The Project Gutenberg eBook ofEinige GedichteThis ebook is for the use of anyone anywhere in the United States and most other parts of the world at no cost and with almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included with this ebook or online atwww.gutenberg.org. If you are not located in the United States, you will have to check the laws of the country where you are located before using this eBook.Title: Einige GedichteAuthor: Friedrich SchillerRelease date: October 1, 2004 [eBook #6649]Most recently updated: May 8, 2016Language: GermanCredits: Produced by Delphine Lettau (for finding a huge collectionof ancient German books in London.) HTML version by AlHaines.*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK EINIGE GEDICHTE ***
This ebook is for the use of anyone anywhere in the United States and most other parts of the world at no cost and with almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included with this ebook or online atwww.gutenberg.org. If you are not located in the United States, you will have to check the laws of the country where you are located before using this eBook.
Title: Einige GedichteAuthor: Friedrich SchillerRelease date: October 1, 2004 [eBook #6649]Most recently updated: May 8, 2016Language: GermanCredits: Produced by Delphine Lettau (for finding a huge collectionof ancient German books in London.) HTML version by AlHaines.
Title: Einige Gedichte
Author: Friedrich Schiller
Author: Friedrich Schiller
Release date: October 1, 2004 [eBook #6649]Most recently updated: May 8, 2016
Language: German
Credits: Produced by Delphine Lettau (for finding a huge collectionof ancient German books in London.) HTML version by AlHaines.
*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK EINIGE GEDICHTE ***
Friedrich von Schiller
Inhalt:
Abschied vom LeserAmaliaAn den FrühlingAn die AstronomenAn einen MoralistenBittschriftDas GeheimnisDas Glück der WeisheitDas Lied von der GlockeDas Mädchen aus der FremdeDas Mädchen von OrleansDas Spiel des LebensDas verschleierte Bild zu SaisDer AbendDie Antiken zu ParisDie schönste ErscheinungDie WeltweisenEpigramme Friedrich SchillerForum des WeibesOdysseusSehnsuchtSpinozaTheklaTriumph der LiebeWeibliches UrteilWinternachtZum Geburtstag der Frau Griesbach
Die Muse schweigt. Mit jungfräulichen Wangen,Erröten im verschämten Angesicht,Tritt sie vor dich, ihr Urteil zu empfangen;Sie achtet es, doch fürchtet sie es nicht.Des guten Beifall wünscht sie zu erlangen,Den Wahrheit rührt, den Flimmer nicht besticht;Nur wem ein Herz, empfänglich für das Schöne,Im Busen schlägt, ist wert, dass er sie kröne.
Nicht länger wollen diese Lieder leben,Als bis ihr Klang ein fühlend Herz erfreut,Mit schönern Phantasien es umgeben,Zu höheren Gefühlen es geweiht;Zur fernen Nachwelt wollen sie nicht schweben,Sie tönten, sie verhallen in der Zeit.Des Augenblickes Lust hat sie geboren,Sie fliehen fort im leichten Tanz der Horen.
Der Lenz erwacht, auf den erwärmten TriftenSchießt frohes Leben jugendlich hervor,Die Staude würzt die Luft mit Nektardüften,Den Himmel füllt ein muntrer Sängerchor.Und jung und alt ergeht sich in den LüftenUnd freuet sich und schwelgt mit Aug und Ohr.Der Lenz entflieht! Die Blume schießt in Samen,Und keine bleibt von allen, welche kamen.
Schön wie Engel voll Walhallas Wonne,Schön vor allen Jünglingen war er,Himmlisch mild sein Blick, wie Maiensonne,Rückgestrahlt vom blauen Spiegelmeer.Seine Küsse—paradiesisch Fühlen!Wie zwo Flammen sich ergreifen, wieHarfentöne in einander spielenZu der himmelvollen Harmonie—Stürzten, flogen, schmolzen Geist und Geist zusammen,Lippen, Wangen brannten, zitterten,Seele rann in Seele—Erd' und Himmel schwammenWie zerronnen um die Liebenden!Er ist hin—vergebens, ach! vergebensStöhnet ihm der bange Seufzer nach!Er ist hin, und alle Lust des LebensWimmert hin in ein verlornes Ach!
Willkommen schöner Jüngling!Du Wonne der Natur!Mit deinem BlumenkörbchenWillkommen auf der Flur!
Ei! Ei! Da bist du wieder!Und bist so lieb und schön!Und freun wir uns so herzlich,Entgegen dir zu gehen.Denkst auch noch an mein Mädchen?Ei, lieber, denke doch!Dort liebte mich das Mädchen,Und 's Mädchen liebt mich noch!
Fürs Mädchen manches BlümchenErbat ich mir von dir—Ich komm und bitte wieder,Und du?—du gibst es mir?
Willkommen schöner Jüngling!Du Wonne der Natur!Mit deinem BlumenkörbchenWillkommen auf der Flur!
Schwatzet mir nicht so viel von Nebelflecken und Sonnen!Ist die Natur nur groß, weil sie zu zählen euch gibt?Euer Gegenstand ist der erhabenste freilich im Raume;Aber, Freunde, im Raum wohnt das Erhabene nicht.
Was zürnst du unsrer frohen JugendweiseUnd lehrst, daß Lieben Tändeln sei?Du starrest in des Winters EiseUnd schmälest auf den goldnen Mai.
Einst, als du noch das Nymphenvolk bekriegtest,Ein Held des Karnevals den deutschen Wirbel flogst,Ein Himmelreich in beiden Armen wiegtestUnd Nektarduft von Mädchenlippen sogst—
Ha Seladon! wenn damals aus den AchsenGewichen wär der Erde schwerer Ball,Im Liebesknäul mit Julien verwachsenDu hättest überhört den Fall!
O denk zurück nach deinen RosentagenUnd lerne: die PhilosophieSchlägt um, wie unsre Pulse anders schlagen;Zu Göttern schaffst du Menschen nie.
Wohl, wenn ins Eis des klügelnden VerstandesDas warme Blut ein bißchen muntrer springt!Laß den Bewohnern eines bessern Landes,Was nie dem Sterblichen gelingt.
Zwingt doch der irdische GefährteDen gottgebornen Geist in Kerkermauren ein,Er wehrt mir, daß ich Engel werde,Ich will ihm folgen, Mensch zu sein.
Dumm ist mein Kopf und schwer wie Blei,Die Tobaksdose ledig,Mein Magen leer—der Himmel seiDem Trauerspiele gnädig.
Ich kratze mit dem FederkielAuf den gewalkten Lumpen;Wer kann Empfindung und GefühlAus hohlem Herzen pumpen?
Feu'r soll ich gießen aufs PapierMit angefrornem Finger?—O Phöbus, hassest du Geschmier,So wärm auch deine Sänger.
Die Wäsche klatscht vor meiner Tür,Es scharrt die Küchenzofe.Und mich—mich ruft das FlügeltierNach König Philipps Hofe.
Ich steige mutig auf das Roß;In wenigen SekundenSeh ich Madrid—Am KönigsschloßHab ich es angebunden.
Ich eile durch die GalerieUnd—siehe da!—belauscheDie junge Fürstin EboliIn süßem Liebesrausche.
Jetzt sinkt sie an des Prinzen BrustMit wonnevollem Schauer,In i h r e n Augen Götterlust,Doch in den s e i n e n Trauer.
Schon ruft das schöne Weib Triumph,Schon hör ich—Tod und Hölle!Was hör ich?—einen nassen StrumpfGeworfen in die Welle.
Und weg ist Traum und Feerei—Prinzessin, Gott befohlen!Der Teufel soll die DichtereiBeim Hemdenwaschen holen.
Sie konnte mir kein Wörtchen sagen,Zu viele Lauscher waren wach;Den Blick nur durft ich schüchtern fragen,Und wohl verstand ich, was er sprach.Leis komm ich her in deine Stille,Du schön belaubtes Buchenzelt,Verbirg in deiner grünen HülleDie Liebenden dem Aug der Welt.
Von ferne mit verworrnem SausenArbeitet der geschäft'ge Tag,Und durch der Stimmen hohles BrausenErkenn ich schwerer Hämmer Schlag.So sauer ringt die kargen LoseDer Mensch dem harten Himmel ab,Doch leicht erworben, aus dem SchoßeDer Götter fällt das Glück herab.
Daß ja die Menschen nie es hören,Wie treue Lieb uns still beglückt!Sie können nur die Freude stören,Weil Freude nie sie selbst entzückt.Die Welt wird nie das Glück erlauben,Als Beute wird es nur gehascht,Entwenden mußt du's oder rauben,Eh dich die Mißgunst überrascht.
Leis auf den Zehen kommt's geschlichen,Die Stille liebt es und die Nacht,Mit schnellen Füßen ist's entwichen,Wo des Verräters Auge wacht.O schlinge dich, du sanfte Quelle,Ein breiter Strom um uns herum,Und drohend mit empörter WelleVerteidige dies Heiligtum!
Entzweit mit einem Favoriten,Flog einst Fortun der Weisheit zu:"Ich will dir meine Schätze bieten,Sei meine Freundin du!
Mit meinen reichsten, schönsten GabenBeschenkt ich ihn so mütterlich,Und sieh, er will noch immer habenUnd nennt noch geizig mich.
Komm, Schwester, laß uns Freundschaft schließen,Du marterst dich an deinem Pflug;In deinen Schoß will ich sie gießen,Hier ist für dich und mich genug."
Sophia lächelt diesen WortenUnd wischt den Schweiß vom Angesicht:Dort eilt dein Freund, sich zu ermorden,Versöhnet euch!—ich brauch dich nicht."
Vivos voco. Mortuos plango. Fulgura frango.
Fest gemauert in der ErdenSteht die Form, aus Lehm gebrannt.Heute muß die Glocke werden,Frisch, Gesellen! seid zur Hand.Von der Stirne heißRinnen muß der Schweiß,Soll das Werk den Meister loben,Doch der Segen kommt von oben.Zum Werke, das wir ernst bereiten,Geziemt sich wohl ein ernstes Wort;Wenn gute Reden sie begleiten,Dann fließt die Arbeit munter fort.So laßt uns jetzt mit Fleiß betrachten,Was durch die schwache Kraft entspringt,Den schlechten Mann muß man verachten,Der nie bedacht, was er vollbringt.Das ists ja, was den Menschen zieretUnd dazu ward ihm der Verstand,Daß er im innern Herzen spüret,Was er erschafft mit seiner Hand.
Nehmet Holz vom Fichtenstamme,Doch recht trocken laßt es sein,Daß die eingepreßte FlammeSchlage zu dem Schwalch hinein.Kocht des Kupfers Brei,Schnell das Zinn herbei,Daß die zähe GlockenspeiseFließe nach der rechten Weise.
Was in des Dammes tiefer GrubeDie Hand mit Feuers Hilfe baut,Hoch auf des Turmes GlockenstubeDa wird es von uns zeugen laut.Noch dauern wirds in späten TagenUnd rühren vieler Menschen Ohr,Und wird mit dem Betrübten klagen,Und stimmen zu der Andacht Chor.Was unten tief dem ErdensohneDas wechselnde Verhängnis bringt,Das schlägt an die metallne Krone,Die es erbaulich weiter klingt.
Weiße Blasen seh ich springen,Wohl! die Massen sind im Fluß.Laßt's mit Aschensalz durchdringen,Das befördert schnell den Guß.Auch von Schaume reinMuß die Mischung sein,Daß vom reinlichen MetalleRein und voll die Stimme schalle.
Denn mit der Freude FeierklangeBegrüßt sie das geliebte KindAuf seines Lebens erstem Gange,Den es in Schlafes Arm beginnt;Ihm ruhen noch im ZeitenschoßeDie schwarzen und die heitern Lose,Der Mutterliebe zarte SorgenBewachen seinen goldnen Morgen—Die Jahre fliehen pfeilgeschwind.Vom Mädchen reißt sich stolz der Knabe,Er stürmt ins Leben wild hinaus,Durchmißt die Welt am Wanderstabe,Fremd kehrt er heim ins Vaterhaus,Und herrlich, in der Jugend Prangen,Wie ein Gebild aus Himmels Höhn,Mit züchtigen, verschämten WangenSieht er die Jungfrau vor sich stehn.Da faßt ein namenloses SehnenDes Jünglings Herz, er irrt allein,Aus seinen Augen brechen Tränen,Er flieht der Brüder wilden Reihn.Errötend folgt er ihren Spuren,Und ist von ihrem Gruß beglückt;Das Schönste sucht er auf den Fluren,Womit er seine Liebe schmückt.O! zarte Sehnsucht, süßes Hoffen,Der ersten Liebe goldne Zeit,Das Auge sieht den Himmel offen,Es schwelgt das Herz in Seligkeit,O! daß sie ewig grünen bliebe,Die schöne Zeit der jungen Liebe!
Wie sich schon die Pfeifen bräunen!Dieses Stäbchen tauch ich ein,Sehn wir's überglast erscheinenWirds zum Gusse zeitig sein.Jetzt, Gesellen, frisch!Prüft mir das Gemisch,Ob das Spröde mit dem WeichenSich vereint zum guten Zeichen.
Denn wo das Strenge mit dem Zarten,Wo Starkes sich und Mildes paarten,Da gibt es einen guten Klang.Drum prüfe, wer sich ewig bindet,Ob sich das Herz zum Herzen findet!Der Wahn ist kurz, die Reu ist lang.Lieblich in der Bräute LockenSpielt der jungfräuliche Kranz,Wenn die hellen KirchenglockenLaden zu des Festes Glanz.Ach! des Lebens schönste FeierEndigt auch den Lebensmai,Mit dem Gürtel, mit dem SchleierReißt der schöne Wahn entzwei.Die Leidenschaft flieht,Die Liebe muß bleiben,Die Blume verblüht,Die Frucht muß treiben.Der Mann muß hinausIns feindliche Leben,Muß wirken und strebenUnd pflanzen und schaffen,Erlisten, erraffen,Muß wetten und wagenDas Glück zu erjagen.Da strömet herbei die unendliche Gabe,Es füllt sich der Speicher mit köstlicher Habe,Die Räume wachsen, es dehnt sich das Haus.Und drinnen waltetDie züchtige Hausfrau,Die Mutter der Kinder,Und herrschet weiseIm häuslichen Kreise,Und lehret die Mädchen,Und wehret den Knaben,Und reget ohn EndeDie fleißigen Hände,Ünd mehrt den GewinnMit ordnendem Sinn.Und füllet mit Schätzen die duftenden Laden,Und dreht um die schnurrende Spindel den Faden,Und sammelt im reinlich geglätteten SchreinDie schimmernde Wolle, den schneeigten Lein,Und füget zum Guten den Glanz und den Schimmer,Und ruhet nimmer.Und der Vater mit frohem BlickVon des Hauses weitschauendem GiebelÜberzählet sein blühend Glück,Siehet der Pfosten ragende Bäume,Und der Scheunen gefüllte RäumeUnd die Speicher, vom Segen gebogen,Und des Kornes bewegte Wogen,Rühmt sich mit stolzem Mund:Fest wie der Erde GrundGegen des Unglücks MachtSteht mit des Hauses Pracht!—Doch mit des Geschickes MächtenIst kein ew'ger Bund zu flechten,Und das Unglück schreitet schnell.
Wohl! Nun kann der Guß beginnen,Schön gezacket ist der Bruch.Doch, bevor wir's lassen rinnen,Betet einen frommen Spruch!Stoßt den Zapfen aus!Gott bewahr das Haus.Raudlend in des Henkels BogenSchießts mit feuerbraunen Wogen.
Wohltätig ist des Feuers Macht,Wenn sie der Mensch bezähmt, bewacht,Und was er bildet, was er schafft,Das dankt er dieser;Doch furchtbar wird die Himmelskraft,Wenn sie der Fessel sich entrafft,Einhertritt auf der eignen SpurDie freie Tochter der Natur.Wehe, wenn sie losgelassenWachsend ohne WiderstandDurch die volkbelebten GassenWälzt den ungeheuren Brand!Denn die Elemente hassenDas Gebild der Menschenhand.Aus der WolkeQuillt der Segen,Strömt der Regen,Aus der Wolke, ohne Wahl,Zuckt der Strahl!Hört ihr's wimmern hoch vom Turm!Das ist Sturm!Rot wie BlutIst der Himmel,Das ist nicht des Tages Glut!Welch GetümmelStraßen auf!Dampf wallt auf!Flackernd steigt die Feuersäule,Durch der Straßen lange ZeileWächst es fort mit Windeseile,Kochend wie aus Ofens RachenGlühn die Lüfte, Balken krachen,Pfosten stürzen, Fenster klirren,Kinder jammern, Mütter irren,Tiere wimmernUnter Trümmern,Alles rennet, rettet, flüchtet,Taghell ist die Nacht gelichtet,Durch der Hände lange KetteUm die WetteFliegt der Eimer, hoch im BogenSprützen Quellen, Wasserwogen.Heulend kommt der Sturm geflogen,Der die Flamme brausend sucht,Prasselnd in die dürre FruchtFällt sie, in des Speichers Räume,In der Sparren dürre Bäume,Und als wollte sie im WehenMit sich fort der Erde WuchtReißen, in gewaltger Flucht,Wächst sie in des Himmels HöhenRiesengroß!HoffnungslosWeicht der Mensch der Götterstärke,Müßig sieht er seine WerkeUnd bewundernd untergehn.LeergebranntIst die Stätte,Wilder Stürme rauhes Bette,In den öden FensterhöhlenWohnt das Grauen,Und des Himmels Wolken schauenHoch hinein.Einen BlickNach dem GrabeSeiner HabeSendet noch der Mensch zurück—Greift fröhlich dann zum Wanderstabe,Was Feuers Wut ihm auch geraubt,Ein süßer Trost ist ihm geblieben,Er zählt die Häupter seiner LiebenUnd sieh! ihm fehlt kein teures Haupt.
In die Erd ist's aufgenommen,Glücklich ist die Form gefüllt,Wirds auch schön zu Tage kommen,Daß es Fleiß und Kunst vergilt?Wenn der Guß mißlang?Wenn die Form zersprang?Ach, vielleicht indem wir hoffenHat uns Unheil schon getroffen.
Dem dunkeln Schoß der heilgen ErdeVertrauen wir der Hände Tat,Vertraut der Sämann seine SaatUnd hofft, daß sie entkeimen werdeZum Segen, nach des Himmels Rat.Noch köstlicheren Samen bergenWir traurend in der Erde Schoß,Und hoffen, daß er aus den SärgenErblühen soll zu schönerm Los.Von dem DomeSchwer und bangTönt die GlockeGrabgesang.Ernst begleiten ihre TrauerschlägeEinen Wandrer auf dem letzten Wege.Ach! die Gattin ists, die teure,Ach! es ist die treue Mutter,Die der schwarze Fürst der SchattenWegführt aus dem Arm des Gatten,Aus der zarten Kinder Schar,Die si.e blühend ihm gebar,Die sie an der treuen BrustWachsen sah mit Mutterlust—Ach! des Hauses zarte BandeSind gelöst auf immerdar,Denn sie wohnt im Scha.ttenlande,Die des Hauses Mutter war,Denn es fehlt ihr treues Walten,Ihre Sorge wacht nicht mehr,An verwaister Stätte schaltenWird die Fremde, liebeleer.
Bis die Glocke sich verkühletLaßt die strenge Arbeit ruhn,Wie im Laub der Vogel spieletMag sich jeder gütlich tun.Winkt der Sterne Licht,Ledig aller PflichtHört der Bursch die Vesper schlagen,Meister muß sich immer plagen.
Munter fördert seine SchritteFern im wilden Forst der WandrerNach der lieben Heimathütte.Blöckend ziehen heim die Schafe,Und der RinderBreitgestirnte glatte ScharenKommen brüllend,Die gewohnten Ställe füllend.Schwer hereinSchwankt der Wagen,Kornbeladen,Bunt von FarbenAuf den GarbenLiegt der Kranz,Und das junge Volk der SchnitterFliegt zum Tanz.Markt und Straße werden stiller,Um des Lichts gesellge FlammeSammeln sich die Hausbewohner,Und das Stadttor schließt sich knarrend.Schwarz bedecketSich die Erde,Doch den sichern Bürger schrecketNicht die Nacht,Die den Bösen gräßlich wecket,Denn das Auge des Gesetzes wacht.Heilge Ordnung, segenreicheHimmelstochter, die das GleicheFrei und leicht und freudig bindet,Die der Städte Bau gegründet,Die herein von den GefildenRief den ungesellgen Wilden,Eintrat in der Menschen Hütten,Sie gewöhnt' zu sanften SittenUnd das teuerste der BandeWob, den Trieb zum Vaterlande!
Tausend fleißge Hände regen,Helfen sich in munterm BundUnd in feurigem BewegenWerden alle Kräfte kund.Meister rührt sich und GeselleIn der Freiheit heilgem Schutz.Jeder freut sich seiner Stelle,Bietet dem Verächter Trutz.Arbeit ist des Bürgers Zierde,Segen ist der Mühe Preis,Ehrt den König seine Würde,Ehret uns der Hände Fleiß.
Holder Friede,Süße Eintracht,Weilet, weiletFreundlich über dieser Stadt!Möge nie der Tag erscheinen,Wo des rauhen Krieges HordenDieses stille Tal durchtoben,Wo der Himmel,Den des Abends sanfte RöteLieblich malt,Von der Dörfer, von der StädteWildem Brande schrecklich strahlt!
Nun zerbrecht mir das Gebäude,Seine Absicht hats erfüllt,Daß sich Herz und Auge weideAn dem wohlgelungnen Bild.Schwingt den Hammer, schwingt,Bis der Mantel springt,Wenn die Glock soll auferstehenMuß die Form in Stücken gehen.
Der Meister kann die Form zerbrechenMit weiser Hand, zur rechten Zeit,Doch wehe, wenn in FlammenbächenDas glühnde Erz sich selbst befreit!Blindwütend mit des Donners KrachenZersprengt es das geborstne Haus,Und wie aus offnem HöllenrachenSpeit es Verderben zündend aus;Wo rohe Kräfte sinnlos walten,Da kann sich kein Gebild gestalten,Wenn sich die Völker selbst befrein,Da kann die Wohlfahrt nicht gedeihn.
Weh, wenn sich in dem Schoß der StädteDer Feuerzunder still gehäuft,Das Volk, zerreißend seine Kette,Zur Eigenhilfe schrecklich greift!Da zerret an der Glocke SträngenDer Aufruhr, daß sie heulend schallt,Und nur geweiht zu FriedensklängenDie Losung anstimmt zur Gewalt.
Freiheit und Gleichheit! hört man schallen,Der ruh'ge Bürger greift zur Wehr;Die Straßen füllen sich, die Hallen,Und Würgerbanden ziehn umher,Da werden Weiber zu HyänenUnd treiben mit Entsetzen Scherz,Noch zuckend, mit des Panthers Zähnen,Zerreißen sie des Feindes Herz.Nichts Heiliges ist mehr, es lösenSich alle Bande frommer Scheu,Der Gute räumt den Platz dem Bösen,Und alle Laster walten frei.Gefährlich ists den Leu zu wecken,Verderblich ist des Tigers Zahn,Jedoch der schrecklichste der SchreckenDas ist der Mensch in seinem Wahn.Weh denen, die dem EwigblindenDes Lichtes Himmelsfackel leihn!Sie strahlt ihm nicht, sie kann nur zündenUnd äschert Städt und Länder ein.
Freude hat mir Gott gegeben!Sehet! wie ein goldner SternAus der Hülse, blank und eben,Schält sich der metallne Kern.Von dem Helm zum KranzSpielts wie Sonnenglanz,Auch des Wappens nette SchilderLoben den erfahrnen Bilder.
Herein! herein!Gesellen alle, schließt den Reihen,Daß wir die Glocke taufend weihen,Concordia soll ihr Name sein,Zur Eintracht, zu herzinnigem VereineVersammle sie die liebende Gemeine.Und dies sei fortan ihr Beruf,Wozu der Meister sie erschuf :Hoch überm niedern ErdenlebenSoll sie in blauem HimmelszeltDie Nachbarin des Donners schwebenUnd grenzen an die Sternenwelt,Soll eine Stimme sein von oben,Wie der Gestirne helle Schar,Die ihren Schöpfer wandelnd lobenUnd führen das bekränzte Jahr.Nur ewigen und ernsten DingenSei ihr metallner Mund geweiht,Und stündlich mit den schnellen SchwingenBerühr im Fluge sie die Zeit,Dem Schicksal leihe sie die Zunge,Selbst herzlos, ohne Mitgefühl,Begleite sie mit ihrem SchwungeDes Lebens wechselvolles Spiel.Und wie der Klang im Ohr vergehet,Der mächtig tönend ihr entschallt,So lehre sie, daß nichts bestehet,Daß alles Irdische verhallt.
Jetzo mit der Kraft des StrangesWiegt die Glock mir aus der Gruft,Daß sie in das Reich des KlangesSteige, in die Himmelsluft.Ziehet, ziehet, hebt!Sie bewegt sich, schwebt,Freude dieser Stadt bedeute,Friede sei ihr erst Geläute.
In einem Tal bei armen HirtenErschien mit jedem jungen Jahr,Sobald die ersten Lerchen schwirrten,Ein Mädchen, schön und wunderbar.
Sie war nicht in dem Tal geboren,Man wußte nicht, woher sie kam,Und schnell war ihre Spur verloren,Sobald das Mädchen Abschied nahm.
Beseligend war ihre Nähe,Und alle Herzen wurden weit,Doch eine Würde, eine HöheEntfernte die Vertraulichkeit.
Sie brachte Blumen mit und Früchte,Gereift auf einer andern Flur,In einem andern Sonnenlichte,In einer glücklichern Natur.
Und teilte jedem eine Gabe,Dem Früchte, jenem Blumen aus,Der Jüngling und der Greis am Stabe,Ein jeder ging beschenkt nach Haus.
Willkommen waren alle Gäste,Doch nahte sich ein liebend Paar,Dem reichte sie der Gaben beste,Der Blumen allerschönste dar.
Das edle Bild der Menschheit zu verhöhnen,Im tiefsten Staube wälzte dich der Spott;Krieg führt der Witz auf ewig mit den Schönen,Er glaubt nicht an den Engel und den Gott;Dem Herzen will er seine Schätze rauben,Den Wahn bekriegt er und verletzt den Glauben.
Doch, wie du selbst aus kindlichem Geschlechte,Selbst eine fromme Schäferin wie du,Reicht dir die Dichtkunst ihre Götterrechte,Schwingt sich mit dir den ew'gen Sternen zu.Mit einer Glorie hat sie dich umgeben;Dich schuf das Herz, du wirst unsterblich leben.
Es liebt die Welt, das Strahlende zu schwärzenUnd das Erhabne in den Staub zu ziehn;Doch fürchte nicht! Es gibt noch schöne Herzen,Die für das Hohe, Herrliche entglühn.Den lauten Markt mag Momus unterhalten,Ein edler Sinn liebt edlere Gestalten.
Wollt ihr in meinen Kasten sehn?Des Lebens Spiel, die Welt im kleinen,Gleich soll sie eurem Aug erscheinen;Nur müßt ihr nicht zu nahe stehn,Ihr müßt sie bei der Liebe KerzenUnd nur bei Amors Fackel sehn.
Schaut her! Nie wird die Bühne leer:Dort bringen sie das Kind getragen,Der Knabe hüpft, der Jüngling stürmt einher,Es kämpft der Mann, und alles will er wagen.
Ein jeglicher versucht sein Glück,Doch schmal nur ist die Bahn zum Rennen:Der Wagen rollt, die Achsen brennen,Der Held dringt kühn voran, der Schwächling bleibt zurück,Der Stolze fällt mit lächerlichem Falle,Der Kluge überholt sie alle.
Die Frauen seht ihr an den Schranken stehn,Mit holdem Blick, mit schönen HändenDen Dank dem Sieger auszuspenden.
Ein Jüngling, den des Wissens heißer DurstNach Sais in Ägypten trieb, der PriesterGeheime Weisheit zu erlernen, hatteSchon manchen Grad mit schnellem Geist durcheilt,Stets riß ihn seine Forschbegierde weiter,Und kaum besänftigte der HierophantDen ungeduldig Strebenden. "Was hab ich,Wenn ich nicht alles habe?" sprach der Jüngling,"Gibts etwa hier ein Weniger und Mehr?Ist deine Wahrheit wie der Sinne GlückNur eine Summe, die man größer, kleinerBesitzen kann und immer doch besitzt?Ist sie nicht eine einzge, ungeteilte?Nimm einen Ton aus einer Harmonie,Nimm eine Farbe aus dem Regenbogen,Und alles, was dir bleibt, ist nichts, solangDas schöne All der Töne fehlt und Farben."
Indem sie einst so sprachen, standen sieIn einer einsamen Rotonde still,Wo ein verschleiert Bild von RiesengrößeDem Jüngling in die Augen fiel. VerwundertBlickt er den Führer an und spricht: "Was ists,Das hinter diesem Schleier sich verbirgt?""Die Wahrheit", ist die Antwort.—"Wie?" ruft jener,"Nach Wahrheit streb ich ja allein, und dieseGerade ist es, die man mir verhüllt?"
"Das mache mit der Gottheit aus", versetztDer Hierophant. "Kein Sterblicher, sagt sie,Rückt diesen Schleier, bis ich selbst ihn hebe.Und wer mit ungeweihter, schuldger HandDen heiligen, verbotnen früher hebt,Der, spricht die Gottheit—"—"Nun?"—"Der sieht die Wahrheit."
"Ein seltsamer Orakelspruch! Du selbst,Du hättest also niemals ihn gehoben?""Ich? Wahrlich nicht! Und war auch nie dazuVersucht."—"Das fass ich nicht. Wenn von der WahrheitNur diese dünne Scheidewand mich trennte—""Und ein Gesetz", fällt ihm sein Führer ein."Gewichtiger, mein Sohn, als du es meinst,Ist dieser dünne Flor—für deine HandZwar leicht, doch zentnerschwer für dein Gewissen."
Der Jüngling ging gedankenvoll nach Hause,Ihm raubt des Wissens brennende BegierDen Schlaf, er wälzt sich glühend auf dem LagerUnd rafft sich auf um Mitternacht. Zum TempelFührt unfreiwillig ihn der scheue Tritt.Leicht ward es ihm, die Mauer zu ersteigen,Und mitten in das Innre der RotondeTrägt ein beherzter Sprung den Wagenden.
Hier steht er nun, und grauenvoll umfängtDen Einsamen die lebenlose Stille,Die nur der Tritte hohler WiderhallIn den geheimen Grüften unterbrichtVon oben durch der Kuppel Öffnung wirftDer Mond den bleichen, silberblauen Schein,Und furchtbar wie ein gegenwärtger GottErglänzt durch des Gewölbes FinsternisseIn ihrem langen Schleier die Gestalt.
Er tritt hinan mit ungewissem Schritt,Schon will die freche Hand das Heilige berühren,Da zuckt es heiß und kühl durch sein GebeinUnd stößt ihn weg mit unsichtbarem Arme.Unglücklicher, was willst du tun? So ruftIn seinem Innern eine treue Stimme.Versuchen den Allheiligen willst du?Kein Sterblicher, sprach des Orakels Mund,Rückt diesen Schleier, bis ich selbst ihn hebe.Doch setzte nicht derselbe Mund hinzu:Wer diesen Schleier hebt, soll Wahrheit schauen?"Sei hinter ihm, was will! Ich heb ihn auf."(Er rufts mit lauter Stimm.) "Ich will sie schauen."Schauen!Gellt ihm ein langes Echo spottend nach.
Er sprichts und hat den Schleier aufgedeckt.Nun, fragt ihr, und was zeigte sich ihm hier?Ich weiß es nicht. Besinnungslos und bleich,So fanden ihn am andern Tag die PriesterAm Fußgestell der Isis ausgestreckt.Was er allda gesehen und erfahren,Hat seine Zunge nie bekannt. Auf ewigWar seines Lebens Heiterkeit dahin,Ihn riß ein tiefer Gram zum frühen Grabe."Weh dem", dies war sein warnungsvolles Wort,Wenn ungestüme Frager in ihn drangen,"Weh dem, der zu der Wahrheit geht durch Schuld,Sie wird ihm nimmermehr erfreulich sein."
Senke, strahlender Gott—die Fluren dürstenNach erquickendem Tau, der Mensch verschmachtet,Matter ziehen die Rosse—Senke den Wagen hinab!
Siehe, wer aus des Meers kristallner WogeLieblich lächelnd dir winkt! Erkennt dein Herz sie?Rascher fliegen die Rosse,Tethys, die göttliche, winkt.
Schnell vom Wagen herab in ihre ArmeSpringt der Führer, den Zaum ergreift Kupido,Stille halten die Rosse,Trinken die kühlende Flut.
An den Himmel herauf mit leisen SchrittenKommt die duftende Nacht; ihr folgt die süßeLiebe. Ruhet und liebet!Phöbus, der liebende, ruht.
Was der Griechen Kunst erschaffen,Mag der Franke mit den WaffenFühren nach der Seine Strand,Und in prangenden MuseenZeig er seine SiegstrophäenDem erstaunten Vaterland!
Ewig werden sie ihm schweigen,Nie von den Gestellen steigenIn des Lebens frischen Reihn.Der allein besitzt die Musen,Der sie trägt im warmen Busen,Dem Vandalen sind sie Stein.
Sahest du nie die Schönheit im Augenblick des Leidens,Niemals hast du die Schönheit gesehn.Sahst du die Freude nie in einem schönen Gesichte,Niemals hast du die Freude gesehn!
Der Satz, durch welchen alles DingBestand und Form empfangen,Der Kloben, woran Zeus den RingDer Welt, die sonst in Scherben ging,Vorsichtig aufgehangen,Den nenn ich einen großen Geist,Der mir ergründet, wie er heißt,Wenn ich ihm nicht drauf helfe—Er heißt: Zehn ist nicht Zwölfe.
Der Schnee macht kalt, das Feuer brennt,Der Mensch geht auf zwei Füßen,Die Sonne scheint am Firmament,Das kann, wer auch nicht Logik kennt,Durch seine Sinne wissen.Doch wer Metaphysik studiert,Der weiß, daß, wer verbrennt, nicht friert,Weiß, daß das Nasse feuchtetUnd daß das Helle leuchtet.
Homerus singt sein Hochgedicht,Der Held besteht Gefahren,Der brave Mann tut seine PflichtUnd tat sie, ich verhehl es nicht,Eh noch Weltweise waren;Doch hat Genie und Herz vollbracht,Was Lock' und Des Cartes nie gedacht,Sogleich wird auch von diesenDie Möglichkeit bewiesen.
Im Leben gilt der Stärke Recht,Dem Schwachen trotzt der Kühne,Wer nicht gebieten kann, ist Knecht;Sonst geht es ganz erträglich schlechtAuf dieser Erdenbühne.Doch wie es wäre, fing der PlanDer Welt nur erst von vorne an,Ist in MoralsystemenAusführlich zu vernehmen.
"Der Mensch bedarf des Menschen sehrZu seinem großen Ziele,Nur in dem Ganzen wirket er,Viel Tropfen geben erst das Meer,Viel Wasser treibt die Mühle.Drum flieht der wilden Wölfe StandUnd knüpft des Staates daurend Band."So lehren vom KathederHerr Puffendorf und Feder.
Doch weil, was ein Professor spricht,Nicht gleich zu allen dringet,So übt N a t u r die MutterpflichtUnd sorgt, daß nie die Kette brichtUnd daß der Reif nie springet.Einstweilen, bis den Bau der WeltPhilosophie zusammenhält,Erhält s i e das GetriebeDurch Hunger und durch Liebe.
UnsterblichkeitVor dem Tod erschrickst du?Du wünschest unsterblich zu leben?Leb im Ganzen!Wenn du lange dahin bist, es bleibt.
TheophanieZeigt sich der Glückliche mir,ich vergesse die Götter des Himmels;Aber sie stehen vor mir,wenn ich den Leidenden seh.
Das Kind in der WiegeGlücklicher Säugling!Dir ist ein unendlicher Raum noch die Wiege,Werde Mann,und dir wird eng die unendliche Welt.
Der beste Staat"Woran erkenn ich den besten Staat?"Woran du die beste Frau kennst!daran, mein Freund,daß man von beiden nicht spricht.
Das Unwandelbare"Unaufhaltsam enteilet die Zeit."Sie sucht das Beständ'ge.Sei getreu,und du legst ewige Fesseln ihr an.
Zeus zu HerkulesNicht aus meinem Nektarhast du dir Gottheit getrunken;Deine Götterkraft war's,die dir den Nektar errang.
Frauen, richtet mir nie des Mannes einzelne Taten;Aber über den Mann sprechet das richtige Wort.
Alle Gewässer durchkreuzt, die Heimat zu finden, Odysseus;Durch der Scylla Gebell, durch der Charybde Gefahr,Durch die Schrecken des feindlichen Meers, durch die Schrecken des Landes,Selber in Aides Reich führt ihn die irrende Fahrt.Endlich trägt das Geschick ihn schlafend an Ithakas Küste—Er erwacht und erkennt jammernd das Vaterland nicht.
Ach, aus dieses Tales Gründen,Die der kalte Nebel drückt,Könnt ich doch den Ausgang finden,Ach, wie fühlt ich mich beglückt!Dort erblick ich schöne Hügel,Ewig jung und ewig grün!Hätt ich schwingen, hätt ich Flügel,Nach den Hügeln zög ich hin.
Harmonieen hör ich klingen,Töne süßer Himmelsruh,Und die leichten Winde bringenMir der Düfte Balsam zu,Goldne Früchte seh ich glühen,Winkend zwischen dunkelm Laub,Und die Blumen, die dort blühen,Werden keines Winters Raub.Ach wie schön muß sich's ergehenDort im ew'gen Sonnenschein,Und die Luft auf jenen Höhen,O wie labend muß sie sein!Doch mir wehrt des Stromes Toben,Der ergrimmt dazwischen braust,Seine Wellen sind gehoben,Das die Seele mir ergraust.
Einen Nachen seh ich schwanken,Aber ach! Der Fährmann fehlt.Frisch hinein und ohne Wanken!Seine Segel sind beseelt.Du mußt glauben, du mußt wagen,Denn die Götter leihn kein Pfand,Nur ein Wunder kann dich tragenIn das schöne Wunderland.
Hier liegt ein Eichbaum umgerissen,Sein Wipfel tät die Wolken küssen,Er liegt am Grund—warum?Die Bauren hatten, hör ich reden,Sein schönes Holz zum Bau'n vonnötenUnd rissen ihn deswegen um.
Wo ich sei, und wo mich hingewendet,Als mein flücht'ger Schatte dir entschwebt?Hab ich nicht beschlossen und geendet,Hab ich nicht geliebet und gelebt?
Willst du nach den Nachtigallen fragen,Die mit seelenvoller MelodieDich entzücken in des Lenzes Tagen?Nur solang sie liebten, waren sie.
Ob ich den Verlorenen gefunden?Glaube mir, ich bin mit ihm vereint,Wo sich nicht mehr trennt, was sich verbunden,Dort, wo keine Träne wird geweint.
Dorten wirst auch du uns wieder finden,Wenn dein Lieben unserm Lieben gleicht;Dort ist auch der Vater, frei von Sünden,Den der blut'ge Mord nicht mehr erreicht.
Und er fühlt, daß ihn kein Wahn betrogen,Als er aufwärts zu den Sternen sah;Denn wie jeder wägt, wird ihm gewogen,Wer es glaubt, dem ist das Heil'ge nah.
Wort gehalten wird in jenen RäumenJedem schönen gläubigen Gefühl;Wage du, zu irren und zu träumen:Hoher Sinn liegt oft in kind'schem Spiel.
Selig durch die LiebeGötter—durch die LiebeMenschen Göttern gleich!Liebe macht den HimmelHimmlischer—die ErdeZu dem Himmelreich.
Männer richten nach Gründen;des Weibes Urteil ist seine Liebe:wo es nicht liebt,hat schon gerichtet das Weib.
Ade! Die liebe Herrgottssonne gehet,Grad über tritt der Mond!Ade! Mit schwarzem Rabenflügel wehetDie stumme Nacht ums Erdenrund.
Nichts hör ich mehr durchs winternde GefildeAls tief im FelsenlochDie Murmelquell, und aus dem Wald das wildeGeheul des Uhus hör ich noch.
Im Wasserbette ruhen alle Fische,Die Schnecke kriecht ins Dach,Das Hündchen schlummert sicher unterm Tische,Mein Weibchen nickt im Schlafgemach.
Euch Brüderchen von meinen BubentagenMein herzliches Willkomm!Ihr sitzt vielleicht mit traulichem BehagenUm einen teutschen Krug herum.
Im hochgefüllten Deckelglase maletSich purpurfarb die Welt,Und aus dem goldnen Traubenschaume strahletVergnügen, das kein Neid vergällt.
Im Hintergrund vergangner Jahre findetNur Rosen euer Blick,Leicht, wie die blaue Knasterwolke, schwindetDer trübe Gram von euch zurück.
Vom Schaukelgaul bis gar zum DoktorhuteStört ihr im Zeitbuch um.Und zählt nunmehr mit federleichtem MuteSchweißtropfen im Gymnasium.
Wie manchen Fluch—noch mögen unterm BodenSich seine Knochen drehn—Terenz erpreßt, trotz Herrn Minellis Noten,Wie manch verzogen Maul gesehn.
Wie ungestüm dem grimmen LandexamenDes Buben Herz geklopft;Wie ihm, sprach itzt der Rektor seinen Namen,Der helle Schweiß aufs Buch getropft.—
Wo red't man auch von einer—e—gewissen—Die sich als Frau nun spreißt,Und mancher will der Lecker baß nun wissen,Was doch ihr Mann baß—gar nicht weißt.
Nun liegt dies all im Nebel hinterm Rücken,Und Bube heißt nun Mann,Und Friedrich schweigt der weiseren Perücken,Was einst der kleine Fritz getan—
Man ist—Potz gar!—zum Doktor ausgesprochen,Wohl gar—beim Regiment!Und hat vielleicht—doch nicht zu früh, gerochen,Daß Plane—Seifenblasen sind.
Hauch immer zu,—und laß die Blasen springen;Bleibt nur dies Herz noch ganz!Und bleibt mir nur—errungen mit Gesängen—Zum Lohn ein teutscher Lorbeerkranz.
Mach auf, Frau Griesbach! Ich bin daUnd klopf an deine Türe.Mich schickt Papa und die Mama,Daß ich dir gratuliere.
Ich bringe nichts als ein GedichtZu deines Tages Feier;Denn alles, was die Mutter spricht,Ist so entsetzlich teuer.
Sag selbst, was ich dir wünschen soll;Ich weiß nichts zu erdenken.Du hast ja Küch und Keller voll,Nichts fehlt in deinen Schränken.
Es wachsen fast dir auf den TischDie Spargel und die Schoten,Die Stachelbeeren blühen frisch,Und so die Reineclauden.
Bei Stachelbeeren fällt mir ein:Die schmecken gar zu süße;Und wenn sie werden zeitig sein,So sorge, daß ich's wisse.
Viel fette Schweine mästest duUnd gibst den Hühnern Futter;Die Kuh im Stalle ruft muh! muh!Und gibt dir Milch und Butter.
Es haben alle dich so gern,Die Alten und die Jungen,Und deinem lieben, braven HerrnIst alles wohlgelungen.
Du bist wohlauf; Gott Lob und Dank!Mußt's auch fein immer bleiben;Ja, höre, werde ja nicht krank,Daß sie dir nichts verschreiben!
Nun lebe wohl! Ich sag ade.Gelt, ich war heut bescheiden?Doch könntest du mir, eh ich geh,'ne Butterbemme schneiden.