Die Beschaulichen.
Wilhelm Raabe, geb. am 8. Sept. 1831 in Eschhausen, früher Buchhändler, nimmt unter den deutschen Humoristen den ersten Rang ein und gilt seit 30 Jahren als einer der eigenartigsten Charakterköpfe der deutschen Litteratur. Ein goldener Humor, der an Dickens erinnert, durchzieht seine Schriften, die er meist in ein altertümelndes Gewand kleidet oder im Chronikstil abfaßt. »Zwei oder drei Zeilen in einer Chronik, eine halbe Seite in der Geschichte für den Forscher« genügen ihm, um eine Erzählung darauf aufzubauen. R. beschäftigt Geist und Herz seiner Leser in gleicher Weise und seine Bücher, in einem etwas krausen Stile geschrieben, rühren die Seele bis zum Grunde auf. Bei alledem ist er einer der am wenigsten erfolgreichen Autoren geblieben, trotz des großen Gehalts und der Zahl seiner Schriften, von denen wir hier nur die nachstehenden registrieren: »Die Akten des Vogelsangs«, »Die Chronik der Sperlingsgasse«, »Gesammelte Erzählungen«, 3 Bde., »Horacker«, »Der Hungerpastor«,»Der Schüdderump«, »Unseres Herrgotts Kanzlei«, »Alte Nester«, »Wunnigel«, »Horn von Wanza«.
Wilhelm Busch, geb. am 15. April 1832 in Wiedensahl bei Stadthagen, ist der bedeutendste zeitgenössische komische Humorist und Zeichner, wenngleich seine Wirksamkeit hauptsächlich in die 60er und 70er Jahre fällt. Seine Schriften (»Max und Moritz«, »Hans Huckebein«, »Der heilige Antonius«, »Die fromme Helene«, »Herr und Frau Knopp« u. a.) erlangten eine ungeheuere Verbreitung. Seine letzten Werkchen: »Eduards Traum« und »Der Schmetterling« sind symbolische Prosamärchen, die den Idealismus ironisieren.
Hans Hoffmann, geb. am 27. Juli 1848 in Stettin, zählt zu den besten Novellisten der Gegenwart. (»Von Frühling zu Frühling«, »Geschichten aus Hinterpommern«, »Ostseemärchen«, »Allerlei Gelehrte«, »Aus der Sommerfrische«.) Auch als Romanschriftsteller ist H. wiederholt hervorgetreten und hat sich auf diesem Gebiet als ein feinsinniger Dichter erwiesen, dem die seltene Gabe des Humors wie wenigen zu Gebote steht. (»Der eiserne Rittmeister«, »Landsturm«.) Ein echt nationales, von historischem Geiste getragenes Werk ist sein großer 3bändiger Roman: »Wider den Kurfürsten«.
Heinrich Seidel, geb. am 25. Juni 1842 in Perlin, wurde Ingenieur, dann Schriftsteller in Berlin. Er ist der Dichter der kleinen behaglichen Lebensverhältnisse; seine Poesie und seine Ideale haben einen philiströsen Zug und es sind fast immer dieselben Mittel (Pastorenhaus, Fliederbüsche, Tabakspfeife und schüchterne Liebhaber), mit denen er in seinen Lebrecht Hühnchen-Geschichten operiert. (»Aus der Heimat«, »Vorstadtgeschichten«,»Lebrecht Hühnchen u. a. Geschichten«, »Neues von Lebrecht Hühnchen u. a. Sonderlingen«, »Lebrecht Hühnchen als Großvater«, »Gesammelte Gedichte« u. a.) S's. Autobiographie führt den Titel »Von Perlin nach Berlin«.
Victor Blüthgen, geb. am 4. Januar 1844 in Zörbig, ein liebenswürdiger, feinsinniger Dichter, schrieb Gedichte (vor allem Kinderreime), Novellen und Humoresken (»Henzi u. a. Humoresken«, »Badekuren«, »Amoretten« etc.) Von seinen Romanen sind »Der Friedensstörer«, »Aus gährender Zeit«, und »Der Preuße« zu nennen.