Zu Ellis Handschrift.

Zu Ellis Handschrift.

(Dezember 1922, Untersuchungshaft.) Augenblickseinflüsse: sie ist abgelenkt (verschreibt sich Zeile 4 „daß“ statt „doch“, schreibt Buchstaben nicht fertig), wölbt mutlos die Grundstriche nach rechts. – Die Schrift im allgemeinen ungeistig, linear mager und arm, nüchtern, sachlich. Die Zeilenrichtung wird, trotz Okkupation, innegehalten, auch der Linksrand; die Buchstaben werden aneinandergedrängt, die Schrift ist klein: ein haushälterischer, ordentlicher, kleinbürgerlicher Mensch. – Er ist unscheinbar, ohne rechtes Selbstgefühl, vielleicht mit Eigensinn, Trotz (siehe auch „Termin“, Zeile 3, mit seinem Oberbogen).

Ein verschlossenes Wesen (siehe die Arkadenbildung bei der Bindung der Buchstaben „n“ und „m“ in „ich“, „auch“ Zeile 1, das Zuriegeln der Vokale a und o, der abwärts gedrehte U-Bogen). Die Schriftlage von mäßiger Linksschräge bis zum Steilen zeigt das schwache Gefühl an, Vorwiegen des Verstandes, die innere Kühle. Dabei Triebhaftigkeit, Hingabe an den Eindruck, Neigung zum Genuß ohne seelische Zentrierung (die geringe Schärfe der Schrift, ihre Teigigkeit). – Im wesentlichen Kühle, Nüchternheit, Verschlossenheit, dahinter ungeregelte Triebhaftigkeit, Entflammbarkeit, alles gedeckt durch kleinbürgerliche Haltung. –


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