Chapter 3

„O Tibet, Tibet, mein Kind! Nein, nein, hören Sie! Eilen Sie! Man soll eine Wanne bringen, Eiswasser und dann—Ich danke Ihnen im voraus, Tibet! Eilen Sie zu Herrn von Teut, sagen Sie ihm, ich ließe ihn flehentlich bitten, zu kommen! Nicht wahr, der Doktor sagte, man solle, wenn das Fieber schlimmer werde, ihn kalt begießen? Ah, und die Fenster sind geschlossen! Wir müssen sie öffnen! Ich hörte, Luft, frische Luft sei vor allem nötig!“

Und Tibet eilte fort, und die Frau war wieder allein mit ihrer Sorge und Angst.

Teut war erschienen, hatte getröstet und hatte geholfen. Er setzte den Kleinen in die Wanne und tropfte Wasser aus großen Schwämmen über das heißglühende Haupt; er hob ihn vom Lager und bettete ihn von neuem; er ordnete an, daß die übrigen Kinder in andere Gemächer geschafft wurden, und bewirkte durch seine Fürsorge, daß Carlitos gegen Morgen in einen ruhigeren Schlaf versank.

Aber war es, daß gegen dieses Rasen des Fiebers keine menschliche Hilfe etwas vermochte, oder daß das unerforschliche Schicksal es bestimmt hatte—das Herz dieser holden Frau sollte brechen. Nach zeitweiliger Besserung tobte die Krankheit nur noch heftiger, und was man mit allen Mitteln zu bannen suchte, schien sich lediglich zu verstärken.

Die Ärzte suchten zu trösten, aber das Kind war verloren. Nach mehrtägigem Ringen fielen des Knaben Wangen ein, eine seltsame Farbe bedeckte sein Gesicht, trocken wurde Stirn und Hände, aus dem Munde drang ein Hauch, vor dem Ange erbebte, und endlich—es ging ein Schrei durch das Krankenzimmer—erlosch der Herzschlag des Kindes.

* * * * *

„Teut,“ sagte Ange, die in einem Zimmer nach Garten gebettet war und—einem Marmorbild vergleichbar, das Thränen vergießt—jedes menschliche Mitleid wachrufen mußte, einige Tage später, „eine Bitte habe ich an Sie, wenn mein süßer Knabe—“—hier brach die Stimme und verlor sich in ein so verzehrendes Schluchzen, daß des starken Mannes Inneres erbebte—„wenn morgen Carlitos begraben wird, lassen Sie Lux und Lady Anna den Totenwagen ziehen. Wissen Sie noch, Teut, wie Carlitos die Tiere liebte? Sie zu besitzen, war sein höchster Wunsch. Er wollte ganz werden wie Sie, Teut. Alles, was Sie thaten, was Sie besaßen, war unnachahmlich. Nicht wahr, Sie haben ihn auch geliebt—?“

Thränen erstickten von neuem ihre Stimme.

Teut wandte sich ab und trat ans Fenster. Ja, ihr Wunsch sollte erfüllt werden, aber es bedurfte dazu einer Vorbereitung, vor der Teut einen Augenblick zurückschreckte. Diese wilden Geschöpfe gingen in keinem bedächtigen Trauerschritt; sie mußten gejagt, erschöpft werden, um sanften Schrittes des Knaben sterbliche Überreste an den Totenacker zu führen. „Es giebt nichts, was ich Ihnen verweigern würde, Ange,“ sagte Teut bewegt und reichte der blassen Kranken die Hand. „Ich gehe jetzt, um alles vorzubereiten.“

Er riß sich gewaltsam von ihr los, besuchte Clairefort, der ganz gebrochen daniederlag, und eilte nach Hause. Hier traf er noch einige auf das Begräbnis bezügliche Anordnungen, und dann ließ er anspannen. Seine zwei Diener mußten sich auf den Rücksitz setzen und nun verließ er die Stadt.

Im Carriere jagte Teut über die Landstraßen, fuhr die ganze Nacht, erbarmungslos auf die Tiere einhauend, und als sie endlich zurückkehrten, als Lux und Lady Anna standen, zitterten sie wie in Fieberschauern und keuchten wie gemarterte Schlachtrufe. Ein Geschirr, mit weißen Rosen, Lilien und Kamelien völlig übersät, war bereits eingetroffen. Es ward Lux und Lady Anna angelegt, und sie selbst vor den dunklen Trauerwagen gespannt, von dem unzählige Rosenbüschel in denselben Farben herabhingen oder zu Blumenkronen aufgebunden waren.

So erreichte Teut, von Scharen Neugieriger gefolgt, die Villa.

Im Hause roch es scharf und unheimlich nach Lebensblumen und Lorbeer, zudem erfüllte eine betäubende Luft alle Räume, denn Kränze und schleifenverzierte Bouquets lagen berghoch in den Vorzimmern.

Endlich war der Augenblick gekommen. Man hob den mit Blüten undBlättern überschütteten Sarg empor und trug ihn hinab.

Teut führte Clairefort und Ange, die jetzt thränenlos vor Schmerz, mit irrem Blick, an seinem Arme hing, ans Fenster, öffnete es und ließ sie hinausschauen.

In diesem Augenblick ertönte in sanften Akkorden ein Trauermarsch, langgezogen, schmerzvoll und jeden Anwesenden bis ins Herz rührend.

Und dann sah Ange auf Teuts Lieblingspferde, die mit gesenkten Köpfen, gleichsam mittrauernd und mitempfindend, dastanden und deren schwarze Leiber von den weißen Abschiedsblumen umwunden waren, die Teut seinem kleinen Freunde Carlitos mit auf den Weg gab.

„Carlitos, Carlitos—mein einziger süßer Knabe!—O Carlos! Teut—Teut!“ brach es aus Ange hervor, und in den ersterbenden Blick mischte sich ein Ausdruck dankbarer Hingebung, der Teut für alles belohnen konnte.

Endlich überließen die Männer Ange den Händen der Frauen und schlossen sich den in Trauerkleidern harrenden Geschwistern des Verdorbenen an. Wie sie schön waren mit ihren seinen, blassen Gesichtern und mit ihrem goldenen Haar, und vor allem, wie rührend die kleine Ange aussah, die hinter dem Sarge einherschritt.

Es war, als sei die Mutter noch einmal jung geworden, nun aber kein menschliches Gebilde mehr, sondern ein herabgestiegener Engel mit jenem schwermütigen Verzicht in den ernsten Zügen, welche wir in den Heiligenbildern großer Meister bewundern.

Als die Klänge der Musik in der Ferne verhallt, als die letzten dunklen Gestalten Anges Blick entrückt waren, als nun Wirklichkeit geworden, wogegen sich die Gedanken und Empfindungen der Frau in überqualvollen Tag- und Nachstunden aufgelehnt hatten, da schoß auch der Schmerz noch einmal empor, stieß seine brennenden Zungen in das Herz der geprüften Frau und bewirkte, daß sie mit einem dumpfen Schrei zu Boden fiel.

So fand Tibet, der im Nebenzimmer, bleich wie ein Verurteilter, den Vorgängen draußen mit dem Blick gefolgt war und nun erschrocken herbeieilte, seine schöne, arme, geliebte Herrin.

Wenige Wochen waren vergangen. Teut saß in dem Clairefortschen Wohnzimmer und hatte die kleine Ange auf dem Schoß. Das Kind spielte mit einer silbernen Kette, die aus dem Waffenrock hervorschaute, und zerrte zuletzt daran. Schon oft hatte Ange auf das geheimnisvolle Ticken gelauscht, nun trieb sie heute abermals die Neugierde. „Warte,“ sagte Teut gutmütig, löste die Uhr und legte sie in die zarte Hand des holden kleinen Mädchens.

„Carlitos hatte auch eine Uhr,“ hob Ange an, während sie mit den Fingerspitzen auf das Glas tupfte. Und zu Teut aufblickend, fuhr sie fort: „Hat er sie mitgenommen? Ist sie auch beim lieben Gott?“

Als Teut nicht gleich antwortete, glitt sie ihm vom Schoß und rief lebhaft: „Danach muß ich Mama fragen!“

Er aber hielt sie fest und zog sie abermals an sich.

„Bleib, Ange. Mama schläft. Wir dürfen sie nicht stören. Ich will Dir alles erzählen: Nein, mein Liebling, seine Uhr hat Carlitos nicht mitgenommen. Die hat Dein Papa. Vielleicht, wenn Du erwachsen bist, erhältst Du sie.“

„Die ist ja viel zu groß! Das ist ja eine Herrenuhr!“ rief Ange mit abweisender Wichtigkeit; „Mama hat mir eine kleine versprochen—eine ganz kleine, wie Bella ihre—“

„Bella? Wer ist Bella?“

„Das ist doch meine große Puppe.“

„Ach, verzeih, Ange, daß ich das nicht wußte.“

„Soll ich sie holen?“ nickte das Kind lebhaft. Und ohne Antwort abzuwarten, lief sie fort und kam gleich zurück.

„Es geht jetzt nicht, Onkel,“ erklärte sie ernsthaft, „Bella schläft.“

„So? Sie schläft? Kannst Du sie nicht wecken? Bitte, bringe sie, damit ich sie kennen lerne.“

Ange schüttelte den reizenden Kopf, aber in das bleiche Gesichtchen stahl sich ein schelmischer Ausdruck.

„Da ist sie ja! Da ist sie ja! Und Du hast gar nichts gemerkt!“ jubelte sie, zog das hinter dem Rücken versteckte Püppchen hervor und legte es ihm in die Arme. „Ist sie hübsch, Onkel?“

„Sehr hübsch, Ange.“

„Ich habe noch eine, aber—“

„Nun?“

„Ben hat ihr ein Auge eingestoßen und auch die Nase.“

„Da muß ich Dir wohl eine neue schenken, Ange?“

Die Kleine schüttelte den Kopf.

„Nein? Weshalb nicht?“

„Mama sagt, Du schenktest uns schon so viel. Wir dürften Dich nie mehr um etwas bitten.“

„So, das sagt Mama? Aber Du hast ja nicht gebeten, Ange. Ich habe sieDir ja angeboten.“

Einen Augenblick sann das Kind und dachte nach, dann nickte es lebhaft:

„Ja, eine recht große, die auch schlafen kann und ein seidenes Kleid hat, Onkel Axel. Schenkst Du sie mir bald—heute?“

„Ich will sehen, Ange. Aber mir fällt etwas ein. Wenn ich Dir nun einePuppe bringe und den übrigen keine?“

„Die andern spielen ja gar nicht mehr mit Puppen!“ rief Ange, TeutsUnwissenheit mit höchster Verachtung strafend.

„Ganz recht! Aber sie möchten gewiß etwas anderes haben, was ihnenFreude macht. Erna wünscht sich vielleicht einen seidenen Sonnenschirm,Jorinde einen neuen Hut, und Ben und Fred möchten gerne kleine Ponyshaben.“

„Ja, ja, Onkel Axel,“ rief Ange stürmisch, „schenk ihnen Ponys, dann können wir zusammen ausfahren—“ Aber sie unterbrach sich ebenso rasch: „Nein, Onkel, es geht doch nicht. Mama will ja nicht, daß Du uns etwas schenkst. Papa erlaubt es nicht.“

Teut horchte auf.

„Er fragte Mama, woher sie ihr Geld hätte. Mama weinte und sagte, daß Du uns Geld geschenkt hättest. Da wurde Papa so böse, daß wir auch alle weinten und hinausgehen mußten. Mama darf nichts von Dir nehmen, Onkel. Nein, Onkel, schenke Ben und Fred keine Ponys. Papa nimmt sie ihnen doch weg, und sie werden bestraft. Aber ich will Papa bitten, ob Du mir eine Puppe schenken darfst. Ja, Onkel? Mama soll ihn bitten.“

Teut antwortete nicht. Es schwirrte ihm noch in den Ohren, was das Kind gesprochen, und seine Gedanken waren weit ab.

„Onkel Axel, Onkel Axel! Hörst Du denn gar nicht?“

„Ja, mein liebes Kind,“ flüsterte Teut, wie aus einem Traum erwachend.„Du wirst Deine Puppe erhalten.“

Ange klatschte in die Hände und sprang von ihm fort.

* * * * *

Am selben Tage in der Nachmittagsstunde öffnete Jamp die Wohnstubenthür seines Herrn und meldete den Rittmeister von Zirp.

„Ah, Zirp! Willkommen! Nehmen Sie Platz!“

„Ich störe doch nicht?“

„Keineswegs—bitte! hier Cigarren.“

Nach wenigen Augenblicken saßen sich die beiden Herren gegenüber.

„Ich komme,“ hob Zirp an, „Sie um eine große Gefälligkeit zu bitten,Teut.“

„Bitte, wenn es in meiner Macht steht—“

„Also, ohne Einleitungen. Ich brauche fünftausend Mark, die ich augenblicklich nicht habe, die ich aber durch Bürgschaft erhalten kann. Ich wollte Sie nun bitten, liebster Teut, daß Sie—“

„Bürgschaften übernehme ich nie,“ erwiderte Teut. „Ich habe meinem Vater einen Schwur geleistet, mich niemals in der Weise zu verpflichten. Also dieser Fall ist ausgeschlossen.“

„Fatal! Ich brauche das Geld bereits morgen und weiß es sonst nicht anzuschaffen.“

„Hm, bis morgen—?“ sagte Teut nachdenklich. Und nach einer Pause: „Entschuldigen Sie die Frage, wie die Sache sich so auf die Stunde hat zuspitzen können? Es wird gar nicht möglich sein, Ihnen so rasch zu dienen.“

Teut schlug mit den Hacken zusammen, und in Zirps Mienen malte sich einige Verlegenheit. Er streifte die Asche von der Cigarre auf den Fußboden ab und benutzte dann mit einem nachträglichen „Pardon!“ den bereit gestellten Aschbecher.

„Bitte, bitte!“ schob Teut phlegmatisch ein.

„Hören Sie, lieber Teut,“ begann Zirp mit gezwungenem Anlauf, „ich will offen reden. Ich habe Wechsel ausgestellt, die bereits gestern fällig waren. Ich hoffte sie auf die Stunde bezahlen zu können. Allein meine Schwester, auf die ich sicher rechnete, hat mir mein Ansuchen abgelehnt.“

Er hielt inne, aber Teut kam ihm nicht zu Hilfe. Eine peinliche Pause trat ein.

„Wohl,“ sagte Teut endlich und strich den langen Schnurrbart; „ich begreife. Aber was ich durchaus nicht verstehe“—Zirp fand diesen hochmütigen Ton, dieses etwas schulmeisterliche Wesen Teuts ganz unerträglich—„wie wollen Sie denn nach der üblichen Frist von drei Monaten zahlen?“

Zirp biß sich auf die Lippen und knipste abermals die Asche auf denTeppich.

„Können Sie eine Garantie geben, daß Sie um jene Zeit dieSchwierigkeiten zu beseitigen vermögen?“

„Gewiß, gewiß!“ erwiderte Zirp leichtfertig.

„Und diese wäre?“ fuhr Teut unerbittlich fort.

„Nun, meine Schwester wird sich breitschlagen lassen—“

„Hm! Aber wenn Sie sich nun doch in dieser Annahme irren?“

„Ah, das ist ja nicht denkbar! Sie muß ja—“

„Sie muß? Weshalb? Entschuldigen Sie—“

„Nun es steht doch alles auf dem Spiel, wenn ich nicht zahle. Sie kennen ja die Konsequenzen.“

Zirp wagte während der Schlußworte das Auge nicht emporzuschlagen.

Teut sah ihn an und schüttelte den Kopf; dann sagte er in einem mildenTon:

„Zirp! Sie waren bisher leichtsinnig. Ich schätzte Sie aber alsEhrenmann. Wäre es nicht besser, Sie beugten bei Zeiten einerKatastrophe vor, die mir bei dieser Sachlage unausbleiblich erscheint?“

Zirp hatte sich erhoben und ordnete auf der Etagère Teuts zahlreiche Cigarrentaschen. Halb gärte es in ihm auf, halb packte ihn die bessere Einsicht. Endlich sagte er: „Ich sehe, daß Sie mir nicht helfen wollen. Bitte—“ unterbrach er seine Rede, als Teut eine Bewegung machte, „ich mache Ihnen daraus keinen Vorwurf. Da Sie aber in bester Absicht gesprochen haben—ohne Zweifel—wie soll ich mit Ihren Ratschlägen und Hindeutungen auf die Zukunft morgen meine Verpflichtungen erfüllen?“

Ohne eine unmittelbare Antwort zu geben, sagte Teut, sich gegen die Fensterbank lehnend und einen Siegelring an seiner kräftigen Hand drehend:

„Wer ist der Inhaber des Wechsels und wieviel sind Sie wirklich darauf schuldig?“

„Matt hat das Papier in Händen,“ ertönte es kleinlaut.

„Ich dachte es mir! Und wie viel empfingen Sie darauf?“

„Dreitausend Mark hat mir der Schuft gegeben.“

Teut sann einen Augenblick nach. Dann erhob er den Blick, sah Zirp freundlich an und sagte kurz entschlossen:

„Gut, dreitausend Mark und einen guten Zins über den landesüblichen will ich Matt zahlen, auch selbst den Kerl vornehmen und alles für Sie ordnen—“

„O Teut, lieber, braver Freund!“

„Halt, Zirp! Ich habe eine Bedingung: Sie geben mir Ihr Ehrenwort, daßSie nicht mehr spielen und nie mehr Wechsel unterzeichnen.“

Zirp machte eine zustimmende Bewegung.

„Nein, nein, nicht so rasch! Besinnen Sie sich wohl!—Ferner: Sie beantworten mir eine Frage, wahrheitsgetreu, ohne Rückhalt, als Kavalier.“

Zirp horchte gespannt auf. Des Sprechenden Stimme klang verändert—ernster, fast drohend.

„Ich bitte, sprechen Sie, Teut.“

„Nein, Zirp, erst antworten Sie mir, ob Sie meine Bitte erfüllen wollen. Was ich von Ihnen fordere, ist nichts, was Sie mit Ihren Grundsätzen in Konflikt bringen kann, denn derjenige, der gut genug ist, in intimsten Privatangelegenheiten als Freund zu helfen, ist wohl so viel wert wie diejenigen, bei denen der Antragsteller die Stunden seiner Langenweile vertreibt. Also?“

„Gut! Obgleich mir Ihre Rede unverständlich ist und obgleich ich fast erschreckt bin durch den feierlichen Ton—ich gebe Ihnen hiermit mein Ehrenwort, daß ich Ihre Frage nach bestem Wissen, wahrheitsgetreu, beantworten werde.“

„Nun,“ hob Teut an, „dann frage ich Sie: Hat jemals jemand behauptet, daß—die Gräfin Ange—Clairefort—meine—Geliebte—sei?“ Teut stieß die Worte zögernd, in Absätzen hervor. In scharfer Abgrenzung markierten sich die Linien seines mageren Gesichtes und seine Mundwinkel zuckten. Zugleich schob er das Monocle ins Auge und schien Zirp mit seinen Blicken durchbohren zu wollen.

„Sie schweigen?“ drang es heiser aus Teuts Munde. „Gut! Das ist auch eine Antwort. Ich danke Ihnen. Rechnen Sie auf mich; aber“—und ein so drohender Ernst malte sich auf des Rittmeisters Zügen, daß Zirp unwillkürlich zusammenschrak—„ich rechne auch auf Sie, daß Sie in Zukunft Ihre Reitpeitsche jedem ins Gesicht schlagen, der es wagen sollte, diese edle Frau auch nur durch eine Miene zu verdächtigen!“

Für Augenblicke war es stumm zwischen beiden Männern. Teut hatte sich abgewandt und schaute auf die Gasse. Endlich trat Zirp näher und ergriff dessen Hand.

„Teut, welch ein Mensch sind Sie! Unter Tausenden ist nichtIhresgleichen. Aber ich schwöre Ihnen, daß ich eingedenk sein werdedieser Stunde und mich Ihnen bewähren werde als Freund. Dank, nochmalsDank! Ich gehe jetzt. Adieu——.“ Zirp wartete. Keine Bewegung, keineAntwort.

Erst nach geraumer Zeit veränderte der Mann, dem ein so braves Herz unter des Königs Rock schlug, seine Stellung, und mit einem Blick, in dem sich widerspiegelte das Leiden seiner Seele, drückte er jenem die Hand und bat ihn durch eine Bewegung, das Zimmer zu verlassen.—

Vierzehn Tage später empfing Teut von Zirp die Anzeige, daß dieser sich mit Eva von Ink verlobt habe. Anfänglich starrte Teut das Billet überrascht an und schüttelte den Kopf, bald aber ergriff er die Feder und schrieb unter Beifügung des inzwischen eingelösten Wechsels die nachfolgenden Worte:

„Lieber Freund! Ich gratuliere. Sie haben den Weg eingeschlagen, der Ihnen die Ausführung Ihrer Entschlüsse zu einem neuen Leben erleichtert, ja, wie ich hoffe, sichert! Bravo deshalb!

Stets Ihr

Axel von Teut-Eder.“

Auch der Familie Ink sandte Teut seine Glückwünsche, aber einen Besuch machte er nicht.

* * * * *

Der Sommer 1870 war gekommen, der Krieg zwischen Deutschland und Frankreich stand vor der Thür. Eine ungeheure Erregung hatte alle Gemüter ergriffen, und auch in C. sprach man von nichts anderem als von diesem drohenden, in alle Verhältnisse eingreifenden Ereignis. Begierig lasen die Männer die Zeitungen, eine Nachricht überholte die andere, und in den militärischen Kreisen herrschte fieberhafte Spannung über die zu erwartenden Marschordres.

„Ist's wahr, ist's möglich?“ rief Ange und eilte Teut entgegen, der sich sogleich zu seinen Freunden begab. „Haben Sie schon Befehl zum Ausrücken erhalten? Wann? Wohin geht's? O, kommen Sie! Carlos ist in großer Ungeduld, Sie zu sehen und zu sprechen.“ Und sie zog ihn mit sich fort in ihres Mannes Gemach.

Clairefort war kaum wiederzuerkennen. Die drei Jahre, seitdem er nach C. versetzt war, hatten ihn völlig verändert. Sein Blick war unheimlich starr, ein schwarzer Bart umrahmte sein Gesicht, und die mageren Finger zuckten in nervöser Erregung. Er bewegte sich unsicher, hielt sich meistens an den Möbeln fest und schritt auch dann mit jenen willenlosen Bewegungen einher, an denen man die Rückenmarkleidenden erkennt. Durch übermäßigen Gebrauch narkotischer Mittel hatte er seinen Zustand nicht gebessert, und oft glich er, wenn er aus dem künstlichen Schlaf erwachte, einem Geisteskranken.

Heute war er klarer; er hob sich in seinem neuerdings für ihn angefertigten Krankenstuhl empor und richtete einen fragenden Blick auf den Eintretenden.

„Schon etwas Neues, Teut? Wann geht's fort? Ah, und ich liege hier, ein ohnmächtiger Kranker, und muß zusehen.“

Ange tröstete mitleidig und verwies auf Besserung, freilich ohne es selbst zu glauben. Teut nickte ernst und gab Antwort auf diese und spätere Fragen.

„Ich denke, wir werden übermorgen C. verlassen“, sagte er. „Dem Oberst ist nur mitgeteilt, daß wir uns bis dahin marschfertig halten sollen. Eine bestimmte Ordre ist noch nicht eingetroffen.“

„Schon übermorgen,“ rief Ange erschrocken, ließ die Arme sinken, die noch eben auf der hohen Lehne des Krankenstuhls geruht hatten, und legte die Hand aufs Herz. Auch Clairefort wiederholte dieselben Worte, aber wie ein Abwesender, der mit seinen Gedanken weit fort ist.

„Bitte, Ange,“ hob er endlich mit sichtlicher Überwindung an, „verlasse uns jetzt. Ich habe etwas mit Teut zu besprechen.“

Ange sah das ernste Gesicht der beiden Männer und wandte sich gehorsam zum Gehen. Teuts Mienen blieben unbeweglich: vergeblich suchte sie seinen Blick.

Nachdem sie das Gemach verlassen hatte, fiel Clairefort zurück und bedeckte das Gesicht mit den Händen.

„Sie sind bewegt! Was ist Ihnen, Clairefort?“ begann Teut, einen Stuhl herbeirückend und des Freundes Schulter berührend. „Sie wünschen mir etwas zu sagen? Ich höre, Clairefort.“

Er hielt inne und erwartete, daß jener das Wort ergreifen werde. AlsClairefort stumm blieb, fuhr er fort:

„Reden Sie! Was es auch sei, es fällt in den tiefsten Brunnen! TeilenSie sich dem Freunde mit, der alles verstehen, und alles—“

„Verzeihen kann?“ ergänzte der Kranke, richtete sich plötzlich empor und sah Teut mit einem flehenden Blicke an.

„Ja,“ sagte Teut, „der alles verzeihen kann.“

Endlich beim Abschied, vielleicht beim Nimmerwiedersehen löste sich Claireforts Zunge. Wie lange hatte Teut ein Vertrauen herbeigesehnt, das unter den gegebenen Verhältnissen so natürlich war. Immer hatte Clairefort geschwiegen. Oft schien er einen Anlauf nehmen zu wollen, um sein Inneres zu öffnen, um abzustoßen, was ihn bedrückte, aber stets hatte sich sein Mund wieder geschlossen.

„Wohlan, es sei!“ begann Clairefort. „Es drängt mich, Ihnen heute zu sagen, was mich quält, Teut. Wer weiß, ob Sie mich noch lebend finden, wenn Sie zurückkehren. Hoffen wir es nicht, daß ich inzwischen davongehe, nehmen wir aber an, daß wir uns das letzte Mal gegenüberstehen. Vergeben. Sie mir auch—“ Clairefort stockte und holte mühsam Atem—„wenn ich Ihnen so oft wehe gethan habe, Sie durch Empfindlichkeiten, durch eifersüchtige Regungen, durch ein falsches Ehrgefühl kränke. Rechnen Sie, wenn es Ihnen möglich ist, ein wenig mit meinem Zustand, den ich selbst in seiner Bedeutung und seinem Umfang nicht kannte. Ich bin ein willenloser, schwankender Mensch geworden. Ach, Freund—“ Clairefort unterbrach sich, Schweißtropfen traten auf seine Stirn, und die Hände irrten unruhig umher—„ich habe mich unsühnbar vergangen gegen meine Frau und—meine Kinder—“ Er hielt inne, und auf seinem Gesicht malte sich eine furchtbare Angst. Er wollte weiter reden, aber vermochte es nicht.

Teut sprach sanft auf ihn ein: „Erholen Sie sich, Clairefort. Und nochmals: Fürchten Sie keinen Tadel! Was es auch sei, vertrauen Sie sich mir an.“

„Nun denn—“ ächzte jener und griff krampfhaft nach des Freundes Hand. „Nun denn—hören Sie. Ich habe—ich habe—nein, ich vermag Ihnen das Verbrechen—meine Schande nicht aufzudecken! Und doch möchte ich nichts verschweigen einem Manne, der wie keiner mein Vertrauen verdient, der es fordern kann, dem ich schon lange mich hätte eröffnen folgen, zu dem ich aber nicht sprach, weil die Scham mich erdrückte.“

Teut hörte mit angstvoller Spannung zu. Was würde er hören? Schande,Verbrechen? Vergeblich sann er hin und her.

„Seien Sie ein Mann, Clairefort. Raffen Sie sich auf. Wir sind hier zu zweien. Es bedarf keiner Versicherung, daß nie eine Silbe über meine Lippen kommen wird.“

„Nun denn, Teut, ich habe—unser ganzes Vermögen, das Vermögen meiner Frau, mein eigenes, das meiner Kinder—an der Börse verspielt,“ zitterte es aus des Kranken Munde. „Wir leben schon seit Jahresfrist von dem letzten durch Tibet ohne mein Wissen geretteten Kapital—und stehen in wenigen Wochen vor dem—vor dem Nichts—dem ich—ich—“

Der Mann fiel zusammen wie ein Scheit, das im Ofen zu Asche verglommen, plötzlich sich ablöst.

Teut wurde leichenblaß; es krallte sich um sein Inneres Schmerz und Empörung zugleich. Was er hörte, war mehr als entsetzlich. Das konnte ein Mann thun einem solchen Wesen, solchen Kindern? Er biß sich auf die Lippen und sprang empor. Aber nur einen Augenblicke dann lichtete sich in der Brust dieses seltenen Menschen der Funke edler Gesinnung, und lodernd schoß die Liebe empor für sie, der er geschworen, ein Freund zu sein fürs ganze Leben.

„Clairefort,“ sprach er, „wir erörterten nur einmal Geldangelegenheiten, und es soll heute das letzte Mal sein. Fürchten Sie nichts. Anders wird Ihr Leben sich zwar gestalten, aber Sie werden nicht darben. Axel von Teut meint es ernst mit Freundschaft und Gelöbnissen. Diese Versicherung sei Ihnen genug. Was geschehen, was hinter uns liegt, werde nie wieder zwischen uns berührt. Nur eine Bitte spreche ich aus: Sichern Sie mir zu, daß Ange nie erfahren wird, wie Ihr Vermögen zerronnen, noch weniger, daß es gänzlich dahin ist. Verschweigen Sie namentlich die Rolle, welche fortan der Freund übernimmt. Ich gelte von heute als Verwalter Ihrer Einkünfte und als der Vormund Ihrer Kinder. Sind Sie einverstanden?“

Clairefort hob sich empor. Seine Knie schlotterten, seine Augen glänzten überirdisch, aber indem er die Arme ausstreckte, um sich an des Freundes Brust zu werfen, glitt er aus und fiel schwerfällig auf den Teppich.

Teut beugte sich herab und horchte an seinem Herzen. Es schlug. Rasch eilte er zur Klingel. Gleich darauf trat Ange, von Tibet gefolgt, ins Zimmer.

„Beruhigen Sie sich, Gräfin,“ sagte Teut besänftigend. „Es ist nichts Schlimmes. Bringen wir Carlos ins Bett. Nur eine Ohnmacht. Er fühlte sich so schwach. Es wird vorübergehen.“

Ange forschte angstvoll in den ernsten Mienen des Sprechenden, währendTibet seinen Herrn aufrichtete und sorgsam zu betten suchte.

Nichts! Nur einmal sah er sie an, und in seinem Auge blitzte die alte, mit Trauer vermischte Zärtlichkeit.

Und dann kam der Abschied. Es war an einem Spätnachmittage. Ange war im Begriff, in den Garten hinabzusteigen, um die abgekühlte Luft zu genießen und nach den Kindern zu sehen. Jorinde und Ben schaukelten unter den schon dunkle Schatten werfenden Buchen in der Hängematte, und Fred und Erna holten Gießkannen herbei, um den Blumen ihrer Beete Wasser zu geben. Aus den Gebüschen, aus dem Erdreich quoll ein sanfter Duft, denn der Tau reizte die zarten Nerven der Bäume und Gräser. Bevor Ange die letzten Treppenstufen erreicht hatte, öffnete sich die Thür und Teut trat ihr entgegen. Sie sah an seinem Blick, daß er komme, um lebewohl zu sagen.

„Ich gehe zu Carlos hinauf,“ sagte Teut, „falls Sie in den Garten wollen, werde ich Sie später dort aussuchen. Noch diesen Abend verlassen wir die Stadt.“

Ange lehnte sich an das Geländer und legte die Hand auf die Brust.

„Also wirklich?“ Sie sah ihn mit einem ihrer stillen Blicke an, und er suchte ihre Augen mit einem Ausdruck, in dem sich nur zu deutlich widerspiegelte, was ihn bewegte.

„Werden Sie mitunter meiner gedenken, Ange?“

Sie antwortete nicht, sie neigte nur leise das Haupt. Wie schön sie gerade heute war! Ein eng anschließendes schwarzes Kleid umspannte ihren Leib, und zwei weiße Rosen schmückten ihre Brust. Um den Kopf hatte sie ein leichtes Tuch geschlagen, unter dem das zarte Gold ihres Haares hervorschaute. Und in dem Blauweiß ihrer Augen schwammen jene sanften und doch so dunkel blitzenden Sterne, welche kein Mann vergaß, wenn er sie einmal gesehen hatte. Während sie so vor ihm stand und das leichte Haupt auf die Hand stützte, fielen die reichen Spitzen des Gewandes zurück, und ein Arm von tadellosem Ebenmaß ward sichtbar. Ihre Gestalt schien in diesem Augenblicke frei in der Luft zu schweben, bei der unnachahmlichen Grazie ihrer Erscheinung von der Erde abgelöst zu sein.

„Liebe Ange!“ flüsterte Teut, von ihrem Anblick hingerissen, und trat einige Schritte vorwärts.

Sie aber glitt langsam die Stufen hinab und bat ihn durch eine Bewegung, ihr zu folgen.

Sie umschritten, ungesehen von den Kindern, das Haus und bogen in einen stillen Laubgang ein. Die untergegangene Sonne webte noch mit schwachen Lichtern in der Ferne; hier war es fast dunkel.

Wortkarg gingen sie nebeneinander her; beiden stockte die Sprache. Als sie zum zweitenmal den Weg maßen, schlug der Ruf eines der Kinder an ihr Ohr. „Mama Ange! Mama Ange! Wo bist du?“

Nun ergriff er hastig ihre Hand, legte seinen Arm um ihren Leib, und indem sie es duldete, fühlte er, daß eine Sekunde ihr Haupt an seiner Brust ruhte.

„Dank, Dank für alles, Teut! Auf Wiedersehen!“ schluchzte sie und riß sich von ihm los. „O Ange, Ange, meine liebe Freundin! Vergessen Sie mich nicht!“ flüsterte der Mann und hielt die aus dem Dunkel wie eine Lichterscheinung hervortretende Gestalt zurück.

„Niemals, niemals, Teut!“ preßte sie unter Thränen hervor. „Doch nun—die Kinder rufen!“

Sie traten aus den sie umgebenden Bäumen heraus. Im Grase zirpte es leise, ein Vogel flatterte schlaftrunken in den Zweigen. Drüben schien die Sonne ganz versunken; der Tag war zur Ruhe gegangen, und ihre Hände lösten sich.

* * * * *

„Lieber Teut!

Gottlob, daß Ihr Brief kam. Sie haben mich aus einer unsagbaren Angst befreit. Jetzt weiß ich, daß Sie am Leben und gesund sind; nun tritt alles übrige in den Hintergrund. Ich schreibe auch gleich, um Ihnen an den Tag zu legen, wie sehr meine Gedanken bei Ihnen sind.

Lassen Sie mich vorerst erzählen, wie es bei uns geht. Carlos' Zustand ist derselbe hilflose, aber er ist zeitweise heiterer und mitteilsamer. Ich war sehr gerührt, als er vorgestern die Kinder zu sich kommen ließ, sie liebkoste und sich mit ihnen beschäftigte. Das ist seit Jahr und Tag nicht mehr der Fall gewesen.

Sie glauben aber auch nicht, wie artig die kleine Schar ist und welcheFortschritte sie macht.

Ben und Fred gehen nun ins Gymnasium und stolzieren sehr wichtig mit ihren Schulranzen einher. Mit Fräulein Elise, der Gouvernante, geht es fortdauernd gut. Sie ist eine liebenswürdige, gutherzige Dame, und die Mädchen zeigen ihr auch täglich, wie lieb sie dieselbe haben.

Es wird Sie freuen, lieber, vortrefflicher Freund, daß Carlos jetzt auch nicht mehr so übertrieben sparsam ist. Seit Ihrem Fortgang hat er für den Haushalt zugelegt, und auch Tibet hat mehr zur Verfügung als in dem letzten halben Jahre. Ich hatte schreckliche, peinliche Verpflichtungen bei Handwerkern und in meiner Umgebung—schelten Sie nur nichts ich verstand es ja bisher so schlecht, lerne es aber gewiß noch einmal ganz gut—, die nun alle bezahlt sind. Welch ein köstliches Gefühl, keine Schulden zu haben!

Die Villa behalten wir einstweilen, da die Miete ermäßigt ist. Carlos stellte dem Besitzer die Alternative, abzulassen oder der Kündigung gewärtig zu sein.

Sehen Sie, so ist es bei uns. Wäre mein teurer Carlos nicht so krank, lebte Carlitos noch und wären Sie nicht fort, Sie mein lieber, treuer Teut, ich würde sagen, daß wir vollkommen glücklich sind!

Ich bekam neulich, auf Empfehlung von Fräulein Elise, die Briefe derMadame de Sévigné an ihre Tochter in die Hand. Welch ein Genuß! JedeMutter sollte lesen, was diese weltkluge und feinfühlende Fraugeschrieben hat, und suchen, es sich zu eigen zu machen.

Noch eins. Jorinde spielt jetzt wirklich allerliebst Klavier, und neulich hatte sie mit Fred ein kleines vierhändiges Stück zu Carlos' Geburtstag eingeübt, das großen Erfolg hatte. Elise war sehr stolz, und ich habe ihr—das werden Sie, Bärbeißiger, nun wieder höchst unvernünftig finden—eines meiner seidenen Kleider geschenkt.

Ich komme ja doch nicht mehr in die Gesellschaft, habe auch, ehrlich bekannt, wenig Verlangen danach.

Neulich hat Frau von Ink mir einen Besuch gemacht. Ich begegnete Fräulein Eva, der Braut, und nahm sie mit mir. Ich finde es doch sehr artig, daß sie sich persönlich bedankt hat. Ich weiß, Sie mögen die Dame nicht, gestehe aber, daß ich sie sehr liebenswürdig finde, und daß ich den Eindruck habe, sie meine es gut mit mir.

Nein! nein! höre ich Sie sprechen. Nun, wenn Sie kommen, können wir ja den Verkehr wieder einschlafen lassen.

Fred läßt Ihnen sagen, Sie möchten ihm einen französischen Tschakomitbringen. Werden Sie es nicht vergessen? Ange umarmt Sie zärtlich.Eben kommt sie herbeigelaufen und will Bonbons. Sie erhält aber keine.Onkel Axel möchte französische Bonbons schicken! meint sie.

Heute will ich meines Carlitos' Grab besuchen, Teut; ich lege auch inIhrem Namen eine Blume darauf nieder.

Und nun leben Sie wohl, Sie Einziger, Bester, und schreiben Sie bald wieder und Gutes Ihrer Sie herzlich grüßenden und dankbaren

Ange von Clairefort.

Ach, wenn doch der schreckliche Krieg erst beendet wäre!“

Als Teut diese Zeilen empfangen hatte, schrieb er einen Feldpostbrief, welcher an seinen Banquier in Berlin gerichtet war. Dieser Brief, von dessen Inhalt Ange später Kenntnis erhielt, möge hier Platz finden.

„Geehrter Herr!

Kurz vor meiner Abreise von C. ersuchte ich Sie monatlich die Summe von tausend Mark an die Adresse des Bankhauses Danz u. Co. in C. abzuführen und demselben mitzuteilen, daß dieser Betrag gegen die eigenhändige Quittung des Grafen Carlos von Clairefort und die Gegenzeichnung des Empfangnehmenden Ernst Tibet auszufolgen sei.

Ich bitte, und zwar vom ersten des kommenden Monats ab, diesen Betrag um fünfhundert Mark zu erhöhen, also fortan fünfzehnhundert Mark zur Begleichung einer Schuld an den Herrn Grafen Clairefort zu zahlen. Wegen der an mich zu sendenden Monatsraten bleibt es bei den früheren Bestimmungen.

Ich ersuche Sie zugleich, sich umzusehen, ob die beiden großen Posten von je dreihunderttausend Mark nicht in Zukunft zu fünf Prozent in zweiten Hypotheken unterzubringen wären. Ich denke, es giebt dergleichen sichere Anlagen, und ich könnte meine Einnahmen erhöhen. Da ich in der Folge vom Zinsenkapital nicht mehr zurücklegen kann, muß ich mich etwas einzurichten suchen.

Dem dortigen Hilfskomitee für die Verwundeten wollen Sie unter A.v.E. gefälligst fünftausend Mark überweisen.

Ich sage Ihnen im voraus meinen Dank und erbitte Ihre baldigenMitteilungen.

Baron von Teut-Eder,

Rittmeister und Eskadronchef.“

* * * * *

Die beiden Briefe, nach ihrem Inhalt bezeichnend für Ange und Teut, wurden im September geschrieben, aber bereits zwei Monate später trat im Clairefortschen Hause ein so folgenschweres Ereignis ein, daß alles für die Familie in Frage gestellt schien.

Als sich Ange eines Morgens in das Zimmer ihres Mannes begab, um sich ihrer Gewohnheit gemäß, nach seinem Befinden zu erkundigen, schlug ihr eine unerträgliche Hitze entgegen, und sie fand ihn nicht wie sonst bereits an seinem Schreibtische sitzen. Wenn Clairefort starke Schmerzen in der Nacht fürchtete, pflegte er häufig noch spät abends von Tibet heizen zu lassen, denn nur allzuoft verursachte ihm sein Zustand Schlaflosigkeit.

Als Ange ins Gemach spähte, fand sie zu ihrem Schrecken, den Nachttisch umgeworfen; Glaser, Leuchter und Flaschen waren herabgestürzt und bedeckten Fußboden und Teppich. Clairefort selbst aber lag—das Haupt nach unten und mit den Füßen das Kopfkissen berührend—neben der zurückgeschlagenen Schlafdecke wie ein Lebloser hingestreckt.

Ange flog ans Bett und horchte auf ihres Mannes Atem. Sein Herz schlug so leise, daß sie es kaum zu hören vermochte, und sein Aussehen war so verändert, daß sie—jetzt todesgeängstigt—die Schnur zog.

„Was ist geschehen? Was ist geschehen, Tibet?“ rief sie, als dieser näher trat. „Waren Sie noch in der Nacht bei dem Grafen? Sehen Sie, wie schrecklich er aussieht! Sein Herzschlag geht leise! Ich ängstige mich namenlos!“

Tibet warf einen betroffenen Blick umher und näherte sich seinem Herrn.

„Ich möchte glauben, daß der Herr Graf wohl ein sehr starkes Schlafpulver zu sich genommen hat,“ erklärte er beruhigend. „Während heftiger Träume mag er um sich geschlagen und zufällig den Tisch berührt haben. Das ist früher auch schon vorgekommen.“

„Ach, der Arme!“ sagte Ange mitleidig. „Gewiß hatte er wieder seine furchtbaren Schmerzen. Und meinen Sie, daß er schläft, daß keine Gefahr vorhanden ist, Tibet?“

„Nein, Frau Gräfin, dürfen sich beruhigen.“

Nach dieser Versicherung traten beide ins Wohngemach.

„Glauben Sie nicht,“ fragte Ange nach einer Pause und dämpfte ihre Stimme, „daß diese starken Schlafmittel sehr schädliche Nachwirkungen haben?“

„Ja, Frau Gräfin,“ erwiderte Tibet; „aber viel schlimmer sind noch—“

Er unterbrach sich mit einem Gesichtsausdruck, als ob das letzte Wort ihm nur entschlüpft sei.

Als Ange sah, daß ihr etwas verheimlicht werden sollte, stieg ihreAngst.

„Nicht doch, nicht doch! Sie wollen mir etwas verschweigen. Ich will und muß es aber wissen. Ach Tibet! War es überhaupt gut, daß Sie nie mitteilsam gegen mich waren? Wer weiß, ob nicht manches hier im Hause anders stände!“

Sie strich sich mit der schmalen Hand über die thränenden Augen.

„Reden Sie, ich beschwöre Sie!“ fuhr sie fort, als er noch immer schwieg. „Was ist noch schlimmer? und welche Heimlichkeiten haben Sie mit meinem Gemahl schon seit Jahren?“

„Ach, Frau Gräfin—“ stotterte Tibet und sah Ange bittend an. „Es ist nichts, gewiß nicht!“

„Ist es denn Neugierde, die mich veranlaßt, Sie zu fragen?“ sagte Ange mit sanftem Ernst und blickte Tibet traurig an. „Ist es nicht die Sorge für meinen geliebten Mann! Ach, ach! wie viele thränenvolle Stunden habe ich schon um seinetwillen gehabt!“

Tibet hatte ganz die Fassung verloren. Er stand da wie jemand, der sich eines schweren Vergebens schuldig fühlt und aus Scham und Verzweiflung kein Wort findet. Endlich raffte er sich auf und sagte:

„Verzeihen Sie mir, Frau Gräfin. In allem, was ich that, folgte ich dem Befehl des Herrn Grafen. Wenn ich unrecht that—ich that gewiß unrecht gegen Sie—o, so vergeben Sie es mir!“

„Nun wohl! Lassen wir Vergangenes! Aber was ist jetzt?“ drängte Ange.„Sprechen Sie endlich.“

Tibet sah mit scheuem Blick nach der Thür und flüsterte leise: „Schonseit reichlich einem Jahr nimmt der Herr Graf überaus starke DosenMorphium zu sich. Niemand weiß es. Er befahl mir unbedingteVerschwiegenheit. Auch gegen Sie verbot er, darüber zu sprechen.“

Ange bewegte traurig das Haupt: plötzlich aber schrak sie auf.

„Barmherziger Himmel! Sollte ihm doch bereits etwas zugestoßen sein?“

Sie eilte von Tibet fort, wandte sich ins Nebenzimmer und stieß, hineinblickend, einen Schrei aus.

Clairefort saß wachend aufrecht im Bett. Er sah Ange mit stieren Augen an und schien sie doch nicht zu sehen. Unzusammenhängende Worte glitten über seine Lippen.

„Carlos, Carlos, mein geliebter Carlos!“ rief Ange, flog an sein Lager und ergriff seine Hand.

„Sag, was ist Dir? O, komme zu Dir! Es ist Ange, Deine Ange! Hörst Du sie nicht?“

Er nickte wie ein Abwesender. Offenbar ward er nicht Herr der ihn bedrückenden Vorstellungen, und um sie zu verscheuchen, glitt er wiederholt mit den kranken Händen über Stirn und Haar.

Ange heftete mit zerrissenem Herzen die Augen auf ihren Mann. Auch Tibet war tief erschüttert durch diesen Anblick.

„Wünschest Du das Frühstück, Carlos? Soll ich nicht die Fenster öffnen und frische Luft hereinlassen? Willst Du aufstehen—Dich in Deinen Stuhl setzen? Sprich Lieber! Was hast Du? Ach, ach!“

Nichts! Er schien nicht zu hören, und sie sank wie zerknickt neben ihm nieder.

Immer starrte er geradeaus, griff sich an die Stirn und suchte mit vergeblicher Anstrengung seinen Geist zu ordnen.

Jetzt erhob sich Ange und riß die Fenster auf.

„O, ich ersticke in dieser Luft! Sie muß auch Dir schädlich sein! Komm, laß Dich mit Wasser benetzen. Tibet helfen Sie! Wir wollen den Grafen drinnen in dem luftigen Zimmer betten.“

Aber Clairefort fiel, ehe sie ihn berührten, schwerfällig zurück, schloß die Augen und blieb bewußtlos liegen. Es hatten ihn abermals der Schlaf oder eine Ohnmacht befallen.

Nun eilte Tibet zu dem Arzt, und inzwischen saß Ange wie eineVerzweifelte an dem Bett des Kranken.

Nach einer Weile kamen die Kinder, die ihre Mama vergeblich beim Frühstück erwartet hatten. Es schnitt Ange durch die Seele, als sie so fröhlich und ahnungslos hereinstürmten. Noch lag die feine Röte einer gesund verbrachten Nacht auf ihren Wangen, noch umströmte sie in ihren sauberen hellen Morgenkleidern jene aufquellende Frische, die namentlich Kinder nach dem Schlafe wie ein unsichtbarer Hauch umwebt.

„Mama, Mama, wo bleibst Du denn?“ rief die kleine Ange und stand da und sah so schön aus, als ob eine zarte Blüte eben vom Baum geschwebt sei.

Aber sie schraken zurück, als sie den kummervollen Ausdruck in Anges Augen bemerkten, als sie mit ihrem Instinkt begriffen, daß ihrem Papa etwas zugestoßen sein müsse.

„Geht, geht, lieben Kinder!“ sagte Ange sanft und traurig wie damals, als den kleinen Carlitos das furchtbare Fieber erfaßt hatte. „Papa ist sehr krank. Ich muß noch bei ihm bleiben. Ich komme bald! Frühstückt nur allein—und—dann eilt euch. Ben, Fred, ist's nicht schon Zeit für die Schule?“

Sie nickten gehorsam und schlichen auf den Zehen davon.

Und doch war dies nur ein trauriges Vorspiel zu dem noch traurigerenEnde.

Zwar erholte sich Clairefort, und einige Zeit schien er sogar wieder geistig frischer und körperlich gesunder, aber dann erfaßte ihn von neuem eine wortkarge teilnahmlose Schwermut. Er wollte niemanden sehen und sandte selbst Tibet fort, der neuerdings bei ihm nachts gewacht hatte.

„Nein, nein, gehen Sie! Seit lange hatten Sie keinen ordentlichen Schlaf, Tibet. Ich fühle mich heute ganz wohl und bedarf Ihrer nicht mehr,“ beschied er ihn eines Abends und bestand auf seinem Willen.

Als Tibet sich entfernt hatte—ein ungewöhnlich freundlicher Blick traf ihn heute aus Claireforts Auge—, setzte sich dieser an seinen Schreibtisch und arbeitete mehrere Stunden. Endlich erhob er sich mühsam und trat, sich an Tisch und Stühlen vorwärts tastend, an den Spiegel. Er blickte hinein und schrak vor seinem eigenen Bilde zurück. Es machte ihn sogar ängstlich, denn er schaute sich furchtsam um, und ein Schauer flog über seinen Körper.

„Sterben!“ flüsterte er. „Ja dann fallen alle Gespenster, weichen alleSchmerzen und sind alle Seelenqualen vorüber.“

Auf dem Wege zu seinem Schlafgemach blieb er noch einmal zaudernd stehen.

Nur allzu lang ist oft die Brücke! Ein einziger plötzlicher Gedanke, irgend eine liebe oder peinliche Erinnerung verknüpft den Menschen von neuem mit dem Leben, und der grauenhafte, blitzartig oder allmählich entstandene Entschluß wird doch zu Nichte.

Clairefort ließ sich aufs Bett nieder und griff mit zitternden Händen tief unter die Decke. Bei dieser Bewegung setzten unerwartet die Schmerzen wieder an, und wimmernd hielt er inne. Aber bald begann er von neuem, fand endlich, was er hier verborgen hielt, und stellte es auf den Tisch. Es waren zwei Flaschen mit verschiedenem Inhalt.

„Dies wird sicher genügen, um nicht wieder aufzuwachen,“ murmelte er. Aber doch verging noch eine lange Zeit, ehe er sich zum Sterben rüstete. Seine Gedanken flogen hin und her wie Herbstvögel; oft traten ihm Thränen ins Auge. Einmal schleppte er sich in sein Wohngemach zurück, öffnete den Schreibtisch und nahm Anges Bild hervor. Es war zur Zeit ihrer Verlobung gemalt.

„Ach, wie schön, wie schön!“ flüsterte der Mann und bedeckte das Glas mit Küssen. „Und Dich soll ich verlassen? Und Euch, Euch, Ihr süßen Kinder—“

Es packte ihn die Angst und die Scham, furchtbare Schauer jagten durch seine Seele. Kalter Schweiß brach hervor auf seiner Stirn. Was wurde aus ihnen? Welch ein erbärmlicher, gewissenloser Mensch war er! Er wollte davongehen, und nicht einmal für das Nächstliegende, ja vielleicht nicht einmal für sein eigenes Totenhemd war gesorgt.

Aber halt! War da nicht ein Geräusch auf dem Korridor?

Hastig verschloß Clairefort das Porträt, als sei's ein Vergehen, es zu betrachten. Er lauschte herzklopfend—schlich wie ein Dieb an seine eigene Thür. Aber es war nichts.

Nun nahm er seinen Platz wieder ein und lehnte sich zurück. Konnte er noch gesund, schmerzensfrei werden?

Nein, jetzt niemals mehr! Ohne Morphium vermochte er überhaupt ferner nicht zu leben. Was that er noch auf der Welt? Seine Pflicht, die Pflicht gegen die Seinigen hielt ihn! Nein, auch die konnte ihn nicht ans Leben fesseln. Er war ja ein Nichts. Er war nur eine Last—nur ein—

Es übermannte ihn die Seelenqual: er schluchzte und erschrak vor den Tönen, die sich seiner eigenen Brust entrangen. Er war nur ein Hindernis für Anges Glück. Fort denn, je schneller, desto besser!—Teut! Teut! Da kam ihm der Gedanke an ihn. Welch ein Mensch! Er würde sie nicht verlassen. Nein, sicher nicht! Gut, also sterben—

Was Clairefort noch zu sagen hat, befindet sich in den Blättern aufgezeichnet, welche Ange morgen finden wird.

Aber wenn er nun nicht stirbt, wenn es nicht gelingt, wie jüngst? Er bewegt den Kopf. Wohl, er wird das Schriftstück unter sein Kopfkissen legen, nicht auf den Tisch. Wacht er abermals auf, dann bleibt seine Absicht verborgen.

Während er sich an sein Bett wendet, ziehen noch einmal die letzten Jahre an ihm vorüber. Wie er zum erstenmal gespielt und ihn dann der Teufel erfaßt hat, wie er vom Glück begünstigt wird und dann doch alles wieder verliert. Und immer von neuem verliert! Wie er innehalten will und doch sich überredet, er werde den Verlust zurückerobern, endlich—ein Verzweifelter—die größten Summen einsetzt, um abermals betrogen zu werden und zuletzt sich sogar am fremden Eigentum vergreift! Das Vermögen seiner Frau, seiner Kinder opfert er auch noch dem wahnsinnigen Gelüste!

Die Decke auf dem kleinen Nachttisch hat sich verschoben. Clairefort zupft daran. Noch im letzten Augenblicks beherrscht ihn der kleinste Gewohnheitsdrang.

Er legte sich nieder, macht fast pedantisch alle Vorbereitungen, zittert, setzt erst das eine Glas an, greift dann zum anderen—

Nun sinkt er zurück——

* * * * *

Noch während Carlos' sterbliche Überreste in der Villa standen, warf Ange einen Blick in die zurückgelassenen Blätter. Sie las den Inhalt in der zweiten beginnenden Nacht, und die Gespenster des Entsetzens drangen auf sie ein.

Sie zerknitterte die Schriftstücke in ihrer Hand, sprang empor und rief nach Tibet. Ernst, bleich, ahnend, was vorgefallen, erschien der Mann und blieb wie angewurzelt an der Thür stehen.

„Tibet! Tibet!“ schrie Ange, blaß, abgehärmt und kaum wiederzuerkennen durch die Wirkungen ihres maßlosen Schmerzes. „Das alles wußten Sie seit langen Jahren und Sie schwiegen? Dem allen waren Sie ein Helfer und kannten und liebten doch meine Kinder? O Mensch, sprechen Sie, damit ich wenigstens einen Grund finde, Ihnen zu verzeihen! Nicht verloren durch Ungemach, alles was wir besaßen—nein, durch Spiel—durch Spiel! Man sitzt über Menschen zu Gericht, tötet sie, wenn sie, von der Leidenschaft fortgerissen, einen andern morden!—Ist Leidenschaft denn Vernunft, und kann man richten, wo die Vernunft fehlte? Aber wie ahndet ein Gott ein so furchtbares Verbrechen?—Wie er es ahndet? An dem Glück Lebendiger, indem er die Unschuldigen ins Verderben zieht! Kinder, reine, arglose Geschöpfe müssen dafür büßen!—Was hier geschehen, sucht seinesgleichen; Ich las wohl Schreckliches, wie Menschen sich gegen Menschen versündigten; ich hörte von Mord, Gift, Verrat, Folter. Ist eine solche Handlungsweise nicht herzloser, unmenschlicher? Ein Familienvater, der weiß, daß ihn Gott mit zehrender Krankheit geschlagen, spielt—spielt auch dann noch ohne Anlaß, ohne Not, vergreift sich an fremdem Eigentum und wagt das letzte um eines Vorteils willen, der ihn um keinen Schatten glücklicher machen konnte. Zuletzt giebt er sich den Tod—ein Selbstmörder!—Ein Selbstmörder?—O leise, leise, daß es niemand hört! Verbrennen wir diese Schande! Rasch, Tibet!—Und doch, nein! Es ist ja von seiner Hand, das letzte von ihm, welcher der Vater meiner Kinder war, den ich so unsagbar liebte, der litt, in Schmerzen sich wand!—Nein, nein, vergessen Sie, was ich sagte! Ich sprach irre. Mit meinem Herzen hatte es nichts zu thun. Ich weiß, wie er gelitten hat. Kein Mensch starb unter solchen Qualen, keinen Menschen gab es, den der Tod bei Lebzeiten schon so marterte!—Aber was soll nun werden? Hier, hier steht's. Ein rätselhafter Satz: ‚Und dennoch ist für Deine Zukunft gesorgt, Ange. Ich glaube es. Dieser Glaube, diese Hoffnung erleichtert mir den Tod. Ich darf nicht reden. Ein Schwur verbietet es. Frage Tibet, ihn bindet kein Gelöbnis.‘—Nun, so reden Sie, Tibet! Was ist's? Um meiner armen Kinder willen flehe ich Sie an! Sprechen Sie! Ach! ach!“

Ange sank in einen Stuhl neben dem Tische nieder, auf dem Carlos' furchtbares Vermächtnis lag, und weinte so herzerbarmend, daß dem Manne, der das alles stumm angehört hatte, bei diesem Jammer das Herz zerschmolz.

Als Tibet immer noch nicht antwortete, schoß Ange empor:

„Sprechen Sie!“ rief sie. „Ich fordere es bei dem Andenken des Unglücklichen! Ich fordere es für die Unmündigen! Ich erbitte es—um meinetwillen—“

Ihre Stimme versagte.

„O, beruhigen Sie sich, Frau Gräfin!“ zitterte es aus Tibets Munde. „Ich will sprechen, da Sie es verlangen, und ich schwöre Ihnen bei dem Gott, an den ich glaube, daß ich unschuldig bin! Ich habe in all den Jahren den Grafen angefleht, von dem unseligen Spiel zu lassen. Ich habe ihm sogar in dem Gedanken an Sie und die Kinder einmal einen Gewinn verheimlicht, bis die Not—“—er stockte, und Ange sah ihn fragend und furchtsam an—„bis die Not mich zwang. Wir hatten nichts mehr zum Leben. Mit diesem Betrage bestritt ich im letzten halben Jahre die Ausgaben bis, bis—“

Ange unterbrach ihn nicht; sie saß wie erstarrt.

„Ein Eid band mir die Zunge. Ich verdanke ja alles dem Herrn Grafen. Ich durfte nicht reden und litt mehr darunter, als Worte zu beschreiben vermögen, Frau Gräfin; glauben Sie mir! O, vernichten Sie mich nicht ganz, indem Sie mir Ihr Wohlwollen entziehen!“

„Gut, gut! Weiter!“ drängte Ange leichenblaß und in steigender Erregung.„Und das Geheimnis? Ich will alles wissen. Auch das Schrecklichste kannmich nicht mehr erschüttern, und ist es ein Trost, eineErleichterung—nun, um so besser.“

Noch zögerte Tibet; die Zunge war ihm wie gelähmt. Seine Knie schlotterten. Er wußte, was er hervorrief. Er hörte schon den Schrei der Empörung von ihren Lippen.

„Mensch,“ rief Ange und ballte die kleinen Hände in furchtbarer Erregung, „machen Sie nun ein Ende! Ich bin ein Weib, zarter, schwacher geartet, auch nicht vertraut mit Hinterlist und Lügen—“

„O, Frau Gräfin!“ ächzte Tibet bei diesen Worten. Eine fahle Blässe flog über sein Gesicht.

Sie begriff, wie tief sie ihn verwundet. Sie sah es und streckte ihm die Hand entgegen. Sie wußte nicht mehr, was sie sprach. Sie bat es ihm ab, und ein Schimmer dankbarer Freude flog über seine Züge.

„Nun denn—“ sagte Tibet kurz und ohne Betonung, „wir leben bereits seit Ausbruch des Krieges von der Güte des Herrn von Teut. Ich habe monatlich tausend Mark, später fünfzehnhundert Mark bei einem hiesigen Bankhaus für unseren Unterhalt erhoben.“

Ja, nun schrie allerdings die Frau auf, daß die Gegenstände umher zu erbeben schienen. Es hallte durch das ganze Haus, drang in den kleinsten Raum.

„Carlos! Carlos!“ rang es sich aus Anges Brust. Er mußte in seinem Totenschrein aufwachen bei diesem Schrei, denn er umfaßte eine Welt von Empörung, Schmerz und Scham. Derselbe Mann, der Teut durch Eifersucht verwundet, durch Mißtrauen gekränkt, noch jüngst durch hochmütige Zurückweisung von Geschenken verletzt hatte, nahm Wohlthaten in solchem Umfange und verwies im Sterben, im Selbstmord auf die Hochherzigkeit dieses Freundes.

Für Augenblicke war es totenstill in dem Zimmer. Ange brach zusammen, und Tibet stand wie eine Bildsäule. Endlich erhob sie den Blick und winkte ihm, das Gemach zu verlassen.

Bevor Anges Gatte draußen auf dem Kirchhof neben dem kleinen Carlitos bestattet wurde, trat Ange noch einmal an sein Totenlager. Die Vorhänge des nach dem Garten gehenden Zimmers waren herabgelassen, und eine erstickende Luft benahm ihr fast den Atem.

Nun sah sie ihn zum letztenmal: in einer Stunde sollte der Sarg geschlossen werden. Er glich kaum einem Abgeschiedenen. Ruhe lag auf seinen Zügen, und um die Mundwinkel spielte jetzt im Tode jenes milde Lächeln, das Ange für so manchen ernsten Blick und so manche mürrische Miene während seiner Lebenszeit entschädigt hatte.

„Vergieb, Carlos!“ flüsterte sie und berührte mit ihrer Hand die weiße Stirn des Toten. Und in ihren Gedanken fuhr sie, das Auge auf ihn gerichtet, fort: „Im ersten Schmerz bäumte ich mich gegen Dich auf. Ich saß über Dir zu Gericht und vergaß, daß ich allein an allem schuld bin. In den Blättern, die Du mir hinterlassen hast, steht auf jeder Seite, wie sehr Du mich liebtest und wie Deine Gedanken sich immer damit beschäftigten, daß ich nichts entbehren möge von dem, womit Du mich seit unserer Ehe umgeben hattest. Ja, ja, mein Geliebter, Du wolltest unseren Besitz vermehren—nicht aus eitler Gewinnsucht, nein, für mich, damit ich ein Wohlleben nicht einschränken brauchte, in dem Du mich allein glücklich wähntest. Du irrtest, Carlos! Ich nahm alles, weil ich es fand, weil Du mir nie einen Zwang, eine Beschränkung auferlegtest. Ich wäre nicht minder glücklich gewesen in bescheidenen Verhältnissen, denn Deine Liebe, der Besitz unserer Kinder war mein Glück. Ja, vergieb mir, daß ich nicht selbst erkannte, wie thöricht mein Leben war, daß ich nicht aus den mich umgebenden Erscheinungen Vergleiche zog und eine Lebensweise änderte, die schon die tausendfältige Not anderer verbietet. Aber, Carlos, begehrte ich auch für meine Person viel, Du hast mir verziehen, weil ich es nicht besser verstand. Hier, hier schwöre ich Dir in dieser Stunde, mein Carlos, daß ich denen, die Gott mir erhalten hat, eine treue, sorgsame Mutter sein will und—vermag ich es—sie erziehen werde zu braven, tüchtigen, einfachen Menschen. O, wie graut mir heute vor dem Reichtum. Alles, was mich umgiebt, ekelt mich an. Es sind die Bilder des Scheins, der Lüge, der Überhebung.“

Ange sank schluchzend an dem Sarge nieder. Jetzt kamen ihr wieder die Gedanken, die sie bald nach ihres Gatten Tode beherrscht hatten: Was ward aus ihren unmündigen Kindern? Es war begreiflich, daß ein so seelenvolles Wesen wie Ange Clairefort mitten im Schmerz Betrachtungen über ihre Zukunft und die Handlungsweise ihres Mannes angestellt hatte, weil ihr Denken und Fühlen zu eng mit ihren Kindern verwachsen war. So war auch ihre Empörung, so waren auch die Ausbrüche ihrer Verzweiflung nichts anderes als ein Ausfluß ihrer Liebe, und nur zu bald wichen diese Erregungen einem sanfteren Schmerz, in welchem sie alle Schuld von dem Toten abzuwälzen suchte.

Es wäre unnatürlich gewesen, wenn sich Anges Gedanken nicht auch zu Teut gewendet hätten, wenn nicht die Hoffnung in ihr emporgestiegen wäre, er werde sie nicht verlassen, jetzt, wo die Sorge sich an sie heranwälzte.

Aber in diese Hoffnung mischten sich Angst und Scham. Jetzt, vielleicht in diesem Augenblick, war Teut schon nicht mehr unter den Lebenden. Sie zitterte bei diesem Gedanken, aber sie schüttelte sich auch in seelischer Qual, wenn sie überdachte, daß sie fortan allein auf seine Wohlthaten würde angewiesen sein.

Ihr Stolz bäumte sich auf; sie faßte die wirrsten Entschlüsse, bis sie nach langen Irrgängen der Überlegung immer wieder zu der entsetzlichen Einsicht zurückkehrte: Es bleibt entweder nur die Wohlthätigkeit fremder Menschen, damit Deine Kinder leben können, damit sie nicht darben und vergehen, damit sie erzogen werden, um brauchbare Mitglieder der menschlichen Gesellschaft zu werden, oder—

Ja, da kamen andere furchtbare Gedanken, die sich in ihrem Gehirn festbrannten, die geboren wurden aus Hilflosigkeit und Verzweiflung. Wie wäre es, wenn sie mit ihren Kindern dem folgte, der hier im Sarge lag? Was stand den Armen bevor! Demütigung, Entbehrung, Not—gar Schande.

Sie hörte sie klagen und weinen. Sie scharten sich um ihre Mama. Sie bettelten um die ihnen jetzt entzogenen notwendigen Dinge, sie wollen ihre unschuldigen Liebhabereien, sie kamen, damit ihre kleinen Herzen getröstet wurden.

Und die Menschen! Wie sie zischelten und mit den Fingern zeigten, wie sie sich abwandten und gar hämisch frohlockten, daß diese übermütige, verwöhnte Frau die Bitterkeit des Lebens nun auch endlich kostete wie sie selbst.

Ah, wie das alles ihre Seele marterte! Ja, lieber sollte sie ihreKinder, sich selbst töten——

Aber ein Herz wie das ihre mußte schon bei dem bloßen Gedanken an denTod ihrer Kinder erstarren.

Nein! nein! Entsetzlich! Lieber Not leiden, ja betteln, als ihren süßen Geschöpfen auch nur ein Haar krümmen! Und Sterben war nicht eine Sache des Willens; zum Selbstmord gehörten tausend Dinge, die sie nicht verstand und bei deren Vorstellung ihr grauste.

„Barmherziger Schöpfer, vergieb! Vergieb auch Du mir, mein Carlos, diese gräßlichen, unreinen Gedanken!“ betete Ange, faltete die Hände und atmete, aus dem Schauder ihrer Vorstellungen befreit, erleichtert auf.

Sie besaß so kostbaren Schmuck, daß sie durch dessen Verwertung noch eine Zeit lang ohne Wohlthaten leben konnte. Diese Überlegung war ihr gekommen in der letzten schlaflosen Nacht und erleichterte ihr wenigstens die nächsten Sorgen.

Bevor Ange, durch die Handwerker aufgestört, das Zimmer verließ, brachen doch noch einmal die Thränen unaufhaltsam hervor. Sie rief eilend die Kinder, ließ sie niederknien und betete mit ihnen.

„Hattet Ihr ihn lieb, Euren Papa?“ schluchzte sie.

Die Kinder nickten ängstlich und scharten sich mit den feinen blassenGesichtern um die Mama.

Als sie sich endlich zur Thür wandten, schmiegte sich die kleine Ange an ihre Mutter und sagte: „Wird Papa auch so hübsch begraben wie Carlitos?“

Bei dieser Frage zuckte Ange zusammen.

„Nein, Ange, nein! Onkel Axel ist ja nicht da.“

„Kommt er denn nicht?“

Ange antwortete nicht; sie bewegte nur das Haupt und zog hastig dieKleinen mit sich fort, die nun zum letztenmal das bleiche Gesicht ihresPapas gesehen hatten.

* * * * *

Während noch der Graf über der Erde stand, war ein Brief von Frau vonInk an Ange eingelaufen.

„Ich muß es Ihnen aussprechen, gnädige Gräfin“—schrieb Olga—„wie sehr ich schon bei dem Tode Ihres herrlichen Knaben mit Ihnen fühlte und wie mich heute Ihr Schicksal bewegt! Ein Fremder vermag gegenüber einer solchen Trauer nichts. Das barmherzigste und mitleidigste Wort muß ohne Wirkung verhallen, weil die Besänftigung des Schmerzes nicht abhängig ist von äußerlichen Einflüssen, sondern in dem Menschen selbst sich reisen muß durch die allheilende Zeit. Und unter dieser Erwägung, gnädige und hochverehrte Frau, wird vielleicht auch meine aus aufrichtigster Teilnahme hervorgehende Bitte wirkungslos sein, daß Sie sich Ihrem Kummer nicht allzusehr hingeben mögen und daß Sie sich der Hoffnung nicht verschließen, daß auch für Sie wieder lebensfrohere Tage zurückkehren werden. Ich wünsche es von ganzem Herzen und würde überaus glücklich sein, wenn Sie mir gestatten wollten, Ihnen bald einmal mündlich mein Beileid ausdrücken zu dürfen. Glauben Sie, ich bitte, an das herzliche Mitgefühl und die verehrungsvolle Freundschaft Ihrer sehr ergebenen

Olga von Ink.“

Ange fand in der Aufregung, Unruhe und Sorge der ersten Tage keine Zeit, diesen Brief zu beantworten. Sie ward aber an das Schreiben erinnert, als bald nach dem Begräbnis—es war der Erste des neuen Monats—Tibet sich ihr mit unschlüssiger Miene näherte und erklärte, daß das Bankhaus weitere Zahlungen verweigere. Es habe, berichtete dieser, den bestimmten Auftrag, nur gegen die eigenhändige Quittung des Grafen zu zahlen. Er—der Banquier—wisse ja selbst nicht, aus welcher Quelle jene Summen flössen, und müsse deshalb jedenfalls erst nähere Weisungen rücksichtlich der weiteren Ordnung der Angelegenheit abwarten. Daraus ergebe sich alles übrige.

Ange verlor auf Augenblicke gänzlich die Fassung. Schon der zustimmende Entschluß, Tibet wie bisher den Monatsbetrag erheben zu lassen, war ihr namenlos schwer geworden. Zweimal rief sie ihn, als er sich schon die Treppe hinabwandte, schamerfüllt zurück. Erst des umsichtigen Beraters Auseinandersetzungen über die unbedingte Notwendigkeit: die Bestreitung der durch den Todesfall hervorgerufenen Ausgaben, die täglichen Bedürfnisse des Haushaltes, die fällige Miete, die Kinder, die Dienstboten, endlich dessen beschwichtigender Hinweis, daß dieser Betrag aus irgend welchem Erlös ihres Eigentums zurückerstattet werden könne, schlugen Anges zitternde Bedenken nieder, und stumm nickend, hatte sie ihn endlich gehen lassen.

Und nun wurden alle diese ihrer feinen Seele entsprungenen Qualen doch noch weit mehr vergrößert durch—das Nichts.

Tibet kam mit leeren Händen!

Teut schreiben, ihn bitten, Geld anzuweisen, das vermochte Ange nicht.Sie wies diesen Gedanken als völlig ausgeschlossen zurück.

Jetzt erinnerte sie sich wieder ihres Schmuckes. Bei dieser Überlegung ängstigte sie es aber, daß Tibet ihn ausbieten, in C. ausbieten, wenige Tage nach Carlos' Begräbnis denselben veräußern solle. Nein, auch das gewann Ange nicht über sich.

Endlich erhob sie den Blick zu dem Manne, der mit der ernsten und bekümmerten Miene vor ihr stand, und sagte: „Was raten Sie, jetzt zu thun, Tibet?“

„Frau Gräfin,“ stieß dieser heraus, „wollen Sie mir nicht zürnen? Ich wüßte wenigstens vorläufig für das Drängendste Hilfe, wenn Sie diese annehmen wollten. Verzeihen Sie, wenn ich mich unbescheiden aufdränge—ich habe ein kleines Kapital gespart, darf ich dieses—“

„O braver Mensch!“ rief Ange gerührt; aber sogleich verbesserte sie sich: „Nein, Tibet, nein! Auch Sie noch der Ungewißheit preisgeben? Niemals! Ich darf Ihr Anerbieten nicht annehmen!“

„Sie können mir ja den Vorschuß später zurückgeben, Frau Gräfin,“ beharrte Tibet stockend. „Es ist ja Ihr eigen Geld—ich empfing es von Ihnen—ich verdanke es Ihrer Güte.“

Ange, zwar ergriffen von Tibets selbstlosem Zureden, aber, ihrer Veranlagung entsprechend, gerade deshalb von ihrem Gefühl lediglich beherrscht, hörte nicht auf seine Worte. Sie schüttelte den Kopf und zeigte in ihren Mienen ein deutliches Nein.

In diesem Augenblick meldete einer der Diener, daß Frau von Ink vorgefahren sei und um die Erlaubnis bitte, der Frau Gräfin aufwarten zu dürfen.

War dies nicht ein Fingerzeig des Himmels? Ange schwankte unschlüssig; endlich neigte sie den Kopf und der Diener eilte fort.

Gleich darauf hörte sie auch schon, wie Olga in ihrer ungestümen, etwas plumpen Weise den Wagenschlag hinter sich zuwarf und die Treppen der Villa hinaufeilte. Und nun trat sie, von Tibet gemeldet, ins Zimmer, umarmte Ange mit allen Zeichen der Betrübnis und setzte sich ihr mit dem Ausdruck aufrichtigster Teilnahme gegenüber. Dabei streifte ihr Blick das Gemach, und die kleinen Unordnungen blieben ihr nicht verborgen.


Back to IndexNext