Chapter 45

Siebentes Capitel.

Wir waren noch denselben Abend unter Segel gegangen, und kamen bei dem ziemlich günstigen Winde, schon am folgenden Tage aus der Meerenge heraus. CapitainRuyschhatte uns die Hälfte seiner Cajüte eingeräumt, und wir speisten regelmäßig Mittags und Abends bei ihm. So kamen wir ohne weitere Vorfälle am neunten Tage (14. April) auf der Rhede vonSamarangan, welches der Hauptposten auf der ganzen Nordküste ist. Samarang giebt nämlich den Mittelpunkt aller Verbindungen, und die Hauptniederlage aller Erzeugnisse der Insel ab. Die dortige Gouverneursstelle ist, nach der von Batavia, die einträglichste im ganzen holländischen Indien. Sie wirft jährlich an 250,000 Piaster ab. Herr Engelhard, der sie jezt bekleidet, macht daher ein sehr glänzendes Haus. Die Luft von Samarang ist gesund, die Gegend schön, das gesellschaftlicheLeben angenehm. Wir lernten unter andern einen MajorKellerkennen, der früher General-Adjutant in französischen Diensten, und schweizerischer Kriegsminister gewesen war.

Nach einem achttägigen Aufenthalte giengen wir am 23. April wieder in See, und segelten zwei Tage lang, längs der reizenden Küste hin. Am 26. Mittags ankerten wir auf der Rhede vonTcheribon, und begaben uns sogleich ans Land. Hier wurden wir bei dem Wachtposten sehr feierlich empfangen, und fanden zwei prächtige Wagen bereit. Der Resident, Herr Roose, der anderthalb Lieuen von der Küste wohnt, hatte uns dieselben entgegengeschickt. Wir fuhren hierauf durch eine sehr schöne Landschaft, die einem großen Graben glich, und kamen so bei Herrn Roose an. Er vereinigt asiatischen Luxus, und europäische Eleganz auf eine seltene Art. Der Distrikt von Tcheribon liefert den besten Caffe von ganz Java; die Residentenstelle trägt jährlich an 60,000 Piaster ein.

Wir blieben drei Tage in Tcheribon, und giengen dann mit mehreren kleinen Küstenfahrern, die wir unter Convoy nahmen, in See. Die Küste wimmelt von Seeräubern aus Banca, Sumatra und Java selbst. Diese fallen kleine Schiffe, besonders chinesische Junken, mit vieler Kühnheit an. Europäer werden ermordet, Asiaten zu Sclaven gemacht. Der Hauptschlupfwinkel dieser Seeräuber ist die Insel Carimon, zehn Seemeilen von der Küste, auf der Höhe von Samarang. Hier sind ihrer oft hundert, ja hundert und fünfzig bis zweihundert beisammen, besonders, wenn ein Hauptschlag ausgeführt werden soll. Vor kurzem hatte man von Batavia zwei Fregatten, und eine Brigg gegen sie abgeschickt. Diese Schiffe kamen gerade zu rechter Zeit an, denn eben war die ganze Bay von Carimon mit Seeräubern angefüllt. Man blokirte daher sogleich den Eingang, und bereitete den Angriff auf den folgenden Morgen vor. Es schien um die Räuber geschehen zu seyn, allein zum Unglück war derCapitain der Brigg nicht wachsam genug. Sie entwischte daher in der Dunkelheit, und waren am andern Morgen längst aus dem Gesichte der Division.

Am 27. April kamen wir endlich auf der Rhede von Batavia an. Kaum zeigte ich mich in der Stadt, als ich mit Freude und Erstaunen aufgenommen ward, denn jedermann hatte mich todt geglaubt. Der Gouverneur wünschte mich von neuem in Dienste zu nehmen; allein alles rief und zog mich nach Europa zurück. Zum Glück befand sich gerade ein Caper von jener Insel auf der Rhede, der dahin zurückzugehen im Begriffe war. Nach einigen Unterhandlungen erhielt ich einen Plaz darauf, und begab mich demnach am 8. Mai an Bord. Diesmal war unsere Fahrt glücklicher; am 1. Juni bekamen wir schon die Insel Bourbon zu Gesicht.

Der Engländer wegen, hatte der Capitain von seinen Rheden den Befehl, mit der größten Vorsicht zu Werke zu gehen. Wir suchten daher die Küste zu gewinnen, umwo möglich Erkundigungen einzuziehen. Allein der Wind war fortdauernd ungünstig; wir brachten also sechs volle Tage damit zu. Endlich erhielten wir Nachricht, daß die englische Escadre verschwunden sey. So sezten wir unsere Fahrt nach Isle de France fort, und erkannten am 8. Juni Morgens, einen der höchsten Berge dieser Insel, Morne Brabant genannt.

Gegen Mittag erblickten wir nicht weit von uns ein dreimastiges Schiff, zogen die Flagge auf, und riefen es an. Es zog ebenfalls französische Flagge auf, und zwar dreimal hinter einander, was uns, da es keine Antwort gab, äußerst verdächtig vorkam. Um acht Uhr Abends waren wir nur noch einige Seemeilen von der Insel entfernt. Plözlich stiegen von einem Bergposten zwei Raketen auf; bekanntlich das Signal, wodurch die Nähe des Feindes angezeigt wird. Wir hielten es indessen für einen Irrthum, und glaubten nicht daran. Als aber das Signal, nach Verlauf von zwei Stunden, der Regel gemäß,wiederholt ward, drehten wir plözlich um, und sezten alle Segel bei. Jezt gieng es abermals auf Isle de Bourbon zu, wo auch am 10. Morgens der Anker fiel.

Mein Aufenthalt auf dieser Insel dauerte jedoch nur kurze Zeit. Schon am 18. gieng ich nämlich, meiner mündlichen Mittheilungen wegen, auf einem Aviso nach Isle de France ab. Dies Fahrzeug war mit Rudern versehen, und ganz zu einer schnellen Ueberfahrt geschickt. Wir entkamen den Engländern glücklich, und liefen am 22. Juni Abends in der Riviere Noire ein. Bei meiner Ankunft zu Port Louis, ward ich von dem General Decaen mit großer Freude empfangen; auch er hatte mich auf den Bericht eines amerikanischen Schiffers todt geglaubt.

Er machte mir Hoffnung, mich in wenig Monaten nach Europa abzusenden, und stellte mich inzwischen wieder bei dem Ingenieurscorps an. Allein es vergieng ein volles Jahr, ehe sich eine passende Gelegenheit zu meiner Rückreise fand. Erst im August 1806 war endlichdas dazu bestimmte Schiff segelfertig, und alles gehörig in Richtigkeit. Am 11. August schiffte ich mich ein, am 15. November kam ich, nach einer ziemlich glücklichen Fahrt, in dem spanischen Hafen Passages bei St. Sebastian an. Von dort sezte ich meine Reise über Bayonne, Bordeaux u. s. w. nach meinem Geburtsorte, wo meine Familie lebte, zu Lande fort.


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