Die dicke Hauskapelle und die Ameisen.
Der Dicke ist ein guter Prophet; denn da oben bricht soeben ein mordsmäßiger Lärm los. Alles drängt sich um Dittmer herum und scheint auf ihn loszugehen; jetzt schlagen sie sogar auf ihn ein, und dazwischen schallt es drohend: »Feste! Immer feste! Totschlagen!«
Doktor Fuchs stürmt in aller Eile die Höhe hinauf. Schon von weitem schreit er: »Was ist denn los? Was ist denn los?«
Rohloff kommt ihm entgegen: »Herr Doktor! HerrDoktor! Der Dittmer hat sich in einen Ameisenhaufen gesetzt!«
Da ist Doktor Fuchs beruhigt. Er steht jetzt erst einen Augenblick still und schnappt nach Luft. »Na,derSchaden läßt sich ja kurieren!«
Nun ist er oben, wo sich der Dittmer immer noch wie wild gebärdet. »So, Dittmer,« befiehlt Doktor Fuchs, »nun zieh erst mal die Jacke aus! – Und nun die Weste!«
»Au! Das juckt, Herr Doktor!«
»Ja, ja, glaube ich dir; aber es muß eben dann alles aus. Wir wollen dir die Biester schon absuchen!«
»Aber, Herr Doktor!«
»Na, dann lauf mit dem Insektenzeug den ganzen Tag umher! Das Hemde kannst du ja anbehalten. Ganz als Naturgriechen wollen wir dich ja nicht gleich sehen!« –
Gesagt, getan! Der Dittmer wird ordentlich abge–ameist, und gute und schlechte Witze muß er dabei noch über sich ergehen lassen.
»Herr Doktor,« sagt da zum Beispiel der Fritze Köhn, »es gibt also auch springende Ameisen!«
»So viel ich weiß, nicht!«
»Na frag’ ich aber bloß eenen Menschen! Eben sprang so ein kleines, schwarzes Tierchen hier herunter.«
»Unsinn!« ist der dicke Puntz schnell auf dem Plan. »Springende Ameisen heißen eben Flöhe! Der Dittmer wird wohl nebenbei auch solche Tiere haben!«
Dittmer aber versteht jetzt gar keinen Spaß.
»Rede keenen Stuß,« sagt er sehr gereizt, »sonst kriegst du ein paar! Hier kriecht noch eine. Fasse mal schnell zu!«
»Halt! Hier auch noch eine!« Damit sengt der dickePuntz dem Ameisenmenschen eins auf, daß der gleich in seinem Hemde einen kolossalen Luftsprung macht. Zum Trost und zum Spott aber beruhigt ihn der Dicke: »Du, die ist wirklich tot!«
Schließlich ist der Dittmer ameisenrein und auch wieder in seinen Sachen. Aber es ist ihm doch noch den ganzen Tag, als ob es hier und da juckt, und er vermißt sich jetzt hoch und heilig, er würde jede Ameise tottreten, die er fände, und jeden Ameisenhaufen auseinanderstökern.
»Na schön, Dittmer!« unterbricht Doktor Fuchs diese Beteuerungen. »Aber, bitte, nur heute noch nicht! Laß uns erst mal über den Buckel hinaufsein; auf dem schönen, breiten, ebenen Weg können wir dann alle mehr zusammengehen. Da werde ich euch etwas über die Ameisen erzählen.«
So steigt man wieder lustig bergan, immer an einem großen Zaun entlang. Über den froh dahinziehenden Jungen rauschen die Wipfel der hochstämmigen Kiefern; leise ächzen die knorrigen Äste. Lichte Wölkchen schwimmen im blauen Äther, und alles spricht so zum frischen Sinn und zum fröhlichen Herzen, daß der Puntz auf einmal seine Mundharmonika hervorzieht, und dünn, aber doch auch scharf genug fällt es ins Ohr, das immer schöne, immer frische
»Muß i denn, muß i dennzum Städtele hinaus, Städtele hinaus!«
»Muß i denn, muß i dennzum Städtele hinaus, Städtele hinaus!«
»Muß i denn, muß i dennzum Städtele hinaus, Städtele hinaus!«
»Muß i denn, muß i denn
zum Städtele hinaus, Städtele hinaus!«
Ach, da zuckt es den Jungen in den Beinen. Einige fangen an zu singen, und oben ist man auch schon auf den Havelbergen. Lang dehnt sich ein schöner, breiter Weg zwischen den Bäumen, ein sogenannter Jagenweg, vor dem sich weitenden Blick dahin. Soeben erklärt Doktor Fuchs:»Da ganz hinter müssen wir! Dann schwenken wir rechts ab und kommen wieder zur Havel hinunter. Nun flott vorwärts! Die Hauskapelle voran!«
»Was soll ich denn spielen, Herr Doktor?«
»Na, Dicker, nicht gebieten werd’ ich dem Sänger! Du scheinst ja auch ein ganzes Repertoire zu haben!«
»Herr Doktor! Herr Doktor! Der kann alles!«
»Na also, Dicker! Die Wahl überlassen wir dir selber!«
Die Hauskapelle zaudert jetzt keinen Augenblick mehr.
»Der Mai ist gekommen, die Bäume schlagen aus,da bleibe, wer Lust hat, mit Sorgen zu Haus!«
»Der Mai ist gekommen, die Bäume schlagen aus,da bleibe, wer Lust hat, mit Sorgen zu Haus!«
»Der Mai ist gekommen, die Bäume schlagen aus,da bleibe, wer Lust hat, mit Sorgen zu Haus!«
»Der Mai ist gekommen, die Bäume schlagen aus,
da bleibe, wer Lust hat, mit Sorgen zu Haus!«
»Ach!« entscheidet aber der Drewian, als das zu Ende ist, und das ist sehr bezeichnend für diese Großstadtjungen. »Du mußt mal etwas spielen, was alle können!«
Sofort ertönt weiter:
»Anne Marie, mein Engel dich verehr’ ich,Anne Marie, mein Engel, dich begehr’ ich,Anne Marie, o gib mir einen Kuß!Küsse mich, küsse mich, das ist Genuß!«
»Anne Marie, mein Engel dich verehr’ ich,Anne Marie, mein Engel, dich begehr’ ich,Anne Marie, o gib mir einen Kuß!Küsse mich, küsse mich, das ist Genuß!«
»Anne Marie, mein Engel dich verehr’ ich,Anne Marie, mein Engel, dich begehr’ ich,Anne Marie, o gib mir einen Kuß!Küsse mich, küsse mich, das ist Genuß!«
»Anne Marie, mein Engel dich verehr’ ich,
Anne Marie, mein Engel, dich begehr’ ich,
Anne Marie, o gib mir einen Kuß!
Küsse mich, küsse mich, das ist Genuß!«
So geht es weiter, Ernstes und Heiteres durcheinander, ab und zu wohl auch mit einem Gassenhauer, der oft gerade mit der schönsten Melodie in unser Ohr hineinhüpft, bis allen den lustigen Brüdern von wanderfreudigen Tertianern das Herz im Leibe lacht und springt und der Doktor Fuchs ausruft: »Dicker! Junge! Du bist ja ein reiner Künstler! Du mußt einmal Musik studieren!«
»Jawohl,« setzt Puntz seine melodienreiche Harmonika ab, »Musik studieren! Hinten bei den Stampfmaschinen in unserer Fabrik! Damit dürfte ich meinem Vater gerade kommen!«
Die andern quälen und wollen noch mehr haben; der Dicke aber behauptet, er hätte keine Puste mehr im Leibe; jetzt wäre auch der Herr Doktor Fuchs wieder an der Reihe; der hätte noch was von den Ameisen erzählen wollen.
»Richtig!« sagt da Doktor Fuchs auch. »Aber da muß ich erst den Dittmer fragen, ob er weiß, woher bei der Ameisengeschichte der brennende Schmerz gekommen ist, den er empfunden hat.«
»Na, freilich,« sagt der knurrig, »die Bande hat mich gezwickt.«
»Ja, und in die Wunde bringt die Ameise dann noch eine Säure, die nach ihr Ameisensäure genannt wird. Ähnlich wie bei der Brennessel. Diese Säure ist schon stark genug, daß sie auch sowieso auf der Haut einen brennenden Schmerz verursacht. Diesen Saft kann das kleine Vieh in der Wut oder in der Angst etwa einen halben Meter weit wegspritzen.«
»Aber, Herr Doktor!« – Nun hagelt’s geradezu Fragen. – »Ist denn die Ameise wirklich das klügste Tier?«
»Nun, zweckdienlich handelt ja wohl jedes Tier; aber sicher ist es, daß die Ameisen unter allen Insekten die größten geistigen Fähigkeiten zeigen.«
Von den Ameisen weiß Übrigens jeder der Jungen etwas; jeder will auch etwas dazu sagen. Da indes bleibt Doktor Fuchs wieder stehen, und er setzt ein hochwichtiges Gesicht auf. »Jungs,« sagt er, »jetzt müssen wir auf diesem graden Wege noch ein ganzes Ende laufen. Rechts und links ist da wenig zu sehen. Da kann ja jeder, der etwas gut und genau über die Ameisen weiß, einen kleinen Vortrag halten. Ich werde einmal die Themata für unsere jetzund errichtete Rednerschule verteilen.«
»Ich!« – »Ich!« – »Ich!« – »Herr Doktor!« – »Herr Doktor!«
»Immer ruhig Blut! Wer übernimmt die Staatenbildung der Ameisen?«
»Die Staatenbildung? Das ist schwer!«
Schon meldet sich ganz ruhig Ernst Ehrenfried.
»Gut! Der Primus muß immer voran! – Wer redet aber dann über die Ameisenarbeiter im besonderen? – – Zum ersten! Zum zweiten! Zum –. Also Manning! – Wer über die Wohnung der Ameisen? Möglichst natürlich aus eigener Anschauung! Also ganz einfach! – Na?«
Rohloff hält die Hand hoch.
»Wer über die Nahrung der Ameisen? – Körer? Gut! Na, das ist aber dann auch genug. Na, nun los, Ernst Ehrenfried!«
Vom Mitschüler scheint ein Junge immer noch so was am liebsten zu hören. Alle drängen sich heran und lauschen andächtig.
»Nicht so wild zulaufen, Ernst,« mahnt Doktor Fuchs. »Etwas langsam sprechen und laut genug! Na, nun schieß mal los!« –
»Ein Ameisenweibchen,« fängt Ernst Ehrenfried an, »legt in die Erde oder in einen Baumstumpf oder unter einen Stein etwa ein Dutzend Eier, die sich zu Larven entwickeln, bei der mangelhaften Nahrung aber, die ihnen die Mutter nur verschaffen kann, zu Arbeitern werden, das heißt: zu geschlechtslosen Tieren. Sie helfen der Mutter bei der Ernährung der nachkommenden Brut; denn die Mutterameise tut nun in ihrem ganzen Leben nichts weiter als Eier legen. Aus diesen Eiern schlüpfen schon nach einigen Tagen kleine, weißeLarven aus, die von den alten Arbeitern fleißig gefüttert werden. Nach – ich weiß nun nicht mehr genau, Herr Doktor, nach wieviel Tagen diese Larven sich einspinnen –«
»Nach vierzehn Tagen etwa.«
»Nach vierzehn Tagen spinnen sich diese Larven ein; das sind dann die sogenannten Ameiseneier. Nach abermals vierzehn Tagen aber zerbeißen die Arbeiter die Puppen, und die junge Brut kriecht heraus; sie muß aber noch von den Ältern gefüttert werden. Alle diese neuen Ameisen sind Arbeitsameisen; denn Männchen und Weibchen entstehen erst aus den Eiern, die im Spätsommer gelegt werden. Die Männchen und Weibchen haben überhaupt weiter nichts zu tun, als für die Erhaltung der Art zu sorgen, sie allein sind geflügelt. Manchmal findet sich unter den Ameisen noch eine vierte Art: das sind auch geschlechtslose Tiere; aber sie haben einen viel größern Kopf als die gewöhnlichen Arbeiter und einen furchtbar starken Oberkiefer. Das sind die Soldaten, die auf Ordnung sehen und bei den Streifzügen die Führer bilden. Alle zusammen machen den Ameisenstaat aus.«
»Das war sehr klar und sehr schön!« sagt da Doktor Fuchs. »Das verdient eine Nummer 1. Hat einer von der geehrten Festversammlung was dagegen?«
»Nein! Nein! Nummer 1!«
»Welcher der Herren hat jetzt das Wort?«
»Ich,« sagt Manning.
»Richtig! Über die Arbeiter! Nicht wahr?«
»Ja!« – Der Junge räuspert sich noch einmal. – »Also, der Ehrenfried hat schon gesagt, daß die Arbeiter eben nur arbeiten. Sie haben den Arbeitstrieb, den wirMenschen wohl nie verstehen werden, weil wir ihn nicht haben.« – Dem kleinen Manning sitzt eben manchmal der Schalk im Nacken. – »Also, die Arbeitsameisen haben den Arbeitstrieb, und so arbeiten sie von morgens um 6 Uhr bis abends um 10 Uhr. Und zwar besteht ihre Arbeit darin, die Männchen und die Weibchen und die Larven zu füttern, den Baustoff für das Nest herbeizuschaffen und das Nest zu bauen, das oft einen Meter hoch ist. Manchmal legen sie auch Straßen an, die von dem Neste aus strahlenförmig weggehen, und die immer nur der Ameisenkolonie gehören, die sie angelegt hat. Wenn sich irgend eine andere Ameise oder sonst ein Tierchen – auch der Mensch gehört zu diesen Tierchen – auf diesen Wegen betreffen läßt, so wird es unbarmherzig erwürgt. Die zu großen Tierchen freilich nicht; der Mensch auch nicht. Dann müssen die Ameisen am Abend noch den Bau verrammeln und verschließen und am Morgen wieder aufschließen. Das ist doch alles!«
»Hier sage ich auch wieder: Bravo!« ist Doktor Fuchs schnell bei der Hand. »Welche Nummer wollen wir ihm geben, Jungs?«
»Nummer 1!« schreien da natürlich alle.
»Na, freilich Nummer 1! Aber der Ernst Ehrenfried hat doch gesagt, daß solche Ameisenmutter ihr Nest unter der Erde oder in einem Baumstamm oder unter einem Stein anlegt, und Manning hat behauptet, daß dieses Nest oft einen Meter hoch wird. Stimmt denn das zusammen?«
Manning fühlt sich sofort berufen, sich zu verteidigen: »Ja, die Kolonie wird doch immer größer, und was man so vom Ameisennest sieht, das sind immer so Nadeln undHolzsplitterchen und Pflanzenteile. Die sind so draufgeschleppt zum Schutze gegen den Regen und die Kälte.«
»Ganz richtig! Das ist also auch in Ordnung. – Na, wer ist jetzt dran?«
»Ich!« meldet sich Rohloff. »Aber der Manning hat ja nun schon alles über die Wohnung der Ameisen erzählt.«
»Herr Gott, ja! Da muß sich Rohloff beleidigt fühlen! Na warte nur, für dich findet sich schon wieder etwas anderes! Aber, Körer ist uns noch was schuldig. Nicht wahr? Was war es denn?«
»Was die Ameisen fressen! Die Ameisen fressen alles, was ihnen vor den Schnabel kommt. Sie fressen eben alle andern Insekten. Besonders gerne fressen sie auch die Larven von andern Insekten. Außerdem noch Raupen, Käfer, Frösche und Mäuse. Sie knabbern auch das Fleisch von den Knochen ab. Wir haben einmal in unserm Garten einen Gänsekopf in einen Ameisenhaufen gepackt; den hatten sie nach vierzehn Tagen ganz kahl gefressen. Schließlich sind sie sogar bis in unsere Küche gekommen. Ach, das war eine Geschichte! Meine Mama hat manchmal darüber geweint. Wir konnten die Spinden noch so fest verschließen, sie kamen doch hinein.«
Ein anderer fällt da schnell ein: »Meine Tante wohnte in Friedenau in einer Parterrewohnung. Da waren die Ameisen so arg, daß meine Tante ausziehen mußte.«
»Ach,« ist Körer bei der Hand, »da hätte sie alles mit Tran und Teer beschmieren müssen. So haben wir sie weggekriegt.«
»Ja,« sagt Doktor Fuchs, »damit kann man sie sich vom Leibe halten. Auch den Geruch von Petersilie mögensie nicht. Aber etwas hat Körer doch noch vergessen, oder er hat sogar zu viel gesagt. Nämlich, sie fressen nicht alles, was ihnen vor den Schnabel kommt, sondern sie hegen und pflegen sogar eine Sorte von Tieren. Na, Jungs, das ist eine kolossal interessante Geschichte! Jeder hat doch schon einmal einen Holunderbaum gesehen. Na, und die Holunderblätter sind doch manchmal auf der Oberseite so klebrig. Dieses Klebrige nun, das mögen die Ameisen gern; das schmeckt ihnen offenbar honigsüß.«
»Ja, ja, Herr Doktor,« drängt sich der kleine Achim Köckeritz neben Doktor Fuchs her, »ich weiß! Wir haben einen Holunderbaum im Garten. Ich habe erst gestern abend an solchem Blatt geleckt. Das schmeckt wirklich wie Honig!«
»Ganz recht, Achim! Weißt du denn aber auch, was das ist?«
»Sie sagen ja selbst, Herr Doktor, das ist Honig!«
»Na, ich sagte wohl nur, daß es honigsüß ist; denn in Wirklichkeit ist es etwas ganz anderes. Die Blattläuse haben nämlich solch Blatt einfach als ihren Appartement betrachtet, und, was der Achim Köckeritz da abgeleckt hat, das war einfach die Ausleerung der Schild- oder Blattläuse.«
Der Achim wird ganz bleich. Er würgt an etwas herum; aber er meistert sich noch einmal und sagt bloß entsetzt: »Äcks! Pfui Deibel!«
Einige andere schreien gleich aus Sympathie mit.
»Oh, das ist nicht so schlimm, Jungs!« wehrt Doktor Fuchs. »Ganz und gar ungefährlich! Na also, zu unserer Sache zurück! Um diese Blattlausausleerung immer zuhaben, postieren sich einige von den Ameisen neben die Tierchen und schützen sie vor ihren Feinden. Damit aber der schöne, süße Kot der Blattläuse nicht vom Regen fortgewaschen wird, bauen die Ameisen ihren Freundinnen sogar ordentliche Ställe. Sie leimen nämlich ein loses Blatt oder sonst etwas über ihnen fest, und nun kann’s regnen, so viel es will, die Blattläuse sitzen eben dann im Trocknen. Man hat deshalb diese Blattläuse auch die Kühe der Ameisen genannt, weil sie diese – man möchte geradezu sagen – melken.«
Da lachen die Jungen laut auf.
»Ja, ja, wirklich melken! Die Ameisen klopfen und streicheln nämlich so lange mit ihren Fühlern an den Tierchen herum, bis die Blattläuse ihren Enddarm entleeren!«
Aber nun das Lachen der Jungen erst! »So eine Schlauheit! – Die Ameisen denken dann doch genau so wie die Menschen.«
»Ja, das sollte man meinen! Einmal hatte jemand in seinem Garten um einen Baumstamm einen Teerring gezogen. Auf dem Baume saßen aber bei den Blattläusen noch Ameisen genug. Als die nun den Stamm hinuntergeklettert kamen, um in ihr Nest zu gelangen, da fanden sie den Teerring, über den sie natürlich nicht hinwegkonnten. Was machten sie da nun? Was meint ihr, Jungs?«
»Vielleicht opferten sich die ersten und bildeten so eine Brücke, daß die andern drüberkonnten!«
»Nein, opfern tun sie sich nur in Gefahr oder beim Angriff!«
»Vielleicht haben sie Blätter oder sonst was auf den Teerring geschleppt!«
»Ja, das haben sie getan. Aber dieses ›sonst was‹ waren eben die armen Blattläuse. Die Ameisen kriegten sie zu packen und klebten sie auf den Teerring, bis sie selber da gefahrlos hinüberkonnten. Also man sieht, schlau sind die Ameisen, aber dankbar gegen andere Lebewesen kann man sie nicht nennen; sogar nicht gegen die, die ihnen nützen.« – – –