Vorfreuden.

Vorfreuden.

Was tun? Als man nach der Pause wieder in die Klasse hinauf muß, entscheidet der dicke Puntz: »Der Primus muß es Fuchsen sagen!«

Hagen indessen hat mehr Menschenkenntnis: »Ehrenfried? Der Mummelgreis!«

Da erbietet sich der kleine, flotte Köckeritz: »Ich werde Fuchsen einfach mal fragen.«

Sausig aber weiß es noch besser; er schießt den Vogel damit ab. »Wir schreiben es an die Tafel!«

Und der Klassenbarde, der Schmuck, ist gnädig genug und erbietet sich: »Ich werde die Verse dazu machen!«

»Schmuck soll leben! Los, Schmuck!«

»Jetzt nicht! Morgen!«

»Unsinn!« – Der Fritze Köhn greift immer feste zu. – »Jetzt haben wir bei Fuchsen! Also los! Dir wer’n wer sonst ’n Schnörgel nach links drehn!«

Da steht auch schon alles um Schmuck herum und schiebt ihn auf das Katheder. »Los doch, Schmuck, los doch!«

Von hinten wirda tempovorgeschlagen:

»Sechs mal sechs ist sechsunddreißig,und die Klasse war so fleißig!«

»Sechs mal sechs ist sechsunddreißig,und die Klasse war so fleißig!«

»Sechs mal sechs ist sechsunddreißig,und die Klasse war so fleißig!«

»Sechs mal sechs ist sechsunddreißig,

und die Klasse war so fleißig!«

Sausig ist in dem Augenblick an die Tafel gesprungen und schreibt auch schon diese beiden Musterverse an. Und um seinen Dichterruhm nicht unrettbar zu verlieren, hat jetzt auch Schmuck nach der Kreide gegriffen:

»Ruhig mal! Also gefällt euch das? Hier steht schon:

»Sechs mal sechs ist sechsunddreißig,und die Klasse war so fleißig.« –

»Sechs mal sechs ist sechsunddreißig,und die Klasse war so fleißig.« –

»Sechs mal sechs ist sechsunddreißig,und die Klasse war so fleißig.« –

»Sechs mal sechs ist sechsunddreißig,

und die Klasse war so fleißig.« –

»So!« –

»Will auch noch sehr fleißig sein!«

»Will auch noch sehr fleißig sein!«

»Will auch noch sehr fleißig sein!«

»Will auch noch sehr fleißig sein!«

»Na,« wirft da der dicke Puntz ein, »wollen lieber nischt versprechen!«

Aber schon hat Schmuck weitergeschrieben:

»Denkt indes, es wäre fein,nicht zu schwitzen in dieser Pein.«

»Denkt indes, es wäre fein,nicht zu schwitzen in dieser Pein.«

»Denkt indes, es wäre fein,nicht zu schwitzen in dieser Pein.«

»Denkt indes, es wäre fein,

nicht zu schwitzen in dieser Pein.«

»Ja, allens wat recht is!« gibt hier Fritze Köhn wieder sein gewichtiges Urteil ab.

»Sondern zu wandern weit hinausund möglichst spät zu kommen nach Haus.«

»Sondern zu wandern weit hinausund möglichst spät zu kommen nach Haus.«

»Sondern zu wandern weit hinausund möglichst spät zu kommen nach Haus.«

»Sondern zu wandern weit hinaus

und möglichst spät zu kommen nach Haus.«

Dem einen gefällt’s, dem andern nicht; aber es steht nun einmal da, und – plötzlich tritt auch der Ordinarius in die Klasse.

Da steht alles stramm und mäuschenstill. Als aber Doktor Fuchs die erhobene Hand schnell und mit einem kleinen Knall des Daumens und des Mittelfingers senkt, da setzen sich die Jungen, daß es nur so ruckt und zuckt.

Und dann kommt der große Moment! Doktor Fuchs dreht sich herum, um auf das Katheder zu steigen, und –er sieht die voll beschriebene Tafel, die doch sonst in ihrer unbefleckten Schwärze blitzsauber sein muß. Er liest jetzt die Verse halblaut und recht bedächtig.

Als er aber bis zu Ende gekommen ist, da dreht er sich schaudernd um und sagt: »Brr! Da korrigiere ich ja lieber den größten Stoß Hefte!«

O weh! Das sieht nun zwar wie ein frühzeitiges Ende aller Partiegelüste aus; aber die Klasse freut sich doch stürmisch über das »Brr!« und über den »größten Stoß Hefte«.

Endlich kommt auch Doktor Fuchs wieder zu Worte. »Na, also Jungs, über die Sache läßt sich reden, aber erst müßt ihr mal bessere Verse machen!«

Na, freilich! Jetzt weiß es auf einmal jeder. Das sind furchtbar schlechte Verse. Der dicke Puntz hatte ja auch gleich gewichtige Bedenken gehabt, und Fritze Köhn plädiert am Ende der Stunde dafür: »Schmuck muß zu morjen anständije Verse machen, oder wir hau’n uff’n Kopp, det er Plattbeene kricht!«

Damit hat der Fritze Köhn auch die Meinung der andern durchaus zutreffend und richtig ausgesprochen. »Oder er wird verhauen!« So denkt und sagt jetzt jeder, und das glaubt schließlich auch Schmuck. Und weil er nicht verhauen werden will, so will er auch anständige Verse machen. – – –

Aus Abend und Morgen wird wieder ein Tag. Und alles stürmt am nächsten Morgen auf den Klassenbarden ein. Jeder will die Verse sehen. Aber Schmuck bleibt fest: »Ich schreibe sie nachher an; da könnt ihr sie dann alle lesen!«

In der Pause vor Doktor Fuchs’ Stunde bleibt alsoder Pegasusreiter oben, mit Erlaubnis des inspizierenden Herrn draußen auf dem Flur. Und nachher prangen denn auch die erhofften Verse in Schmucks schönster Schrift an der Tafel.

»Fein, Schmuck!« – »Ach,derVers taugt nichts!« – »Da muß noch hinein, wohin wir wollen!«

Aus dem Durcheinander von Lob und Tadel aber erhebt sich Puntz und findet: »Das ist sehr fein! Ick hätte es nicht so gekonnt! Und ein anderer auch nicht!«

Puntz nicht und ein anderer auch nicht! Das galt. –

Auch der Ordinarius kam dann und las wieder die Verse ebenso bedächtig wie gestern.

»Fröhlich lacht uns entgegen die Sonne,Jugend tummelt sich draußen mit Wonne;sämtliche Schulen fliegen schon aus,nur unsere Klasse darf nicht hinaus!Lehrer gehen doch auch gern ins Freie,besonders im wunderschönen Maie!Und wenn’s nicht mehr kann sein im Mai,der Juni ist auch noch nicht vorbei!Die Pfingsten sind ja nun heran,die schönste Jahreszeit bricht an.Gewähren Sie uns doch die eine Bitte,beim Ausflug zu thronen in unserer Mitte!

»Fröhlich lacht uns entgegen die Sonne,Jugend tummelt sich draußen mit Wonne;sämtliche Schulen fliegen schon aus,nur unsere Klasse darf nicht hinaus!Lehrer gehen doch auch gern ins Freie,besonders im wunderschönen Maie!Und wenn’s nicht mehr kann sein im Mai,der Juni ist auch noch nicht vorbei!Die Pfingsten sind ja nun heran,die schönste Jahreszeit bricht an.Gewähren Sie uns doch die eine Bitte,beim Ausflug zu thronen in unserer Mitte!

»Fröhlich lacht uns entgegen die Sonne,Jugend tummelt sich draußen mit Wonne;sämtliche Schulen fliegen schon aus,nur unsere Klasse darf nicht hinaus!Lehrer gehen doch auch gern ins Freie,besonders im wunderschönen Maie!Und wenn’s nicht mehr kann sein im Mai,der Juni ist auch noch nicht vorbei!Die Pfingsten sind ja nun heran,die schönste Jahreszeit bricht an.Gewähren Sie uns doch die eine Bitte,beim Ausflug zu thronen in unserer Mitte!

»Fröhlich lacht uns entgegen die Sonne,

Jugend tummelt sich draußen mit Wonne;

sämtliche Schulen fliegen schon aus,

nur unsere Klasse darf nicht hinaus!

Lehrer gehen doch auch gern ins Freie,

besonders im wunderschönen Maie!

Und wenn’s nicht mehr kann sein im Mai,

der Juni ist auch noch nicht vorbei!

Die Pfingsten sind ja nun heran,

die schönste Jahreszeit bricht an.

Gewähren Sie uns doch die eine Bitte,

beim Ausflug zu thronen in unserer Mitte!

Die Unter-TertiaO.«

Als der Ordinarius geendet hat, da wartet er noch einen Augenblick, als müßte er sich erst von seinem Staunen über solche Leistung erholen. Dann sagt er aber: »Schön! Wer ist der Poeta?«

»Schmuck! Schmuck! Schmuck!«

»Das ist ganz nett! Aber deshalb darf er mir nun noch kein Trauerspiel schreiben!«

Schmuck freut sich mehr, als je einpoeta laureatussich gefreut hat. Und die Klasse freut sich mit ihm, besonders da nun Doktor Fuchs fortfährt: »So, Jungs! Morgen bringt jeder einen Zettel mit. Darauf steht neben eurem Namen der Ort wohin der Träger dieses Namens die Partie machen will.«

Da ist nun die Begeisterung kolossal. Alle reiben sich die Hände vor Vergnügen; man lacht sich fröhlich an, und schon schwirrt es durcheinander: »Märkische Schweiz!« – »Potsdam!« – »Königswusterhausen!« – »Zwei Tage, Herr Doktor! Ach ja, zwei Tage, Herr Doktor!«

Der aber winkt ruhig ab. »Morgen Zettel!Notabene: hoffentlich beteiligen sich alle an der Partie!« – – –


Back to IndexNext