O.Selz, Die Gesetze des geordneten Denkverlaufs. 1913.J.Lindworsky, Das schlußfolgernde Denken, II. Teil, 1916.O.Selz, Zur Psychologie des produktiven Denkens. 1922.
O.Selz, Die Gesetze des geordneten Denkverlaufs. 1913.
J.Lindworsky, Das schlußfolgernde Denken, II. Teil, 1916.
O.Selz, Zur Psychologie des produktiven Denkens. 1922.
2) Die freie Vorstellungsbewegung. Die Phantasie.
a)Die Gestaltung der freien Vorstellungsbewegung. Auch wenn wir keine Aufgabe übernommen haben, bleiben wir doch nicht bei ein und derselben Vorstellung stehen. Es wechseln die Bilder und die Gedanken. Wo aber sind die treibenden Kräfte in diesem Wechsel? Wahrscheinlich ist die psychophysische Energie, die einen Teil des zentralen Apparates soweit erregt, daß ein Bewußtseinsvorgang eintritt, sehr labil. Eine leichte Ermüdung, eine Verminderung der Blutzufuhr kann den augenblicklichen Bewußtseinszustand aufhören lassen und einem anderen das Feld frei machen. Wäre dies die einzige Bedingung des Vorstellungswechsels, so müßte sich dieser allein aus dem Assoziationsgesetz verstehen lassen. Wir kennen in der Tat Bewußtseinsvorgänge dieser Art. Es sind das die Vorstellungsreihen Ideenflüchtiger.
Man sieht aber sofort, wie wenig eine solche Vorstellungsbewegung mit der freien Gedankenfolge eines Normalen zu tun hat. Wenn wir uns ohne jede Zielsetzung planlos unseren Gedanken überlassen, ertappen wir uns allerdings auf mancherlei Gedankensprüngen, über die wir uns bisweilen recht belustigen können. Aber gerade dieser Eindruck, den sie auf uns machen, beweist, daß das Sprunghafte, Unzusammenhängende auch bei diesen Träumereien in gewissem Sinne eine Ausnahme bildet. Etwas „Sinn“ steckt immer hinterjenen Bildern; sie dürften sogar der geradeste Zugang zum innersten Wesen eines Menschen sein. Diesen Erscheinungen gegenüber bleibt also zu erklären, wieso bei ihnen ein Gedankenfortschritt zustande kommt, wodurch dessen Richtung bestimmt wird und was die Richtungsstörungen bedingt.
Gehen wir spazieren, so mag eine Zeitlang die äußere Umgebung und ihr Wechsel allein unser Gegenstandsbewußtsein erfüllen. Sehr bald aber wird irgendein Sachverhalt, den wir in der Vorstellung weiter tragen, unser Interesse erregen. Wir wenden uns ihm aufmerkend oder sogar strebend zu, und damit wird er zum Reproduktionsmotiv, das eine neue Vorstellung weckt. Vielleicht bietet auch diese neue Vorstellung Anziehungspunkte und damit die Bedingung zu weiteren Reproduktionen. Das Fortschreiten in den Vorstellungen kommt also von der unwillkürlich erregten Aufmerksamkeit her, und die Triebfeder des Ganzen ist zumeist unreflektiertes Wollen. Da sich nun die Gegenstände des jeweiligen Interesses nach der augenblicklichen Gesamtverfassung richten und diese beim Gesunden nicht allzu sprunghaft wechselt, so wird innerhalb gewisser Grenzen auch eine gewisse Gleichförmigkeit und Einheitlichkeit des Gedankenganges herrschen, ganz abgesehen von der Einheitlichkeit, die oft durch die Entstehungsgeschichte unserer Assoziationen, namentlich der Komplexe, bedingt ist. Bisweilen erhebt sich aber auch das triebhafte Wollen zum überlegten, und wir stellen uns inmitten unserer Träumereien und um ihretwillen Zwischenaufgaben: wir besinnen uns oder stellen uns ein Problem, und so wird der Gedankenzusammenhang auf eine weitere Strecke verbürgt. Da aber jene Interessen in der Regel nicht allzu groß sind, unterliegen sie, sobald sich ein stärkerer Konkurrent erhebt. Das Nichtvorhandensein oder die Geringwertigkeit der Zwischenziele ist auch der Grund, weshalb sich in dem Gesamtverlauf die Spuren der Assoziationen bemerklich machen. Anderseits verrät der aus dem triebhaften Wollen stammende Richtungsfaktor in der Tat, welche Dinge das Interesse des betreffenden Menschen erwecken.
Gehen wir spazieren, so mag eine Zeitlang die äußere Umgebung und ihr Wechsel allein unser Gegenstandsbewußtsein erfüllen. Sehr bald aber wird irgendein Sachverhalt, den wir in der Vorstellung weiter tragen, unser Interesse erregen. Wir wenden uns ihm aufmerkend oder sogar strebend zu, und damit wird er zum Reproduktionsmotiv, das eine neue Vorstellung weckt. Vielleicht bietet auch diese neue Vorstellung Anziehungspunkte und damit die Bedingung zu weiteren Reproduktionen. Das Fortschreiten in den Vorstellungen kommt also von der unwillkürlich erregten Aufmerksamkeit her, und die Triebfeder des Ganzen ist zumeist unreflektiertes Wollen. Da sich nun die Gegenstände des jeweiligen Interesses nach der augenblicklichen Gesamtverfassung richten und diese beim Gesunden nicht allzu sprunghaft wechselt, so wird innerhalb gewisser Grenzen auch eine gewisse Gleichförmigkeit und Einheitlichkeit des Gedankenganges herrschen, ganz abgesehen von der Einheitlichkeit, die oft durch die Entstehungsgeschichte unserer Assoziationen, namentlich der Komplexe, bedingt ist. Bisweilen erhebt sich aber auch das triebhafte Wollen zum überlegten, und wir stellen uns inmitten unserer Träumereien und um ihretwillen Zwischenaufgaben: wir besinnen uns oder stellen uns ein Problem, und so wird der Gedankenzusammenhang auf eine weitere Strecke verbürgt. Da aber jene Interessen in der Regel nicht allzu groß sind, unterliegen sie, sobald sich ein stärkerer Konkurrent erhebt. Das Nichtvorhandensein oder die Geringwertigkeit der Zwischenziele ist auch der Grund, weshalb sich in dem Gesamtverlauf die Spuren der Assoziationen bemerklich machen. Anderseits verrät der aus dem triebhaften Wollen stammende Richtungsfaktor in der Tat, welche Dinge das Interesse des betreffenden Menschen erwecken.
b)Freie Vorstellungsbewegung und Phantasie.Die Volkssprache hat sich des Ausdruckes Phantasie bemächtigt, hat diese „Fähigkeit“ für alles verantwortlich gemacht, was sie mit den populären Begriffen Verstand und Gedächtnis nicht bewältigen konnte und damit diesem Wort einen so mannigfach schillernden Sinn verschafft, daß die wissenschaftliche Psychologie es kaum verwerten kann. Zur Klärung fragen wir zunächst, welche psychischen Erscheinungen auf Rechnung der Phantasie gesetzt werden, sodann, aufwelchem Wege man diese Erscheinungen verständlich zu machen sucht, um dann unsere eigene Stellung einzunehmen.
Einer besonderen Phantasiebegabung schreibt man es zu, wenn jemand sehr anschauliche und lebhafte Vorstellungen erzeugen kann. Weiter ist es die „kühne Seglerin Phantasie“, die ihre unerwarteten und jeglicher Regel Hohn sprechenden Fahrten macht. Sodann ist sie die begnadete Schöpferin großer Werke und Erfindungen, namentlich ästhetischer Natur. Bisweilen wird sie einfachhin dem höchsten Denken gleichgesetzt.
Allein von den Leistungen und Eigenschaften, die man der Phantasie zuschreibt, kann nur die relative Ungebundenheit und Regellosigkeit oder auch ihr Spielcharakter allgemeine Bedeutung beanspruchen. Denn die große Lebhaftigkeit der Vorstellungen ist entbehrlich für den mathematischen Denker und den technischen Erfinder, den man gemeinhin auch vorwiegend mit der Phantasie arbeiten läßt. Auch die Schöpferkraft der Phantasie braucht nicht als übermäßig groß angenommen zu werden. Denn auch die bescheidenste Ausmalung eines geträumten Erfolges zählt man schon unter die Phantasieleistungen. Der Vorgang also, der zu erklären bleibt, ist die Erzeugung von Gedanken und Vorstellungskomplexen, die als solche nicht der Erinnerung entnommen, aber auch nicht durch methodische Denkschritte gewonnen sind. Und zwar sind es Vorgänge solcher Art, daß sich bei ihnen gelegentlich lebhafteste Anschaulichkeit und überraschende Produktivität finden kann.
Allein von den Leistungen und Eigenschaften, die man der Phantasie zuschreibt, kann nur die relative Ungebundenheit und Regellosigkeit oder auch ihr Spielcharakter allgemeine Bedeutung beanspruchen. Denn die große Lebhaftigkeit der Vorstellungen ist entbehrlich für den mathematischen Denker und den technischen Erfinder, den man gemeinhin auch vorwiegend mit der Phantasie arbeiten läßt. Auch die Schöpferkraft der Phantasie braucht nicht als übermäßig groß angenommen zu werden. Denn auch die bescheidenste Ausmalung eines geträumten Erfolges zählt man schon unter die Phantasieleistungen. Der Vorgang also, der zu erklären bleibt, ist die Erzeugung von Gedanken und Vorstellungskomplexen, die als solche nicht der Erinnerung entnommen, aber auch nicht durch methodische Denkschritte gewonnen sind. Und zwar sind es Vorgänge solcher Art, daß sich bei ihnen gelegentlich lebhafteste Anschaulichkeit und überraschende Produktivität finden kann.
Die Leistungen der Phantasie sucht man bald durch eine besondere Fähigkeit, bald durch eine besondere Funktionsweise der bekannten Fähigkeiten zu erklären. Die allzu starre Auffassung, die man von der „Erinnerungsfähigkeit“ hatte, verlangte eine neue psychische Kraft, um jene Bilder zu verstehen, die keine Erinnerungen waren. Andere begnügten sich mit einer freien Verwendung der aus der Erinnerung stammenden Vorstellungselemente. So glaubteBerkeley, die Erinnerungsvorstellungen zersetzten sich im Laufe der Zeit und würden mit Elementen aus anderen Erinnerungen durchdrungen. Andere sehen das Wesen der Phantasietätigkeit in der Analogiebildung: aus der Vorstellung eines gewöhnlichen Menschen wird das analoge Bild eines Riesen. Andere glaubten mit der Ähnlichkeitsassoziation auszukommen.
Durchmustern wir nun diese Lösungsversuche. Wir haben die Erinnerung nicht einer geschlossenen Erinnerungsfähigkeit zugeschrieben, sondern erklärten sie aus dem Zusammenwirken der Vorstellungen mit der Beziehungserfassung. Die Vorstellungen sind somit für uns nicht unzertrennlich an die Erinnerung gebunden, wir können sie ebensogut für die Phantasieleistungen heranziehen. Allerdings mit einem bloßen Zerfall der früheren Erinnerungsvorstellungen und deren Durchsetzung mit Elementen aus anderen Erinnerungen lassen sich die Phantasieleistungen nicht verständlich machen. Nicht einmal mit der gewiß des öfteren wirksamen Analogiebildung. Denn der schlichteste Wachtraum ist mehr als eine einfache Umformung alter Vorstellungen und auch mehr als eine einfache Kombination aus ihnen. Noch viel weniger reicht die Ähnlichkeitsassoziation hin, etwa die Phantasielüge eines Kindes zu erklären. Assoziationen allein bringen niemals den bei Phantasiestücken beobachteten Sinn zustande. Aber auch die Gleichsetzung der Phantasie mit dem höchsten produktiven Denken kann nicht befriedigen. Denn einmal kennen wir jetzt die wichtigsten Faktoren und Gesetze des schöpferischen Denkens und wissen, daß sie sich auch in einem ganz nüchternen und methodischen Gedankengang betätigen können, der mit Phantasie durchaus nichts gemein hat. Anderseits ist die höchste Art des produktiven Denkens, wie wir sahen, durchaus kein Wesenszug der Phantasie. Eine neue Auffassung der Phantasieleistung hat J.Segalversucht: Phantasie sei „ein Denken, Fühlen und Wollen in vorgestellten Situationen mit Wirklichkeits- und Gegenwartscharakter“. Eine sehr bestechende Definition. Aber dann „phantasiert“ der Klavierspieler nicht, solange er sich seiner wirklichen Situation bewußt bleibt.
Durchmustern wir nun diese Lösungsversuche. Wir haben die Erinnerung nicht einer geschlossenen Erinnerungsfähigkeit zugeschrieben, sondern erklärten sie aus dem Zusammenwirken der Vorstellungen mit der Beziehungserfassung. Die Vorstellungen sind somit für uns nicht unzertrennlich an die Erinnerung gebunden, wir können sie ebensogut für die Phantasieleistungen heranziehen. Allerdings mit einem bloßen Zerfall der früheren Erinnerungsvorstellungen und deren Durchsetzung mit Elementen aus anderen Erinnerungen lassen sich die Phantasieleistungen nicht verständlich machen. Nicht einmal mit der gewiß des öfteren wirksamen Analogiebildung. Denn der schlichteste Wachtraum ist mehr als eine einfache Umformung alter Vorstellungen und auch mehr als eine einfache Kombination aus ihnen. Noch viel weniger reicht die Ähnlichkeitsassoziation hin, etwa die Phantasielüge eines Kindes zu erklären. Assoziationen allein bringen niemals den bei Phantasiestücken beobachteten Sinn zustande. Aber auch die Gleichsetzung der Phantasie mit dem höchsten produktiven Denken kann nicht befriedigen. Denn einmal kennen wir jetzt die wichtigsten Faktoren und Gesetze des schöpferischen Denkens und wissen, daß sie sich auch in einem ganz nüchternen und methodischen Gedankengang betätigen können, der mit Phantasie durchaus nichts gemein hat. Anderseits ist die höchste Art des produktiven Denkens, wie wir sahen, durchaus kein Wesenszug der Phantasie. Eine neue Auffassung der Phantasieleistung hat J.Segalversucht: Phantasie sei „ein Denken, Fühlen und Wollen in vorgestellten Situationen mit Wirklichkeits- und Gegenwartscharakter“. Eine sehr bestechende Definition. Aber dann „phantasiert“ der Klavierspieler nicht, solange er sich seiner wirklichen Situation bewußt bleibt.
Vielleicht kommen wir zu einem wissenschaftlich brauchbaren Begriff, wenn wir die Phantasietätigkeit als dieAusfüllung eines nicht vollständig spezialisierten antizipierenden Schemasdefinieren. Diese Definition läßt eine engere und eine weitere Betrachtungsweise zu. ImengerenSinne würde darunter die anschauliche Ausführung eines einzelnen weniger determinierten Schemas verstanden. Dem Künstler ist z. B. das Thema: „frische Rosen“ gegeben. Dieses Schema ist nach Zahl, Maß, Farbe, Gestalt usw. unbestimmt. Ein nur technisch befähigter Maler könnte es wegen dieser Vagheit nicht aus eigenem ausfüllen. Dem wahrhaft Phantasiebegabten, dem Erfinder (vgl.S. 195 f.) füllt sich das Schema von selbst.
ImweiterenSinne gestattet unsere Definition diePhantasietätigkeit mit der soeben beschriebenenfreien Vorstellungsbewegung zu identifizieren. In der freien Vorstellungsbewegung haben wir einen Komplex scharf umschriebener Bedingungen, die sich sonst nirgendwo so zusammenfinden: die erkennenden Funktionen außerhalb einer straffen Gesamtaufgabe und unter dem Einfluß des triebhaften Wollens und der Assoziationen. Damit ist, wie wir gezeigt haben, der spielhafte, teils ungebundene, teils gebundene Gedankenfortschritt gegeben. Gebunden wird er immer dann, wenn eine Zwischenaufgabe für den Augenblick zum Willensziel wird, doch so, daß der ganze Vorstellungsverlauf nicht in feste Regeln eingeschlossen ist. In der freien Vorstellungsbewegung ist auch Gelegenheit zu Neubildungen. Zum kleineren Teil dürften diese aus den Zufälligkeiten der assoziativ bedingten Reproduktionsvorgänge stammen. Den größeren Teil liefern sicher die Relationserfassungen und die Annahmen. Die letzteren werden als willkürliche Verbindungen beliebiger Gegenstände zum antizipierenden Schema für die Reproduktion anschaulicher Vorstellungen: wie ein gezeichnetes Stickmuster geben sie den Ort im Bewußtsein an, wo sich die anschauliche Begabung des Individuums auswirken kann. Unsere Auffassung läßt also die Anschaulichkeit zu ihrem Rechte kommen. Wir begreifen jetzt aber auch, daß man das produktive Denken in so enge Beziehung zur Phantasie gebracht hat: Wie sich bei den Schlußuntersuchungen herausstellte, stehen uns für das fortschreitende Denken, auch wenn es von einer ganz bestimmten Aufgabe beherrscht wird, nur wenige spezialisierte Methoden zur Verfügung. Darum muß auch das ernste Denken streckenweise phantasiemäßig arbeiten, wie umgekehrt die Phantasie streckenweise aufgabenmäßig vorgeht. Die außergewöhnlichen schöpferischen Leistungen der großen Dichter und Künstler sind zwar der Phantasie nicht wesentlich, gedeihen aber auf dem Boden der von uns genannten Bedingungen, sobald noch die eine oder die andere Sonderbedingung hinzutritt. Große Lebhaftigkeit der Vorstellungen, tiefes Gefühl und Raschheit der Vorstellungsbewegung scheinen die wichtigsten davon zu sein, die bald einzeln, bald zusammen das Phantasieleben des gottbegnadetenKünstlers über das anderer Sterblicher hinausheben. Sehr oft wird diese Begabung noch durch besondere Studien unterstützt. Man erzählt von manchen Dichtern, daß sie schon in früher Jugend sich in der Weltliteratur sehr wohl auskannten, wodurch natürlich ihr Vorstellungsschatz mit einer Unzahl von Motiven, Bildern und Wendungen bereichert war. Von Mozart ist es nachgewiesen, wie sehr sein Schaffen durch die zeitgenössische Musik befruchtet wurde. Was endlich die oft bewunderte geheimnisvolle Entstehung so mancher künstlerischen Konzeption betrifft, die dem Menschen eher eingegeben als von ihm selbst hervorgebracht zu sein scheint, so sind uns heute doch schon die ersten Spuren dieser verborgenen Wege des Genius sichtbar: Zumeist hat sich der Künstler schon längere Zeit mit seinem Plan getragen, ohne daß ihm eine befriedigende Ausführung kommen wollte. Doch die Arbeit war nur scheinbar vergebens. Er hat so eine Menge von dienlichen Vorstellungen in Bereitschaft gesetzt, die je und dann seinen Geist beschäftigten. Eines Tages blitzt ihm eine neue Beziehungserfassung auf: eine Ähnlichkeit, eine Gleichheit, ein Gegensatz usf. Wir sahen, daß solche Beziehungserfassungen aufleuchten können, noch bevor ihre anschaulichen Fundamente klar bewußt sind. Der Erlebende kann darum auch nicht sagen, wie er auf den Gedanken kam. Aber es bleibt nicht bei dem abstrakten Gedanken; er ist nur das antizipierende Schema, in das jetzt mit Macht die anschaulichen Vorstellungen drängen: kein dürres gedankliches Gerippe, sondern lebendiges Fleisch und Blut steht vor der Seele. Nur selten wird es ob der nachdrängenden Bilder gelingen, den einleitenden Beziehungsgedanken zu erhaschen, und die eigene Schöpfung wird dem Meister wie ein gnädiges Geschenk, eine köstliche Inspiration einer huldvollen Muse erscheinen.
Literatur
Th.Ribot, Die Schöpferkraft der Phantasie. 1902.R.Müller-Freienfels, Psychologie der Kunst I, 1912.H.Henning, Experimentelle Untersuchungen zur Denkpsychologie I. ZPs 81 (1919).
Th.Ribot, Die Schöpferkraft der Phantasie. 1902.
R.Müller-Freienfels, Psychologie der Kunst I, 1912.
H.Henning, Experimentelle Untersuchungen zur Denkpsychologie I. ZPs 81 (1919).
[10]Zur Auffassung der tierischen Instinkte vgl. m. „Umrißskizze zu einer theoret. Psychologie“, S. 41 ff.
[10]Zur Auffassung der tierischen Instinkte vgl. m. „Umrißskizze zu einer theoret. Psychologie“, S. 41 ff.
[10]Zur Auffassung der tierischen Instinkte vgl. m. „Umrißskizze zu einer theoret. Psychologie“, S. 41 ff.