Chapter 3

Allein kein gutes Wort noch sonst ein ernsthaft SchmehlenGalt bey dem Frauenvolk. Man sprach: es bleibt darbey,Daß nur ein groser Rock in Zukunft Mode sey,Und wo die Männer uns nicht neue Kleider schaffen,So wollen wir so lang nicht bey denselben schlaffen,Biß sich ihr Eigensinn nach unserm Willen bricht.

Wie artig fällt es nicht in aller Angesicht,Wenn eine Knochen=Lust, wenn eine Härings=Seele,Ein Weib aus Liliput solch ungeheure HöhleZu ihrem Sitze wehlt? Es sieht so zierlich aus,Als ragt aus einem Faß ein Weiden=Hölzgen raus.

Und weil das Mannesvolk vom Staub die Schuh beschmutzet,So werden sie dadurch beständig abgeputzet.So zeigt das Frauenvolk durch diese Dienste an,Wie sie zum voraus schon den Männern unterthan.Es kan das Mannesvolk sich würklich glücklich achten,(WeiberDaß {Jungfern auf der Straß die Schu zu putzen trachten.

Wie öfters werden uns die Augen nicht berückt,Wenn man bald hier und da ein Frauenbild erblickt,Das Achsel, Leib und Haupt und Hals mit Bändern zieret,Und wie ein Kutsch=Pferd prangt, das Hochzeit=Gäste führet.

Ihr Jungfern! die ihr euch nur wie es euch gelüst,In eurer Kleider=Tracht nach Pfauen=Weise brüst,Und euch aufs herrlichste und allerbeste kleidet,Und auch den Überfluß in Hoffart nicht vermeidet.Was reizet euch darzu daß ihr so prächtig geht?Vielleicht ist das der Grund, warum ihr euch so blöht,Daß ihr dem Mannesvolk wolt in die Augen fallen,Ob etwa ihre Brust vor Liebe möchte wallen,Daß man euch in das Buch der Bräute schreiben soll?

Die Reizung ist zu frech! die Lockung ist zu toll!Das Mannsvolk ist zu klug, das läßt sich wohl durch Schmücken,Durch Frechheit, Stolz und Pracht so leichte nicht berücken.Je gröser eure Pracht; je kleiner ist ihr Trieb,Und desto weniger gewinnen sie euch lieb.Glaubt, desto stärker ist die Furcht vor euren Strahlen,Sie denken, wer dich freyt, der muß nur immer zahlen;Der muß, was er erwirbt, verdienet und gewinnt,An deine Kleider=Pracht, du stolz und müssig Kind!Mit heimlichem Verdruß und Schaden nur verwenden,Und wohl noch gar darzu sein bestes Gut verpfänden.Sie glauben, welche sich dem Putz und Staat ergiebt,Daß die auch Müssiggang und Fenster-Rahmen liebt.

Dieß ist der Jungfern Schmuck, der sie gefällig machet,Wenn sie nicht frech und stolz und spöttisch spricht und lachet,Nicht tadelsüchtig ist, und allen Umgang flieht,Der sie von Tugenden und von dem Wohlstand zieht.Keusch, freundlich, sittsam, klug, manierlich und bescheidenZu seyn, den stolzen Ernst und frechen Scherz zu meiden,Der Wirthschaft nachzugehn, dieß ziehrt die Jungfern mehr,Als wenn des Cörpers Bau in Gold gekleidet wär;Dieß macht euch angenehm, gefällig und beliebet,Daß euch das Mannesvolk Herz, Ring und Vorzug giebet.Du mein geliebt Geschlecht! Ihr Schönen! saget mir,Wenn nun des Bräutgams Hand die grüne Myrthen=ZierUnd Kranz vom Haupte reißt, ob das die Klugheit leidet,Daß man auf dieses Fest so vieles Geld verkleidet,Verschwendet und verzehrt, gar keine Mase hält,Und sich so prächtiglich der Welt vor Augen stellt?Wodurch ihr euren Stand und euch in Schaden bringet,So, daß ihr öfters drauf das Miserere singet.

Die Braut ist freylich wohl des Bräutgams Augen=Trost;Doch wisse, da dein Freund zuerst um dich geloßt;Da er dich kennen lernt, und dich oft angesehen,Da er dich voller Fleiß im Hause sahe gehen,Da er dich nett im Kleid, jedoch nicht prächtig fand.Ward er nicht dazumahl in seiner Brust entbrand?Hat damahls nicht sein Geist dich andern vorgezogen?Und war dir brünstiglich und inniglich gewogen;Hat nun dein stolzer Putz die Liebe nicht erregt,So wird sie würklich nicht erst jezt auf dich gelegt,Da man dich stolz im Kleid und in gar theuren Spitzen,Und Perl= und Steinen=Schmuck sieht an der Seite sitzen.Da sich dein Bräutgam nun an deinem netten Kleid,An deinem klugen Fleiß, und nicht am Pracht erfreut,Weswegen wilst du dann bald die, bald jene Gaben,Zu deiner Pracht und Zier von deinem Manne haben?

Was fehlt auch deiner Pracht, wenn dich dein Gatte ehrt,Und liebt, und deine Ruh durch keine Kränkung stöhrt?Ist dieß nicht über Schmuck und Kleider=Stolz zu lieben?

Bleibt denn der Ehstand auch ohn Trübsaal und Betrüben?Nein! darum wendet nicht so viel auf Pracht und Staat,So giebt der Überfluß euch in dem Mangel Rath.

Ich weiß, man muß die Zeit bedächtig unterscheiden,Weil man sich jezo nicht wie ehmals pflegt zu kleiden;Kein aufgeschliztes Wamst und Pluderhosen trägt,Kein reiches Weib sich mehr in eine Schaube schlägt.Man richtet billig sich in Kleidung, Tracht und ModenNach den Lebendigen, nicht aber nach den Toden.Deswegen glaub ich auch mit der gescheuten Welt,Daß es nicht unrecht ist, wenn man sich trägt und hält,Wie es die Zeit befiehlt, und Stand und Rang verlanget,Daß ein berühmter Mann in Hollands=Tüchern pranget,Mit netten seidnen Zeug und Leinwand sich bedeckt:Sein Haupt in fremdes Haar nach feinster Mode steckt,Worbey ein feiner Knopf die nette Kleidung zieret.Ich tadle nicht, daß sich ein Weib geschicklich schnüret,In netter Schläfe Zier und saubrer Kleidung geht,Und trägt was rein und schön und wohlanständig steht.O nein! ich tadle nicht, die klug und muntern Schönen,Daß sie Tabeens Art und Fleiß sich angewöhnen,Daß ihre kluge Hand die Kleider künstlich neht;Die Blumen und das Laub geschickt und artig dreht;Wodurch sie Mahlern gleich den Laub und Blumen leben,Durch Schatten und durch Licht durch Fall und Hebung geben.Ich lobe, daß man sich durch seinen klugen FleißIn Kleidung mancher Art schön auszuschmücken weiß:So wird der Hände Kunst bewundrend wahrgenommen,Und kan zum Musterstück auf Kindes=Kinder kommen.

Nur dieß ist mir verhaßt, nur dieß ist ärgerlichDaß es bey dem nicht bleibt, daß mans so prächtiglichAn Seide, Silber, Gold stickt, neht und zubereitet,Daß es mit Fürsten=Putz und Rang und Vorzug streitet.Daß mans so kostbar macht, daß eine einzge Post,Ein Kleid so vieles Geld, als zwey, ja viere kost.Nur dieß ist mir verhaßt, kein Kluger wird es leiden,Wenn schlechte Frauen sich in Fürsten=Trachten kleiden.Wenn hier ein Adliches, dort ein Professors Weib,Hier eine Kaufmanns=Frau den aufgeblaßnen LeibIn Sammt und Hermelin und kostbar Pelzwerk schläget,Das Köngen nur gehört, das eine Fürstin träget.Es haßt es die Vernunft, wenn sich ein WeibesbildVom Mittelstand und Gut in theuren Stof verhüllt,Wenn sie mit Spitzenwerk aus Hollands Krähmen prahlet,Und um sehr hohen Preiß ein ganzes Stück bezahlet;Daß Hauptputz, Leib und Fuß und alles kostbar prangt;Wenn eine Bürgers=Frau das Theureste verlangt;Wenn Handwerks=Weiber sich in Stof, Damast und Seiden,Und Spitzen aus Braband, in Gold und Zobel kleiden;Wenn eine Zofe hier, dort eine Kammer=Magd,Mit fremder Mod und Tracht sich auszuschmücken wagt,Und nach den Grösten richt; wenn man, so man was siehet,Sich auch um den Besitz und Eigenthum bemühet;Wenn man den Überfluß in allen Sachen liebt,Und nur fast täglich Geld vor Staat und Hoffart giebt.Dieß ists, was die Natur, Vernunft und Tugend hasset,Wovor ein Kluger stets den grösten Eckel fasset.

Ist jemand in der Welt an Glück und Ehre groß,Der gebe sein Gemüth zur Thorheit nicht so bloß,Und tracht an Kleid und Schmuck und prächtigen Geberden,Und Moden und Gepräng nicht Fürsten gleich zu werden.Es gaff ein Bürger=Weib, das sich von Frucht und Laub,Von Holz und Leinewand, das sich vom Pfeffer=StaubUnd Schreiber=Sporteln nehrt, nicht nach den Adel=Frauen,Und lasse sich nicht so in Staat und Moden schauen.Ein jedes trage sich nicht über seinen Stand;Es werde nicht zuviel auf Kleider=Pracht gewand,Damit fein zierlich, schön, nett, sauber, artig, reine;Nicht aber voller Pracht ein Frauenbild erscheine.

Wie sehr veränderlich ist nicht Fortunens Blick?Zieht sie nicht oftermahls ihr freundlich Aug zurück,Und zeigt der stolzen Brut, daß ihre schöne GabeDie Unbeständigkeit zur Mitgefährtin habe.Was hilft mich denn der Stolz, wenn euch das Glück verläßt?Was werden nicht alsdann vor Thränen ausgepreßt?Was habt ihr dann vor Lob, wenn ihr an statt der Seiden,Euch müst mit Leinewand und Wollen Zeug bekleiden?Wie bald wird eure Pracht des Strohm= und Feuers=Raub?So liegt der Abgott dann in Asche, Glut und Staub.Der Pracht und Überfluß, der Stolz die Hoffarts=FahneBricht allezeit dem Fall und Untergang die Bahne.

Ein weiser Paulus spricht in seinem heilgen BriefDer an Timotheum den theuren Lehrer lief,Die Weiber sollen sich geschickt und zierlich kleiden;Gold, Perlen, stolz Gewand und Pracht und Hoffart meiden.Dieweil der Weiber Schmuck in Schaam und Zucht besteht.

Ein Weib das auf der Bahn der wahren Tugend geht,Erwehlt sich dieß zur Pracht, daß sie getreulich liebet,Den Gatten nicht mit Fleiß durch irgend was betrübet;Nicht trotzig widerspricht; zu rechter Stunde schweigt,Den Irrthum und den Fehl ihm in der Stille zeigt;Zu rechter Stunde redt, und hat sie was zu sagen,Sich allezeit bestrebt, bescheiden vorzutragen;Ihn im Beruf nicht stöhrt, hilft wo sie helfen kan;Sieht ihn zur Zeit der Ruh mit holden Blicken an;Und wenn sie auch mit ihm wie dort Rebecca scherzet,So ist sie nur bedacht, daß sie ihn zärtlich herzet;Sie liebt die Häußlichkeit, und haßt den Müssiggang;Sie hält die Kinder nicht im tollen Sclaven=Zwang,Doch führt sie ihnen auch in ihrer Lust den Ziegel.Ihr Tugend=-Wandel ist des ganzen Hauses Spiegel.Ihr Amt verrichtet sie bedächtlich, häußlich, klug,Und schadet keinen nicht durch Plaudern und Betrug.Ist gegen jederman bescheiden, mild und gütig,Flieht Hoffart, Pracht und Stolz, bezeigt sich eherbietig,Sie hört der Armen Noth, und dient nach Möglichkeit,Das Haus regieret sie mit Liebe, nicht mit Streit.Kurz, ein vernünftig Weib läßt dieses von sich lesen,Sie ist des Mannes Lust und süsser Trost gewesen.Den Kindern war sie stets ein wahres Mutter=Herz;Und wem sie dienen kunt, ein Balsam vor den Schmerz,Der Tugend Musterbild, der Haußgenossen Freude,Der Laster steter Feind, der Menschen Augen=Weide.

Die Hoffart fällt mir jezt verwegen in das Wort,Und spricht voll Unvernunft: ich sehe hier und dortEin Haus und Wohngemach von Hausrath und von Tüchern,Von denen mich die Zahl und Zeichen vest versichern,Es rühre alles noch von ihren Eltern her.Das Kleid und weise Zeug das sie, die Frau, und erDer Mann am Leibe hat, das ist schon abgetragen.Wie lange soll man sich mit solchen Kleidern plagen?Also verräth der Mund die lasterhafte Seel.

Jedoch ich höre auch das Volk von Israel;Wie es gar anders spricht: Was vor ein schöner SeegenErhielten wir vom HErrn auf unsern langen Wegen?Es wurden unsre Schu nicht mürbe, schlaf noch alt;Die Kleider wurden nicht verschabt noch ungestalt;Der Höchste wolte sie vor Riß und Moder schützen.Wie frölich kan ich doch in meiner Wohnung sitzen!Wie ruhig lieg ich doch in meinem Schlaf=Gemach!So spricht der Hoffart Feind dem Saamen Jacobs nach.Prangt meine Wohnung nicht mit lauter neuen Sachen,Laß ich mir wöchentlich nicht neuen Hoffart machen:Bleibt Kleid und Hausgeräth noch immer schön und gut,So freut sich des mein Geist, so bin ich wohlgemuth.Ich schäme mich des nicht, ich halts vor einen Seegen,Vor einen Hermons=Thau und fetten Gnaden=Regen,Daß meiner Eltern Schweiß noch brauchbar vor mir liegt;Das mein erworbner Fleiß nicht wie der Staub verfliegt;Daß mir wie Israel die Kleider nicht veralten:Es zeigt darneben an, daß ich gut hausgehalten,Daß ich die Sparsamkeit und Reinlichkeit geliebt,Und meine Eltern sich darinnen auch geübt,Es überzeugt mich auch, daß noch kein Fluch gekommenDer mir das Meinige geraubt und weggenommen:Und daß kein böser Wunsch auf meinem Hause ruht,Der mein ererbtes Theil verzehret und verthut.Lacht, höhnet immerhin ihr stolzen Mode=Narren;Ich wehle diesen Ruhm, und laß euch gern die Sparren.

* * *

Steh auf Herodotus! und gieb die Ursach an,Warum in Persien des gröst= und reichsten Mann,Sein Schädel und sein Haupt sich also mürbe zeiget,Da der Egypter Haupt der stärkste Schlag nicht beuget?Ich weiß warum. Mir fällt die Ursach jetzo bey:Der Bürger an dem Niel veracht die LeckereyUnd Wollust im Getränk, in Speisen und in Essen,Und hat die Zärtlichkeit bey seinem Thee vergessen.Er flieht den leckerhaft und delicaten Schmauß,Und härtet seinen Leib durch Wind und Hitze aus.

Die Welt dünkt sich so klug, und scheut die Kranckheits=Bürde,Damit der Glieder=Bau nicht hart gedrücket würde;Sie fürchtet Fieber, Brand, Geschwulst und Beul und Pest,Worbey sie in der Noth sich auf den Artzt verläßt.Und gleichwohl ist der Mensch an seinen Schmerz und PlagenDie er an Haupt und Fuß und Leibe muß ertragen,Nur selber Schuld daran; flöh er die Zärtlichkeit,Und gäb dem Munde nicht so viel Gelegenheit,Mit leckerhafter Kost und feurigen Getränken,Die China, Africa und Spanien uns schenkenDen Magen, Leib und Sinn gleich einer vesten Stadt,Die gar ein feindlich Heer vor ihren Mauren hat,Zu stürmen, und die Burg des Leibes zu belagern;So würden viele nicht verdorren und vermagern.Sie Säfte würden nicht verzehret und verbrennt;Stein, Gicht und Podagra, und was man schmerzhaft nennt,Den Kopf=Weh, Mattigkeit und des Geblütes wallenWird keinen Mässigen so leichtlich überfallen.

Wie ruhig und vergnügt lebt ein vernünftger Mann,Der seinen Lecker=Mund und Magen zwingen kan.Betracht des Bauers=Mann und stolzer Herren Kinder,Ist nicht die erste Art weit stärker und gesünder?Genießt das zarte Kind nicht größre Stärk und LustDurch seiner Mutter Milch, als von der Huren Brust?Ein Stückgen Brod, ein Trank von Gersten giebt mehr Kräfte,Als alles Zuckerwerk und leckerhafte Säfte.So wird das zarte Kind von Jugend angewöhnt,Daß es sich nach der Kost der geilen Eltern sehnt;Was Wunder wenn hernach die Laster sich vermehren,Die das erworbne Gut durch Zungen=Lust verzehren.Wie glücklich ward nicht da das Volk am Tieber=Strohm,Da Bürgermeister noch die ganze Welt und RomGeschickt regiereten. Da man Gesetze gabe, (h)Daß Rom die Mässigkeit zum Augenmerke habe.

Wie glücklich ward ihr doch ihr Alten jener Zeit!Die ihr euch an der Zier der Mäßigkeit erfreut.Wie ward ihr so beherzt, gesund und stark und wacker,Da euer Mund das aß, was euer fetter AckerUnd Reb= und Garten=Bau, und Vieh und Schäfer=Stab,Teich, Waldung, Hof und Stall euch zu verzehren gab?Ein ausgepreßter Trank von selbst gepflanzten Reben,Benebst dem braunen Saft, den Gersten=Körner geben;Ein Fisch, den euer Netz und Angel selber fieng;Ein Wildpret, welches euch zu nah in Garten gieng;Ein Vogel, welcher sich in euren Garten setzte,Und sich den zarten Fuß durch Schling und Leim verletzte;Ein Stück von einem Schaaf, und eingesalzten Schwein,Ein Stück von einem Kalb, und fetten Rinder=Bein;Ein Stückgen von der Brust, nebst guten Rinder=Zungen,Die Küchen=Rauch gefärbt, und beisend Salz durchdrungen,Worüber man die Brüh von alledem gekocht,Was selbst die Hand gepflanzt, und was das Beet vermocht;Als Lorbern, Timian, Wachholdern, Roßmarien,Lauch, Kimmel, Majoran, und Zwiebeln die nicht bliehen,Und was der Garten sonst an Frucht und Beeren giebt.Ein Kohl, den die Natur und nicht die Kunst geschiebt;Ein Obst, das ebenfals nur die Natur getrieben,Milch, Ey und Butterwerk, das rein und frisch geblieben;Ein Kuchen, den das Weib weiß, fett und locker buck,Dieß war was man zu Tisch und auf die Tafel trug:Damit erquickten sich die Grosen und die Kleinen.So blieben sie gesund und stark an Fleisch und BeinenSo lebten sie vergnügt, und gaben zu verstehn,Wie gerne sie den Flor der Kindes=Kinder sehn,Daher sie solchen auch die Gelder nicht verpraßten.

Jezt aber, da die Welt mit Segel, Wind und Masten,Aus dem vor kurzem erst entdeckten Theil der Welt,Das was auch Africa und Ceilon in sich hält,Was uns Levante zeigt, was Welschlands Boden träget,Was Ungarn, Spanien vor unsre Augen leget,Mit stürmender Gefahr und Kosten hergebracht,So wird der Alten Kost jezt spöttisch ausgelacht.Der Deutsche Trauben=Saft, der Wein von unsern Reben,Wird selten beym Besuch und Gastmahl hergegeben.Der ist zu schlecht darzu. Es lüstert Mund und SeelNach neuer Leckerey gleich wie dort Israel.Ein neuer Tag muß auch ein neu Gericht ersinnen!Um der Verschwendung nur das sträfliche BeginnenAufs strengste, uns zum Spott und Schaden, zu vollziehn.Eh noch die Speisen reif, wenn sie noch wäßrig grün,und roh und sauer sind, so lüstert man nach diesen.Da heists: Wenns andre schon auf ihrem Tisch geniessen,So eckelt mir davor. Was theuer ist, schmeckt gut;Was viele Thaler kost, das labet Zung und Blut.

Die alte Redlichkeit in Speisen und in Essen,Bringt jetzt die Leckerey und Wollust ins vergessen.Wie manche Härings=Milch (wer lacht jezt nicht mit mir)Setzt man den Austern gleich in Auster=Schaalen für,Daß man den Appetit der Lecker nur ergötze,Und ihren lüstern Mund in süsse Ruhe setze.Sonst nahm der Köchin Hand den Vogel=Mist heraus;Jezt ist derselbige das beste auf den SchmaußWornach man sehnlich greift. Man darf den Hottentotten,Der Darm und Mist verzehrt, hinführo nicht mehr spotten;Ihr machts mit Vögeln so. Ja spricht die Weisheit jezt,Der Vogel, welcher nur auf kräftgen Stauden sizt,Ist ganz ein ander Ding; er frißt sonst nichts als Kräuter.Gut! aber gehe doch nur wenig Schritte weiterDa weidet eine Kuh, die gleichfals Kräuter frißt.Warum gelüst dir dann nicht auch nach ihrem Mist?(Doch dieses widmet man zum Schnupftoback der Schönen,Die sich denselbigen so eifrigst angewöhnen,Als wärs ihr Element.) Ein Hecht der Karpfen frißt,Und dessen Aufenthalt ein klares Wasser ist,Der scheint jezt nicht genug den Appetit zu stillen.Die leckerhafte Welt, (sind das nicht närrsche Grillen?)Ergötzet sich an dem, was in den Sümpfen kriecht,Und was beym ersten Blick schon eckelhaftig riecht.Die Kröten welche sich mit Schild und Harnisch decken,Und dem der sie erblickt, nicht wenig Graus erwecken;Die Frösche, die der Schlamm, Gestank, Pful und MorastIn seinem Inbegrief verschließt und in sich faßt,Die groß gebildet sind, und recht gefährlich sehen;Die Schnecken, welche sich kaum auf der Erde drehen;Das, was so unrein ist und so abscheulich sieht,Und öfters Magen=Schmerz und Drücken nach sich zieht,Das soll, man höre doch, ich könnt es nicht errathen,Viel delicater noch als guter Kälber=Braten,Als Tauben, Hecht und Hahn, und Rinder=Zungen seyn.

Wie enge schrenkt sich doch jetzt Witz und Klugheit ein.Was wird die Leckerey noch weiter unterfangen?Habt acht, ich warne euch ihr schnell und krummen Schlangen,Man stellt euch würklich nach, und macht euch endlich ein,Als soltens köstliche und rare Bricken seyn.Ihr Regen=Würmer weicht, kriecht ja nicht aus der Erden,Ihr müst sonst würklich noch zu Wasser=Schmerlen werden.Ihr Ratten seht euch vor, versteckt euch in die Höh,Sonst macht man euren Leib zu einem Fricassee.Ihr Fledermäuse fliegt, sonst steckt man euch ans Feuer.Jezt hat man euch umsonst, man kauft euch doch wohl theuer,Man sucht euch wohl alsdann mit vieler Müh zu Rom,So wie den Regen=Schmerl im schnellen Tieber=Strohm.Ja Maden, welche auch aus alten Käsen sprudeln,Die werden endlich noch zu Moschcowitschen Nudeln.

Zur Nahrung und zur Noth pflegt man den Leib jezt nicht,Zum Überfluß sind jezt die Zungen abgericht.Der Tisch kan oft die Last der Schüsseln nicht ertragen;Den Magen trachtet man mit Zungen=Lust zu plagen;Nachdem man lang gespeißt und seinen Bauch gemäst,Daß man kaum Ohdmen kan, und schwer und käuchend bläßt,So wird Levantens Frucht durch Asch und Staub verzehret,Wodurch die Wollust schon viel Beutel ausgeleeret.Der Leib hat bey dem Tisch des Tags nur einmal Ruh;Man bringt den ganzen Tag mit Trink und Essen zu.Wodurch man die Vernunft und Tugenden begräbet,Und mehr vor seinen Bauch als vor den Nächsten lebet.

Ich widerspreche nicht, daß hier ein Graf und FürstNach theurem Trauben=Blut, und raren Weine dürst;Daß er mit fremder Kost die Tafel reich bedecket,Und manche Kostbarkeit und niedlich Essen schmecket;Wer nehrte sich wohl sonst; wo käme sonst das GeldDurch Handel und Gewerb und Nahrung in die Welt?Ich tadle nicht, daß auch ein Reicher das geniesset,Was in dem feinen Meer und fremden Ströhmen fliesset;Daß er Italiens und Ungerns süsse FruchtVon Reben oder Baum zu seiner Lust versucht;Daß seine Zunge sich an diesen auch erquicket,Was uns durch Wind und Mast Ost, West und Süden schicket:Damit er der Natur auch ihre Schätze sieht,Wie kräftig dieses schmeckt, wie prächtig jenes blüht,Und weiß, wie jedes pflegt geschickt gemacht zu werden.Dieß aber widerspricht der Klugheit auf der Erden,Wenn er sich dran gewöhnt, und seinen Mund nicht zwingt,Dieß ers aus Leckerey und Übermuth verschlingt.

Dieß kan die Tugend nicht, noch die Vernunft vertragen,Daß Männer, welche sich durch Trug ans Bret geschlagen,Die Fürsten ungetreu und Landes=Plager sind;Daß Männer, welche sich durch Advocaten=WindUnd rechtlichen Betrug ein Haufen Geld erlogen;Daß Männer, die das Blut der Waysen ausgesogen,Die Urtheil nur nach Gunst und Thalern abgefaßt,Und die Gerechtigkeit als einen Feind gehaßt;Daß Männer, die durch Pfand und Jüdische IntressenDes Tagelöhners Brod, der Wittwen Scherf gefressen;Daß Männer, die das Maas und Ehle und GewichtUnd Waaren zum Betrug und Diebstahl eingericht,Und sich mit Weib und Kind von dem Betrug ernehren,Das speisen, was wohl oft die Grosen nicht verzehren;Daß man die Tafel stets mit solchen Sachen füllt,Womit sich nur der Mund und Wollusts=Zunge stillt.Daß sich ein Bürgermann gleich wie ein Groser speiset,Dieß ist, was die Vernunft und Tugend Thorheit heiset.

Wie seufzt die Liebe doch! o! zög ein reiches Weib,Auch wohl ein stolzer Mann ein einzig Kleid vom Leib,Ja einen Aufsatz nur, und deckte arme Seelen,Die sich vor Kält und Frost, und Blöse trostloß quälen;Entzög ein Leckermaul und ein Verschwender nurDie Woche eine Kost von mancher Creatur;Von seinem Uberfluß ein Gläßgen aus dem Keller;Von seiner Tafel Last den Uberrest vom TellerUnd gäbs dem Lazarus, der dort nach Brode schmacht,Wie seelig hätt er nicht die Wohlthat angebracht.Wie herzlich würden sich die armen Brüder freuen;Was würde nicht vor Heyl auf seinen Boden schneyen.

Ihr Eltern, die ihr stets nach Lecker=Speisen strebt,Und alle Tag in Freud= und Zungen=Lüsten lebt,Ists möglich, daß ihr ganz den Liebes=Trieb verfluchet,Und eurer Kinder Noth durch eure Wollust suchet?Wär noch ein Fünkgen Feuer von Elterlicher Lieb'In eurer Brust, ich weiß, daß dieses unterblieb.Ihr würdet euer Gut nicht durch den Mund verzehren,Daß euer Saame sich mit Ehren könte nehren,Der sonst vor Glück und Lob, wenn ihr dereinsten sterbt,Der Unterdrückten Fluch, Schuld, Noth und Armuth erbt.Ihr Eltern gehet hin, und lernet von den Raben,Was sie vor Lieb' und Sorg vor ihre Jungen haben.

* * *

Da Gottes Allmachts=Hand, die Sonne, Tag und ZeitUnd diese Welt erschuf, und sie mit Seltenheit,Mit Zierde, Glanz und Pracht und aller Schönheit baute,Und was er nur gemacht, mit viel Vergnügen schaute.Beschloß er, daß der Mensch, sein ächtes EbenbildMit viel und groser Macht und Herrlichkeit erfüllt,Und mit besonderm Glanz gezieret solte werden.Der Schöpffer machte ihn zum Herrn der ganzen Erden.Er was sein herrlichstes und liebstes Augenmerk;Drum hat er selbigen auch über alle WerkDie er so schön gemacht, die er so hoch geschätzet,Und aller Creatur zum Fürst und Herrn gesetzet.So herrlich und so hoch sah GOtt den Menschen an;Er sprach: Mach dir die Welt und Erde Unterthan;Herrsch über alles das, was auf der Erde lebet,Was sich in Wassern regt, und unterm Himmel schwebet.

Allein! wo schließt der Mensch des Geistes Augen auf?Wenn hebt er wohl sein Licht zur Sternenburg hinauf,Und denkt an seinen Glanz, Macht, Adel, Würd und Ehre?Daß er warhaftig auch ein Herr der Erde wäre.Wie schätzt er doch so schlecht die gröste Herrlichkeit?Wie setzt er die Vernunft, den Adelstand beyseit,Den ihm sein Schöpfer gab? der Mensch von grosen Gaben;Der Mensch, den GOtt so hoch gesetzet und erhaben,Der diese ganze Welt und Erd beherrschen soll,Der ein Monarch will seyn, der ist so dum und toll,Und stellt sich so herab, daß er vom Saft der Trauben,Und Bier sich Geist und Witz, Verstand und Kraft läßt rauben.Ey seht! der stolze Mensch legt Sclaven=Fesseln an,Und wird dem Erd=Gewächs so schimpflich unterthan.Der Mensch, die kleine Welt, O! solt er sich nicht schämen!Läßt sich von einer Frucht der Welt gefangen nehmen.

Der Seelen Wandelung, die so viel Streitens macht,Da Zeno ihren Grund und Lehre vorgebracht,Beweiset sich an dem, der sich zum Bacho wendet,Und dem gefüllten Glaß Vernunft und Witz verpfändet.Wo in der Seele sonst Verstand und Tugend saß;Und man die Handlung stets nach klugen Regeln maß;Da wird der Seelen Thun durch Saufen umgekehret,Das Gute abgeschaft, verworffen und verstöhret.Die Klugheit bläßt ihr Licht und ihre Strahlen ein;Die Weisheit kan beym Trunk nicht mehr Regentin seyn.Der Tugend=Fackel wird verlöscht und ausgebrennet,Und was sich sonsten schön und nach dem Wohlstand nennet,Das findet durch den Trunk ein ganz gewisses Grab,Die Thorheit giebt darbey den klugen Redner ab,Und spricht: Der Tod wird sonst vor mächtig ausgeschriehen,Es muß auch in der That die Seel vom Leibe fliehen.Allein die Lust zum Trank besitzet noch mehr Macht,Durch diese wird so gar die Seele umgebracht.Sie tödten selbt den Geist, Verstand und alle Sinnen.

Darius wach jezt auf! und höre das BeginnenDer Knaben, die zur Wach bey deinem Throne stehn;Wie jeder seinen Witz durch einen Spruch läßt sehn.Mich deucht ich seh im Geist dein gröstes Königs=Zimmer,Mir ist als fänd ich dich in deinem Glanz und Schimmer,Und deine Mächtigsten um deinen Purpur=Thron,Wie da der Klugheit Kind, wie da der Weisheit Sohn,Vom Wein und seiner Kraft so schöne Reden führet,Daß man den klugen Geist aus seinen Worten spühret.

Er hebt verwundernd an: Wie mächtig ist der Wein!Denn er verführet die, so ihm ergeben seyn.Fürst, Freye, Weise, Knecht, die Armen und die ReichenMacht er, daß sie durch ihn an Witz einander gleichen.Er raubet den Verstand, bringt Widerwärtigkeit,Macht fröhlich, aber so, daß man das Ziel beyseitUnd aus den Augen setzt, daß man sich nicht bezwinget,Noch auf des Landes Wohl wie sichs gebühret, dringet!Er macht durch Phantasie und Wahnwitz alle reich;Es denkt der Unterthan, er sey dem Fürsten gleich;Setzt dadurch Ehr und Furcht und Demuth auf die Seite,Und spricht, wem lächerts nicht? von groser Ehr und Beute.Hat denn der Trunk den Geist in völliger Gewalt,So gilt kein Freundschafts=Band. Es heist: Du Hundsfott halt!Und zucke das Gewehr! Ist denn der Rausch vergangen,So weiß man nicht, was man im Trunke angefangen.

Der Saal verliehrt sich mir; ich seh an dessen stattDas Thier, das Bileam vordem geritten hat.Es scheint, als kriegt es gar jezt seine Sprache wieder,Und ruft den Menschen zu: Ihr singt mir tolle LiederVon meiner Einfalt vor. Doch kommt in meinen Stall,Gebt nur ein wenig acht, ihr merket überallDaß ich an Klugheit euch bey Weitem überstiegen,Ich speise nicht mehr Heu, drum bleibt sehr vieles liegen,Als nur mein Hunger braucht. Kein Wasser trink ich mehr,Als biß mein Durst gelöscht. Ich wüst nicht wie mir wär?Solt ich, das dümmste Thier, den Magen überladen,Und mir an meiner Kraft und der Gesundheit schaden?Ihr Menschen aber seyd viel ärger als das Vieh,Weit dummer als wie ich. Ihr esst und trinket nie;O! nein! ihr sauft und schwelgt, und hört nicht auf zu fressen,Biß die Vernunft versenkt, und alle Schaam vergessen,Und ausgerottet ist, biß daß die Tugend stirbt,Und jeder unter euch der Höllen=Lohn erwirbt.

Ich habe ehedem in einem Buch gelesen,Daß Circens Zauberstock, so kräftig sey gewesen,Daß er Ulysses Volk in Thiers=Gestalt verkehrt.Da mich nun jezt ein Schwein in meiner Rede stöhrt,So glaub ich, dieß gehört mit unter solchen Orden,Die durch den Zauberstock zu Thieren sind geworden.Ihr Menschen! hört doch zu, wie es so artig spricht:

Willkommen Brüdergen! kennt ihr die Schwester nicht?Willkommen Brüdergen! nun ist mein Leid verschwunden,Weil ich euch allesamt so glücklich wieder funden.Auf! füllt der Sittenkunst zu Trutz die Gurgeln an,Schwelgt, fresset, sauft und schluckt, so lang als einer kan,Besudelt euren Leib, die Erde, Kleid und Kragen,Und laßt euch wenns geschehn, aufs Streu im Stalle tragen;Alsdann wird euer Nest gleich wie das Meine seyn,Da werft euch mit mir um, und schlaft so wie ich ein.

O Mensch! verlangst du denn wie diese Sau zu stinken?Wer klug ist, pfleget sich mit nichten voll zu trinken!Er trinket vor den Durst zur Labung und zur Stärk;Die edle Nüchternheit ist stets sein Augenmerk.Ein Kluger weiß wie sehr er seinen Schöpfer kränket,Wenn er zum Überfluß die Zung und Lippen tränket;Er weiß wie sehr die Kraft der Seelen Schaden leidt;Wie sehr er Gottes=Hauß durch solche That entweyht;Wie weit die Tugend flieht; wie weit der Wohlstand reiset;Wie oft man nur zum Spott mit Fingern auf ihn weiset,Und ihn verächtlich hält; daß sein Gesundheits=KahnAuf dem Schlaraffen=Meer bald Schifbruch nehmen kan:Deshalben will er nicht mit unterm Narren HaufenNach Lethens todten Pfuhl zu seiner Schande laufen.

Wir haltens insgesamt vor eine Landes=Noth,Wenn uns ein feindlich Heer mit Schwerdt und Pulver droht,Und unsre Friedenstadt bemüht ist zu belagern,Und durch die Kriegeskunst gedencket auszumagern,Durch Kugeln, Blitz und Glut die Stadt verderben will.Wie kläglich klingt nicht da das Sayt= und Singe=Spiel?Man fürchtet Schwerd und Feind, und schmiedt doch selbst dieWaffen,Wodurch wir unsern Fall, Noth, Todt und Elend schaffen.Die Liebe zu dem Trunck ist gar ein starcker Feind,Ob er gleich ohn Geschütz und Schwerd und Bley erscheint.Ein oft gefülltes Glaß mit Gerst= und Reben=Tropfen,Ist schon genug bey uns, zum Kriege anzuklopfen:Der Sieg ist auch gewiß; Es nimt gar bald der WeinDas Hauptwerck an dem Bau der Leibes=Festung ein.Er hauset als ein Feind, und raubt und plündert alles,Was die Natur zur Wehr und Hindrung unsers HallesDurch die Vernunft gesetzt. Da springet Thor und Thür,Geist, Kräfte, Ehre, Glück, das alles missen wir.Die Thorheit kan darauf die Siegs=Trompete blasen,Sie ruft: Die Tugend fiel alhier auf diesen Rasen.

Ich bin kein Prediger der vor die Seele schreibt,Wo sie in solchem Fall, wenn sie verschwindet, bleibt.Kan sie nach Salem wohl Elias Wagen tragen;So wenig, als den Mann der im Duell erschlagen.Ich rede nur wie tief, wie sehr ein trunckner MannIn Schande, Hohn und Noth und Elend fallen kan.Ward Loth nicht durch den Trunck ein Eydam seiner Töchter?Ward Noah nicht dadurch den Söhnen ein Gelächter?Ward Nabal nicht durch ihn des Lebens=Lichts beraubt?Verlohr nicht Holofern dadurch sein Helden=Haupt?So schändlich starb ein Held der Volck und Land bezwungen.O! wie verderbet euch die kleine Lust der Zungen!Ein Kluger wundert sich, wie solches möglich ist,Daß sich ein Gläser=Freund so liederlich vergißt,Vernunft, Verstand und Witz und Wohlstand nicht bedencket,Und diß zum Opferdienst dem stummen Bacho schencket.

Die Menschheit äusert sich durch Sprache und Verstand,Wo wird diß beydes wohl am Trunckenbolt erkannt?Verstand und Geist ist hin, er weiß nicht was er sinnet,Noch was er unternimmt und in der That beginnet.Die Sprache wird gehemmt; es will kein reines Wort,Noch Gruß, noch Redensart von Zung und Lippen fort.

Die Regel ist uns ja in Hirn und Brust geschrieben,Wir sollen unser Wohl und uns vornemlich lieben.Wir sollen allemahl der nächste Freund uns seyn.Wo aber stimmet das mit Truncknen überein?Ein Trunckner liebt sich nicht, er wird sich selbst zum Feinde,Denn er verräth sein Herz dem Feinde und dem Freunde.Er ist als wie ein Faß das voll, und übergeht,Und von sich stößt und wirft, was vor dem Spunde steht.Das Gute welches ihm zu Amt und Glücke dienet,Wodurch sonst seine Lust und auch ein Wohlstand grünet,Das stößt er durch den Trunck zu seinem Munde aus,Und bringt sich um sein Glück, ja gar um Hof und Haus.Ein andrer wendet das, was er im Trunk verrathenZu seinem Nutzen an, und fördert seine Thaten.Ein Trunkner schweigt so gar von seinen Fehlern nicht,Es wird ihm durch ihm selbst ein Schand=Maal aufgericht.Er stürzt sich wohl darzu, durch trunknene GeschwätzeIn Unglück und Gefahr; es straft ihn das Gesetze.Ein Freund des Trunks kan nie ein Freund des Nächsten seyn.Man lässet sich mit ihm in keine Freundschaft ein:Denn er verräth den Freund, und schwazt von seinem Handel,Von seiner Eigenschaft, Gespräch und Lebens=Wandel.Ein Trunkner wird zum Spott, zum Kinder=Spott gemacht,Wie höhnisch wird er nicht von allen ausgelacht?Er lacht, wenn andere bey seinen Affen=SachenUnd Kindervollem Spiel ein laut Gelächter machen.Er merkt nicht, wenn man gleich sein laut Geschwätze höhnt,Und jauchzet wenn man ihn mit Haasen=Pappeln krönt.Zwey Stieber hält er oft vor zärtliche Caressen,Die eine schöne Hand ihm gütig zugemessen.

Ein Trunkner glaubt === jedoch ich werff die Feder hin,Weil ich nicht in Pariß noch Hollands Fluren bin,Wo man die Laster darf bey ihren Namen nennen.Ich putze nicht das Licht, ich möcht mich sonst verbrennen.

(a) Magnus.

(b) Da der grose Alexander bey seinen Feldzügen unbekanter Weise auf ein Rathhaus zu forschen gieng, hörte er, daß zu dem Richter ein Mann sagte: Ich habe einen Keller wollen graben, und da habe ich einen Schatz gefunden,welcher aber nicht mir, sondern dem Manne gehört, von dem ich das Haus gekauft, ich bitte also ihn zu nöthigen, daß er sein Geld annehme. Der andere sprach: der Schatz ist niemahls meiner gewesen, denn die Stätte darauf ich das verkaufte Haus gebaut, war ein freyer Platz, darauf jeder bauen konte. Endlich sind diese Männer eins worden dem Richter den Schatz zu geben. Der Richter wendet aber dargegen ein: Ihr bekennt Beyde, daß der Schatz nicht eure sey, da er da in euren Häusern gefunden worden ist: unter was Vorschein solt ich ihn denn annehmen, da ich hier fremd bin? Davor behüten mich die Götter, daß ich mich nicht fremdes Gutes anmasse! Ihr schiebet die ganze Sache meinem Amte und Gewissen heim. Wohlan, so will ich einen Rath finden. Habe darauf den einen gefragt: ob er einen Sohn habe, der denn mit Ja antwortet: Ob auch der andere eine Tochter habe? Und da dieser gleichfals Ja sagt: Habe der Richter den Ausspruch gethan, daß diese einander heyrathen sollen, und er wolle ihnen den gefundenen Schatz zum Braut=Schatze mitgeben. Da Alexander über diese kluge Gerechtigkeit erstaunet, hat der Richter gesagt: Ist es auch möglich, daß Leute gefunden werden die anders thun? Und auf des Alexanders Ja! setzt er noch dieses zu: Ob an solchen Oertern, wo sie nicht also richteten, die Götter auch Regen fallen liesen, und ob die Sonne alda auch ihre Strahlen gäbe?

(c) Cambyses ließ einem Richter der sich bestechen lassen, und daher ein ungerechtes Urtheil abgefasset hatte, die Haut vom Leibe ziehen, dieselbe mit Nägeln an den Richterstuhl zum ewigen Spectacul fest anschlagen und damit bedecken,auch den Sohn an dessen Stelle zum Richter setzen.

(d) Gleichwie Galeacius Herzog von Meyland gethan, welcher einen Advocaten, der die Processe boßhafter Weise so lange triebe und aufhielte, ließ an Galgen hengen und dann in Stücke zerreisen.

(e) Römischer Kayser, welcher davor hielte, daß es bey Austheilung der Geschenke, und Belohnung treuer Dienste nur aufs Glück ankäme.

(f) Velibegus und Arsambegus zwei Türkische Obristen hatten ein Duel miteinander, da der letztere den erstbenannten rückwärts hinterlistiger Weise verwundete/worauf die Sache nach Constantinopel gekommen, und Velilebus citirt und befragt werde. Unter andern sagte dieser folgende Worte: Mein Gegenpart hat mich hinterlistig angegriffen/hätte er/als einem Cavallier gebührt, sich ritterlich erzeigen wollen, so hätte er nur sollen erscheinen, als welchen ich oftmals zu einem Duell heraus gefordert. Worauf die anwesenden Bassen zornig worden, und gesprochen: Was hast du dich mit deinem Spieß=Gesellen rauffen wollen? Sind denn keine Christen mehr in der Welt, an denen du deine Mannheit hättest erweisen können? Ihr esset beyde unsers Kaysers Brod, und habt euch miteinander schlagen wollen? Aus was Recht und Fug hast du das in Sinn genommen? Und wo hast du dergleichen Exempel jemahl unter uns gehabt? Hast du nicht denken sollen, wer unter euch beyden gefallen und umkommen wäre, der wäre mit Schaden unsers Kaysers gefallen und umkommen. Worauf er auch in das Gefängniß geworfen worden.

(g) Magnus

(h) Fabius, Römischer Bürgermeister gab ein Gesetz, daß keiner auf einem Banquet mehr verzehren dürfte als dreysig Sestertios, so viel als ohngefehr zwölf Thaler. Messinius verordnete: daß kein Fremder Wein dorfte eingelegt werden. Emilius gebot den Römern nicht mehr als fünf Gerichte zu speisen. Antio befahl, das Koch=Handwerk nicht vielen lernen zu lassen, denn er hielt dafür, daß, wo viele Köche wären, die Leute nur arm, der Leib ungesund, die Seele aber und das Gemüthe beflecket würden. Julius Cäsar brachte auf, daß niemand mit zugeschlossener Thür essen durfte, damit die Censores sehen könten, ob jemand im Essen Überfluß brauchte. Aristimius schrieb vor, daß man zwar des Mittags jemand möchte zu Gaste haben, aber nicht länger als biß gegen den Abend behalten.

Ende dieses Projekt Gutenberg Etextes "Die von denen Faunen gepeitschteLaster" von Sidonia Hedwig Zäunemann.


Back to IndexNext