Der Salon.

Der Salon.Die Hausfrau, der stets die Sorge um ein standesgemäßes Heim am Herzen liegt, steht dieser Frage häufig ratlos gegenüber. Bei den anderen Räumen gibt es keine solchen Schwierigkeiten, deren Einrichtung ergab sich notgedrungen, aus dem Bedürfnisse heraus. Aber beim Salon — das ist etwas anderes. Hier spricht das Bedürfnis nicht so laut; man wohnt nicht darin; man hat ihn gewöhnlich nicht für sich, sondern für die anderen. Also um darin zu repräsentieren. Es gehört zu den Herkömmlichkeiten, daß selbst jede kleinere Wohnung ihren »Salon« hat. Dazu wählt man fast immer das beste und größte Zimmer, die anderen Räume werden ins Hintertreffen gerückt. Ich halte zwar die Gemächer, die meinem persönlichen Dasein dienen, für weitaus wichtiger, aber das gehört nicht hieher. Im Salon kann man zeigen, daß man auch »wer« ist, und das erklärt alles. Also wendet sich die ratlose Hausfrau an ihr Hausblättchen, von dem sie gewöhnlich auch die Kochrezepte bezieht: »Bitte, wie richte ich meinen Salon ein?« und erhält alsogleich probaten Rat in der herkömmlichen Form: »Man nimmt ein paar Stühle verschiedener Form und Größe, mit beliebigem Seidenstoff gepolstert, kleine Tischchen, ein Sopha, Fauteuils etc.«Die Durchschnittssalons der bürgerlichen Wohnungen schmecken alle nach diesem Rezept. Der Möbelhändler liefert den bric-à-brac, den billigen Tand, die Gipsstatuen und all den Kram, der für wenig Geld viel Geschrei machen soll.Buffet von Arch. Franz Exler.Buffet von Arch. Hans Stubner.Dieselbe Öde und Langeweile, den Mangel jeder persönlichen Regung findet man von Haus zu Haus. Was auch die praktischen Ratgeber und Möbelhändler sagen mögen,so richtet man einen Salon nicht ein. Wozu haben wir überhaupt einen Salon? Welche Aufgabe soll er in dem Organismus unseres Hauses erfüllen? Soviel steht fest: In der Form, wie wir ihn meistens finden, bildet er einen toten Raum. Sollte der »Salon« nicht derart zu gestalten sein, daß er auch von dem Leben erfüllt werde, das die anderen Räume beherrscht, daß er nicht bloß einer unzulänglichen Repräsentanz diene, sondern wirklich der Bedeutung gleichkomme, die man ihm auf Kosten der Bequemlichkeit in der bürgerlichen Wohnung einräumt? Die Sache ist der Untersuchung wert.Speisezimmer von Arch. R. Bräuer.Schon das Fremdwort »Salon« besagt, daß wir es mit einem Raume zu tun haben, der aus einer fremden Kultur stammt. Die italienische Renaissance veratmet in dem Wort. »Salone«, »großer Saal«, so hieß der große Empfangsraum im italienischen Palazzo. Was wir heute unter dieser Bezeichnung in unseren Durchschnittswohnungen finden, ist freilich eine Farce auf den ursprünglichen Geist eines solchen Raumes. Soll der Salon für unsere Verhältnisse wieder Sinn und Zweck bekommen, dann müssen wir ihn seines anscheinend repräsentativen Charakters, der für die große Mehrzahl ohnehin bedeutungslos ist, entkleiden, und ihm das Geprägeeines persönlich intimen Raumes geben. Nach einer gesunden Auffassung von der Sache hat aber der bürgerliche Salon die Aufgabe, alle Dinge aufzunehmen, welche die Persönlichkeit, ihre Neigungen und ihre Ideale charakterisieren. Jegliches Ding darin müßte von der Persönlichkeit etwas auszusagen haben. Für die gebildete Hausfrau oder den gebildeten Hausherrn wird der Salon recht eigentlich Bibliothek oder Arbeitszimmer sein, wo die Lieblingsbücher stehen und die Studien gepflegt werden, wo an den Wänden in geeigneten, zum Auswechseln gerichteten Rahmen die Kunstblätter hängen, die Sammlungen aufgestellt sind und aus allen Dingen die geistigen Wesenszüge der Bewohner sprechen. Hier, wo man von allen Gegenständen seiner Neigungen umgeben ist, wird man am angenehmsten plaudern, und die Langeweile, dieser tötliche Feind aller Lebensfreude, wird solchen Räumen sicherlich fernbleiben. Die Unterhaltung, die von diesen Gegenständen her Nahrung empfängt, wird leichtund fesselnd sein, weil sie solcherart die Eigenart der Bewohner auf unauffällige und sympathische Weise offenbart, und eine anziehende Neuheit darin besitzt, daß sie sich nicht um die Schwächen des abwesenden lieben Nächsten zu drehen braucht.Buffet von Arch. Georg Winkler.Wo diese Auffassung platzgreift, stellen sich die neuen Grundsätze für die zweckmäßige Einrichtung ungerufen ein. Die gute Hausfrau, die bereits gemerkt hat, um was es sich handelt, weiß nun mit einemmal, was sie für ihren Salon braucht. Sie wird Wände und Plafond in einfachen ruhigen Farben halten, vielleicht einfärbig bloß mit einem herumlaufenden Fries, oder sie wird, wenn sie Stofftapeten haben will, zu einem modernen Muster greifen. In Stofftapeten ist auch mehr Farbenfreude und Lebhaftigkeit der Zeichnung statthaft. Sie wird die Möbel so einfach, aber auch so gediegen herstellen lassen als möglich, vielleicht aus Mahagoni oder rotgebeiztem Holz, mit dem sich auch weiße Lackmöbel gut verbinden lassen. Die Möglichkeiten sind nicht auszudenken, der gute Geschmack wird mit allen Mitteln das richtige treffen. Die Anordnung der Möbel wird selbstverständlich von der bisherigen Aufstellung sehr verschieden sein müssen. Man wird in einem solchen intimen Raum Wert darauf legen, eine gemütliche Plauderecke zu besitzen, eincozy-corner, das eine Ecke des Zimmers füllt, eine halbkreisförmige gepolsterte Sitzgelegenheit enthält, und ein Tischchen davor, wo man behaglich sitzen kann, den ganzen Raum beherrscht und sich dennoch abgeschlossen und geborgen fühlt. Das Fenster, das bei der Art unserer Zimmer leider so wenig Raum an der Wandseite läßt, wird einfach zur unteren Hälfte verkleidet, wenn es sich nicht anders tun läßt. Vondiesem Platze aus ergibt sich die geschmackvolle Aufstellung der anderen Möbelstücke, die immer nur nach Maßgabe des persönlichen Bedürfnisses vorhanden sein werden, ganz leicht.Speisezimmer von Arch. Karl Witzmann.Speisezimmer von Arch. Max Benirschke.Man glaube indessen nicht, daß die Sache so brandneu ist, daß man es nicht wagen dürfe, sie aufzunehmen. Bei den Künstlern gehört es zur Überlieferung, die ganz selbstverständlich ist, daß sie ihre Gäste im Arbeitsraum, also in der Werkstatt, im Atelier empfangen. Das Atelier ist zugleich ihr Salon. Darum unterhält man sich bei den Künstlern am besten, weil man von ihrem geistigen Wesen ganz umgeben ist, von allen Dingen, die diese Geistigkeit sichtbar machen. Auf diese Art kannes jedermann halten. Nicht jeder ist Künstler, wird man sagen. Aber jeder Gebildete hat geistige Interessen irgendwelcher Art oder treibt einen geistigen Sport, musiziert, sammelt, liest. Oder sollte ich allzu optimistisch sein? Man gebe einem Salon das Gepräge eines geistigen Sammelpunktes. Wer aber in den neuen, oben dargestellten Grundsätzen eine Festigung durch das Beispiel der altehrwürdigen Tradition braucht, der lese die folgende Schilderung des idealen Zimmers, das sich Adalbert Stifter einrichten wollte, den man in dieser Hinsicht ganz gut als einen Vorläufer der Modernen betrachten kann.Speisezimmer mit Erker von Arch. Max Benirschke.Buffet von Arch. Georg Winkler.»Zwei alte Wünsche meines Herzens stehen auf. Ich möchte eine Wohnung von zwei großen Zimmern haben, mit wohlgebohnten Fußböden, auf denen kein Stäubchen liegt; sanft grüne oder perlgraue Wände, daran neue Geräte, edel massiv, antik einfach, scharfkantig und glänzend; seidene graue Fenstervorhänge, wie matt geschliffenes Glas, in kleine Falten gespannt, und von seitwärts gegen die Mitte zu ziehen. In dem einen der Zimmer wären ungeheuere Fenster, um Lichtmassen hereinzulassen, und mit obigen Vorhängen für trauliche Nachmittagsdämmerung. Rings im Halbkreise stände eine Blumenwildnis, und mitten darin säße ich mit meiner Staffelei und versuchte endlich jene Farben zu erhaschen, die mir eben im Gemüte schweben und nachts durch meine Träume dämmern — ach, jene Wunder, die in Wüsten prangen, über Ozeane schweben und den Gottesdienst der Alpen feiern helfen. An den Wänden hinge ein oder der andere Ruysdael oder ein Claude, ein sanfter Guido und Kindergesichtchen von Murillo. In dieses Paphos und Eldorado ginge ich dann nie anders, als nur mit der unschuldigsten, glänzendsten Seele, um zu malen oder mir sonst dichterische Feste zu geben. Ständen noch etwa zwischen dunkelblättrigen Tropengewächsen ein paar weiße ruhige Marmorbilder alter Zeit, dann wäre freilich des Vergnügens letztes Ziel und Ende erreicht.«

Die Hausfrau, der stets die Sorge um ein standesgemäßes Heim am Herzen liegt, steht dieser Frage häufig ratlos gegenüber. Bei den anderen Räumen gibt es keine solchen Schwierigkeiten, deren Einrichtung ergab sich notgedrungen, aus dem Bedürfnisse heraus. Aber beim Salon — das ist etwas anderes. Hier spricht das Bedürfnis nicht so laut; man wohnt nicht darin; man hat ihn gewöhnlich nicht für sich, sondern für die anderen. Also um darin zu repräsentieren. Es gehört zu den Herkömmlichkeiten, daß selbst jede kleinere Wohnung ihren »Salon« hat. Dazu wählt man fast immer das beste und größte Zimmer, die anderen Räume werden ins Hintertreffen gerückt. Ich halte zwar die Gemächer, die meinem persönlichen Dasein dienen, für weitaus wichtiger, aber das gehört nicht hieher. Im Salon kann man zeigen, daß man auch »wer« ist, und das erklärt alles. Also wendet sich die ratlose Hausfrau an ihr Hausblättchen, von dem sie gewöhnlich auch die Kochrezepte bezieht: »Bitte, wie richte ich meinen Salon ein?« und erhält alsogleich probaten Rat in der herkömmlichen Form: »Man nimmt ein paar Stühle verschiedener Form und Größe, mit beliebigem Seidenstoff gepolstert, kleine Tischchen, ein Sopha, Fauteuils etc.«Die Durchschnittssalons der bürgerlichen Wohnungen schmecken alle nach diesem Rezept. Der Möbelhändler liefert den bric-à-brac, den billigen Tand, die Gipsstatuen und all den Kram, der für wenig Geld viel Geschrei machen soll.

Buffet von Arch. Franz Exler.

Buffet von Arch. Franz Exler.

Buffet von Arch. Hans Stubner.

Buffet von Arch. Hans Stubner.

Dieselbe Öde und Langeweile, den Mangel jeder persönlichen Regung findet man von Haus zu Haus. Was auch die praktischen Ratgeber und Möbelhändler sagen mögen,so richtet man einen Salon nicht ein. Wozu haben wir überhaupt einen Salon? Welche Aufgabe soll er in dem Organismus unseres Hauses erfüllen? Soviel steht fest: In der Form, wie wir ihn meistens finden, bildet er einen toten Raum. Sollte der »Salon« nicht derart zu gestalten sein, daß er auch von dem Leben erfüllt werde, das die anderen Räume beherrscht, daß er nicht bloß einer unzulänglichen Repräsentanz diene, sondern wirklich der Bedeutung gleichkomme, die man ihm auf Kosten der Bequemlichkeit in der bürgerlichen Wohnung einräumt? Die Sache ist der Untersuchung wert.

Speisezimmer von Arch. R. Bräuer.

Speisezimmer von Arch. R. Bräuer.

Schon das Fremdwort »Salon« besagt, daß wir es mit einem Raume zu tun haben, der aus einer fremden Kultur stammt. Die italienische Renaissance veratmet in dem Wort. »Salone«, »großer Saal«, so hieß der große Empfangsraum im italienischen Palazzo. Was wir heute unter dieser Bezeichnung in unseren Durchschnittswohnungen finden, ist freilich eine Farce auf den ursprünglichen Geist eines solchen Raumes. Soll der Salon für unsere Verhältnisse wieder Sinn und Zweck bekommen, dann müssen wir ihn seines anscheinend repräsentativen Charakters, der für die große Mehrzahl ohnehin bedeutungslos ist, entkleiden, und ihm das Geprägeeines persönlich intimen Raumes geben. Nach einer gesunden Auffassung von der Sache hat aber der bürgerliche Salon die Aufgabe, alle Dinge aufzunehmen, welche die Persönlichkeit, ihre Neigungen und ihre Ideale charakterisieren. Jegliches Ding darin müßte von der Persönlichkeit etwas auszusagen haben. Für die gebildete Hausfrau oder den gebildeten Hausherrn wird der Salon recht eigentlich Bibliothek oder Arbeitszimmer sein, wo die Lieblingsbücher stehen und die Studien gepflegt werden, wo an den Wänden in geeigneten, zum Auswechseln gerichteten Rahmen die Kunstblätter hängen, die Sammlungen aufgestellt sind und aus allen Dingen die geistigen Wesenszüge der Bewohner sprechen. Hier, wo man von allen Gegenständen seiner Neigungen umgeben ist, wird man am angenehmsten plaudern, und die Langeweile, dieser tötliche Feind aller Lebensfreude, wird solchen Räumen sicherlich fernbleiben. Die Unterhaltung, die von diesen Gegenständen her Nahrung empfängt, wird leichtund fesselnd sein, weil sie solcherart die Eigenart der Bewohner auf unauffällige und sympathische Weise offenbart, und eine anziehende Neuheit darin besitzt, daß sie sich nicht um die Schwächen des abwesenden lieben Nächsten zu drehen braucht.

Buffet von Arch. Georg Winkler.

Buffet von Arch. Georg Winkler.

Wo diese Auffassung platzgreift, stellen sich die neuen Grundsätze für die zweckmäßige Einrichtung ungerufen ein. Die gute Hausfrau, die bereits gemerkt hat, um was es sich handelt, weiß nun mit einemmal, was sie für ihren Salon braucht. Sie wird Wände und Plafond in einfachen ruhigen Farben halten, vielleicht einfärbig bloß mit einem herumlaufenden Fries, oder sie wird, wenn sie Stofftapeten haben will, zu einem modernen Muster greifen. In Stofftapeten ist auch mehr Farbenfreude und Lebhaftigkeit der Zeichnung statthaft. Sie wird die Möbel so einfach, aber auch so gediegen herstellen lassen als möglich, vielleicht aus Mahagoni oder rotgebeiztem Holz, mit dem sich auch weiße Lackmöbel gut verbinden lassen. Die Möglichkeiten sind nicht auszudenken, der gute Geschmack wird mit allen Mitteln das richtige treffen. Die Anordnung der Möbel wird selbstverständlich von der bisherigen Aufstellung sehr verschieden sein müssen. Man wird in einem solchen intimen Raum Wert darauf legen, eine gemütliche Plauderecke zu besitzen, eincozy-corner, das eine Ecke des Zimmers füllt, eine halbkreisförmige gepolsterte Sitzgelegenheit enthält, und ein Tischchen davor, wo man behaglich sitzen kann, den ganzen Raum beherrscht und sich dennoch abgeschlossen und geborgen fühlt. Das Fenster, das bei der Art unserer Zimmer leider so wenig Raum an der Wandseite läßt, wird einfach zur unteren Hälfte verkleidet, wenn es sich nicht anders tun läßt. Vondiesem Platze aus ergibt sich die geschmackvolle Aufstellung der anderen Möbelstücke, die immer nur nach Maßgabe des persönlichen Bedürfnisses vorhanden sein werden, ganz leicht.

Speisezimmer von Arch. Karl Witzmann.

Speisezimmer von Arch. Karl Witzmann.

Speisezimmer von Arch. Max Benirschke.

Speisezimmer von Arch. Max Benirschke.

Man glaube indessen nicht, daß die Sache so brandneu ist, daß man es nicht wagen dürfe, sie aufzunehmen. Bei den Künstlern gehört es zur Überlieferung, die ganz selbstverständlich ist, daß sie ihre Gäste im Arbeitsraum, also in der Werkstatt, im Atelier empfangen. Das Atelier ist zugleich ihr Salon. Darum unterhält man sich bei den Künstlern am besten, weil man von ihrem geistigen Wesen ganz umgeben ist, von allen Dingen, die diese Geistigkeit sichtbar machen. Auf diese Art kannes jedermann halten. Nicht jeder ist Künstler, wird man sagen. Aber jeder Gebildete hat geistige Interessen irgendwelcher Art oder treibt einen geistigen Sport, musiziert, sammelt, liest. Oder sollte ich allzu optimistisch sein? Man gebe einem Salon das Gepräge eines geistigen Sammelpunktes. Wer aber in den neuen, oben dargestellten Grundsätzen eine Festigung durch das Beispiel der altehrwürdigen Tradition braucht, der lese die folgende Schilderung des idealen Zimmers, das sich Adalbert Stifter einrichten wollte, den man in dieser Hinsicht ganz gut als einen Vorläufer der Modernen betrachten kann.

Speisezimmer mit Erker von Arch. Max Benirschke.

Speisezimmer mit Erker von Arch. Max Benirschke.

Buffet von Arch. Georg Winkler.

Buffet von Arch. Georg Winkler.

»Zwei alte Wünsche meines Herzens stehen auf. Ich möchte eine Wohnung von zwei großen Zimmern haben, mit wohlgebohnten Fußböden, auf denen kein Stäubchen liegt; sanft grüne oder perlgraue Wände, daran neue Geräte, edel massiv, antik einfach, scharfkantig und glänzend; seidene graue Fenstervorhänge, wie matt geschliffenes Glas, in kleine Falten gespannt, und von seitwärts gegen die Mitte zu ziehen. In dem einen der Zimmer wären ungeheuere Fenster, um Lichtmassen hereinzulassen, und mit obigen Vorhängen für trauliche Nachmittagsdämmerung. Rings im Halbkreise stände eine Blumenwildnis, und mitten darin säße ich mit meiner Staffelei und versuchte endlich jene Farben zu erhaschen, die mir eben im Gemüte schweben und nachts durch meine Träume dämmern — ach, jene Wunder, die in Wüsten prangen, über Ozeane schweben und den Gottesdienst der Alpen feiern helfen. An den Wänden hinge ein oder der andere Ruysdael oder ein Claude, ein sanfter Guido und Kindergesichtchen von Murillo. In dieses Paphos und Eldorado ginge ich dann nie anders, als nur mit der unschuldigsten, glänzendsten Seele, um zu malen oder mir sonst dichterische Feste zu geben. Ständen noch etwa zwischen dunkelblättrigen Tropengewächsen ein paar weiße ruhige Marmorbilder alter Zeit, dann wäre freilich des Vergnügens letztes Ziel und Ende erreicht.«


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