Maria in der Seele.[14]

Maria in der Seele.[14]

O heil’ge Mutter, wie ich mich betrübte,Und mich in Unruh’ quälte Nacht und Tag!Eh’ meine Seele Dich, wie jetzo, liebte,Und wie ich Dir’s zu sagen nie vermag!Wie fühl’ ich, gleich dem mutterlosen Kinde,Mein ganzes Leben so verwaist, so halb,Und wie erbärmlich hab’ ich mit der SündeGerungen, gleich dem Schäfer mit dem Alp.Sieh, meine Seele war wie eine Hütte,Die nur mit Mühe noch zusammenhält.Der Felsen drohte, daß er sie verschütte,Und durch die Fenster zog der Sturm der Welt.Der Blitz, wie wenn’s den Untergang gegolten,Umzingelte das Haus, und angstgepreßtHielt d’rinnen zitternd, wenn die Donner rollten,Mein Glaube sich an Erdenhülfe fest.Nun aber, seit Du Jungfrau eingezogen,Ist meine Seel’ ein königliches Haus.Zum Himmel wölben sich die stolzen Bogen,Und seine Giebel trotzen Sturm und Graus.Du wandelst durch die duftigen Gemächer,Darinnen Flöten klingen und Schalmei’n,Die Engel steigen nieder auf die Dächer,Und Gottes Sonne scheint durch’s Fenster ’nein.Wie kam’s doch? Hab’ ich oft zu Dir gebetet,Freiwillig meine Seele Dir geschenkt?Hab’ ich mich oft vor Deinem Bild verspätet,In Deine Herrlichkeiten mich versenkt?Du Kön’gin, hat mein Herz Dich eingeladen?Rief meine fromme Kühnheit Dich herab?Daß Deine Liebe mir so süße Gnaden,So unverdiente Seligkeiten gab?Ach nein, Maria, Du bist ungebeten,Und aus Erbarmen mit des Sünders Last,In meiner Seele dunkles Haus getreten;In Scham erglüht sie vor dem hohen Gast.Du kamst Dein Kind, Du treue Mutter, suchen,Du hast’s gefunden, o wie wohl ist mir!Nun mag der Sturm weh’n und die Hölle fluchen,Mein Herz ist Dein, ich halte fest an Dir.Dies Herz – Dein Frieden, Heilige, bewohnt es,Und Du zerstreutest seine Angst und Qual.Sieh, wie ein Wurm am sanften Licht des Mondes,Erfreut es sich an Deinem milden Strahl.O Heil’ge, bleibe bei mir jetzt und immer!Und, Mutter, wenn der Tod mein Auge bricht,Dann leuchte mir mit Deinem heiligen Schimmer,Und führe rettend mich zum ew’gen Licht!

O heil’ge Mutter, wie ich mich betrübte,Und mich in Unruh’ quälte Nacht und Tag!Eh’ meine Seele Dich, wie jetzo, liebte,Und wie ich Dir’s zu sagen nie vermag!Wie fühl’ ich, gleich dem mutterlosen Kinde,Mein ganzes Leben so verwaist, so halb,Und wie erbärmlich hab’ ich mit der SündeGerungen, gleich dem Schäfer mit dem Alp.Sieh, meine Seele war wie eine Hütte,Die nur mit Mühe noch zusammenhält.Der Felsen drohte, daß er sie verschütte,Und durch die Fenster zog der Sturm der Welt.Der Blitz, wie wenn’s den Untergang gegolten,Umzingelte das Haus, und angstgepreßtHielt d’rinnen zitternd, wenn die Donner rollten,Mein Glaube sich an Erdenhülfe fest.Nun aber, seit Du Jungfrau eingezogen,Ist meine Seel’ ein königliches Haus.Zum Himmel wölben sich die stolzen Bogen,Und seine Giebel trotzen Sturm und Graus.Du wandelst durch die duftigen Gemächer,Darinnen Flöten klingen und Schalmei’n,Die Engel steigen nieder auf die Dächer,Und Gottes Sonne scheint durch’s Fenster ’nein.Wie kam’s doch? Hab’ ich oft zu Dir gebetet,Freiwillig meine Seele Dir geschenkt?Hab’ ich mich oft vor Deinem Bild verspätet,In Deine Herrlichkeiten mich versenkt?Du Kön’gin, hat mein Herz Dich eingeladen?Rief meine fromme Kühnheit Dich herab?Daß Deine Liebe mir so süße Gnaden,So unverdiente Seligkeiten gab?Ach nein, Maria, Du bist ungebeten,Und aus Erbarmen mit des Sünders Last,In meiner Seele dunkles Haus getreten;In Scham erglüht sie vor dem hohen Gast.Du kamst Dein Kind, Du treue Mutter, suchen,Du hast’s gefunden, o wie wohl ist mir!Nun mag der Sturm weh’n und die Hölle fluchen,Mein Herz ist Dein, ich halte fest an Dir.Dies Herz – Dein Frieden, Heilige, bewohnt es,Und Du zerstreutest seine Angst und Qual.Sieh, wie ein Wurm am sanften Licht des Mondes,Erfreut es sich an Deinem milden Strahl.O Heil’ge, bleibe bei mir jetzt und immer!Und, Mutter, wenn der Tod mein Auge bricht,Dann leuchte mir mit Deinem heiligen Schimmer,Und führe rettend mich zum ew’gen Licht!

O heil’ge Mutter, wie ich mich betrübte,Und mich in Unruh’ quälte Nacht und Tag!Eh’ meine Seele Dich, wie jetzo, liebte,Und wie ich Dir’s zu sagen nie vermag!Wie fühl’ ich, gleich dem mutterlosen Kinde,Mein ganzes Leben so verwaist, so halb,Und wie erbärmlich hab’ ich mit der SündeGerungen, gleich dem Schäfer mit dem Alp.

O heil’ge Mutter, wie ich mich betrübte,

Und mich in Unruh’ quälte Nacht und Tag!

Eh’ meine Seele Dich, wie jetzo, liebte,

Und wie ich Dir’s zu sagen nie vermag!

Wie fühl’ ich, gleich dem mutterlosen Kinde,

Mein ganzes Leben so verwaist, so halb,

Und wie erbärmlich hab’ ich mit der Sünde

Gerungen, gleich dem Schäfer mit dem Alp.

Sieh, meine Seele war wie eine Hütte,Die nur mit Mühe noch zusammenhält.Der Felsen drohte, daß er sie verschütte,Und durch die Fenster zog der Sturm der Welt.Der Blitz, wie wenn’s den Untergang gegolten,Umzingelte das Haus, und angstgepreßtHielt d’rinnen zitternd, wenn die Donner rollten,Mein Glaube sich an Erdenhülfe fest.

Sieh, meine Seele war wie eine Hütte,

Die nur mit Mühe noch zusammenhält.

Der Felsen drohte, daß er sie verschütte,

Und durch die Fenster zog der Sturm der Welt.

Der Blitz, wie wenn’s den Untergang gegolten,

Umzingelte das Haus, und angstgepreßt

Hielt d’rinnen zitternd, wenn die Donner rollten,

Mein Glaube sich an Erdenhülfe fest.

Nun aber, seit Du Jungfrau eingezogen,Ist meine Seel’ ein königliches Haus.Zum Himmel wölben sich die stolzen Bogen,Und seine Giebel trotzen Sturm und Graus.Du wandelst durch die duftigen Gemächer,Darinnen Flöten klingen und Schalmei’n,Die Engel steigen nieder auf die Dächer,Und Gottes Sonne scheint durch’s Fenster ’nein.

Nun aber, seit Du Jungfrau eingezogen,

Ist meine Seel’ ein königliches Haus.

Zum Himmel wölben sich die stolzen Bogen,

Und seine Giebel trotzen Sturm und Graus.

Du wandelst durch die duftigen Gemächer,

Darinnen Flöten klingen und Schalmei’n,

Die Engel steigen nieder auf die Dächer,

Und Gottes Sonne scheint durch’s Fenster ’nein.

Wie kam’s doch? Hab’ ich oft zu Dir gebetet,Freiwillig meine Seele Dir geschenkt?Hab’ ich mich oft vor Deinem Bild verspätet,In Deine Herrlichkeiten mich versenkt?Du Kön’gin, hat mein Herz Dich eingeladen?Rief meine fromme Kühnheit Dich herab?Daß Deine Liebe mir so süße Gnaden,So unverdiente Seligkeiten gab?

Wie kam’s doch? Hab’ ich oft zu Dir gebetet,

Freiwillig meine Seele Dir geschenkt?

Hab’ ich mich oft vor Deinem Bild verspätet,

In Deine Herrlichkeiten mich versenkt?

Du Kön’gin, hat mein Herz Dich eingeladen?

Rief meine fromme Kühnheit Dich herab?

Daß Deine Liebe mir so süße Gnaden,

So unverdiente Seligkeiten gab?

Ach nein, Maria, Du bist ungebeten,Und aus Erbarmen mit des Sünders Last,In meiner Seele dunkles Haus getreten;In Scham erglüht sie vor dem hohen Gast.Du kamst Dein Kind, Du treue Mutter, suchen,Du hast’s gefunden, o wie wohl ist mir!Nun mag der Sturm weh’n und die Hölle fluchen,Mein Herz ist Dein, ich halte fest an Dir.

Ach nein, Maria, Du bist ungebeten,

Und aus Erbarmen mit des Sünders Last,

In meiner Seele dunkles Haus getreten;

In Scham erglüht sie vor dem hohen Gast.

Du kamst Dein Kind, Du treue Mutter, suchen,

Du hast’s gefunden, o wie wohl ist mir!

Nun mag der Sturm weh’n und die Hölle fluchen,

Mein Herz ist Dein, ich halte fest an Dir.

Dies Herz – Dein Frieden, Heilige, bewohnt es,Und Du zerstreutest seine Angst und Qual.Sieh, wie ein Wurm am sanften Licht des Mondes,Erfreut es sich an Deinem milden Strahl.O Heil’ge, bleibe bei mir jetzt und immer!Und, Mutter, wenn der Tod mein Auge bricht,Dann leuchte mir mit Deinem heiligen Schimmer,Und führe rettend mich zum ew’gen Licht!

Dies Herz – Dein Frieden, Heilige, bewohnt es,

Und Du zerstreutest seine Angst und Qual.

Sieh, wie ein Wurm am sanften Licht des Mondes,

Erfreut es sich an Deinem milden Strahl.

O Heil’ge, bleibe bei mir jetzt und immer!

Und, Mutter, wenn der Tod mein Auge bricht,

Dann leuchte mir mit Deinem heiligen Schimmer,

Und führe rettend mich zum ew’gen Licht!


Back to IndexNext