Die Amazonen des Geistes.
Marie Eugenie delle Grazie, geb. am 14. Aug. 1864 in Unter-Weißkirchen, veröffentlichte Gedichte und Epen, von denen das moderne großangelegte Epos »Robespierre« das bekannteste ist.
Helene Böhlau(Mädchenname der Frau al Raschid Bey), geb. am 22. Nov. 1859 in Weimar als Tochter des dortigen Hofbuchhändlers Herm. B., gelangte früh durch diese ›Verbindung‹ in die »Deutsche Rundschau« und zur Anerkennung. Als ihre besten Werke sind die »Ratsmädel-Geschichten« und »Der Rangierbahnhof« anzusehen. Ihr neuester Roman »Halbtier«, der viel Staub aufwirbelte, gehört der hysterischen weiblichen Anklagelitteratur an.
Anna Croissant-Rust, geb. am 10. Dez. 1860 in Dürkheim a/H., ist die Naturalistinpar excellencein der deutschen Litteratur. (»Feierabend und andere Münchner Geschichten«, »Lebensstücke«, »Der standhafte Zinnsoldat«, »Der Kakadu und die Prinzessin auf der Erbse«.)
Maria Janitschek, geb. am 23. Juli 1860 in Mödling, ist ein starkes, dichterisches Talent, das eine besondere Vorliebe für absonderliche und krankhaftefin-de-siècle-Menschen bekundet. Mit Laura Marholm steht sie an der Spitze der weiblichen Emanzipationsgegner und giebt ihren Gedanken über das moderne Weib rückhaltlosen Eindruck. (»Gesammelte Gedichte«, »Raoul und Irene«, »Aus der Schmiede des Lebens«, »Vom Weibe«, »Ins Leben verirrt«.)
Emil Marriot(Pseudon. für Emilie Mataja), geb. am 20. Nov. 1855 in Wien, gehört der realistischen Schule an. In ihren stark katholisch gefärbten Werken »Geistlicher Tod«, »Die Unzufriedenen«, »Caritas«, »Der Heiratsmarkt« u. a. kämpft sie mit Vorliebe für die Frauenemancipation.
Hermione von Preuschen, geb. am 7. August 1857 in Darmstadt, die Gattin Konrad Telmanns, versuchte sich als Dichterin und Malerin, ohne jedoch trotz aller Sensationsbestrebungen und Effekthascherei zu reüssieren (»Regina Vitae«, »Tollkraut«, »Via Passionis« u. a.).
Lou Andreas-Salomé, ist eine der gehaltvollsten und tiefsinnigsten Erzählerinnen, auf deren künstlerischen Werdegang die Nietzsche'sche Philosophie großen Einfluß gewann. Ihre Stärke liegt vor allem in der Zergliederung des Menschencharakters, der Analyse der geheimsten Seelenregungen. (»Ruth«, »Aus fremder Seele«, »Fenitschka«.)
Gabriele Reuter, geb. am 8. Februar 1859 in Alexandrien, errang einen vollen Erfolg mit ihrem viel von dem eigenen Denken und Fühlen verratenden Roman: »Aus guter Familie«, der die Leidensgeschichte eines jungen Mädchens enthält, das an der Erziehungslüge zu Grunde geht. 1896 folgte ein Novellenband: »Der Lebenskünstler«. Anfang 1900 ein neuer Roman: »Frau Bürgelin und ihre Söhne«.
Anselm Heine(Pseudon. für Selma Heine), geb. am 18. Juni 1855 in Bonn, gewann mit ihren Novellensammlungen: »Drei Novellen« und »Unterwegs« die Gunst des Publikums und der Kritik.
Hans von Kahlenberg(Pseudon. für Helene von Monbart), geb. am 23. Febr. 1870 in Heiligenstadt, zeichnete sich in ihren Werken »Ein Narr«, »Die Jungen«, »Die Familie von Barchewitz« und dem Briefwechsel »Nixchen« durch eine Erotik aus, die die Wahl eines Pseudonyms zur unbedingten Notwendigkeit machte.
Elsa Asenijeff(Pseudon. für Elsa Nestoroff), eine aus slavischer Abstammung geborene Wienerin, greift in ihren mit philosophischen Anschauungen durchtränkten Schriften, die an Offenheit nichts zu wünschen übrig lassen, vorzugsweise das »Ewig-Männliche« an. (»Ist das die Liebe?«, »Aufruhr der Weiber«, »Sehnsucht.«)