Die kleineren Dramatiker der Neuzeit.

Die kleineren Dramatiker der Neuzeit.

Max Halbe, geb. am 4. Okt. 1865 in Guettland bei Danzig, errang einen durchschlagenden Erfolg mit dem Stücke: »Jugend«, der ihn für kurze Zeit in die Reihe der ersten Dramatiker stellte. Es gelang ihm jedoch nicht, mit seinen späteren Stücken »Der Amerikafahrer«, »Lebenswende«, »Mutter Erde«, »Das tausendjährige Reich«, von denen das letztgenannte ein bedeutsamer Ansatz zum modern-historischen Drama ist, diese Stellung zu behaupten, so sehr sie auch Zeugnis von seinem ernsten künstlerischen Streben ablegen. H.'s Kunst wurzelt in seiner heimatlichen westpreußischen Erde und hat ihre stärksten Seiten in lyrischen Feinheiten. Von starkem dichterischen Gehalt ist seine Dorfgeschichte »Frau Meseck«.

Ludwig Fulda, geb. am 15. Juli 1862 in Frankfurt a/M., erweckte bei dem Erscheinen der Schauspiele »Das verlorene Paradies« und »Talisman« große Hoffnungen, die jedoch nicht verwirklicht wurden, da sich seine Muse immer mehr zu Roderich Benedix hingezogen fühlte. F. ist ein geistreicher, formgewandter Causeurpoet, seine Stücke hübsch gedrechselte Salonware, ohne großen Gehalt, aber amüsant und auf Massenerfolg hin geschrieben (»Die Kameraden«, »Robinsons Eiland«, »Der Sohn des Kalifen«, »Jugendfreunde«, »Schlaraffenland«). Bemerkenswertes leistete F., der über große Formgewandtheit und sprachliches Talent verfügt, auf dem Gebiete des Epigramms und der Spruchdichtung, sowie als Übersetzer (Molière, Rostand).

Arthur Schnitzler, geb. am 15. Mai 1862 in Wien, hatte bedeutende Bühnenerfolge mit seinen Schauspielen »Anatol«, »Märchen«, »Liebelei«, »Freiwild«. Er ist der Liebespsychologe der Halbwelt, ein Dichter der tändelnden, leichten, freien Liebe, der »kleinen süßen Mädels«, wie sie Wien kennt. Seine Männer sind echte Lebemänner, die skrupellos ihrem Vergnügen nachgehen und es dort suchen, »wo man lächelnd den ersten Kuß empfängt und mit sehr sanfter Rührung scheidet«.

Josef Lauff, geb. am 16. Nov. 1855 in Köln, begann seine litterarische Laufbahn mit epischen Gedichten (»Jan van Calker«, »Der Helfensteiner«, »Die Overstolzin«, »Klaus Störtebecker« u. a.) und wandte sich dann unter kaiserlicher Protektion dem Drama zu (»Der Burggraf«, »Der Eisenzahn«). In seinen Epen ist er ein verwässerter Julius Wolff, in seinen Dramen ein verwässerter Wildenbruch.

Felix Philippi, geb. am 5. Aug. 1851 in Berlin, wandte sich fast ausschließlich der dramatischen Produktion zu (»Daniela«, »Wohlthäter der Menschheit«, »Wer war's?«, »Das Erbe«, »Der goldene Käfig« u. a.). Seine letzten Stücke, die meist sensationellen Hofgeschichten oder politischen Vorkommnissen ihre Entstehung verdanken, wurden beifälliger vom Publikum als von der Kritik aufgenommen.

Max Dreyer, geb. am 25. Sept. 1862 in Rostock, führte sich vor ein paar Jahren mit dem Drama »Eine« verheißungsvoll in die Litteratur ein, schuf jedoch bald Stücke (»In Behandlung«, »Großmama«, »Hans«, »Der Probekandidat«), an denen der klug rechnende Verstand mehr Anteil hat, als das künstlerische Gewissen.Sie sind weniger Dichtungen als Rechenexempel, deren Richtigkeit allerdings durch den Erfolg bestätigt wird.

Josef Ruederer, geb. am 15. Okt. 1861 in München, schuf in seinem Erstlingsromane: »Ein Verrückter. Kampf und Ende eines Lehrers« prächtige Gestalten und in der »Fahnenweihe« eine lebendige Sittenkomödie. Seine neuesten Veröffentlichungen: der Novellenband »Tragödien« und »Wallfahrer-, Maler- und Mördergeschichten« stehen nicht ganz auf gleicher Höhe.

Caesar Flaischlen, geb. am 12. Mai 1864 in Stuttgart, Redakteur des »Pan«, ist ein sprödes und nicht sehr ergiebiges Dichtertalent, das stets die »Moderne« auf sich einwirken ließ. Seine Dramen: »Toni Stürmer« und »Martin Lehnhardt, ein Kampf um Gott« stehen ganz unter dem Einflusse Strindbergs.

Otto Erich Hartleben, geb. am 3. Juni 1864 in Clausthal, ist der Ironiker unter den Modernen, der bei Maupassant in die Schule gegangen ist und mit liebenswürdigem Humor seine Geschichten und Schnurren, die er vorsorglich meist irgend einem Philister in den Mund legt, zu erzählen weiß (»Die Geschichte vom abgerissenen Knopf«, »Vom gastfreien Pastor«, »Der römische Maler«). Als Dramatiker ist er Thesendichter (»Ein Ehrenwort«, »Die Erziehung zur Ehe«, »Ein wahrhaft guter Mensch« u. a.).

Philipp Langmann, geb. am 5. Febr. 1862 in Brünn, errang einen großen und verdienten Erfolg mit seinem socialen Arbeiterdrama »Bartel Turaser«, der seiner späteren dramatischen Produktion (»Die vier Gewinner«, »Gertrud Antleß«) ebenso verdienter Weise versagt blieb. Seine ganz in impressionistischem Stile geschriebenen»Realistischen Erzählungen« und »Ein junger Mann von 1895 und andere Novellen« sind bedeutungslos. Hübsche stimmungsvolle Bilder enthält dagegen sein neuester Novellenband »Verflogene Rufe«.

Ernst Rosmer(recteFrau Elsa Bernstein) schrieb »Wir Drei«, »Dämmerung«, »Königskinder«, sowie den Novellenband »Madonna«, in denen sie den Spuren Gerhart Hauptmanns folgt.

Georg Hirschfeld, geb. am 17. Febr. 1873 in Berlin, schuf seine Schauspiele aus dem engen Kreise seiner (jüdischen) Familie heraus. »Zu Hause«, »Die Mutter« und »Agnes Jordan« errangen daher bei dem Berliner Premièrenpublikum freundliche Erfolge.


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