(235)Von der Wunscherfüllung des Traumes rühmtLe Lorrainmit Recht: »Sans fatigue sérieuse, sans être obligé de recourir à cette lutte opiniâtre et longue qui use et corrode les jouissances poursuivies.«(236)Ich habe diesen Gedankengang an anderer Stelle (Formulierungen über die zwei Prinzipien des psychischen Geschehens, Sammlung kl. Schriften z. Neurosenlehre, dritte Folge, 1913) weiter ausgeführt und als die beiden Prinzipien das Lust- und das Realitätsprinzip hingestellt.(237)Korrekter gesagt: Ein Anteil des Symptoms entspricht der unbewußten Wunscherfüllung, ein anderer der Reaktionsbildung gegen dieselbe.(238)Hughlings Jacksonhatte geäußert: Findet das Wesen des Traums, und ihr werdet alles, was man über das Irresein wissen kann, gefunden haben. (Find out all about dreams and you will have found out all about insanity.)(239)Diesen Gedanken entlehne ich der Schlaftheorie vonLiébault, des Erweckers der hypnotischen Forschung in unseren Tagen. (Du sommeil provoqué etc., Paris 1889.)(240)Über andere Beobachtungen von Lenkung der Träume sagtFerenczi: »Der Traum bearbeitet den das Seelenleben gerade beschäftigenden Gedanken von allen Seiten her, läßt das eine Traumbild bei drohender Gefahr des Mißlingens der Wunscherfüllung fallen, versucht es mit einer neuen Art der Lösung, bis es ihm endlich gelingt, eine die beiden Instanzen des Seelenlebens kompromissuell befriedigende Wunscherfüllung zu schaffen.«(241)Ist dies die einzige Funktion, die wir dem Traume zugestehen können? Ich kenne keine andere. A.Maederhat zwar den Versuch gemacht, andere, »sekundäre«, Funktionen für den Traum in Anspruch zu nehmen. Er ging von der richtigen Beobachtung aus, daß manche Träume Lösungsversuche von Konflikten enthalten, die späterhin wirklich durchgeführt werden, sich also wie Vorübungen zu Wachtätigkeiten verhalten. Er brachte darum das Träumen in Parallele zu dem Spielen der Tiere und der Kinder, welches als vorübende Betätigung mitgebrachter Instinkte und als Vorbereitung für späteres ernsthaftes Tun aufzufassen ist, und stellte eine »fonction ludique« des Träumens auf. Kurze Zeit vorMaederwar die »vorausdenkende« Funktion des Traumes auch vonAlf. Adlerbetont worden. (In einer von mir 1905 veröffentlichten Analyse wurde ein als Vorsatz aufzufassender Traum jede Nacht bis zu seiner Ausführung wiederholt.)Allein eine leichte Überlegung muß uns lehren, daß diese »sekundäre« Funktion des Traumes im Rahmen einer Traumdeutung keine Anerkennung verdient. Das Vorausdenken, Fassen von Vorsätzen, Entwerfen von Lösungsversuchen, die dann eventuell im Wachleben verwirklicht werden können, dies und viel anderes sind Leistungen der unbewußten und vorbewußten Tätigkeit des Geistes, welche sich als »Tagesrest« in den Schlafzustand fortsetzen und dann mit einem unbewußten Wunsch (siehe p. 433f.) zur Traumbildung zusammentreten kann. Die vorausdenkende Funktion des Traumes ist also vielmehr eine Funktion des vorbewußten Wachdenkens, deren Ergebnis uns durch die Analyse der Träume oder auch anderer Phänomene verraten werden kann. Nachdem man solange den Traum mit seinem manifesten Inhalt zusammenfallen ließ, muß man sich jetzt auch davor hüten, den Traum mit den latenten Traumgedanken zu verwechseln.(242)Von mir hervorgehoben; übrigens nicht mißverständlich.(243)Meine Hervorhebung.(244)Vgl. hiezu die bedeutsamen Darlegungen von J.Breuerin unseren »Studien über Hysterie« 1895 und 2. Aufl. 1909.(245)Es sind hier wie an anderen Stellen Lücken in der Bearbeitung des Themas, die ich absichtlich belassen habe, weil deren Ausfüllung einerseits einen zu großen Aufwand, anderseits die Anlehnung an ein dem Traume fremdes Material erfordern würde. So habe ich es z. B. vermieden anzugeben, ob ich mit dem Worte »unterdrückt« einen anderen Sinn verbinde als mit dem Worte »verdrängt«. Es dürfte nur klar geworden sein, daß letzteres die Zugehörigkeit zum Unbewußten stärker als das erstere betont. Ich bin auf das naheliegende Problem nicht eingegangen, warum die Traumgedanken die Entstellung durch die Zensur auch für den Fall erfahren, daß sie auf die progrediente Fortsetzung zum Bewußtsein verzichten und sich für den Weg der Regression entscheiden, u. dgl. Unterlassungen mehr. Es kam mir vor allem darauf an, einen Eindruck von den Problemen zu erwecken, zu denen die weitere Zergliederung der Traumarbeit führt, und die anderen Themata anzudeuten, mit denen dieses auf dem Wege zusammentrifft. Die Entscheidung, an welcher Stelle die Verfolgung abgebrochen werden soll, ist mir dann nicht immer leicht geworden. – Daß ich die Rolle des sexuellen Vorstellungslebens für den Traum nicht erschöpfend behandelt und die Deutung von Träumen mit offenkundig sexuellem Inhalt vermieden habe, beruht auf einer besonderen Motivierung, die sich vielleicht mit der Erwartung der Leser nicht deckt. Es liegt gerade meinen Anschauungen und den Lehrmeinungen, die ich in der Neuropathologie vertrete, völlig fern, das Sexualleben als ein Pudendum anzusehen, das weder den Arzt noch den wissenschaftlichen Forscher zu bekümmern hat. Auch fand ich die sittliche Entrüstung lächerlich, durch welche der Übersetzer vonArtemidoros’ »Symbolik der Träume« sich anscheinend hatte bewegen lassen, das dort enthaltene Kapitel über sexuelle Träume der Kenntnis der Leser zu unterschlagen, bis ich von diesem erfuhr, daß er einer Weisung des Verlegers hatte folgen müssen. (Seither ist dieses Kapitel übrigens im IX. Bande der »Anthropophyteia« deutsch erschienen.) Für mich war allein die Einsicht maßgebend, daß ich mich bei der Erklärung sexueller Träume tief in die noch ungeklärten Probleme der Perversion und der Bisexualität verstricken müßte, und so sparte ich mir dies Material für einen anderen Zusammenhang.(246)Der Traum ist nicht das einzige Phänomen, welches die Psychopathologie auf die Psychologie zu begründen gestattet. In einer kleinen, damals nicht abgeschlossenen Reihe von Aufsätzen in der Monatsschrift für Psychiatrie und Neurologie (über den psychischen Mechanismus der Vergeßlichkeit 1898 – über Deckerinnerungen 1899) suche ich eine Anzahl von alltäglichen psychischen Erscheinungen als Stützen der nämlichen Erkenntnis zu deuten. Diese und weitere Aufsätze über Vergessen, Versprechen, Vergreifen usw. sind seither als »Psychopathologie des Alltagslebens« gesammelt erschienen (1904, 4. Aufl. 1912).(247)»Der Begriff des Unbewußten in der Psychologie«. – Vortrag auf dem dritten internationalen Kongreß für Psychologie zu München 1897.(248)Ich freue mich, auf einen Autor hinweisen zu können, der aus dem Studium des Traumes den nämlichen Schluß über das Verhältnis der bewußten zur unbewußten Tätigkeit gezogen hat.Du Prelsagt: »Die Frage, was die Seele ist, erheischt offenbar eine Voruntersuchung darüber, ob Bewußtsein und Seele identisch seien. Gerade diese Vorfrage nun wird vom Traume verneint, welcher zeigt, daß der Begriff der Seele über den des Bewußtseins hinausragt, wie etwa die Anziehungskraft eines Gestirnes über seine Leuchtsphäre« (Philos. d. Mystik, p. 47).»Es ist eine Wahrheit, die man nicht nachdrücklich genug hervorheben kann, daß Bewußtsein und Seele nicht Begriffe von gleicher Ausdehnung sind« (p. 306).(249)Vgl. hiezu denoben p. 76 Anm.mitgeteilten Traum (Σα-τυρος) Alexanders d. Gr. bei der Belagerung von Tyrus.(250)Vgl. hiezu meine »Bemerkungen über den Begriff des Unbewußten in der Psychoanalyse« (englisch in Proceedings of the Society for Psychical Research,vol.XXVI), in denen die deskriptive, dynamische und systematische Bedeutung des vieldeutigen Wortes »unbewußt« voneinander geschieden werden.
(235)Von der Wunscherfüllung des Traumes rühmtLe Lorrainmit Recht: »Sans fatigue sérieuse, sans être obligé de recourir à cette lutte opiniâtre et longue qui use et corrode les jouissances poursuivies.«
(235)Von der Wunscherfüllung des Traumes rühmtLe Lorrainmit Recht: »Sans fatigue sérieuse, sans être obligé de recourir à cette lutte opiniâtre et longue qui use et corrode les jouissances poursuivies.«
(236)Ich habe diesen Gedankengang an anderer Stelle (Formulierungen über die zwei Prinzipien des psychischen Geschehens, Sammlung kl. Schriften z. Neurosenlehre, dritte Folge, 1913) weiter ausgeführt und als die beiden Prinzipien das Lust- und das Realitätsprinzip hingestellt.
(236)Ich habe diesen Gedankengang an anderer Stelle (Formulierungen über die zwei Prinzipien des psychischen Geschehens, Sammlung kl. Schriften z. Neurosenlehre, dritte Folge, 1913) weiter ausgeführt und als die beiden Prinzipien das Lust- und das Realitätsprinzip hingestellt.
(237)Korrekter gesagt: Ein Anteil des Symptoms entspricht der unbewußten Wunscherfüllung, ein anderer der Reaktionsbildung gegen dieselbe.
(237)Korrekter gesagt: Ein Anteil des Symptoms entspricht der unbewußten Wunscherfüllung, ein anderer der Reaktionsbildung gegen dieselbe.
(238)Hughlings Jacksonhatte geäußert: Findet das Wesen des Traums, und ihr werdet alles, was man über das Irresein wissen kann, gefunden haben. (Find out all about dreams and you will have found out all about insanity.)
(238)Hughlings Jacksonhatte geäußert: Findet das Wesen des Traums, und ihr werdet alles, was man über das Irresein wissen kann, gefunden haben. (Find out all about dreams and you will have found out all about insanity.)
(239)Diesen Gedanken entlehne ich der Schlaftheorie vonLiébault, des Erweckers der hypnotischen Forschung in unseren Tagen. (Du sommeil provoqué etc., Paris 1889.)
(239)Diesen Gedanken entlehne ich der Schlaftheorie vonLiébault, des Erweckers der hypnotischen Forschung in unseren Tagen. (Du sommeil provoqué etc., Paris 1889.)
(240)Über andere Beobachtungen von Lenkung der Träume sagtFerenczi: »Der Traum bearbeitet den das Seelenleben gerade beschäftigenden Gedanken von allen Seiten her, läßt das eine Traumbild bei drohender Gefahr des Mißlingens der Wunscherfüllung fallen, versucht es mit einer neuen Art der Lösung, bis es ihm endlich gelingt, eine die beiden Instanzen des Seelenlebens kompromissuell befriedigende Wunscherfüllung zu schaffen.«
(240)Über andere Beobachtungen von Lenkung der Träume sagtFerenczi: »Der Traum bearbeitet den das Seelenleben gerade beschäftigenden Gedanken von allen Seiten her, läßt das eine Traumbild bei drohender Gefahr des Mißlingens der Wunscherfüllung fallen, versucht es mit einer neuen Art der Lösung, bis es ihm endlich gelingt, eine die beiden Instanzen des Seelenlebens kompromissuell befriedigende Wunscherfüllung zu schaffen.«
(241)Ist dies die einzige Funktion, die wir dem Traume zugestehen können? Ich kenne keine andere. A.Maederhat zwar den Versuch gemacht, andere, »sekundäre«, Funktionen für den Traum in Anspruch zu nehmen. Er ging von der richtigen Beobachtung aus, daß manche Träume Lösungsversuche von Konflikten enthalten, die späterhin wirklich durchgeführt werden, sich also wie Vorübungen zu Wachtätigkeiten verhalten. Er brachte darum das Träumen in Parallele zu dem Spielen der Tiere und der Kinder, welches als vorübende Betätigung mitgebrachter Instinkte und als Vorbereitung für späteres ernsthaftes Tun aufzufassen ist, und stellte eine »fonction ludique« des Träumens auf. Kurze Zeit vorMaederwar die »vorausdenkende« Funktion des Traumes auch vonAlf. Adlerbetont worden. (In einer von mir 1905 veröffentlichten Analyse wurde ein als Vorsatz aufzufassender Traum jede Nacht bis zu seiner Ausführung wiederholt.)Allein eine leichte Überlegung muß uns lehren, daß diese »sekundäre« Funktion des Traumes im Rahmen einer Traumdeutung keine Anerkennung verdient. Das Vorausdenken, Fassen von Vorsätzen, Entwerfen von Lösungsversuchen, die dann eventuell im Wachleben verwirklicht werden können, dies und viel anderes sind Leistungen der unbewußten und vorbewußten Tätigkeit des Geistes, welche sich als »Tagesrest« in den Schlafzustand fortsetzen und dann mit einem unbewußten Wunsch (siehe p. 433f.) zur Traumbildung zusammentreten kann. Die vorausdenkende Funktion des Traumes ist also vielmehr eine Funktion des vorbewußten Wachdenkens, deren Ergebnis uns durch die Analyse der Träume oder auch anderer Phänomene verraten werden kann. Nachdem man solange den Traum mit seinem manifesten Inhalt zusammenfallen ließ, muß man sich jetzt auch davor hüten, den Traum mit den latenten Traumgedanken zu verwechseln.
(241)Ist dies die einzige Funktion, die wir dem Traume zugestehen können? Ich kenne keine andere. A.Maederhat zwar den Versuch gemacht, andere, »sekundäre«, Funktionen für den Traum in Anspruch zu nehmen. Er ging von der richtigen Beobachtung aus, daß manche Träume Lösungsversuche von Konflikten enthalten, die späterhin wirklich durchgeführt werden, sich also wie Vorübungen zu Wachtätigkeiten verhalten. Er brachte darum das Träumen in Parallele zu dem Spielen der Tiere und der Kinder, welches als vorübende Betätigung mitgebrachter Instinkte und als Vorbereitung für späteres ernsthaftes Tun aufzufassen ist, und stellte eine »fonction ludique« des Träumens auf. Kurze Zeit vorMaederwar die »vorausdenkende« Funktion des Traumes auch vonAlf. Adlerbetont worden. (In einer von mir 1905 veröffentlichten Analyse wurde ein als Vorsatz aufzufassender Traum jede Nacht bis zu seiner Ausführung wiederholt.)
Allein eine leichte Überlegung muß uns lehren, daß diese »sekundäre« Funktion des Traumes im Rahmen einer Traumdeutung keine Anerkennung verdient. Das Vorausdenken, Fassen von Vorsätzen, Entwerfen von Lösungsversuchen, die dann eventuell im Wachleben verwirklicht werden können, dies und viel anderes sind Leistungen der unbewußten und vorbewußten Tätigkeit des Geistes, welche sich als »Tagesrest« in den Schlafzustand fortsetzen und dann mit einem unbewußten Wunsch (siehe p. 433f.) zur Traumbildung zusammentreten kann. Die vorausdenkende Funktion des Traumes ist also vielmehr eine Funktion des vorbewußten Wachdenkens, deren Ergebnis uns durch die Analyse der Träume oder auch anderer Phänomene verraten werden kann. Nachdem man solange den Traum mit seinem manifesten Inhalt zusammenfallen ließ, muß man sich jetzt auch davor hüten, den Traum mit den latenten Traumgedanken zu verwechseln.
(242)Von mir hervorgehoben; übrigens nicht mißverständlich.
(242)Von mir hervorgehoben; übrigens nicht mißverständlich.
(243)Meine Hervorhebung.
(243)Meine Hervorhebung.
(244)Vgl. hiezu die bedeutsamen Darlegungen von J.Breuerin unseren »Studien über Hysterie« 1895 und 2. Aufl. 1909.
(244)Vgl. hiezu die bedeutsamen Darlegungen von J.Breuerin unseren »Studien über Hysterie« 1895 und 2. Aufl. 1909.
(245)Es sind hier wie an anderen Stellen Lücken in der Bearbeitung des Themas, die ich absichtlich belassen habe, weil deren Ausfüllung einerseits einen zu großen Aufwand, anderseits die Anlehnung an ein dem Traume fremdes Material erfordern würde. So habe ich es z. B. vermieden anzugeben, ob ich mit dem Worte »unterdrückt« einen anderen Sinn verbinde als mit dem Worte »verdrängt«. Es dürfte nur klar geworden sein, daß letzteres die Zugehörigkeit zum Unbewußten stärker als das erstere betont. Ich bin auf das naheliegende Problem nicht eingegangen, warum die Traumgedanken die Entstellung durch die Zensur auch für den Fall erfahren, daß sie auf die progrediente Fortsetzung zum Bewußtsein verzichten und sich für den Weg der Regression entscheiden, u. dgl. Unterlassungen mehr. Es kam mir vor allem darauf an, einen Eindruck von den Problemen zu erwecken, zu denen die weitere Zergliederung der Traumarbeit führt, und die anderen Themata anzudeuten, mit denen dieses auf dem Wege zusammentrifft. Die Entscheidung, an welcher Stelle die Verfolgung abgebrochen werden soll, ist mir dann nicht immer leicht geworden. – Daß ich die Rolle des sexuellen Vorstellungslebens für den Traum nicht erschöpfend behandelt und die Deutung von Träumen mit offenkundig sexuellem Inhalt vermieden habe, beruht auf einer besonderen Motivierung, die sich vielleicht mit der Erwartung der Leser nicht deckt. Es liegt gerade meinen Anschauungen und den Lehrmeinungen, die ich in der Neuropathologie vertrete, völlig fern, das Sexualleben als ein Pudendum anzusehen, das weder den Arzt noch den wissenschaftlichen Forscher zu bekümmern hat. Auch fand ich die sittliche Entrüstung lächerlich, durch welche der Übersetzer vonArtemidoros’ »Symbolik der Träume« sich anscheinend hatte bewegen lassen, das dort enthaltene Kapitel über sexuelle Träume der Kenntnis der Leser zu unterschlagen, bis ich von diesem erfuhr, daß er einer Weisung des Verlegers hatte folgen müssen. (Seither ist dieses Kapitel übrigens im IX. Bande der »Anthropophyteia« deutsch erschienen.) Für mich war allein die Einsicht maßgebend, daß ich mich bei der Erklärung sexueller Träume tief in die noch ungeklärten Probleme der Perversion und der Bisexualität verstricken müßte, und so sparte ich mir dies Material für einen anderen Zusammenhang.
(245)Es sind hier wie an anderen Stellen Lücken in der Bearbeitung des Themas, die ich absichtlich belassen habe, weil deren Ausfüllung einerseits einen zu großen Aufwand, anderseits die Anlehnung an ein dem Traume fremdes Material erfordern würde. So habe ich es z. B. vermieden anzugeben, ob ich mit dem Worte »unterdrückt« einen anderen Sinn verbinde als mit dem Worte »verdrängt«. Es dürfte nur klar geworden sein, daß letzteres die Zugehörigkeit zum Unbewußten stärker als das erstere betont. Ich bin auf das naheliegende Problem nicht eingegangen, warum die Traumgedanken die Entstellung durch die Zensur auch für den Fall erfahren, daß sie auf die progrediente Fortsetzung zum Bewußtsein verzichten und sich für den Weg der Regression entscheiden, u. dgl. Unterlassungen mehr. Es kam mir vor allem darauf an, einen Eindruck von den Problemen zu erwecken, zu denen die weitere Zergliederung der Traumarbeit führt, und die anderen Themata anzudeuten, mit denen dieses auf dem Wege zusammentrifft. Die Entscheidung, an welcher Stelle die Verfolgung abgebrochen werden soll, ist mir dann nicht immer leicht geworden. – Daß ich die Rolle des sexuellen Vorstellungslebens für den Traum nicht erschöpfend behandelt und die Deutung von Träumen mit offenkundig sexuellem Inhalt vermieden habe, beruht auf einer besonderen Motivierung, die sich vielleicht mit der Erwartung der Leser nicht deckt. Es liegt gerade meinen Anschauungen und den Lehrmeinungen, die ich in der Neuropathologie vertrete, völlig fern, das Sexualleben als ein Pudendum anzusehen, das weder den Arzt noch den wissenschaftlichen Forscher zu bekümmern hat. Auch fand ich die sittliche Entrüstung lächerlich, durch welche der Übersetzer vonArtemidoros’ »Symbolik der Träume« sich anscheinend hatte bewegen lassen, das dort enthaltene Kapitel über sexuelle Träume der Kenntnis der Leser zu unterschlagen, bis ich von diesem erfuhr, daß er einer Weisung des Verlegers hatte folgen müssen. (Seither ist dieses Kapitel übrigens im IX. Bande der »Anthropophyteia« deutsch erschienen.) Für mich war allein die Einsicht maßgebend, daß ich mich bei der Erklärung sexueller Träume tief in die noch ungeklärten Probleme der Perversion und der Bisexualität verstricken müßte, und so sparte ich mir dies Material für einen anderen Zusammenhang.
(246)Der Traum ist nicht das einzige Phänomen, welches die Psychopathologie auf die Psychologie zu begründen gestattet. In einer kleinen, damals nicht abgeschlossenen Reihe von Aufsätzen in der Monatsschrift für Psychiatrie und Neurologie (über den psychischen Mechanismus der Vergeßlichkeit 1898 – über Deckerinnerungen 1899) suche ich eine Anzahl von alltäglichen psychischen Erscheinungen als Stützen der nämlichen Erkenntnis zu deuten. Diese und weitere Aufsätze über Vergessen, Versprechen, Vergreifen usw. sind seither als »Psychopathologie des Alltagslebens« gesammelt erschienen (1904, 4. Aufl. 1912).
(246)Der Traum ist nicht das einzige Phänomen, welches die Psychopathologie auf die Psychologie zu begründen gestattet. In einer kleinen, damals nicht abgeschlossenen Reihe von Aufsätzen in der Monatsschrift für Psychiatrie und Neurologie (über den psychischen Mechanismus der Vergeßlichkeit 1898 – über Deckerinnerungen 1899) suche ich eine Anzahl von alltäglichen psychischen Erscheinungen als Stützen der nämlichen Erkenntnis zu deuten. Diese und weitere Aufsätze über Vergessen, Versprechen, Vergreifen usw. sind seither als »Psychopathologie des Alltagslebens« gesammelt erschienen (1904, 4. Aufl. 1912).
(247)»Der Begriff des Unbewußten in der Psychologie«. – Vortrag auf dem dritten internationalen Kongreß für Psychologie zu München 1897.
(247)»Der Begriff des Unbewußten in der Psychologie«. – Vortrag auf dem dritten internationalen Kongreß für Psychologie zu München 1897.
(248)Ich freue mich, auf einen Autor hinweisen zu können, der aus dem Studium des Traumes den nämlichen Schluß über das Verhältnis der bewußten zur unbewußten Tätigkeit gezogen hat.Du Prelsagt: »Die Frage, was die Seele ist, erheischt offenbar eine Voruntersuchung darüber, ob Bewußtsein und Seele identisch seien. Gerade diese Vorfrage nun wird vom Traume verneint, welcher zeigt, daß der Begriff der Seele über den des Bewußtseins hinausragt, wie etwa die Anziehungskraft eines Gestirnes über seine Leuchtsphäre« (Philos. d. Mystik, p. 47).»Es ist eine Wahrheit, die man nicht nachdrücklich genug hervorheben kann, daß Bewußtsein und Seele nicht Begriffe von gleicher Ausdehnung sind« (p. 306).
(248)Ich freue mich, auf einen Autor hinweisen zu können, der aus dem Studium des Traumes den nämlichen Schluß über das Verhältnis der bewußten zur unbewußten Tätigkeit gezogen hat.
Du Prelsagt: »Die Frage, was die Seele ist, erheischt offenbar eine Voruntersuchung darüber, ob Bewußtsein und Seele identisch seien. Gerade diese Vorfrage nun wird vom Traume verneint, welcher zeigt, daß der Begriff der Seele über den des Bewußtseins hinausragt, wie etwa die Anziehungskraft eines Gestirnes über seine Leuchtsphäre« (Philos. d. Mystik, p. 47).
»Es ist eine Wahrheit, die man nicht nachdrücklich genug hervorheben kann, daß Bewußtsein und Seele nicht Begriffe von gleicher Ausdehnung sind« (p. 306).
(249)Vgl. hiezu denoben p. 76 Anm.mitgeteilten Traum (Σα-τυρος) Alexanders d. Gr. bei der Belagerung von Tyrus.
(249)Vgl. hiezu denoben p. 76 Anm.mitgeteilten Traum (Σα-τυρος) Alexanders d. Gr. bei der Belagerung von Tyrus.
(250)Vgl. hiezu meine »Bemerkungen über den Begriff des Unbewußten in der Psychoanalyse« (englisch in Proceedings of the Society for Psychical Research,vol.XXVI), in denen die deskriptive, dynamische und systematische Bedeutung des vieldeutigen Wortes »unbewußt« voneinander geschieden werden.
(250)Vgl. hiezu meine »Bemerkungen über den Begriff des Unbewußten in der Psychoanalyse« (englisch in Proceedings of the Society for Psychical Research,vol.XXVI), in denen die deskriptive, dynamische und systematische Bedeutung des vieldeutigen Wortes »unbewußt« voneinander geschieden werden.