Siebentes Capitel.
Als ich erwachte, war es hoher Mittag, und ich fühlte mich an allen Gliedern gelähmt. Nur mit Mühe vermochte ich mich loszubinden, worauf meine traurige Wanderung weiter gieng. Der Weg war mit feinem aschfarbenemSande bedeckt, der mir bei jedem Schritte entgegenflog; daher ich von heftigem Durste gepeinigt ward. Zum Glück kam ich endlich an einen Bach, wo ich den Rest meines Arrakes mit Wasser vermischte, und so ein kühlendes Getränk erhielt. Unterdessen zogen am Horizonte furchtbare Gewitterwolken auf. Ich eilte daher, einen großen schattigen Baum zu erreichen, den ich in einiger Entfernung vor mir sah.
Es mochte ungefähr um sechs Uhr Abends seyn, als ich glücklich auf dieser Stelle ankam. Sofort bratete ich mir einige gefundene Schnecken, und kletterte dann auf den Baum, wo ich mich wie gewöhnlich mit dem Taue anband. Kaum hatte ich indessen einige Stunden geschlafen; als ich aus einem schrecklichen Traume erwachte, und mich über und über von Feuer umgeben sah. Das furchtbarste Ungewitter war losgebrochen; der ganze Himmel ein wallendes Flammenmeer. Mit unsäglicher Heftigkeit raste der Sturm in den Aesten, und warf mich wie einen Ball hin und her.Den Kopf auf die Knie gestüzt, schloß ich die Augen, und brachte den Rest der Nacht in einer Art Betäubung zu.
Der Tag brach an; der Regen hörte auf, der Himmel ward heiter, und alles glänzte in goldnem Sonnenlicht. Ich trocknete meine durchnäßten Kleider, und machte mich auf den Weg. Allmählig lief der Canal nach Osten, eine Richtung, die sehr erfreulich für mich war. Voll Muth und Hoffnung wanderte ich so bis Nachmittags um 3 Uhr fort. Plözlich stand ich vor einer hohen Felsenwand, die mir den Weg verschloß.
Keine Möglichkeit weiter zu kommen, es mußte denn von Seite des Waldes gewesen seyn. Ich beschloß es daher zu versuchen, und drang auch wirklich zwischen zwei Dornengebüschen durch. Doch in dem Augenblicke schoß eine ungeheure Schlange auf mich los. Wohin sollte ich fliehen? Nirgends mehr Rettung für mich! Rechts hatte ich den Canal, links das Ungeheuer, vor mir die hohe Felsenwand. Ohne zu wissen, warum, eilteich indessen den vorigen Weg wieder nach derselben zurück.
Unterdessen war die Schlange immer näher gekommen, und kaum war sie noch drei bis vier Fuß von mir entfernt. In dieser entsezlichen Lage folgte ich blos meiner Verzweiflung, und sprang, wie wahnsinnig auf ein hervorragendes Felsenstück. Von diesem arbeitete ich mich, ohne zu wissen wie, allmählich höher hinauf, bis ich endlich oben war. Jezt aber sank ich ermattet zu Boden, und lag eine gute Weile, ehe ich wieder zu mir kam.
Als ich die Augen aufschlug, und in die Tiefe richtete, sah ich die fünfzig Fuß lange Schlange, die sich langsam in den Wald zurück begab. Aber zu gleicher Zeit bemerkte ich mit großem Schmerze, daß mein ganzes Reisegeräthe verloren war. Ich fühlte, daß meine Lage doppelt elend werden mußte, und überließ mich der Verzweiflung. Wohin ich blickte, sah ich ein Felsenchaos vor mir, in dessen Mitte sich ein furchtbarer Abgrund befand.
Der Abend dämmerte; ich suchte in meinen Taschen, und fand zu meiner großen Freude noch ein Stück Zwieback und mein Feuerzeug. Von wilden Thieren war in dieser Einöde nichts zu fürchten; ich machte daher blos Feuer zur Vertreibung des Gewürmes an. So nahm ich mein Lager auf dem harten Boden, mein Haupt an die Felsen gelehnt. Alles war still und öde um mich; ach! diese Wüste schien mein eigenes Grab zu seyn.