Chapter 11

Bühnenaufbau

Unter allen Umständen lasse man sowohl die Engelschar, als auch die Königschar durch den Saal nach der Bühne ziehen, vor die ein Treppenaufgang gebaut wird. Die Vorhänge möchten geteilt sein.

Die Spieler sollennatürlichsprechen, zu viel Pathos schädigt; vom Erhabenen zum Lächerlichen ist bekanntlich nur ein Schritt.

Wesentlich ist der Anteil der

Musik.

Harmoniumspiel verbindet Gesänge und Szenen. Für die Gesänge benutze man möglichst alte erzgebirgische Weisen. Man findet solche im »Musikalischen Anhang« zum Mosenschen Weihnachtsfestspiel, Grasers Verlag, in »Lied und Spiel zum Preise des Christkindes« von Bernhard Schneider (Dresden, Huhle), sowie auch in Dosts Weihnachtsliedern aus dem Erzgebirge. Die bei den Aufführungen der Chemnitzer Volkshochschule benutzten Gesänge waren von Johannes Halke vierstimmig gesetzt worden. Beim Einzug der Spieler spielte ein kleines Orchester aus Lauten, Violinen und Clarinetten zusammengesetzt.

Wir bringen am Schlusse als Beispiel der Verwendbarkeit der alten Spiele eine Zusammenstellung, die in vielen Aufführungen bereits erprobt ist. Es lag dem Bearbeiter daran, die einzelnen Stücke nicht zu zerreißen,darum erscheinen aus den verschiedenen Spielen immer geschlossene Szenen.

Alte, erstorbene Volksbräuche und Sitten wiederbeleben zu wollen, würde ein vergebliches und unersprießliches Beginnen sein. Man soll nicht einen Leichnam ausgraben und ihn buntgeschmückt zur Schau stellen. Das Vergangene kehrt nicht wieder, wenn es auch lange noch zurückleuchtet. Wir freuen uns alter Sitten und Gebräuche, hören voll Behagen von allerlei Aber- und Zuvielglauben – aber, Gott sei dank, das sind alles überwundene Dinge.

So wäre die ganze Wissenschaft der Volkskunde nur eine forschende, eine historisch betrachtende?

Dies ist nicht der Fall. Wohl muß die Volkskunde die Vergangenheit des Volkes kennen, muß den geheimsten Regungen der Volksseele nachspüren. Dabei darf sie aber nicht stehen bleiben. Wie eine Zeit die andere ablöst, wie Geschlechter kommen und gehen, so wandeln sich auch Sitten und Gebräuche mit den Zeiten um. Dabei sieht man aber mit Betrübnis, daß die neue Sitte, die die alte ablöste, selten einen Fortschritt bedeutet, im Gegenteil, gute alte Sitten sind vergangen, schlimmere sind dafür eingezogen. Nun hat die Volkskunde die Aufgabe, zu wirken, das, was an altem Volksbrauch lebensfähig ist, zu erhalten, auf gutem Alten wertvolles Neue aufzubauen.

Man hat gesagt, die erzgebirgischen Christspiele seien tot, es würde dem Geiste unserer Zeit nicht entsprechen, Wiederbelebungsversuche vorzunehmen. Dem ist zuwidersprechen. Wohl hat eine volksfremde Geistlichkeit, eine dem Volksempfinden so fern wie möglich stehende Regierung eine Zeit lang die Spiele unterdrücken können. Sie lebten aber immer wieder auf. Man schränkte die kirchlichen Mettenspiele ein, man verbot sie und nahm damit dem Volke ein gut Teil Poesie aus seinem armseligen Leben. Man trieb die Heiligenchristspieler von der Straße, ja sperrte sie ein, wie im Jahr 1805 zu Thalheim geschehen ist – aber immer erbten sich die Reime weiter.

Wie wollen wir nun die Spiele zu neuem Leben erwecken? Zunächst ist es wünschenswert, daß alle Orte, die noch Metten und dergleichen besitzen, sich dieselben nicht nehmen lassen. Wo noch kein Mettengottesdienst besteht, oder wo er nur rein kirchlich beschaffen ist, lasse man dies eine Mal im Jahr das Volk hinzu und gestalte den Gottesdienst entsprechend aus. Aber auch die außerkirchlichen Spiele führe man wieder auf. Eine große Zahl von Weihnachtsstücken sind geschrieben, die wohl die Weihnachtsgeschichte dramatisch darstellen, aber doch mehr oder weniger Theaterstücke sind. Das sollen sie nicht sein. Wir wollen die schlichten, alten Volksspiele wieder haben.

Aus den vielen Zuschriften, die wir erhielten, ersehen wir mit Freuden, wie man allerorts unseren Gedanken aufgegriffen hat. Wenn uns auf unserem Wege die Wiederbelebung dieses Stückes alter Volkskunst gelingen sollte, würden wir herzlich zufrieden sein.


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