Viertes Capitel.
Der Tag brach an (14. Juni); bald war Abschied genommen, und Vedative blieb hinter uns. Um zwei Uhr Nachmittags erreichten wir das große und schöne Dorf Mantore, fanden aber keine Lebensmittel daselbst. Ich schickte daher einen unserer Träger mit einem Briefe nach Manaar, an meinen alten Freund, den Ingenieurhauptmann Nagel ab. Unterdessen behalfen wir uns mit einigen übriggebliebenen Rebhühnern, und beschlossen für heute nicht weiter zu gehen. Gegen Abend kam endlich mein Bote mit Arrak, Anisliqueur und Lebensmitteln zurück, worauf es eine recht fröhliche Abendmahlzeit gab.
Am folgenden Morgen ward die Reise mit erneuerten Kräften fortgesezt. Wir durchschnitten eine große, sandige Ebene, auf der wir eine Menge Schakals schwärmen sahen. Bald aber kamen wir an den Strand, wo der Weg äußerst beschwerlich ward. Wirbegegneten drei malabarischen Reisenden, die von Colombo kamen, und langten Abends gegen fünf Uhr in Bangala an. Dies ist ein ansehnliches Dorf, das von getauften Singalesen bewohnt wird. Hier übernachteten wir in der katholischen Kirche, die uns der Majoral gegen eine billige Vergütung öffnen ließ.
UnseresiebenteTagereise war höchst unangenehm, und bot überdem durchaus nichts Merkwürdiges dar. Wenig Schatten, höchstbeschwerlicher Fußsteig längs dem Strande hin, und auf dem ganzen langen Wege kein einziges Dorf. Endlich giengen wir Abends um sechs Uhr über den Calear, der beinahe ausgetrocknet war, und fanden am andern Ufer eine Pagode, deren Bramin uns sehr freundlich aufnahm. Wir übernachteten in der Nähe auf die gewöhnliche Art.
Am folgenden Morgen sahen wir einem heftigen Kampfe zwischen zwei Büffeln zu. Sie trafen so gewaltig zusammen, daß jedesStirn von Eisen zu seyn schien. Ich fühlte mich unpaß; auch fieng es heftig zu regnen an. Wir brachen daher erst um zwei Uhr Nachmittags auf, und legten nur vier Stunden zurück.
Die nächsten zwei Tagereisen führten uns wieder in den Wald, der in geringer Entfernung neben dem Strande hinläuft. Wir sahen die Ruinen einer portugiesischen Kirche und dachten der großen Vergangenheit. Das Wetter klärte sich auf; ich befand mich wieder vollkommen wohl.
Fröhlich traten wir nun am 20. Juni unsere elfte Tagereise an, und erreichten Mittags den Ambelan, Conderipo genannt. Hier sprang uns ein schöner Jagdhund entgegen, und schmiegte sich liebkosend an uns an. Mit Sonnenuntergang glaubten wir, wie gewöhnlich uns lagern zu können, allein diesmal hatte sich unser Wegweiser selbst verirrt. Wir mußten also noch einige Stunden marschiren, bis endlich in der Nähe eines Baches Halt zu machen beschlossen ward. Die Luft war äußerstschwül; endlich brach ein furchtbares Ungewitter los. Der Wald erbebte; krachend stürzten tausende von Wipfeln und Aesten herab. Da schlug der Bliz in eine Gruppe von Cocospalmen, und knisternd loderten sie in hellen Flammen auf. Es war eine schreckliche Nacht, in der keiner von uns ein Auge zuthat.
Am folgenden Tage neue Verlegenheit. Der Fluß, den wir zu passiren hatten, war mit Krokodillen angefüllt. Wir kamen indessen mit Hülfe unserer Cymbeln glücklich hindurch. Gegen Mittag begegneten wir einer kleinen singalesischen Caravane, die aus drei und zwanzig Mann mit siebzehn Stieren bestand. Der Anführer nannte sich Manioppu, und war ein alter sehr verständiger Mann. Er schenkte mir zwei Kuchen, wogegen ich ihm, nach seinem Wunsche, einen Bleistift gab. Abends kamen wir bis zum Dorfe Golgom, wo wir uns mit Lebensmitteln im Ueberflusse versahen.
Unsere dreizehnte Tagereise (22. Juni)führte uns nach Putlan, wo ein holländischer Posten ist. Der Commandant, ein Deutscher, Herr Bodenschatz, war in Colombo; sein Sergeant nahm uns aber sehr gastfrei auf. Wir mußten zwei Tage bleiben, was uns wirklich gar sehr zu statten kam. Putlan ist ein sehr nahrhaftes Dorf. Es werden sehr viel Schaluppen, Thonys, und andere ähnliche Fahrzeuge hier gebaut. Der Hühnerhund, der uns zugelaufen war, gehörte dem Commandanten, und wurde seit länger als einem Monate vermißt. Die drei nächsten Tagereisen waren eben so beschwerlich, als uninteressant. Am 28. Juni hielten wir abermals einen Rasttag.
Am 29. Abends erreichten wir Maravilla, ein sehr ansehnliches Dorf, das nur eine halbe Stunde vom Meere liegt. Alles war hier mit Fremden angefüllt; wir übernachteten daher in einem ziemlich entfernten Ambelan. Ich hatte die Wache von ein bis drei Uhr Morgens, und sah starr in die grause Finsterniß hinaus. Furchtbar tönte das Brüllender Schakals, das Rauschen des Waldes, das Tosen der Brandung durch die stille Nacht zu mir.
Am 30. Juni marschirten wir abermals längs des Strandes hin. Hier fanden wir eine Reihe Lascars (Seesoldaten) als Küstenwächter aufgestellt. Bei der Annäherung eines Feindes haben sie von Posten zu Posten große Holzhaufen anzuzünden, die deshalb aufgestapelt sind. Um zwei Uhr giengen wir über den Caimella, fanden das schön gelegene Dorf Gannipellie, und hielten mit frischem Seefisch ein stattliches Mittagsmahl. Die Landschaft ward nun äußerst angenehm. Ansehnliche Dörfer, dichte Cocospflanzungen, üppige Wiesen und Felder wechselten in lieblicher Mischung ab. Wir nahmen unser Nachtlager in Topture, das von katholischen, noch aus den Zeiten der Portugiesen herstammenden, Singalesen bewohnt wird. Der Pfarrer, ein Franziskaner aus Dijon, nahm uns sehr freundlich auf.
Unsere folgende Tagereise war eben soangenehm, und die Gegend entzückend schön. Ein Gewitter trieb uns indessen in großer Eile nachNegombohinein. An dem Commandanten fanden wir einen sehr jovialen Mann. Er machte ganz und gar kein Geheimniß daraus, daß er früher Haushofmeister des Generalgouverneurs gewesen sey. Negombo ist ein sehr fester Plaz, und überflüßig mit süssem Wasser versehen. Der hiesige Zimmet wird für den besten gehalten, die Bäume vermehren sich ungemein. Man schreibt dies, und nicht mit Unrecht, denRabenzu. Diese suchen nämlich die Früchte sehr begierig auf, und geben sie unverdaut von sich. Daher denn auch die Unverlezlichkeit dieser Vögel auf Ceylon und ihre unglaubliche Unverschämtheit.
Am 2. Juli, dieselbe reizende Landschaft; man merkt deutlich, daß manColomboimmer näher kommt. Endlich am dritten, als demein und zwanzigstenTage unserer Reise, langten wir bei guter Zeit daselbst an. Die herrlichen Umgebungen voll Gärtenund Landhäuser; die schönen Alleen, die breiten Straßen, die prächtigen Häuser — alles verkündigt eine Hauptstadt.