Arion.
1850.
Es rauschet das Meer, es schlagen die Wogen,Stolz kommen die Segel einhergezogenMit herrlicher Fracht von Hesperiens Strand.Sie bringen den Freund dem Freunde wieder,Dem König den Sänger der göttlichen Lieder,Sie führen Arion zum Heimathland.Hoch steht er am Bord im Abendglanze,Sein Blick folgt träumend dem Wellentanze,Schon seit zwei Tagen verließ er Tarent.„O Freund! daß dich nicht mehr die Sorge berücke!Nun kehr’ ich dir wieder im größten Glücke,Mit Schätzen, wie sie kein König kennt.“Da sieht er die Wolken den Himmel umdüstern,Und höret der Schiffer heimliches Flüstern.In die grollenden Fluthen ruft er hinab:„Poseidon, schütz’ uns, du Wogendränger!Poseidon, du mächtiger, schütze den Sänger,Und laß mir in heiliger Erde mein Grab!“Jetzt plötzlich heran tritt der Schiffer Rotte:„Und willst du erhört sein vom nahenden Gotte,So tödte dich selbst an des Schiffes Bord.Uns verlangt nach den Schätzen, die wir geladen,Lebendig wirst du uns dem König verrathen,Den Leichnam bringen wir sicher in Port.“Und jener bittet und flehet vergebens.„Erbarmet sich Niemand des jungen Lebens?Und soll ich verderben auf einsamer Fluth?So gebt mir mein Festgewand, laßt mich mit TönenBegrüßen den Tod und den Hades versöhnen,Und wenn ich gesungen, dann ströme mein Blut.“Die eben noch unerbittlich waren –Arion zu hören, reizt die Barbaren.Er kleidet sich d’rauf in köstlich Gewand.Den Kranz auf dem Haupte, im Purpurtalare,Mit goldenen Spangen, mit fliegendem Haare,So steht er, die Cither in seiner Hand.„Rauschet meine letzten Klänge!Rauschet wie TriumphgesängeMeiner Lieder schönstes Lied!Kühn, wie zu des Himmels BogenSturmbewegt die Welle flieht,Schlage deine großen Wogen,Jubelharmonienmeer,Majestätisch um mich her!Denn ich geh’ zu meinen Göttern.In des Sturmes DonnerwetternGrüßen sie Arion schon.Durch der Wogen wildes BrausenHör’ ich Orpheus süßen Ton.Hin, wo uns’re Helden hausen,Sink’ ich, hellumstrahlt vom Ruhm,Selig in’s Elysium.Rauschet, meiner Cither Klänge,Rauschet, wie Triumphgesänge,Meiner Lieder letztes Lied!Du Thalassa, die den BogenUm der Menschen Länder zieht,Schlage deine großen Wogen,Wie ein Harmonienmeer,Majestätisch um mich her!“Nun springt er hinaus in der Wellen Toben,Die sich bei dem Klange des Liedes erhoben.Und, gelockt von seinem erhabenem Spiel’,Umschwimmen erstaunt, und umhüpfen munterDer bläulichen See lebendige Wunder,Nereiden, Tritonen und Fische, den Kiel.Und sieh! ein Delphin beut Arion den Rücken,So zieht er dahin; mit Gesang zum EntzückenDurchrudert er stolz die beruhigte Fluch.Als der Fährmann kommt zu Tänaros Strande,Da steiget Arion gerettet zum Lande. –Der Sänger steht in der Götter Hut.
Es rauschet das Meer, es schlagen die Wogen,Stolz kommen die Segel einhergezogenMit herrlicher Fracht von Hesperiens Strand.Sie bringen den Freund dem Freunde wieder,Dem König den Sänger der göttlichen Lieder,Sie führen Arion zum Heimathland.Hoch steht er am Bord im Abendglanze,Sein Blick folgt träumend dem Wellentanze,Schon seit zwei Tagen verließ er Tarent.„O Freund! daß dich nicht mehr die Sorge berücke!Nun kehr’ ich dir wieder im größten Glücke,Mit Schätzen, wie sie kein König kennt.“Da sieht er die Wolken den Himmel umdüstern,Und höret der Schiffer heimliches Flüstern.In die grollenden Fluthen ruft er hinab:„Poseidon, schütz’ uns, du Wogendränger!Poseidon, du mächtiger, schütze den Sänger,Und laß mir in heiliger Erde mein Grab!“Jetzt plötzlich heran tritt der Schiffer Rotte:„Und willst du erhört sein vom nahenden Gotte,So tödte dich selbst an des Schiffes Bord.Uns verlangt nach den Schätzen, die wir geladen,Lebendig wirst du uns dem König verrathen,Den Leichnam bringen wir sicher in Port.“Und jener bittet und flehet vergebens.„Erbarmet sich Niemand des jungen Lebens?Und soll ich verderben auf einsamer Fluth?So gebt mir mein Festgewand, laßt mich mit TönenBegrüßen den Tod und den Hades versöhnen,Und wenn ich gesungen, dann ströme mein Blut.“Die eben noch unerbittlich waren –Arion zu hören, reizt die Barbaren.Er kleidet sich d’rauf in köstlich Gewand.Den Kranz auf dem Haupte, im Purpurtalare,Mit goldenen Spangen, mit fliegendem Haare,So steht er, die Cither in seiner Hand.„Rauschet meine letzten Klänge!Rauschet wie TriumphgesängeMeiner Lieder schönstes Lied!Kühn, wie zu des Himmels BogenSturmbewegt die Welle flieht,Schlage deine großen Wogen,Jubelharmonienmeer,Majestätisch um mich her!Denn ich geh’ zu meinen Göttern.In des Sturmes DonnerwetternGrüßen sie Arion schon.Durch der Wogen wildes BrausenHör’ ich Orpheus süßen Ton.Hin, wo uns’re Helden hausen,Sink’ ich, hellumstrahlt vom Ruhm,Selig in’s Elysium.Rauschet, meiner Cither Klänge,Rauschet, wie Triumphgesänge,Meiner Lieder letztes Lied!Du Thalassa, die den BogenUm der Menschen Länder zieht,Schlage deine großen Wogen,Wie ein Harmonienmeer,Majestätisch um mich her!“Nun springt er hinaus in der Wellen Toben,Die sich bei dem Klange des Liedes erhoben.Und, gelockt von seinem erhabenem Spiel’,Umschwimmen erstaunt, und umhüpfen munterDer bläulichen See lebendige Wunder,Nereiden, Tritonen und Fische, den Kiel.Und sieh! ein Delphin beut Arion den Rücken,So zieht er dahin; mit Gesang zum EntzückenDurchrudert er stolz die beruhigte Fluch.Als der Fährmann kommt zu Tänaros Strande,Da steiget Arion gerettet zum Lande. –Der Sänger steht in der Götter Hut.
Es rauschet das Meer, es schlagen die Wogen,Stolz kommen die Segel einhergezogenMit herrlicher Fracht von Hesperiens Strand.Sie bringen den Freund dem Freunde wieder,Dem König den Sänger der göttlichen Lieder,Sie führen Arion zum Heimathland.
Es rauschet das Meer, es schlagen die Wogen,
Stolz kommen die Segel einhergezogen
Mit herrlicher Fracht von Hesperiens Strand.
Sie bringen den Freund dem Freunde wieder,
Dem König den Sänger der göttlichen Lieder,
Sie führen Arion zum Heimathland.
Hoch steht er am Bord im Abendglanze,Sein Blick folgt träumend dem Wellentanze,Schon seit zwei Tagen verließ er Tarent.„O Freund! daß dich nicht mehr die Sorge berücke!Nun kehr’ ich dir wieder im größten Glücke,Mit Schätzen, wie sie kein König kennt.“
Hoch steht er am Bord im Abendglanze,
Sein Blick folgt träumend dem Wellentanze,
Schon seit zwei Tagen verließ er Tarent.
„O Freund! daß dich nicht mehr die Sorge berücke!
Nun kehr’ ich dir wieder im größten Glücke,
Mit Schätzen, wie sie kein König kennt.“
Da sieht er die Wolken den Himmel umdüstern,Und höret der Schiffer heimliches Flüstern.In die grollenden Fluthen ruft er hinab:„Poseidon, schütz’ uns, du Wogendränger!Poseidon, du mächtiger, schütze den Sänger,Und laß mir in heiliger Erde mein Grab!“
Da sieht er die Wolken den Himmel umdüstern,
Und höret der Schiffer heimliches Flüstern.
In die grollenden Fluthen ruft er hinab:
„Poseidon, schütz’ uns, du Wogendränger!
Poseidon, du mächtiger, schütze den Sänger,
Und laß mir in heiliger Erde mein Grab!“
Jetzt plötzlich heran tritt der Schiffer Rotte:„Und willst du erhört sein vom nahenden Gotte,So tödte dich selbst an des Schiffes Bord.Uns verlangt nach den Schätzen, die wir geladen,Lebendig wirst du uns dem König verrathen,Den Leichnam bringen wir sicher in Port.“
Jetzt plötzlich heran tritt der Schiffer Rotte:
„Und willst du erhört sein vom nahenden Gotte,
So tödte dich selbst an des Schiffes Bord.
Uns verlangt nach den Schätzen, die wir geladen,
Lebendig wirst du uns dem König verrathen,
Den Leichnam bringen wir sicher in Port.“
Und jener bittet und flehet vergebens.„Erbarmet sich Niemand des jungen Lebens?Und soll ich verderben auf einsamer Fluth?So gebt mir mein Festgewand, laßt mich mit TönenBegrüßen den Tod und den Hades versöhnen,Und wenn ich gesungen, dann ströme mein Blut.“
Und jener bittet und flehet vergebens.
„Erbarmet sich Niemand des jungen Lebens?
Und soll ich verderben auf einsamer Fluth?
So gebt mir mein Festgewand, laßt mich mit Tönen
Begrüßen den Tod und den Hades versöhnen,
Und wenn ich gesungen, dann ströme mein Blut.“
Die eben noch unerbittlich waren –Arion zu hören, reizt die Barbaren.Er kleidet sich d’rauf in köstlich Gewand.Den Kranz auf dem Haupte, im Purpurtalare,Mit goldenen Spangen, mit fliegendem Haare,So steht er, die Cither in seiner Hand.
Die eben noch unerbittlich waren –
Arion zu hören, reizt die Barbaren.
Er kleidet sich d’rauf in köstlich Gewand.
Den Kranz auf dem Haupte, im Purpurtalare,
Mit goldenen Spangen, mit fliegendem Haare,
So steht er, die Cither in seiner Hand.
„Rauschet meine letzten Klänge!Rauschet wie TriumphgesängeMeiner Lieder schönstes Lied!Kühn, wie zu des Himmels BogenSturmbewegt die Welle flieht,Schlage deine großen Wogen,Jubelharmonienmeer,Majestätisch um mich her!
„Rauschet meine letzten Klänge!
Rauschet wie Triumphgesänge
Meiner Lieder schönstes Lied!
Kühn, wie zu des Himmels Bogen
Sturmbewegt die Welle flieht,
Schlage deine großen Wogen,
Jubelharmonienmeer,
Majestätisch um mich her!
Denn ich geh’ zu meinen Göttern.In des Sturmes DonnerwetternGrüßen sie Arion schon.Durch der Wogen wildes BrausenHör’ ich Orpheus süßen Ton.Hin, wo uns’re Helden hausen,Sink’ ich, hellumstrahlt vom Ruhm,Selig in’s Elysium.
Denn ich geh’ zu meinen Göttern.
In des Sturmes Donnerwettern
Grüßen sie Arion schon.
Durch der Wogen wildes Brausen
Hör’ ich Orpheus süßen Ton.
Hin, wo uns’re Helden hausen,
Sink’ ich, hellumstrahlt vom Ruhm,
Selig in’s Elysium.
Rauschet, meiner Cither Klänge,Rauschet, wie Triumphgesänge,Meiner Lieder letztes Lied!Du Thalassa, die den BogenUm der Menschen Länder zieht,Schlage deine großen Wogen,Wie ein Harmonienmeer,Majestätisch um mich her!“
Rauschet, meiner Cither Klänge,
Rauschet, wie Triumphgesänge,
Meiner Lieder letztes Lied!
Du Thalassa, die den Bogen
Um der Menschen Länder zieht,
Schlage deine großen Wogen,
Wie ein Harmonienmeer,
Majestätisch um mich her!“
Nun springt er hinaus in der Wellen Toben,Die sich bei dem Klange des Liedes erhoben.Und, gelockt von seinem erhabenem Spiel’,Umschwimmen erstaunt, und umhüpfen munterDer bläulichen See lebendige Wunder,Nereiden, Tritonen und Fische, den Kiel.
Nun springt er hinaus in der Wellen Toben,
Die sich bei dem Klange des Liedes erhoben.
Und, gelockt von seinem erhabenem Spiel’,
Umschwimmen erstaunt, und umhüpfen munter
Der bläulichen See lebendige Wunder,
Nereiden, Tritonen und Fische, den Kiel.
Und sieh! ein Delphin beut Arion den Rücken,So zieht er dahin; mit Gesang zum EntzückenDurchrudert er stolz die beruhigte Fluch.Als der Fährmann kommt zu Tänaros Strande,Da steiget Arion gerettet zum Lande. –Der Sänger steht in der Götter Hut.
Und sieh! ein Delphin beut Arion den Rücken,
So zieht er dahin; mit Gesang zum Entzücken
Durchrudert er stolz die beruhigte Fluch.
Als der Fährmann kommt zu Tänaros Strande,
Da steiget Arion gerettet zum Lande. –
Der Sänger steht in der Götter Hut.