Die Dichter mit dem Erdgeruch.
Klaus Groth, geb. am 24. April 1819 in Heide in Holstein, gest. 1899, stand im Mittelpunkt der plattdeutschen Bewegung. Er brachte diese bisher nur von Improvisatoren zu Possenreißereien benutzte Sprache wieder durch die Herausgabe seines »Quickborn« zu Ehren. Und wenn auch Reuter, der Humorist, mit seinen realistischen Darstellungen des Lebens mehr Erfolg errang als der Lyriker Groth, so gebührt diesem doch ein nicht minder großes Verdienst um die Erhaltung des Plattdeutschen. Sein Hauptwerk, der »Quickborn«, dessen Hintergrund die Plätze und Gassen eines vor einem Jahrzehnt noch kleinen und abgelegenen Fleckchen der Norderdithmarschen-Heide bilden, enthält Familienbilder, Lieder, Balladencyklen, Humoristisches etc.
Ludwig Anzengruber, geb. am 29. Nov. 1839 in Wien, gest. 1899, war ursprünglich Schauspieler, später mangels anderer Beschäftigung Beamter. A.'s Dramen, die stellenweise tendenziös gefärbt sind, behandeln religiöse und sociale Themata und spielen fast ausschließlich in Bauernkreisen. Sein erstes Stück: »Der Pfarrer von Kirchfeld« errang einen vollen Erfolg, der auch seinen späteren Dramen: »Der Meineidbauer«, »Die Kreuzelschreiber«, »Der Gewissenswurm«, »Der ledige Hof«, »Das vierte Gebot« treu blieb. Von den genannten Stücken haben»Der Gewissenswurm« und »Das vierte Gebot« die meiste Anerkennung gefunden. Von den Erzählungen A.'s steht der großangelegte Roman »Der Schandfleck« an erster Stelle.
Theodor Herrmann Pantenius, geb. am 22. Okt. 1843 in Mitau, Redakteur des »Daheim«, gehört zu den weniger bekannten Romanciers. Von seinen Romanen, deren Stoff meist seiner kurländischen Heimat entnommen ist, gelten als beste »Wilhelm Wolfschildt« und »Allein und frei«; sein in Livland spielender Roman »Die von Kelles« zählt zu den besten Schöpfungen der deutschen Litteratur.
Peter Rosegger, geb. am 31. Juli 1843 in Krieglach in Steiermark, erlernte zuerst das Schneiderhandwerk und wurde von dem Herausgeber der »Grazer Tagespost«, Albert Swoboda, für die Litteratur entdeckt. R. ist ein Autor von großer Gestaltungskraft und Phantasie, der sich seine Heimat, die steirischen Alpen, zur Domäne erkoren hat. Obwohl er der Tendenz nach Idealist ist, sind seine Schilderungen des Bauernlebens doch durchaus realistisch. Aus der Zahl seiner Werke – Rosegger ist einer der produktivsten Schriftsteller, der gewissenhaft jedes Jahr seine 2, 3 Bände liefert –, heben wir hervor: »Die Schriften des Waldschulmeisters«, »Heidepeters Gabriel«, »Dorfsünden«, »Der Gottsucher«, »Neue Waldgeschichten«, »Höhenfeuer«, »Jakob der Letzte«, »Martin der Mann«, »Der Waldvogel«, »Das ewige Licht«, »Erdsegen«.
Karl Stieler, geb. am 15. Dez. 1842 in München, gest. 1885, der Dichter frischer, fröhlicher »Hochlandslieder«, machte den Krieg 70/71 mit und schrieb »Durch Kriegzum Frieden 1870/1«. Von seinen oberbayrischen Gedichtsammlungen, die auch in Norddeutschland weite Verbreitung fanden, nennen wir: »Bergbleameln«, »Habts a Schneid!?«, »Hochlandslieder«, »Neue Hochlandslieder«, »Um Sunnawend«, »Weil's mi freut!«
Hermann von Schmid, geb. am 13. März 1815 in Weizenkirchen (Österreich), gest. 1880, wurde durch seine bayrischen Dorfgeschichten bekannt. Von seinen historischen Werken hat der vierbändige Roman »Der Kanzler von Tirol« die meiste Beachtung gefunden.
Maximilian Schmidt, geb. am 25. Febr. 1832 in Eschlkam, wählte als Hintergrund seiner Erzählungen den Bayrischen und Böhmer Wald. Seine Werke zeichnen sich durch volkstümliche Darstellung, hübsche Naturschilderungen und treffende Charakteristik aus. (»Gesammelte Werke« 1884 u. ff.)
Ludwig Ganghofer, geb. am 7. Juli 1855 in Kaufbeuren, verlegt den Schauplatz seiner Romane und Schauspiele meist in das bayerische Hochgebirge. Von seinen konventionell-volkstümlichen dramatischen Arbeiten fanden besonders »Der Herrgottsschnitzer von Oberammergau« und »Der Prozeßhansl« Anerkennung, obwohl seine »Jagerleut« die Verwandtschaft mit dem »Salontiroler« nicht verleugnen können. Zu seinen besten Romanen und Novellen, in denen die Natur meist symbolisch verwertet wird, zählen »Hochlandsgeschichten«, »Der Klosterjäger«, »Die Martinsklause«, »Der laufende Berg«.
Arthur Achleitner, geb. am 16. Aug. 1858 in Straubing, machte sich durch seine Schilderungen aus dem Wild- und Waidmannsleben der Hochgebirge bekannt. (»Geschichten aus den Bergen«, »Grüne Brüche«,»Grenzerleut'«, »Der Stier von Salzburg«, »Der Hirsch von Eßlingen« u. a.)
Johann Meyer, geb. am 5. Jan. 1829 in Wilster in Holstein, veröffentliche plattdeutsche Erzählungen und Schwänke, »Dithmarscher Gedichte« und hochdeutsche »Lyrische Gedichte«, die ein eigenartiges poetisches Talent bekunden.
Joh. Heinrich Fehrs, geb. am 10. April 1838 in Mühlenbarbeck, begann mit Epen (»Krieg und Hütte«, »Eigene Wege«) und schloß daran plattdeutsche Erzählungen und Gedichte. (»Lütt Hinerk«, »Allerhand Slag Lüd«.)
Timm Kröger, geb. am 29. Nov. 1844 in Haale (Holstein), debütierte mit dem Novellenband: »Eine stille Welt«, der Bilder und Geschichten aus Moor und Heide enthält, die sich durch feinsinnige Naturbetrachtungen auszeichnen. Ein kleines Meisterwerk ist sein psychologischer Roman »Der Schulmeister von Handewitt«, der in 2. Auflage unter dem Titel: »Schuld?« erschien.
Heinrich Hansjakob, geb. am 19. Aug. 1837 in Haslach in Baden, ist ein Meister der Dorfgeschichte, der zwar in seinen Schriften den katholischen Priester nicht verleugnet, dies aber durch einen urwüchsigen Humor und echtes Empfinden vergessen läßt. (»Aus meiner Jugendzeit«, »Aus meiner Studienzeit«, »Wilde Kirschen«, »Schneeballen«.)
Hermine Villinger, geb. am 6. Febr. 1849 in Karlsruhe, legte den Schwerpunkt ihres litterarischen Schaffens auf die Dorfgeschichte. »Aus dem Kleinleben«, »Unter Bauern«, »Kleine Lebensbilder«, »Aus dem Badener Land« u. a. enthalten reizende, humorvolle Genrebilder aus dem badischen »Ländle«.
Clara Viebig(Mädchenname von Clara Cohn), geb. in Trier, entnimmt den Stoff ihrer oft graß naturalistischen Werke mit Vorliebe dem Gebiete der Eifel. Sie debütierte 1897 mit der Novellensammlung »Kinder der Eifel«, denen weitere Novellen (»Vor Tau und Tag«), die Romane »Dilettanten des Lebens«, »Es lebe die Kunst!« und »Das Weiberdorf« folgten, die jedoch künstlerisch nicht auf der Höhe ihrer ersten Publikation stehen. Eine ihrer Eifelgeschichten lieferte den Stoff zu ihrem Drama »Barbara Holzer«. Ihr neuestes Bühnenwerk »Pharisäer« spielt im Posenschen.
Adolf Bartels, geb. am 15. Nov. 1862 in Wesselburen, erwarb sich als Litterarhistoriker der Kunstwart-Schule einen Namen. Seine historischen Romane »Die Dithmarscher« und »Dietrich Sebrandt« sind vom streng geschichtlichen Standpunkt aus geschrieben.
Charlotte Niese, geb. am 7. Juni 1854 in Burg auf Fehmarn, gewann durch ihre schleswig-holsteinischen Geschichten (»Aus dänischer Zeit«, »Geschichten aus Holstein«, »Auf der Heide«) die Gunst des Lesepublikums, so daß man über ihre Schwäche, die Socialdemokratie in Romanen zu bekämpfen, hinwegsieht.
Ilse Frapan(Pseudon. für Ilse Levien), geb. am 3. Febr. 1852 in Hamburg, ist ein starkes dichterisches Talent, dem auch der Humor nicht fremd ist. Sie gab heraus: »Bescheidene Liebesgeschichten«, »Zwischen Elbe und Alster«, »Enge Welt«, »Zu Wasser und zu Lande«, »Querköpfe«, »Flügel auf«, »In der Stille«, sowie einen Band »Vischer-Erinnerungen«.
August Sperl, geb. am 5. Aug. 1862 in Fürth, machte sich durch »Die Fahrt nach der alten Urkunde«,sowie durch den historischen Roman: »Die Söhne des Herrn Budiwoj«, der König Ottokars Glück und Ende und das Erstehen des habsburgischen Königshauses behandelt, bekannt. In dem Epos »Fridtjof Nansen« schilderte er mit Glück die Nordlandsfahrt des modernen Fridtjof.
Heinrich Sohnrey, geb. am 19. Juni 1859 in Jühnde bei Göttingen, Herausgeber von »Das Land«, zeigt eine gewisse Verwandtschaft mit dem früh verstorbenen Heinrich Schaumberger, und gilt als einer der besten Vertreter der Dorfgeschichte. (»Die Leute aus der Lindenhütte«, »Der Bruderhof.«)