Die letzte Rose.
Wo sind sie, meine Schwestern, meine Brüder?So strahlend, hell in jugendlichem Roth?Die Erde nahm zurück die stolzen Güter,Die Blume sank, weil sie der Sturm bedroht.Wird doch mein eig’nes Haupt zur Stunde müder,Um meine Wange haucht der frühe Tod.Was mit mir lebt’ und blühte, sank darnieder,Hin ist der Lenz, gestorben sind die Lieder.Wo bist Du, schöner Zephyr, der die WangenSo oft beim frühen Strahle mir geküßt?Bist Du zu fernen Thälern hingegangen,Wo nicht Dein Kuß die Trauernde vermißt?Und wo bei Rosen, welche schöner prangen,Dein leichter Sinn die Sterbende vergißt?Komm einmal noch, eh’ meine Blätter sinken,Die letzte Lieb’ aus meinem Kelch zu trinken.Wo bist Du schnee’ge Jungfrau, Nievermählte,Du schwesterliche Lilie, schönes Bild,Der ich so oft in stiller Nacht erzählte,Was tief mir im geheimen Busen quillt?O wenn die Blume keine Freundin wählte,Gäb’s Jemand, welcher ihre Sehnsucht stillt?Gäb’s Jemand, welcher ihr Entzücken theilte,Wenn Lieb’ und Freud’ in ihrem Kelche weilte?Wo bist Du süßes Lied der Nachtigallen,Das schmerzlich einst die Töne mir gereiht?Ich lauschte Dir, und in den LaubenhallenVerstandest Du mein Lieben und mein Leid.Komm, traute Sängerin, die Blätter fallen,Der Sturm raubt mir das bräutliche Geschmeid’.Soll ich vergehen, einsam, unbesungen.Und ist Dein Lied auf ewig mir verklungen?Euch sei die letzte Thräne hingegossen,Die auf dem welken Blatte sich noch hält,Mein Kelch ist unentfaltet, kaum entsprossen,In meinem Innern trag’ ich eine Welt,Die unentweiht, geheimnißvoll verschlossen,Mit mir hinab in’s Reich des Todes fällt.Die Rose mag, von Lieb’ und Lied verlassen,Mit unentweihtem Herzen früh erblassen.Weh mir! der Sturm mit mächtigem Getose,Er bricht hervor in unbarmherz’ger Wuth.Umsonst umhüllen mich die weichen Moose,Der Paladin, in dem die Rose ruht.Wie? stamm’ ich nicht aus königlichem Schooße?Und fließt nicht tausendfach ein fürstlich BlutIn meiner Adern zierlichen Geweben,Die noch kein Vater wieder hat gegeben?Drum, die Du wandelst dort auf grünen Wegen,Die schlanke Huldgestalt, mir selbst verwandt!Eh’ grausam mich entblättert Sturm und Regen,Komm, pflücke mich mit Deiner schönen Hand!So wird entzückend mich der Traum bewegen,Daß ich die schwesterliche Lilie fand.Dem Dichter gib die welke dann zum Erbe,Daß unbesungen nicht die Rose sterbe.
Wo sind sie, meine Schwestern, meine Brüder?So strahlend, hell in jugendlichem Roth?Die Erde nahm zurück die stolzen Güter,Die Blume sank, weil sie der Sturm bedroht.Wird doch mein eig’nes Haupt zur Stunde müder,Um meine Wange haucht der frühe Tod.Was mit mir lebt’ und blühte, sank darnieder,Hin ist der Lenz, gestorben sind die Lieder.Wo bist Du, schöner Zephyr, der die WangenSo oft beim frühen Strahle mir geküßt?Bist Du zu fernen Thälern hingegangen,Wo nicht Dein Kuß die Trauernde vermißt?Und wo bei Rosen, welche schöner prangen,Dein leichter Sinn die Sterbende vergißt?Komm einmal noch, eh’ meine Blätter sinken,Die letzte Lieb’ aus meinem Kelch zu trinken.Wo bist Du schnee’ge Jungfrau, Nievermählte,Du schwesterliche Lilie, schönes Bild,Der ich so oft in stiller Nacht erzählte,Was tief mir im geheimen Busen quillt?O wenn die Blume keine Freundin wählte,Gäb’s Jemand, welcher ihre Sehnsucht stillt?Gäb’s Jemand, welcher ihr Entzücken theilte,Wenn Lieb’ und Freud’ in ihrem Kelche weilte?Wo bist Du süßes Lied der Nachtigallen,Das schmerzlich einst die Töne mir gereiht?Ich lauschte Dir, und in den LaubenhallenVerstandest Du mein Lieben und mein Leid.Komm, traute Sängerin, die Blätter fallen,Der Sturm raubt mir das bräutliche Geschmeid’.Soll ich vergehen, einsam, unbesungen.Und ist Dein Lied auf ewig mir verklungen?Euch sei die letzte Thräne hingegossen,Die auf dem welken Blatte sich noch hält,Mein Kelch ist unentfaltet, kaum entsprossen,In meinem Innern trag’ ich eine Welt,Die unentweiht, geheimnißvoll verschlossen,Mit mir hinab in’s Reich des Todes fällt.Die Rose mag, von Lieb’ und Lied verlassen,Mit unentweihtem Herzen früh erblassen.Weh mir! der Sturm mit mächtigem Getose,Er bricht hervor in unbarmherz’ger Wuth.Umsonst umhüllen mich die weichen Moose,Der Paladin, in dem die Rose ruht.Wie? stamm’ ich nicht aus königlichem Schooße?Und fließt nicht tausendfach ein fürstlich BlutIn meiner Adern zierlichen Geweben,Die noch kein Vater wieder hat gegeben?Drum, die Du wandelst dort auf grünen Wegen,Die schlanke Huldgestalt, mir selbst verwandt!Eh’ grausam mich entblättert Sturm und Regen,Komm, pflücke mich mit Deiner schönen Hand!So wird entzückend mich der Traum bewegen,Daß ich die schwesterliche Lilie fand.Dem Dichter gib die welke dann zum Erbe,Daß unbesungen nicht die Rose sterbe.
Wo sind sie, meine Schwestern, meine Brüder?So strahlend, hell in jugendlichem Roth?Die Erde nahm zurück die stolzen Güter,Die Blume sank, weil sie der Sturm bedroht.Wird doch mein eig’nes Haupt zur Stunde müder,Um meine Wange haucht der frühe Tod.Was mit mir lebt’ und blühte, sank darnieder,Hin ist der Lenz, gestorben sind die Lieder.
Wo sind sie, meine Schwestern, meine Brüder?
So strahlend, hell in jugendlichem Roth?
Die Erde nahm zurück die stolzen Güter,
Die Blume sank, weil sie der Sturm bedroht.
Wird doch mein eig’nes Haupt zur Stunde müder,
Um meine Wange haucht der frühe Tod.
Was mit mir lebt’ und blühte, sank darnieder,
Hin ist der Lenz, gestorben sind die Lieder.
Wo bist Du, schöner Zephyr, der die WangenSo oft beim frühen Strahle mir geküßt?Bist Du zu fernen Thälern hingegangen,Wo nicht Dein Kuß die Trauernde vermißt?Und wo bei Rosen, welche schöner prangen,Dein leichter Sinn die Sterbende vergißt?Komm einmal noch, eh’ meine Blätter sinken,Die letzte Lieb’ aus meinem Kelch zu trinken.
Wo bist Du, schöner Zephyr, der die Wangen
So oft beim frühen Strahle mir geküßt?
Bist Du zu fernen Thälern hingegangen,
Wo nicht Dein Kuß die Trauernde vermißt?
Und wo bei Rosen, welche schöner prangen,
Dein leichter Sinn die Sterbende vergißt?
Komm einmal noch, eh’ meine Blätter sinken,
Die letzte Lieb’ aus meinem Kelch zu trinken.
Wo bist Du schnee’ge Jungfrau, Nievermählte,Du schwesterliche Lilie, schönes Bild,Der ich so oft in stiller Nacht erzählte,Was tief mir im geheimen Busen quillt?O wenn die Blume keine Freundin wählte,Gäb’s Jemand, welcher ihre Sehnsucht stillt?Gäb’s Jemand, welcher ihr Entzücken theilte,Wenn Lieb’ und Freud’ in ihrem Kelche weilte?
Wo bist Du schnee’ge Jungfrau, Nievermählte,
Du schwesterliche Lilie, schönes Bild,
Der ich so oft in stiller Nacht erzählte,
Was tief mir im geheimen Busen quillt?
O wenn die Blume keine Freundin wählte,
Gäb’s Jemand, welcher ihre Sehnsucht stillt?
Gäb’s Jemand, welcher ihr Entzücken theilte,
Wenn Lieb’ und Freud’ in ihrem Kelche weilte?
Wo bist Du süßes Lied der Nachtigallen,Das schmerzlich einst die Töne mir gereiht?Ich lauschte Dir, und in den LaubenhallenVerstandest Du mein Lieben und mein Leid.Komm, traute Sängerin, die Blätter fallen,Der Sturm raubt mir das bräutliche Geschmeid’.Soll ich vergehen, einsam, unbesungen.Und ist Dein Lied auf ewig mir verklungen?
Wo bist Du süßes Lied der Nachtigallen,
Das schmerzlich einst die Töne mir gereiht?
Ich lauschte Dir, und in den Laubenhallen
Verstandest Du mein Lieben und mein Leid.
Komm, traute Sängerin, die Blätter fallen,
Der Sturm raubt mir das bräutliche Geschmeid’.
Soll ich vergehen, einsam, unbesungen.
Und ist Dein Lied auf ewig mir verklungen?
Euch sei die letzte Thräne hingegossen,Die auf dem welken Blatte sich noch hält,Mein Kelch ist unentfaltet, kaum entsprossen,In meinem Innern trag’ ich eine Welt,Die unentweiht, geheimnißvoll verschlossen,Mit mir hinab in’s Reich des Todes fällt.Die Rose mag, von Lieb’ und Lied verlassen,Mit unentweihtem Herzen früh erblassen.
Euch sei die letzte Thräne hingegossen,
Die auf dem welken Blatte sich noch hält,
Mein Kelch ist unentfaltet, kaum entsprossen,
In meinem Innern trag’ ich eine Welt,
Die unentweiht, geheimnißvoll verschlossen,
Mit mir hinab in’s Reich des Todes fällt.
Die Rose mag, von Lieb’ und Lied verlassen,
Mit unentweihtem Herzen früh erblassen.
Weh mir! der Sturm mit mächtigem Getose,Er bricht hervor in unbarmherz’ger Wuth.Umsonst umhüllen mich die weichen Moose,Der Paladin, in dem die Rose ruht.Wie? stamm’ ich nicht aus königlichem Schooße?Und fließt nicht tausendfach ein fürstlich BlutIn meiner Adern zierlichen Geweben,Die noch kein Vater wieder hat gegeben?
Weh mir! der Sturm mit mächtigem Getose,
Er bricht hervor in unbarmherz’ger Wuth.
Umsonst umhüllen mich die weichen Moose,
Der Paladin, in dem die Rose ruht.
Wie? stamm’ ich nicht aus königlichem Schooße?
Und fließt nicht tausendfach ein fürstlich Blut
In meiner Adern zierlichen Geweben,
Die noch kein Vater wieder hat gegeben?
Drum, die Du wandelst dort auf grünen Wegen,Die schlanke Huldgestalt, mir selbst verwandt!Eh’ grausam mich entblättert Sturm und Regen,Komm, pflücke mich mit Deiner schönen Hand!So wird entzückend mich der Traum bewegen,Daß ich die schwesterliche Lilie fand.Dem Dichter gib die welke dann zum Erbe,Daß unbesungen nicht die Rose sterbe.
Drum, die Du wandelst dort auf grünen Wegen,
Die schlanke Huldgestalt, mir selbst verwandt!
Eh’ grausam mich entblättert Sturm und Regen,
Komm, pflücke mich mit Deiner schönen Hand!
So wird entzückend mich der Traum bewegen,
Daß ich die schwesterliche Lilie fand.
Dem Dichter gib die welke dann zum Erbe,
Daß unbesungen nicht die Rose sterbe.