Zweiunddreissigstes Capitel.

Muschel sehr klein, rundlich eiförmig, stets ungleichseitig. Wirbel mehr oder weniger aufgeblasen. Schloss mit einem Mittelzahn an der rechten und zwei Hauptzähnen an der linken Schale, und mit länglichen, lamellenartigen Seitenzähnen, im Verhältniss stärker, als bei Cyclas. Schlossband sehr klein und stets auf der kurzen Seite befindlich, so dass also hier die vordere Hälfte länger ist, als die hintere, während bei den andern Muscheln der Fall umgekehrt ist.

Das Thier gleicht ganz dem von Cyclas, aber seine Athemröhren sind in ihrer ganzen Länge mit einander verwachsen und bilden einen Sipho von sehr wechselnder Form, der bei der geringsten Erschütterung zurückgezogen wird.

Die Jungen entwickeln sich innerhalb der Kiemen des Mutterthiers, aber nicht in einer besonderen Bruttasche, sie sind verhältnissmässig sehr gross und man findet nur wenige auf einmal (Baudon).

Die Erbsmuscheln finden sich zwar auch im stehenden Wasser und kleinen Pfützen, aber mit Vorliebe in fliessendem Wasser, in Wiesengräben, Quellen und deren Abflüssen, im Schlamm verborgen. Sie scheinen ziemlich lang ohne Wasser aushalten zu können; Dr. C.Kochtheilte mir mit, dass er sie in Hungerquellen gefunden habe, die 7–8 Monate im Jahr kein Wasser haben, sie stecken dannoft mit Hydrobien, Carychien und Vertigo zusammen im feuchten Laub oder Moos. Man sammelt sie am besten, indem man den Schlamm durchsiebt oder in einem Netz ausspühlt.Baudonfand sie öfters an todten Thieren, Knochen u. dgl. in Menge klebend, wahrscheinlich weil sie dem mit Nahrungsstoff gesättigten Wasser nachgehen, und er hat sie mit Erfolg durch solchen Köder herbeigelockt.

Die Pisidien sind bei ihrer Kleinheit natürlich noch viel schwerer zu unterscheiden, als die Unionen, denen sie an Wandelbarkeit nicht nachstehen. Dazu kommt, dass es noch immer an einer eingehenden Bearbeitung der deutschen Pisidien fehlt, wie sie den englischen durchJenyns, den schwedischen durchMalm, den französischen durchBaudon, dessen Essai monographique ich hauptsächlich folge und auch die Abbildungen entlehnt habe, zu Theil geworden ist. Die deutschen Faunisten begnügen sich damit, die herkömmlichen Arten aufzuführen, und ich kann leider von diesem Brauche nicht abweichen, da mein Material zu unbedeutend ist und sich wesentlich auf die Umgebung von Frankfurt und einige Puncte um Biedenkopf beschränkt.

Mit Sicherheit kommen bei uns vier Arten vor, die sich folgendermassen unterscheiden:

a. Schale 7–12 Mm. lang, stark gerippt, sehr ungleichseitig, Wirbel nach vorn geneigt.

P. amnicumMüll.

b. Schale unter 6 Mm. lang.

α. Schalen ziemlich gleichseitig.

Muschel sehr bauchig, aufgetrieben, Wirbel vorstehend, Dim. ziemlich gleich, 2½-3 Mm.

P. obtusaleC. Pfr.

Muschel weniger bauchig, fast ganz gleichseitig, blassgelb, Wirbel rundlich, vorspringend.

P. pusillumJen.

β. Schale sehr ungleichseitig, mit kaum vorspringenden Wirbeln.

P. casertanumPoli.

Eine Bereicherung unserer Fauna ist sicher zu erwarten, sobald man anfängt, diese kleinsten Muscheln etwas mehr als bisher zu beachten.

Syn.P. obliquumC.Pfr.,Cyclas obliquaLam.

Muschel beinahe eiförmig, ungleichseitig, bauchig, doch weniger gewölbt, als die andern Arten, unregelmässig dreieckig, wenig glänzend, zierlich gestreift, fast gerippt, äusserlich gelblichgrau, innen bläulich. Wirbel wenig erhaben, nach vorn geneigt. Der Hauptzahn des Schlosses gespalten, daneben jederseits ein paar kaum wahrnehmbare Nebenzähne, an die sich die sehr dünnen Schlossleisten anschliessen. Länge 7–12 Mm., Höhe 6 Mm., Dicke 4–6 Mm.

Thier etwas durchscheinend, weisslich oder graulich, mit kurzem, breiten Fuss. Athemröhre kurz, kegelförmig, am Ende schräg abgestutzt.

Die grösste unserer Erbsmuscheln liebt fliessendes Wasser, kommt aber auch im stehenden vor; sie scheint in Nassau nicht eben häufig zu sein. Im Sonnenberger Bach bei Wiesbaden (Thomae). In Wiesengräben bei Idstein (A.Römer). In der Lahn bei Marburg, selten (C.Pfeiffer). Bei Cronberg (Dickin). Nicht häufig bei Hanau: Bulauwald, Lamboiwald, Ehrensäule, Wilhelmsbader Wald (Speyer). In der Sulzbach (Ickrath). Besonders schöne, grosse Exemplare, bis zu 12 Mm. lang, fand ich in der Wickerbach oberhalb der Flörsheimer Kalksteinbrüche sehr zahlreich. Selten in der Rutzebach bei Darmstadt. (Ickrath).

Muschel schief herzförmig, bauchig, nur wenig ungleichseitig, sehr fein, kaum bemerklich gestreift, glänzend, durchsichtig, gelblichweiss. Der Unterrand scharf, die Wirbelspitzen vorstehend, sehr stumpf, gerundet, der Wirbel ziemlich nahe an der Mitte stehend. Länge und Höhe gleich, 2–4 Mm., Dicke 1½-3 Mm.

Thier grau, mitunter gelblich oder röthlich, mit ziemlich langem, spitzem Fuss. Athemröhre etwas kegelig, kurz, abgestutzt, mit kleiner ganzrandiger Oeffnung (Moq.-Tand.).

Im Schlamme kleinerer Wassergräben, aber auch in den Buchten des Mains. In der Tränke bei Wiesbaden. (Thomae). In Lachen an der Lamboibrücke bei Hanau (Speyer). Im SchwanheimerHauptgraben. — Ueber die Exemplare aus dem Main bemerkt mir HerrClessinin Dinkelscherben, dass die Wirbel für diese Art zu weit nach vornen stehen und zu spitz sind, sie desshalb wahrscheinlich eher zuPisid. conicum Baud.gehören dürften.

Muschel sehr klein, dünn, fast gleichseitig, nur wenig bauchig, mit rundlichen, vorspringenden Wirbeln; die Streifen sind an den Wirbeln stärker und dichter als am übrigen Theil der Schale, so dass man zwei deutlich abgegränzte Parthieen der Schale unterscheiden kann; glänzend, blassgelb, die Wirbel grau. Der Hauptzahn der rechten Klappe springt ein wenig nach Innen vor; er ist flach zusammengedrückt und zeigt eine Furche, als ob er aus zweien zusammengeschmolzen sei; die beiden Zähne der linken Klappe sind ebenfalls nur durch eine sanfte Furche geschieden.

Thier weisslich, helldurchsichtig, sehr klein, der Fuss lang und schmal, die Athemröhre kurz, fast kegelförmig. (Baudon).

Ich erhielt diese Art aus einigen Teichen des Taunus durch HerrnDickin. In den Waldquellen des Gebirgs, selbst im feuchten Moos austrocknender Hungerquellen um Biedenkopf und Dillenburg.

Syn.Pisid. fontinaleC.Pfeiffer.

Gehäuse schief herzförmig, bauchig, ungleichseitig, fein gestreift, durchscheinend, glänzend, gelblichweiss, der untere Rand scharf. Die Wirbel weniger erhaben. Schloss jederseits mitdreigegen einander geneigten Hauptzähnen, von denen der mittelste sehr klein ist. Grösse nach dem Fundorte sehr wechselnd; Länge 4–6 Mm.

Thier weisslich, durchscheinend; Fuss verlängert; Athemröhre kurz, von sehr wechselnder Gestalt. (Baudon).

In stehenden und fliessenden Gewässern, besonders aber in Quellen, allenthalben verbreitet und häufig.

Muschel nachenförmig, gekielt, Buckel ganz am einen, schmalen Ende, Schloss mit nur einem Zahn. Das Thier befestigt sich durch einen Byssus.

Syn.Mytilus WolgaeChemn.,ChemnitziiFér.,polymorphaPallas,Dreissena polymorphav.Ben.

Muschel nachenförmig, aufgetrieben, jede Schale von dem spitzen Wirbel aus in einen sanften Bogen gekielt; Oberseite aufgetrieben, Unterseite flach; von den 4 Rändern, die man an andern Muscheln unterscheiden kann, fehlt der Vorderrand ganz; der Oberrand ist kurz, gerade, der Unterrand fast gerade, vom Wirbel aus in geneigter Richtung nach rechts und unten verlaufend, der Hinterrand leicht gekrümmt. Am Unterrand schliessen die Schalen nicht ganz, so dass ein Spalt für den Byssus bleibt. Farbe und Zeichnung sehr verschieden, meist schmutzig gelb mit Zickzackstreifen, die an jungen Exemplaren besonders deutlich sind, mit dem Alter verschwinden. Wirbel spitz, gegen einander gekrümmt; Schlossband fast ganz innerhalb der Schalen in einer Rinne liegend. Schloss nur aus einem schwachen Zahne der rechten Schale bestehend, der in eine Grube der linken passt. Der Muskel heftet sich an eine dreieckige Perlmutterwand, die quer in dem Winkel angebracht ist und den Namen für unsere Art (von τειχος, Wand und γονος, Ecke) gegeben hat. Länge 20–40 Mm.

Ich kann mich nicht entschliessen, den Rossmässler’schen Namen, der zugleich die Hauptkennzeichen der Gattung enthält, zu Gunsten des allerdings etwas älteren Namens Dreissena oder Dreissensia van Beneden aufzugeben; die Priorität darf nicht die einzige Rücksicht sein, die wir bei der Auswahl der Namen nehmen, und es ist unmöglich, die Gattung besser, als durch den Rossmässler’schen Namen zu bezeichnen.

Es ist diese seltsame Muschel, die trotz ihres Byssus sich sehr rasch verbreitet, zuerst 1780 vonPallasin der Wolga entdecktworden und hat sich seitdem sehr rasch über Europa verbreitet. Im Rhein wurde sie nachThomaezuerst bei Walluf gefunden und ist nun sehr häufig. Ueber ihr Vorkommen im Main hatNolldie ersten Funde zusammengestellt, das erste Exemplar hatHeynemannin den ersten fünfziger Jahren bei Hanau gefunden, die ersten lebenden ThiereMandelbei Frankfurt 1855. Jetzt ist sie stellenweise ganz häufig und kommt z. B. bei Höchst in Masse vor. Anführen will ich noch, dass nach einer Angabe des HerrnKretzerin Mühlheim a./M., die mirHeynemannmittheilte, alte Schiffsleute, welche die zum Füttern gebrauchten Muscheln genau kennen, unsere Muschel für eine schon sehr lange im Main vorkommende Art erklären. Den Schwanheimer Muschelsammlern dagegen ist sie erst in den letzten Jahren bekannt geworden.

Seit etwa 6 Monaten habe ich zwei Exemplare aus dem Main auf einemUnio batavussitzend in meinem Aquarium, wo sie sich sehr wohl zu befinden scheinen.

Die Wanderung scheint meistens eine passive zu sein; die Muschel hängt sich in Menge an Schiffe und Flösse, nach einer BeobachtungRossmässler’s auch an Krebse und wahrscheinlich auch an andere Wasserthiere und wird so aus einem Flussgebiet in’s andere verschleppt. Dem Anschein nach schadet ihr auch ein kurzer Aufenthalt im Salzwasser nicht, denn in die untere Donau ist sie wahrscheinlich über das schwarze Meer aus den russischen Flüssen eingeschleppt worden.

Im Rhein findet sie sich in Unmasse;Nollsah einen Tümpel unterhalb der Lurley bei St. Goar wie gepflastert mit ihnen, und die darin befindlichen Unionen und Anodonten mit so dichten Klumpen bedeckt, dass sie sich nicht mehr in den Boden eingraben konnten.

Nassau ist nicht gross genug, um in seinen Gränzen verschiedenartige Faunengebiete einzuschliessen; die Unterschiede der Fauna in seinen verschiedenen Theilen können daher nicht von der geographischen Lage, sondern nur von den Unterschieden der Bodenbeschaffenheit abhängen. Kalkreicher und kalkarmer Boden, Ebene oder Hügelland, das sind die Hauptfactoren, welche für die Vertheilung der Arten massgebend sind.

Eigentliche grössere Ebenen hat Nassau nicht; nur im unteren Theile des Mainthals und hier und da am Rhein kommen einige Strecken flachen Landes vor, die wir den gebirgigen Theilen in Beziehung auf die Molluskenfauna als Ebenen gegenüber stellen können. Am bedeutendsten ist dieMainebene. Sie beginnt ungefähr bei Hanau und erstreckt sich von da in zunehmender Breite mainabwärts, um im sogenannten Riede mit der grossen Rheinebene zu verschmelzen. In alten Zeiten ein Theil des Meeres, das sich von der Nordsee bis an die Alpen erstreckte und später, als die Gebirgsdurchbrüche des Basaltes die Verbindung unterbrochen und einen Binnensee daraus gemacht hatten, ein Theil des Mainzer Beckens, gehört der Boden in seinen tieferen Schichten ganz der Tertiärformation an, ist aber mit diluvialem Löss, Kiesablagerungen, altem Dünensand und den alluvialen Anschwemmungen der Flüsse überlagert und fast nur an den Rändern treten die characteristischen Littorinellenkalke, aus zahllosen Exemplaren der Hydrobien, die einst hier im brackischen Wasser lebten, gebildet, auf. Entgegen dem eigentlichen Begriff müssen wir das gesammte Gebiet der Tertiärschichten der Fauna nach noch zur Ebene rechnen.

Dieses Gebiet wird anfangs nördlich von den Ausläufern der Rhön, südlich von denen des Spessart und dann des Odenwaldes begränzt. Dann verliert es sich nach Norden in die sanfthügelige,noch aus Tertiärschichten bestehende Wetterau, die in conchyliologischer Beziehung noch dazu zu rechnen ist, aber leider noch eineterra incognitagenannt werden muss. Der Ostrand des Taunus begränzt die Westseite dieses von der Nidda durchflossenen Ländchens und tritt dann dicht an den Main, bis nach Mainz hin kaum einen stundenbreiten Raum zwischen sich und dem Flusse lassend. Noch schmäler wird der Raum längs des Rheingaues, wo die Berge dicht an den Strom herantreten und nur an wenigen Puncten Raum für eine Ebenenfauna bleibt. Nach Süden geht die Ebene längs der Vorberge des Odenwaldes in die grosse Rheinebene über, deren Fauna die unsere vollständig gleicht. Jenseits des Rheines schliesst sich das hügelige Rheinhessen an, das wie in der Bodenbeschaffenheit so wohl auch in der Fauna unserem Gebiete ähnlich ist. Leider gilt hier in conchyliologischer Beziehung das von der Wetterau gesagte: es ist nochterra incognita.

Im eigentlichen Rheinthal, der romantischen Rheinschlucht von Bingen bis Lahnstein, ist nur an wenigen Puncten die Entwicklung einer Ebenenfauna möglich und ebenso im unteren Lahnthal; der ganze Rest des Gebietes gehört den Gebirgen an.

Zwischen Lahn, Rhein und Main erhebt sich derTaunus, ziemlich schroff aus der Mainebene aufsteigend und sich nach der Lahn hin langsam abflachend. Quarzite und Taunusschiefer bilden die Hauptmasse der Höhen, die im Feldberg und Altkönig sich bis zu 2700′ erheben. An ihn schliessen sich von Giessen bis Marburg die Ausläufer des basaltischenVogelsberges. Auf der nördlichen Seite der Lahn erhebt sich das basaltische Hochplateau desWesterwaldes, an seinen Abhängen einzelne Tertiärschichten einschliessend. Das Dillthal trennt ihn von den Ausläufern des grossenrheinisch-westphälischen Schiefergebirges, in denen die Quellen der Lahn, der Dill, der Eder und Sieg nachbarlich zusammenliegen.

Der Zufall hat mir Gelegenheit gegeben, sowohl die Fauna des Gebirges als die der Ebene durch mehrjähriges Sammeln genauer kennen zu lernen, erstere in der Umgebung von Biedenkopf an der oberen Lahn, letztere in Schwanheim am Main unterhalb Frankfurt. Eine Schilderung der Fauna an diesen beiden Orten wird besser als alles Andere die Unterschiede zwischen Gebirgs- und Ebenenfauna vor die Augen führen.

Biedenkopf liegt an der oberen Lahn, etwa 6–7 Stunden oberhalb Marburg, da, wo Grünsteine der verschiedensten Art, den Randdes Schiefergebirges durchbrechend, ihn in eine Unzahl einzelner spitzer Bergkuppen, deren Höhe zwischen 5–600 Meter schwankt, verwandelt haben. Die Thalsohle bei Biedenkopf liegt ca. 270 Meter über dem Meer. Die Lahn ist dort kaum mehr als ein Bach, der in Folge der Waldverwüstungen in den fürstlich Wittgensteinischen Wäldern in heissen Sommern fast austrocknet. Eine Menge schmaler Thälchen ziehen sich zwischen den Kuppen hin, sich in immer feinere Zweige spaltend, bis endlich die kleinsten Thälchen steil emporsteigend an Quellen enden oder vielmehr anfangen. Viele dieser Thäler sind mehrere Stunden lang, aber nirgends über hundert Schritte breit; den horizontalen Boden bedecken Wiesen, die steil ansteigenden Berge an den Seiten sind mit dichtem Wald, meistens Buchenwald, bedeckt. Doch tritt in neuerer Zeit an die Stelle des Laubwaldes auf dem durch Streuservitute erschöpften Boden immer mehr Nadelwald. Der Ackerbau beschränkt sich auf das Lahnthal und seine grössten Seitenthäler, in denen man den Seiten der Berge mühsam steinige Felder abgewinnt. Breiter als eine halbe Stunde ist auch das Lahnthal fast nirgends. Das bedeutendste Seitenthal ist das der Perf, der sogenannte Breidenbacher Grund.

Der Boden besteht aus verschiedenen Schichtenfolgen des devonischen und Kohlengebirges, die sämmtlich steil aufgerichtet und vielfach von Grünsteinen durchbrochen sind. Folgen wir dem Wasserlaufe abwärts, so finden wir zuerstSpiriferensandstein, dannOrthocerasschiefer; später wechsellagern für eine Zeit langKramenzelsandsteineundCypridinenschieferund dann folgen für längere Zeit die Gesteine der unteren, unproductiven Kohlenformation,Culmschieferundflözleere Sandsteine. Die productiven Kohlenschichten fehlen leider, auf dasrothe Todliegendefolgt ein schmalesZechsteinband, und dann, im früheren kurhessischen Gebiete, derbunte Sandstein. Kalkschichten fehlen fast ganz, und das ist die Ursache, welche trotz des günstigen Bodenreliefs die Entwicklung einer reicheren Molluskenfauna hindert.

In der That ist die Molluskenfauna durchaus nicht reich zu nennen, weder an Arten noch an Individuen. Vorab die Wassermollusken. Von Muscheln finden sich in den Bächen nurUnio batavusund eine Form vonAnodonta cellensis; von SchneckenAncylus fluviatilisallenthalben,Limnaea auricularia,peregraundminutahier und da, aber dann in Menge,Planorbis albusundleucostomaundValvata cristataeinzeln in der Lahn. In den Waldquellen und deren Abflüssen kommen nochHydrobia Dunkeriin unendlichen Mengen und einzelne Pisidien hinzu, in einigen TeichenCyclas calyculata. Fügt man dazu nochLimnaea ovataundCyclas lacustris, die ich an ganz isolirten Localitäten gefunden, so ist das Verzeichniss der Süsswasserschnecken vollständig. Die Limnophysen mitLimnaea stagnalis, diePhysa,Paludina,Bithynia, die meisten Planorben,Unio pictorumundtumidusfehlen. Muscheln finden sich überhaupt fast nur in Mühlgräben und Teichen; die Bäche selbst mit ihrem wechselnden Wasserstand und dem aus groben Geschieben bestehenden Boden sind nur an wenigen günstigen Stellen von ihnen bewohnt, nirgends reich daran.

Die Landmollusken sind ebenfalls arm an Zahl der Arten und Individuen. Allgemein verbreitet sind nurVitrina pellucida,Hyalina nitidaMüll.,Hel. rotundata,incarnata, und etwa nochClausilia nigricans. Wo Grünsteine durchbrechen und in alten Grünsteinmauern kommen zu ihnen nochHel. lapicidaund einzelneBulimus obscurus.Helix pomatiaundnemoralissind auf die nächsten Umgebungen der Ortschaften beschränkt und fehlen grossen Districten ganz.

Eine reiche Ausbeute gewähren eigentlich nur die Enden der kleinen Waldthälchen mit ihrem, von Quellen durchtränkten und mit Laub bedeckten Moosboden. In der nächsten Umgebung der Quellen, halb im Wasser, halb ausserhalb findet man oft an einem Buchenblatte zusammen sitzendHydrobia Dunkeri,Pisidium pusillum,Carychium minimumundVertigo septemdentata; etwas weiter ab folgen dannVitrina pellucidaundDraparnaldi,Hyalinasubterranea(crystallina),nitidosa,nitens,fulva,nitida,Helixpygmaea,pulchella,aculeata,Cionella lubrica,Pupapygmaea,Succinea putris,Pfeifferiundoblonga. Keine davon findet sich eigentlich massenhaft; die häufigeren sind gesperrt gedruckt. Entfernt man sich aus dem eigentlichen Quellgebiete, dem wasserdurchtränkten Moose, so verschwinden die Schnecken vollständig, und nur in einzelnen Vertretern folgen sie dem Lauf der Bäche thalabwärts.

In den ausgedehnten Buchenwäldern, welche die Berge bedecken, findet man hier und da ein paarHel. rotundataoderincarnataund an BaumstümpfenClaus. nigricans; nur an zwei isolirten Stellen finden sich an den StämmenClaus. dubiaundHelix lapicida.

Von der allgemeinen Armuth machen nur wenige Stellen eineAusnahme: ein Bergabhang bei Dexbach, der sogenannte Hardenberg, wo zwischen Kieselschiefern ein rauher Kalkstein lagert und eine Tuff bildende Quelle zu Tage tritt; leider ist durch die Abholzung der grösste Theil der Arten zu Grunde gegangen und damitBul. montanusaus der dortigen Fauna verschwunden. Ferner die alten Schlossruinen Hohenfels und Breidenstein und endlich derSchlossbergbei Biedenkopf, der einzige wirklich reiche Fundort, was die Individuenzahl anbelangt. Der Schlossberg ist ein ziemlich isolirt aus dem hier etwas breiteren Lahnthal aufsteigender, kaum 400′ hoher Kegel, der den grössten Theil der Stadt Biedenkopf trägt. Auf drei Seiten mit stattlichem Eichwald bedeckt, ist er an seiner Südseite frei, nur mit einigen Obstbäumen bepflanzt. Von dem alten Schlosse auf der Spitze ziehen Mauertrümmer nach den alten Stadtmauern hinab und bieten durch den überall zerstreuten Mörtel den Schnecken reiche Mengen Kalk. An Regentagen im Sommer wimmelt deshalb auch die Südseite förmlich von Schnecken und man kann kaum einen Schritt machen, ohne eineHel. pomatiaodernemoraliszu zertreten. Auch im Wald sind die Schnecken sehr zahlreich, obschon es ihm an Wasser mangelt und die Schnecken fast den ganzen Sommer hindurch unter den Steinhaufen Schutz vor der Trocknung suchen müssen: ein Beweis, dass der Kalk ihnen noch nöthiger ist, als das Wasser. Mehr oder weniger häufig finden sich hier:Vitrina pellucida,Arion empiricorum,Limax cinereoniger(ausserdem nur noch auf dem Breidensteiner Schloss beobachtet),marginatus,agrestis,Amalia marginata,Hyalina cellaria,nitens,fulva,Helix rotundata,pygmaea,costata,pulchella,obvoluta,personata,incarnata,lapicida,nemoralis,pomatia,Cionella lubrica,acicula,Pupa muscorum,pygmaea,Bulimus obscurus,Clausilia laminata,nigricans,Succinea oblonga.

Zu den genannten Arten kommen an einigen isolirten Puncten nochHel. hispida,Balea fragilis,Pupa edentula,pusillaundShuttleworthiana. Damit ist die Liste ziemlich vollständig. Ganz fehlen mit dem löslichen Kalk die Xerophilen, zu denen man in Hinsicht auf Lebensweise auchBulimus tridensunddetritusundPupa frumentumrechnen muss. Ferner fehlen die meisten Fruticicolen,Hel. arbustorumund seltsamer WeiseHelix hortensis, obschon sie in dem benachbarten Dillthale bei weitem häufiger, alsnemoralisist. Auffallend ist auch das Fehlen der sonst allgemein verbreitetenClaus. biplicata;ich habe nur einmal an der Gränze nach Marburg hin ein paar junge Exemplare gefunden.

In der Umgegend vonMarburgkommen, obschon der Boden aus Buntsandstein besteht, nochHelix arbustorum,fruticumundhortensis, sowiePlanorbis marginatusvor, ob einheimisch oder vor Zeiten einmal angesiedelt, ist jetzt nicht mehr zu entscheiden.

DasDillthal, dem oberen Lahnthal parallel laufend, aber etwas tiefer liegend und kalkreicher, ist auch an Mollusken reicher, aber seine Fauna ist noch immer eine Gebirgsfauna: die Xerophilen,Limnaea stagnalis,palustris,Planorbis corneus, beide Physa undPaludina viviparafehlen auch hier. Erst im Lahnthal unterhalb Weilburg tretenHel. ericetorum,Bul. detritus,Limnaea stagnalisundUnio pictorumauf und bilden den Uebergang zu der Ebenenfauna.

DerTaunusin seinem grössten Theile beherbergt fast nur Nacktschnecken; in den Bächen finden sichUnio batavusund eine kleine Form vonAnodonta piscinalis, dannLimnaea peregraundAncylus fluviatilis, im Moos längs ihrer Ufer die gewöhnlichen Hyalinen. Nur in der Nähe der menschlichen Wohnungen und ganz besonders an den Ruinen ändert sich das Verhältniss:Vitrina pellucida,Draparnaldi,diaphana,elongata,Helix obvoluta,hortensis,incarnata,nemoralis,pomatia,Bulimus montanus,Pupa doliolum,Clausilia biplicata,plicata,plicatula,dubia,nigricans,parvula,laminatatreten auf, mitunter in colossalen Mengen, wie auf der Ruine Hattstein, wo ausser den genannten auch nochHelix rufescensundClausilia lineolatavorkommen. Im Rheinthale finden sich ausserdem noch an einzelnen Puncten die beidenDaudebardia,Helix personataundCyclostoma elegans.

Ein ganz anderes Bild bietet die Ebenenfauna, aber sie ist nicht an allen Puncten gleich entwickelt. Am gleichmässigsten natürlich ist die Fauna der Wasserconchylien, aber auch hier sind die kalkhaltigen Gegenden reicher, als die mit kalkarmem Alluvialboden. Betrachten wir zunächst die Fauna des Mains selber. Der Main durchfliesst die ganze Ebene mit ziemlich starkem Gefäll und raschem Lauf; seine Ufer sind durchschnittlich hoch, nur in der Nähe seiner Mündung sind am linken Ufer Dämme nöthig. Durch Strombauten, Dämme und Buhnen sind zahlreiche geeignete Wohnplätze für Muscheln und Schnecken geschaffen. Ich habe folgende Arten darin gesammelt:Limnaea auricularia var. ampla,ovata var. obtusa,stagnalis,Physa fontinalis,Planorbis corneus,albus,contortus,Ancylus fluviatilis,lacustris,Bithynia tentaculata,Valvata piscinalis,cristata,Neritina fluviatilis,Unio pictorum,tumidusundbatavus,Anodonta piscinalis,cygnea,Cyclas rivicola,cornea,solida,Pisidium obtusale,Tichogonia Chemnitzii. Manche davon, namentlich die Muscheln, finden sich in ungeheuren Massen, so dass der Grund an manchen Stellen förmlich damit gepflastert ist.

In die Nebenflüsse und deren Seitenbäche dringt diese Fauna nun sehr lückenhaft ein;Unio pictorumundtumidus,Cyclas solida,rivicolaundNeritina fluviatilisverschwinden zuerst. Eine genaue Untersuchung dieser Verhältnisse, zu der das jäh emporsteigende Gebirge lockt, ist noch zu machen; leider hat es bis jetzt meine Zeit noch nicht erlaubt, genauere Nachforschungen anzustellen.

An vielen Puncten der Ebene, z. B. um Schwanheim, sind die Wassergräben kaum bewohnt; am verbreitetsten darin ist nochPlan. contortus, dannLimnaea fuscaundelongata, welch letztere sich seltsamer Weise auf das linke Mainufer beschränkt, undPhysa hypnorum.Planorbis corneusnur an einer Stelle vorkommend, ist cariös. Mooriges Wasser und kalkarmer Boden mögen die Ursache sein. Ganz anders ist es im Lössboden, z. B. in der Umgebung von Sossenheim auf dem rechten Mainufer, in den Sümpfen der Riedgegend und in den Rheinsümpfen bei Mombach. In unzähligen Exemplaren, oft von riesenhafter Grösse, finden sich dort fast alle unsre Wasserschnecken,Hydrobia DunkeriundPisidium pusillumetwa ausgenommen.

Viel weniger gleichmässig sind die Landschnecken vertheilt. Gehen wir auch hier vom Maine aus. Dicht am Ufer halb noch im Wasser, finden wir eine kleine Nacktschnecke,Limax brunneus,Succinea putris,Pfeifferi, besonders vom Juli ab, undHyalina nitida. Weiter ab, aber noch im jährlichen Ueberschwemmungsgebiet, wird die Fauna reicher.Hyalina subterranea,nitidosa,fulva,Helix pygmaea,pulchella,costata,hispida,depilata,sericea,Cionella lubrica,Carychium minimum,Succinea oblongagesellen sich dazu, an günstigen Puncten auchHel. fruticum,arbustorum,hortensis,nemoralis,ericetorum, die wohl aus dem Spessart eingewanderteVitrina diaphanaund an der oberen Gränze des UeberschwemmungsgebietesPupa muscorum.

Vergleichen wir damit die Schnecken, welche wir im Geniste des Mains finden. Dasselbe ist sehr reich daran, namentlich das von den Winterfluthen angeschwemmte; das der Sommer- und Herbstfluthen enthält weniger Land- aber mehr Wasserschnecken. Die Ursache dieser Verschiedenheit suche ich darin, dass die Winterfluth die zahlreichen in den Winterquartieren zu Grund gegangenen Schnecken mitbringt, die noch an das Geniste ihrer früheren Wohnplätze angefroren und darum leichter zu transportiren sind. Folgende Arten wurden darin beobachtet:Vitrina pellucida,Hyalina cellaria,nitidosa,nitida,crystallina(subterranea),fulva,Helixpygmaea,rupestris(Speyer),rotundata,costata,pulchella,hispida,depilata,sericea,fruticum,strigella,bidens(nur in einigen Exemplaren bei Mühlheim),arbustorum,ericetorum,nemoralis,hortensis,pomatia,Buliminus tridens,detritus,obscurus,Cionellalubrica,acicula,Pupa frumentum,muscorum,pygmaea,septemdentata,minutissima,Venetzii,pusilla,Clausilia biplicata,Carychium minimum,Succinea putris,Pfeifferi,oblonga;Limnaea ampla,Planorbis corneus,albus,Bithyniatentaculata,Valvata cristata,piscinalis,Cyclas rivicola.

Zusammen also 47 Arten, aber davon finden sich nur die durch gesperrten Druck ausgezeichneten regelmässig in grösseren Quantitäten. Dieses Verhältniss ist wichtiger, als es scheint. Wir haben im unteren Mainthal eine ganze Anzahl Ablagerungen, die, aus ähnlichen Anschwemmungen entstanden, eine Menge Land- und Süsswasserschnecken enthalten und bis in die älteste Tertiärzeit zurückreichen. Natürlich können sie, lückenhaft wie sie sind, nicht ohne Weiteres ein Bild der damaligen Binnenconchylienfauna geben, aber wenn wir die jetzigen Anschwemmungen in quantitativer und qualitativer Beziehung sorgfältig mit der gesammten Fauna des Mainthals vergleichen, so erhalten wir einen Anhaltspunct, von welchem aus wir Schlüsse auf die diluviale und tertiäre Zeit machen können. Vielleicht wird es dann möglich sein, auf die Alluvialthone der Mainebene, die diluvialen Löss- und Sandablagerungen an ihren Rändern, die tertiären Kalke von Budenheim und Flörsheim gestützt ein Bild der geschichtlichen Entwicklung unserer Fauna in Darwinschem Sinne zu geben. Dass in dieser Periode eine ununterbrochene Entwicklung stattgefunden, beweisen einzelne Arten, die sich schon in der Tertiärzeit finden, wieHel. costataund die mit den heutigen trotz der eigenen Namen vollständig identischen Limnäen.

Entfernen wir uns von dem Ueberschwemmungsgebiete des Mains, so finden wir die Ackerfelder zu beiden Seiten meistens absolut schneckenleer, so weit sie aus Alluvialboden bestehen. Auch der Sandstrich, der als Rest alter Dünen von der Gegend von Rödelheim ab sich durch die Gemarkungen von Griesheim und Schwanheim quer durchs Mainthal bis in die Nähe des Ortes Kelsterbach erstreckt, ist absolut schneckenleer. Ganz dasselbe gilt von der kiesigen Schwelle, die, früher eine Kiesbank, dann eine Landzunge zwischen den Mündungen von Neckar und Main, Rhein- und Mainebene von einander trennt. Obschon fast in ihrer ganzen Ausdehnung mit Laubwald bedeckt, der sich ununterbrochen vom Odenwald bis gegen Rüsselsheim hinzieht, lässt sie doch selbst bei der sorgfältigsten Nachforschung kaum hier und da einmal eine versprengteHel. pomatia,nemoralisoderincarnataentdecken. Nur längs der den Wald durchschneidenden Landstrassen, und nur soweit dieselben mit Kalksteinen gedeckt werden, finden sichHel. pomatiaundnemoralis, sowiePupa muscorum. Wo Basalt an die Stelle des Kalkes tritt und zu beiden Seiten jenseits der Zone, die der Kalkstaub erreichen kann, ist die Schneckenfauna verschwunden. Wir haben also auch hier den Beweis, dass die Schnecken ohne grosse Bodenfeuchtigkeit existiren können und sich gerne mit Thau und Regen begnügen, wenn sie nur Kalk zum Bau ihrer Gehäuse finden.

Ganz anders wird das Bild, wo in der Nähe von Sachsenhausen Littorinellenkalke in dieser Kiesschwelle auftreten. Der Sachsenhäuser Berg mit seinen Massen vonfruticumundnemoralis, die Umgebung der oberen Schweinsteige und des Buchrainweihers, welche immer gemeint sind, wenn von dem Frankfurter Wald die Rede ist, sind vielleicht die ergiebigsten Puncte für den Sammler, die er in unserem ganzen Gebiete finden kann. Am Buchrainweiher kommen seltsamer Weise ganz isolirt in der EbeneHel. lapicida,obvoluta,Bul. montanusundClaus. ventricosavor.

Reich an Schnecken ist auch die Ebene wo sie aus Löss besteht, wie z. B. um Sossenheim;Hel. sericeaundstrigellafinden dort ihre eigentliche Heimath.

Eine eigenthümliche Fauna beherbergen dieKalkhügel zwischen Flörsheim und Hochheim, der Rand eines niederen Plateaus, welches dem südlichen Fusse des Taunus vorliegt. Ewig trocken und der glühenden Sonne ausgesetzt sind die Abhänge trotzdem meist mit einem dichten Moospolster bedeckt, in und auf welchem in unzählbaren MengenHel. ericetorum,Bul. detritusundtridens,Pupa frumentumundmuscorumleben; auchHel. pomatiaundnemoralissind sehr häufig. Auch hier lässt der Kalkboden die Schnecken über die mangelnde Feuchtigkeit hinwegsehen. In dem Thale desWickerbaches, das die Steinbrüche durchschneidet, und in dem Bache selbst ist ebenfalls eine ziemlich reiche Fauna entwickelt: zahlreiche Hyalinen,Hel. strigellaundhispidaund im BachePisidium amnicumundValvata piscinalisvon merkwürdiger Grösse, die kleine Bachform vonNeritina fluviatilisund die Taunusform desUnio batavuslassen den Sammler lebender Conchylien eben so gern die Flörsheimer Steinbrüche besuchen, wie den der Fossilien, für den hier classischer Boden ist.

Nicht minder interessant ist die alte Dünenwüste jenseits des Rheines, dieMombacher Heide. Aus schneeweissem Flugsand bestehend, den der Wind noch hin und her treibt und zu Hügeln zusammenweht, soweit nicht Waldanpflanzungen ihm Halt gebieten, wird sie durch ihren stark mit Kalk und selbst mit Salztheilchen gemengten Boden, den die Sonne an warmen Sommertagen fast zum Glühen erhitzt, zu einem der interessantesten Orte für die Botaniker, wie für den Hymenopterologen. Aber auch der Schneckensammler geht nicht leer aus. Zu den obengenannten Xerophilen kommt noch, an die strandbewohnendeHel. striatader Mittelmeerküsten erinnernd, die stark gerippteHel. costulataZgl., deren gebleichte Gehäuse zu Tausenden auf dem Sande herumliegen. Unter den einzelnen Büschen, die sich an geschützteren Stellen entwickelt haben, findet man Hunderte von leeren Gehäusen derVitrina pellucida, die sonst nur in feuchten Bergwäldern lebt, (wenn nicht eine Vergleichung der Thiere sie als specifisch verschieden erkennen lässt).

Eine reichere Ausbeute bieten noch die Sümpfe zwischen Mombach und Budenheim, die namentlich vonThomaegenauer untersucht wurden und für viele unserer kleinen Planorben und Valvaten die einzigen Fundorte sind.

Stellen wir nun zum Schlusse noch einmal Gebirgs- und Ebenenfauna einander vergleichend gegenüber, so finden wir erstere an Arten wie an Individuen gleicherweise ärmer, am ärmsten da, wo es dem Boden gleichzeitig auch an Kalk gebricht. Aechte Gebirgsschnecken, die sich nie oder nur selten an besonders günstigen Puncten in der Ebene zeigen, sindHydrobia Dunkeri,Pisidium pusillum,Helix lapicida,personata,obvoluta,Clausilia nigricans,Balea fragilis,Vitrina elongata,Draparnaldi. Aechte Ebenenbewohner dagegen sind in unserem Gebiete von Landschnecken:Hel. strigella,sericea,arbustorum,die Xerophilen,Bul. tridensunddetritus, die grossen Pupen und die Wasserschnecken mit Ausnahme der wenigen bei den Gebirgsfaunen erwähnten Arten.

So ist wenigstens das Verhältniss nach unseren jetzigen Kenntnissen der nassauischen Fauna; grosse Lücken sind darin freilich noch auszufüllen. Hoffen wir, dass diese Arbeit dazu beiträgt, den Anstoss zu einer lebhafteren und genaueren Durchforschung unseres Vereinsgebietes zu geben. Ich wiederhole nochmals meine Bitte an Jeden, der sich in Nassau oder den angränzenden Gebieten mit der so leichten und lohnenden Erforschung der Weichthierfauna beschäftigen will, sich mit mir in Verbindung zu setzen und mir seine Resultate mitzutheilen, damit es dereinst möglich sein wird, ein wirklich erschöpfendes Bild der Vertheilung der Mollusken in unserer Provinz zu geben.

Schwanheim, im Juni 1871.

Dr. W. Kobelt.

Tafel I.1.Daudebardia rufaDrp.2.„         brevipesDrp.3.Vitrina elongataDrp.4.„     Heynemanni C.Koch.5.„     diaphanaDrp.6.„     DraparnaldiCuv.7.„     pellucidaDrp.8.Hyalina nitidulaDrp.9.„       nitensMich.10.„       cellariaMüll.*11.„       nitidosaFér., stark vergrössert.12.„       nitidaMüll.13.„       crystallinaMüll.14.„       subterraneaBourg.*15.„       hyalinaFér.*16.„       fulvaMüll.*17.Helix rupestrisDrp.⎫*18.„    pygmaeaDrp.*19.„    rotundataMüll.⎬vergrössert.*20.„    aculeataMüll.*21.„    costataMüll.⎭*22.„    pulchellaMüll.23.„    obvolutaMüll.24.„    personataLam.25.„    incarnataMüll.26.„    fruticumMüll.27.„    strigellaDrp.28.„    hispida L.29.„    depilata C.Pfr.30.„    sericeaDrp.31.„    rufescensPenn.32.„    villosaDrp.33.„    ericetorumMüll.33a.„    ericetorum var. minor.34.„    candidulaStud.35.„    costulataZgl.


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