APPENDIX.

Joh. Fried. Faust, ein Sohn des im Jahre 1619 verstorbenen Schöffen des Reichsgerichtes und Rathes zu Frankfurt, erzhält, aus den Familienpapieren, welche die Fauste von Aschaffenberg (Abkömmlinge der Fuste von Mainz) in ihrem Archive aufbewahrten, die Geschichte der Erfindung in folgender Weise:—“Diese jetzt erwähnte und andere mehr Scribenten, welche es von Hörensagen theils genommen, theils von einander entlehnet, seind nicht allein an dem Ort und der Zeit, sondern auch an der Person vom ersten Anfenger zweifelhafftig, ja gar ohngewis, und ist uns Teutschen nicht ein geringer Spott, dass wir solche edle Kunst zu allererst von Gott empfangen, und so mancherlet frembde Historien und Auctores lesen und schreiben, den unter anderen vortrefflichen Sachen, nicht eine Gewissheit des ersten Anfengers, ihme und gantzem Teutschland zu ewigen unsterblichen Ruhm und Lob, solten auch in getruckten undalso unsterblichen Zeugnüssen beglaubt machen und beweisen, und so lange Zeyt im Zweiffel haben stecken lassen. Darumb habe ich nicht unterlassen können, dieser Sachen und Kunst gantzen Verlauf und Anfang, so viel ich dessen aus glaubhafften alten Zeugnüssen undDocumentis, wie auch von meinem Vatter seelig, und der von seinen Eltern und also fortan,quasi per aures et manuseingenommen, auch zum Theil aufgazeichnet hinterlassen, der Wahrheit und Kunst ja vielmehr Gott zu ehren, ettwas umstendlich zu erzehlen und zu beweisen.”“Und ist anfänglich wahr, dass ein Bürger, eines ehrbarn Geschlechts und Herkommens zu Mentz gewohnet, so Johann Faust geheissen; dieser denStudiissehr ergeben, hat betrachtet, wie manch edlesingeniumaus Mangel der Bücher, die sogar eine lange Zeyt und hohen Verlag abzuschreiben erfordert, und nicht in eines jeden Beutel gestocken, ohnbillig verliegen, ja gar verderben müssen, und derowegen lang nachgesonnen, wie doch allerhand nützliche Bücher mit weniger Mühe gemannigfeltigt, und um geringen und billichen Preys mitgetheilt werden könten. Solchem seinem wohlmeinenden nutzlichen Wunsch und Vorhaben hat Gott wohlerspriesliches Mittel undModellgezeiget, also dass er eineAlphabetTaffel, erstlich in einemFormatmit erhöheten Buchstaben geschnitten. Es hat ihm aber grosses Nachsinnen erfordert, bis er besondere Tinten darzu erfunden; dann diegemeine Tinte ist in den Buchstaben von Holtz und in Holtz geschnitten, verflossen, und hatt alle Buchstaben zusammengehengt, so haben auch die Licht-Flammen, daren Rus er sich auch zu gebrauchen unterstanden, ob sie wohl einen ziemlichen Abdruck geben, dannoch keinen Bestandt haben wollen, bis endlich eine schwartze zähe Tinten erfunden worden, die einen Bestandt gehabt. Als solche erfunden und solche Taffeln mit kleinen Pressen leichtlich zu trucken erst an Tag kommen seynd sie mit groser Verwunderung umb geringen Preys von jedermänniglich erkaufft und berühmt, und er darauf weiters fortzufahren verursacht worden, und denDonatebenmässig an Tag gegeben. Weil aber derselbige auf gantze Bretter geschnitten, ohngleich an Buchstaben gefallen, und auch sonst sich bald abtruchen lassen, hatt Erfinder der sich erinnert, das es besser were, mit eintzlichen Buchstaben und A. B. C. ein Buch zu setzen, als mit gantzencolumnisoderpaginiszu schneiden. Derowegen hat er die Bretter von einander geschnitten, die gesammten Buchstaben herausgenommen, und damit die Setzerey angefangen, und die abgegangene Buchstaben mit newen ersetzet.”[145]“Weil aber solches mit ohnaufhörlicher Arbeyt geschehen müssen, und sehr langsam von statten gehen wollen, hatt es abermahl nicht geringe Hindernuss der angefangenenKunst, auch der Pressen halben, geben wollen, darüber der Erfinder nicht in geringe Sorg und Schwermuth gerathen. Nun hatt er aber bey solcherInventionetliche Diener gehabt,die ihm solch Truckerei verrichten und in andern nöthigen Sachen, als Dinten sieden, setzen, und dergleichen fleissige Hand und Hülfte gebotten. Unter denen ist einer Peter Schöffer von Gernsheimb genannt, gewesen, welcher als er seines Herrn Vorhaben erlerntt, und selbst Lust darzu bekommen, hatt ihm Gott das Glück und Gab eingeben, wie man nemlich die Buchstaben in Buntzen schneiden und nachgiessen, und also vielmahls mannigfaltigen könne, und nicht jeden Buchstaben oftmahls einzeling schneiden müsse. Dieser hat in geheim eine Buntzen von einem gantzenAlphabetgeschnitten, und seinem Herrn sampt den Abgus oderMatricibusgezeyget, welches dam seinem Herrn Johann Fausten so wohl gefallen, dass er vor Frewden ihme sobald seine Tochter Christinam zur Ehe zu geben versprochen, und balden nachmalen auch solches würcklich vollzogen.”“Es hatt aber mit dem Abdruck oder Nachguss dieser Buchstaben eben so viel Mühe genommen, also mit den Höltzern, dann man lang gekünstelt, biss man eine gewisseMixturso der Gewalt der Pressen eine gute Zeyt ausstehen könne, erfunden. Als solches auch glücklich erfolget, damit solch edle Gab Gottes in geheimb verbleiben möge, haben Schwäher und Tochtermann ihre Gewerken mit Eydpflichten verbunden, solch Sachen alle in höchster Geheim und Verschwiegenheit zu halten, haben auch die Bretter und ersten Anfang, wie auch die höltzern Buchstaben inCortel oder Schnur eingefasst, aufgehoben und zu zeyten guten Freunden gezeiget. Quæ primordia avum meum Doctorem Joh. Faust inque manibus suis Donati primam partem inter cætera vidisse MSStum posteris nobis relictum testatur.”[146](D. h.: Dass mein Grossvater, der Doctor Johann Faust, diese Anfänge und, unter andern, den ersten Theil des Donats gesehen und in Händen gehabt habe, bezeugt eine uns Nachkömmlingen zurückgelassene Handschrift.)“We hart aber sie ihre Gewerken verknüpfet, und sich diese Kunst in geheim zu halten unterstanden, hat es doch aus sonderlicher Schickung Gottes nicht seyn wollen noch sollen. Dann es hat sich begeben, dass Johann Faustens nechster Nachbawer Johann von Gutenberg (man ist auch der Meinung, dass Johann Faust und Gutenberg zusammen in einem Haus genannt zum Jungen in Mentz, gewohnet haben, dahero solch Haus den Nahmen auch von der Truckerey nachmahlenbehalten) innen worden dass solche edle Kunst nicht allein einen grossen Ruhm bey aller Welt gemacht, sondern auch einen guten und erlichen Gewin gebracht, darumb er sich freundlich zu gemelten Fausten gethan, und seine Dienste mit Darschiessung nothwendiges Verlags anerbotten, welches er Faust gerne angenommen, bevorab weil das Werk, so er zu trucken vorhatte uff Pergament zu verfertigen, einen grosen Kosten erforderte darob sie sich vereiniget und einen aufgeschnittenen Zettel oderContractnachfolgend beygesetzen Inhalts aufgerichtet, dass was auf solch Werk gehen würde, zu Verlust und Gewinn ins gemein gehen, und alles was darzu gehörete, uff gemeinen Sold entlehnet und aufgenommen werden solte. Weil aber er Faust mehr aufgenommen und der Unkosten höher geloffen, als Gutenberg vermeinet, hatt er solchen halben Theil nich zahlen wöllen, darüber sie beyde vor das weltliche Gericht zu Mentz gerathen, das hatt auf alles Ein- und Vorbringen, auch geschenen Beweistum erkannt würde Johann Faust mit lieblichen eyd betewren, dass solch uffgenommen Geld auf das gemeine Werk gegangen, und nicht ihme allein zu Nutz kommen sey, solte Johann von Gutenberg solches zu erlegen schuldig seyn. Solchem Rechtsspruch hat Johann Faust im Refender zu Mentz zun Barfüssern ein Genügen gethan wie aus copeylich beygesetztenInstrumentgründlich und wahrhafftig zu ersehen. Aber Johann von Gutenberg ist darüber sehr zornig worden,darumb er nicht allein bei Anhörung des eydt nicht gewesen, sondern auch bald darauf von Mentz sich hinweg gen Strasburg gethan, vielleicht daselbst seinen eygenen Verlag gehabt, und sindt ihm dahin etliche Gefährde nachgefolget, und eine gäntzliche Trennung geschehen, dass solche herrliche Kunst nicht mehr ist geheimb behalten blieben, sondern allenthalben vondatoangeregtenInstruments, soAn. 1455 datiretausgebreitet worden. Und Hans von Petersheim, ein Diener Johannes Fausten und Peter Schöffers, im vierten Jahr hernach Ao. 1459, zu Frankfurt, andere, sonderlich als Mentz; Ao. 1462 verräthlichen erobert, und umb ihre Freyheit kommen, folgends anderstwo sich niedergethan, und solche Kunst ohngescheuet getrieben, offenbahret, und gemein gemacht haben. Est ist auch diess Unglück mit zugeschlagen, dass als sie ein vornehm Juristisch Buch gen Paris in Frankreich uff Pergament gedruckt, geführet und die Wahlen [Wallischen oder Wälschen] ihnen solche Kunst missgönnet, das Buch in Laugen gestossen, und mit Kratzbürsten auszuthun, aber vergeblich, unterstanden, sie solcheExemplariaalle, unter dem Schein als ob der Trucker eine frembde Waar ohneSpecialErlaubnuss des Königs in Frankreich gebracht,confiscirt, darauf errepressaliasvom Kayser Fridrichen III. verlangt, und soviel frantzözische Kaufleute niedergeworfen, dass er seines Schadens wohl zukommen, und viel Französische Waare in sein Haus allerhantSortenbekommen, dass die Sach endlich durch beydePotentatenverglichen, uffgehoben, ut er Peter Schöffer befriediget worden.”Man sieht, dass in diesem Berichte über den Gang der Erfindung der objektive Thatbestand, besonders was die Anfänge betrifft ganz richtig erzählt wird, und dass er nurquoad personasverfälscht ist; indem Fusten das zugeschrieben wird, was Gutenbergen angehört. Es erbellt ferner daraus, dass er weder aus Trithems Werken noch aus dem Lobgedichte des Bergellanus geschöpft ist; da er umständcher als beide in’s Einzelne der Verfahrungsweisen eingeht. Auch die Angabe, Fust und Schöffer hätten nach Erfindung der gegossenen Buchstaben ihre Arbeiter mit Eiden zur Geheimhaltung der Kunst verbunden, die ersten Holztafeln aufgehoben, die einzelnen hölzernen Buchstaben in Schnüre gefaszt und nur zu Zeiten guten Freunden gezeigt, deutet, als auf ihre Quelle, auf handschriftliche oder mündliche Ueberlieferungen, die sich in der Familie Fust erhalten haben müssen. So haben sich in dem an die Herren von Glauburg übergegangenen Familienarchive des mainzischen, nach Frankfurt ausgewanderten Patriziergeschlechtes zum Jungen viele die Familie Gutenberg betreffenden Urkunden, und darunter auch das bei dem Prozesse zwischen Gutenberg und Fust errichtete Notariatsinstrument erhalten. In dem Archive der Familie Faust, welche von Aschaffenberg nach Frankfurt gekommen, und dort durch Heirath unter die Patriziergeschlechteraufgenommen worden ist, hatten sich gewiss ähnliche Urkunden und Nachrichten über die Angelegenheiten der Familien Fust und Schöffer erhalten, wie auch in dem Berichte, bei 1 und 2, ausdrücklich gemeldet wird. Joh. Friedrich Faust, durch Familieneitelkeit verleitet, verfälschte sie nur in Betreff der Personen, indem er (so wie Johann Schöffer in seinen Schluszschriften die Erfindung allein seinem Grossvater Fust zuschreib) demselben Fust, den er mit Recht für seinen Ahnen hielt, alle Ehre zuwendete, und zu diesem Behufe sogar das Instrument des Notars Helmasperger verdrehte.—Wetter, pp. 271–277.

Joh. Fried. Faust, ein Sohn des im Jahre 1619 verstorbenen Schöffen des Reichsgerichtes und Rathes zu Frankfurt, erzhält, aus den Familienpapieren, welche die Fauste von Aschaffenberg (Abkömmlinge der Fuste von Mainz) in ihrem Archive aufbewahrten, die Geschichte der Erfindung in folgender Weise:—

“Diese jetzt erwähnte und andere mehr Scribenten, welche es von Hörensagen theils genommen, theils von einander entlehnet, seind nicht allein an dem Ort und der Zeit, sondern auch an der Person vom ersten Anfenger zweifelhafftig, ja gar ohngewis, und ist uns Teutschen nicht ein geringer Spott, dass wir solche edle Kunst zu allererst von Gott empfangen, und so mancherlet frembde Historien und Auctores lesen und schreiben, den unter anderen vortrefflichen Sachen, nicht eine Gewissheit des ersten Anfengers, ihme und gantzem Teutschland zu ewigen unsterblichen Ruhm und Lob, solten auch in getruckten undalso unsterblichen Zeugnüssen beglaubt machen und beweisen, und so lange Zeyt im Zweiffel haben stecken lassen. Darumb habe ich nicht unterlassen können, dieser Sachen und Kunst gantzen Verlauf und Anfang, so viel ich dessen aus glaubhafften alten Zeugnüssen undDocumentis, wie auch von meinem Vatter seelig, und der von seinen Eltern und also fortan,quasi per aures et manuseingenommen, auch zum Theil aufgazeichnet hinterlassen, der Wahrheit und Kunst ja vielmehr Gott zu ehren, ettwas umstendlich zu erzehlen und zu beweisen.”

“Und ist anfänglich wahr, dass ein Bürger, eines ehrbarn Geschlechts und Herkommens zu Mentz gewohnet, so Johann Faust geheissen; dieser denStudiissehr ergeben, hat betrachtet, wie manch edlesingeniumaus Mangel der Bücher, die sogar eine lange Zeyt und hohen Verlag abzuschreiben erfordert, und nicht in eines jeden Beutel gestocken, ohnbillig verliegen, ja gar verderben müssen, und derowegen lang nachgesonnen, wie doch allerhand nützliche Bücher mit weniger Mühe gemannigfeltigt, und um geringen und billichen Preys mitgetheilt werden könten. Solchem seinem wohlmeinenden nutzlichen Wunsch und Vorhaben hat Gott wohlerspriesliches Mittel undModellgezeiget, also dass er eineAlphabetTaffel, erstlich in einemFormatmit erhöheten Buchstaben geschnitten. Es hat ihm aber grosses Nachsinnen erfordert, bis er besondere Tinten darzu erfunden; dann diegemeine Tinte ist in den Buchstaben von Holtz und in Holtz geschnitten, verflossen, und hatt alle Buchstaben zusammengehengt, so haben auch die Licht-Flammen, daren Rus er sich auch zu gebrauchen unterstanden, ob sie wohl einen ziemlichen Abdruck geben, dannoch keinen Bestandt haben wollen, bis endlich eine schwartze zähe Tinten erfunden worden, die einen Bestandt gehabt. Als solche erfunden und solche Taffeln mit kleinen Pressen leichtlich zu trucken erst an Tag kommen seynd sie mit groser Verwunderung umb geringen Preys von jedermänniglich erkaufft und berühmt, und er darauf weiters fortzufahren verursacht worden, und denDonatebenmässig an Tag gegeben. Weil aber derselbige auf gantze Bretter geschnitten, ohngleich an Buchstaben gefallen, und auch sonst sich bald abtruchen lassen, hatt Erfinder der sich erinnert, das es besser were, mit eintzlichen Buchstaben und A. B. C. ein Buch zu setzen, als mit gantzencolumnisoderpaginiszu schneiden. Derowegen hat er die Bretter von einander geschnitten, die gesammten Buchstaben herausgenommen, und damit die Setzerey angefangen, und die abgegangene Buchstaben mit newen ersetzet.”[145]

“Weil aber solches mit ohnaufhörlicher Arbeyt geschehen müssen, und sehr langsam von statten gehen wollen, hatt es abermahl nicht geringe Hindernuss der angefangenenKunst, auch der Pressen halben, geben wollen, darüber der Erfinder nicht in geringe Sorg und Schwermuth gerathen. Nun hatt er aber bey solcherInventionetliche Diener gehabt,die ihm solch Truckerei verrichten und in andern nöthigen Sachen, als Dinten sieden, setzen, und dergleichen fleissige Hand und Hülfte gebotten. Unter denen ist einer Peter Schöffer von Gernsheimb genannt, gewesen, welcher als er seines Herrn Vorhaben erlerntt, und selbst Lust darzu bekommen, hatt ihm Gott das Glück und Gab eingeben, wie man nemlich die Buchstaben in Buntzen schneiden und nachgiessen, und also vielmahls mannigfaltigen könne, und nicht jeden Buchstaben oftmahls einzeling schneiden müsse. Dieser hat in geheim eine Buntzen von einem gantzenAlphabetgeschnitten, und seinem Herrn sampt den Abgus oderMatricibusgezeyget, welches dam seinem Herrn Johann Fausten so wohl gefallen, dass er vor Frewden ihme sobald seine Tochter Christinam zur Ehe zu geben versprochen, und balden nachmalen auch solches würcklich vollzogen.”

“Es hatt aber mit dem Abdruck oder Nachguss dieser Buchstaben eben so viel Mühe genommen, also mit den Höltzern, dann man lang gekünstelt, biss man eine gewisseMixturso der Gewalt der Pressen eine gute Zeyt ausstehen könne, erfunden. Als solches auch glücklich erfolget, damit solch edle Gab Gottes in geheimb verbleiben möge, haben Schwäher und Tochtermann ihre Gewerken mit Eydpflichten verbunden, solch Sachen alle in höchster Geheim und Verschwiegenheit zu halten, haben auch die Bretter und ersten Anfang, wie auch die höltzern Buchstaben inCortel oder Schnur eingefasst, aufgehoben und zu zeyten guten Freunden gezeiget. Quæ primordia avum meum Doctorem Joh. Faust inque manibus suis Donati primam partem inter cætera vidisse MSStum posteris nobis relictum testatur.”[146](D. h.: Dass mein Grossvater, der Doctor Johann Faust, diese Anfänge und, unter andern, den ersten Theil des Donats gesehen und in Händen gehabt habe, bezeugt eine uns Nachkömmlingen zurückgelassene Handschrift.)

“We hart aber sie ihre Gewerken verknüpfet, und sich diese Kunst in geheim zu halten unterstanden, hat es doch aus sonderlicher Schickung Gottes nicht seyn wollen noch sollen. Dann es hat sich begeben, dass Johann Faustens nechster Nachbawer Johann von Gutenberg (man ist auch der Meinung, dass Johann Faust und Gutenberg zusammen in einem Haus genannt zum Jungen in Mentz, gewohnet haben, dahero solch Haus den Nahmen auch von der Truckerey nachmahlenbehalten) innen worden dass solche edle Kunst nicht allein einen grossen Ruhm bey aller Welt gemacht, sondern auch einen guten und erlichen Gewin gebracht, darumb er sich freundlich zu gemelten Fausten gethan, und seine Dienste mit Darschiessung nothwendiges Verlags anerbotten, welches er Faust gerne angenommen, bevorab weil das Werk, so er zu trucken vorhatte uff Pergament zu verfertigen, einen grosen Kosten erforderte darob sie sich vereiniget und einen aufgeschnittenen Zettel oderContractnachfolgend beygesetzen Inhalts aufgerichtet, dass was auf solch Werk gehen würde, zu Verlust und Gewinn ins gemein gehen, und alles was darzu gehörete, uff gemeinen Sold entlehnet und aufgenommen werden solte. Weil aber er Faust mehr aufgenommen und der Unkosten höher geloffen, als Gutenberg vermeinet, hatt er solchen halben Theil nich zahlen wöllen, darüber sie beyde vor das weltliche Gericht zu Mentz gerathen, das hatt auf alles Ein- und Vorbringen, auch geschenen Beweistum erkannt würde Johann Faust mit lieblichen eyd betewren, dass solch uffgenommen Geld auf das gemeine Werk gegangen, und nicht ihme allein zu Nutz kommen sey, solte Johann von Gutenberg solches zu erlegen schuldig seyn. Solchem Rechtsspruch hat Johann Faust im Refender zu Mentz zun Barfüssern ein Genügen gethan wie aus copeylich beygesetztenInstrumentgründlich und wahrhafftig zu ersehen. Aber Johann von Gutenberg ist darüber sehr zornig worden,darumb er nicht allein bei Anhörung des eydt nicht gewesen, sondern auch bald darauf von Mentz sich hinweg gen Strasburg gethan, vielleicht daselbst seinen eygenen Verlag gehabt, und sindt ihm dahin etliche Gefährde nachgefolget, und eine gäntzliche Trennung geschehen, dass solche herrliche Kunst nicht mehr ist geheimb behalten blieben, sondern allenthalben vondatoangeregtenInstruments, soAn. 1455 datiretausgebreitet worden. Und Hans von Petersheim, ein Diener Johannes Fausten und Peter Schöffers, im vierten Jahr hernach Ao. 1459, zu Frankfurt, andere, sonderlich als Mentz; Ao. 1462 verräthlichen erobert, und umb ihre Freyheit kommen, folgends anderstwo sich niedergethan, und solche Kunst ohngescheuet getrieben, offenbahret, und gemein gemacht haben. Est ist auch diess Unglück mit zugeschlagen, dass als sie ein vornehm Juristisch Buch gen Paris in Frankreich uff Pergament gedruckt, geführet und die Wahlen [Wallischen oder Wälschen] ihnen solche Kunst missgönnet, das Buch in Laugen gestossen, und mit Kratzbürsten auszuthun, aber vergeblich, unterstanden, sie solcheExemplariaalle, unter dem Schein als ob der Trucker eine frembde Waar ohneSpecialErlaubnuss des Königs in Frankreich gebracht,confiscirt, darauf errepressaliasvom Kayser Fridrichen III. verlangt, und soviel frantzözische Kaufleute niedergeworfen, dass er seines Schadens wohl zukommen, und viel Französische Waare in sein Haus allerhantSortenbekommen, dass die Sach endlich durch beydePotentatenverglichen, uffgehoben, ut er Peter Schöffer befriediget worden.”

Man sieht, dass in diesem Berichte über den Gang der Erfindung der objektive Thatbestand, besonders was die Anfänge betrifft ganz richtig erzählt wird, und dass er nurquoad personasverfälscht ist; indem Fusten das zugeschrieben wird, was Gutenbergen angehört. Es erbellt ferner daraus, dass er weder aus Trithems Werken noch aus dem Lobgedichte des Bergellanus geschöpft ist; da er umständcher als beide in’s Einzelne der Verfahrungsweisen eingeht. Auch die Angabe, Fust und Schöffer hätten nach Erfindung der gegossenen Buchstaben ihre Arbeiter mit Eiden zur Geheimhaltung der Kunst verbunden, die ersten Holztafeln aufgehoben, die einzelnen hölzernen Buchstaben in Schnüre gefaszt und nur zu Zeiten guten Freunden gezeigt, deutet, als auf ihre Quelle, auf handschriftliche oder mündliche Ueberlieferungen, die sich in der Familie Fust erhalten haben müssen. So haben sich in dem an die Herren von Glauburg übergegangenen Familienarchive des mainzischen, nach Frankfurt ausgewanderten Patriziergeschlechtes zum Jungen viele die Familie Gutenberg betreffenden Urkunden, und darunter auch das bei dem Prozesse zwischen Gutenberg und Fust errichtete Notariatsinstrument erhalten. In dem Archive der Familie Faust, welche von Aschaffenberg nach Frankfurt gekommen, und dort durch Heirath unter die Patriziergeschlechteraufgenommen worden ist, hatten sich gewiss ähnliche Urkunden und Nachrichten über die Angelegenheiten der Familien Fust und Schöffer erhalten, wie auch in dem Berichte, bei 1 und 2, ausdrücklich gemeldet wird. Joh. Friedrich Faust, durch Familieneitelkeit verleitet, verfälschte sie nur in Betreff der Personen, indem er (so wie Johann Schöffer in seinen Schluszschriften die Erfindung allein seinem Grossvater Fust zuschreib) demselben Fust, den er mit Recht für seinen Ahnen hielt, alle Ehre zuwendete, und zu diesem Behufe sogar das Instrument des Notars Helmasperger verdrehte.—Wetter, pp. 271–277.


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