Chapter 2

Oberon.Diß fiel besser ausAls ich vermuthen durfte. Hast du aberAuch, wie ich dir zu thun befahl, die AugenDes Jünglings von Athen mit diesem Saft bestrichen?

Puk.Ich fand ihn schlafend; auch diß ist vorbey.Das Mädchen lag dabey, und nah' genug,Daß er sie sehen muß, wenn er erwacht.

Fünfter Auftritt.(Demetrius und Hermia.)

Oberon.Steh' still, diß ist der Jüngling den ich meynte.

Puk.Diß ist das Mädchen, aber nicht der Jüngling.

Demetrius.Wie hart begegnest du, dem der dich liebt?Gieb deinem Todfeind solche bittern Worte!

Hermia.Noch schelt' ich nur, weit schlimmer sollt ich dirBegegnen; denn, ich fürchte, du hast mirDich zu verfluchen, Grund gegeben:Du hast Lysandern als er schlief erschlagen;So tief im Blut tauch dich noch tieffer ein,Und tödte mich. Die Sonn' ist nicht so rein,Als er bis diesen Tag getreu mir war.Würd' er von seiner Hermia, weil sie schlief,Sich weggestohlen haben? Eher wollt' ich glauben,Daß dieser Erdenball durchbohret werden,Und Luna durch das hole Centrum kriechen,Und ihres Bruders Mittag bey den GegenfüßlernBeschämen könnt'! Es kan nicht anders seyn,Ermordet hast du ihn; so wie du blikest,So stier, so grimmig sollt ein Mörder bliken.

Demetrius.So sollte der Erschlagne ausseh'n, und so, ich,Dem deine Grausamkeit das Herz durchbohrt;Doch du, die Mörderin, du siehst so glänzendAls Venus dort in ihrer Sphäre funkelt.

Hermia.Was hat diß mit Lysandern? wo ist er?Ach! werther Freund, willt du ihn mir nicht geben?

Demetrius.Eh wollt ich seinen Rumpf den Hunden geben!

Hermia.Weg, Hund, hinweg! Du treibst mich aus den GrenzenDer weiblichen Geduld. So hast du ihnErschlagen? o wenn dieses ist, so werdeHinfort nicht mehr den Menschen zugezählt!Sprich einmal wahr, sag' es mir zu Gefallen,Hätt'st du es wagen dürfen, weil er wachteIhn anzuseh'n, und hast du ihn im SchlafErmordet? Wahrlich! eine kühne That!Kan nicht ein Wurm, ein kriechend UngezieferDas gleiche thun! Das bist du; keine OtterHat je mit einer zweygespiztern Zunge,Als deine ist, du Schlangenbrut, gestochen.

Demetrius.Umsonst verschwendest du, o Schönste, deine Wuth;Denn ich bin schuldlos an Lysanders Blut,Noch ist er tod, so viel ich sagen kan.

Hermia.So sag', ich bitte dich, es sey ihm wohl!

Demetrius.Und könnt ich's, was gewönn' ich denn damit?

Hermia.Das Recht, mich nimmermehr zu sehen.Auf ewig meid' ich dein verhaßtes Antliz!Was auch Lysander sey, du sollt mich nicht mehr sehen.

(Geht ab.)

Demetrius.Es nuzet nichts, bey dieser bösen LauneIhr nachzugeh'n; ich will noch hier verweilen,Des Kummers Last wird schwerer durch die SchuldDie der bankrotte Schlaf dem Kummer soll;Vielleicht bezahlt er einen Theil daran,Wenn ich, ihm abzuwarten, hier verweile.

(Er ligt nieder, und schläft.)

Oberon.Was thatest du? Du hast aus MißverstandAuf irgend einer treuen Liebe AugenDen Zaubersaft gelegt; nun macht dein IrrthumDie treue Liebe falsch, und nicht die falsche treu.

Puk.So ist des Schiksals Schluß; für einen treuen MannSind hundert tausend, die mit Eiden spielen.

Oberon.Geh' schneller als der Wind, und finde mirIn diesem Hayne Helena von Athen.Ganz Liebeskrank ist sie, und blaß vom Antliz,Und haucht ihr Rosenblut in Seufzer aus.Verleite sie hieher, ich will die AugenDes Jünglings den sie liebt, für sie bezaubern.

Puk.Kein Pfeil von eines Tartars Bogen,Ist je so schnell wie ich geflogen.

(Er geht ab.)

Oberon (indem er den Saft auf Demetrius Augen gießt.)Blume, die durch Amors SchaftIn Purpur-Farbe glüht,Hauche deine Liebes-KraftDurch sein Augenlied!Und sieht er dann die er bisherDurch Untreu zwang, ihm nachzuweinen,So laß sie schöner, glänzenderAls Venus unterm Sternen-Heer,Vor des Entzükten Aug' erscheinen:Die Reyhe komme dann an ihn,Sich um ihr Lächeln zu bemüh'n,Und wenn sie flieht, ihr nachzuweinen!

(Puk kömmt zurük.)

Puk.Herr von unserm Feen-Land,Helena ist hier zur Hand;Ihr folgt der Jüngling von Athen,An dem ich vor mich überseh'n,Und fleht sie, was er flehen kanUm Lind'rung seiner Schmerzen an.Es ist ein Spaß dem Schauspiel zuzuseh'n;Herr! welch ein albern Volk sind diese Sterblichen!

Oberon.Gieb Acht, es könnte leicht vom Lermen so sie machen,Demetrius uns zu früh erwachen.

Puk.Dann wär' erst unser Spaß vollkommen,Dann buhlten ihrer Zwey um Eine.Je wiedersinnischer die SachenSich dreh'n, je mehr hat Puk zu lachen.

Sechster Auftritt.(Lysander und Helena.)

Lysander.Wie kanst du denken, daß ich deiner spotte?O! wenn zerfloß wol je der Spott in Thränen?Sieh', meine Thränen waschen den VerdachtVon den Gelübden ab, die ich dir weyhe,Und zeugen für die Wahrheit meiner Seufzer.

Helena.Je mehr du sprichst, entdekt sich deine Falschheit.Wenn Wahrheit Wahrheit tödtet, welch ein Zweykampf,Wie teuflisch-heilig!—Alle die Gelübde,Die du mir weyh'st, sind Hermias! Wäge nunEyd gegen Eyd, so wirst du gar nichts wägen.Treuloser Mann, die Schwüre die du ihrUnd die du mir geschworen, in zwey SchalenGeworffen, wägen gleich, und beyde gleich so vielAls Mährchen die der Kinder Schlaf befördern.

Lysander.Mir fehlte der Verstand, als ich ihr schwor.

Helena.Und fehlt dir izt, da du ihr treulos wirst.

Lysander.Demetrius liebet sie, und liebt nicht dich.

Demetrius (erwachend.)O Helena, Göttin, Nymphe, Schönste, Beste,Womit, Geliebte, soll ich deine AugenVergleichen? Trüb ist gegen sie Crystall!Wie loket deiner Lippen reiffe Röthe,Gleich Kirschen, die dem Mund entgegen schwellen,Zum süssen Kuß; das reine dichte Weiß,Auf Taurus Höh' wird rabenschwarz, sobaldDu deine Hand erhebst! O laß mich dieses UrbildDer reinsten Weisse küssen, und im ArmeDer Göttinnen die Götter neidisch machen.

Helena.O! Schmach, o Hölle! Habt ihr's abgeredet,So ein barbarisch Spiel mit mir zu treiben?Wär't ihr gesittet, und der heiligen GesezeDes Wohlstands kundig, o! ihr würdet euchSo niederträchtig mich zu kränken schämen.Könnt ihr mich denn nicht hassen, wie ich weißIhr thut es, ohne meiner noch zu spotten?Wär't ihr was ihr zu seyn scheint, wär't ihr Männer,Ihr würdet einem guten Mädchen nichtSo unverschämt begegnen, ihre GabenDurch übertriebnes Lob zu höhnen, und zu schwören,Der Abscheu, den sie euch erwekt, sey Liebe.Ihr beyde seyd, ich weiß es, NebenbulerUm Hermia; nun seyd ihr's auch, um meinerZu spotten. Eine feine Heldenthat;Fürwahr! ein männlich Unternehmen, ThränenAus eines armen Mädchens AugenZu zwingen! Keiner, dem ein edles HerzIm Busen schlüge, würde fähig seynMit einer Jungfrau so zu handeln!

Lysander.Nicht so, Demetrius! Nicht so unleutselig!Du liebest Hermia, und du weist, ich weiß es,Und hier tret' ich freywillig und von HerzenDir meinen Theil an Hermias Liebe ab,Und fordre deinen nur an Helena,Die dir gleichgültig ist, und die ich liebe,Und bis zum lezten Athem lieben werde.

Helena.Niemals verlohren blöde Spötter mehrUnnüzen Athem!—

Demetrius.Höre mich, Lysander!Behalte deine Hermia, ich will keine.Liebt' ich sie einst, wie ich mich dessen kaumBesinnen kan, so ist es nun vorbeyMit dieser Liebe. Gastweis hielte sichMein Herz nur bey ihr auf, und ist nunmehrZu Helena auf ewig heimgekehrt!

Lysander.Es ist nicht so.

Demetrius.Schmäh' du nicht eine TreueDie du nicht kennst; du thätest es auf deineGefahr!—Schau auf, da kömmt sie, deine Liebe.

Siebender Auftritt.(Hermia zu den vorigen.)

Hermia.Die Nacht entsezt das Auge seines Amtes,Und macht des Ohrs Empfindung desto schärfer.Was sie dem Sehen raubt, ersezet sieDem Sinn des Hörens zweyfach. O Lysander,Mein Auge sucht dich lang' und fand dich nicht;Allein mein Ohr, Dank sey ihm, brachte mich,Auf deiner Stimme Spur, zu dir. Warum,Warum verließst du so unzärtlich mich?

Lysander.Wie konnt ich bleiben, da die Liebe michZu gehen trieb?

Hermia.Welch eine Liebe konnteLysandern weg von meiner Seite treiben?

Lysander.Lysanders Liebe, die ihm nicht erlaubteFern von der schönen Helena zu bleiben,Die mehr die Nacht vergüldt,Als alle jene feuerreichen AugenDes Himmels. Warum suchest du mich noch?Erklärte nicht die Sache selbst dir deutlich,Es sey der Haß zu dir, der mich dich fliehen machte.

Hermia.Du sprichst nicht wie du denkst, es kan nicht seyn.

Helena.Seh't, sie ist eine von dem edeln Bündniß;Nun seh' ich, alle drey vereinten sichDurch diese Mummerey mich zu verhönen.Boshafte Hermia, undankbares Mädchen,Was hab' ich dir gethan, daß du dich auchZu ihnen schlägst, ein Spiel aus mir zu machen?Ist alle Freundschaft, die wir einst uns weyhten;Ist die Vertraulichkeit, die schwesterlichenGelübd'; und jene Stunden, da wir ungernUns scheidend, die zu schnelle Zeit beschalten;O! Ist diß alles, alles schon vergessen,Die Schultags-Freundschaft, und die spielendeSchuldlose Liebe unsrer frohen Kindheit?Da, Hermia, schuffen wir mit unsern NadelnGleich zween kunstvollen Göttern eine Blume,Nach einem Riß, auf einem Polster sizend;Und gurgelten nach einer MelodieEin muntres Lied, die Arbeit zu beleben;Als wären unsre Händ' und Stimm' und HerzenVerkörpert, nur Ein Leib, beseelt von unsrer Liebe.So wuchsen wir, wie eine Doppel-KirscheGetheilt zwar scheinend, doch in Eins verwachsenBeysammen auf; zwo anmuthsvolle Beeren,An einem Stiele reiffend; so zwey LeiberDem Scheine nach, doch nur ein Herz in beyden.Und willt du, kanst du unsre alte LiebeVergessen, und um deiner armen FreundinZu spotten, dich zu Männern zugesellen?O! das ist nicht freundschaftlich, nicht jungfräulichGehandelt; du verschuldest dich an unsermGeschlechte, nicht an mir allein, obgleichNur ich allein die bittre Kränkung fühle.

Hermia.Dein hiziges Reden sezt mich in Erstaunen!Nicht ich, du, scheint's, beleidigst mich!

Helena.Hast du Lysandern nicht, mir nachzugehen,Und mein Gesicht und meine AugenZu preisen, aufgestiftet? Hast du nichtDemetrius, deinen andern Freund, der erstMich noch mit seinem Fusse von sich stieß,Gereizt, mich Göttin, Nymphe, überirdisch,Himmlisch zu nennen? Warum sagt er soZu einer die er haßt? Warum verläugnetLysander deine Liebe, die sein HerzDoch ganz erfüllt, und sagt mir Süssigkeiten,Als, weil du sie gereizt, und eingewilligt?Wie? wenn ich gleich nicht so begünstigt bin,Wie du; nicht so beglükt, und so mit LiebeBehangen, ja von meinem Unstern garZur Schmach verurtheilt, ungeliebt zu lieben;Diß sollte dich vielmehr zu sanftem MitleidAls zu Verachtung reizen!—

Hermia.Ich verstehe nicht,Was du mit allem diesem meyn'st—

Helena.So recht!Fahr immerfort, verstelle deine Minen,Zieh' Mäuler gegen mich, wenn ich mich drehe,Winkt euch einander zu! o haltet jaDiß schöne Spiel recht aus, es ist der Chronik würdig.Wenn ihr ein fühlend menschlich Herz, ja nurManieren hättet, würdet ihr aus mirDen Inhalt eines solchen Spiels nicht machen.Jedoch der Fehler ist zum Theil an mir;Bald soll Entfernung oder Tod ihn heilen.

Lysander.Steh', holde Helena! hör', o hör' mich an!Mein Licht, mein Leben, meine schönste Liebe!

Helena.Vortrefflich!

Hermia.Lieber Freund, verspotte sie nicht so.

Demetrius.Vermag ihr Bitten nichts, so kan ich zwingen.

Lysander.Du kanst es so, wie sie erbitten kan.Dein Droh'n hat nicht mehr Kraft als ihre schwache Bitten.Helena, ich liebe dich; bey meinem Leben,Ich liebe dich; bey dem was ich für dichVerliehren will, dem der es widersprichtEs zu beweisen, daß er lügt—

Demetrius.Ich sage,Ich liebe dich weit mehr als er dich liebt.

Lysander.Wenn du das sagst, so komm es zu beweisen.

Demetrius.Nur gleich—

Hermia.Lysander, wozu soll diß alles?

Lysander.Aus meinem Weg, du Mohr!

Demetrius.Besorge nichts,Er thut nur so dergleichen; es ist nichtSein Ernst mit mir zu kommen—Geh', Lysander,Du bist ein zahmer Mann—

Lysander (zu Hermia.)Hinweg du Kaze, du Klette, du nichtswürdigs Ding;Laß mich, sonst schleudr' ich dich wie eine SchlangeVon mir hinweg—

Hermia.Warum so rauh? welch eine Änd'rungIst das, mein Herz!

Lysander.Dein Herz? Fort, du schwarzgelber Tartar, fort,Du ekelhafte Medicin, hinweg!

Hermia.Scherzt ihr, Lysander?

Helena.Freylich, wie du auch.

Lysander.Demetrius, ich will dir mein Wort unfehlbar halten!

Demetrius.Du must mir Bürgschaft stellen, denn ich merke,Daß deinem Wort nicht viel zu trauen ist.

Lysander.Wie? soll ich sie denn stossen, schlagen, tödten?Haß' ich sie gleich, so will ich ihr doch nichtsZu Leide thun.

Hermia.Und welch ein grösseres LeidKanst du mir thun, als hassen? wie? Mich hassen?Wofür? weh mir! welch eine Neuigkeit!Bin ich nicht Hermia? Bist nicht du, Lysander?Ich bin izt noch so schön, als vor so kurzer Weile.Noch diese Nacht, war ich von dir geliebt,Und doch, in dieser Nacht verließst du mich!Warum verliessest du mich?—(O! die GötterVerhüten es!) in Ernste, soll ich sagen?

Lysander.So ists, bey meinem Leben! Ganz in Ernst,Und mit dem Wunsche, nimmer dich zu sehen.Sey also ausser Hoffnung, Frag und Zweifel,Versichre dich's: Nichts kan gewisser seyn,Ich hasse dich, und liebe Helena.

Hermia.Weh mir! du Taschenspielerin, wurmstich'ge Blume,Du Liebes-Diebin, kamst du bey der Nacht,Mir meines Freundes Herz hinweg zu stehlen?

Helena.In Wahrheit! fein!—Hast du denn kein GefühlVon Sittsamkeit, von jüngferlicher Schaam?Willt du von meiner sanften Zunge WorteDer Ungeduld erzwingen! Schäme dich,Du angestrichnes Bild, du Puppe, du!

Hermia.Puppe? wie so?—Ha, ha! So ligt das Spiel!Nun merk ich es! Sie hat ihn das Verhältniß,Von ihrer Länge zu der meinigen,Bemerken lassen; sie hat ihre HöheGelten gemacht, und ihm mit ihrerPerson, mit ihrer langen aufgeschoßnenPerson, bey meiner Treu! mit ihrer HöheDas Herz genommen—Seyd ihr darum alsoSo hoch in seiner Gunst emporgewachsen,Weil ich so klein, so Zwergen-mässig bin?Wie klein bin ich? Du Bohnenstikel, sprich,Wie klein bin ich? Ich bin doch nicht so klein,Daß meine Nägel nicht an deine Augen reichen.

Helena.Ihr Herr'n, ich bitte euch, so gram ihr mirAuch seyn mög't, laßt sie mich nicht schlagen!Ich war nie zänkerisch, und habe garGar keine Gabe mich mit ihr zu rauffen.O! laßt sie nicht an mich! Ihr denkt vielleicht,Weil sie um etwas kleiner ist als ich,Ich könnte sie bezwingen—

Hermia.Kleiner! horcht!Schon wieder!—

Helena.Liebe Hermia, sey doch nichtSo bitter gegen mich. Ich liebte dichJa immerdar, that dir nie was zu Leide;Und schloß, was du mir anvertrautest, schweigendIn meinen Busen, ausser dißmal nurDiß einzige mal entdekt' ich deine FluchtIn diesen Wald, Demetrio, den ich liebe.Er folgte dir. Aus Liebe folgt' ich ihm,Allein er schalt mich fort, und drohte mirMich wegzustossen, ja mich gar zu tödten.Und nun, wenn ihr mich ruhig gehen lasset,Nun will ich meine Thorheit nach AthenZurüke tragen, und euch nicht mehr stören.O! laßt mich geh'n! Ihr seh't, was für ein schwachesEinfältigs Ding ich bin.

Hermia.Geh' deines Weges,Wer hindert dich?

Helena.Ein thöricht Herz, das ich zurüke lasse.

Hermia.Wie? Bey Lysander?

Helena.Bey Demetrius.

Lysander.Sey ohne Furcht, sie soll kein Leid dir thunGeliebte Helena!—

Demetrius.Nein, Herr! sie soll nicht,Ob du dich gleich zu ihrem Schüzer aufwirfst.

Helena.O! wenn sie zornig ist, so ist sie kühn;Sie war ein böses Ding, wie sie zur Schule gieng;Und hat, so klein sie ist, so viele Stärke.

Hermia.Schon wieder klein, und nichts als klein und klein.Wie könnt ihr leiden, daß sie so mich höhne?Laßt mich an sie!—

Lysander.Geh', pake dich, du Zwerg,Du Minimus, aus Besem-Kraut gemacht;Du Eichel, du, du Paternoster-Kralle.

Demetrius.Ihr seid allzudienstfertig, Herr Lysander,Für eine die sich eurer Dienste weigert.Laß sie allein, sprich nicht von Helena,Und laß sie unbeschüzt; denn wenn du dichNoch einmal untersteh'st von deiner LiebeSo wenig als es sey, ihr anzutragen,So sollt du es bereun.

Lysander.Izt hält sie mich nicht mehr;Nun folge, wenn du darfst, es wird sich zeigen,Ob dein Recht, oder mein's an HelenaDas Stärk're ist.

Demetrius.Dir folgen? Nein, ich will dich Stirn' an StirneBegleiten—Komm!

(Lysander und Demetrius gehen ab.)

Hermia.Ihr, Frauenzimmer, aller dieser LermIst eure Schuld—Nein, geh' nicht fort!—

Helena.Ich traue dir nicht, ich, noch werd' ich längerIn deiner zänkischen Gesellschaft bleiben.Zum Rauffen hast du schnellere Händ' als ich,Doch zum Entlauffen hab' ich längere Beine.

(Sie gehen ab. Hermia verfolgt Helena.)

Achter Auftritt.(Oberon und Puk.)

Oberon.Diß ist dein Fehler; stets versieh'st du was;Doch bist du Schelms genug, vielleicht es garMit Fleiß gethan zu haben—

Puk.Glaubet mir,König der Schatten, ich versahe mich.Ihr sagtet ja, ich würde meinen MannAn seinem Attischen Habit erkennen,Und dieser täuschte mich; doch da der IrrthumNun einmal, ohne meine Schuld, begangen ist,So freut mich's, weil mich diese ZänkereyKurzweilig däucht—

Oberon.Du siehest, diese Nebenbuhler suchenSich einen Plaz zum Fechten. Eile dann,Robin, umzieh' die heitre Nacht mit Dunkel,Und hülle das gestirnte FirmamentIn Nebel ein, schwarz wie der Acheron;Und führe diese Streiter so vonsammen,Daß keiner in den Weg des andern komme.Bald bilde deine Zunge gleich Lysanders,Durch bittern Schimpf Demetrius aufzureizen,Und bald Lysandern mit Demetrius Stimme;Treib sie so lang umher, doch stets entfernt,Bis über ihre AugenliederDer Schlaf mit Leder-Flügeln und mit FüssenVon Bley, dem Tod nachäffend kriecht, dann legeDiß Kräutchen auf Lysanders Augen, welchesDie Kraft besizt, von ihnen allen IrrthumHinweg zu thun, und nach gewohnter ArtSie seh'n zu machen. Wenn sie dann erwachen,So wird sie dünken, dieses ganze SpielSey nur ein Tand, ein eitles NachtgesichtDer Scherz von einem Sommertraum gewesen;Und durch ein Band verknüpft, das nur der Tod soll lösen,Wird jedes Liebespaar sich nach AthenZurük begeben. Weil du diß verrichtest,Will ich zu meiner Königin, von ihrDie Ursach unsers Streits, den Indischen KnabenZu fordern; giebt sie ihn, so will ich ihrBezaubert Auge von dem Schwindel heilen,Der für ein Ungeheuer sie entzükt;Und alle Fehde soll in süssem Frieden enden.

Puk.Diß muß, o Geisterfürst, in Eil verrichtet werden;Die schnellen Drachen die den Wagen ziehenDer braunen Nacht, durchschneiden schon die WolkenMit größrer Hast, und dorten scheint AurorensVorläuffer schon, bey dessen AnkunftUmirrende Gespenster schaarenweiseHeim zu Kirchhöfen eilen; Schon sind alleVerdammten Geister, die in ScheidewegenUnd in den Fluthen ihr Begräbniß haben,Zu ihrem Würmer-vollen Bette bebendZurük gekehrt; aus Furcht, der lezte TagMöcht' ihre Schande seh'n, verbannen sieFreywillig sich vom Licht, und bleibenAuf ewig zu der schwarzen Nacht gesellt.

Oberon.Doch wir sind Geister einer andern Art.Oft hab' ich mit dem Morgenlicht gescherzt,Und mag so lang die Hayne, wie ein JägerDurchtraben, bis des Himmels Pfort' in OstenGanz feuerroth, sich gegen den NeptunMit weit umher ergoßnen Stralen öffnend,All seine grünen Ström' in Gold verwandelt.Doch eile drum nichts minder, zög're nicht,Vor Tag kan alles schon verrichtet seyn.

(Oberon geht ab.)

Puk.Auf und ab, auf und ab,Führ' ich sie in schnellem TrabKobolt, führ' sie auf und ab.Hier kömmt einer—(Demetrius tritt auf.)

Demetrius.Lysander, sprich noch einmal,Du Hasenherz, du feige Memme, du,Bist du entlauffen? Sprich aus irgend einem Busch?Wo hast du dich verstekt?

Puk.Du, Memme selbst, wie? prahlst du zu den Sternen,Sag'st zu den Stauden, daß du fechten wollest,Und darfst nicht kommen? Komm, du kleiner Bube,Die Ruthe sollst du haben; er ist fortDer gegen dich ein Schwerdt gezogen.

Demetrius.Ha, bist du dort—

Puk.Folg' meiner Stimme nach,Hier ist kein Plaz zum Fechten.

(Sie gehen ab.)

(Lysander kömmt zurük.)

Lysander.Stets läuft er vor mir her, und fordert michHeraus, und wenn ich komme wo er hin mich ruft,So ist er fort; der Schlingel istSchnell-füssigter als ich, ich folgt' ihm schnell,Doch er floh' schneller noch: Nun bin ich hierIn diesen dunkeln und unebnen WegGerathen, und hier will ich ruhen. Komm,Du holder Tag,

(er legt sich;)

denn zeigst du mir nur einst Dein graues Licht, so will ich bald ihn finden, Um diesen Hohn an ihm zu rächen.

(Puk und Demetrius kommen zurük.)

Puk.Ho! ho! du Memme, warum kommst du nicht?

Demetrius.Komm näher, wenn du darfst; ich weiß es wol,Daß du von Ort zu Ort mir stets entläufst,Und darfst nicht steh'n und mir ins Antliz sehen.Wo bist du?

Puk.Komm du nur hieher, hier bin ich!

Demetrius.Du äffest mich; du sollt es theur bezahlen,Wenn ich je dein Gesicht bey Tag erblike.Izt, pake dich, mich zwingt die Mattigkeit,Auf dieses kalte Bette mich zu streken.Erwarte bey des Tages Anbruch mich!

(Er ligt nieder.)

Neunter Auftritt.

Helena.O schwere Nacht, verdrießlich lange Nacht,Verkürze deine Stunden! brich heran,Erwünschtes Licht, das mich von diesen LeutenDie meine Gegenwart verabscheun, nach AthenZurüke leit'. Inzwischen komm, o duDer oft des Kummers müdes Auge schließt,Komm, sanfter Schlaf, und stiehl mich eine WeileVon meiner eigenen Gesellschaft.

(Sie entschläft.)

Puk.Noch sind's erst drey; nur eine noch,So sind sie alle vier beysammen.Hier kömmt sie, unmuthsvoll und traurig!Cupido ist ein schlimmer Vogel,So arme Mädchens zu bethören. (Hermia tritt auf.)

Hermia.Nie so ermüdet, nie von Schmerzen soBedrüket, naß von Thau, von Dornen wund,Kan ich nicht weiter geh'n, noch weiter kriechen;Hier will ich ruhen, und den Tag erwarten!Ihr Götter schüzt Lysandern, wenn ihr StreitMit einem Kampf sich endet—

(Sie liegt nieder.)

Puk.Schlafe duIn süsser Ruh!UnterweilenSoll die KraftVon diesem SaftDeines Lieblings Augen heilen.

(Er gießt den Saft auf Lysanders Augen.)

Erwachest du, so wird in Hermias BlikenDich der gewohnte Reiz entzüken.So trift bey euerm Wachen dannDas alte Sprüchwort zu:Hans nimmt sein Gretchen wieder an,Und alles ist in Ruh.

(Puk geht ab.)

Vierter Aufzug.

Erster Auftritt.(Der Wald)(Die Königin der Feen, Zettel, aufwartende Feen, und Oberon hinterihnen)

Titania.Komm, seze dich auf dieses Blumenbette,Weil ich dir deine holden Wangen streichle,Dein glattes weiches Haupt mit Rosen kränze,Und deine schönen langen Ohren küsse,Mein süsses Herz—

Zettel.Wo ist Bohnenblühte?

Bohnenblühte.Hier.

Zettel.Krazt mir im Kopf, Bohnenblühte. Wo ist Monsieur Spinnenweb?

Spinnenweb.Hier.

Zettel. Monsieur Spinnenweb, werther Monsieur, nehmt eure Waffen zur Hand, und tödtet mir eine rothgeschenkelte Hummel auf einem Distelkopf; und, werther Monsieur, bringt mir den Honigwaben. Lauft euch nicht zu sehr aus dem Athem, Monsieur; und, werther Monsieur, habet Sorge, daß der Honigwaben nicht breche; es sollte mir leid seyn, euch mit Honigseim übergossen zu sehen, Signior. Wo ist Messer Senfsaamen?

Senfsaamen.Hier!

Zettel. Leih' mir deine Faust, Monsieur Senfsaamen. Ich bitte euch, nicht so viel Complimente, werther Monsieur.

Senfsaamen.Was beliebt Ihnen?

Zettel.Nichts, werther Monsieur, als Cavalero Spinnenweb krazen zu helfen.Ich muß zum Barbier, Monsieur, denn mir däucht, ich bin ganzerstaunlich haaricht um's Gesichte. Und ich bin ein so zärtlicherEsel, wenn mein Haar mich nur ein bißchen kizelt, so muß ich krazen.

Titania.Verlangest du Musik, mein werthes Leben?

Zettel.Ich hab ein raisonabel gutes Ohr zur Musik.

(Eine ländliche Musik.)

Titania.Sag izt, mein Herz, was wünschest du zu essen?

Zettel. Die Wahrheit zu sagen, eine Handvoll Futter würde mir nicht übel thun; ich wollte euch ein gut Theil von euerm Haber käuen, wenn ich hätte. Mich dünkt, ich habe einen grossen Appetit nach einem Schober Heu; gutes Heu, zartes Heu, hat nicht seines gleichen.

Titania.Sogleich soll eine meiner schnellsten FeenDir aus des Eichhorns Vorrath frische Nüsse hohlen.

Zettel. Ich hätte lieber eine Handvoll oder zwo dürre Bohnen. Aber ich bitte, laßt niemand von euern Leuten mich beunruhigen; ich habe eine Exposition von Schlaf die mich ankommt.

Titania.Schlaf du, und ich will dich in meine Arme winden.Ihr Feen, geht, hinweg ihr Elfen alle!So windet sich das weiche GeißblattSanft um den Ahorn, Epheu windet soSich um des Ulmbaums ausgestrekte Arme.O! wie ich bis zur Schwärmerey dich liebe! (Puk erscheint.)

Oberon.Willkommen, Robin! Sieh'st du diesen Anblik?Ihr Wahnwiz fängt mein Mitleid an zu reizen.Denn da ich sie vorhin in diesem HayneBeschlich, indem sie eben süsse DüfteFür dieses abgeschmakte Monkalb suchte,Beschalt ich sie, und hielt mit bittern WortenIhr ihren Unsinn vor; denn seine rauhenBehaarten Schläfe hatte sie mit KränzenVon auserlesnen Blumen rings umkränzt;Und eben dieser Thau, der auf den RosenknospenGleich runden morgenländischen Perlen sonst geblinkt,Stund izt in dieser holden Blümchen AugenWie Thränen, die solch eine Schmach beweinten.Als ich sie nun nach Herzenslust gezankt,Und sie mich um Geduld in milden Worten bat,Da fodert' ich den kleinen Jungen ab,Den sie mir sonst so trozig abgeschlagen;Sie gab ihn willig her, und schikte ihre FeeIhn gleich in meine Laub' im FeenlandeZu tragen. Nun, da ich den Knaben habe,Will ich von dieser häßlichen VerblendungIhr Aug' entbinden; du aber, holder Puk,Nimm diese Mißgestalt von des Atheners Haupte,Daß er zugleich mit jenen Schläfern dortErwachend, wieder heim mit ihnen kehre;Und All' an dieser Nacht BegebenheitenNicht weiter denken, als an eines TraumesBeängstigungen. Itz will ich zuförderstDie Feen-Königin entzaubern.

Sey wieder was du ehmals warst,Sieh' wieder wie du ehmals sahst;Solch eine heilungsvolle MachtHat Phöbes Knospe über Amors Blume. Erwache nun, Titania, meineKönigin!

Titania.Mein Oberon, was sah' ich für Gesichter!Mich däucht' ich war verliebt in einen Esel.

Oberon.Hier ligt dein Liebling.

Titania.Wie gieng dieses zu?Wie ekelt mir vor diesem Anblik izt!

Oberon.Still eine Weile! Robin, nimm diß Haupt!Titania, horche dieser Symphonie,Die, stärker als gemeiner Schlaf, die SinnenVon diesen Schläfern bindet—

Titania.Ha! Musik! einschläfernde Musik!

Puk (zu Zettel.)Wenn du erwach'st, so gukeAus deinen eignen Narren-Augen wieder.

Oberon.Ertöne fort, Musik! leg' Hand mit mirTitania an, den Grund zu wiegen,Wo diese holden Schläfer ligen.Die Freundschaft zwischen mir und dirIst nun erneut, und daure für und für.Morgen in der MitternachtWollen wir, wie im Triumphe,Wir mit allen unsern Elfen,Herzog Theseus Haus durchtanzen,Und bis zu den fernsten EnkelnEs mit unserm Segen weihen.

Puk.Feen-König, horch! mein OhrHört der frühen Lerchen Chor.

Oberon.So laß uns dann, o Königin,Den Schatten nach in ernster Stille fliehn.

Titania.Komm, mein Gemahl, und weil wir fliehn,Enträthsle mir die Wunder dieser Nacht;Und wie es kam, daß man mich hierBey diesen Sterblichen schlafend fand?

(Sie gehen ab. Die Schlafenden bleiben liegen. Man hörtHifthörner.)

Zweyter Auftritt.(Theseus, Hippolita, Egeus und Gefolge.)

Theseus.Geh' einer von euch, sucht den Forster auf,Denn unsre Mayen-Andacht ist geendigt;Und weil die Dämm'rung günstig ist, soll iztHippolita die Musik meiner Hunde hören.Eilt, hohlt den Forster, und entfesselt sie.Wir wollen, meine schöne Königin,Auf dieses Berges Gipfel steigen, undVon da die musicalische VerwirrungVom Laut der Hunde mit dem Nachhall hören.

Hippolita.Ich war mit Herkules und Cadmus einstAls sie in einem Walde von DictynnaDen Bären mit Spartanischen Hunden hezten.Nie hört' ich solch ein prächtiges Getöne.Nicht nur die Büsche, Luft, und Berg, und Quellen,Die ganze Gegend schien ein einzigesZusammenstimmendes Geschrey. Ich hörte nieSolch eine musicalische Dissonanz,Solch einen anmuthsvollen Donner.

Theseus.Auch meine Hunde sind von Spartas Art,So kurz von Haar, so barticht, so mit Ohren,Die, schlapp und niederhangend von dem GraseDen Thau wegwischen, krumm von Knie, und hautigAm Halse wie Thessaliens Stiere, langsamIm Jagen, aber wie ein GlokenspielIm Laut gestimmt, stets einer unter'm andern.Nie ward ein schöneres Getön in Creta,Noch Sparta, noch Thessaliens Plänen,Vom Jagdgeschrey und Hifthorn aufgemuntert.Urtheile, wenn du hörst. Doch still, was sindFür Nymphen hier?

Egeus.Mylord, es ist mein Mädchen;Diß Helena, des alten Nedars Tochter;Und diß Lysander, diß Demetrius, alleSchlafend! Mich wundert, wie sie hier zusammenGekommen.

Theseus.Ohne Zweifel standen sieFrüh auf, die festlichen GebräucheDes Mayen zu begeh'n, und auf die NachrichtVon unserm Vorsaz kamen sie hieherUm unsre Feyrlichkeit zu zieren.Doch, sprich Egeus, ist diß nicht der Tag,An welchem Hermia ihre Wahl entdeken soll?

Egeus.Er ists.

Theseus.Geh', laß die Jäger sie mit ihren Hörnern weken.

(Hifthörner und Jagdgeschrey innerhalb der Scene.)

(Demetrius, Lysander, Hermia und Helena erwachen, und stehen erschroken auf.)

Theseus.Ihr Freunde, guten Tag! Sanct ValentinIst schon vorbey: Wie, fangen diese VögelErst izo sich zu paaren an?

Lysander.Vergebung,Mein königlicher Herr!

Theseus.Ich bitte, stehet aufIch weiß es, daß ihr Feind' und Nebenbuhler seyd.Woher dann diese Eintracht, und wie kömmt'sDaß Haß, so fern von Eifersucht, bey HaßIn diesem Hayne schläft, und keine Feindschaft fürchtet?

Lysander.Halb wach, halb schlafend, und ob allem demWas mir begegnet, selbst erstaunt, was soll ichZur Antwort geben? Glaubet meinem Schwure,Ich kan nicht sagen, wie ich eigentlichHieher gekommen—Doch mich dünkt, (denn gerneWollt ich die Wahrheit sagen) izo, ja!Besinn' ich wieder mich, so ist's, mit HermiaKam ich hieher. Wir wollten von AthenAn einen Ort entflieh'n, wo wir sicherVor dem Athenischen Geseze wohnen könnten.

Egeus.Genug, genug, mein Fürst; ich ford're wieder ihnDie Strenge des Gesezes, das GesezAuf sein verwürktes Haupt! Ihr Vorsaz warSich wegzustehlen, und dadurch, DemetriusUns beyde zu berauben; deines Weibes, dich,Mich meiner Einwilligung—

Demetrius.Mylord, die schöne HelenaVerrieth mir ihre Flucht, und ihren Vorsaz,In diesem Hayne sich bey Nacht zu finden;In Wuth verfolgt' ich sie, mir folgt' aus LiebeDie schöne Helena! Nun, mein gnädiger Herr,Durch was für eine Gottheit weiß ich nicht,Doch ist es wahrlich einer Gottheit Werk,Daß meine Leidenschaft für Hermia wegWie Schnee geschmolzen ist, mir izo nurWie die Erinn'rung scheint an eine Puppe,Wornach ich mich in meiner Kindheit sehnte;Und aller Trieb', und Kräfte meines HerzensEinziger Gegenstand, die Wonne meiner AugenDiß holde Mädchen ist. Ihr, Mylord, warIch schon versprochen, eh ich Hermia sah';Wie uns in Krankheit sonst geliebte SpeisenOft widersteh'n, so gieng es mir mit ihr:Doch da ich nun zu meinem vorigenNatürlichen Geschmak genesen bin;Nun wünsch ich, lieb ich sie, und sehne michNach ihr, und werd' ihr immer treu verbleiben.

Theseus.Ihr habt euch, holde Günstlinge der Liebe,Zu euerm Glük zusammen hier gefunden.Egeus, nun übertret' ich euern Willen selbst,Denn dieses Doppel-Paar soll neben unsAuf ewig am Altar verbunden werden.Und da der Morgen nun verstrichen ist,Soll unsre Jagd auf eine andre ZeitVerschoben seyn. Kommt mit uns nach Athen,Und helft die Feyrlichkeit von unserm Fest vermehren.

(Der Herzog, Hippolita, und Gefolge gehen ab.)

Demetrius.Diß alles was uns hier begegnet ist,Scheint klein und unerkennbar, gleich entferntenGebürgen, die in Wolken sich verliehren.

Hermia.Mich dünkt, ich sehe diese Dinge mitGetheilten Augen, die mir alles doppeltErscheinen machen.

Helena.Eben so ist's mir,Ich fand Demetrius hier gleich einem Kleinod*Mein eigen, und nicht mein eigen.

{ed.-* Hr. Warbürton findet hier den Text dunkel, und glaubt durch Veränderung des Wortes (Jewel) (Kleinod) in (Gemell) (Zwilling) alles deutlich zu machen. Weil ich aber seine Verbesserung weit dunkler finde als den Text, so bin ich bey dem leztern geblieben, der meiner Meynung nach, einen ganz richtigen Sinn darbietet.}

Demetrius.Mich dünkt'sWir schlafen, träumen noch. Kam's euch nicht vor,Der Herzog sey hier, und heiß' uns folgen.

Hermia.Ja, und mein Vater.

Helena.Und Hippolita.

Lysander.Und sagt uns, in den Tempel ihm zu folgen.

Demetrius.Wie denn, so wachen wir; laßt uns ihm folgen,Und unterwegs uns unsre Träum' erzählen.

(Sie gehen ab.)

Dritter Auftritt.(Wie sie abgehen, erwacht Zettel.)

Zettel. Wenn mein Merkwort kömmt, so ruft mir, und ich will antworten. Mein nächstes ist—O schönster Pyramus—hey! Holla!—Peter Squenz, Flaut der Blasbalgfliker! Schnauz, der Keßler! Schluker! Beym Element, sie sind alle fortgelauffen; und lassen mich hier schlaffen. Ich habe eine höchst seltsame Vision gehabt. Ich hatte einen Traum, es geht über Menschen-Wiz zu sagen, was für ein Traum das war: Ein Mensch ist nur ein Esel, wenn er sich einfallen lassen will, diesen Traum zu begreiffen. Mich dünkte ich war, kein Mensch kan sagen was. Mich dünkte ich war, und mich dünkte ich hatte— Doch ein Mensch wäre nur ein ausgemachter Narr, wenn er sich dafür austhun wollte, zu sagen was ich hatte. Keines Menschen Auge hat gehört, keines Menschen Ohr hat gesehen; keines Menschen Hand ist vermögend zu schmeken, noch seine Zunge zu begreiffen; noch sein Herz zu erzählen, was mein Traum war. Ich will Peter Squenz bitten, daß er einen Gesang aus diesem Traum mache; er soll Zettels Traum genennt werden, und ich will ihn zu Ende des Spiels vor dem Herzog absingen; vielleicht, um es noch graziöser zu machen, will ich ihn singen, wenn ich mich erstochen habe.

(Geht ab.)

Vierte Scene.(Die Stadt.)(Squenz, Flaut, Schnauz und Schluker.)

Squenz. Habt ihr nach Zettels Hause geschikt? Ist er noch nicht heim gekommen?

Schluker. Man hört kein Wort von ihm. Ohne Zweifel haben ihn die Geister davon geführt.

Flaut. Wenn er nicht kömmt, so ist das Spiel verdorben. Es geht nicht vor sich, thut es?

Squenz.Es ist unmöglich. Ihr findet keinen Mann in ganz Athen, der imStand wäre, den Pyramus vorzustellen, als ihn.

Flaut.Nein, er hat kurzum den besten Kopf unter allen Handwerksleuten inAthen.

Squenz. So ists, und die beste Person dazu; er ist ein rechter Gegenstand für eine zarte Stimme. (Schnok kömmt.)

Schnok. Ihr Herren, der Herzog kömmt aus dem Tempel, und es sind noch zwey oder drey Herren und Damen mehr vermählt worden. Wenn unser Spiel vor sich gegangen wäre, so wären wir alle gemachte Leute gewesen.

Flaut.O du guter Zettel, du hast einen Sechser des Tags für dein ganzesLebenlang verlohren. Mein Seel! er hätte einem Sechser des Tagsnicht entgehen können. Wenn ihm der Herzog nicht einen Sechser desTags für den Pyramus gegeben hätte, so will ich gehangen seyn.Einen Sechser des Tags für Pyramus, oder nichts. (Zettel kömmt.)

Zettel.Wo sind die Jungens? wo sind diese Hasen-Herzen?

Squenz.Zettel!—O! höchst curaschöser Tag! o glükselige Stunde!

Zettel. Ihr Herren, ich habe Wunderdinge zu erzählen, aber fragt mich nicht was; denn, ich will kein ehrlicher Athener seyn, wenn ich's euch sage. Ich will euch alles sagen, wie es gegangen ist.

Squenz.Laß uns hören, lieber Zettel.

Zettel. Nicht ein Wort von mir. Alles was ich euch sagen will, ist, daß der Herzog zu Mittag gegessen hat. Schaft eure Zurüstungen herbey, gute Strike für eure Bärte, neue Bänder für eure Stiefeletten; kommet alle bey dem Pallast zusammen, jedermann übersehe seinen Part; denn, ohne langes und breites, das Ende vom Lied ist, unser Spiel wird den Vorzug bekommen. Auf allen Fall, laßt Thisbe weisse Wäsche anziehen; und laßt den der den Löwen spielen soll, seine Nägel nicht abschneiden, denn sie müssen als des Löwen Klauen heraus hangen: Und meine werthesten Agenten, esset mir ja weder Zwiebel noch Knoblauch; denn wir müssen einen süssen Athem von uns geben, und ich zweifle nicht, sie werden sagen, es ist eine recht süsse Comödie. Keine Worte mehr, ab! Tretet alle ab.

(Sie gehen.)

Fünfter Aufzug.

Erster Auftritt.(Der Pallast.)(Theseus, Hippolita, Egeus und Gefolge.)

Hippolita.Das sind, mein Theseus, wunderbare Dinge,Was diese Liebenden erzählen.

Theseus.Mehr wunderbar als wahr. Ich habe niemalsVon diesen alten Fabeln, Feen-MährchenUnd Zaubereyen was geglaubt. VerliebteSind hierinn den Verrükten ähnlich: BeydeMit so erhiztem Hirn, so schöpfrischerEinbildungskraft begabt, sich vorzustellen,Was ruhige Vernunft nicht fassen kan.Mondsüchtige, Poeten und VerliebteSind lauter Phantasie; der eine siehtMehr Teufel, als die weite Hölle faßt;Indeß daß der Verliebte, gleich phrenetischIn einer Mohrin Ledas Schönheit sieht.Des Dichters Aug' in feinem Wahnwiz rollend,Blizt von der Erde zum Olymp, vom HimmelZur Erd'; und wie die Phantasie GestaltenVon unbekannten Dingen ausgebiert,So bildet sie sein Kiel, und giebt dem lüftigen UndingVerbindung, Ort und Zeit, und einen Namen.So ist die Phantasie gewohnt zu würken;Sobald sie irgend eine Lust empfindt,Erfindt sie einen Schöpfer dieser Lust;Denn wenn bey Nacht uns eine Furcht befällt,Wie leicht ist's, einen Busch für einen Bär zu halten.

Hippolita.Doch diese ganze NachtgeschichteMit ihren Folgen, dieser wunderbarenVerwandlung ihrer Seelen, zeugt von mehrAls Dichtungen der Phantasie, und wächßtZu etwas, das zusammenhängend ist;Und doch darum nicht minder unbegreiflich. (Lysander, Demetrius,Hermia und Helena treten auf.)

Theseus.Hier kommen sie, voll Lust und Frölichkeit.Heil, holde Freunde, Heil und frische TageDer Lieb', ein Frühling dem kein Winter folge,Begleite eure Herzen—

Lysander.So mögen sie, in ungezählter MengeUm Eure Hoheit wachen.

Theseus.Kommet nun,Was haben wir für Masken, was für Tänze,Um diesen langen Zeitlauf von drey Stunden,Vor schlafengehn, hinwegzuscherzen?Wo ist der Meister unsrer Lustbarkeiten?Was Spiele giebt's? Ist nicht ein Schauspiel da,Die Pein von einer langen Stunde zu erleichtern?Ruft Philostrat herbey. (Philostratus kömmt.)

Philostratus.Hier, mächtiger Theseus.

Theseus.Was hast du, diesen Abend zu verkürzen?Was für Ballette, für Musik und Tänze?Wie können wir die träge Zeit betrügen,Wenn nicht durch irgend eine Lustbarkeit?

Philostratus.Hier, Prinz, ist eine Liste von den Spielen,Die eurer Hoheit Wahl und Wink erwarten.

Theseus (ließt.)

(Die Schlacht mit den Centauren, von einem Athenischen Castraten zur Harfe abzusingen.)

Wir wollen nichts hievon. Das hab ich meiner BrautZu Ehren meines Vetters, Herkules,Vorlängst erzählt. (Der Aufruhr der berauschtenBachantinnen, wie sie in ihrer WuthDen Sänger Thraciens zerreissen.)Ein altes Stük, das schon gespielet wardAls ich von Thebe siegreich wieder kam. (Die dreymal drey Musen,welche den Tod der Gelehrtheit beweinen, die unlängst imBettelstand verschieden.) Das ist irgend eine kühne critischeSatyre,Die sich zu hochzeitlichen Feyrlichkeiten nicht schikt. (Einetediose kurze Scene von dem jungen Pyramus, und seiner liebenThisbe, recht tragicalisch-lustig). Lustig und tragisch? tediosund kurz?Das ist heisses Eis, eine seltsame Art von Schauspiel. Wie sollenwir den Sinn dieses Unsinns errathen?

Philostratus. Mylord; es ist ein Schauspiel, ungefehr ein Duzend Worte lang, so kurz als ich je ein Schauspiel gesehen habe, aber gerad um zwölf Worte zu lang, wodurch es tedios wird; denn in dem ganzen Schauspiel ist kein Wort am rechten Orte, und kein Spieler taugt etwas. Tragisch ist es, denn Pyramus ersticht sich darinn, welches, ich muß bekennen als ich das Stük probieren sah, mir das Wasser in die Augen trieb; aber lustigere Thränen hat der Affect des lauten Lachens nie vergossen.

Theseus.Wer sind die, die es spielen?

Philostratus.Männer von rauhen Händen, die hier in Athen arbeiten, aber derenSeelen bis izo noch nie gearbeitet, und die nun ihre Memorien mitdiesem Schauspiel auf Euer Vermählungsfest zermartert haben.

Theseus.Wir wollen es hören.

Philostratus. Nein, mein Gebieter, es ist nicht für euch. Ich hab es ganz gehört, und es ist nichts, nichts in der Welt; es wäre dann wenn euch ihre Absicht belustigen könnte, die sich mit jämmerlicher Mühe aufs äusserste angestrengt, um euch ihre Aufwartung zu machen.

Theseus.Ich will dieses Stük hören; denn niemals ist etwasverschmähenswürdig, das von Einfalt und Pflicht dargeboten wird.Geh', bring sie her, und sezet euch, Mesdames.

Hippolita. Ich sehe nicht gerne die Unglükseligkeit die unter ihrer Last einsinkt, und die Pflicht, die in ihrem Dienst zu Grunde geht.

Theseus.Wie, holde Liebe, du sollt nichts dergleichen seh'n.

Hippolita.Er sagt, sie können nichts in dieser Art.

Theseus. Desto gütiger sind wir, wenn wir ihnen für Nichts danken. Unsere Lust wird seyn, zu verstehen, was sie mißverstehen; ein großmüthiger Sinn schäzt das was die arme willige Pflicht thut, nach dem Vorsaz, nicht nach dem Werth. Wie ich hieher kam, hatten sich grosse Gelehrte vorgesezt, mich mit studierten Glükwünschen zu begrüssen; ich sah sie zittern und bleich werden, mitten in einem Saz Perioden machen, ihren gekünstelten Accent vor Angst erstiken, und zulezt auf einmal verstummen, ehe sie mich nur willkommen geheissen. Glaubet mir, meine Angenehmste, aus diesem Stillschweigen selbst brachte ich einen Willkomm heraus; und die Bescheidenheit der schüchternen Pflicht sagte mir mehr, als die rasselnde Zunge der unverschämten und zuversichtlichen Beredsamkeit. Mit einem Wort, Liebe und unberedte Einfalt reden für mich am verständlichsten. (Philostratus kömmt.)

Philostratus.Der Prologus ist fertig, wenn es Euer Hoheit gefällt.

Theseus.Laßt ihn auftreten.

Zweyter Auftritt.(Squenz tritt als Vorredner auf.)

Vorredner.Wenn wir mißfallen thun, so ist's mit gutem Willen;Der Vorsaz bleibet gut, wenn wir ihn nicht erfüllen;Zu zeigen unsre Pflicht durch dieses kurze Spiel,Das ist der wahre Zwek von unserm End und Ziel.Erwäget also dann, warum wir kommen fein.Wir kommen nicht, als sollt ihr euch daran ergözenDie wahre Absicht ist—zu eurer Lust alleinWir sind nicht hier—daß wir in Reu euch sezen.Die Spieler sind bereit—wenn ihr sie werdet sehen,So wißt ihr alles schon, was ihr nur wollt verstehen.

Theseus.Dieser Bursche geht nicht auf Stelzen.

Lysander. Er hat seinen Prologus geritten, wie ein junges Füllen; er weiß noch nicht, wo er Halt machen soll. Eine gute Moral, Mylord. Es ist nicht genug daß man rede, man muß auch wahr reden.

Hippolita. In der That, er hat auf seinem Prologus gespielt, wie ein Kind auf der Flöte; er brachte wol einen Ton heraus, aber keine Note.

Theseus.Seine Rede war wie eine verwikelte Kette, alles zusammenhängend,aber alles in Unordnung. Wo ist nun der folgende? (Pyramus undThisbe, Wand, Monschein und Löwe treten als stumme Personen auf.)

Vorredner.Was diß bedeuten soll, das wird euch wundern müssen,Bis Wahrheit alle Ding stellt an das Licht herfür.Der Mann ist Pyramus, wofern ihr es wollt wissen,Und diese Fräulein schön, ist Thisbe, glaubt es mir.Der Mann mit Pflaster hier und Leimen soll bedeutenDie Wand, die garst'ge Wand, die ihre Lieb thät scheiden;Doch freut es sie, drob auch sich niemand wundern soll,Wenn durch die Spalten klein sie konnten flüstern wol.Der Mann da mit Latern, und Hund, und Busch von DornDen Monschein präsentiert; denn wenn ihr's wollt erwägen,Beym Monschein hatten die Verliebten sich geschwohr'n,Zu geh'n nach Nini Grab, und dort der Lieb' zu pflegen.Diß gräßlich wilde Thier, von Namen Löwe groß,Die treue Thisbe die des Nachts zuerst gekommen,Thät scheuchen ja vielmehr erschreken, daß sie bloßDen Mantel fallen ließ und blutt die Flucht genommen;Drauf dieser schnöde Löw in seinen Rachen nahm,Und ließ mit Blut beflekt den Mantel lobesam.Sofort kömmt Pyramus, ein Jüngling wolgemuth,Findt seiner Thisbe treu ihr'n Mantel voller Blut,Worauf er mit dem Deg'n, mit blut'gem bösem Degen,Die blut'ge heisse Brust sich dapferlich durchstach;Und Thisbe, die indeß im Maulbeer-Schatten g'legen,Zog seinen Dolch heraus und sich das Herz zerbrach.Was noch zu sagen ist, das wird, glaubt mir fürwahr,Euch Mondschein, Wand und Löw, und das verliebte Paar,Der Läng' und Breite nach, so lang sie hier verweilen,Erzählen, wenn ihr wollt, in wolgereimten Zeilen.

(Alle treten ab, bis auf Wand.)

Theseus.Mich wundert, ob der Löwe reden wird?

Demetrius.Warum nicht ein Löwe, Mylord, da Esel reden können?

Wand.In dem besagten Spiel es sich zutragen thut,Daß ich, Tom Schnauz genannt, die Wand vorstelle gut,Und eine solche Wand, wovon ihr solltet halten,Sie sey durch einen Schliz, recht durch und durch gespalten:Wodurch denn Pyramus und seine Thisbe feinOft flüsterten fürwahr ganz leis' und ingeheim.Der Merdel, und der Leim, und dieser Stein thut zeigen,Daß ich bin diese Wand, ich will's euch nicht verschweigen.Und diß die Spalte ist, zur Linken und zur Rechten,Wodurch die Buhler zwey sich thäten still besprechen.

Theseus.Könntet ihr fodern, daß Leim und Haar besser sprechen sollten?

Demetrius. Mylord, es ist die sinnreichste Erfindung, von der ich jemals gehört habe.

Theseus.Pyramus nähert sich der Wand; stille! (Pyramus tritt auf.)

Pyramus.O Nacht so schwarz von Farb! o grimmerfüllte Nacht!O! Nacht als jemals schien, wenn es nicht Tag mehr war!O Nacht, o Nacht, o Nacht! ach! ach! ach, Himmel, ach!Ich fürcht' mein' Thisbe hat ihr Wort vergessen gar!Und du, o Wand, o süß und liebenswerthe Wand,Die zwischen unsrer bey—der Eltern Haus thut stehen,Du Wand, o Wand, o süß und liebenswerthe Wand,Zeig deine Spalte mir, daß ich dadurch mag sehen,Hab Dank, du gute Wand! Der Himmel lohn' es dir!Jedoch was seh' ich dort? Thisbe die seh' ich nicht.O böse Wand, durch die ich nicht seh' meine Zier!Verflucht sey'n deine Stein! daß du so äffest mich!

Theseus. Mich dünkt, die Wand sollte wieder zurük fluchen, weil sie empfindlich ist.

Pyramus. Nein, fürwahr, Herr, sie muß nicht. Äffest mich, ist Thisbes Merkwort; sie wird gleich kommen, und ich muß sie durch die Wand ausspähen. Ihr werdet sehen, es wird gerade so gehen, wie ich euch sage. Da kömmt sie schon. (Thisbe tritt auf.)

Thisbe.O Wand, oft hast du schon gehört das Seufzen mein,Mein'n schönsten Pyramus weil du so trennst von mir!Mein rother Mund hat oft geküsset deine Stein,Dein' Stein' mit Haar und Leim geküttet auf in dir.

Pyramus.Ein' Stimm' ich sehen thu, ich will zur Spalt' und schauen,Ob ich nicht hören kan mein'r Thisbe Antliz klar.Thisbe!

Thisbe.Diß ist mein Schaz! Mein Liebchen ists! fürwahr.

Pyramus.Denk was du willt, ich bin's; du kanst mir sicher trauen.Und gleich Limander bin ich treu nach meiner Pflicht.

Thisbe.Und ich gleich Helena, bis mich der Tod ersticht.

Pyramus.So treu war Schefelus zu seiner Procrus nicht!

Thisbe.Wie Procrus Scheflus liebt', lieb' ich dein Angesicht.

Pyramus.O küß mich durch das Loch von dieser garst'gen Wand!

Thisbe.Mein Kuß trift nur das Loch, nicht deiner Lippen Rand.

Pyramus.Willt du bey Ninnys Grab heut Nacht mich treffen an.

Thisbe.Sey's lebend oder todt, ich komme wenn ich kan.

Wand.So hab ich Wand nunmehr mein'n Part gemachet gut,Und nun sich also Wand hinwegbegeben thut.

(Geht ab.)

Theseus.So ist die Scheidwand zwischen beyden Nachbarn auf einmal gefallen.

Demetrius.Kein Wunder, Mylord, da sie so willig war, sich aufzurichten.

Hippolita.Elenderes Zeug hab ich niemals gehört.

Theseus. Das Beste in dieser Art ist nur Schatten; und das Schlechteste ist nicht schlechter, wenn ihm die Einbildungskraft nachhilft.

Hippolita.So muß es also eure Einbildungskraft seyn, nicht die ihrige.

Theseus. Wenn wir nicht schlechter von ihnen denken als sie von sich selbst, so können sie für vortrefliche Leute passieren. Hier kommen zwey edle Bestien, in der Person eines Menschen und eines Löwen. (Löwe und Monschein treten auf.)

Löwe.Ihr Fräulein, deren Herz fürchtet die kleinste Maus,Die in monstroser G'stalt thut an dem Boden schweben,Möcht izo zweifelsohn erzittern und erbeben,Wenn Löwe rauh von Wuth läßt sein Gebrüll heraus.So wisset dann, daß ich Hans Schnok, der Schreiner bin,Kein böser Löw fürwahr noch eines Löwen Weib;Denn käm' ich als ein Löw und hätte Harm im Sinn,So daurte, meiner Treu! mich nur mein g'rader Leib.

Theseus.Eine höfliche Bestie, und recht gewissenhaft.

Lysander.Dieser Löwe ist ein vollkommener Fuchs an Herzhaftigkeit.

Theseus.Das ist wahr, und eine Gans an Discretion.

Demetrius. Nicht so, Mylord, denn seine Herzhaftigkeit kan seiner Discretion nicht Meister werden, wie ein Fuchs einer Gans.

Theseus. Ohne Zweifel kan seine Discretion seine Herzhaftigkeit nicht bemeistern, denn eine Gans bemeistert keinen Fuchs. Gut! wir wollen seine Discretion davor sorgen lassen, und izt hören, was uns der Mond zu sagen hat.

Mondschein.Den wolgehörnten Mond d'Latern z'erkennen giebt.

Demetrius.Er sollte die Hörner an seiner Stirne tragen.

Theseus.Er ist nicht im Zunehmen; seine Hörner steken unsichtbar in derPeripherie.

Mondschein.Den wolgehörnten Mond d'Latern z'erkennen giebt,Ich selbst den Mann im Mond, wofern es euch beliebt.

Theseus. Das ist noch der gröste Fehler unter allen; man hätte den Mann in die Laterne sezen sollen; wie kan er sonst der Mann im Monde seyn?

Demetrius. Er darf es nicht wegen der Kerze; Ihr sehet ja, daß sie schon lauter Buzen ist.

Hippolita.Dieser Mond macht mir lange Weile; ich wollte, er änderte sich.

Theseus.Man sieht an seinem bescheidnen Licht, daß er im Abnehmen ist; ausHöflichkeit und von rechtswegen müssen wir nun schon das Endeabwarten.

Lysander.Komm besser hervor, Mond!

Mondschein.Alles was ich zu sagen habe, ist euch zu melden, daß diese Laterneder Mond ist; ich, der Mann im Mond, dieser Dornbusch, meinDornbusch, und dieser Hund, mein Hund.

Demetrius. Alle diese Dinge sollten also in der Laterne seyn. Doch stille, hier kömmt Thisbe. (Thisbe tritt auf.)

Thisbe.Diß ist ja Ninnys Grab, wo ist mein Liebchen dann?

Löwe.Oh!—

(der Löwe brüllt, Thisbe läuft davon.)

Demetrius.Wol gebrüllt, Löwe.

Theseus.Wol geloffen, Thisbe.

Hippolita. Wol geschienen, Mond. In der That, der Mond scheint mit einer recht guten Art.

Demetrius.Und da kam Pyramus.

Lysander.Und da verschwand der Löwe. (Pyramus tritt auf.)

Pyramus.Ich dank dir, süsser Mond, für deine Sonnenstralen,Die also hell und schön den Erdenball bemahlen;Dieweil bey deinem Gold und funkelnd süssem LichtZu kosten ich verhoff mein'r Thisbe Angesicht.

Doch halt! o Pein!Was soll diß seyn?Was für ein Graus ist diß?Aug, siehst du noch?O! schweres Joch!Mein Herz, mein Liebchen süß,Dein Mantel gut,Beflekt mit Blut!Ihr Furien kommt in Trab,Herbey und rächtUnd löscht und brechtDen Lebensfaden ab!

Theseus. Diese Leidenschaft und der Tod eines werthen Freundes, würden nahe zu hinreichen, einen Mann finster sehen zu machen.

Hippolita. Ich möchte mir selbst Böses wünschen, daß ich mich nicht verwahren kan, den Mann zu bedauern.

Pyramus.Warum denn, o Natur, thätst du den Löwen bauen?Weil solch ein schnöder Löw mein' Lieb' hat defloriert;Sie welche ist—Nein! war—die schönste aller Frauen,Die je des Tages Glanz mit ihrem Schein geziert.

Komm, Thränenschaar,Aus, Schwerdt, durfahrDie Brust des Pyramo!Die Linke hier,Wo s'Herz hüpft mir,So sterb' ich denn, So, so!Nun bin ich tod,Aus ist die Noth,Mein' Seel im Himmel lacht;Verliehr dein'n Schein,O Zunge mein,Flieh' Mond; gut Nacht, gut Nacht!

Demetrius.So stirb dann, oder ein Aß für ihn, denn er ist doch eines.

Lysander.Minder als ein Aß, Mann; denn er ist todt; er ist nichts.

Theseus. Mit Hülfe eines Barbiers möchte er vielleicht noch aufkommen, und ein Aß werden.

Hippolita.Wie? der Mondschein ist gegangen, eh Thisbe zurük kömmt, und ihrenLiebhaber findet. (Thisbe kömmt.)

Theseus.Sie wird ihn beym Sternenlicht finden. Hier kömmt sie, und ihrePassion endet das Spiel.

Hippolita. Mich dünkt, sie sollte keine lange für einen solchen Pyramus nöthig haben; ich hoffe sie wird kurz seyn.

Thisbe. Schläfst du, mein Kind?Steh auf geschwind!Wie? Täubchen, bist du todt?O! Sprich, o sprich!O! rege dich!Ach! todt ist er! O Noth!Dein Lilien-Mund,Dein Auge rund,Wie Schnittlauch frisch und grün,Dein Kirschen-Nas'Dein' Wangen blaßDie wie ein Goldlak blüh'n,Soll nun ein SteinBedeken fein,O klopf, mein Herz, und brich!Ihr Schwestern dreyKommt, kommt herbey,Und leget Hand an mich!Schweig, Zunge still,Komm, Schwerdt, und zielNach meines Busens Schnee;So fahr ich hinMit treuem Sinn,Adieu, adieu, adieu!

(stirbt.)

Theseus.Monschein und Löwe sind noch übrig, die Todten zu begraben.

Demetrius.Ja, und (Wand) auch.

Zettel.Nein, ich versichre euch, die Wand ist niedergerissen, die ihrerVäter Häuser trennte. Gefällt es euch den Epilogus zu sehen, odereinen Bergomasker-Tanz zwischen zween aus unsrer Companie zu hören?

Theseus. Keinen Epilogus, wenn ich bitten darf. Euer Schauspiel bedarf keiner Entschuldigung. Keine Entschuldigung! Denn wenn die Schauspieler alle todt sind, so hat man nicht nöthig jemand zu tadeln. Wahrhaftig, wenn der Autor dieses Stüks den Pyramus gemacht, und sich selbst an Thisbes Strumpfband erhenkt hätte, so wäre es eine feine Tragödie gewesen; und das ist es auch, in der That, und auf eine recht merkwürdige Art vorgestellt. Aber kommt, euer Ballet; laßt euern Epilogus nur weg.

(Hier folgt ein Tanz von Bauern.)

Theseus. Schon hat die eiserne Zunge der Mitternacht zwölfe geruffen. Ihr Liebhaber, zu Bette! Es ist schon Feen-Zeit. Ich fürchte, wir werden den nächsten Morgen verschlaffen, wie wir diese Nacht verwacht haben. Dieses handgreiflich-dumme Schauspiel hat uns doch den schweren Gang der Nacht unmerklich gemacht. Zu Bette, lieben Freunde. Vierzehn solche Nächte sollen noch mit nächtlichen Spielen, und immer ändernden Lustbarkeiten zugebracht werden.*

{ed.-* Hier folget im Original noch ein kleiner Feen-Auftritt, wo Puk zuerst mit einem Besem erscheint, um das Haus zuvor auszukehren, Oberon und Titania aber mit ihrem Gefolge dasselbe durchtanzen, und durch einen Gesang einsegnen. Es ist mir unmöglich gewesen, diese Scene, welche ohnehin bloß die Stelle eines Divertissement vertritt, in kleine gereimte Verse zu übersezen; in Prosa aber, oder in einer andern Versart als in kleinen Jamben und Trochäen, würde sie das tändelnde und Feen-mässige gänzlich verlohren haben, das alle ihre Anmuth ausmacht.}

Ein St. Johannis Nachts-Traum, von William Shakespeare(Übersetzt von Christoph Martin Wieland).


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