Chapter 22

Beim Scheine einer antiken Lampe, die ich mitgebracht.

Beim Scheine einer antiken Lampe, die ich mitgebracht.

Graz, den 31. December 1864.

Die Lampe ward aus Gräbern mir gegeben,Das Oel goß die Erinnerung hinein,Mit ihrem Zauberlicht das hies’ge LebenUnd meiner Kammer Dunkel zu zerstreu’n. —Und wirklich, vor mir schau’ ich hohe SäulenVon einem ew’gen Sonnenschein verklärt,Und dort, wo Süd und West sich grenzend theilen,Um Inseln, die ein alter Glaube ehrt,Das Meer in nächtig noch bedeckten Buchten;Im Osten, wie zur Abwehr gegen ihn,Durchfurcht von schattig blauen Schluchten,Gebirge, deren Kuppen feurig glüh’nVom jungen Morgenstrahl entzündet,Der den jahrtausend alten RestenDas Werden neuer Tage kündet;Im Thale Palmen, die mit stummen AestenDie Laute alter Sprachen wehen;Und mich und Alles, was ich um mich schau’,Bedeckt ein Himmel, wolkenlos und blau,Wie ich ihn so nur in Athen gesehen. —Dort ist die Heimath, die mein StrebenDem sehnsuchtsvollen Herzen fand,An die ich für das ganze LebenVerlangend meine Liebe band.Denn wenn die herrlichste der Städte,Byzanz, das meergeborne, mir erschienMit Farben bunt und reich als hätteDer Schöpfer alle ihm allein verlieh’n;Und wenn der Bosporus mit seinen Hügeln,Die Asien und Europa köstlich schmücktUm wetteifernd im Meere sich zu spiegeln,Wenn all’ die Pracht dieSinnemir entzückt:Hat doch dieSeeleFeste erst gefeiert,Als ich nach gluthenvoll geschied’nem TagVorbei an Aegina gesteuertUnd Salamis in Schleiern vor mir lag;Als ich am nächsten frühen MorgenDie alten Marmorschwellen aufwärts ging,Und hinter Mauern fest geborgenDer Parthenon mich Glücklichen umfing;Als ich im Gräberfeld dort obenBewundernd vor den Karyatiden stand,Und in die alte Zeit erhobenDas Todte wieder lebend fand.Da fühlte ich für’s Leben mich geweihet,Und als ein Mensch von and’rer Art,Im Glauben und der Urtheilskraft erneuet,Bin ich zurückgekehrt von dieser Fahrt.

Die Lampe ward aus Gräbern mir gegeben,Das Oel goß die Erinnerung hinein,Mit ihrem Zauberlicht das hies’ge LebenUnd meiner Kammer Dunkel zu zerstreu’n. —Und wirklich, vor mir schau’ ich hohe SäulenVon einem ew’gen Sonnenschein verklärt,Und dort, wo Süd und West sich grenzend theilen,Um Inseln, die ein alter Glaube ehrt,Das Meer in nächtig noch bedeckten Buchten;Im Osten, wie zur Abwehr gegen ihn,Durchfurcht von schattig blauen Schluchten,Gebirge, deren Kuppen feurig glüh’nVom jungen Morgenstrahl entzündet,Der den jahrtausend alten RestenDas Werden neuer Tage kündet;Im Thale Palmen, die mit stummen AestenDie Laute alter Sprachen wehen;Und mich und Alles, was ich um mich schau’,Bedeckt ein Himmel, wolkenlos und blau,Wie ich ihn so nur in Athen gesehen. —Dort ist die Heimath, die mein StrebenDem sehnsuchtsvollen Herzen fand,An die ich für das ganze LebenVerlangend meine Liebe band.Denn wenn die herrlichste der Städte,Byzanz, das meergeborne, mir erschienMit Farben bunt und reich als hätteDer Schöpfer alle ihm allein verlieh’n;Und wenn der Bosporus mit seinen Hügeln,Die Asien und Europa köstlich schmücktUm wetteifernd im Meere sich zu spiegeln,Wenn all’ die Pracht dieSinnemir entzückt:Hat doch dieSeeleFeste erst gefeiert,Als ich nach gluthenvoll geschied’nem TagVorbei an Aegina gesteuertUnd Salamis in Schleiern vor mir lag;Als ich am nächsten frühen MorgenDie alten Marmorschwellen aufwärts ging,Und hinter Mauern fest geborgenDer Parthenon mich Glücklichen umfing;Als ich im Gräberfeld dort obenBewundernd vor den Karyatiden stand,Und in die alte Zeit erhobenDas Todte wieder lebend fand.Da fühlte ich für’s Leben mich geweihet,Und als ein Mensch von and’rer Art,Im Glauben und der Urtheilskraft erneuet,Bin ich zurückgekehrt von dieser Fahrt.

Die Lampe ward aus Gräbern mir gegeben,Das Oel goß die Erinnerung hinein,Mit ihrem Zauberlicht das hies’ge LebenUnd meiner Kammer Dunkel zu zerstreu’n. —Und wirklich, vor mir schau’ ich hohe SäulenVon einem ew’gen Sonnenschein verklärt,Und dort, wo Süd und West sich grenzend theilen,Um Inseln, die ein alter Glaube ehrt,Das Meer in nächtig noch bedeckten Buchten;Im Osten, wie zur Abwehr gegen ihn,Durchfurcht von schattig blauen Schluchten,Gebirge, deren Kuppen feurig glüh’nVom jungen Morgenstrahl entzündet,Der den jahrtausend alten RestenDas Werden neuer Tage kündet;Im Thale Palmen, die mit stummen AestenDie Laute alter Sprachen wehen;Und mich und Alles, was ich um mich schau’,Bedeckt ein Himmel, wolkenlos und blau,Wie ich ihn so nur in Athen gesehen. —

Die Lampe ward aus Gräbern mir gegeben,

Das Oel goß die Erinnerung hinein,

Mit ihrem Zauberlicht das hies’ge Leben

Und meiner Kammer Dunkel zu zerstreu’n. —

Und wirklich, vor mir schau’ ich hohe Säulen

Von einem ew’gen Sonnenschein verklärt,

Und dort, wo Süd und West sich grenzend theilen,

Um Inseln, die ein alter Glaube ehrt,

Das Meer in nächtig noch bedeckten Buchten;

Im Osten, wie zur Abwehr gegen ihn,

Durchfurcht von schattig blauen Schluchten,

Gebirge, deren Kuppen feurig glüh’n

Vom jungen Morgenstrahl entzündet,

Der den jahrtausend alten Resten

Das Werden neuer Tage kündet;

Im Thale Palmen, die mit stummen Aesten

Die Laute alter Sprachen wehen;

Und mich und Alles, was ich um mich schau’,

Bedeckt ein Himmel, wolkenlos und blau,

Wie ich ihn so nur in Athen gesehen. —

Dort ist die Heimath, die mein StrebenDem sehnsuchtsvollen Herzen fand,An die ich für das ganze LebenVerlangend meine Liebe band.Denn wenn die herrlichste der Städte,Byzanz, das meergeborne, mir erschienMit Farben bunt und reich als hätteDer Schöpfer alle ihm allein verlieh’n;Und wenn der Bosporus mit seinen Hügeln,Die Asien und Europa köstlich schmücktUm wetteifernd im Meere sich zu spiegeln,Wenn all’ die Pracht dieSinnemir entzückt:Hat doch dieSeeleFeste erst gefeiert,Als ich nach gluthenvoll geschied’nem TagVorbei an Aegina gesteuertUnd Salamis in Schleiern vor mir lag;Als ich am nächsten frühen MorgenDie alten Marmorschwellen aufwärts ging,Und hinter Mauern fest geborgenDer Parthenon mich Glücklichen umfing;Als ich im Gräberfeld dort obenBewundernd vor den Karyatiden stand,Und in die alte Zeit erhobenDas Todte wieder lebend fand.Da fühlte ich für’s Leben mich geweihet,Und als ein Mensch von and’rer Art,Im Glauben und der Urtheilskraft erneuet,Bin ich zurückgekehrt von dieser Fahrt.

Dort ist die Heimath, die mein Streben

Dem sehnsuchtsvollen Herzen fand,

An die ich für das ganze Leben

Verlangend meine Liebe band.

Denn wenn die herrlichste der Städte,

Byzanz, das meergeborne, mir erschien

Mit Farben bunt und reich als hätte

Der Schöpfer alle ihm allein verlieh’n;

Und wenn der Bosporus mit seinen Hügeln,

Die Asien und Europa köstlich schmückt

Um wetteifernd im Meere sich zu spiegeln,

Wenn all’ die Pracht dieSinnemir entzückt:

Hat doch dieSeeleFeste erst gefeiert,

Als ich nach gluthenvoll geschied’nem Tag

Vorbei an Aegina gesteuert

Und Salamis in Schleiern vor mir lag;

Als ich am nächsten frühen Morgen

Die alten Marmorschwellen aufwärts ging,

Und hinter Mauern fest geborgen

Der Parthenon mich Glücklichen umfing;

Als ich im Gräberfeld dort oben

Bewundernd vor den Karyatiden stand,

Und in die alte Zeit erhoben

Das Todte wieder lebend fand.

Da fühlte ich für’s Leben mich geweihet,

Und als ein Mensch von and’rer Art,

Im Glauben und der Urtheilskraft erneuet,

Bin ich zurückgekehrt von dieser Fahrt.


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