu.

Dann gab er sich. Er mochte auch nicht zu dem Chorus gehören. Und da Trübsal und Bitternis nichtabreißen wollten, warf er sich in seinen alten Übermut, hielt sein Lachen parat, zornig und rüttelnd, und wusch die Köpfe.

„Hat das bißchen Schnupfen uns zu Jammerlappen aufgeweicht?“ Für die Braven und Zukunftsstarken schleppte er Rum herbei, ihnen braute er heilsamen Grog — wen gab es da, der nicht zukunftsstark wäre?

Mit seiner Zupfgeige zigeunerte er an den Krankenbetten. Muz saß andächtig dabei und hatte gespitzte Ohren. Dichtete an seinen Liedern „vom heimlich-unheimlichen Suff“ und sang sie ihnen.


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