Nikolaus, du treuer Knecht,du erinnerst mich jetzund recht,drum geh jetzt hin und stell vor dichdie Kinderlein fein ordentlich.
Nikolaus, du treuer Knecht,du erinnerst mich jetzund recht,drum geh jetzt hin und stell vor dichdie Kinderlein fein ordentlich.
Nikolaus.
Das der heilge Christ befohln allzeittreulich zu tun bin ich bereit.Darum, ihr lieben Kinderlein,stellt euch hier in die Ordnung feinund tut hersagen, was ihr habtgelernt nach meinem Mandat.
Das der heilge Christ befohln allzeittreulich zu tun bin ich bereit.Darum, ihr lieben Kinderlein,stellt euch hier in die Ordnung feinund tut hersagen, was ihr habtgelernt nach meinem Mandat.
Der Heiland.
Für mich dürft ihr euch fürchten nicht,euch guts zu tun bin ich verpflicht.Mein Nam' ist Gott, mein Tun ist gut,Mein Feind ist der, so Schaden tut.Ich hab mit mir viel schöner Gabenfür Mägdlein und für junge Knaben,Welche ich denen tu geben,die schön und hübsch können beten.Drum kommt, ihr lieben KinderleinHeran zu mir und betet fein!
Für mich dürft ihr euch fürchten nicht,euch guts zu tun bin ich verpflicht.Mein Nam' ist Gott, mein Tun ist gut,Mein Feind ist der, so Schaden tut.Ich hab mit mir viel schöner Gabenfür Mägdlein und für junge Knaben,Welche ich denen tu geben,die schön und hübsch können beten.Drum kommt, ihr lieben KinderleinHeran zu mir und betet fein!
Nachdem die Kinder ihre Gebete hergesagt, spricht der Heiland:
Nachdem die Kinder ihre Gebete hergesagt, spricht der Heiland:
Das gefällt mir aus der Maßen wohl,Drum ich euch billig lohnen soll.Wohlan, Nikolaus, Diener mein,teil aus die Gaben den Kinderlein!
Das gefällt mir aus der Maßen wohl,Drum ich euch billig lohnen soll.Wohlan, Nikolaus, Diener mein,teil aus die Gaben den Kinderlein!
Nikolaus.
Es soll geschehen, drum nehmet jetztdie Gaben, die der heilge Christjetzt geben tut euch Kinderlein,dieweil ihr noch könnt beten fein.
Es soll geschehen, drum nehmet jetztdie Gaben, die der heilge Christjetzt geben tut euch Kinderlein,dieweil ihr noch könnt beten fein.
Der Heiland.
Ihr Kinderlein, nehmt so vor gutund habt damit ein' guten Mut.Wenn ihr hinfort werd't frömmer sein,so will ich tun den Dienern meinbefehl'n, daß sie euch viel mehrGaben heut diese Nacht bescher'n.Ich will euch auch geben allzeitlanges Leben und gute Gesundheit.Desgleichen all mein Engelein,solln euer Hüter und Wächter sein.Wohlauf ihr Diener, allzumalsingt und lobt Gott mit Freudenschall.
Ihr Kinderlein, nehmt so vor gutund habt damit ein' guten Mut.Wenn ihr hinfort werd't frömmer sein,so will ich tun den Dienern meinbefehl'n, daß sie euch viel mehrGaben heut diese Nacht bescher'n.Ich will euch auch geben allzeitlanges Leben und gute Gesundheit.Desgleichen all mein Engelein,solln euer Hüter und Wächter sein.Wohlauf ihr Diener, allzumalsingt und lobt Gott mit Freudenschall.
Dann singt man ein Lied und Michael sagt zum Schluß:
Dann singt man ein Lied und Michael sagt zum Schluß:
Hiermit von hinnen scheiden wirund wünsche, daß mögt erleben ihrin Fried und guter Gesundheitdas künftig Jahr und allezeit.Darzu auch denn der Engel Scharwünscht ein glückselig neues Jahr.Ihr Kinderlein habt ein gute Nacht,was ihr gehört, fleißig betracht.Der Segen Gottes sei mit euch,zuteil werd euch das Himmelreich.Guter Fried sei stets in dem HausAllen, die gehen ein und aus!
Hiermit von hinnen scheiden wirund wünsche, daß mögt erleben ihrin Fried und guter Gesundheitdas künftig Jahr und allezeit.Darzu auch denn der Engel Scharwünscht ein glückselig neues Jahr.Ihr Kinderlein habt ein gute Nacht,was ihr gehört, fleißig betracht.Der Segen Gottes sei mit euch,zuteil werd euch das Himmelreich.Guter Fried sei stets in dem HausAllen, die gehen ein und aus!
Derartige Christfahrten waren eigentliche Bescherungsspiele. Es sind auch im übrigen Sachsen solche Adventsumzüge gang und gäbe gewesen; so berichtet P. Kruschwitz im 1. Bande der »Bunten Bilder aus dem Sachsenlande« von dieser Volkssitte aus dem Eigenschen Kreis (zwischen Herrnhut und Ostritz) und H. v. Opell in Band 5 der Mitteilungen des Vereins für sächs. Volkskunde von ebensolchen »Christkindern« aus Niederfriedersdorf b. Neusalza. Der Inhalt deckt sich vollständig mit den Christfahrten des Erzgebirges, auch lassen einzelne Zeilen und Reime auf einen gemeinsamen Ursprung schließen. Der Schluß des letztgenannten Spiels ist ganz köstlich.
Die beiden »Christkinder« sprechen beim Gehen:
Nun so wünschen wir euch allen eine schöne gute Nacht,von Samt und Seide ein Bettchen gemacht,von Zucker und Rosinen eine Tür,von Pfefferkuchen ein Schlößchen dafür,und von Muskaten eine Schwellund einen Engel zum Schlafgesell.
Nun so wünschen wir euch allen eine schöne gute Nacht,von Samt und Seide ein Bettchen gemacht,von Zucker und Rosinen eine Tür,von Pfefferkuchen ein Schlößchen dafür,und von Muskaten eine Schwellund einen Engel zum Schlafgesell.
Die Rollen sind in den meisten Spielen die gleichen, nur die Namen der handelnden Personen sind verschieden, z. B. wurde der heilige Martin hier und da durch St. Petrus mit dem Schlüssel ersetzt. Wie schon angedeutet, wurden die Spiele durch die Hinzunahme eines oder zweier Ruprechte recht weltlich, ja oft sogar unflätig. Es wurden nicht nur die Kinder examiniert, sondern auch die »Großen« aus dem Hause. Daß es dabei nicht ohne kräftiges Necken und Spotten abging, erscheint, bei der Neigung der Erzgebirgler zur Satire, als selbstverständlich. Der heilige Charakter der Spiele war in Gefahr und hielt sich nur dadurch, daß man ihm Teile der kirchlichen Mettenspiele anhängte. So fügte man an die Christfahrt zunächst die Hirtenszene an und nannte das Ganze »Engelschar«. Diese zog am 1. Advent bis zu Hohneujahr in den Häusern umher. Dann trat die Königsschar in ihre Rechte, die hauptsächlich die Unterhandlungen der 3 Weisen mit Herodes, die Anbetung und den Kindermord enthielt. Diese »Königsschar« spielte am Epiphanias bis zur Fastnacht. Darin liegt vielleicht auch ihre Neigung zu komischen, ja grotesken Szenen begründet, man hatte einen bequemen Ersatz für die beliebten Fastnachtsspiele. Auch die »Engelschar« und die »Königsschar« erweiterten sich. Zur ersteren kam das Herbergsspiel mit dem Wirt und der Magdhinzu, letzteres vervollständigte sich durch Auftreten des Todes.
Solange in den Privatwohnungen gespielt wurde, nahm das Bescherungsspiel einen ziemlichen Raum ein; als man aber begann, die Spiele in die öffentlichen Säle zu verlegen, beschränkte man die »Christfahrt« und führte andere Szenen und Personen dafür ein. Man war dazu gezwungen, da das Ueberbleibsel doch zu dürftig ausgesehen hätte.
Ueber die Art und Weise des Auftretens der Christspiele sind uns verschiedene Aufzeichnungen erhalten, aus denen man zugleich ersieht, daß die Spiele durchaus nicht die volle Sympathie der Geistlichen und sonstigen Obrigkeitspersonen besaßen.
In dem Wild'schen Buche »Interessante Wanderungen durch das sächsische Obererzgebirge«, 1809 in Freiberg erschienen heißt es darüber:
»Sonst war auch das sogenannte heilige Christspiel gebräuchlich, wo Bergleute und andere gemeine Leute in schön gereimten Burlesken-Versen die Geburt Jesu als Lustspiel aufführten und so von Haus zu Haus zogen. Dabei war immer eine lustige Person, welche allerhand Possen trieb, z. B. dem König Herodes, welcher frisiert, mit goldenem Zepter und Reichsapfel auf einem hölzernen Stuhle saß, Schnupftabak unter die Nase rieb, daß er nießen mußte. Joseph wurde als hektisch vorgestellt und hatte eine Säge in der Hand, Marie sprach oft im schönsten Kontrebaß; denn Frauenzimmer waren bei dieser Truppenicht; die Engel gingen in langen Hemden, mit vielen Bändern geschmückt und gepudert, und hielten mit einem seidenen Tuche große Husarensäbel in der Hand; die Hirten hatten hohe spitzige Hüte von Zuckerpapier auf und knallten entsetzlich mit den Peitschen, auch bliesen sie auf Nachtwächterhörnern; der Stern war von Pappe und ölgetränktem Papier an einer Stange aufgesteckt und konnte gedreht werden; manchmal brannte er, denn inwendig stak ein brennendes Licht. Das Christkind endlich war nicht himmlischer Abkunft, es sah erbärmlich aus und ward oft sehr übel behandelt. Uebrigens war immer ein Knecht Ruprecht dabei, welchen man im Gebirge Rupperich nennt, mit einer Klingel und einer Ofengabel erschien und mußte die nachlaufenden Kinder abschrecken. – Am sogenannten heiligen drei Königsfeste erschienen dabei gar diese drei Majestäten, wobei eine schwarz war. Doch seit mehreren Jahren hat dieser Unfug aufgehört, welcher eigentlich noch ein Ueberbleibsel des in Sachsen ehedem herrschenden Aberglaubens war.«
Härter noch äußert sich ein ungenannter Gewährsmann, wie man bei Behandlung des Thalheimer Spiels noch erkennen wird.
Allerhand Unzuträglichkeiten stellten sich ein. So berichtet Mosen (Seite 21), daß oft in der Stadt »zwei oder drei Engel- oder Königsscharen zusammenkamen, was bisweilen zu Unordnungen Anlaß gab.« So kam es endlich zu Verboten der Spiele. Sie verschwanden aus der Oeffentlichkeit.Im Geheimen lebten sie aber noch lange fort. Zäh hingen die Erzgebirger an dem alten Brauche, die Lokalchroniken bestätigen dies. Von Mund zu Mund erbten sich die Reimlein fort. Schließlich gedachte man ihrer noch als einer alten überlebten Sitte und alte Leute berichteten leuchtenden Auges von der schönen Zeit, da sie noch die Engelschar erlebt oder selbst mit dargestellt hatten. So kam auch mancher volkskundliche Sammler zu solchem Gut und hier und da stieß man in den Zeitungen auf einen Bericht über ein solches Spiel. Leider ward in den seltensten Fällen das ganze Spiel aufgezeichnet, sodaß man wohl eine Menge Bruchstücke, aber wenige vollständige Spiele besitzt. Der Bruder des bekannten Dichters Julius Mosen, der Gymnasiallehrer Gustav Mosen in Zwickau hat das große Verdienst, viele bis zum Jahre 1861 vorhandenen Bruchstücke gesammelt und aufgezeichnet zu haben. Das schlichte Büchlein, das er im Auftrage des Vereins zur Verbreitung guter und wohlfeiler Volksschriften herausgab, ist hier und da noch in Büchereien anzutreffen.
Mosen berichtet von Weihnachtsspielen in folgenden Orten: Gersdorf, Ernstthal, Zschopau, Annaberg und Umgegend, Frohnau, Wiesa, Hermannsdorf, Königswalde, Sehma, Cranzahl, Raschau, Markersbach, Großpöhla, Grünhain, Crottendorf, Aue, Pfannenstiel, Rittersgrün, Jöhstadt, Cunnersdorf, Geyer, Scheibenberg, Schlettau, Bockau, Grumbach, Buchholz, Bärenstein, Wildenau, Neudorf. Merkwürdigerweise sind ihm zwei vollständige Spielenicht in die Hände gekommen, nämlich das Thalheimer und das Löwenhainer.
Auffallend ist eine gewisse Aehnlichkeit in den Spielen. Im Grunde genommen sind es wohl nur 4 oder 5, alle anderen sind durch die mündliche Weitergabe und durch die Anpassung an dem jeweiligen Ort und die verschiedene Zeit »zerspielt«.
Bis in die 30er Jahre des 19. Jahrhunderts hinein wurde das Stück regelmäßig in Ernstthal und jedenfalls auch in Gersdorf aufgeführt. Bühnendekoration war unnötig. Mosen fand leider nur noch Bruchstücke vor. Seine Uebereinstimmung mit dem Reichenbacher Spiel (R. in Schlesien) wurde schon erwähnt. Mosen teilt nur den Anfang mit.
Die Spieler singen in der Hausflur den Vers:
Hosianna, Davids Sohn, kommt in Zion eingezogen.
Hosianna, Davids Sohn, kommt in Zion eingezogen.
Dann geht der Schriftgelehrte ins Zimmer und spricht:
»Geliebte in dem Herrn!Wir treten hier ein ohn allen Spott.Einen schönen guten Abend, den geb Euch Gotteinen schönen guten Abend, eine fröhliche Zeit,die Sie und Ihre Kinder erfreut.
»Geliebte in dem Herrn!Wir treten hier ein ohn allen Spott.Einen schönen guten Abend, den geb Euch Gotteinen schönen guten Abend, eine fröhliche Zeit,die Sie und Ihre Kinder erfreut.
Geliebte in dem Herrn! Wir sind heut hier versammelt, den großen Gedächtnistag unseres Erlösers mit unseren Mitchristen feierlich zu begehen und denselben, wie sichs bei Christis Geburt hat zugetragen,deutlich ans Herz zu legen und vor Augen zu stellen. Denn es ist ein Tag, den der Herr gemacht, sei Lob in alle Welt gebracht. Das laßt uns freuen und fröhlich sein und Gott die Ehre geben. JaWie groß ist dieser Freudentag,daran man sich versammeln mag,zu loben unsern Gott allein,der jetzt sein Volk läßt fröhlich sein.Uns Menschen aber sei bewußtdie wundersüße Weihnachtslust.Wir fangen an mit frischem Mut,Euer Jesulein, das höchste Gut!
Geliebte in dem Herrn! Wir sind heut hier versammelt, den großen Gedächtnistag unseres Erlösers mit unseren Mitchristen feierlich zu begehen und denselben, wie sichs bei Christis Geburt hat zugetragen,deutlich ans Herz zu legen und vor Augen zu stellen. Denn es ist ein Tag, den der Herr gemacht, sei Lob in alle Welt gebracht. Das laßt uns freuen und fröhlich sein und Gott die Ehre geben. Ja
Wie groß ist dieser Freudentag,daran man sich versammeln mag,zu loben unsern Gott allein,der jetzt sein Volk läßt fröhlich sein.Uns Menschen aber sei bewußtdie wundersüße Weihnachtslust.Wir fangen an mit frischem Mut,Euer Jesulein, das höchste Gut!
Wie groß ist dieser Freudentag,daran man sich versammeln mag,zu loben unsern Gott allein,der jetzt sein Volk läßt fröhlich sein.Uns Menschen aber sei bewußtdie wundersüße Weihnachtslust.Wir fangen an mit frischem Mut,Euer Jesulein, das höchste Gut!
Dann singen alle Beteiligten den Vers: »Wachet auf, ruft uns die Stimme!« Nun treten die Schäfer auf. Das Stück trug schon zu Mosens Zeiten alle Zeichen des Verfalls, zusammengeflickt und verwirrt muß es gewesen sein, sodaß Mosen auf eine vollständige Wiedergabe verzichtet.
Vollständiger ist das
erhalten, von dem Mosen einige Stücke mitteilt. Dieses Weihnachtsstück führt den Namen »Die Ankunft Jesu«. Es ist von 1861 an des öfteren aufgeführt worden, nachdem es lange Jahre geruht hatte. Eine einfache Bühne wurde mit Hilfe von zwei spanischen Wänden hergestellt, über die der Stern emporgehalten wurde. Der Engel erschien von wirksamen Kolofoniumblitzen begleitet. DasStück beginnt mit der Herbergsszene. DerWirtweiß nicht, wie er seine Gäste unterbringen soll. Er spricht:
Ich weiß nicht, wie es werden soll,die Stuben sind nun alle voll,und kommen dennoch stündlich Leute.Der Kaiser schreibt die Schatzung aus,und dieses geht von Haus zu Haus!ich weiß nicht, wo ich Raum bereite.
Ich weiß nicht, wie es werden soll,die Stuben sind nun alle voll,und kommen dennoch stündlich Leute.Der Kaiser schreibt die Schatzung aus,und dieses geht von Haus zu Haus!ich weiß nicht, wo ich Raum bereite.
Knecht.
Herr Wirt, es ist hier noch ein Mannmit einem zarten jungen Weibeund redet Ihn um Herberg an.
Herr Wirt, es ist hier noch ein Mannmit einem zarten jungen Weibeund redet Ihn um Herberg an.
Wirt.
Fast weiß ich nicht mehr, wo ich bleibe.Geh hin und weist sie diesmal weg,ich kann sie heute nicht behalten,
Fast weiß ich nicht mehr, wo ich bleibe.Geh hin und weist sie diesmal weg,ich kann sie heute nicht behalten,
Der Knecht geht ab.
Der Knecht geht ab.
und wenn ich übern Stall sie steck,da möchten sie vielleicht erkalten.
und wenn ich übern Stall sie steck,da möchten sie vielleicht erkalten.
DerKnechtkommt wieder und spricht:
Die Leute hören gar nicht aufzu bitten, höre doch ihr Flehen.
Die Leute hören gar nicht aufzu bitten, höre doch ihr Flehen.
Wirt.
Weis' ich sie auf den Boden nauf,das lässet nicht, es will nicht gehen.Geh, bring sie beide zu mir her.ich muß mit ihnen selber reden.
Weis' ich sie auf den Boden nauf,das lässet nicht, es will nicht gehen.Geh, bring sie beide zu mir her.ich muß mit ihnen selber reden.
Der Knecht geht ab.
Der Knecht geht ab.
– Kein Sinnen hilft nun da nicht mehr,da kommen sie schon angetreten.
– Kein Sinnen hilft nun da nicht mehr,da kommen sie schon angetreten.
Joseph und Maria kommen.
Joseph und Maria kommen.
Joseph.
Herr Wirt, o laß Er sich bewegen,und nahm er uns ins Haus herein;was könnt Ihnen das für Freude sein,wenn wir auf freier Straße lägen?
Herr Wirt, o laß Er sich bewegen,und nahm er uns ins Haus herein;was könnt Ihnen das für Freude sein,wenn wir auf freier Straße lägen?
Maria.
Kann Ihn ein armes Weib bewegen,so laß er uns nicht wieder gehn,und sollten wir in'n Stall uns legen,es soll mit Freuden gern geschehn.
Kann Ihn ein armes Weib bewegen,so laß er uns nicht wieder gehn,und sollten wir in'n Stall uns legen,es soll mit Freuden gern geschehn.
Wirt.
I nun, so geht in jenen Stall,wo sonsten Ochs und Esel stehn.
I nun, so geht in jenen Stall,wo sonsten Ochs und Esel stehn.
Maria.
O angenehmer Freudenstall!Komm, Joseph, komm, wir wollen gehn!
O angenehmer Freudenstall!Komm, Joseph, komm, wir wollen gehn!
Joseph.
Herr Wirt, es soll Ihn nicht gereuen,daß er uns beide aufgenommen;gewiß, wir wollen ehrlich sein,er soll die Zahlung gut bekommen.
Herr Wirt, es soll Ihn nicht gereuen,daß er uns beide aufgenommen;gewiß, wir wollen ehrlich sein,er soll die Zahlung gut bekommen.
Dies ist der Schluß des ersten der fünf Akte. Der zweite enthält die Hirtenszene, der dritte die Unterredungder Weisen mit dem König Herodes, im vierten beten die Hirten und die Weisen im Stalle das Kind an, im fünften gibt Herodes den Befehl zum Kindermord, der Engel mahnt Joseph zur Flucht und zum Schluß treten noch einmal die drei Weisen und die drei Schäfer auf.
Der 1. Schäfer.
Habt Ihr das Kindlein auch gesehn?
Habt Ihr das Kindlein auch gesehn?
Der 1. Weise.
Ich sah es in der Krippe schön.Es war so hold, so zart und mild,von lauter Sanftmut angefüllt.
Ich sah es in der Krippe schön.Es war so hold, so zart und mild,von lauter Sanftmut angefüllt.
Der 2. Weise.
Sein Wangen glänzten voller Huld,voll Liebe, Sanftmut und Geduld.
Sein Wangen glänzten voller Huld,voll Liebe, Sanftmut und Geduld.
Der 2. Schäfer.
So wollen wir hinnen scheiden,des großen Gottes Ruhm ausbreiten.
So wollen wir hinnen scheiden,des großen Gottes Ruhm ausbreiten.
Nun wird der Schlußvers gesungen
Heut schleußt er wieder auf die Türzum schönen Paradeis!Der Cherub steht nicht mehr dafür,Gott sei Lob, Ehr und Preis.
Heut schleußt er wieder auf die Türzum schönen Paradeis!Der Cherub steht nicht mehr dafür,Gott sei Lob, Ehr und Preis.
Diese wurde nach Mosen (Seite 21) auch in Frohnau und Hermannsdorf aufgeführt. Weihnacht 1857 bemühtensich die Frohnauer das Spiel zur Aufführung zu bringen, es wurde ihnen indes die Erlaubnis versagt. Mosen teilt dieses Spiel vollständig mit. In die am Schlusse des Büchleins erfolgte Zusammenstellung ist aus diesem Spiel fast das ganze Vorspiel aufgenommen worden, nur wurde ein kleines Stück, das allzusehr die Bescherungsszene betont, weggelassen. Das Herbergsspiel ist vollständig dem Wiesaer Spiel entnommen. Nach Beendigung der genannten Szene fährt das Spiel fort. (Mosen Seite 29.)
Chor.
Steht ihr Hirten auf und wachet!Seht doch, wie der Himmel lachet,seht doch an die schöne Nacht.Jeder Tag, der muß entweichenund die schöne Nacht sich zeigen,weil sie steht in voller Pracht.Wir leben ohne Furcht und gehen hin zu sehndas große Wunder, das in dieser Nacht geschehn.
Steht ihr Hirten auf und wachet!Seht doch, wie der Himmel lachet,seht doch an die schöne Nacht.Jeder Tag, der muß entweichenund die schöne Nacht sich zeigen,weil sie steht in voller Pracht.Wir leben ohne Furcht und gehen hin zu sehndas große Wunder, das in dieser Nacht geschehn.
Die Hirten gehen während dieses Gesanges in taktmäßigen Schritten im Zimmer auf und ab und zwar so, daß der eine unten ist, während der andere oben ist. Jetzt beginnt in derselben Weise fortschreitend,der große Hirt:
Schau, Bruder ein groß Wunder dar!
Schau, Bruder ein groß Wunder dar!
Derkleine Hirt, der jetzt auf der anderen Seite der Stube ist, spricht nach:
»Wunder da!«
»Wunder da!«
Er wiederholt so bei jeder Verszeile die letzten Worte, bei denen sich beide Hirten allemal umwenden und nach der entgegengesetzten Seite gehen.
Die schwarze Nacht scheint hell und klar,ein großes Licht bricht jetzt herein,ihm weichet aller Sternenschein.
Die schwarze Nacht scheint hell und klar,ein großes Licht bricht jetzt herein,ihm weichet aller Sternenschein.
Der kleine Hirt.
Schau, Bruder, ein groß Wunderlicht!
Schau, Bruder, ein groß Wunderlicht!
(Der große Hirt wiederholt »Wunderlicht«, wie oben.)
(Der große Hirt wiederholt »Wunderlicht«, wie oben.)
Scheint ja die alte Sonne nicht,weils wider die Natur die Nachtzu einem hellen Tage erwacht.
Scheint ja die alte Sonne nicht,weils wider die Natur die Nachtzu einem hellen Tage erwacht.
Der große Hirt.
Was wird hierdurch und zeiget an,daß sich die Natur so ändern kann?Es muß ein großes Werk geschehn,wie wir an diesem Zeichen sehn.
Was wird hierdurch und zeiget an,daß sich die Natur so ändern kann?Es muß ein großes Werk geschehn,wie wir an diesem Zeichen sehn.
Nun erscheint der Engel und verkündet mit den Worten der heiligen Schrift die Geburt des Christkindes.
Der kleine Hirt.
Drum, Bruder, auf, geh mit mir einen Lauf,nach Bethlehem wollen wir gahnund wollen nach diesem Kindlein fran,wie uns der Engel hat kundgetan.
Drum, Bruder, auf, geh mit mir einen Lauf,nach Bethlehem wollen wir gahnund wollen nach diesem Kindlein fran,wie uns der Engel hat kundgetan.
Chor.
In dulcio jubilo,nun singet und seid froh,unseres Herzens Wonneliegt inpraesepiound leuchtet als die Sonne.
In dulcio jubilo,nun singet und seid froh,unseres Herzens Wonneliegt inpraesepiound leuchtet als die Sonne.
Dann gehen die Hirten zu Maria und Joseph; dergroße Hirtspricht:
Ein schönen guten Abend, mein lieber Papa,treffen wir das neugeborne Kindlein hier a?
Ein schönen guten Abend, mein lieber Papa,treffen wir das neugeborne Kindlein hier a?
Joseph.
Ja, ja, ja, ja!
Ja, ja, ja, ja!
Großer Hirt.
Wie heißt das Kind?
Wie heißt das Kind?
Joseph.
Emanuel.
Emanuel.
Großer Hirt.
Was bringt es mit?
Was bringt es mit?
Joseph.
Trost, Heil der Seel!
Trost, Heil der Seel!
Großer Hirt.
Ei, wer führt uns zu dem Kindelein?
Ei, wer führt uns zu dem Kindelein?
Joseph.
Das tut der rechte Glaub allein.
Das tut der rechte Glaub allein.
Großer Hirt.
Ei, warum sollten wir da nicht fröhlich seinund singen mit den lieben Engelein:Laßt uns alle fröhlich sein?!
Ei, warum sollten wir da nicht fröhlich seinund singen mit den lieben Engelein:Laßt uns alle fröhlich sein?!
Chor.
Laßt uns alle fröhlich sein,grüßen Gott den Herrn,der sein liebes Söhneleinuns selbst tut verehr'n.
Laßt uns alle fröhlich sein,grüßen Gott den Herrn,der sein liebes Söhneleinuns selbst tut verehr'n.
Der große Hirt.
Ach mein herzliebstes Jesulein,wenn ich was bei mir hätt,das ich dir verehren tät!Nun diesen Apfel geb ich dir,das ewge Leben schenkst du mir.
Ach mein herzliebstes Jesulein,wenn ich was bei mir hätt,das ich dir verehren tät!Nun diesen Apfel geb ich dir,das ewge Leben schenkst du mir.
Der kleine Hirt.
Ach mein herzliebstes Jesulein,wenn ich a was bei mir hätt,das ich dir verehren tät!Ich hab noch ein alt hart Rinnel Brot,hobs länger als vier Wochen in mein Kober gehot,do, Alter, iß du's.
Ach mein herzliebstes Jesulein,wenn ich a was bei mir hätt,das ich dir verehren tät!Ich hab noch ein alt hart Rinnel Brot,hobs länger als vier Wochen in mein Kober gehot,do, Alter, iß du's.
Nun singt derChorden Liedvers:
»Heut schleußt er wieder auf die Tür«
»Heut schleußt er wieder auf die Tür«
wie im Zschopauer Spiel. Derheilige Christspricht die Schlußworte:
Ihr Kinderlein, zur gute Nachtseid nur auf Lob und Dank bedachtund grüßet Jesum, Gottes Sohn,der heut kimmt von des Himmels Thron.Er wird dies Jahr noch oft einkehrenund übers Jahr vielmehr bescheren.
Ihr Kinderlein, zur gute Nachtseid nur auf Lob und Dank bedachtund grüßet Jesum, Gottes Sohn,der heut kimmt von des Himmels Thron.Er wird dies Jahr noch oft einkehrenund übers Jahr vielmehr bescheren.
Mit einem Liedvers schließt das Spiel, während sich die Engelschar entfernt.
Dieses verrät eine Verwandtschaft mit dem vorigen Spiel. Nur die Hirtenszene weist einige Abweichungen auf. Das Wiederholen der Schlußzeilen ist ebenfalls durchgeführt.
Urban.
Wir hom fast die ganze Nacht –
Wir hom fast die ganze Nacht –
Stephan.
ganze Nacht –
ganze Nacht –
Urban.
Mit Wachen und Blosen zugebracht.
Mit Wachen und Blosen zugebracht.
Stephan.
zugebracht.
zugebracht.
Urban.
Sonst hätte mir der Wölfe Scharmeine Schaf gefressen ganz und gar.Auch freist mich sehr an meine Füß,weil es so grimmig kalt do is,so will ich när noch emol blosen,daß der Wolf tut meine Schof mit Frieden losen. –Ei blos ich net wie ä Jagersma?
Sonst hätte mir der Wölfe Scharmeine Schaf gefressen ganz und gar.Auch freist mich sehr an meine Füß,weil es so grimmig kalt do is,so will ich när noch emol blosen,daß der Wolf tut meine Schof mit Frieden losen. –Ei blos ich net wie ä Jagersma?
Stephan.
Jagersma!Mit dir allein do will ich ga,weil es so grimmig kalt do is,daß ich erwarme meine Füß.
Jagersma!Mit dir allein do will ich ga,weil es so grimmig kalt do is,daß ich erwarme meine Füß.
Engelsingt:
Gloria, Gloria, in excelsis deo Gloria!
Gloria, Gloria, in excelsis deo Gloria!
Urban.
Horch, Stephan, is dos net a wunnerlich Ding?
Horch, Stephan, is dos net a wunnerlich Ding?
Stephan.
Wunnerlich Ding!
Wunnerlich Ding!
Urban.
Mich deuchts, als wenn a Engel singt.Ei, muß dos net Freud im Himmel sein,wenn singe die lieben Engelein!
Mich deuchts, als wenn a Engel singt.Ei, muß dos net Freud im Himmel sein,wenn singe die lieben Engelein!
Stephan.
Was geht uns ober dos a?Wir wolln ein wenig ins Fald nei ga.
Was geht uns ober dos a?Wir wolln ein wenig ins Fald nei ga.
Engel.
Hirten, stehet still.Was ich sagen will:Heut ist geboren zu Bethlehem ein Kindelein,genannt das liebe Jesulein,es liegt in einem Krippeleinund ruht auf dürrem Gras,davon ein Rind und Esel fraß.Darum gehet hin und forschet die Geschicht,von welcher ich euch hab bericht!
Hirten, stehet still.Was ich sagen will:Heut ist geboren zu Bethlehem ein Kindelein,genannt das liebe Jesulein,es liegt in einem Krippeleinund ruht auf dürrem Gras,davon ein Rind und Esel fraß.Darum gehet hin und forschet die Geschicht,von welcher ich euch hab bericht!
Stephan.
Nun, Urban, nun glaub ich deinen Worten,die ich mit meinen Ohren gehört.
Nun, Urban, nun glaub ich deinen Worten,die ich mit meinen Ohren gehört.
Urban.
So glaubst du nun an die heiligen himmlischen Heerscharen,die uns große Dinge tun offenbaren,nämlich, daß in Bethlehem ein Kindlein soll geboren sein,genannt das liebe Jesulein.Ei so wolln wir gan und erfahrn die Sachen.
So glaubst du nun an die heiligen himmlischen Heerscharen,die uns große Dinge tun offenbaren,nämlich, daß in Bethlehem ein Kindlein soll geboren sein,genannt das liebe Jesulein.Ei so wolln wir gan und erfahrn die Sachen.
Stephan.
Wenn ich gleich soll gehen mit,war bleibt do, dar die Schof behüt?
Wenn ich gleich soll gehen mit,war bleibt do, dar die Schof behüt?
Urban.
Wos sorgst du für die Schof so sehr,ich wollt, daß wir von hinnen wärn.Gott, der uns dies tat offenbarn,der wird auch unser Viech bewahrn!
Wos sorgst du für die Schof so sehr,ich wollt, daß wir von hinnen wärn.Gott, der uns dies tat offenbarn,der wird auch unser Viech bewahrn!
Die Hirten vor der Krippe.
Die Hirten vor der Krippe.
Urban.
Gott grüß Euch, mein lieber Alter!
Gott grüß Euch, mein lieber Alter!
Joseph.
Schön'n Dank! Schön'n Dank!
Schön'n Dank! Schön'n Dank!
Urban.
Ist das der König der Ehren?Ist das das liebe Jesulein,welches ein großmächtiger König und Herr soll sein?Seine Gewalt über Himmel und Erdenund dessen Reich kein Ende soll werden?
Ist das der König der Ehren?Ist das das liebe Jesulein,welches ein großmächtiger König und Herr soll sein?Seine Gewalt über Himmel und Erdenund dessen Reich kein Ende soll werden?
Joseph.
Ja, ja, ja.
Ja, ja, ja.
Die Anbetung der Hirten geschieht mit denselben Worten wie im Wiesaer Spiel.